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Limbach darf, wie Wallendorf, als eine Wiege des Thüringer

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Limbach darf, wie Wallendorf, als eine Wiege des Thüringer Porzellans gelten. Der auf der
rauen Höhe des Thüringer Waldes (Schiefergebirge) gelegene Flecken ist engstens mit der
Persönlichkeit Johann Gotthelf Greiners (1732-1797) verbunden. Er gilt als „Vater“ der
Porzellanindustrie im Thüringer Wald. Als einer der wenigen hat er, gemeinsam mit seinem
Vetter und späteren Schwager Johann Gottfried Greiner und dem Coburger Töpfermeister
Johann Georg Dümmler, die Nacherfindung des Porzellans in Thüringen unabhängig von der
Leistung Böttgers erbracht. Nach etlichem Experimentieren vermochte man Anfang August
1761 echtes Porzellan mit einer zufrieden stellenden Glasur zu fertigen. In der nach 1792
niedergeschriebenen Autobiographie rühmt Gotthelf Greiner die Thüringer Produktion „als in
jeder Hinsicht dem Meißener Porzellan gleich…“
Da die im Februar 1762 im zuständigen Meiningen schließlich erlangte Konzession für eine
Porzellanfabrik gravierende Lücken aufwies, mussten sich die beiden Greiners, und gewiss
nicht leichten Herzens, mit dem seinerzeit ebenfalls laborierenden Hütteninspektor Johann
Wolfgang Hammann in Katzhütte zusammenschließen. Im Verein etablierten sie 1764 eine
Porzellanfabrik auf dem Hohenthalschen Rittergut in Wallendorf. Gotthelf Greiner schied im
Frühjahr 1772 in Unfrieden aus dem Konsortium aus (sein Vetter Gottfried war bereits 1768
verstorben), um in seiner Heimat Limbach, auf dem Terrain der alten väterlichen Glashütte,
eine eigene Porzellanfabrik zu gründen. Schon am 17. Juni desselben Jahres erteilte ihm der
wiederum zuständige Meiningische Hof das erforderliche und diesmal günstiger abgefasste
Privileg. Am 10. November 1772 erfolgte der von Greiner mit „Bangigkeit“ selbst besorgte
erste Brand, der indes „vortrefflich gelang“.
Der Betrieb, der in der Umgebung gelagerte Rohstoffe verwenden konnte, entwickelte sich
bald in erfreulicher Weise. Um 1780 beschäftigte man schon, ohne Tagelöhner und sonstige
Hilfsarbeiter, an die 50 Porzelliner, darunter Bossierer und Maler aus Süddeutschland – ein
für diese Zeit ansehnliches Unternehmen. Zeitgenössische Quellen, auch eine kleine
Darstellung auf einem Glasbild überliefen uns die Fabrikanlage mit ihren Wohn-, Wirtschaftsund Fabrikationsgebäuden noch vor dem verheerenden Brand von 1840.
Wie schon angedeutet, produzierte man in Limbach in der Frühzeit neben dem
Figurenporzellan ein überwiegend volkstümliches, bescheiden ausgestattetes
Gebrauchsgeschirr für den Kaffee- und Teetisch, dazu Teller, Schalen, Barbierbecken,
Schreibzeuge und Massenartikel, wie die damals verbreitete Türkenkoppchen und
Pfeifenstummel. Dem ältesten auf uns gekommenen Preiskurant von 1810 zufolge wurden die
Erzeugnisse nach Hamburg, Minden, Hannover, nach Kassel, Kissingen, Tübingen, Nürnberg
und anderenorts verschickt.
Beim Gebrauchsgeschirr erhielten Blaublümchen- und Halmdekor auf geripptem Grund den
Vorzug, daneben so genannte indianische Blumen (Strohmodell), polychrome „deutsche“
Blumen und eine liebenswerte Blumengirlanden- und Streublümchenmalerei. Darüber hinaus
wurde, wohl mit etwas trockener und provinzieller Note, auch die Landschafts- und
Figurenmalerei gepflegt. Auf das Feld antiker Szenen wagte man sich seltener und mit wenig
Phantasie. Plastischer Zierart wurde recht sparsam verwendet, dem Sortiment fehlte die
Vielseitigkeit, der Glasur des Scherbens die Feinheit und Transparenz. So ist es verständlich,
dass man mit einschlägigen Erzeugnissen – etwa aus Kloster Veilsdorf, Volkstedt oder Gotha
– nicht zu konkurrieren vermochte.
Dennoch ging aus Limbach auch feineres, durchaus anspruchsvolles Gebrauchsporzellan
hervor. Vortreffliches leistete der mehrfach nachgewiesene Buntmaler Heinrich Elias Dressel,
der das originelle so genannte Haartrachtenservice (gegen 1870) im Eisenacher Museum
staffierte, bei dem es sich wohl um ein Unikat handelt. Auch das Ensemble aus einem
vornehmen Teeservice (um 1780-1785) im British Museum in London stellt eine
porzellankünstlerisch beachtliche Leistung dar, nicht minder das geschmackvoll verzierte, auf
ein Berliner Vorbild zurückgehende klassizistische Dejeuner in den Kunstsammlungen zu
Weimar.
Überboten werden auch diese Stücke jedoch von den schon gerühmten Limbacher Figuren,
die sich stilvoll von eigenständig darbieten. In ihrer Frische und Ursprünglichkeit, in ihrem
gewinnenden Charme sind sie zu echten Kindern der Thüringer Landschaft geworden und
lassen das Herz des Kenners höher schlagen. Wieder sind es, wie bei den anderen „WaldFabriquen“, Jahreszeitenfolgen, Bauern, Handwerker, Musikanten, Landmädchen, die sich
beschwingt im Tanze drehen. Sie fallen wohl etwas gedrungen oder auch überschlank aus,
bestechen jedoch durch eine feine Modellierung und Bemalung. Mögen die fragilen Körper
bisweilen auch ungelenk und steif, die Gliedmaßen schlaksig, die Gesten komisch geartet
sein, so ist es doch nichts stümperhaft. Mythologische und religiöse Motive sind sehr selten
aufgegriffen worden. Das war dem Limbacher Modelleur offensichtlich ein zu unsicherer
Boden. Und wenn man sich einmal auf Modelle anderer Fabriken, etwa aus Kloster Veilsdorf
oder Süddeutschland, bezog dann würde daraus in Limbach doch etwas ganz Eigenes. So
urteilt Albrecht Kurzwelly durchaus zu Recht: „Gewiss ist selbst an ihren besten figürlichen
Erzeugnissen sein provinzieller Zug nicht zu verkennen, und doch entbehren selbst die
mittleren Qualitäten nicht einer gewissen ursprünglichen Frische, eines gewissen
individuellen Reizes… Die Limbacher Figuren wirken also vor allem deshalb so anziehend,
weil sie etwas Bodenständiges an sich haben, ihre Herkunft nicht verleugnen, weil sie das
kleinstädtische Wesen der damaligen Thüringer Bevölkerung getreu und ungeschminkt
widerspiegeln.“ Erzeugnisse ist in den frühen Jahren gern mit dem Monogramm „LB“ in
Purpur und Eisenrot, seltener Grau auf der Glasur, beim Blauporzellan vorzugsweise in Blau
unter der Glasur gemarkt worden. Daneben ahmte man als ein Beispiel, durch zwei gekreuzte
„L“ mit einem Sternchen darunter versehen, recht raffiniert die Meissner Marcolini-Marke
nach. Eine ganze Anzahl früher Stücke, vor allem im figürlichen Bereich, blieb jedoch ohne
Marke. Bei einer Zuordnung müssen dann die Begutachtung des Scherbens, der Glasur,
stilistischer Merkmale oder etwa die Art des Sockels weiterhelfen.
Ein Verweis Herzog Georgs von Sachsen-Meiningen aufgrund von Beanstandungen auf der
Leipziger Michaelis-Messe 1787 veranlasste Gotthelf Greiner im Januar 1788 zu einer
Erklärung, in Zukunft nur noch das Kleeblatt als Marke zu gebrauchen. Es erfolgte dies
gemeinsam mit den Betrieben in (Groß-)Breitenbach und zeitweilig in Ilmenau, später – etwa
ab 1798 – auch in Kloster Veilsdorf. Die in Form und Größe variierende Bodenmarke ist in
Schwarz, Braun, Grün, Purpur und Gold wie auch in Unterglasur-Blau hinlänglich bekannt; in
der Anfangszeit wurde sie auch eingeritzt oder eingepresst.
Bereits 1792 hatte der durch Krankheit und mancherlei Sorgen gebeugte Vater Greiner die
Leitung des Unternehmens den geschäftstüchtigen fünf Söhnen übertragen und verfügt, dass
es von ihnen gemeinsam weitergeführt werde. Von den Kindern nahm sich Hauptmann
Florentin (geborene 1764) vornehmlich der Fabrik in Limbach an und hatte dort im
„Hauptmannshaus“, zwischen Rathaus und Gasthof gelegen, seine Wohnung. Auf einem
repräsentativen zeitgenössischen Ölgemälde, das sich heute im Museum im südthüringischen
Eisfeld befindet, werden die fünf Söhne Gotthelf Greiners, Hauptmann Florentin in der Mitte,
„brüderlich“ vereint dargestellt.
Die Fabrik in Limbach fand sich bis Ende der sechziger Jahre des vergangen Jahrhunderts im
Besitz der Greinerschen Familie, zuletzt von einem Enkel und einem Urenkel Gotthelf
Greiners geleitet. Das Unternehmen bestand weiter, orientierte sich nunmehr zur
Puppenherstellung hin, doch schon nach 1940, nun Teil der Firma Paul Heerlein in Steinheid,
gab es in Limbach keine geregelte Produktion mehr. Im Frühjahr 1945 ist der Betrieb durch
Kriegseinwirkungen erheblich zerstört worden und seitdem nicht mehr existent.
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Seele and Geist
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