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Als Diabetiker so normal wie möglich leben - Die PTA in der Apotheke

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INSULINPUMPEN
Als Diabetiker so normal
wie möglich leben
Insulinpumpen sind klein, leicht und bequem in der Hosentasche zu verstauen. Durch
einen dünnen Katheter sind sie mit dem Körper des Patienten verbunden. Kontinuierlich
geben sie kleine Dosen schnellwirksamen Insulins ab – rund um die Uhr. Und können
so dazu beitragen, dass der Diabetiker den Alltag besser bewältigt.
F
Dauerversorgung Da Fachleute um die Vorteile einer möglichst physiologischen Insulingabe an den
Körper wissen, sind Insulinpumpen derzeit die beste
Methode, den körpereigenen Insulinspiegel nachzuahmen. Die Langerhans’schen Zellen in der Bauchspeicheldrüse produzieren über den gesamten Tag
hinweg kontinuierlich kleine Mengen an Insulin und
geben sie in die Blutbahn ab. Durch die Zufuhr von
Nahrung und dem damit verbundenen steigenden
Blutzuckerspiegel reagiert der Organismus mit einer
Die P·T·A in der Apotheke 36 (2007), Heft 1
© Medtronic GmbH
ast ein normales Leben zu führen – das
ist das Ziel der Diabetestherapie. Je nach
den Bedürfnissen des Betroffenen verbirgt sich hinter dem fast normalen Leben jedoch ein sehr unterschiedlicher Alltag. Wer regelmäßig lebt, nur gelegentlich in seinem Essrhythmus aus dem Rahmen fällt, für den kann eine Kombination aus Verzögerungsinsulin und schnell wirksamem Insulin, per Pen verabreicht, völlig ausreichen. Doch wer viel unterwegs ist und unregelmäßiger isst, für den reicht eine Standardtherapie nicht
aus. Diese Diabetiker nutzen häufig die intensivierte Insulintherapie, die allerdings in der Alltagsgestaltung noch keinen großen Spielraum lässt. Die dritte Möglichkeit ist das Tragen einer Insulinpumpe.
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INSULINPUMPEN
Erhöhung der Produktion und Ausschüttung des Insulins.
Eine Insulinpumpe ahmt die physiologische Dauerversorgung mit kleinsten Mengen an Insulin nach. Nur das den
Mahlzeiten entsprechende Insulin muss noch passend zugeführt werden. Dies geschieht im Regelfall über Knopfdruck an der Pumpe, durch den eine zusätzliche Portion
Insulin injiziert wird. Auf diese Weise kommen starke
Schwankungen des Blutzuckerspiegels seltener vor.
Bei der Liebe kein Hindernis Da die Pumpe Tag und Nacht
arbeitet, geht sie auch mit ins Bett – hier kann ein Täschchen im Schlafanzug oder in einem T-Shirt gute Dienste leis-
Schließlich gehört die Pumpe zum Menschen dazu, und das
sollte in der Liebe kein Hindernis sein.
Beinahe unsichtbar Die Insulinpumpe kann unter der Kleidung getragen werden. Dafür bieten die Hersteller zahlreiches Zubehör an: Taschen zum Umhängen oder am Gürtel
zu tragen, Stofftaschen, die mit Klettverschlüssen in der
Kleidung befestigt werden können, Halterungen für den BH,
Oberschenkeltragebänder oder Rückengurte vor allem für
Kinder. Die meisten Insulinpumpen tolerieren keinen Wasserzutritt. Deshalb werden sie vor dem Duschen abgelegt
oder in einem Duschtäschchen aus Kunststoff verwahrt. In-
VERGLEICH DER VERSCHIEDENEN THERAPIEFORMEN
Insulintherapie
Häufigkeit
des Spritzens
Flexibilität
Physiologische
Anpassung
Blutzuckermessungen
einfache Therapie
morgens und abends festgelegte Einheiten eines
Mischinsulins aus Depotund schnellwirksamem
Insulin
relativ gering, starres Spritzschema, die Mahlzeiten sind
nach den gespritzten Einheiten
auszurichten
gering
regelmäßig
notwendig
intensivierte
Insulintherapie (ICT)
mehr als dreimal täglich,
Gabe eines Depotinsulins
für die Dauerversorgung
(meist 2 x tgl.), zu den
Mahlzeiten entsprechend
schnellwirksames Insulin
relativ gute Anpassung an den
mittel
Insulinbedarf zu den Mahlzeiten (Bolus) möglich; die Abdeckung der Basalrate nicht komplett zufriedenstellend, da häufig nächtliche Hypoglykämien
oder morgendliche Hyperglykämien auftreten, außerdem feste Spritzzeiten des Verzögerungsinsulins, deshalb noch relativ
strenge Tagesplanung notwendig
regelmäßig
notwendig
gute Nachahmung der natürlichen Basalrate möglich; bei
den Mahlzeiten per Knopfdruck
die notwendige Menge Insulin
(Bolus) aus der Pumpe anfordern, auch bei zu hohen Blutzuckerwerten zwischendurch;
Tagesplanung flexibel, da keine
Spritzzeiten eingehalten werden
müssen, da die Pumpe kontinuierlich arbeitet, auch bei ausfallenden Mahlzeiten Verzicht auf
die Bolusgabe problemlos möglich
regelmäßig
notwendig
Insulinpumpe (CSII) kontinuierliche Versorgung
über eine Pumpe, Nadelwechsel nur alle zwei Tage;
Verwendung nur eines Insulins
ten –, von Fall zu Fall auch als Dritter bei den Dingen, die
man eigentlich lieber zu zweit erlebt. Hier reichen die Empfehlungen der Hersteller und Anwender von „Pumpe ablegen und nach dem Sex wieder anschließen“, wobei der Katheter liegen bleibt, bis hin zu „Pumpe einfach ignorieren“.
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hoch
zwischen ist auch eine wassersporttaugliche Insulinpumpe
auf dem Markt (Cozmo®). Insbesondere beim Sport muss
auf einen guten und sicheren Sitz der Pumpe geachtet werden; dafür gibt es spezielle Haltegurte.
Die P·T·A in der Apotheke 36 (2007), Heft 1
INSULINPUMPEN
Regelmäßiges Messen ein Muss Die Insulinpumpe erleichtert den Patienten das Leben sehr; das häufige Spritzen
kann im Idealfall fast wegfallen. Nur beim Katheterwechsel
ist ein Einstechen in die Haut unabdingbar. Dennoch muss
regelmäßig der Blutzuckerspiegel kontrolliert werden – üblich sind bis zu sechsmal täglich. Die Pumpe versorgt den
Organismus nur mit schnellwirksamem Insulin, und verrutscht der Schlauch oder wird er abgeklemmt, steigt der
Blutzuckerspiegel innerhalb kürzester Zeit deutlich an. Zwar
verfügen die Insulinpumpen über ein Alarmsystem, aber
nicht in allen Fällen informiert es seinen Träger, dass etwas
mit der Pumpe nicht in Ordnung ist.
Wenn die Pumpe kein Insulin mehr hat oder der Schlauch
verstopft ist und sie deshalb das Hormon nicht mehr richtig
abgeben kann, löst sie einen hörbaren oder einen Vibrationsalarm aus. Wer also die Pumpe unauffällig unter seiner
Kleidung trägt und nicht möchte, dass seine Umwelt erfährt,
dass er Diabetiker ist, kann die lautlose Variante wählen.
Nachts kann jedoch der hörbare Alarmton als Weckfunktion
sinnvoll sein. Einige Geräte machen während des Pumpens
Geräusche, die in sehr stiller Umgebung wahrgenommen
werden können.
Insulinpumpenhersteller versuchen derzeit, in die Pumpengeräte ein Blutzuckermessgerät zu integrieren. Optimal wäre es, wenn darüber hinaus noch die jeweils notwendige Dosisanpassung automatisch erfolgen könnte.
Katheter wechseln Der Katheter oder die Kanüle der Insulinpumpe sollte alle ein bis zwei Tage gewechselt werden.
Dafür muss der alte Katheter gezogen und – ähnlich wie bei
der herkömmlichen Insulintherapie – an einer um ein Stück
versetzten Stelle der neue Katheter subkutan eingestochen
werden. Es gibt dafür Kanülen aus Stahl, die senkrecht eingeführt werden, und flexible Teflonkanülen, die in einem 30Grad-Winkel eingestochen werden können.
Je nach Beschaffenheit des Unterhautfettgewebes kann der
Patient zwischen unterschiedlichen Kanülenlängen und
-durchmessern wählen. Diese sind mit den Pennadeln vergleichbar, zum Beispiel 12,0 Millimeter Einstichtiefe und
0,4 Millimeter Durchmesser. Die flexiblen Teflonkanülen
sind vor allem bei Kindern oder sportlich aktiven Menschen
zu empfehlen, da sie jede Bewegung mitmachen. Auch
Schwangere empfinden diese Kanülen angenehmer im
Tragekomfort. Ein Teil der Kanülen ist mit selbstklebenden
Rondellen ausgestattet, andere haften ohne Kleber auf der
Haut. Daneben gibt es solche, die grundsätzlich mit einem
hautfreundlichen Pflaster – meist werden eingeschlitzte
Pflaster empfohlen – fixiert werden müssen. Anwender berichten, dass die hautnahe Fixation der Kanülen notwendig
ist, da eine sich bewegende oder verrutschende Kanüle
schmerzhaft ist. Das ständige Verwenden von Pflastern
kann zu Hautreizungen führen, sicherlich einer der Nachteile
der Insulinpumpentherapie.
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Einführhilfen Um mehr Beweglichkeit zu haben, gibt es
Schlauchverlängerungsstücke, die mit Kupplungsteilen versehen sind. Dies hängt von der jeweiligen Pumpe und ihrem
Hersteller ab. In vielen Fällen wird das von Einwegspritzen
bekannte Luer-, in anderen das Quick-Release-System verwandt. Um das Einführen der Kanülen zu erleichtern, bieten
einige Hersteller Einführhilfen an. Hierbei muss auf die
Kompatibilität zwischen der Einführhilfe und der Kanüle geachtet werden. Ähnlich wie bei den Stechhilfen zur Entnahme von Blut zur Blutzuckermessung sollten die Empfehlungen der Hersteller genau befolgt werden.
T I P P S Z U R KO S T E N Ü B E R N A H M E
Die Kosten für die Versorgung mit Pumpen bei Diabetikern werden nicht von allen Krankenkassen in
gleichem Umfang übernommen. Einführhilfen werden teilweise gar nicht bezahlt, die Anzahl der Katheter und der für den Betrieb notwendigen Batterien ist pro Monat limitiert, wie in einigen Fällen
auch die maximale Meterzahl an Pflastern und anderen Verbrauchsmaterialien. Der Versicherte sollte, so weit ihm das möglich ist, individuell mit seiner Krankenkasse die Kostenübernahme diskutieren. Auch wenn die Versorgung mit Insulinpumpen
deutlich teurer ist im Vergleich zur Pentherapie, sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass durch die
Nachahmung der physiologischen Situation viele
Folgekrankheiten effizient verzögert und sogar vermieden werden können. Zudem sollte man den Zugewinn an Lebensqualität für Diabetiker nicht vergessen.
Insulinvorrat Insulinpumpen werden mit speziellen Pumpenkartuschen, die mit Normalinsulin befüllt sind, betrieben. Verzögerungsinsulin ist bei der Pumpentherapie überflüssig. Da nicht alle Normalinsuline in passenden Pumpenkartuschen angeboten werden, stehen so genannte Reservoir-Paks zur Verfügung. Sie haben je nach Pumpentyp unterschiedliche Fassungsvermögen, meist zwischen 1,8 Milliliter und 3,0 Milliliter. ●
Literatur bei der Autorin
Constanze Schäfer
Poststraße 4 · 40213 Düsseldorf
E-Mail: c.schaefer@aknr.de
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Gesundheitswesen
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