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Jugendhilfe für Migranten - nie war sie so wertvoll wie heute - openPR

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Jugendhilfe für Migranten - nie war sie so wertvoll wie
heute
Datum: 23.02.2009 08:36
Kategorie: Politik, Recht & Gesellschaft
Pressemitteilung von: Saydam e.V.
Das Schwinden gesellschaftlich verbindlicher Wertesysteme,
der Fortfall ideologischer Deutungssysteme und die
Warenförmigkeit gesellschaftlicher Beziehungen führen
allenthalben zu gesellschaftlichen und individuellen
Irritationen und Verunsicherungen. Von den Wirkungen dieser
„neuen Unübersichtlichkeit" bleibt auch die Jugendhilfe nicht
verschont. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht die
Effizienz und Effektivität der bisherigen Arbeit in Frage gestellt
wird. Auf der Grundlage einer chronisch defizitären Finanzlage
der Kommunen und einer allgemeinen Kritik an einem "nicht
mehr zu finanzierenden Sozialstaat" wird von interessierter
Seite radikal die Frage nach der Qualität und Nützlichkeit der
Maßnahmen der Jugendhilfe gestellt.
Ein weiteres Problem ist die demographische Entwicklung und
wie man Minderheiten in Deutschland stigmatisiert (und in
anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union): mit
Foto: Jugendhilfe für Migranten,
steigender Lebenserwartungund sinkenden Geburtenraten
Copyright Raif Özalan, Saydam.de
kommt es zu einer Überalterung der Gesellschaft. Dies wird in
den nächsten Jahrzehnten die sozialen und wirtschaftlichen
Problemeverschärfen und zu schweren verteilungspolitischen generationskonflikten
führen. Eine notwendige Konsequenz daraus wird eine weitere Zuwanderung sein,
diesozialverträglich gestaltet werden muss.
Auch seit Einführung von Spracherfordernissen ist der Ehegattennachzug um insgesamt 22
Prozent zurückgegangen. Dies geht aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung, auf
eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (16/11811 ) hervor.
Der Rückgang beträgt bei einzlenen Herkunftsländern bis zu 67 %. Ehegattennachzüge
aus der Türkei gingen um 33 % zurück. Angesichts dieser Zahlen gerät die
Bundesregierung zunehmend in Erklärungs- und Handlungsnot. Auf die Frage etwa, wie
sich die Bundesregierung den überdurchschnittlichen Rückgang der erteilten Visa erkläre,
wird zunächst ausgeführt, dass ein durchgehender Rückgang nicht zutreffend sei. Sofern
aber ein Rückgang erfolgt sei, seien hierfür vielfältige Gründe unabhängig vom
Sprachnachweis denkbar. So sei der Rückgang auch auf die Einführung der Altersgrenze
von 18 Jahren zurückzuführen.
Unerwähnt lässt die Bundesregierung allerdings, dass bereits vor Einführung des
Mindestalters nur 0,75 % der nachziehenden Ehegatten unter 18 Jahre alt waren1. Der
Rückgang in einzelnen Ländern von bis zu 67 Prozent (Nigeria), lässt sich mit diesem
Argument kaum begründen, so Migazin . Es heisst weiter: " Von „Willkommenskultur" sei
in der Integrationspolitik immer häufiger die Rede. In der Praxis jedoch werde dieser
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„Willkommensgruß" bestimmten Zuwanderungsgruppen regelmäßig verweigert. „Viele
nachzugswillige Eheleute werden in ein aufwändiges, teures und schikanöses Verfahren
getrieben. Insbesondere bei bildungsfernen und älteren Menschen entspricht die damit
verbundene, erzwungene Trennung von Eheleuten eindeutig nicht der grundgesetzlichen
Verpflichtung zum Schutz von Ehe und Familie. Dies weiß auch die Bundesregierung - sie
gibt es nur nicht zu."
All diese Entwicklungen stellen große Aufgaben für die Gesellschaft dar, die in
verschiedener Weise eine interkulturelle Dimension haben. Das heißt aber, dass es für die
Gestaltung der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse im Sinne von gewünschten
Lösungen in verschiedener Weise interkultureller Kompetenzen bedarf.
Das gilt für den Umgang mit kultureller Diversität in der pluralisierten (post)modernen
Einwanderungs-) Gesellschaft generell und speziell für die Annäherung der verschiedenen
soziokulturellen Welten in Ost-und Westdeutschland sowie für das Zusammenleben von
Deutschen und Zugewanderten.
Neben der kulturellen Differenz (die zu bejahen ist) gibt es die rechtliche Ungleichheit (die
problematisch ist). Die soziale Integration der Migranten ist ohne die rechtliche Integration
(Einbürgerung) unvollständig. Kulturelle Vielfalt ohne demokratische Gleichheit polarisiert
eine Gesellschaft. Der Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft ersetzt wiederum nicht
soziale Integrationsmaßnahmen.
Diese Ausgangssituation trifft natürlich auch auf die Arbeit mit Migranten zu. Die
standhafte Weigerung dieses Land als Einwanderland anzusehen, verleiht selbst hier
geborenen ausländischen Jugendlichen lediglich einen Gästestatus, dessen Dauerhaftigkeit
auf einen funktionierenden Arbeitsmarkt zugeschnitten ist. Leistet der Arbeitsmarkt
keinerlei Integrationsfunktion mehr, werden die ausländischen Jugendlichen quasi zur
überflüssigen Teilpopulation.
Ein weiterer Problemkreis des Widerspruchs zwischen dem Anspruch der Jugendhilfe mit
seinem Recht auf Erziehung und der rauhen Wirklichkeit findet man im Schulpflichtgesetz.
So stehen z.B. das Schulpflichtgesetz und das KJHG in einem eklatanten Widerspruch,
denn für eine wachsende Gruppe von jungen Menschen existiert in diesem Lande keine
Schulpflicht . Es sind dies die Kinder von Flüchtlingen.
Ein anderes Gesetz, nämlich das Arbeitsförderungsgesetz , steht ebenfalls im Konflikt mit
dem Kinder- und Jugendhilfegesetz . Es ist nämlich den ausländischen Flüchtlingskindern
weitgehendst verboten, in Deutschland eine Berufsausbildung aufzunehmen. Nun wissen
wir, dass die gesellschaftliche und soziale Integration hauptsächlich durch die Ausübung
eines Berufes hergestellt und gesichert wird. Da man diese gesellschaftliche Integration
bei den Flüchtlingskindern nicht anstrebt, wäre zumindest die Möglichkeit einer
Berufsausbildung mit einer Art von Entwicklungshilfe zu begründen.
Soweit diese Ausführungen zur juristischen Aussperrung der Jugendhilfe.
Der Migrationssozialarbeit innerhalb der Jugendhilfe
Ein Beruf, und der damit verbundene Erwerb von Geld sichert die eigenständige Existenz
und damit eine notwendige Voraussetzung zur sozialen Integration. Wo der Einstieg in eine
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Erwerbsbiographie nicht gewährleistet ist, sieht das KJHG im Art. 13 bei der Zielgruppe
sozial benachteiligter oder individuell beeinträchtigter Jugendlicher eine Hilfestellung vor,
die die schulische und berufliche Integration fördert. Ein Blick in die Praxis zeigt, dass
insbesondere in den Einrichtungen der Jugendberufshilfe eingewanderte junge Menschen
signifikant stark vertreten sind. Der überproportional starke Anteil von Jugendlichen ohne
deutschen Pass an den Maßnahmen der Jugendberufshilfe resultiert auch aus der
Tatsache, dass die Versorgung der für eine Ausbildung in Frage kommenden Altersgruppe
ausländischer Jugendlicher nach wie vor äußerst schlecht ist; die Unterschiede beim
Bildungsstand zwischen den verschiedenen nicht-deutschen Bevölkerungsgruppen sind
relativ gering, hingegen ist die Diskrepanz zwischen den Bildungschancen der
Nicht-Deutschen und Deutschen auffällig. 42,6% der deutschen Schüler besuchen das
Gymnasium, aber nur 23% der griechischen, 13% der türkischen und 14,2% der
italienischen (Bundesamt für Statistik 2005/2006, vergleiche DIE ZEIT, Nr. 7, S. 29 ).
In einzelnen Stadtteilen verlässt fast jeder dritte Schüler die Schule ohne Abschluss.
Hamburg ist bei der Problematik der Schulabgänger ohne Abschluss trauriger Spitzenreiter
in Deutschland. Keine vergleichbare Großstadt muss einen so erschreckenden Befund
vorlegen.
Besonders brisant ist die Situation nach den Angaben des Hamburger Senats in
Altona-Altstadt. Hier verlassen 40,4 Prozent eines Jahrgangs die Hauptschule ohne
Abschluss. Ähnlich dramatisch ist die Lage in Barmbek-Süd (37,77 Prozent), St. Pauli
(34,28 Prozent), Hamm-Mitte (32,92 Prozent), Billstedt (32,72 Prozent). Auf der Veddel
liegt der Wert bei 30,43 Prozent, in Wilhelmsburg 20,84 Prozent. Über die Gründe für die
mangelnde berufliche Integration junger eingewanderter Menschen sprechen die
Schulabschlüsse Bände.
In Hamburg lebten im August dieses Jahres 55.000 Kinder - jedes vierte Kind - von
Sozialgeld. Somit sind 10 Prozent mehr Kinder von Armut betroffen oder bedroht als im
Vorjahr. Die Zunahme ist auf die steigende Zahl von Familien zurückzuführen, die auf
staatliche Unterstützung angewiesen sind. Kinder aus armen Familien haben schlechtere
Bildungschancen, häufigere Gesundheitsprobleme und weniger Chancen auf einen
Ausbildungs- und Arbeitsplatz. Um Teilhabechancen von Kindern zu verbessern, müssen
Hilfen frühzeitiger ansetzen und das Gesamtsystem der Familie unterstützen. Hierzu
zählen ein gerechteres Bildungssystem, eine präventive Gesundheitsvorsorge und eine
frühzeitige Unterstützung von Familien (z.B. durch Familienhebammen oder ganztägige
Kita-Betreuung für Kinder aus sozial belasteten Familien). Es ist eine Schande, dass in
Hamburg jedes vierte Kind in Armut lebt und jedes Jahr fast 2000 Jugendliche ihre Schule
ohne Abschluss verlassen.
Um der drohenden Marginalisierung ausländischer Jugendlicher auf dem Arbeitsmarkt
entgegenzuwirken, bedarf es einer verstärkten Zusammenarbeit von Jugendhilfe,
Migrantenorganisationen und Schule. Indem Jugendhilfe, Migrantenorganisationen und
Schule kooperieren, wird die Bildungsstätte Schule um sozialpädagogische Inhalte
erweitert. Dazu gilt es vorhandene Strukturen auszubauen, weiterzuentwickeln und neue
Ansätze zu erproben.
Besonders die Jugendsozialarbeit, der in dem KJHG im §13 Abs. 4 die Kooperation mit der
Schule und Migrantenorganisationen vorgeschrieben wird, ist hier gefragt. Es ist jedoch
festzuhalten, dass innerhalb der Jugendsozialarbeit ein Nachholbedarf in Bezug auf die
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verschiedenen Zielgruppen der jungen Migranten vorherrscht. Nur mit dem Etikett der
sozialen Benachteiligung versehen, wird man den Bedürfnissen dieser Jugendlichen nicht
gerecht. Was Not tut ist Kompetenz und Innovation, die eine bewusste interkulturelle
Öffnung der Jugendsozialarbeit zum Ziel hat. In der interkulturellen Jugendsozialarbeit
stellt sich nicht nur die Frage nach dem Unterschied zwischen einem türkischen und einem
griechischen Jugendlichen; man kann diese Frage auch inhaltlich beantworten.
Interkulturelle Kompetenz in der Jugendhilfe
Interkulturelle Kompetenz ist die Sensibilisierung für Wahrnehmungs-und
Veränderungsprozesse in der Interaktion mit Menschen, die eine andere Art des InderWelt-Seins haben als man selbst.
Ein solcher kultursensibler Umgang mit Verschiedenheit zeigt sich als
- eine multiperspektivische Betrachtungsweise, die neben der kulturellen Wertorientierung
und Alltagspraxis auch die Stellung des einzelnen in der Gesellschaft,seine
individuell-psychologische, familiäre und soziale Situation usw. berücksichtigt, die
verschiedenen Dimensionen in einen Zusammenhang stellt und derenWechselwirkung
reflektiert;
- eine interkulturelle Haltung, die sowohl eigene kulturelle Werte reflektiert (familiäre und
soziale Herkunftskultur, aber auch die kulturelle Dimension des eigenenBerufsstandes und
der Arbeitsorganisation/Institution) und die eine offene und respektvolle Haltung
gegenüber anderen Lebensentwürfen einnimmt, mit wohlwollendem Interesse für
anderskulturelle Problem-und Lösungskonstruktionen;
- eine transkulturelle Handlungskompetenz, die sowohl die Fähigkeit beinhaltet, eine
gemeinsame Sprache/eine gemeinsame Realität mit den
anderskulturellenGesprächspartnern zu konstruieren als auch Veränderungsprozesse im
Sinne desgewünschten Verhaltens zu aktivieren, sei es durch den Transfer eigener
Kommunikations-, Mediations- und Therapietechniken in die anderskulturelle
Erfahrungswelt der Ratsuchenden, sei es durch den wirksamen Einsatz von
Interventionsmethoden aus der Erfahrungswelt der Klienten oder aus
anderenKulturräumen, sei es durch sonstiges geschicktes Wirken.
Eine solche „reflexive Interkulturalität" ist eine Antwort auf die oben beschriebenen
gesellschaftlichen Herausforderungen. Interkulturelle Betrachtungsweise, Haltung und
Handlungskompetenz ist eine Querschnittsaufgabe der Jugendhilfe.
Mit dem Schlagwort der interkulturellen Erziehung verbinden sich viele Erwartungen, die in
der Praxis oftmals nicht einzulösen sind. Wichtigstes Merkmal der interkulturellen
Orientierung ist nicht ein Konzept, sondern die Haltung, die eine dialogische Beziehung
ermöglicht. Eine dialogische Beziehung setzt Gleichwertigkeit, Toleranz und Akzeptanz
voraus. Interkulturell-orientierte Sozialarbeit bedeutet, diese Qualität bzw. diese Haltung
aufzugreifen. Wichtig für die interkulturelle Erziehung scheint mir auch die Forderung zu
sein, mit deutschen und ausländischen Jugendlichen gemeinsam zu arbeiten. Nirgendwo
sind die Bedingungen für Verständnis, Toleranz und Miteinander weniger gegeben, als in
jenen Einrichtungen der Jugendhilfe, in denen, aus welchen Gründen auch immer, sich nur
Deutsche oder z.B. nur Türken aufhalten. Im Jargon der Sozialpädagogik spricht man von
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sogenannten "gekippten Einrichtungen", die nur sehr schwer wieder multikulturell
auszurichten sind, da das "eroberte" Jugendzentrum wie eine Trutzburg gegen "äußere
Feinde" verteidigt wird.
Unabdingbar für eine interkulturelle Erziehung ist in diesem Zusammenhang vor allem ein
kompetenter Mitarbeiterstab, der diese Haltung auch nach innen und außen vertritt. Leider
gibt es keine Untersuchung darüber, wieviele ausländische Mitarbeiterinnen in den
Maßnahmen der Jugendsozialarbeit tätig sind. Ich schätze diese Zahl nicht höher als
maximal 5%. Während es heute in der Mädchensozialarbeit völlig unstrittig ist, dass diese
Arbeit hauptsächlich von weiblichen Fachkräften geleistet wird, ist dieses Bewußtsein für
die Arbeit mit jugendlichen Migranten eine Rarität. Dies liegt nicht nur daran, dass sich
konfessionelle Träger oftmals weigern, muslimische Mitarbeiter einzustellen. Ursächlich
wirkt hier wohl ein Bewusstsein, dass für die ausländischen Jugendlichen als Zielgruppe
der Jugendliche keinerlei gesonderte Methodik der Sozialpädagogik notwendig sei. Ich
führe dies auch auf die fehlende Lobby für diese Jugendlichen zurück. Der
Frauenbewegung ist es z.B. gelungen, mädchenspezifische Ansatzpunkte innerhalb der
Jugendhilfeförderung als einen festen Bestandteil zu verorten. Eine solche
Selbstverständlichkeit steht für die jungen Zuwanderer weitgehendst noch aus.
Beteiligung Migratenorganisationen in der Jugendhilfe als anerkannte Träger
Es gibt eine Entscheidung vom Verwaltungsgericht Münster vom 18. August 2004,
publiziert in der lesenswerten Zeitschrift „Jugendamt", in der die Jugendämter ihre
schwierigen Fragen an das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht in
Heidelberg richten können. In dieser Entscheidung wird jedenfalls von einer „Verpflichtung
der öffentlichen Jugendhilfe zur Zusammenarbeit mit der freien Jugendhilfe" und vom
Wunsch- und Wahlrecht, und zwar auch hinsichtlich der Konfession des Jugendhilfeträgers,
gesprochen.
Das Wunsch- und Wahlrecht des Hilfeempfängers beinhaltet die Auswahl eines Trägers der
freien Jugendhilfe der Konfession, der er angehört. Also wenn jemand sagt, ich will keine
Familienhelferin, die katholisch ist, ich möchte eine, die evangelisch ist oder dem Islam
angehört. Wenn Gerichte auf dem Gebiet der Hilfe zur Erziehung - in diesem Fall
Familienhilfe - schon so weit gehen, bei den Paragraphen 39 und 74, dann ist meine
Prophezeiung, dass Jugendarbeit eines Tages genauso rechtlich anerkannt sein wird wie
die Hilfen zur Erziehung. Davon - und da sind wir uns alle einig - kann noch lange keine
Rede sein, weil viele Juristen sagen, das sei gar nicht vorstellbar. Aber man kann das eben
auch den Juristen klarmachen, dass das genauso konkret benannt werden muss wie eine
Hilfe zur Erziehung. Bei manchen Hilfen zur Erziehung hat man sich ja schließlich am
Anfang auch nicht vorstellen können, dass Jugendliche sie brauchen würden.
Die Partizipation von Migrantinnen und Migranten in diesem Feld kann besser gelingen,
wenn Migrantenorganisationen sich selbst als Träger etablieren. Bisher gibt es im Bereich
Jugendhilfe und Freiwilligendienste deutschlandweit insbesondere in Hamburg noch keine
Migrantenorganisation mit Trägerzulassung und -funktion. Der Aufbau von
Migrantenorganisationen als Träger von Jugendhilfe und Freiwilligendiensten fördert die
Integration von Migrantinnen und Migranten auf individueller und institutioneller Ebene.
Es setzt unmittelbar die Selbstverpflichtung der Bundesregierung und den gemeinsamen
Beitrag der Länder im Nationalen Integrationsplan um, eine gleichberechtigte Teilhabe von
Migrantinnen und Migranten zu gewährleisten und Migrantenorganisationen dabei zu
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unterstützen, selbst Träger geförderter Maßnahmen zu werden.
Die nichtdeutsche Bevölkerung ist grundsätzlich gleichberechtigte Nutzerin der sozialen
Regeldienste. Daneben hat sie Anspruch, daß ihre Selbsthilfeorganisationen und Vereine in
gleicher Weise gefördert werden wie deutsche Vereinigungen.
Natürlich haben wir aufgrund unserer Anwaltsfunktion eine gewichtige Stimme, die auf die
Notwendigkeit der Integration dieser Zielgruppe in unsere Gesellschaft hinweist. Jedoch
scheint mir das Beharrungsvermögen und die Argumentationsresistenz der politischen
Klasse und unserer Gesellschaft stark ausgeprägt, so dass ich mir nicht sicher bin, ob wir
wirklich ernst genommen werden. Solange man den Tatbestand in der Realpolitik
bestreitet, dass die Bundesrepublik Deutschland ein Einwanderungsland ist, und dass die
jungen Migranten ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft sind, solange wird die
Jugendhilfe und Freiwilligendienste - ähnlich dem Wettlauf zwischen Hase und Igel lediglich versuchen, mit ihren verschiedenen Angeboten das zu kompensieren, was die
Politik an sozialen Verwerfungen produziert.
1. vlg. Migrationsbericht 2006, BT-Drs. 16/7705, S. 93
Weiterführende Informationen:
http://www.saydam.de
Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.
Saydam -Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften- e.V. (Saydam e.V.)
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Völkerverständigung
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Telefax: +49 40- 468 99 54-2
E-Mail: Saydam.eV (at) gmail (dot) com
Pressekontakt: Raif Özalan
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Der Saydam e.V. fördert bundesweite und grenzübergreifende Projekte der kulturellen
Jugendbildung. Er bietet eine Plattform für die Vernetzung unterschiedlichster kultureller
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