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Manch einer hält fast spürbar den Atem an, so wie die 14-jährige

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Monheim
Rap aus dem Berliner Viertel
Monheim (RP) 59 Hauptschüler der achten Klassen verfassten während einer
viertägigen Schreibwerkstatt 50 Texte. Anschließend nahmen sie die Verse in
einem Tonstudio auf. Gestern wurde das Ergebnis in der Bibliothek vorgestellt.
Es ist mucksmäuschenstill in der Bibliothek. Die 14- und 15-jährigen Hauptschüler der
Anton-Schwarz-Schule hören aufmerksam zu, als sie ihre eigenen Stimmen und die ihrer
Kameraden auf CD hören. Geschäftsführer Martin Führer lässt gleichzeitig eine BilderShow mit den Porträts derjenigen ablaufen, die im Sommer vergangenen Jahres an der
viertägigen "Schreibwerkstatt" teilgenommen haben. Zusammen mit dem Kölner
Jugendbuchautor Manfred Theisen verfassten die Jugendlichen aus dreizehn Nationen in
der Bibliothek Rap-Texte zum Thema "Heimat". Es entstanden emotionale Zeilen um den
Konflikt zwischen Integration und Tradition. Anschließend wurde in einem professionellen
Tonstudio eine CD aufgenommen, die die Schüler gestern zum ersten Mal abspielen
konnten. Jeder Teilnehmer ist namentlich auf der Scheibe vermerkt.
Info
Vertont
59 Schüler der achten Klassen an der Anton-Schwarz-Hauptschule machten im Sommer
bei der viertägigen "Schreibwerkstatt" mit. Sie erarbeiteten 50 Gedichte und Rap-Texte,
die in einem professionellen Kölner Tonstudio auf CD aufgenommen wurden. 90 Stück
wurden gepresst. Dazu erschien jeweils eine Broschüre. Die Schreibwerkstatt wird
gefördert aus dem Programm "Stärken vor Ort" des Bundesfamilienministeriums.
Blick nach vorn
Manch einer hält fast spürbar den Atem an, so wie die 14-jährige Joanna. "Ich habe vorher nie
selber etwas geschrieben", sagt das Mädchen. Und nun hört sie sich selber zu: "Ruhe" lautet
ihr Text, in dem sie ihren Gefühlen freien Lauf lässt: "Ich bin gut, abwaschbar. Mich verletzt
so schnell nichts . . . Ich mag Ruhe. Daheim ist es laut und deshalb suche ich Ruhe." Mutebar
(14) hat zwar schon eigene Gedichte verfasst, doch als ihr Text "Berliner Viertel" abgespielt
wird, ist auch sie überwältigt: "Man denkt ja auch daran, was nach der Schule kommt", blickt
sie nach vorn. "Gelbe Karte, rote Karte, raus! Kanakentreff, Ghetto, Monheim. Was es gibt,
fragst Du mich? Kaufland, Kulti, HDJ, Rhein und immer noch Monheim! Gelbe Karte, rote
Karte, raus", schrieb sie. Und auch die Organisatoren loben die gelungene Aktion: "Es war
eine spannende Erfahrung", betont Martin Führer. Hätten sich die Jugendlichen zunächst nicht
so sehr begeistern lassen, sei es dem Jugendbuchautor Manfred Theisen mit der Zeit
gelungen, sie für das Projekt zu "fangen". "Die haben sich richtig reingehängt", erlebte
Führer. "Ich bin von dem Ergebnis angenehm überrascht."
Stark und selbstbewusst
Und auch Alexandra Voos, Koordinatorin des Programms "Stärken vor Ort", sagt, häufig sei
die Motivation etwas zu leisten außerhalb des Klassenraums eine andere als im Unterricht.
Die Kunst bestehe darin, die Hauptschüler für eine Sache zu gewinnen und zu motivieren.
Dies und die Stärkung ihres Selbstbewusstseins sei Theisen gelungen. "Nach den Aufnahmen
im Tonstudio kamen alle Mädchen und Jungen erhobenen Hauptes heraus."
Der Geschäftsführer der Bibliothek, Martin Führer, "Stärken-vor-Ort-Koordinatorin"
Alexandra Voos (Mitte) und einige Teilnehmer der Schreibwerkstatt zum Thema "Heimat"
stellten gestern die CD mit Rap-Texten vor. RP-Foto: Matzerath
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