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These: „Schreib, wie du sprichst.“
These: „In der Rechtschreibwerkstatt sollen die Kinder so
schreiben, wie sie sprechen.“
Stand: 19. Mai 2007
Quelle: www.rechtschreibwerkstatt.de
Anhand des Konzepts der Rechtschreibwerkstatt wird den Kindern von Anfang an
vermittelt, dass man verschiedene Kompetenzen benötigt, um alles richtig schreiben
zu können. Das Haus der Rechtschreibwerkstatt ist ein Bild, das den Kindern die für
die Rechtschreibung benötigten Kompetenzen überschaubar macht: Jedes Zimmer
entspricht einer Kompetenz.
Bei mehr als der Hälfte aller Wörter der deutschen Gegenwartssprache ist die LautBuchstaben-Zuordnung eindeutig. Diese Wörter werden so geschrieben, wie sie im
Hochdeutschen gesprochen werden. Es ist also sinnvoll, die Kinder zu befähigen,
deutlich und hochdeutsch zu sprechen. Für diese erste und wichtigste zu vermittelnde
Kompetenz gilt in der Rechtschreibwerkstatt daher die Regel: „Schreib, wie du
sprichst – aber sprich deutlich und hochdeutsch.“
Das Lernziel für die Kinder liegt hier nicht im „Produkt“, Wörter so zu schreiben, wie
sie sie selbst sprechen. Ziel ist vielmehr, bei den Kindern die Kompetenz aufzubauen,
deutlich und hochdeutsch zu sprechen. Schrift ist die in Zeichen übersetzte gesprochene Sprache. Unsere deutsche Schrift ist keine Lautschrift, sondern eine an
den Lauten orientierte Schrift. Im ersten Zimmer der Rechtschreibwerkstatt (LB)
lernen die Kinder, ihre Sprache für das Schreiben zu nutzen und Wörter in ihre Lautbestandteile zu zerlegen sowie ein Gespür für die regelhaften Laut-BuchstabenBeziehungen zu entwickeln (siehe § 1 und § 22 der Rechtschreibregeln). Wenn die
Kinder hierzu in der Lage sind, können sie ihre Sprache für das „Herstellen“ von
Wörtern nutzen.
Diese Kompetenz wird im nächsten Zimmer (LD) erweitert. Da die Rechtschreibung
eine Vereinbarung ist, die sich an der deutschen Hochsprache orientiert, lernen die
Kinder in diesem Zimmer, das geschriebene Wort für die Weiterentwicklung der
eigenen Aussprache zu nutzen. Der Kernsatz lautet hier: „Sprich, wie du schreibst.“
Dabei werden die Kinder darauf aufmerksam, dass nicht ihre eigene (regionale und
dialektgefärbte) Sprache, sondern die deutsche Hochsprache die Grundlage für die
Verschriftung von Wörtern bildet.
1
Das Haus der Rechtschreibwerkstatt ist ein
Bild zur Vermittlung
der Rechtschreibkompetenz.
In mehr als 50% aller
deutschen Wörter ist
die Laut-BuchstabenZuordnung eindeutig!
Lernziel: Aufbau der
Kompetenz, deutlich
und hochdeutsch zu
sprechen
Deutsche Hochsprache
ist Grundlage für die
Verschriftung von
Wörtern.
These: „Schreib, wie du sprichst.“
Die Kompetenz, deutlich und hochdeutsch zu sprechen, reicht natürlich nicht aus, um
alles richtig zu schreiben. Im dritten Zimmer (LV) lernen die Kinder die Besonderheiten
bei der Unterscheidung zwischen kurz und lang gesprochenem Vokal kennen. Im 1.
Obergeschoss, der Wortebene, lernen sie dann, das Wissen um die Bedeutung der
Wörter für das richtige Schreiben zu nutzen. Der Grundsatz hierzu lautet: „Befrage
das Wort.“ Zu dieser Kompetenz gehört zum Beispiel, die Wortart bestimmen zu
können (Zimmer WA), Wörter abzuleiten oder in die Grundform zurückzuführen
(Zimmer WU) und Wörter in ihre Bestandteile zu zerlegen (Zimmer WZ).
Übersicht über die
weiteren Lernbereiche
des Hauses der Rechtschreibwerkstatt
Im 2. Obergeschoss lernen die Kinder, das Wissen um den Text (Kontextbezug) für
die richtige Schreibung zu nutzen. Da das deutliche und hochdeutsche Sprechen
eines Wortes allein nicht ausreicht, muss die Sprache der Kinder zu einer
grammatisch korrekten Satzbildung weiterentwickelt werden. Erst dann können die
Kinder den Satzaufbau (Zimmer SA) für die Rechtschreibung nutzen und einen Text
sinnvoll gliedern (Zimmer SZ).
Nicht zuletzt muss das Gespür für die regelhaften Zusammenhänge zwischen Lauten
und Buchstaben, Wörtern und Sätzen immer wieder in Frage gestellt werden. Zum
Gespür für das Regelhafte gehört auch ein Gespür für Besonderheiten und Ausnahmen. Die „Rumpelkammer“ macht die Kinder über den gesamten Lernprozess
hinweg darauf aufmerksam, dass die bereits erworbenen Kompetenzen für das
richtige Schreiben nicht ausreichen, da sie hier Wörter sammeln sollen, deren
Schreibweise sie noch nicht erklären können. Die Ausnahmeschreibungen werden
erst dann in Gruppen (z.B. v-Schreibung, Doppelvokalschreibung) oder Strukturen
(z.B. Dehnungs-h, Fremdwörter) gelernt, wenn die Kinder eine hohe Sicherheit in der
regelhaften Verschriftung erworben haben.
Ausnahmen und Besonderheiten – erst
nach Beherrschung
der regelhaften Verschriftung
Die drei großen Kompetenzgruppen (Laut-, Wort- und Kontextebene) bauen aufeinander auf und (!) entwickeln sich parallel zueinander. Auch die Kinder, die erst
noch lernen, deutlich zu sprechen, nutzen bei der Schreibung von Sätzen bereits
implizite, grobe wort- und kontextbezogene Strategien. Mit Hilfe des Konzepts der
Rechtschreibwerkstatt bearbeiten die Kinder die verschiedenen, für das Rechtschreiben benötigten Kompetenzen nacheinander so weit, dass diese fester Bestandteil eines sicheren Rechtschreibgespürs werden.
Die Behauptung, durch das Konzept der Rechtschreibwerkstatt würden die Kinder
lernen, so zu schreiben, wie sie sprechen, ist grundfalsch. Wir sagen den Kindern im
Gegenteil vielmehr: „Schreib, wie du sprichst – aber sprich deutlich und hochdeutsch.“
und zeigen ihnen, wie sie ihre Sprache weiterentwickeln können. Es wird ihnen aber
von Anfang an auch vermittelt, dass sie mehrere Kompetenzen beherrschen müssen,
um alles richtig schreiben zu können. Diese für das Rechtschreiben benötigten Kompetenzen werden den Kindern dabei – ebenfalls von Anfang an – in übersichtlicher
Form (Haus der Rechtschreibwerkstatt) dargestellt und Schritt für Schritt vermittelt.
Wenn Kinder im Fach Mathematik das Einspluseins lernen, dann ist ihnen klar, dass
diese Kompetenz noch nicht alles ist, was das Fach Mathematik ausmacht. Die Einführung des kleinen Einmaleins zum Beispiel kann erst dann gewinnbringend angegangen werden, wenn die Kinder die Plusaufgaben sicher beherrschen. Diese
Kompetenzen sind also die Voraussetzungen für das Erlernen des Einmaleins.
Genauso ist es mit den einzelnen Kompetenzen, die ein Kind auf dem Weg zum
richtigen Schreiben erwerben muss – jeder Lernschritt ist eben nur ein einzelner
Schritt und noch nicht das Ganze.
Es hat wenig Sinn, ein Kind die Aufgabe „326+7“ und die dazugehörende Lösung
„333“ auswendig lernen zu lassen. Wenn ein Kind aber das Prinzip der Addition verstanden hat und sich im Zahlenraum bis 1000 bewegen kann, dann wird es alle Plusaufgaben in diesem Zahlenraum rechnen können. Genauso ist es beim Erlernen der
Rechtschreibung. Es kommt nicht so sehr darauf an, ein ganz bestimmtes Wort zu
üben, um es richtig schreiben zu können. Verfügen die Kinder aber über die für das
Rechtschreiben benötigten Kompetenzen, so können sie nicht nur die zuvor geübten,
sondern alle Wörter richtig schreiben.
2
Die Behauptung:
„In der Rechtschreibwerkstatt lernen Kinder,
so zu schreiben, wie sie
sprechen.“
ist falsch!
Vergleich mit Mathe:
Keine Multiplikation
ohne Addition!
These: „Schreib, wie du sprichst.“
Abschließend zur Verdeutlichung ein Beispiel:
Im Unterricht (Klasse 2) wird das Thema „Tiere“ besprochen. Die Kinder erzählen von
ihren Haustieren und die Klasse macht einen Ausflug in den Zoo. Hierzu werden
Texte gelesen und von den Kindern Texte geschrieben. Wichtige Themenwörter
werden gesammelt und auf einem „Themenplakat“ in der Klasse aufgehängt. Dort
stehen Wörter wie z.B. Zoo, Affe, Wärter, Eintrittsgeld, Futter, Pinguin, Elefant usw.
Unbekannte Wörter sammeln: In Abhängigkeit von ihrer Schreibkompetenz sammeln
die Kinder unbekannte Wörter in ihrer „Rumpelkammer“. Ein Kind, das beispielsweise
im ersten Zimmer (LB) arbeitet, wird mit Ausnahme von Elefant alle Wörter in seine
„Rumpelkammer“ legen. Ein anderes Kind, das bereits die Kennzeichnung der kurzen
Vokale beherrscht (Zimmer LV), wird nur Zoo, Wärter und Eintrittsgeld aufschreiben.
Ein drittes Kind, das schon die Wortumformung und -ableitung beherrscht, wird nur
noch das Wort Zoo in seine „Rumpelkammer“ aufnehmen.
Texte schreiben und korrigieren: Zum Zoobesuch schreiben die Kinder kleine Texte.
Diese werden zunächst inhaltlich und anschließend von den Kindern auch
rechtschriftlich überarbeitet. Bei der Überarbeitung erwarten wir von den Kindern,
dass sie solche Verschreibungen finden und korrigieren, die sie mit ihrem bisher erworbenen Rechtschreibwissen tatsächlich finden können. Das erste Kind wird die
Verschreibung *Werter anstelle von Wärter möglicherweise nicht entdecken, da es
noch nicht gelernt hat, Wörter auf ein Grundwort (Kontrollwort) zurückzuführen. Die
Verschreibung *Wetrer würden wir demgegenüber aber als falsch markieren, denn
hätte das Kind das Wort deutlich gesprochen, so wäre es nicht zu dieser Verschreibung gekommen.
Bewertung: Neben der inhaltlichen Bewertung erfolgt immer auch eine rechtschriftliche Würdigung des Textes. Verschreibungen in Wörtern, die das Kind noch nicht richtig schreiben kann (Beispiel *Werter), werden korrigiert (z.B. wird das Wort richtig an
den Rand oder unter den Text geschrieben). Andere Verschreibungen (Beispiel
*Wetret) werden als falsch markiert und fließen ggf. in die Bewertung der Arbeit ein.
Weiterführende Übungen: Die Texte eines Kindes werden von der Lehrerin immer
auch zur Erfassung seines Lernstandes genutzt. Häufen sich in einem Text beispielsweise unpassende Laut-Buchstaben-Zuordnungen, so wird die Lehrerin dem Kind
empfehlen, weiter in diesem Bereich zu üben. Bei einem Text, der auf der Lautebene
weitgehend korrekt ist, wird die Lehrerin anhand der Verschreibungen entscheiden, in
welchem anderen Lernbereich das Kind mit Ertrag weiterarbeiten kann. So könnte ein
Kind, das in seinem Text *Afe, *Eintrit, *Futer, *Wärtter, *Wise usw. geschrieben hat,
im nächsten Schritt lernen, lang und kurz gesprochene Vokale zu unterscheiden.
Umgang mit „Fehlern“: Wörter, deren Schreibung ein Kind noch nicht verstehen kann,
bleiben für die folgenden Übungen unberücksichtigt. Schreibt ein Kind also *Zo, so
wird die Lehrerin die richtige Schreibung unter dem Text notieren. Das Kind schreibt
das Wort auf einen Zettel und legt ihn in die „Rumpelkammer“. Zu diesem Zeitpunkt ist
es wenig zielführend, das Kind das Wort Zoo üben zu lassen. Die Lehrerin kann sich
sicher sein, dass das Kind dieses Wort spätestens dann richtig schreiben können
wird, wenn es sich mit den Ausnahmeschreibungen beschäftigt. Dann wird das Kind
sogar nicht nur das Wort Zoo, sondern alle Wörter, die mit zwei o geschrieben
werden, richtig schreiben können.
3
Unterrichtseinheit
„Zoobesuch“ – ein
Beispiel für die Entwicklung von Rechtschreibkompetenz,
Differenzierung und
Anwendung der Rechtschreibwerkstatt
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