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Gefeilscht wird darum, wer wie viel zu bezahlen hat - Spital Davos

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B T- S T A M M T i S c H
Mittwoch, 29. Februar 2012
WoRTWöRTLicH
5
Spitalfinanzierung (1)
«Nach den superprovisorischen haben wir nun
provisorische Tarife, die zudem noch viel zu
hoch sind.»
Vincent Augustin, Geschäftsführer Tarifsuisse/Santésuisse Graubünden
«Die ganze Dynamik der Kostensteigerung
bleibt bei jenen hängen, die den Rest übernehmen müssen, also der öffentlichen Hand.»
Rudolf Leuthold,
Leiter Gesundheitsamt Graubünden
«Die fehlenden Tarifentscheide führen im Spital zu Unsicherheit und erhöhen den administrativen Aufwand.»
Markus Hehli
Direktor Spital Davos
«Wir verhandeln nicht über die Tarife, um die
Leistungserbringer zu ärgern, sondern um die
Interessen unserer Kunden zu vertreten und bezahlbare Tarife zu erreichen.»
Stefan Schena, Verwaltungsratspräsident
Tarifsuisse und CEO ÖKK
«Der zusätzliche Aufwand kommt nicht
dem Patienten zugut»: Markus Hehli.
«Sollte dereinst das Bundesverwaltungsgericht
die Tarife festlegen müssen, dürften wir noch
zwei bis drei Jahre provisorische Tarife haben.»
Barbara Janom Steiner, Regierungspräsidentin und Gesundheitsdirektorin
«Bei den Tarifen haben wir eine geringe Einflussmöglichkeit, werden diese doch durch den
Preisüberwacher und letztlich durch das Bundesverwaltungsgericht festgelegt.»
Arnold Bachmann,
Direktor Kantonsspital Graubünden
«Der zusätzliche Aufwand hat nichts mit der
Gesundheitsversorgung zu tun und kommt somit nicht dem Patient zugute.» Markus Hehli
«Es gibt nicht nur Kostenunterschiede zwischen den Spitälern, sondern auch zwischen
den Versicherern, nur wird über diese nicht gesprochen.»
Rudolf Leuthold
«Wenn jeder nur für sein Spital schaut, gibt
es bloss ein Wettrüsten»: Stefan Schena.
«Der Prozess der Spitalplanung wird noch einiges an Kraft, Energie und Ausdauer erfordern.»
Barbara Janom Steiner
«Wenn ich auf hohem Niveau abschliesse, bekomme ich immer einen Vertrag.»
Stefan Schena
«Mich wundert nicht, dass der Kantonsspitaldirektor am lautesten jammert, vom Direktor
des Spitals in Santa Maria habe ich noch nichts
gehört.»
Vincent Augustin
«Probleme haben vor allem jene Spitäler, die
viel ausbilden und grosse gemeinwirtschaftliche Leistungen erbringen.» Arnold Bachmann
«Mit einem Investitionsbeitrag von zehn Prozent lässt sich mittelfristig die Infrastruktur in
keinem Spital erhalten.»
Markus Hehli
«Herr Leuthold hat im Gesundheitsamt ein
kleines Königreich aufgebaut, aber dieses
bringt auch Leistung, und im Vergleich zu Zürich ist das ein Pappenstiel.»
Vincent Augustin
«Das günstigste Spital weist fast immer irgendwelche besonderen Umstände auf.»
Arnold Bachmann
An einem Tisch: Spitaldirektor Arnold Bachmann, Regierungsrätin
Barbara Janom Steiner, Krankenversicherer Stefan Schena (v.l.) ...
... Spitaldirektor Markus Hehli, Amtsleiter Rudolf Leuthold und
Tarifsuisse-Geschäftsführer Vincent Augustin (v.l.)
Gefeilscht wird darum, wer
wie viel zu bezahlen hat
Die öffentliche Hand, die
Krankenversicherer
und die Spitäler feilschen
um die Tarife in
der Spitalfinanzierung.
Am BT-Stammtisch
haben sie dargelegt,
weshalb sie sich bisher
nicht einigen konnten.
zu Unsicherheiten und erhöhtem
administrativem Aufwand. Als Spital in einer Tourismusregion müsse
das Spital Davos nach etwa 25 verschiedenen Tarifen abrechnen.
Stefan Schena, als Verwaltungsratspräsident von Tarifsuisse und
CEO der ÖKK einer der Diskussionspartner, stellt fest, dass bei den
Leistungserbringern immer noch
das Kostendenken statt das Leis-
Von Norbert Waser (Text)
und Yanik Bürkli (Bilder)
Weil sich die Krankenversicherer
und die Spitäler bezüglich der Fallpauschalen für die Abrechnung von
stationären Leistungen nicht einigen konnten, hat die Regierung die
Tarife provisorisch festgelegt.
Glücklich darüber ist niemand. Vincent Augustin, Geschäftsführer von
Tarifsusisse und Santésuisse Grau-
BT-Stammtisch
bünden, spricht von einer Tarifbaustelle. Er wundert sich, dass diese
Tarife höher sind als beispielsweise
in Zürich, wo sicher die höheren
Löhne bezahlt würden. Aus Sicht
der Aufsichts- und Genehmigungsbehörde sei der Arbeitsaufwand um
Welten höher, weil sich die Tarifpartner nicht einigen konnten, zudem sei es zu einem Jekami-Spiel
geworden, weil bis zu drei «Tarifeinkaufsgesellschaften» mit den
Spitälern selber verhandelten.
Ein Fall für das Gericht
Unbefriedigend ist diese Situation auch für Markus Hehli, Direktor
im Spital Davos, führt diese doch
Die Teilnehmer
Zum Abschluss ihrer Tätigkeit
im Gesundheitsdepartement hat
sich
Regierungspräsidentin
Barbara Janom Steiner mit den
Spitaldirektoren Arnold Bachmann (Kantonsspital Graubünden) und Markus Hehli (Spital
Davos) und den Krankenkassenvertretern Stefan Schena
(CEO ÖKK und Verwaltungsratspräsident Tarifsuisse AG)
und Vincent Augustin (Geschäftsführer Tarifsuisse AG
und Santésuisse Graubünden)
an einen BT-Stammtisch gesetzt. Diskussionsthema war
die umstrittene neue Spitalfinanzierung. Das Gesundheitsamt Graubünden wurde durch
Amtsleiter Rudolf Leuthold vertreten.
(nw)
Die Spitäler haben es
verpasst, ihren
Investitionsbedarf
transparent darzulegen
Vincent Augustin
tungsdenken im Vordergrund stehe.
Zu hinterfragen gelte es auch die
Spitalliste, die in den meisten Kantonen noch nicht abschliessend
festgelegt wurde.
Regierungspräsidentin Barbara
Janom Steiner, Gesundheitsdirektorin des Kantons Graubünden, bedauert, dass sich die Tarifpartner
nicht in Verhandlungen einigen
konnten. Sie befürchtet, dass diese
auch mit der hoheitlichen Festsetzung durch die Regierung nicht einverstanden sein werden, so dass
wohl erst das Bundesverwaltungsgericht den definitiven Entscheid
fällen wird. Weil dies zwei bis drei
Jahre dauern könne, müssten sich
alle wohl oder übel auf eine längere
Phase mit provisorischen Tarifen
einstellen.
Investitionsanteil zu tief
Diesen Verfahrensablauf beurteilt auch Arnold Bachmann, CEO
des Kantonsspitals Graubünden,
kritisch. Letztlich entscheide nämlich nicht der Gesetzgeber oder die
Vertragspartner, sondern ein Gericht. Da gebe es bereits Entschei-
de, die zu hinterfragen seien. Gar
kein Verständnis bringt Bachmann
für den vom Bundesrat gefällten
Entscheid, den Investitionszuschlag bei zehn Prozent festzulegen, auf. Es gebe fünf grosse Gutachten, die aufzeigten, dass dieser
Zuschlag in einer Grössenordnung
von 14 bis 18 Prozent liegen müsste. Eine Kürzung der Investitionsbeiträge um ein Drittel hätte gravierende Konsequenzen auf Investionsentscheide wie den geplanten
Neubau und die Sanierung.
Beim Spital Davos wurden diese
Investitionen zwar bereits getätigt,
durch die Überführung in eine Aktiengesellschaft wird aber ebenfalls
eine Schuld von knapp zehn Millionen Franken übertragen. Auch
Markus Hehli stellt fest, dass sich
mit einem Investitionszuschlag von
zehn Prozent weder die Schuld abbauen noch die erforderlichen Abschreibungen tätigen lassen.
Barbara Janom Steiner betont,
dass dieser Entscheid aber nicht
durch den Kanton, sondern den
Bund getroffen wurde. Die Gesundheitsdirektoren seien sich einig gewesen, dass zehn Prozent zu
Die Tarifdiskussion
ist zu
einem Jekami-Spiel
geworden
Rudolf Leuthold
wenig sei. Letztlich sei es aber
einem Spital unbenommen, Investitionen vorzufinanzieren und
Fremdkapital aufzunehmen.
Zur Ehrenrettung des Bundes
stellt Vincent Augustin fest, dass die
Spitäler es nicht geschafft hätten,
die notwendige Höhe der Investitionen transparent auszuweisen,
und die vorgeschlagene vertragli-
Stellte sich am BT-Stammtisch den Spitaldirektoren und Krankenversicherern: Gesundheitsdirektorin Barbara Janom Steiner.
che Lösung hätten sie nicht akzeptiert. Diese Feststellung betreffe
aber nicht die Bündner Spitäler, die
anderen Kantonen weit voraus seien. Er hofft, dass auf nationaler
Ebene möglichst rasch eine Lösung
gefunden wird, die Investitionen in
das neue DRG-Tarifsystem zu integrieren.
Grosse Unterschiede
Aus Sicht der Krankenversicherer schaue nach wie vor jedes Spital
zu stark für die eigenen Interessen.
Stefan Schena weist dabei auch auf
die hohen Fallkostenunterschiede
zwischen den Spitälern hin. Weil
die Tarifsuisse-Partner die Kosten
als zu hoch betrachten, haben sie
auch noch nicht Hand zu einem
Vertragsabschluss geboten.
Kritisch äussert sich Arnold
Bachmann zum Zahlenmaterial.
Wenn man die relevanten Netzwerkspitäler anschaue, dann seien
die Differenzen gar nicht so gross.
Die günstigsten Spitäler hätten
meist irgendwelche besonderen
Umstände, die sich nicht für einen
Benchmark eignen würden.
Öffentliche Hand zahlt mehr
Zu den Meinungsdifferenzen
zwischen den Spitälern und Versicherern tragen nach Ansicht von
Markus Hehli auch die zu wenig
berücksichtigte Teuerung seit der
Datenbasis 2010 und die Kosten
der nichtuniversitären Ausbildung
bei. Für Rudolf Leuthold lenken
solche technischen Diskussionen
davon ab, dass es auch zwischen
den Krankenversicherern grosse
Unterschiede gibt. Er stellt fest,
dass bei Differenzzahlungspflichten die öffentliche Hand einen überproportionalen Anteil der Kostensteigerungen zu übernehmen hat.
Als Beispiele nennt er die SpitexFinanzierung, aber auch Prämienverbilligung.
Nebenschauplätze lenken ab
Bereits im Grossen Rat für Diskussionen gesorgt haben die sogenannten Gemeinwirtschaftlichen
Leistungen (GWL). Dabei geht es
einerseits darum, welches Spital
was anbietet und andererseits darum, wie hoch diese entschädigt
werden. Für Kantonsspitaldirektor
Arnold Bachmann erhalten diese
GWL in der ganzen Finanzierungsdiskussion ein viel zu grosses Gewicht. Beim Kantonsspital Graubünden würden diese lediglich
zwei Prozent ausmachen. Es sei
zwar wichtig auszudiskutieren, was
zu diesen Leistungen im Dienste
der Allgemeinheit gehöre, aber in
der ganzen Diskussion um die Spitalfinanzierung sei dies bloss ein
Nebenschauplatz.
bFortsetzung folgt
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Seele and Geist
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