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06.11.2007 Wie demonstrativ war und ist der - Universität Trier

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06.11.2007
Wie demonstrativ war und ist der Konsum?
Prof. Dr. Michael Jäckel
13.11.2007
Literatur als Luxus. Jakob Püterich
von Reichertshausen und der Münchner
Herzogshof im 15. Jahrhundert
Jun.-Prof. Dr. Martin Przybilski
27.11.2007
„Feasting with Falstaff“
Speis und Trank in Shakespeares England
Prof. Dr. Wolfgang Klooß
11.12.2007
Wein und Distinktion
Prof. Dr. Alois Hahn /
Dr. Rainer Diaz-Bone (FU Berlin)
15.01.2008
Luxus für Alle: Luxusgüter in ausgewählten
internationalen Modejournalen, 1780 bis 1925
Dr. Adelheid Rasche
(Kunstbibliothek Staatliche Museen zu Berlin)
29.01.2008
Rationale Verschwendung und
produktive Zerstörung?
Der Potlatch bei den amerikanischen
Nordwestküsten-Indianern
Prof. Dr. Christoph Antweiler
12.02.2008
Kaufsüchtige Frauen, dekadente Börsianer –
Konsumkritik in der Literatur um 1900
Prof. Dr. Franziska Schößler
ÖFFENTLICHE RINGVORLESUNG DER UNIVERSITÄT TRIER
LUXUS UND VERSCHWENDUNG - EINE INTERDISZIPLINÄRE VORTRAGSREIHE JEWEILS DIENSTAGS, 18.00 UHR c.t., HS 6
ABSTRACTBAND
06.11.2007
Wie demonstrativ war und ist der Konsum?
Prof. Dr. Michael Jäckel
Die ungebrochene Popularität des Begriffs „conspicious consumption“ (demonstrativer Konsum) liegt weniger in seiner
wissenschaftlichen Prägnanz als in seiner Ambivalenz begründet. Zumindest lässt sich gerade in diesem Fall über die Relation von
Luxus und Verschwendung trefflich streiten. Wer, wie Colin Campbell, der gelegentlich zynischen Argumentation von Veblen ein
theoretisches Defizit attestiert, kommt nicht umhin zu erkennen, dass die Sichtbarkeit des Konsums nach wie vor ein Thema ist, ob die
Konsumenten damit nun einen subjektiv gemeinten Sinn verbinden (also etwas intendieren) oder nicht (also möglicherweise einem
„instinct of self-preservation“ folgen). Jedenfalls ist die Vorstellung, dass Konsum nicht nur einer unmittelbaren Zweckerfüllung dient,
z.B. Hunger zu stillen oder Behaglichkeit zu vermitteln, sondern auch die soziale Position widerspiegeln soll, nicht aus der Welt. Trotz
vielfacher Hinweise auf Nivellierungstendenzen und vermeintlich irrationale Verbrauchermentalitäten, trotz einer „Demokratisierung“
des Konsums und einer Zunahme selektiver Bescheidenheit ist der Verbraucher sich der Signale bewusst, die er (in bestimmten
Situationen) aussendet. Das kann für Genusswaren wie Schokolade oder Kaffee und Tee ebenso gelten wie für die Küchen- oder
Wohnzimmerausstattung. „Die Lust sich als modern in Speisen, in Kleid und Möbeln zu erweisen, stets ein Objekt des Spottes zwar,
des Handels wahre Triebkraft war.“ schrieb Mandeville zu Beginn des 18. Jahrhunderts in seiner Bienenfabel. Dass diese
„ökonomische Theorie“ noch heute Gültigkeit beanspruchen darf, mag man an Formen von „inconspicious consumption“ ablesen. Der
„leisure class“ des 21. Jahrhunderts, so Oriel Sullivan und Jonathan Gershuny, fehle die Zeit, um die vielen Wohlstandsgüter zu
konsumieren. Also erwirbt man sie, in der Hoffnung, dass man sie zukünftig vielleicht einmal genießen kann. Ebenso mehren sich die
Berichte über Wohlhabende, die nicht das Gefühl haben, reich zu sein. Die rivalisierenden Kämpfe der oberen Klassen finden offenbar
immer wieder neue Anlässe. Ob dies im historischen Vergleich mehr oder weniger geworden ist, lässt sich empirisch kaum
bestimmen. Aber offensichtlich hat die Popularität von Veblen ihren Grund.
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13.11.2007
Literatur als Luxus.
Jakob Püterich von Reichertshausen und der Münchner Herzogshof im 15. Jahrhundert
JProf. Dr. Martin Przybilski
Deutschsprachige höfische Dichtung ist bereits seit ihrem Entstehen in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Teil adliger
Selbstdarstellung auf die Pole Luxus und Verschwendung bezogen. Die Bedeutung von Literatur als Luxusgut eigener Ordnung und
die Beschäftigung mit Literatur als Luxusvergnügen – sowie als bewußte Verschwendung persönlicher und allgemeiner Ressourcen –
erlebte im 15. Jahrhundert an einer Reihe hochadliger Höfe noch einmal eine Blütezeit: durch die Abfassung archaisierender Texte,
deren Form und Inhalt ganz zielgerichtet nur noch einem elitären Zirkel literarisch Eingeweihter zugänglich waren, und durch die
Sammlung solcher Texte in repräsentativen, verschwenderisch illuminierten Handschriften. Ein paradigmatisches Beispiel für dieses
Vorgehen bietet der Hof Herzog Albrechts IV. von Bayern-München (1447-1508) an der Wende vom Spätmittelalter zur Frühen
Neuzeit: Hier sammelte sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Kreis von Literaturliebhabern und -kennern. Der
bedeutendste unter ihnen war Jakob Püterich von Reichertshausen, dessen Familie aufgrund ihres Reichtums in den Adel
aufgestiegen war, der eine umfangreiche Bibliothek älterer Literatur besaß und in regem Austausch mit der Erzherzogin Mechthild
stand, die ihrerseits literarisch hochgebildet war und in ihrer Residenz Rottenburg einen Kreis von Literaten um sich geschart hatte.
Püterich widmete ihr 1462 seinen ‚Ehrenbrief’, der seiner eigenen Selbstdarstellung als literarischer Kenner dient und dazu die
wichtigsten und von ihm besonders geschätzten Werke seiner Bibliothek aufzählt. Eine Rekonstruktion dieser spezifischen Form von
Literatur für gebildete, hochadlige Literaturfreunde, die den Luxus einer in Form und Inhalt hermetischen Dichtkunst als bestimmenden
Teil ihrer gesellschaftlichen Selbstdarstellung schätzten, soll im Mittelpunkt des Vortrags stehen. Luxus und Verschwendung in der
Vormoderne werden damit als Teil gesellschaftlicher Zuschreibungsprozesse in unterschiedlichsten Geltungsbereichen deutlich.
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27.11.2007
'Feasting with Falstaff': Speis und Trank in Shakespeares England
Prof. Dr. Wolfgang Klooß
Dem höfischen Speiseangebot zufolge wusste man im Hause Tudor gut zu schlemmen. Brot, Butter, Bier, Wein, Stew vom Schaf,
Rind- und Schweinefleisch sowie Hase und Huhn gehörten bereits zum königlichen Frühstück, das in der Regel ab 6:30 Uhr
eingenommen wurde, während das normalerweise zwischen 11:00 und 12:00 Uhr servierte, drei, häufig aber auch sechs Gänge
umfassende Mittagsmahl vor allem um diverse Fischvariationen, Austern und exotische Früchte angereichert war. Das auf 17:30 Uhr
terminierte Abendessen stellte hingegen nur noch eine leichtere Variante des mittäglichen Menüs dar.
Auch im Blick auf Shakespeares England erweisen sich mithin sozialer Status, Religion, Ethnizität, ländliche oder urbane
Lebensumstände als wesentliche Konstituenten zeitgenössischer Esskultur. Zugleich gilt festzuhalten, dass die unter Königin
Elisabeth I wachsende Prosperität Englands, die in erster Linie durch den sich ausweitenden Überseehandel und die innenpolitische
Stabilität der ausgehenden Tudorperiode bedingt war, zu einer Ausweitung des Speisenkatalogs um exotische Produkte, ein generell
differenzierteres Nahrungsmittelspektrum sowie ein allgemein gesteigertes kulinarisches Interesse führte. Unter den in Shakespeares
Dramen erwähnten Exotika finden sich zum Beispiel Feigen, Mandeln, Rosmarin, Thymian, Safran und Zucchini. In nahezu allen
Shakespeare-Stücken werden alkoholische Getränke konsumiert, wobei neben Bier und Wein Sherry am häufigsten genannt wird.
Eine extravagante, luxuriöse „cuisine“ diente vor allem den wohlhabenden Schichten als Distinktionsmerkmal.
Im Mittelpunkt des Vortrags soll die kritische Auseinandersetzung mit Ess- und Trinkgewohnheiten im frühneuzeitlichen England und
deren Abbildung in repräsentativen literarischen Texten stehen. Dabei gilt das Hauptaugenmerk den verschiedenen Funktionsebenen
von Esskulturen und deren Einbindung in das gesellschaftliche Werte- und Normensystem.
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11.12.2007
Wein und Distinktion
Prof. Dr. Alois Hahn/ Dr. Rainer Diaz-Bone (FU Berlin)
Sozialgeschichtlich gesehen stellte Wein in Deutschland und erst recht in den Gebieten, in denen er nicht wächst, schon als solcher
ein Luxusgut dar, das nur wenigen als tägliches Getränk zur Verfügung stand. Selbst an der Mosel war er jedenfalls als Alltagsgetränk
nur den Reichen vorbehalten. Die anderen hatten sich mit dem Viez, also dem vergorenen Apfelmost, als Vize-Wein zu begnügen. In
Südfrankreich muss das im 19.Jahrhundert anders gewesen sein. Denn hier gehörte, wenn der Weinbergbesitzer Karl Marx rechthat,
der tägliche Rotwein zum kulturell definierten Existenzminimum. Aber für Deutschland galt das nicht. Wer hier täglich Wein trank,
drückte schon damit aus, dass er sich einen Luxus leisten konnte, über den andere nicht verfügten. Dazu passte auch die luxuriöse
Form des Genusses: kostbare Gläser und Karaffen, ebenfalls aufwändige Speisen usw. Heute freilich könnte man meinen, dass Wein,
schon weil es ihn bei Aldi oder Lidl für 2 € die Flasche zu kaufen gibt, jeden Bezug zum Luxus verloren hat. Das trifft aber keinesfalls
zu. Nach wie vor kann man sich keinen Bauarbeiter vorstellen, der bei der Arbeit statt Bier Wein trinkt. Immerhin kann man sagen,
dass der Luxus in Bezug auf Wein davon abhängt, welchen Wein man zu sich nimmt. Denn neben dem Billigwein beim Discounter
gibt es auch solche (sogar rezente) Tropfen, die auf Versteigerungen über 3000 € kosten. Der Wert des Weins ergibt sich nun nicht
ausschließlich oder auch nur primär aus seinen „materialen“ Geschmackseigenschaften. Was man schmeckt, ist weitgehend Resultat
kultureller Prägungen einerseits und diskursiver Praktiken, sieht man einmal ab von ganz elementaren Differenzen wie süß oder
sauer. So zeigen z.B. Experimente bei Blindtests, dass selbst fortgeschrittene Studenten von Weinbaufachhochschulen, einen
rotgefärbten Weißwein für einen Rotwein halten, den sie dann kenntnisreich kommentieren. Das Etikett und die Weinansprache
kreieren das Erlebnis ebenso wie der Kontext, in dem es stattfindet. Luxus distinguiert nur mithilfe von Diskurs, ist also eine soziale
Konstruktion.
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15.01.2008
Luxus für Alle: Luxusgüter in ausgewählten internationalen Modejournalen, 1780 bis 1925
Dr. Adelheid Rasche (Kunstbibliothek Staatliche Museen zu Berlin)
Modezeitschriften, die sich im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts als eigenständige Gattung in allen europäischen Ländern
etablierten, zielten in erster Linie auf ein bürgerliches, gebildetes und überwiegend weibliches Publikum. Dieser Leserschaft wie auch
den in der Modebranche tätigen Produzenten und Händlern stellten die Journale in Text und Bild neue und modische Produkte vor,
wobei häufig auch Luxuswaren der Kleidung und der häuslichen Einrichtung präsentiert wurden.
Gerade am Ende des 18. Jahrhunderts, als die Akzeptanz von Luxusgütern durch die nationalökonomisch bestimmte
Wirtschaftsförderung relativ hoch geworden war, standen sich zwei kontrastierende und konkurrierende Modesysteme gegenüber: Der
französische Stil mit seinen luxuriösen Textilien, dekorativer Auszier und einer besonderen Körperexposition sah sich nun zunehmend
dem Einwirken der englischen Mode ausgesetzt, die ganz auf Bequemlichkeit, Unauffälligkeit und Dauerhaftigkeit setzte. Diese
Prinzipien gewannen immer mehr Anhänger, so dass sich ein Paradigmenwechsel ankündigte, der im Understatement und der
Unauffälligkeit den wahren Luxus entdeckte. Im Rahmen des Vortrages wird am Beispiel ausgewählter Zeitschriften aufgezeigt,
welche Diskussion des Luxusbegriffs dort geführt wurde und welche Rolle die Zeitschriften für die konkrete Verbreitung einzelner
Luxusgüter spielten. Dabei soll neben den Zeitschriften des späten 18. Jahrhunderts auch die weitere Entwicklung schlaglichtartig
angerissen werden.
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29.01.2008
Rationale Verschwendung und produktive Zerstörung?
Der Potlatch bei amerikanischen Nordwestküsten-Indianern
Prof. Dr. Christoph Antweiler
Potlatch ist eine Form zeremoniellen Gabentauschs an der pazifischen Küste Kanadas und der USA. Es werden große Feste
abgehalten, bei denen Häuptlinge oder andere wichtige Personen im Rahmen öffentlicher Rituale große Mengen von Gütern
(Nahrung, Stoffe, Metall) an andere Personen verleihen oder verschenken. Im Extremfall werden dabei sogar äußerst wertvolle Güter
demonstrativ zerstört. Dieser Gabentausch ist eine kulturelle Institution und beinhaltet verschiedenste soziale Funktionen.
Entsprechend gibt es eine bis heute intensive Debatte um die Hintergründe. Dabei wurden sehr viele und ganz verschiedene
Ursachen ins Feld geführt, so etwa wirtschaftliche (Überflussökonomie), politische (Rang), psychische (kulturspezifische
Prestigementalität), ökologische (Redistribution von Ressourcen in unsicherer Umwelt) und demographische (Bevölkerungsrückgang
nach Kulturkontakt). Ähnliche Formen des Umgangs mit materiellem Reichtum finden sich in vielen ansonsten sehr unterschiedlichen
Gesellschaften der Welt, was auf ein universales Muster hindeutet. Somit ergeben sich anhand eines spezifischen indigenen Rituals
theoretische Fragen zu öffentlichem Konsum, die für ein Verständnis von Luxus und Verschwendung auch in komplexen
Gesellschaften fruchtbar sind.
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12.02.2008
Kaufwütige Frauen, dekadente Börsianer: Konsumkritik in der Literatur des 19. Jahrhunderts
Prof. Dr. Franziska Schößler
Luxus ist seiner Etymologie nach ein Distinktionsbegriff, der die herrschende Ordnung von dem abgrenzt, was als Abweichung
begriffen wird. Die variierenden historischen Luxusdefinitionen treffen mithin basale kulturelle Unterscheidungen zwischen Norm und
Devianz.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert – einer Phase, die sich durch den virulenten Nationaldiskurs und seine Ausschlüsse, durch
Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit auszeichnet – wird der Begriff „Luxus“ eingesetzt, um die (scheinbar) zügellosen
Ausschweifungen des assimilierten jüdischen Bürgertums zu charakterisieren, ebenso die hemmungslosen Käufe von (scheinbar)
nervenschwachen Frauen, die das Familienvermögen in Kaufhäusern verausgaben. Luxus (der damit als fragwürdige Verschwendung
aufgefasst wird) gilt als Ausdruck einer nicht kontrollierbaren Moderne und wird deshalb als dekadenter Habitus auf ausgegrenzte
Gruppen wie Judentum und Weiblichkeit projiziert. Am „Fremden“ (in der Nähe) lassen sich auf diese Weise die (pathologisierten)
Konsequenzen einer beschleunigten (Mode-)Produktion und künstlicher Bedürfnisse ablesen. Die Literatur ab 1873 – Zeitpunkt der so
genannten großen Depression nach dem internationalen Börsenkrach – wendet sich mit Vorliebe der Figur des reichen jüdischen
Börsianers zu, der den Prunk der prosperierenden Klassen imitiert, sich jedoch durch seine Geschmacklosigkeiten als
Emporkömmling verrät; so jedenfalls will es Theodor Fontane in seinem Gesellschaftsroman L’Adultera. In Heinrich Manns
antisemitischer Gesellschaftssatire Im Schlaraffenland nutzt der Börsianer (mit dem stigmatisierenden Namen Türkheimer) sein Geld,
um es buchstäblich in Luft zu verwandeln. Ein anderes beliebtes Thema ist die Käuferin, die sich in den grands magasins dem
Kaufrausch hingibt, ihrerseits im Ruch der Käuflichkeit steht und als hysterische Kleptomanin behandelt wird. Der Vortrag möchte
diese Abgrenzungsversuche gegen eine beschleunigte Moderne vorführen, also die ihrerseits opulenten Phantasien eines
fragwürdigen Luxus, die die Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts entwirft.
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Seele and Geist
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