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Eilenburgische Chronica anno 1696 Das IV. Cap. Von dem

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Eilenburgische Chronica anno 1696
Das IV. Cap.
Von dem Ursprung / Erbauung /wie
auch Erneuerung de# Schlosses und der
Stadt Eilenburg.
Dieses ist fast das Vornehmste / so man von einem Orte zu wissen begehret / wie alt nemlich
derselbige sey / und wer ihn zu erst angeleget und erbauet habe? Hier können wir nun mit
Warheit sagen / daß dieser Ort und Gegend / wie man aus bewährten Geschicht-Schreibern
erweisen kan / vor sehr langer Zeit bewohnet und in Umbau gebracht worden sey: Und zwar /
Was das Schloß betrifft / ist dasselbe viel hundert Jahr älter als die Stadt / zumahl was
die alte Burg anlanget / darvon die alten Mauern nach dem Thale zu / und daran der alte
Thurm noch stehet / welcher vor dessen eine Burgwartt abgeben müssen:
Wer aber dieses Schloß oder Burg zu erst erbauen und anlegen lassen / davon sind die
Geschicht-Schreiber nicht einerley Meynung: Etliche die schreiben solches dem ersten Römischen Käyser / dem Julio Caesari zu / wie Pomarius thut in seiner Sächs. Chronica / (u) da er
sieben Burgken nahmhafftig machet / welche bemeldeter Julius Caesar den sieben Planeten zu
Ehren soll auffgeführet / und also unter solchen dem Jovi zu Ehren / dieses Schloß Ilenburg
soll gleichsam gewiedmet und benennet haben; Denn also lauten seine Worte:
Der Käyser Julius bezwang diese Land / (nemlich Teutschland:) und brachte sie zum
Römischen Glauben an ihre Abgötter / und bauete sieben Burgken in der Ehre der sieben
Planeten: Erstlich bauete er eine auff einen Berg dem Mars, Mars-Burg: In Sachsen das Hauß
Veneri, Venus-Burg oder Magdeburg: Er bauete auch dem Saturnus Haderburg: Ingleichen
Sol, Goldwedel: Er fand im Mondenschein einen Berg / und bauete darauf Lunam, Lüneburg:
Er bauete auch eine Burg / dem höchsten Gott Jupiter; und nennete sie Ilenburg: Er bauete
auch eine Stadt / die hieß er Juliam, (Jülich /) und setzte darauff den Gott Mercurius u. c.
Fast auff diesen Schlag schreibet Anonymus Scriptor Erphesfordensis: (w)
Cum Romani nimium crescere coeperunt in dvitiis & potentià, arridente eis fortuná &
totum mundum nitebantur subjugare suo imperio, audentes in partibus Germaniae ad
Septentrionem multos esse Reges & Principes, qui seipsos rexerunt, & Regnum Romanorum
minimè urabant: Habito consilio, quomodo ipsos humiliarent, & tributarios facerent: (sicut
fecerunt multos Reges & provincias seu terras in partibus transmarinis, id est, in partibus
mundi Asia Africae:) Strenuissimum militem & nobilem Romanum Julium cum maxima
multitudine populi & cum insinito thesauro in Alemanniam miserunt, ut Reges deponeret, &
terras tributarias & subjectas Romano imperio faceret: Julius enim veniens in Alemanniam,
per decem annos Regnum Thuringia & alia Regna, scilicet Galliam, debellando, Romano
imperio subjecit & destruxit, non absque magnà strage hominum utriusque partis: Nam quique
annis pugnavit in Thuringia, & ibi moram traxit: Et ut regna manerent destructa, & populus
subjectus Romanis, tunc Julius multa castra in diversis partibus Alemannia construxit, &
multos Nobiles ibidem posuit, ut si Thuringi vel alii Regem crearent, vel se Romanis
opponerent, quod compescerent: Nam in partibus nunc Saxoniae ob venerationem Lunae,
cujus radios vidit quádam in nocte, in quodam monte; aedisicavit castrum Luneburg , &
compellebat Thuringos adorare Lunam secundum modum Romanorum: In partibus
orientalibus Misniae Julburg, quod nominatur modo Ylborg: In partibus nunc Thuringiae
Cufftzi, quod est nomen Gallicum, i. e. confusio, in perpetuum argumentum, quod Regnum
Thuringiae fuit per eum confusum: In partibus Hassiae construxit Wimelberg, & posuit ibi
plus quam LXX. milites contra Thuringos: Item plura castra aedificavit in Rheno & in Francia
contra Regem Francorum, scilicet Juliacum; Novimagium, & postea Julius omnibus castris
cum nobilibus & militibus bene munitis reversus est Romam, & tandem Imperator factus
Romanorum. & c.
Das ist :
Als die Römer trefflich zunahmen an Reichthum und Gewalt / weil ihnen das Glück wohl
wolte / unterstunden sie sich die ganze Welt ihrer Bothmäßigkeit zu unterwerffen: Und als sie
höreten / daß in dem Theile Teutschlandes gegen Mitternacht viel Könige und Fürsten wären /
die vor sich selbst regierten / und das Römische Reich wenig achteten / hielten sie Rath / wie
sie solche demüthigen und ihnen Zinßbar machen möchten; (Gleich wie sie viel Königen und
Landschaftten über dem Meer / das ist / in den Theilen Asiens und Africens gethan:)
Schickten derowegen den tapffern Soldaten und edlen Römer / den Julium mit einer grossen
Menge Volcks / und einem unsäglichen Schatz Geldes in Teutschland / damit er die Könige
absetzen / und das Land den Römern unterthänig und Zinßbar machen solte: Als nun Julius in
Teutschland kam / hat er zehen Jahr lang das Königreich Thüringen und andere Königreiche /
nemlich Frankreiche / bekrieget / und solche dem Röm. Reiche unterworffen / und zwar nicht
ohne grosse Niederlage zu beyden Seiten: Denn Fünff Jahr hat er in Thüringen gekrieget / und
sich daselbst auffgehalten: Damit aber solche zerstörte Reiche auffgehoben / und das Volk
den Römern unterthänig verbleiben möchte / hat der Röm. Feld-Herr Julius viel Schlösser und
Burgken an unterschiedenen Oertern Teutschlands erbauet / und viel edle Römer dahin
gesetzet / damit wann die Thüringer oder andere Völcker wolten einen König auffwerffen /
oder sich den Römern widersetzen / sie solche könten dämpffen und im Zaume halten: Wie er
denn in den Sachsen-Lande / aus Ehrerbietung gegen den Mond / dessen Strahlen er in einer
Nacht auff einem Berge gesehen / die Festung Lüneburg erbauet / und die Thüringer dahin
gezwungen / daß sie / nach Art der Römer / den Mond anbeten müssen: In dem Ostlande aber
des Meißner-Landes hat er Julburg gebauet / welches hernach Ylburg genennet wurde; In
Thüringen das Schloß Cufftzi / welches ein Frantzöischer Nahme / und so viel als eine
Zerrüttung bedeutet / zum immerwährenden Zeugniß / daß das Thüringische Königreich
durch ihn zerrüttet oder zerstöret worden; In Hessen aber Wimelberg / wohin er mehr als 70.
Soldaten wider die Thüringer zur Besatzung gelegt: Er hat auch mehr Castell oder Festungen
am Rhein / und im Franckenlande wider den König der Francken / nemlich Jülich und
NeuMegen erbauet / und nachdem er alle Festungen mit edeln (Officirern) und Soldaten wohl
besetzet / ist er wider gen Rom gekehret / und endlich Römischer Käyser worden / u.
Mit welchen auch übereinstimet Joh. Bange in seiner Thüringischen Chron. (x) da er also
schreibet:
Also bauete er (Julius Caesar) auff die Meißner- und Oster-Lande die Julien-Burg / die
man heisset Eilenburg / und bey Aach / Jülich / diese zwey nennete er nach seinen Nahmen /
u.
Also wollen auch Hermannus, Beckmannus, und die Annales Brunsuicensium, (y) daß
sie Julii Caesaris Kriegs-Volck soll erbauet haben: Dergleichen giebt auch Stella vor / es sey
diß Schloß von Julio Caesare, annoch vor Christi Geburt erbauet / und dahero Arx Julia, das
ist / des Julii Schloß / ingleichen Julienburg und Julburg genandt worden / welchen auch sonst
noch andere Autores mehr (a) beyfallen.
Aber diesen itzt-angeführten widersprechen die meisten andern Scribenten, und
sonderlich Crantzius, (b) der nennet es eine Fabul oder Mährlein / und strafft derjenigen
Thorheit und Unwissenheit / die da vorgeben / es habe Julius Caesar an sieben bequemen
Orten in Teutschland / sieben Schlösser oder Burgken nach dem Nahmen der sieben Planeten
erbauet; da er doch niemahls disseit des Rheins lange gestanden / sondern ob er gleich
zweymahl Brücken darüber gebauet / und mit seinem Heer aus Franckreich / über den Rhein
herüber gegangen / so habe er doch / weil die Teutschen / als seine Feinde / in die Wälder
geflohen / (oder vielmehr sich starck zur Gegenwehr gerüstet;) nicht lange daselbst Stand
gehalten / sondern sein Kriegs-Volck bald wieder zurück über den Rhein geführet / und die
Brücke hinter sich abwerffen lassen: (c) Massen denn Julius Cäsar in seinem vierdten und
sechsten Buch de bello Gallico (d) solches selbst bezeuget / und dahero / wenn er in diese
Länder kommen / und so viel Jahr lang Kriege darinne geführet / solches traun nicht würde
verschwiegen / sondern ausser Zweiffel / weitläufftig angeführet haben / so aber nicht
geschehen; (Besiehe von seinen Kriegs-Expedionibus etwas mehrers drunten in Annalibus
sub Anno Mundi 3914.)
Aber diß so würde auch Cornelius Tacitus, als der unter den
Römischen Scribenten das Teutschland am fleißigsten beschrieben / und darbey der Römer
Lob und Thaten vortrefflich heraus gestrichen / solch herrlich Werck des Julii Caesaris, so er
in Teutschland gestifftet / und angerichtet / nicht leicht mit Still-schweigen vorbey gangen
seyn / sondern solches gewißlich weitläufftig beschrieben haben / wenn sichs also verhielte /
und in Wahrheit also geschehen wäre.
Ist demnach falsch / und kan keines Weges behauptet werden / daß diese Burg von
dem Julio Caesare, oder seinen Kriegs-Leuten / fünff und viertzig Jahr vor Christi Geburt soll
seyn erbauet worden / sintemahl derselbe niemahls über die Weser / geschweige denn über
die Saala und an die Mulda kommen / sondern / wie oberwehnt / als er im 51. Jahre vor
Christi Geburt eine Brücke übern Rhein schlagen lassen / und sein Volck darüber geführet /
ist er doch nicht über 14. Tage disseit des Rheins verblieben / sondern / wie aus seinen
eigenen und anderen Schrifften (e) klar zu beweisen / bald wieder zurück gangen / oder wie
einige (f) melden / von den Suevis oder Schwaben / (denn also wurden damahls die
Einwohner in hiesigen Landen genennet /) dahin getrieben worden / daß er wieder zurück
gehen müssen / ist auch nie wieder herüber in Teutschland kommen:
Denn im 45. Jahre vor Christi Geburt / (in welchem nach etlicher Meynung / diß
Schloß zu erst von ihm soll seyn angeleget worden:) hat Julius Caesar, nachdem das Jahr
Pomperjus Magnus von ihm geschlagen und erleget worden / Pontum eingenommen / (g) und
sich darauff wieder nach Rom begeben / daß also im selbigem Jahre gar nichts von ihm in
Teutschlande gethan oder vorgenomen worden / zumahl er damahls zu Hause und anderweit
vor sich genug zu thun gehabt: Im 42. Jahre aber vor Christi Geburt wurde Julius Caesar, wie
gnugsam bekandt / auf dem Rathhause zu Rom mördlich umgebracht: (h)
Nach dessen Tode / da Octavianus (welcher hernach den Nahmen Augusti im 25.
Jahre vor Christi Geburt erlangte:) ins Regiment kam / schickte er seinen Stieff-Sohn
Claudium Drusum (so hernach wegen seiner Siege wider die Teutschen / Germanicus genandt
wurde:) wieder in Teutschland / welcher im 13. Jahre vor Christi Geburt / die Graubündner
bey Trinent geschlagen: Im 7. Jahre aber gieng er mit dem Römisch. Kriegs-Volck über die
Weser / und kam biß an die Elbe / kunte aber drüber nicht gelangen / sondern muste zurücke
weichen: Und dieser Drusus hat den größten Theil Teutschlandes / disseit des Rheins biß an
die Elbe / damahls unter der Römer Gewalt und Bothmäßigkeit gebracht / und unter
denselben auch das / so itzo das Meißner-Land genennet wird / massen er denn in solchen
eroberten Landen / und zwar insonderheit an der Weser / Saala / Elbe und dergleichen Flüssen
/ viel Burgken oder Schlösser (i) erbauet / und mit Kriegs-Volke besetzet / darunter auch
Merseburg an der Saala / Altenburg an der Pleisse / und diese Eilenburgische Schloß-Burg an
der Mulda / (wie dafür gehalten wird /) gewesen seyn soll: (k) welches wir denn vor gläublich
halten: Denn / wie Livius sagt: In antiquis, quae similia veri sunt, pro veris acccipienda sunt;
Das ist: In alten Sachen mag man wohl das / was der Wahrheit ähnlich / vor Wahrheit
annehmen. (l)
Hernach aber im fünfften Jahre vor Christi Geburt / gieng Tiberius, nachdem sein
Bruder Drusus das Jahr vorhero umbkommen / (Besiehe drunten die Annales:) wiederum
übern Rhein biß an die Elbe / durchwanderte alle Landschafften als ein Überwinder / und
befestigte Merseburg (m) an der Saala: Kahm darauff in die 40000. Einwohner aus hiesigen
Landen / zwischen der Saala und Elbe / (so dazumahl Suevi genandt worden:) mit sich
hinweg in das Rieß an der Donau / (n) daselbst anzubauen / umb die Macht der Teutschen in
hiesigen Landen dadurch zu schwächen / weil er sonst nach seinem Abzuge der Rebellion
sich befürchtete.
Nach Christi Geburt aber im ersten Jahre war Francus der Sicamber König (von
welchem die Francken den Nahmen bekommen /) gestorben / und in Teutschlande /
sonderlich umb den Hartzwald herrschte damahls / und war in grossen Ruhm und Ansehen
der Fürst Harminius, des Sigmars Sohn / welchem die Römer / als er mit seinem Bruder
Flavio gen Rom geschickt worden / die Kriegs-Zucht und andere Fürstl. Sitten zu erlernen /
das Bürger-Recht mitgetheilet / und ihn geadelt hatten: Nachdem aber Quintilius Varus, der
Röm. Gubernator am Rhein / (so vom Käyser Augusto dahin geschickt worden:) die
Teutschen allzuscharff gehalten / und grosse Tyranney verübet / (o) verschmertzten sie es
zwar eine Zeitlang / allein da derselbige sicher / und die Kriegs-Völcker abgeführet / auch
solche weit aus einander geleget / machten die weit-abgelegenen Suevi hiesiger Landen einen
Auffstand: Nun versprachen zwar die denen Römischen Besatzungen Nahgelegene / dem
Varo und den Römern Hülffe zu leisten / meyneten es aber viel anders / und also brachten sie
dieselben ins Netze / also daß Varus von dem Harminio, welcher sich zu der Teutschen HeerFührer gebrauchen ließ / sehr hart geschlagen / und sein gantzes Kriegs-Heer erleget wurde;
(davon drunten in Annalibius sub Anno Christi 10. vel 12. ein mehrers:) Weil denn nun
durch dieses Treffen die Teutschen Völcker / vom Rhein an diß an die Elbe / ihre Freyheit
wieder erlanget / so hat hernach dieser Harminius 12. Jahr lang in Teutschland die Herrschafft
geführet / derohalben er auch Liberator Germaniae, des Teutschlands Erlöser genennet
worden: Wiewohl er hernach Anno 19. vel 21. und also bey der Regierung des Käysers
Tiberii mit Gifft soll hingerichtet / oder gar von seinen Teutschen selbst wider alle sein
Verdienst erschlagen worden seyn / nur darumb / weil sie besorgten / er möchte das Teutsche
Reich an sich bringen: (p) Und diesem ißtgedachten Harminio schreiben gleicher gestalt
etliche den Bau des alten Schlosses zu Eilenburg zu.
Endlich so wird fast von allen / so dieses Schlosses ersten Ursprung beschrieben /
eines Graffen gedacht / welcher den Bau desselben wirklich soll vollbracht haben: (q) Und
dieser wird von etlichen Ilba, von andern Ilo, Ilbo oder Ilvo genandt: Jedoch sind sie dißfalls
nicht einerley Meynung / ob derselbige unter Julio Caesare, oder vielmehr Octavio Augusto
und seinem Stieff-Sohn Druso, oder aber unter obgedachten Harminio sich befunden? Massen
denn einige dafür halten / es sey derselbige des Harminii Kriegs-Obristen einer gewesen: (r)
Brottuf aber nebenst andern (s) geben für / daß selbiger unter dem Claudio Druso Germanico
ein Römischer Hauptmann gewesen / und habe also diese Burg zu des andern Römischen
Käysers / des Augusti Zeiten zu allererst erbauet / und von seinem Nahmen Ilo, Ilba oder Ilvo,
Ilvoburg oder Ilenburg genennet.
Dem sey nun wie ihm wolle / so ist doch aus dem / was angeführet / klärlich zu
ersehen / daß das alte Schloß oder Burg zu Eilenburg / kurtz entweder vor oder nach Christi
Geburt erbauet sey: Wie denn insgemein von denjenigen Burgken / so an den Flüssen
auffgerichtet worden / als Mars- oder Merseburg / Altenburg / Magdeburg / und also auch
Eilenburg dafür gehalten wird / daß sie die ältesten Städte in dem Lande seyn. (t)
Es ist aber solche alte Burg / Schloß und Thurm allhier zu Eilenburg / hernachmahls
von den Feinden / Zweifels-ohne von den Wenden / als bösen Nachbarn / wiederumb
zerstöret worden / und sollen darbey viel Menschen / so sich hefftig darauff gewehret /
umbkommen seyn / wie aus denen daselbst gefundenen Gebeinen zu erkennen gewesen:
Dahero auch derselbige alte zerstörte Thurm kein Dach leidet / wie denn gemeldet wird / daß
die Wieder-Auffbauung desselben zum öfftern zwar vorgenommen worden / aber dennoch
allezeit vergebliche Arbeit darbey geschehen sey: Denn was des Tages über gebauet / wäre
bey Nacht-Zeit durch die Gespenste wieder eingeworffen worden.
Es hat aber das Schloß oder die Burg vor dessen seine Ausfahrt hinten bey dem alten
Thurm hinaus nach dem Thal gehabt; denn in solchem Thale vor Alters ein offener Flecken
gewesen / der sich biß an die Hinter-Stadt erstrecket: Albinus sagt / es sey hier eine Burgwartt
/ und darunter ein neu Feld oder Dorff Bucowitz genandt / geleget gewesen / wie oben
angeführet: Denn vor Corali Magni und Heinrici aucupis Zeiten / hat es sehr wenig
verschlossene Städte / sondern nichts als nur Dörffer und offene Flecken / und darbey an
gelegenen Orten etliche Schlösser oder Burgken / nur allein zum Schutz wider die Feinde / in
hiesigen Landen gegeben / (u) daher Cornelius Tacitus (w) ausdrücklich schreibet: Nullas
Germanorum populis urbes habitari satis notum est; nec pati quidem inter se junctas sedes:
Colunt disereti ac diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit: Vicos locant non in nostrum
morem connexis & cohaerentibus aedificiis: Suam quisque domum spatio circumdat, sive
adversus casus ignis remedium, sive inscitia aedificandi: Das ist: Es ist gnugsam bekandt /
daß die Teutschen Völcker keine Städte haben oder bewohnen / ja nicht einmahl leiden / daß
ihre Wohnungen nahe bey einander gebauet oder hart angefüget werden / sondern sie wohnen
von einander geschieden und abgesondert / nachdem einem oder dem andern etwa ein
Brunnen / oder ein Feld / oder ein Wald gefället: Sie richten zwar Flecken und Dörffer an /
iedoch nicht nach unserer (der Römer) Art und Manier / da die Gebäude hart aneinander
stossen / und zusamen gefüget sind / sondern ein ieder hat seinen besondern Raum umb sein
Hauß oder Wohnung / entweder daß es wider die Feuers-Gefahr soll dienen / (damit also nicht
eines von dem andern so leicht könne angezündet werden:) oder weil sie das Bauwesen nicht
besser verstehen: wie denn dergleichen Art der Dörffer und Wohnungen auch heute zu Tage
im Meißnischen Ertz-Gebirge u. Voigtlande noch gnugsam zu befinden.
Und ob gleich hernach die Sorben-Wenden in hiesigen Landen / ausser ihren beyden
Haupt-Festungen Gruna und Geithen / noch unterschiedene Städte mehr angebauet / so sind
es doch meistentheils nur offene Flecken gewesen: Aber nachdem Carolus Magnus die
Sachsen / und sonderlich ihren letzten König den Wittikind bezwungen / und zum
Christlichen Glauben gebracht / auch ihm unter andern diese Länder zwischen der Saala und
Elbe geschencket / und zum Land-Voigt der Sorben-Wenden verordnet / da hat nicht nur
dieser Wittikind Wetthin an der Saala / und Wittenberg an der Elbe zu erbauen angefangen /
(x) sondern auch Carolus M. selbst / soll hernach so wol Dreßden an der Elbe / als auch
Naumburg an der Saala / wider die Böhmen und Sorben-Wenden zu Festungen haben erbauen
lassen: (y) Sonderlich aber hat nach solcher Zeit der Römische Käyser Heinricus auceps, sehr
vielen Dörffern und offenen Flecken / so nur ein wenig bequem gelegen / das Stadt-Recht
mitgetheilet / sie mit Gräben und Mauern befestigen lassen / und also Städte daraus gemacht.
(z)
Dergleichen er denn auch mit diesem Orte und offenen Flecken gethan / als dem er
gleichfalls das Stadt-Recht ertheilet / und solches fürnemlich darum / (a) dieweil er zuvor die
Heydnischen Sorben oder Wenden auff dem festen Raub-Schlosse zu Gruna / allein durch
diesen Eilenburgischen Mulden-Paß zurück halten können / wie er denn auch hernach Anno
932. die grausamen Hunnen bey ihrem letzten Einfall / an dem Torgauischen Elb- und diesem
Eilenburgischen Mulden-Paß / den gantzen Winter über auffgehalten / biß er sich zu
Merseburg recht setzen und verstärcken können / da er sie denn hernach auff den Frühling /
als sie aus Sachsen von unten herauff kommen / nicht weit von Merseburg / zu Keuschberg /
Sckölen und um selbige Gegend / durch eine Haupt-Schlacht dermassen erleget / und aus dem
Felde geschlagen / daß sie hernach des Wiederkommens vergessen / davon drunten in
Annalibus ein mehrers.
Nachdem nun / wie obgedacht / das alte Schloß zerstöret worden / und nicht wieder
auffgebauet werden können / so ist hernach auff der fördern Seite des Berges oder der Burg /
gegen Morgen / ein Stück oder Theil des Schlosses / und zwar / wo itzo der Schloß-Saal und
die Ampts-Stube befindlich / von neuen erbauet und erhoben worden / welches Stück an der
Treppe / die in die ietzige Ampts-Stube gehet / abgangen.
Als aber Graff Friedrich / Dietrichs Sohn / der erste Burg-Graff zu Meißen / (verstehe
aus der Wetthinischen Linie:) wie auch der erste Erb-Herr der Graffschafft Eilenburg worden
/ hat er Anno 990. das Schloß und die Stadt in gantz andern Stand gebracht / angesehen er mit
Hülffe Käysers Ottonis des III. als seines Vettern / das andere Stück oder den neuen Stock des
Schlosses / nemlich die Schloß-Capelle / und gantze Seite zur lincken Hand / oder nach der
Schloß-Mühle und Thale zu / von Grund auff neu erbauet: Dahero stehet in der alten Meißn.
Chron. (b)
Friedrich / ein Bruder Dedonis, dererbaute mit Hülffe Käyser Ottens seiner Schwester Sohns /
und mit Hülffe seines Vettern Dietrichs / die Stadt und das Schloß Eilenburg / u.
Welches denn ausser Zweifel also zu verstehen / daß dieser Burg-Graff Friedrich / die Stadt
und das Schloß zwar nicht zu erst erbauet / sondern vielmehr erneuert / verbessert / und
beydes in guten Stand / Ansehen und Zierde gebracht: Jedoch soll seine hinterlassene dritte
Tochter / Fräulein Hidda, so ihren Sitz allhier auf dem Schlosse gehabt / und ihr Lebens-lang
behalten / solchen von ihrem Herrn Vater angefangenen Bau / allenthalben vollends glücklich
vollführet und zu Ende gebracht haben.
In der Schloß-Capelle / welche von ob-wohlgedachten Burg-Graff Friedrichen Anno
1000. erbauet worden / (aber heutiges Tages fast gantz eingangen:) stehen folgende Wapen:
Und zwar
An der Obersten Pohr-Kirche
ist zu sehen das Wapen
1.
Der Burggraffen zu Magdeburg / mit dem halben Adler / vier rothe Balcken / und
oben
zween Flügel. (Nota: Diese Burggraffschafft ist Anno 930. von Käyser
Heinrico I. gestifftet /
und erst dazumahl an die Marggraffen zu Meissen und
Churfürsten zu Sachsen kommen / da
die Anhaltischen Churfürsten abgangen
unter Käyser Sigismundo:)
2.
Der Herrn von Brena, mit drey Kleeblats-weise oben ausgeschnittenen Ciruln / oder
3. rothen See-Blumen. (c) (Soll Ringelheim / oder wie etliche wollen / von Engern her
seyn:)
3.
Der Herrn von Orlamünde und Weimar / mit dem schwartzen auffgerichteten Löwen
im gelben Felde / mit der rothen Krone und rothen Rosen-Blättern.
4.
Der Herrn von Altenburg (bey Merseburg /) mit drey weissen Rosen. (Nota: Wenn das
andere itzt-berühmte Altenburg an der Pleisse hier verstanden würde / so müste es eine
grosse rothe Rose seyn:)
5.
Der Herrschafft an der Pleisse / mit dem weiß- und gelben Löwen / so oben gülden /
und unten silbern. (d)
6.
Der Herrschaft Eisenberg / mit den geqveerten Handqvehlen / oder drey blauen
Streiffen / wie sie in Handqvehlen gemacht werden. (e)
7.
Das Blut-Schild.
8.
Der Herrschafft Sagan in Schlesien / mit dem Adler.
An der Untersten Pohr-Kirche
aber stehet das Wapen
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
Der Burggraffen zu Meissen / mit dem schwartzen Creutze im gelben Schilde.
Der Graffen Biberstein / mit den rothen Hirsch-Geweyhen im gelben Schilde.
Der Graffschafft Leißnig / mit getheilten Balcken und Rauten.
Der Herrn zu Colditz / mit dem halben schwartzen Löwen im gelben Felde / unten
mit den Balcken / die über Ort gezogen / zum theil. schwartz / zum theil weiß.
Der Graffen zu Weida und Plauen / mit dem hochgeschwäntzten Löwen.
Der Herrn zu Zörbig / mit den geschrenckten Balcken.
Der Herrschafft Eckartsberga / mit dem halben Löwen / im obern Theil des Schildes /
so gelb im blau: und mit den Lilien im untern Theile / so roth und gelb.
Der Herrschafft zu Weissenfels / mit auffgerichteten Balcken und Pfau-Federn.
9.
Der Herrschafft Henneberg / mit der schwartzen Henne im güldenen Felde / auff drey
schwartzen Bergen stehend. (f)
10.
Der Herrschafft Gleißberg / mit weiten Quadrat-Pflastern.
(Dieses Wapen ist abgangen A. 1036. (g) )
11.
Der Herrschafft Thum oder Domin, mit 2. Hirsch-Hörnern.
12. Der Herrschafft zu Wolckenstein / mit dem güldenen Ringe.
Wenn aber / oder zu welcher Zeit diese Wapen daran gemahlet worden / ist unbekandt
/ weil keine Jahr-Zahl darbey zu befinden: habe sie aber gleichwohl / weil man solche itzo
noch etlicher massen erkennen kan / zur Nachricht hierbey verzeichnen wollen.
Als auch hernach / (wie unten Part. 2. cap. 1. Num. XXII. wie auch in den Annalibus,
etwas mehrers davon angeführet wird:) in derjenigen Fehde / so der Herr von Duba, Freyherr
von Birck / als damahliger Besitzer des Schlosses Eilenburg / mit dem Bischoff Heinrichen zu
Merseburg gehabt / (darinnen sie einander die Unterthanen mit plündern und berauben / ja mit
Feuer und Schwerdt verderbeten:) unter andern auch das Schloß und die Stadt Eilenburg / im
Jahr Christi 1384. oder wie etliche wollen / 1386. von selbigen Bischoffs-Völckern in der
Nacht nach der Enthäuptung Johannis, oder den 29. Augusti gantz abgebrandt und ruiniert
worden / (h) und aber gedachter Herr von Duba, weil er solche wieder auffzubauen keine
Mittel gehabt / solche Stadt und Schloß Herrn Vollhardten, Herrn von Colditz verkauffet /
dessen Söhne denn hernachmahls solches beydes hinwiederum Anno 1394. oder 1395. an
Herrn Wilhelmen / und Herrn Balthasarn / Landgraffen in Thüringen und Marggraffen zu
Meissen / auff 8. Jahr wiederkäufflich überlassen / so ist darauff das gegenwertige SchloßGebäude an sich selbst wieder aus der Asche zu erheben / von itzgedachten Landgraff
Balthasarn / bey währenden Wiederkauffs-Jahren / Anno 1396. vermöge des auffgerichteten
Contracts, der Anfang gemachet / und hernach von seinem Herrn Bruder Marggraff
Wilhelmen / als es derselbige Anno 1404. erblich an sich erkaufft / (i) und also eigenthümlich
bekommen / vollends ausgebauet / und in richtigen Stand / wie es noch heute zu Tage stehet /
gebracht worden.
Anno 1575. zur Zeit der Regierung des Churfürstens Augusti, ist der grosse Thurm im
Schloß-Hofe von neuen gedeckt und ausgebessert worden / wie folgende Lateinische Verse /
(so Anno 1671. als man den Knopff von solchem Schloß-Thurme / aus gewissen Ursachen
herunter genommen / nebst dem folgenden Lateinischen Carmine / darinne gefunden worden /
deutlich bezeugen:
Romano Comite exstructa haec ubi Turris ab Ilba est,
Venturum ad CHRISTUM ter tria Lustra, manent:
Post natum Duce ab Augusto quando renovatur,
Secula ter quinque, & tot quoque lustra manent.
Das ist:
Vom Graffen Ilba wurd hier dieser Thurm erbauet /
Vor Christ Mensch-Geburt fast fünff und viertzig Jahr:
Nach solcher vom August verneuert man ihn schauet /
Da siebzig-fünff die Zahl nach funffzehn hundert war.
Oder etwas weitläuffiger:
Vom Illba dieser Rthurm erbauet wurde rechts/
Der nach dem Stand ein Graff / und Römischen Geschlechts /
(Wie Garzo giebet aus:) vor fünff und viertzig Jahren /
So zu der Heyl-Geburt noch nicht erfüllet waren:
Nun aber wird er itzt erneuert wiederum
Vom August / der als Herr in dem Churfürstenthum
Zu Sachsen wohl regiert / als Tausend sind zur Seiten /
Fünff Hundert / Siebentzig und Fünff nach Christi Zeiten.
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