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Go vegan?! Wie sinnvoll ist die „vegane Revolution“? - Tom Bradschetl

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Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Go vegan?! Wie sinnvoll ist die
„vegane Revolution“?
Die vegane Position stellt gesellschaftliche Grundannahmen zur Beziehung zwischen
Menschen und Tieren in Frage: Verstehen wir Tiere als Eigentum und prinzipiell
vernutzbare Dinge oder kommt der Gewalt, die sie dabei erfahren, ein zu berücksichtigender Stellenwert zu? Lässt sich die Frage der Gewalt an Tieren wirksam adressieren,
ohne dabei ihren gesellschaftlichen Status als Nutztiere preiszugeben? Es sollen in
einem ersten Teil Argumente zur Diskussion gestellt werden, die bezüglich der letzten
Frage einen skeptischen Standpunkt nahelegen. In einem (kürzeren) zweiten Teil sollen
einige wirtschaftlichen Zwänge von „großen“ Tiernutzungsbereichen aufgezeigt werden und die aufgestellte These erhärtet werden, dass die Einbindung von Tieren in
Nutzungskontexte per se nicht ohne erhebliche Gewalt durchführbar ist.
tom.bradschetl@gmail.com
31. August 2013
Tom Bradschetl tom.bradschetl@gmail.com
Go vegan?!
Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Inhaltsverzeichnis
1
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Annäherung: Veganismus als Haltung oder Verhalten?
Was ist Tierproduktion? Ein Vorschlag
Ein allgemeines Argument gegen Tierproduktion
Einwände
2
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Ausmaß
Eier
Milch
3
Literatur
Tom Bradschetl tom.bradschetl@gmail.com
Go vegan?!
Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Literatur
Annäherung: Veganismus als Haltung oder Verhalten?
“
“
Das Ziel der [Veganen] Gesellschaft ist das Beenden der
Ausbeutung von Tieren durch Menschen; Das Wort
Veganismus meint die Doktrin, dass Menschen leben sollten,
ohne Tiere auszubeuten.1
Wer sich vegan ernährt, nimmt keine Produkte zu sich, die
vom Tier stammen. [. . . ] Vegan zu leben bedeutet, diese
Prinzipien (so weit es geht) auch auf andere Lebensbereiche
[. . . ] auszuweiten.2
1 Leslie
”
”
Cross: Veganism Defined, in The Vegetarian World Forum Vol. 5 No. 1 (1951).
der Albert Schweizer Stiftung (2012).
2 Definition
Tom Bradschetl tom.bradschetl@gmail.com
Go vegan?!
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Was ist Tierproduktion? Ein Vorschlag
Definition: Tierproduktion
Ich bezeichne im Folgenden als Tierproduktion oder Tierausbeutung alle
menschlichen Praktiken mit Tieren, die voraussetzen, dass die entsprechenden
Tiere Eigentum sind.
Charakterisierungen von Tierproduktion (in diesem Sinne):
Tiere in Produktionskontexten sind prinzipiell austauschbar.
Tieren kommt in Produktionskontexten kein inhärenter Wert zu.
Tieren kommt in Produktionskontexten nur ein instrumenteller Wert zu.
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Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Ein allgemeines Argument gegen Tierproduktion I
OUP CORRECTED PROOF – FINAL, 26/3/2011, SPi
Sofern Tiere Eigentum sind, werden ihre Interessen (aus ökonomischen
Gründen) immer nur insofern politisch wirksam berücksichtigt, wie es
102 R A I S I N G T H E A N I M A L
für ihren Eigentumszweck produktiv ist.
Figure 5.5 Productivity, profitability, and welfare
Aus Norwood & Lusk (2011): Compassion, by the Pound: The Economics of
increases, but not by much. In this case, the increase in the per-bird laying rate is
Farm Animal Welfare,
S. to102.
not enough
counter the impact of a lower hen population, and total output for
the barn begins to fall.
One can take this thought experiment to the extreme and ask what the barn
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Go vegan?!
output would be if the barn only contained
only five hens. The welfare of the
Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Ein allgemeines Argument gegen Tierproduktion II
Sofern Tiere Eigentum sind, werden ihre Interessen (aus ökonomischen Gründen) immer nur insofern politisch wirksam berücksichtigt, wie es
für ihren Eigentumszweck produktiv ist.
Sofern Tiere in Produktionskontexten unproduktiv werden, ist es
ökonomisch vernünftig, sie zu ersetzen.
Vergleich der Lebenserwartung von Tieren in Nutzungskontexten und außerhalb.
( c Colleen Patrick-Goudreau 2012)
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Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Ein allgemeines Argument gegen Tierproduktion III
Sofern Tiere Eigentum sind, werden ihre Interessen (aus ökonomischen Gründen) immer nur insofern politisch wirksam berücksichtigt, wie es
für ihren Eigentumszweck produktiv ist.
Sofern Tiere in Produktionskontexten unproduktiv werden, ist es ökonomisch vernünftig, sie zu ersetzen.
Jeder noch so triviale Gegenwert für die Eigentümer∗innen, kann im
Tierproduktionskontext einen hinreichenden Grund für jede noch so
brutale Tiernutzung darstellen.
c Jan van Ijken (2005) aus der Reihe “Precious Animals”.
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Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Ein allgemeines Argument gegen Tierproduktion IV
Sofern Tiere Eigentum sind, werden ihre Interessen (aus ökonomischen
Gründen) immer nur insofern politisch wirksam berücksichtigt, wie es
für ihren Eigentumszweck produktiv ist.
Sofern Tiere in Produktionskontexten unproduktiv werden, ist es
ökonomisch vernünftig, sie zu ersetzen.
Jeder noch so triviale Gegenwert für die Eigentümer∗innen, kann im
Tierproduktionskontext einen hinreichenden Grund für jede noch so
brutale Tiernutzung darstellen.
Tierproduktion ist gewalttätig.
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Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Lässt sich die Gewalt von Tierproduktion rechtfertigen?
Nicht damit, dass wir Tierprodukte aus gesundheitlichen Gründen essen
müssten. Wir müssen es eindeutig nicht. Stattdessen zeigt sich
mit zunehmender Deutlichkeit, dass der Konsum von
Tierprodukten mit vielen sogenannten
„Zivilisationskrankheiten“ im Zusammenhang steht.
Nicht damit, dass es in der „Natur des Menschen“ liegt, Tiere zu Essen,
weil wir es seit Jahrtausenden tun. Die Tatsache, dass wir
etwas seit langer Zeit tun, stellt keinerlei Rechtfertigung dar.
Menschen sind seit Jahrhunderten rassistisch und sexistisch
oder gewalttätig, und wir erkennen heute nach und nach an,
dass das falsch ist.
Nicht damit, dass eine Tierhaltung irgendwie nachhaltig wäre. Tierhaltung
ist ein ökologisches Desaster:
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Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Einige Fakten zur Ökologie von Tierproduktion
Laut der FAO verursacht landwirtschaftliche Tierhaltung mehr
Treibhausgas-Emissionen als der Verkehrssektor.
Nutztierhaltung nimmt 30 % der gesamten Landoberfläche der Erde in
Anspruch, einschließlich der für den Anbau von Futtermitteln genutzten
33 % des gesamten Ackerlandes.
Führt zur Abholzung von Wäldern, um Platz für Futtermittelanbau und
Weideflächen zu schaffen, sowie zur Verschlechterung der Böden durch
Überweidung und Bodenerosion.
Tiere konsumieren mehr Protein als sie produzieren. Für jedes
Kilogramm tierlichen Proteins, das produziert wird, konsumieren sie
mindestens 6 Kilogramm pflanzliche Proteine in Form von Getreide und
Grünfutter.
Tierhaltung ist in vielen Regionen der Hauptfaktor für die zunehmende
Verknappung der Wasserressourcen. Große Mengen Wasser werden
zusätzlich verbraucht, um Futtermittel für landwirtschaftlich benutzte
Tiere zu produzieren.
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Go vegan?!
Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Literatur
Das Argument hält doch 1:1 auch für Pflanzenproduktion!
Vergleichende anatomische Studie von Kühen und Gurken (Polemik von
veganstreet.com, c 2013).
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Go vegan?!
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Ausmaß von Tierproduktion.
Für die Tierproduktion zu Nahrungszwecken töten Menschen laut
U.N.-Daten pro Jahr etwa 63 Milliarden Landwirbeltiere.
Daten der FAO (2004): Calorie supply per capita from animal products
chartsbin.com/view/2515 (Abgerufen 31. August 2013)
Meereslebewesen nur nach Gewicht erfasst: Mindestens 1 Bio. jährlich.
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Go vegan?!
Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Zur Eierproduktion
Basiszucht ist durch drei Generationen
von den „Legehennen“ getrennt
(Heterosis-Effekt).
Zahlenmäßig entsprechen den
verschiedenen Generationen:
(1)
(2)
(3)
(4)
∼ 10 000 Tiere,
∼ 500 000 Tiere,
∼ 32 Mio. Tiere,
∼ 5 Mrd. Tiere.
Oligopolstellung dreier Unternehmen:
Lohmann Tierzucht: 70 % der weißen
Hühnereier.
Hendrix Genetics: 65 % des
Brauneiermarktes, halbe globale
Eierproduktion.
Novogen (erst seit 2008).
Grafik c tier-im-fokus.ch/nutztierhaltung/schweizer_
eierproduktion (Abgerufen 31. August 2013), Schätzungen von
Karlheinz Döhring für Lohmann-Betriebe, FAZ (2006).
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Go vegan?!
Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Literatur
Milchproduktion I
“
These wilde Irish as soone as
their Cowes have calved, take the
Calves from them, and there of
feede some with Milke to reare for
breede, some of the rest they fley,
and seeth them in a filthy poke, and
so eate them, [. . . ] that themselves
may have more abundance of Milke.
And the Calves being taken away,
Kälberiglus (Max Howell
the Cowes are so mad among them,
2006, CC-BY-SA)
asthey will give no Milke till the
skinne of the Calfe bee stuffed and set before them, that they
may smell the odor of their owne bellies.3
”
3 Moryson,
Feynes (1617): An Itinerary containing his ten Yeeres Travell through the twelve
Dominions of Germany, Bohmerland,Sweitzerland etc. S. 201 Reprint. James MacLehose. 1907.
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Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Milchproduktion II
Zucht ähnlich durchstratifiziert, wie bei Eiern gesehen.
Milchkühe werden dauerhaft schwanger gehalten und überstehen das im
Schnitt für 3–4 Laktationszyklen, bis ihre „Milchleistung“ stark abfällt.
Kälber werden früh von den Müttern getrennt. Überzählige Kälber
werden nach etwa 6 Monaten geschlachtet.
Anbindehaltung ab 2014 verboten, dann Laufstallhaltung.
Enthornungen werden standardmäßig durchgeführt; Auch bei den ∼ 5 %
„Biotieren“ noch knapp die Hälfte enthornt.
Einige „Saugentwöhner“
Tom Bradschetl tom.bradschetl@gmail.com
Go vegan?!
Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Literatur
Petrus, K. (2012).
Tierrechtsbewegung: Geschichte | Theorie | Aktivismus.
Unrast.
Schmitz, F. (2013).
Tierethik.
Suhrkamp.
Tier im Fokus (2010–).
tier-im-fokus.ch.
[Online; accessed 31. August 2013].
Tierbefreiung Hamburg (2013–).
tierrechtsbewegung.info,
tierbefreiung-hamburg.org.
[Online; accessed 31. August 2013].
Torres, B. (2008).
Making a Killing : The Political Economy of Animal Rights.
AK Press, Edinburgh.
Tom Bradschetl tom.bradschetl@gmail.com
Go vegan?!
Literatur
Ein Argument für die Überwindung von Tierproduktion.
Konkretere Betrachtungen von Tierproduktion
Dankeschön . . .
. . . für die Einladung und die
Aufmerksamkeit
tom.bradschetl.de
goiken@jabber.ccc.de
twitter.com/goiken
Satellitenaufnahme einer Fütterungsanlage für Rinder, Dallart, Texas 2013
google.de/maps?ll=36.073869,-102.306898&z=17
(Abgerufen 31. August 2013).
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