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Emissionsprozesse automatisieren – aber wie? - Syracom AG

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i t + o r g a n i s at i o n
F l o w p r o d uk t e
Emissionsprozesse automatisieren
– aber wie?
Die Kurse an den Börsen ziehen weiter an. Banken, die Zertifikate – also strukturierte, derivative Wertpapiere vorwiegend für Privatpersonen – ausgeben, gehen von einem weiteren
deutlichen Wachstum des deutschen Zertifikatemarktes aus.
↗ Hadi Stiel
U
m sich dafür angemessen aufzustellen,
zweistellige Wachstumsraten (von rund 80
gerichtet und preislich attraktiv sein. Nur
haben erst wenige Banken den kom-
Mrd. Euro zu Jahresbeginn 2009 auf 103,2
unter diesen Voraussetzungen werden Kun-
pletten Lebenszyklus ihrer Zertifikate-
Mrd. Euro im Dezember). Dieser Wert liegt
den das passende Produkt finden.“
Emissionen – bis hin zur Veröffentlichung
aber noch etwa 35 % unterhalb des Höchst-
Für Kurz steht außer Frage: „Die Emit-
von Flow-Produkten – soweit wie möglich
standes vom September 2007 (139 Mrd.
tenten benötigen ein System zur Workflow-
automatisiert. Einige Banken wiederum
Euro).
Unterstützung und -Automatisierung, um
haben innerhalb dieses Lebenszyklusses
darüber den gesamten Wertpapieremissi-
zumindest punktuell den Optimierungshe-
Unter Konkurrenzdruck
onsprozess – von der Produktausstattung
bel angesetzt. Eines haben diese Banken
Die Handlungsnotwendigkeiten, unter dem
über die Emission bis hin zur Fälligkeit der
gemeinsam: Sie wollen schneller und kos-
die ausgebenden Institute von Zertifikaten
Wertpapiere – konsequent zu automatisie-
tenoptimiert ihre Privatkunden mit indivi-
stehen, ist offensichtlich. „Wer sich in die-
ren.“ Nur unter dieser Voraussetzung seien
duellen, kapitalmarkt- und anlegerorien-
sem Markt langfristig behaupten will, muss
das sich einerseits ausweitende Produktuni-
tierten Zertifikateprodukten erreichen.
Veränderungen schnell nachvollziehen und
versum, andererseits die steigenden Time-
Parallel, trotz harter Konkurrenz, möchten
notwendige Investitionen in die Zukunft
to-market-Anforderungen in den Griff zu
sie ihr Zertifikatevolumen und -geschäft
tätigen. Ansonsten droht der Verlust der
bekommen.
steigern.
eigenen Marktposition“, bringt Hendrik
Zertifikate sind rechtlich gesehen Inha-
Kurz, Geschäftsfeldleiter der SYRACOM
berschuldverschreibungen. Für die ausge-
AG, die Ausgangsposition für diese Institu-
retail-werkbank für
automatisierten Workflow
bende Bank sind Zertifikate ein wichtiges
te auf den Punkt. Er geht davon aus, dass
Das hat die DZ BANK mit Unterstützung
Mittel zur Refinanzierung, beispielsweise
kleinere Emittenten es in Zukunft in die-
der Syracom AG getan. Bei der DZ BANK
des Kreditgeschäftes für mittelständische
sem Marktumfeld schwerer haben werden.
wird über die sogenannte „Retail-Werk-
Firmenkunden. Die TOP 5-Emittenten von
Der Grund: „Sie können aufgrund eines zu
bank“ der gesamte bankinterne Workflow
Zertifikaten in Deutschland sind: Deutsche
geringen Automatisierungsgrades und
zwischen Handel, Vertrieb, Produktent-
Bank, DZ BANK, Commerzbank, WestLB,
einem gleichzeitig wachsenden Produktan-
wicklung, Produktmanagement und Lis-
und die Hypovereinsbank. Diese vereinigen
gebot Skaleneffekte nicht realisieren“, pro-
ting sowie die externe Übermittlung, also
laut dem Deutschen Derivate-Verband in
phezeit er. Die Geschwindigkeit des Markt-
die Veröffentlichung für Vertriebspartner,
Deutschland etwa 79 % des ausstehenden
eintritts (time-to-market) und ein kunden-
Informations-Provider, Zeitungen, Börsen
Zertifikatevolumens auf sich.
individueller Zuschnitt sind nach Ansicht
und Abwicklungseinheiten gesteuert. Für
Euphorie ist dennoch nicht angesagt.
von Kurz nicht die einzigen Herausforde-
Branislav Sincic, stellvertretender Direktor
Zwar zeigt die Entwicklung des Volumens
rungen, vor denen die ausgebenden Banken
und Leiter Retailplattformmanagement der
in Deutschland in 2009 nach dem Einbruch
stehen: „Ihr Produktuniversum muss breit
DZ BANK AG, ist entscheidend, über die
im Herbst 2008 und Frühjahr 2009 wieder
genug, auf die aktuelle Marktsituation aus-
Retail-Werkbank das Durchlaufvolumen
50 BANKMAGAZIN
05.10 www.bankmagazin.de
i t + o r g a n i s at i o n
↗
Interview
BANKMAGAZIN: Herr Sincic, worauf zielt die DZ BANK mit der
Automatisierung von Emissionsprozessen und dem massiven
Ausbau der Flowprodukte ab?
Sincic: Im Jahr 2008 haben wir bereits den Prozess für unsere
Interview mit Branislav Sincic,
Leiter Retail-Plattformmanagement bei der DZ BANK
Zeichnungsprodukte mit der Retail-Werkbank vollständig
automatisiert und konnten während der Krise sehr flexibel
und schnell auf die Bedürfnisse unserer Kunden und des
Unsere Kunden hinsichtlich ihres Anlageverhaltens und ihren
Marktes reagieren. Die Erweiterung des Systems für Flow-
individuellen Anforderungen an Wertpapierprodukte zu belie-
Produkte ist der nächste Schritt. Uns ist insbesondere wich-
fern, macht letztlich den beiderseitigen Erfolg aus.
tig, das Durchlaufvolumen zu erhöhen. Wenn wir über Nacht
künftig 600 bis 700mal soviele Flow-Produkte emittieren und
BANKMAGAZIN: Eine Automatisierung von Emissionsprozes-
veröffentlichen, reagieren wir sehr zeitnah auf Marktanforde-
sen und die Veröffentlichung von Flow-Produkten kommt
rungen. Wir sehen für die DZ BANK im Handelsvolumen für
nicht über Nacht. Was muss dafür getan werden?
Flowprodukte die Verdopplung des Emissionsvolumens.
Sincic: Ein solches Projekt ist intern wie extern durch heterogene Systemumfelder bei allen Prozessbeteiligten geprägt.
BANKMAGAZIN: Also führt eine gesteigerte Menge an Emissi-
Dokumente, Abläufe, technische und manuelle Schnittstellen
onen zum Geschäftserfolg?
bis hin zu den vielen beteiligten Systemen, Diensten und An-
Sincic: Die Menge allein nicht. Gerade im Sinne der Kunden-
wendungen müssen untersucht werden, um sie im nächsten
orientierung ist im Marktsegment der sogenannten Flow-Pro-
Schritt einer Bereinigung zu unterziehen. Wichtig ist außer-
dukte die Sortimentsbreite ein erfolgskritischer Faktor. Nur
dem, alle involvierten Fachbereiche entlang der Emissions-
mit einem entsprechenden Portfolio können wir auf die
und Veröffentlichungsprozesse in das Projekt zu integrieren.
Bedürfnisse einzelner Kundengruppen noch besser eingehen.
Interview: Hadi Stiel
signifikant zu erhöhen, bei gleichzeitiger
auch eine konsequente Schnittstellenberei-
Dr. Klaus Spanderen, Head of Financial
Sicherstellung einer hohen Prozessqualität.
nigung. Das reduziert Fehler, Bearbeitungs-
Engineering bei der WestLB, spricht von
„Noch kann ohne vorherige Ankündigung
schleifen, Zeitverzüge, Kosten und System-
einer Beschleunigung in Richtung der Kun-
und Abstimmung nur eine verhältnismäßig
komplexität.“ Kurz registriert, dass Schnitt-
den um durchschnittlich Faktor 100, in der
geringe Anzahl von Flow-Produkten als
stellenpartner wie Clearing-Häuser, Börsen
Spitze sogar um Faktor 250. „Die rasante
Overnight-Emissionen am Markt etabliert
und Informations-Provider großes Interes-
Bewertung eröffnet uns außerdem kürzere
werden“, sagt Sincic. „Unser Ziel ist es, durch
se daran haben, ihre manuellen Schnittstel-
Entwicklungszyklen und damit auch eine
die Automatisierung 600 bis 700 mal mehr
len zu automatisieren, um so beschleuni-
noch kundengerechtere Produktentwick-
Flow-Produkte über Nacht auszugeben.
gend, qualitätssteigernd und kostensparend
lung“, schwört Spanderen auf die neuen
zu agieren. „Ihr Interesse wächst mit der
Grafikprozessoren. Bevor ein Kurs und
Zunahme der Anzahl der Emissionen“, so
Preis für ein Zertifikat quotiert werden
Kurz.
kann, muss dieser anhand numerischer
Vorteile konsequenter
Automatisierung nutzen
Der Reiz der Automatisierung liegt für Kun-
Simulationen errechnet werden. Die West-
den und Berater darin, aus einer breiten
Schnellere Preisstellung
LB ist nach dem Deutschen Derivate-Ver-
Produktpalette schöpfen zu können.“ Pro-
Mehr Emissionen und eine schnellere Preis-
band die Nummer fünf unter den deutschen
duktvielfalt bei Struktur, Underlying und
stellung für Zertifikate hat auch die WestLB
Emittenten. Diese Position hofft jetzt die
Laufzeit seien maßgebliche Verkaufsga-
im Auge, um ihre Stellung in diesem Markt
WestLB mit der neuen, grafikprozessorge-
ranten. Stehen die automatisierten Prozesse,
zu festigen. Über Grafikprozessoren soll
stützten Verfahrensweise auszubauen. ↙
hat der Emittent nach Kurz viele Vorteile:
jetzt die Berechnung von Kursen ihrer Zer-
„Weniger Medienbrüche, kaum mehr manu-
tifikate und strukturierten Aktienprodukte
autor: Hadi Stiel ist freier
elle Abläufe, keine Mehrfacheingaben und
deutlich schneller vonstatten gehen.
Journalist in Bad Camberg.
www.bankmagazin.de
05.10
BANKMAGAZIN 51
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