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Bildungsstandards zur Qualitätssicherung,
Kompetenzorientierung zur Unterrichtsentwicklung:
wie kommt das Eine zum Anderen
Prof. Dr. Hans Anand Pant
Humboldt-Universität zu Berlin
Ringvorlesung
»Schule im Umbruch«
Kooperation der Universität Bern und der
Pädagogischen Hochschule Bern im
Herbstsemester 2014
1 | DACH-Seminar 2014, Potsdam
© IQB 2014
Der PISA-Schock 2000 in Deutschland
Ergebnisse aus PISA 2000
Leistungen im Lesen befinden
sich im unteren Drittel der
Welt
Die Leistungen in den 16
Bundesländer unterscheiden
sich stark
Schüler/-innen aus
• unteren sozialen Schichten
• mit Migrationshintergrund
werden durch das deutsche
Schulsystem benachteiligt
2 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Emanzipations- und Integrationsfunktion des
Schulsystems in Deutschland
§ Grundgesetzliche Verankerung des staatlichen Erziehungs- und
Bildungsauftrags (Artikel 7 Absatz 1 des Grundgesetzes )
§ Im Zusammenspiel mit dem Entfaltungsgrundrecht des Kindes und
Jugendlichen (Art. 2 Abs. 1 GG) und dem Sozialstaatsprinzip (Art. 3 Abs. 3
und 20 Abs. 1 GG) resultiert die Verpflichtung des Staates, ein
leistungsfähiges und chancengerechtes Schulsystem zu unterhalten
(Emanzipationsfunktion der Schule)
§ Die Aufgabe der gesellschaftlichen Integration in der pluralistischen
Gesellschaft und politischen Demokratie verpflichtet den Staat, für die
Sicherung des gesellschaftlichen und politischen Grundkonsenses und das
friedliche Funktionieren der staatlich verfassten Gesellschaft Sorge zu
tragen
(Integrationsfunktion der Schule)
Quelle: Reuter (2003), Erziehungs- und Bildungsziele aus rechtlicher Sicht, S. 29ff.
3 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Demografische herausfordernde Entwicklungen
4 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Fachkräftebedarf (in % von der Fachkräftenachfrage) für „alle
Fachkräfte” in allen Branchen (Quelle: IHK BW, 2014)
2005
5 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
2015
2030
© Pant 2014
Bildungsstandards für den allgemeinbildenden Bereich
Bildungsstandards …
sind Kompetenzerwartungen
beschreiben die fachbezogenen Kompetenzen, die
Schülerinnen und Schüler bis zu einem bestimmten Zeitpunkt
ihres Bildungsganges erreicht haben sollen
sind primär Leistungsstandards / Output-Standards
stellen verbindliche Kriterien für alle 16 Länder dar
sollen hinsichtlich ihres Erreichens summativ mit Hilfe von
Testaufgaben überprüft werden
6 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Die Schulleistungsstudien im Rahmen der KMK-Strategie
Internationaler
Vergleich
7 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
Nationaler Vergleich
Schul- und klassenbezogener Vergleich
© Pant 2014
Vergleich der Schulleistungsstudien im Rahmen der
Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring
8 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Funktionen kompetenzbasierter Bildungsstandards
Vier Funktionen von Bildungsstandards
1. Orientierungsfunktion
Zentraler Bezugspunkt für Schulqualität auf allen Ebenen und
für alle Akteure im Schulsystem
2. Klärungsfunktion
Verständigungsgrundlage, was z. B. unter „zeitgemäßer“
Mathematik verstanden werden soll?
3. Überprüfungsfunktion
Übersetzbarkeit in Tests zur regelmäßigen Überprüfung der
erreichten Kompetenzstände in Form von Bildungsmonitorings
4. Entwicklungsfunktion
Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung/ Veränderung von
Unterricht
9 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Funktionen kompetenzbasierter Bildungsstandards
Vier Funktionen von Bildungsstandards
1. Orientierungsfunktion
Zentraler Bezugspunkt für Schulqualität auf allen Ebenen und
für alle Akteure im Schulsystem
2. Klärungsfunktion
Verständigungsgrundlage, was z. B. unter „zeitgemäßer“
Mathematik verstanden werden soll?
3. Überprüfungsfunktion
Übersetzbarkeit in Tests zur regelmäßigen Überprüfung der
erreichten Kompetenzstände in Form von Bildungsmonitorings
4. Entwicklungsfunktion
Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung/ Veränderung von
Unterricht
10 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Bildungsziele, Bildungsstandards und Lehrpläne
Überprüfung durch die Vergleichsarbeiten und
die Ländervergleiche des IQB
Bildungsziele
Bildungsstandards der KMK
Bildungspläne der Länder
schulinterne Lehrpläne
Überprüfung durch Parallelarbeiten
11 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
Überprüfung durch zentrale
Abschlussarbeiten (z.B. Abschluss Kl. 10)
© Pant 2014
Ländergemeinsame Bildungsstandards im Deutschen
Bildungssystem
Bildungsstandards für die
Allgemeine Hochschulreife
Bildungsstandards für das
Ende der Sekundarstufe I
Bildungsstandards für den
Primarbereich
12 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
KMK Bildungsstandards im allgemeinbildenden Schulsystem
nach Fächern, Schulstufe und Abschluss
13 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Ziel: Kompetenzorientierung aller Elemente und
Akteure der Qualitätssicherung im Bildungssystem
externe Evaluation
Politik &
Schulverwaltung
Lehrplankommissionen
Schule: interne
Evaluation
Kompetenzorientierung
Unterstützungssystem
(z.B. Fachcoaches)
Lehrkräfte im
Unterricht
Schulaufsicht
Lehrerausbildung
Lehrerweiterbildung
14 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Funktionen kompetenzbasierter Bildungsstandards
Vier Funktionen von Bildungsstandards
1. Orientierungsfunktion
Zentraler Bezugspunkt für Schulqualität auf allen Ebenen und
für alle Akteure im Schulsystem
2. Klärungsfunktion
Verständigungsgrundlage, was z. B. unter „zeitgemäßer“
Mathematik, Chemie, etc. verstanden werden soll?
3. Überprüfungsfunktion
Übersetzbarkeit in Tests zur regelmäßigen Überprüfung der
erreichten Kompetenzstände in Form von Bildungsmonitorings
4. Entwicklungsfunktion
Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung/ Veränderung von
Unterricht
15 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Kompetenzbegriff der Bildungsstandards
§Bezug zum "wirklichen Leben"
§keine allgemeines
Leistungsmerkmal wie Intelligenz
§Notwendige Frage: "kompetent
wofür?"
§Abgrenzung vom
Begriff der Begabung
§Erlernbarkeit und
Förderbarkeit
Kompetenzen werden als Ergebnisse von Bildungsprozessen und
kontextspezifische kognitive Leistungsdispositionen, die sich
funktional auf Situationen und Anforderungen in bestimmten
Domänen beziehen, definiert.
(Klieme & Leutner, 2006)
Erfordert genaue
Definition des
Expertisebereichs (z.B.
Erkenntnisge-winnung
Physik)
16 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
Kompetenzen sind
funktional in Bezug
auf Handeln ("Cando")
Abgrenzung von motivationalen und affektiven
Voraussetzungen von
Leistung sowie von Aspekten sozialer Kompetenz
© Pant 2014
Inhalts- und prozessbezogene Kompetenzen im Fach
Mathematik
17 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Funktionen kompetenzbasierter Bildungsstandards
Vier Funktionen von Bildungsstandards
1. Orientierungsfunktion
Zentraler Bezugspunkt für Schulqualität auf allen Ebenen und
für alle Akteure im Schulsystem
2. Klärungsfunktion
Verständigungsgrundlage, was z. B. unter „zeitgemäßer“
Mathematik verstanden werden soll?
3. Überprüfungsfunktion
Übersetzbarkeit in Tests zur regelmäßigen Überprüfung der
erreichten Kompetenzstände in Form von Bildungsmonitorings
4. Entwicklungsfunktion
Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung/ Veränderung von
Unterricht
18 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Unterscheidung von Aufgabentypen
Lernaufgaben
Testaufgaben
Prüfungsaufgaben
19 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Der IQB-Ländervergleich 2012 der mathematischnaturwissenschaftlichen Kompetenzen am Ende der Sek I
§ 44 584 Schülerinnen und Schüler aus
1326 Schulen
§ Stichprobe bundesweit und für jedes
der 16 Bundesländer repräsentativ
20 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Getestete Kompetenzbereiche
Mathematik
§ Globale Mathematikkompetenz
§ fünf inhaltsbezogene Kompetenzbereiche (Leitideen):
− Zahl
− Messen
− Raum und Form
− Funktionaler Zusammenhang
− Daten und Zufall
Naturwissenschaften
§ für Biologie, Chemie, Physik jeweils
− Fachwissen
− Erkenntnisgewinnung
21 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Kompetenzstrukturmodell naturwissenschaftliche
Fächer
Kognitive
Prozesse
§ Niveau I – ein Fakt
§ Niveau II – zwei Fakten
§ Niveau III – ein Zusammenhang
§ Niveau IV – zwei Zusammenhänge
§ Niveau V – übergeordnetes Konzept
Komplexität
22 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
§
§
§
§
integrieren
organisieren
selegieren
reproduzieren
Kompetenzbereiche
§ Umgang mit
Fachwissen
§ Erkenntnisgewinnung
§ Kommunikation
§ Bewertung
© Pant 2014
Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung
Aspekte
Teilbereiche
Erkenntnisgewinnung
Naturwissenschaftliche
Untersuchungen
Naturwissenschaftliche
Modellbildung
Wissenschaftstheoretische
Reflexion
Fragestellung
Funktionalität
Eigenschaften
Hypothese
Modellanwendung
Entwicklung
Untersuchungsdesign
Grenzen
Datenauswertung
23 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Aspekte naturwissenschaftlicher Untersuchungen
Fragestellung
Hypothese
Untersuchungsdesign
Datenauswertung
24 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
• Frage, die zum Phänomen passt
• Frage, die naturwissenschaftlich
untersucht werden kann
• Hypothese, die sinnvoll ist
• Hypothese, die empirisch prüfbar ist
• Hypothese mit Theoriebezug
• angemessene Methoden
• Identifizierung von Kriterien
• Variablenisolation und -kontrolle
• Datendarstellung
• Datenauswertung
• Schlussfolgerungen
© Pant 2014
Kompetenzmodell naturwissenschaftliche
Fächer
Kognitive
Prozesse
§ Niveau I – ein Fakt
§ Niveau II – zwei Fakten
§ Niveau III – ein Zusammenhang
§ Niveau IV – zwei Zusammenhänge
§ Niveau V – übergeordnetes Konzept
Komplexität
25 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
§
§
§
§
integrieren
organisieren
selegieren
reproduzieren
Kompetenzbereiche
§ Umgang mit
Fachwissen
§ Erkenntnisgewinnung
§ Kommunikation
§ Bewertung
© Pant 2014
Informationsbearbeitungsprozesse bei der
Aufgabenbearbeitung
Kriterien
Verhältnis
Verhältnisin
Aufgabenstellung
vorgegebener
vorgegebener
Information
Informationen
zu
zuerwarteter
erwarteterAntwort
Antwort
Notwendigkeit,
Notwendigkeit,
Zusammenhänge,
Zusammenhänge
Reihenfolgen
oder
herzustellen
Bezüge herzustellen
Ähnlichkeit von
der
Ähnlichkeit
Situationen in
Aufgabenstellung
Aufgabenstellung
und Lösung und
Lösung
Reproduzieren
Vorgabe = Antwort
nein
hoch
Selegieren
Vorgabe ≠ Antwort
nein
hoch
Organisieren
Vorgabe ≠ Antwort
ja
hoch
Integrieren
Vorgabe ≠ Antwort
ja
niedrig
Kognitive
Prozesse
26 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Kompetenzmodell naturwissenschaftliche
Fächer
Kognitive
Prozesse
§ Niveau I – ein Fakt
§ Niveau II – zwei Fakten
§ Niveau III – ein Zusammenhang
§ Niveau IV – zwei Zusammenhänge
§ Niveau V – übergeordnetes Konzept
Komplexität
27 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
§
§
§
§
integrieren
organisieren
selegieren
reproduzieren
Kompetenzbereiche
§ Umgang mit
Fachwissen
§ Erkenntnisgewinnung
§ Kommunikation
§ Bewertung
© Pant 2014
Komplexität - Fachwissen
Komplexitätsniveau
Beschreibung
Konzept
Prinzipien, Konzepte, Abhängigkeiten von Rand- und
Anfangsbedingungen, Basiskonzepte
2 Zusammenhänge
Kreisläufe, Prozesse, Kausalgefüge,
Beziehungsgeflechte
1 Zusammenhang
Funktionale, relationale, kausale Beziehungen
zwischen Fakten, Wechselwirkungen zwischen
Objekten oder Ebenen
2 Fakten
Kombinationen aus Eigenschaften, zeitliche
Reihenfolge, Objektmengen
1 Fakt
Begriff, Name, Eigenschaft, Objekt
28 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Illustration des Kompetenzstufenmodells in Chemie
Fachwissen
29 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Anzahl der im Ländervergleich 2012 eingesetzten
Aufgabenblöcke, Aufgaben und Items
Eingesetzt bei
SuS ohne SPF
Fach
Mathematik
Biologie
Chemie
Physik
SuS mit SPF
Biologie / Chemie / Physik
Mathematik
Biologie
Chemie
Physik
30 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
Kompetenzbereich
Zahl
Messen
Raum und Form
Funktionaler Zusammenhang
Daten und Zufall
Fachwissen
Erkenntnisgewinnung
Fachwissen
Erkenntnisgewinnung
Fachwissen
Erkenntnisgewinnung
Fachwissen
Zahl
Messen
Raum und Form
Funktionaler Zusammenhang
Daten und Zufall
Fachwissen
Erkenntnisgewinnung
Fachwissen
Erkenntnisgewinnung
Fachwissen
Erkenntnisgewinnung
Anzahl
Anzahl Aufgaben
Aufgabenblöcke
7
47
5
33
5
38
7
40
7
34
5
35
5
36
5
43
5
31
5
44
5
35
1
12
2
21
2
21
2
24
2
17
2
12
2
17
2
15
2
20
2
18
2
18
2
17
∼700 Items
Anzahl Items
67
44
52
75
62
56
58
65
65
67
63
12
30
29
33
23
25
23
22
26
28
26
23
© Pant 2014
Durchschnittliche empirische Lösungshäufigkeit nach Apriori-Komplexitätsgrad der Aufgaben (alle NaWi-Fächer)
31 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Was bedeutet die Punkteskala des Ländervergleichs?
Mittelwert:
Standardabweichung:
500 Punkte
100 Punkte
Lernzuwachs über ein Schuljahr
am Ende der Sekundarstufe I:
Mathematik und
Naturwissenschaften:
32 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
ca. 25-30 Punkte
© Pant 2014
Ergebnisse des IQB-Ländervergleichs 2012 im Fach
Mathematik: Globalskala
33 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Ergebnisse des IQB-Ländervergleichs 2012 im Fach
Mathematik: Globalskala
Land
Sachsen
Thüringen
Brandenburg
Bayern
Sachsen-Anhalt
Mecklenburg-Vorpommern
Rheinland-Pfalz
Schleswig-Holstein
Baden-Württemberg
Deutschland
Niedersachsen
Hessen
Saarland
Hamburg
Nordrhein-Westfalen
Berlin
Bremen
M
536
521
518
517
513
505
503
502
500
500
495
495
489
489
486
479
471
SD
96
93
105
101
99
95
97
98
100
100
91
97
93
99
102
104
103
Perzentile
5
95
95-5
373 688 315
365 670 304
345 688 343
354 685 331
345 670 325
346 658 312
345 659 314
337 663 325
335 669 334
338 667 329
352 648 296
342 659 317
336 643 306
326 650 324
321 657 336
308 648 341
312 649 337
Länder liegen signifikant (p < .05) über dem deutschen Mittelwert.
Länder weichen nicht signifikant vom deutschen Mittelwert ab.
Länder liegen signifikant (p < .05) unter dem deutschen Mittelwert.
200
300
Perzentile:
400
5% 10%
500
25%
600
75%
700
800
90% 95%
Mittelwert und Konfidenzintervall (± 2 SE)
34 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Kompetenzstufen und Standarderreichung
Mathematik
Kompetenzstufen
Mittlerer
Schulabschluss
V
Optimalstandard
IV
Regelstandard plus
Optimalstandard
III
Regelstandard
Regelstandard plus
II
Mindeststandard
Regelstandard
I.b
I.a
35 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
unter
Mindeststandard
Hauptschulabschluss
Mindeststandard
unter
Mindeststandard
© Pant 2014
Kompetenzstufenverteilung im Fach Mathematik in
Deutschland nach HSA und MSA
Mathematik
Global
Kompetenzstufen
I.a
I.b
Gesamt HSA
22.4
45.4
27.1
4.9
0.2
0.0
Gesamt MSA
1.9
14.0
31.4
30.4
17.1
5.1
Gymnasium
0.1
1.7
14.9
39.0
33.1
11.3
Sonstige MSA
3.3
23.3
44.0
23.9
5.0
0.4
5.5
19.5
30.7
25.9
14.2
4.2
9. Jahrgangsstufe
insgesamt
36 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
II
III
IV
V
© Pant 2014
Kompetenzunterschiede zwischen Jungen und Mädchen
in Mathematik und den Naturwissenschaften
Jungen
MJ
Mädchen
MM
Differenz
MJ-MM
Global
508
492
16
Zahl
510
490
20
Messen
508
491
17
Raum und Form
503
497
5
Funktionaler Zusammenhang
506
493
13
Daten und Zufall
510
490
20
Biologie Fachwissen
489
511
-22
Biologie Erkenntnisgewinnung
489
511
-22
Chemie Fachwissen
496
504
-8
Chemie Erkenntnisgewinnung
495
505
-10
Physik Fachwissen
500
500
0
Physik Erkenntnisgewinnung
496
504
-8
Vorsprung zugunsten der
Mädchen
Jungen
Mathematik
Naturwissenschaften
-30
37 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
-10
10
30
© Pant 2014
Geschlechtsunterschiede in der Kompetenz, im
Selbstkonzept und im Interesse
Effektstärke (Cohens d)
Kompetenz
Selbstkonzept
Interesse
Vorsprung zugunsten der
Mädchen
Jungen
Mathematik
Global
0.16
0.45
0.40
0.00
-0.08
0.25
0.29
0.44
0.57
Naturwissenschaften
Biologie Fachwissen
-0.22
Biologie Erkenntnisgewinnung
-0.22
Chemie Fachwissen
-0.08
Chemie Erkenntnisgewinnung
-0.10
Physik Fachwissen
Physik Erkenntnisgewinnung
0.00
-0.08
-1 -0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1
Kompetenz
38 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
Selbstkonzept
Interesse
© Pant 2014
Kopplung zwischen sozialem Hintergrund und
Kompetenzen – die EGP1-Einteilung der Berufsklassen
Dienstklasse
I
Bezeichnung und Beispiele
Obere Dienstklasse: Angehörigen von freien akademischen Berufen, führende Angestellte und höhere
Beamte, selbstständige Unternehmer mit mehr als 10 Mitarbeitern und alle Hochschul- und
Gymnasiallehrer.
„Akademikerkinder“
II
Untere Dienstklasse: Angehörige von Semiprofessionen, Angehörige des mittleren Managements, Beamte
im mittleren und gehobenen Dienst und technische Angestellte mit nicht-manueller Tätigkeit.
III
Routinedienstleistungen in Handel und Verwaltung: klassische Büro- und Verwaltungsberufe mit
Routinetätigkeiten, Berufe mit niedrig qualifizierten, nicht-manuellen Tätigkeiten wie zum Beispiel
Verkaufs- und Servicetätigkeiten.
IV
V, VI
VII
1Die
Selbstständige : alle Selbstständigen aus manuellen Berufen mit und ohne Mitarbeiter. Freiberufler
werden dieser Klasse zugeordnet, wenn sie keinen hoch qualifizierten Beruf ausüben.
Facharbeiter und Arbeiter mit Leitungsfunktion sowie Angestellte in manuellen Berufen: Vorarbeiter,
Meister, Techniker, die in manuelle Arbeitsprozesse eingebunden sind, sowie Aufsichtskräfte im manuellen
Bereich und unabhängig Beschäftigte mit manueller Tätigkeit.
„Arbeiterkinder“
Un- und angelernte Arbeiter sowie Landarbeiter: alle un- und angelernten Berufe aus dem manuellen
Bereich, einige Dienstleistungstätigkeiten mit weitgehend manuellem Charakter und geringem
Anforderungsniveau, ferner alle Arbeiter, gelernt oder ungelernt, in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft
sowie der Jagd.
Abkürzung besteht aus den ersten Buchstaben der Nachnamen der Urheber des Index, Erikson, Goldthorpe und Portocarero.
39 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Abweichungen der Landesmittelwerte in Mathematik vom deutschen
Gesamtmittelwert für Schüler aus sozial privilegierten (EGP I-II) und
sozial schwächeren (EGP V-VII) Familien
Land
Brandenburg
Sachsen-Anhalt
Hamburg
Nordrhein-Westfalen
Bayern
Deutschland
Baden-Württemberg
Hessen
Schleswig-Holstein
Rheinland-Pfalz
Thüringen
Mecklenburg-Vorpommern
Sachsen
Niedersachsen
Berlin1
Bremen1
Saarland1
EGP I-II
EGP V-VII
Differenz
M
553
543
517
513
540
525
528
518
527
525
542
529
555
517
508
503
517
M
443
453
427
424
454
443
447
438
450
453
474
464
491
456
416
413
446
ΔM
110
90
90
89
86
82
81
80
77
72
68
65
64
61
91
91
71
-60
1
Die Ergebnisse stehen aufgrund eines erheblichen Anteils fehlender Daten unter Vorbehalt.
40 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
-40
-20
0
EGP-Klasse I-II
20
40
60
EGP-Klasse V-VII
© Pant 2014
Fachstudium und Fortbildungsaktivität der
Lehrerinnen und Lehrer
§ Befragung von über 4000 Lehrkräften in Mathematik und
Naturwissenschaften
§ Fokus: Untersuchung der Qualifikation der Lehrkräfte
(Lehramtsbefähigung) und der Fortbildungsaktivitäten
§ Anteil der befragten Lehrkräfte ohne Lehramtsbefähigung im Fach:
Schulart
Gymnasium
nicht Gymnasium
Mathe
Biologie
Chemie
Physik
2.2
3.3
4.0
4.6
14.7
12.5
10.3
18.1
§ Mehrzahl der Lehrkräfte (76%) nimmt an mindestens einer Fortbildung
innerhalb von zwei Jahren teil
§ Fortbildungsschwerpunkte in der Fachdidaktik, Unterrichtsformen und
–methoden und Nutzung von Medien im Unterricht
§ Lehrkräfte ohne Lehramtsbefähigung besuchen deutlich seltener
Fortbildungen zur Fachdidaktik und anderen unterrichtsbezogenen
Themen
41 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Studienfach der Lehrkräfte und Kompetenzen
der Schüler/-innen nach Position auf dem Leistungsspektrum
Leistungsperzentil
Kompetenzbereich
Qualifikation
N
M
10.
25.
75.
90.
Mathematik (Global)
Fachfremd
88
355
399
462
548
468
400
- 30 P.
501
Nicht fachfremd
- 42 P.
426
503
531
Fachfremd
50
440
382
416
464
505
Nicht fachfremd
457
478
413
449
511
536
Fachfremd
31
452
375
411
504
527
Nicht fachfremd
439
479
409
452
515
541
Fachfremd
66
442
365
397
480
516
Nicht fachfremd
360
481
412
449
518
540
Biologie - Fachwissen
Chemie - Fachwissen
Physik - Fachwissen
42 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
- 45 P.
437
© Pant 2014
Funktionen kompetenzbasierter Bildungsstandards
Vier Funktionen von Bildungsstandards
1. Orientierungsfunktion
Zentraler Bezugspunkt für Schulqualität auf allen Ebenen und
für alle Akteure im Schulsystem
2. Klärungsfunktion
Verständigungsgrundlage, was z. B. unter „zeitgemäßer“
Mathematik verstanden werden soll?
3. Überprüfungsfunktion
Übersetzbarkeit in Tests zur regelmäßigen Überprüfung der
erreichten Kompetenzstände in Form von Bildungsmonitorings
4. Entwicklungsfunktion
Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung/ Veränderung von
Unterricht
43 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Kompetenzorientierter Unterricht
„Jede einzelne Unterrichtsstunde und jede Unterrichtseinheit
muss sich daran messen lassen, inwieweit sie zur
Weiterentwicklung inhaltsbezogener und allgemeiner SchülerKompetenzen beiträgt… Die wichtigste Frage ist nicht ‚Was
haben wir durchgenommen?‘, sondern ‚Welche Vorstellungen,
Fähigkeiten und Einstellungen sind entwickelt worden?‘“
(Blum, 2006, S. 15)
44 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Entwicklungsfunktion: Curriculumsplanung als Planung von
Kompetenzerwerb
45 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Unterrichtsplanung als Planung von Kompetenzerwerb
Quelle: Lersch (2010), S. 23
46 | Ringvorlesung »Schule im Umbruch«
© Pant 2014
Material zur Unterstützung kompetenzorientierten
Unterrichts
§ Aufgabensammlungen
§ Videobeispiele kompetenzorientierten Unterrichts
§ Instrumente der formativen Kompetenzdiagnostik
(z.B. Kompetenzraster)
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Schulartübergreifendes Kompetenzraster Englisch
Orientierungsstufe 5/6 (BaWü)
Quelle: Landesinstitut für Schulentwicklung, 2013 (S. 48)
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Kennzeichen „guter“ Kompetenzraster
§ Wer soll damit arbeiten? Klare Definition der
Adressaten
§ Eindeutige Könnensbeschreibungen in
adressatengerechter Sprache
§ Gibt es ein fachdidaktisch und/oder lernpsychologisch
fundiertes Modell der Kompetenzentwicklung hinter
den Stufenbeschreibungen?
§ Sind für angrenzende Kompetenzstufen die
„Zwischenräume“ durch konsistente Lernwegehilfen
etc. überbrückbar?
§ Ist das Kompetenzraster „erfahrungsoffen“ für
Weiterentwicklungen?
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Die Kohärenz von Elementen und Akteuren der
Qualitätssicherung
externe Evaluation
Politik &
Schulverwaltung
Lehrplankommissionen
Schule: interne
Evaluation
Wo sind die Schnittstellen?
Wer ist für dieKompetenzHerstellung von Schnittstellen
verantwortlich?
orientierung
Unterstützungssystem
(z.B. Fachcoaches)
Lehrkräfte im
Unterricht
Schulaufsicht
Lehrerausbildung
Lehrerweiterbildung
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Rekontextualisierung und Handlungsebenen nach
Fend (2008)
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Rekontextualisierung und Handlungsebenen nach
Fend (2008)
Herausforderung / Problem:
„Pfadabhängigkeit“ als Restriktion
für die Angleichung von Praktiken
in Mehrebenensystemen
§ Wirkmächtigkeit vergangener
Entscheidungen/ Entwicklungen
§ Handlungslogiken im Widerspruch zu
rationalen Entscheidungen für die
„effizienteste“ Alternative
§ Gefahr der Durchsetzung kurzfristiger
„populärer“ Entscheidungen
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Indifferentes Steuerungsmodell nach PISA
§ Die Wirkhoffnungen für eine leistungsrelevante Qualitätsverbesserung durch
die Einführung der standard- und ergebnisbezogenen neuen
Steuerungsinstrumente, wie Vergleichsarbeiten, zentrale Examina,
Schulinspektion oder Verpflichtung zur internen Evaluation gründeten in
Deutschland auf dem Paradoxon einer top-down initiierten, bürokratisch
überwachten Bottom-up-„Strategie“.
§ Von Lehrkräften wurde erwartet, dass sie stofforientierte Unterrichtsskripte in
Unterrichtsformen transformieren, die kognitiv aktivierende und kumulativ
angelegte Lernprozesse ermöglichen.
§ Selbst wenn schulische Akteure bereit sind, bei den neuen
Steuerungsinstrumenten den Entwicklungsaspekt zu wertschätzen und den
Kontrollaspekt „auszuhalten“, treffen sie derzeit kaum auf kontingente
Unterstützungsangebote.
§ Ein handlungspraktischer „Mehrwert“ der ressourcenintensiven
Auseinandersetzung mit den Leistungsrückmeldungen aus Schulinspektion,
interner Evaluation und externen Tests kann oft nicht verbucht werden.
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Indifferente Steuerungsfolgen in der Typologie von
Reformmaßnahmen nach Fend (2003, S. 36)
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Fragen hinsichtlich eines effizienteren Umgangs
mit Evidenz und deren Nutzung
§ Gelingt es, die teilweise konkurrierenden Ziele von Qualitätsentwicklung
länderübergreifend politisch zu priorisieren?
§ Gelingt es, einen Austausch von Bildungsverwaltung, Bildungspolitik und
Praxisvertreter/innen einerseits und empirischer Bildungsforschung über
potenziell relevante Befunde und Fragestellungen zu institutionalisieren?
§ Brauchen wir Clearing-Houses, d.h. lohnt sich der Aufbau strukturierter Portale
für Mitglieder der Bildungsverwaltung/ -politik und der Bildungspraxis?
§ Gelingt es, auf gesamtstaatlicher Ebene institutionalisierte Science-PoliticsAustauschforen zu gestalten – brauchen wir einen Nationalen Bildungsrat?
§ Wie sollen zukünftige Finanzierungsmodelle der Qualitätssicherung und entwicklung im Bildungsbereich aussehen?
§ Und insbesondere: Wann wird begonnen, die finanzielle Herausforderung durch
den notwendigen Aufbau und die Evaluation von Unterstützungssystemen für
Schulen offen zu diskutieren?
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Kontakt:
Prof. Dr. Hans Anand Pant
iqboffice@iqb.hu-berlin.de
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamk it!
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Bildung
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