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IV-Referendum- wie weiter? LKH-Schweiz News Interview - Sonos

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Schweiz. Verband für Gehörlosenund Hörgeschädigten-Organisationen
Association Suisse pour organisations
de sourds et malentendants
Associazione Svizzera per organizzazioni
a favore delle persone audiolese
4 Aktuelles aus den Gehörlosenfachstellen
9 IV-Referendum- wie
weiter?
13 LKH-Schweiz News
101. Jahrgang
Nr. 2 Februar 2007
17 Interview mit
Daniel Hadorn
INFORMATIONSBLATT
Angebote der Sprachheilschule
Die Sprachheilschule St.Gallen verfügt über nachstehende Angebote:
Sprachheilkindergarten für Kinder mit schwerer Störung des Sprechvermögens
Sprachheilabteilung für Kinder mit schwerer Störung des Sprech-, Lese- und
Schreibvermögens (Unter- bis Oberstufe)
Sprachheilschule Uznach (Sprachheilkindergarten und Sprachheilabteilung für die
Unterstufe)
Stationäre Angebote für Schwerhörige
Gehörlosenabteilung (Kindergarten bis Oberstufe)
Cochlea-Implantat-Centrum Sprachheilschule St.Gallen
Erstberatungsstelle für Eltern und Fachleute
Dienst für Hörhilfen (Hörgeräte-Akustiker und Cochlea-Implantat-Techniker)
Abteilung für Stotterer
Audiopädagogischer Dienst für Schwerhörige, Gehörlose und Kinder
mit einem Cochlea-Implantat (CI) in der Volksschule (audiopädagogische Frühförderung,
audiopädagogische Beratung und Förderung)
Um noch effizienter mit den Kindern arbeiten zu können, besteht die Möglichkeit, vom sozialpädagogischen Angebot des Internates der Sprachheilschule Gebrauch zu machen.
Sollten bei der Aufnahme jedoch keine freien Plätze vorhanden sein, ist die externe Schulung
möglich. Letztere wird für die Kinder der Unterstufe durch einen gut organisierten Transportdienst
erleichtert.
Anmeldungen
Für einen Platz an der Sprachheilschule St.Gallen können Kinder nur via Schulpsychologischen
Dienst angemeldet werden.
Aus organisatorischen und administrativen Gründen sind wir dankbar, wenn die Anmeldungen
des Schulpsychologischen Dienstes der Kindergartenkinder sowie Schülerinnen und Schüler für
das Schuljahr 2007/2008 bis zum 30. März 2007 bei uns eintreffen würden.
Besuchsnachmittage
Die Besuchsnachmittage finden an folgenden Donnerstagen (ab 14.00 Uhr) statt:
St.Gallen 22. Februar, 8. März, 22. März, 26. April, 24. Mai 2007
Uznach 22. Februar, 8. März, 22. März, 26. April 2007
Anfragen
Sprachheilschule St.Gallen, Höhenweg 64, 9000 St.Gallen
Tel. 071 274 11 11 • Schreibtelefon: 071 274 11 24
Fax 071 274 11 13
info@sprachheilschule.ch
www.sprachheilschule.ch
Impressum
Zeitschrift sonos
Liebe Leserin
Lieber Leser
In der Schweiz braucht es dringend berufliche Massnahmen für die Integration von
erwerbslosen hörbehinderten - selbstverständlich von allen behinderten - Menschen. Dies ergibt sich klar aus dem
Arbeitsalltag der Gehörlosenfachberatungsstellen, worüber wir in der aktuellen
„sonos“-Ausgabe berichten. Auch Daniel
Hadorn äussert sich in einem Interview entsprechend und bemängelt, dass die zurzeit
zur Verfügung stehenden Integrationsmassnahmen zu wenig griffig seien, die
Arbeitgeber nach wie vor in Bezug auf diese
Thematik zu wenig Verantwortung übernehmen müssten und sie leider dazu auch
nicht verpflichtet werden könnten. Marktwirtschaftlich orientierte Sozialfirmen
könnten deshalb auch in der Schweiz einen
möglichen
und
vielversprechenden
Lösungsansatz für die Bewältigung der
Langzeiterwerbslosigkeit darstellen. Die
Chancen dafür stehen eigentlich recht gut.
Denn hierzulande gibt es immer noch einen
ausgeprägten Mittelstand, und es besteht
eine grosse traditionelle Nähe zwischen
der Wirtschaft und der öffentlichen Hand.
Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten,
dass sich die Stossrichtung der 5. IVG-Revision eigentlich auf dem richtigen Weg
befindet. Nun ist indes das Referendum mit
mehr als 67’000 eingereichten Unterschriften gegen diese zukunftsweisende Revisionsvorlage zu Stande gekommen. Es bleibt
nun offen, wie lange es dauert, bis gesetzliche Grundlagen für die Umsetzung neuer
Lösungsansätze für eine verstärkte Integration zur Verfügung stehen werden. Die 5.
IVG-Revision nimmt zwar die Arbeitgeber
leider nicht in die Pflicht, würde aber Voraussetzungen schaffen für die Gründung
von marktwirtschaftlichen operierenden
Sozialfirmen bzw. solche Bestrebungen
sowohl rechtlich wie auch ideologisch
unterstützen.
Erscheint monatlich
Herausgeber
sonos
Schweizerischer Verband für Gehörlosenund Hörgeschädigten-Organisationen
Feldeggstrasse 69
Postfach 1339
8032 Zürich
Telefon 044 421 40 10
Fax
044 421 40 12
E-Mail info@sonos-info.ch
www.sonos-info.ch
Ob mit oder ohne Referendum zur 5. IVGRevision bleibt die Tatsache bestehen, dass
heute jeder vierzehnte Einwohner der
Schweiz ein potenzieller Rentenbezüger ist
und jeder vierte Versicherte als IV-Bezüger
in den Ruhestand geht. Vor diesen düsteren, gerade erschreckenden Gegebenheiten, braucht es ein tiefgreifendes Umdenken sowohl seitens der Wirtschaft wie auch
der Politik. Denn eines scheint sicher zu
sein: Ohne nachhaltige positive Veränderung wird die Gangart gegenüber den RentenbezügerInnen noch mehr verschärft und
das Leistungsangebot der Invalidenversicherung unter dem politischen Druck massiv gekürzt.
Redaktion
Redaktion sonos
Feldeggstrasse 69
Postfach 1339
8032 Zürich
Natel
079 376 47 06
Fax
044 421 40 12
E-Mail info@sonos-info.ch
www.sonos-info.ch
Es ist deshalb unbedingt und vordringlich
daraufhinzuwirken, dass die Arbeitgeber,
d.h. die Wirtschaft und auch die öffentlichen Verwaltungen vermehrt in den (Integrations-) Prozess eingebunden werden.
Der Erfolg von innovativen Lösungsansätzen hängt im Wesentlichen von der Akzeptanz unserer Gesellschaft sowie von der
Realisierung eines wirtschaftlichen Mehrwertes ab. Auf dieser Basis können nachhaltig wirksame Lösungen entstehen und
„win-win“-Situationen erarbeitet werden.
Redaktionelle Mitarbeiter
Paul Egger (gg)
Inserate, Abonnentenverwaltung
sonos
Feldeggstrasse 69
Postfach 1339
8032 Zürich
Telefon
044 421 40 10
Schreibtelefon 044 421 40 11
Fax
044 421 40 12
Druck und Spedition
Bartel Druck
Bahnhofstrasse 15
8750 Glarus
Roger Ruggli
Redaktor
sonos verwendet bei Personen zur
Vereinfachung abwechslungsweise die
weibliche oder männliche Form,
angesprochen sind beide Geschlechter.
Nachdruck nur mit Genehmigung der
Redaktion, unter Hinweis auf die Quelle
und mit Zustellung eines Belegexemplars.
Die veröffentlichten Artikel von Gastautoren
geben nicht in jedem Fall die Auffassung des
Herausgebers wieder.
Offizielles Organ der lautsprachlich kommunizieren den Hörgeschädigten Schweiz (LKH Schweiz)
Die nächste Ausgabe erscheint
am 1. März 2007
Redaktionsschluss:
15. Februar 2007
3
Aktualitäten aus den Gehörlosenfachstellen in der Ost- und Innerschweiz
Das Team der Beratungsstelle St. Gallen:
Von links nach rechts: Lilian Hausammann, Verena Gamper, Erna Hagen (gehörlos) und Judith Boscardin
Wie geht es mit den St. Galler Treffs weiter? Der Arbeitsalltag der Fachstelle für
Gehörlose St. Gallen wird von finanziellen
Sorgen geprägt.
Die Fachstelle St. Gallen ist zuständig für
die Betreuung von hörbehinderten Menschen und ihren Angehörigen sowie weiteren Bezugspersonen in der Region Ostschweiz mit den Kantonen St. Gallen, Thurgau, den beiden Halbkantonen Appenzell,
Glarus und Teilen von Graubünden. Die Mitarbeiterinnen der Fachstelle setzen sich für
die Interessenwahrung der hörbehinderten
Menschen wie z. B. in den Bereichen Ausbildung, Beruf, Wohnen, Freizeit und Finanzen ein. Das Beratungsteam rund um die
Alters- und Pflegeheim
Haus Vorderdorf in Trogen
Fachstellenleiterin, Liliane Hausammann,
besteht aus einer gehörlosen und zwei
hörenden Mitarbeiterinnen, die für die sehr
anspruchsvollen und vielfältigen Arbeiten
bestens qualifiziert sind.
Neue Dimension für den
Begriff „Service Public“
Der Begriff „Service Public“ ist allgegenwärtig. Alle Bewohnerinnen und Bewohner
der Schweiz wollen von bestmöglichen und
vor allem kundennahen Dienstleistungen
der öffentlichen Verwaltung, der Post, der
Schulen und vielen anderen Dienstleistungsanbietern profitieren und so einfach
wie möglich Gebrauch machen und laufen
Sturm, wenn der Schulweg vielleicht einmal etwas länger ausfällt oder der Gang in
eine „Amtsstube“ mit einigen Minuten Wartezeit verlängert wird. Wie sieht aber die
Situation bei den hörbehinderten Menschen in unserem Land aus? Liliane Hausammann berichtet: „Alle Beratungsgespräche finden ausschliesslich auf der
Beratungsstelle in St. Gallen statt. Aus
finanziellen Gründen wäre es undenkbar,
dass wir bei den hilfesuchenden Menschen
vor Ort unsere Dienstleistungen anbieten
können. Die Kundinnen und Kunden müssen oftmals von sehr weit zu uns nach St.
Gallen kommen. Eine Ausnahme gibt es.
Viele hörbehinderte ältere Menschen leben
im Alters- und Pflegeheim Haus Vorderdorf
in Trogen. Dort besuchen wir unsere in diesem Heim wohnhaften Klientinnen und Klienten. Gerade bei den Seniorinnen und
Senioren müssen oftmals aus vielfältigen
Gründen vormundschaftliche Massnahmen, sogenannte Altersbeistandschaften,
errichtet werden und so können wir unsere
Dienstleistungen in Zusammenarbeit mit
den zuständigen vormundschaftlichen
Behörden optimal einbringen. Die durch
die Behörden angeordneten Massnahmen
werden aber von uns nicht als Mandatsinhaberinnen selber wahrgenommen. Leider
wird dieser wichtige Teil unserer Arbeit
auch nicht finanziell abgegolten bzw. wir
können unsere Dienstleistungen nicht weiter verrechnen.“
Angespannte finanzielle
Situation
Im Vorwort des 46. Jahresbericht 2005 der
Fachstelle für Gehörlose Sozialberatung
schreibt der Vorsitzende der Betriebskommission, Dr. Heinz Güttinger, dass im
Berichtsjahr die Aufwendungen der Fachstelle, wie in den Vorjahren, nicht durch die
gesetzlichen Beiträge des BSV (Bundesamt
für Sozialversicherung) und durch die
erhaltenen Spenden von Privatpersonen
und Institutionen vollständig gedeckt werden, so dass erneut der Betriebsfonds zur
Finanzierung der Kostenunterdeckung herangezogen werden musste. Dank einem
strengen Sparregime und geschicktem Einsatz der verfügbaren Mittel konnte das
Defizit jedoch etwas reduziert werden. Die
Betriebskommission ist sich des zukünftigen Finanzierungsproblems bewusst und
sucht derzeit nach Lösungen.
Liliane Hausammann erklärt: „Erfreulicherweise fällt das für das Jahr 2006 budgetierte Defizit von ca. Fr. 75’000.— (budgetierter
Jahresaufwand von ca. Fr. 330’000.—)
wesentlich geringer aus, als angenommen
wurde. Für das laufende Jahr muss aber mit
einem nochmaligen und vor allem markanten Fehlbetrag gerechnet werden. Dies
führt schlussendlich zu einem weiteren
Kapitalverzehr des arg gebeutelten
Betriebsfonds. Die Gründe für diese wirklich belastende Situation liegen primär
darin, dass lediglich ca. 63% der anfallenden Gesamtkosten über Leistungen des
BSV, basierend auf dem Art. 74 IVG, generiert bzw. beschafft werden können. Die
ungedeckten Leistungen müssen somit
über Spenden, Sammlungen, Legate oder
anderen Zuwendungen abgedeckt bzw.
beschafft werden. Vor diesem angespannten finanziellen Hintergrund soll nach der
Pensionierung von Frau Erna Hagen das
25%-ige Teilzeitpensum, gemäss Beschluss der Betriebskommission, welcher
ohne Rücksprache mit mir gefällt wurde,
ersatzlos gestrichen werden. Sollte dies
tatsächlich in der Region Ostschweiz Realität werden, würde das so wichtige Dienstleistungsangebot mit einer gehörlosen
Sozialbetreuerin mit einem Schlag wegfallen und könnte den betroffenen Menschen
sodann nicht mehr angeboten werden. Zurzeit wird intensiv nach neuen Finanzierungsideen gesucht, damit auch in Zukunft
die bestehenden Dienstleistungen zur Verfügung stehen und angeboten werden können.“
Beratungsgespräche sind sehr
zeitintensiv
Liliane Hausammann betont: „Beratungsgespräche mit gehörlosen oder hörbehinderten Menschen sind sehr Intensiv und
dauern einfach viel länger als bei Hörenden. Gehörlose Menschen sind nicht einfach Menschen minus Gehör, es geht um
viel mehr. Viele Defizite sind vorhanden
und es liegt deshalb auf der Hand, dass der
Beratungsaufwand enorm ist. Bei älteren
Menschen braucht es noch viel mehr an
zeitlichen Ressourcen um etwas für die
Betroffenen zu erarbeiten. Aber auch bei
den jüngeren Menschen, die sich zum Beispiel in einer problematischen Job-Situation befinden, brauchen wir heute sehr viel
Zeit, um zusammen griffige Lösungen
umzusetzen. Das eigentliche Hauptproblem in der täglichen Arbeit ist der
erschwerte Zugang zur Kommunikation
das
Fehlen
von
wichtigen
und
(Lebens)Grundlagen, so dass der Aufwand
sehr gross ist, bis von den Hilfesuchenden
wirklich alles verstanden wird. Vor diesem
Hintergrund ist es einfach sehr wichtig,
dass auf der Fachstelle eine gehörlose Mitarbeiterin zur Verfügung steht, welche die
Bedürfnisse der Betroffenen bzw. der
Gehörlosengemeinschaft in der OstSchweiz bestens kennt.“
Das Team der Fachstelle und
ihre KlientInnen
Auf der seit dem Jahr 1942 existierenden
(ehemalige Beratungsstelle für Taube und
Schwerhörige) und unter der heutigen Trägerschaft vom St. Gallischer Hilfsverein für
gehör- und sprachgeschädigte Kinder und
Erwachsene stehenden Fachstelle arbeiten
aktuell 4 Mitarbeiterinnen.
Liliane Hausammann, Stellenleiterin /
dipl. Sozialarbeiterin FH - 100%
Verena Gamper, dipl. Sozialarbeiterin FH 60%
Judith Boscardin, Sekretärin - 50%
Erna Hagen, gehörlos, Sozialbetreuerin für
gehörlose SeniorInnen - 25%
Im Jahr 2006 betreute das Team insgesamt
124 Klientinnen und Klienten inklusive 21
Schülerinnen und Schüler von der Sprachheilschule St. Gallen. Die Hauptaufgabenfelder in der Erwachsenenbetreuung
umfassten im Wesentlichen Hilfestellungen
bei der Stellensuche und der Problematik
rund um die Arbeit im weitesten Sinne
sowie während der Lehrlingsausbildung,
Beratung in Zusammenhang mit der Errichtung von vormundschaftlichen Massnahmen ohne eigene Mandatsführung und Hilfestellungen bei den Betroffenen die von
der Sozialhilfe unterstützt werden mussten.
[rr]
Wünsche für die Zukunft
Liliane Hausammann meint: „Ja, ich habe
Wünsche für die Zukunft.“ Sie möchte, dass
sich bei ihr viele zuverlässige hörende und
vor allem gehörlose Menschen melden, die
bereit wären, sich in der Freiwilligenarbeit zu
engagieren, damit die Fachstelle auch weiterhin die wichtigen Anlässe „SeniorInnenNachmittag“ und „gemeinsam statt einsam“
anbieten kann. Sie unterstreicht: „Aber ganz
wichtig ist mir, dass die zukünftige Finanzierung der Fachstelle langfristig sichergestellt
werden kann, damit die Betroffenen des
grossen Einzugsgebiets der Region-OstSchweiz auch weiterhin optimal betreut werden können.“
Aufruf:
Freiwillige, die für gehörlose SeniorInnen
Anlässe wie „SeniorInnenachmittag“ bzw.
„gemeinsam statt einsam“ durchführen
möchten, melden sich bitte direkt bei Frau
Liliane Hausammann, Oberer Graben 11,
9000 St. Gallen.
Telefon: 071 222 93 53
Telefax: 071 222 05 01
E-Mail:
gehoerlosenfachstelle.st.gallen@bluewin.ch
Situationsplan der Beratungsstelle:
Oberer Graben 11 in St. Gallen
Porträt der Gehörlosenfachstelle Luzern
Richtig heisst die Gehörlosenfachstelle
Luzern Beratungsstelle für Hör- und
Sprachbehinderte. Dies ist eine Dienstleistung des Heilpädagogischen Zentrums
Hohenrain.
Der Direktor des Zentrums Hohenrain,
aktuell Bruno Bachmann, ist Präsident des
Trägervereins Beratungsstellen Hohenrain
und damit Chef von Carlo Picenoni, dem
Fachstellenleiter. Es würden ausschliesslich Gehörlose und Hörbehinderte die Fachstelle zu Beratungszwecken aufsuchen,
erklärt Carlo Picenoni. Sprachbehinderte
gehören deshalb eigentlich nicht zu den
KlientInnen. Die Fachstelle Luzern wurde
1968 von Hohenrain aus gegründet. Dies
vor dem Hintergrund, dass die Invalidenversicherung an die private Behindertenhilfe Finanzbeiträge ausrichtet.
Heute ist die Fachstelle Luzern mit 140 Stellenprozenten dotiert. Carlo Picenoni arbeitet zu 100 %. Eine Sekretärin ist zu 20 %
angestellt und Gian Reto Janki ist als gehörloser Sozialarbeiter ebenfalls zu 20 % in
den Bereichen Erwachsenenbildung, Animation und Öffentlichkeitsarbeit als Unterstützung von Carlo Picenoni tätig.
Prozentuale Verteilung der einzelnen
Arbeitsgebiete in der Fachstelle Luzern
Sozialberatung
26 %
Erwachsenenbildung/Animation
17 %
10 %
Öffentlichkeitsarbeit
Administration
37 %
Der dynamisch wirkende Carlo Picenoni ist
bereits seit 1998 Stellenleiter. Er ist ausgebildeter Sozialarbeiter und kann sich gut in
der Gebärdensprache ausdrücken.
Zurzeit werden etwa 50 KlientInnen von der
Beratungsstelle Luzern betreut. Darunter
befinden sich aktuell auch 6 bis 7 Arbeitslose. Das Thema Arbeit spielt indes bei
rund 17 KlientInnen eine grosse Rolle bei
den Beratungsgesprächen. So geht es beispielsweise oftmals um Fragen, wie der
Arbeitsplatz bzw. das Arbeitsumfeld hörbehindertengerechter ausgestaltet werden
könnte bzw. sollte. Auch geht es bei den
mannigfaltigen Beratungsgesprächen, die
Carlo Picenoni kompetent führt, auch um
Themen, wie vorgegangen werden muss,
um mehr Lohn zu erhalten. Einzelne hörbehinderte bzw. gehörlose Menschen fühlen
sich an ihrem Arbeitsplatz unterfordert. Sie
möchten gerne mehr Verantwortung übernehmen. Carlo Picenoni erarbeitet mit
ihnen Vorgehensweisen, wie dieses Ziel
erreicht werden könnte. Auch die Weiterbildung steht vielfach im Zentrum von Fragestellungen rund um das breite Thema
„Arbeit“. Hier geht es häufig darum, wie
Zusatzausbildungen finanziert werden
könnten beispielsweise ein Kurs an der
Gallaudet-Universität, eine Gebärdensprachlehrerausbildung etc. Begleitet werden in Luzern auch Gehörlose, die temporär
arbeiten und sich um eine Festanstellung
bemühen. Bei arbeitslosen hörbehinderten
Menschen wird oft über die Beratungsstelle Luzern eine Unterstützungsmassnahme
eingeleitet als Ergänzung zum RAV. Denn
häufig haben die Mitarbeitenden des RAV
aufgrund der hohen Fallzahlen bzw. der oftmals über 100 Dossiers, die ein Mitarbeiter
dort zu bewältigen hat, nicht genügend
Zeit, sich den Anliegen von Hörbehinderten
effektiv annehmen zu können. So sucht
Carlo Picenoni hier für geeignete bzw. hörbehindertengerechte Arbeitseinsatzplätze.
Die Teilnahme an einem Arbeitseinsatzprogramm ist gerade für langzeitarbeitslose
Menschen enorm wichtig. Dadurch erhalten sie wieder eine Tagesstruktur. Auch
können sie wichtige Erfahrungen machen wie Zusammenarbeit in einem Team,
Bewältigung von Konflikten, Erzielen eines
gemeinsamen Resultates etc. Dies ist für
hörbehinderte Langzeitarbeitslose genau
gleich wichtig wie für gut Hörende. Eine
frühzeitige Integration von Langzeitarbeitslosen - dies gilt für langzeitarbeitslose Hörbehinderte genau gleich - erhöht nicht nur
die beruflichen und sozialen Chancen der
Betroffenen, sie hilft im Übrigen auch ganz
massgeblich Kosten zu sparen, wie die
Neue Zürcher Zeitung am 14. Dezember
2006 feststellte.
Ein grosses Problem beim Thema „Arbeit“
erkennt Carlo Picenoni beim Ende der
Lehre. Denn bis zu diesem Zeitpunkt würden hörbehinderte Menschen sehr viel Förderung und Spezialbetreuung und -begleitung erfahren. Nach dem Lehrabschluss
seien sie indes häufig ganz sich selbst
überlassen. Hier findet es Carlo Picenoni
sehr wichtig, dass frühzeitig die Gehörlosenfachberatung einbezogen werde. So
könnten rechtzeitig Anschlusslösungen
„aufgegleist“ werden. Recht häufig kommt
es auch vor, dass hörbehinderte junge
Menschen nicht einverstanden seien mit
der IV-Berufsberatung bzw. eine Lehre
angefangen hätten, die ihnen gar nicht
zusage. In diesen schwierigen Situationen
begleitet Carlo Picenoni dann weiter.
Weitere Schwierigkeiten bestehen nach
Ansicht von Carlo Picenoni auch in manchen Vorurteilen, die in der Arbeitswelt
gegenüber Gehörlosen bestehen. So sei es
Gehörlosen oftmals nicht möglich eine
Kaderfunktion wahrzunehmen. Es bestehe
im Quervergleich unter verschiedenen Firmen auch eher eine geringe Bereitschaft
seitens der Arbeitgeber, einen gewissen
Mehraufwand im Bereich Kommunikation
auf sich zu nehmen, der mit der Anstellung
einer hörbehinderten Person verbunden
ist. Auch werde die Messlatte in Bezug auf
die Leistungen Hörbehinderter sehr hoch
angesetzt. Erbringe eine hörbehinderte
Person über einen längeren Zeitpunkt nicht
immer 100 %ige Leistung werde dies vergleichsweise viel rascher beanstandet als
bei gut Hörenden. Gehörlose verfügten
gegenüber Hörenden indes über wichtige
Schlüsselqualifikationen wie beispielsweise hohe Konzentration bei der Arbeit, keine
bzw. äusserst geringe Ablenkungsbereitschaft, was in Produktionsbetrieben sehr
wertvoll sei. Gut Hörende würden gerade in
diesem Segment häufig durch schwatzen
etc. von der eigentlichen Arbeit abgelenkt.
Dies sei bei Gehörlosen nicht der Fall.
Es gibt im Raum Luzern denn auch eine
Anzahl von kleineren Betrieben wie beispielsweise die auf Küchenbau spezialisierte Firma Veriset in Gislikon, die sehr
positiv auffallen und sich dafür einsetzen
würden, dass gehörlose Mitarbeiter eine
adäquate Beschäftigung finden würden.
Carlo Picenoni nimmt diesbezüglich noch
Bezug auf einen gehörlosen Schlosser, der
seit über 20 Jahren im gleichen Unternehmen tätig sei. Auch in einer Druckerei arbeite ein Gehörloser, der dort von dessen
Abteilungsleiter in vielen Lebensbereichen
massgeblich unterstützt werde.
Die Zusammenarbeit mit den Gemeindesozialdiensten bezeichnet Carlo Picenoni im
Wesentlichen als gut. Gerade im vormundschaftlichen Bereich - einige Hörbehinderte
seien verbeiständet, weil sich finanzielle
Probleme ergeben hätten - bestehe ein
sehr gutes Zusammenwirken zwischen der
Fachstelle und den vormundschaftlichen
Organen. Anders als etwa die Gehörlosenberatung Basel übernimmt Carlo Picenoni
selbst keine Beistandschaften. Dies deshalb, weil er seine Funktion völlig neutral
wahrnehmen und aus dieser Position heraus auch vermitteln möchte.
Das Hauptgewicht seiner sozialarbeiterischen Arbeit liege eindeutig beim Thema
„Arbeit“. Aber auch Themen rund um die
Finanzen würden im Beratungsalltag recht
wesentlich ins Gewicht fallen. Hier gehe es
um die Sanierung von Schulden, um das
Erstellen von Budgets bzw. Schwierigkeiten
zu bewältigen, die sich ergeben würden,
weil jemand nicht mit Geld umgehen
könne. Dies komme bei Hörbehinderten
genau so vor, wie bei Hörenden. Aber auch
bei Problemen in der Partnerschaft wird
Carlo Picenoni immer wieder beigezogen.
Hier gehe es um Fragen wie: Will das Paar
die Scheidung oder nicht. Carlo Picenoni
leistet auch Hilfestellungen bei der Einleitung des gerichtlichen Verfahrens und
begleitet KlientInnen zu Gerichtsterminen.
Ebenso ist er behilflich beim Wechsel von
Krankenkassen, beim Ausfüllen der Steuererklärung und beim Abschluss einer Hausratversicherung.
Erziehungsberatung ist Carlo Picenoni
besonders wichtig. So hat der dreifache
Vater diesbezüglich auch eine spezielle
Zusatzausbildung in Triple P (positives
Erziehungsprogramm) absolviert. Unter der
Leitung von Carlo Picenoni wird in Luzern
eine Elterngesprächsgruppe geführt.
Gehörlose Eltern treffen sich sechs- bis
achtmal jährlich und bringen die Probleme
mit ihren Kindern zur Sprache. Daneben
bietet Carlo Picenoni auch spezielle Beratungen an für hörende Eltern gehörloser
Kinder. Letzteres findet in Form von Einzelgesprächen statt.
Die Beratungsstelle Luzern wird insgesamt
eher wenig von älteren KlientInnen aufgesucht. Dies vor allem wohl deshalb, weil
alle drei Wochen in Luzern der sog. „Innerschwyzer Treff“ stattfindet, wo auch Carlo
Picenoni jeweils anwesend ist. An diesen
Treffen nehmen immer rund 15 ältere hörbehinderte Personen teil. 8 bis 10 der Teilnehmenden sind Stammkunden. Die älteren Hörbehinderten im Raum Luzern sind
insgesamt gut eingebettet in ihre Familie.
Häufig kümmern sich die Kinder sehr liebevoll um ihre betagten hörbehinderten
Angehörigen.
Das Team der Beratungsstelle Luzern:
Edith Giger, Gian Reto Janki udn Carlo Picenoni-Hess
In den Beratungsstellen werden hörbehinderte Menschen in den mannigfachsten Bereichen unterstützt. Diese breite
Palette von Dienstleistungen ist enorm
wichtig. Durch Art. 74 des Invalidenversicherungsgesetzes wird diese Form privater Behindertenhilfe begrüssenswerterweise in massgeblichem Umfang
finanziell abgegolten.
Situationsplan der Beratungsstelle:
Hirschmattstrasse 25 in Luzern
Was in Luzern gegenüber der Gehörlosenfachstelle Zürich bzw. Basel auffällt, ist,
dass sehr wenig hörbehinderte AusländerInnen oder gehörlose DrogenkonsumentInnen die Beratung aufsuchen. Dies ist
darauf zurückzuführen, dass es in der Zentralschweiz generell viel weniger AusländerInnen und DrogenkonsumentInnen gibt
als in den städtischen Ballungsgebieten im
Grossraum Zürich bzw. Basel.
Nach Angaben von Carlo Picenoni gibt es
wohl um die tausend Hörbehinderten im
Einzugsgebiet der Beratungsstelle Luzern,
d.h. in der Zentralschweiz.
7
Leserbrief
In Ihrem Editorial von November 2006 stecken Sie sich hohe Ziele und setzen auf „gegenseitiges Verstehen und sich Verstandenfühlen“, wünschen Synergien unter den Verbänden der Hörbehinderten zu nutzen und spielen auf der Klaviatur einer globalisierten
Gesellschaft.
Zuletzt noch ein paar Worte über die Kurse,
die in Luzern angeboten werden. Viele der
Kurse dauern einen Abend. Ein paar wenige
finden an mehreren Abenden statt. Häufig
geht es um lebenspraktische Belange. Die
Kurstitel lauten beispielsweise: „Wie
wechsle ich die Krankenversicherung?“,
„Was kostet mein Auto?“, „Umgang mit
Handies für Senioren“.
Zurzeit weiss Carlo Picenoni von 4 KlientInnen, die Sozialhilfe beziehen. In der Regel
suchen sie die Gehörlosenberatung nicht
wegen finanzieller Probleme auf. So hat
Carlo Picenoni eigentlich im allgemeinen
gar keine Kenntnis davon, ob an seine KlientInnen Fürsorgegelder ausgerichtet werden oder nicht. Er erfährt allenfalls über
kommunale Sozialdienste davon. Denn
diese wenden sich gelegentlich an Carlo
Picenoni, wenn es um Kann-Leistungen der
SKOS-Richtlinien geht. Carlo Picenoni versucht dann durch Gesuche an Stiftungen
Finanzierungen von beispielsweise Urlaub,
Kursen und zum Teil auch Kinderbetreuung
für bestimmte KlientInnen sicherstellen zu
helfen.
Wenn es Streit in einer Gruppe von Gehörlosen bzw. Hörbehinderten gibt, versucht
Carlo Picenoni auch hier zu vermitteln. Er
ist Gehörlosengruppen zudem in verschiedenerlei Hinsicht behilflich - so beispielsweise durch die Organisation eines Raumes
für einen Gruppenanlass.
Auch die Öffentlichkeitsarbeit gehört ins
Pflichtenheft der Beratungsstelle Luzern.
So stellt Carlo Picenoni den Umgang mit
hörbehinderten Menschen beim Samariterverein, bei der Polizeischule, bei der Krankenpflegeschule, bei Bahnunternehmungen wie der Brünigbahn respektive Zentralbahn und natürlich auch in Schulklassen
vor. Zudem bietet er Unterstützung bei der
Abfassung von Diplomarbeiten an.
[rr/lk]
In diesem Zusammenhang möchte ich gerne zu einigen Punkten Stellung nehmen, die Sie
in Ihrem Beitrag aufgegriffen haben:
Sagen Sie klar und deutlich, für welche hörbehinderten Gruppen Sie Synergien schaffen
möchten und sprechen Sie nicht nur von Synergien zwischen Verbänden!
Bedenken Sie:
...dass man - entgegen Ihrer Meinung - an der Gallaudet Universität „als rein gebärdensprachlich kommunizierender Studierender“ keinen Hochschulabschluss schaffen kann
und dass dort sehr wohl auch Kompetenzen der Sprachen mit oralem Modus gefordert
werden, wie dies an andern Universitäten üblich ist;
...dass es nicht nur für Lautsprachen, sondern auch für Gebärdensprachen Schriftsysteme gibt, die Ihrer Forderung nach Wissenschaftlichkeit der Kommunikationssysteme
durchaus zu genügen vermögen;
...dass an Ihrem Bildungsanspruch eines „absoluten Muss“ für die Lautsprache schon
viele Hörbehindertenfachleute und Eltern gescheitert sind, weil sie zu einseitig auf die
schwächste Ressource des gehörlosen Kindes - das Hören - setzten, die visuellen Bedürfnisse des Kindes zu wenig beachteten und so das Kind isolierten und in die gesellschaftliche Isolation trieben;
...dass Sie mit Ihrem Anliegen „den Bedürfnissen und Interessen der von einer Hörbeeinträchtigung direkt Betroffenen ganzheitlich, adäquat und angemessen Rechnung tragen
zu wollen“, eigentlich auch der Gebärdensprache, der stärksten kognitiven, sozialen und
kulturellen Ressource gehörloser Menschen, Rechnung tragen müssten, weil gehörlose
unmittelbar zur Gebärde greifen und diese Sprache auch lernen ohne jede pädagogische
Einwirkung, vorausgesetzt, dass man sie nicht daran hindert, andere Gehörlose zu treffen;
...dass das von Ihnen geforderte globale Denken Öffnung bedeutet, und dass ein globales Denken nur ein Denken sein kann, das sowohl der Laut- wie der Gebärdensprache und
ihren Kulturen eine ebenbürtige und uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Gleichwertigkeit zuerkennt;
...dass globales Denken nicht nur Anpassung der Hörbehinderten an die hörende Gesellschaft darstellt und dass ein Fachdachverband in dieser Hinsicht Brückenfunktionen zu
übernehmen hat, die ihn verpflichten sich ebenso ganzheitlich mit der Kultur Gehörloser
und ihrer Gebärdensprache auseinander zu setzen, wie er dies von den Gehörlosen
erwartet in Bezug auf ihre Integrationsbereitschaft in die hörende Welt.
...dass auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnisse Synergien zwischen verschiedenen
Kulturen am besten geschaffen werden können, wenn man ganz persönlich den Schritt in
die jeweils andere Kultur wagt, bevor man allzu viele Forderungen an die andersgeartete
Kultur stellt.
Dr. Benno Caramore
Wallisellen
Soziales
und
Politik
IV-Referendum zustande gekommen - Wie geht es weiter?
Das Referendum gegen die 5. IV-Revision
ist zustande gekommen. Wie wir in
«sonos» schon mehrmals berichtet haben,
steht es um die Finanzen der Invalidenversicherung gar nicht gut. Jedes Jahr schreibt
sie rund 1,5 Milliarden Franken Verlust.
Dass das Sozialwerk neue Geldquellen
braucht, ist denn auch eigentlich unbestritten. Tatsache bildet indes, dass die Bürgerlichen die Suche nach Mehreinnahmen seit
langem verzögern. Nun aber raffen sich
CVP und FDP zu neuen Taten auf. Sie wollen, dass die zuständige Kommission des
Nationalrates in ganz naher Zukunft einen
Vorschlag vorlegt, wie die IV-Finanzen zu
sanieren sind. Ganz freiwillig geschieht
dies nicht: Die beiden Parteien stehen
unter dem Druck der grossen Behindertenorganisationen. Diese haben das Referendum gegen die IV-Revision, das voraussichtlich am 17. Juni 2007 an die Urne
kommt, bisher nicht unterstützt. Dies
könne sich nun aber ändern. Thomas Bickel
von der Dachorganisation der Behindertenorganisationen (DOK) erklärte gegenüber
dem Tages-Anzeiger, es bilde eine Provokation, wenn die Mitteparteien erneut keinen
klaren Finanzierungsvorschlag machen
würden. Wenn das Parlament jetzt vorwärts
mache, würde sich die DOK weiterhin ruhig
verhalten. Bei FDP-Fraktionschef Felix
Gutzwiller ist diese Botschaft angekommen. „Wir müssen jetzt zeigen, wie wir bei
einem Ja zur IV-Revision für höhere Einnahmen sorgen wollen. Sonst stimmen viele
Nein, weil sie nicht an eine zusätzliche
Finanzierung glauben“, meinte er gegenüber der Tagespresse. Gutzwiller weiss auch,
wie er das Defizit decken will: mit einer
höheren Mehrwertsteuer. Gleiches plant
auch die CVP. Effektiv sieht es zwischenzeitlich so aus, dass sich die Mehrwertsteuer durchsetzen wird - nachdem
sich noch im letzten Herbst eine Mehrheit
aus SP und SVP für mehr Lohnprozente
stark gemacht haben. Jetzt sitzt die SVP
offenbar nicht mehr mit im Boot. „Bevor wir
neuen Einnahmen zustimmen, darf die
Invalidenversicherung keine Verluste mehr
schreiben“, sagte der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi gegenüber dem
Tages-Anzeiger. Seine Partei will sich deshalb der Stimme enthalten. Dies scheint
auch auf Druck von aussen zu geschehen.
Die Wirtschaft sei klar gegen mehr Lohnprozente, gab Hans Rudolf Schuppisser,
Vizedirektor des Arbeitgeberverbandes zu
bedenken. Die SP will die Erhöhung der
Mehrwertsteuer mittragen, sofern diese
Lösung mehrheitsfähig ist. Für Peter Wehrli
vom Zentrum für Selbstbestimmtes Leben,
welches das Referendum gegen die IV-Revision lanciert hat, ändert sich hingegen auch
mit einer Zusatzfinanzierung nichts. „Das
wäre zwar erfreulich, am Referendum würden wir aber trotzdem festhalten“, äusserte
er gegenüber der Tagespresse.
Leider beinhaltet die 5. IV-Revision keine
Arbeitgeberverpflichtung von einer IVAbklärung betroffene Arbeitnehmende weiterzubeschäftigen. So ist zu befürchten,
dass die mit der Revision beabsichtigte Eingliederung nicht umgesetzt werden kann,
denn die Stellen, welche die IV vermitteln
sollte, gibt es (noch) gar nicht. Es wäre
daher Aufgabe des Bundesgesetzgebers,
Probleme des Arbeitsmarktes auch im Rahmen der Arbeitslosigkeit zu regeln. Es sollte
von der Abschiebepolitik zu Lasten der Kantone Abstand genommen werden. Denn
dadurch wird keine Verbesserung der Situation der Betroffenen bewirkt. Die Arbeitgeberverantwortung sollte gesetzlich griffig
umschrieben werden.
Arbeitslosenquote verharrt auf
tiefem Niveau
Im Kanton Zürich ist die Arbeitslosenquote
innert Jahresfrist von 3,9 auf 3,0 Prozent
gesunken. Die im schweizerischen Vergleich
überdurchschnittlich rasche Entspannung
hat die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren entlastet. Diese verstärken ihre Zusammenarbeit mit den sozialen Institutionen,
um Kündigungen im Einzelfall abzuwenden.
Im Kanton Zürich gibt es rund 6600 weniger
Arbeitslose als vor einem Jahr. Trotz einer
leichten Zunahme innert Monatsfrist stagnierte die Arbeitslosenquote Ende November bei 3 Prozent, was 22013 gemeldeten Personen entspricht. Bei einer solchen Quote
spricht die EU von einem funktionierenden
Arbeitsmarkt, wie Bruno Sauter, Chef des
Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA), vor
den Medien festhielt. Dass die Zahl der
Arbeitslosen im Kanton Zürich im schweizerischen Vergleich überdurchschnittlich schnell
gesunken ist, begründet Sauter mit dem im
Raum Zürich starken Dienstleistungssektor.
Dieser reagiere rasch auf konjunkturelle
Schwankungen.
Erfreut zeigte sich Sauter über die bereits in
den beiden Vormonaten beobachtete Entspannung bei der Jugendarbeitslosigkeit. So
hat sich insbesondere die Situation der 15bis 19-Jährigen verbessert: Ende November
waren 194 weniger als arbeitslos registriert
als Ende Oktober. Für das Jahr 2007 geht das
AWA von einer 2,9 bis 3 Prozent stagnierenden Quote aus. Laut Sauter wird auch künftig
die Nachfrage nach Hochschulabsolventen
steigen. Seit der Oeffnung des Arbeitsmarktes hätten vor allem hochqualifizierte Arbeitnehmer aus Deutschland in der Schweiz sehr
gute Chancen. Gleichzeitig sei es eine Realität, dass ältere Arbeitnehmer eher mit Langzeitarbeitslosigkeit konfrontiert sind. - Die
abnehmende Zahl der Arbeitslosen hat bei
den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren
(RAV) zu einem Rückgang der Beratungen
geführt. Die Zahl der Dossiers pro RAV-Mitarbeiter ist mittlerweile auf unter 100 gesunken. Mit natürlichen Fluktuationen reagiert
das AWA auf die damit verbundenen Auswirkungen auf den Personalbestand. Wie Sauter
weiter ausführte, haben 30 bis 50 Prozent der
Stellensuchenden einen Qualifikationsbedarf, insbesondere bei der Sprache. Jährlich
werden im Kanton Zürich 100 Millionen Franken für Kurse und Beschäftigungsprogramme
zur Verfügung gestellt. Seit den öffentlichen
Ausschreibungen des Angebots nach WTO
sind die Kurspreise um rund 20 Prozent
gesunken. Laut Sauter erhalten die Zürcher
9
RAV vom Bund nicht nur dank den besseren
Rahmenbedingungen gute Noten. Dazu
beigetragen hätten etwa auch der steigende Anteil von präventiven Gesprächen
während der Kündigungsfrist oder die
Intensivierung der Kontakte zu den Arbeitgebern. Einen Verbesserungsbedarf stellt
Sauter insbesondere bei der Beratung von
hochqualifizierten Arbeitslosen fest. Mit
entsprechenden Schulungen sollen die
RAV-Mitarbeitenden dazu befähigt werden.
Wie Sauter schliesslich bekanntgab, wird
die interinstitutionelle Zusammenarbeit
zwischen den RAV, der Invalidenversicherung (IV), der Berufsberatung, der Sozialhilfe und den Arbeitgebern auf die Städte
Zürich und Winterthur ausgedehnt. Ein entsprechendes Pilotprojekt in Uster hat trotz
der zeitlichen Intensität und den teilweise
unklaren Kompetenzen der Beteiligten
offenbar zu einer insgesamt positiven Leistungsbilanz geführt und erste Hinweise
auf Einsparungen bei Sozial- und Beratungsleistungen ergeben. Die interinstitutionelle Zusammenarbeit verfolgt das Ziel
der Früherkennung und raschen Wiedereingliederung von Arbeitnehmern mit Verdacht auf Mehrfachbelastungen. Denn wer
zum Beispiel wegen Eheproblemen,
gesundheitlichen Einschränkungen und
finanzieller Schwierigkeiten häufig der
Arbeit fernbleibt, dem wird früher oder später gekündigt. Ist er einmal so weit, führt
der Weg schnell in die Sozialhilfe und später zur IV, von deren Rente oft Personen
leben, die teilzeitlich erwerbstätig sein
könnten. Wird dies rechtzeitig erkannt und
werden Massnahmen getroffen, um auch
nicht zu hundert Prozent leistungsfähige
Arbeitnehmer im Arbeitsmarkt zu behalten,
sinkt die Zahl der Fälle, die das Sozialversicherungssystem belasten.
Im Unterschied zur gängigen Praxis treffen
in Uster die verschiedenen Versicherungen
nicht mehr nacheinander ihre spezifischen
Abklärungen, die sich über Jahre hinziehen
können. Vielmehr nehmen Vertreter des
RAV, der IV, der Berufsberatung und der
Sozialhilfe im Einzelfall eine gemeinsame
Lagebeurteilung vor und fragen nach der
optimalen Intervention. Einbezogen werden auch die Arbeitgeber. Eine Institution
übernimmt sodann den Fall und leitet rasch
Massnahmen ein, um eine Kündigung
abzuwenden.
Grosse Arbeitslosenquote bei
jungen Erwachsenen
Trotz guter Wirtschaftslage sind junge
Erwachsene häufig auf die Fürsorge ange-
wiesen. Die Sozialhilfequote der 18- bis 25jährigen Frauen und Männer liegt bei knapp
vier Prozent - in Städten und Agglomerationen muss sogar einer von 15 Jugendlichen
unterstützt werden. Auf den Sozialämtern
von Basel-Stadt beispielsweise macht diese
Alterskategorie 16 Prozent aller Neuanmeldungen aus. Hinter solchen Zahlen zeigten
sich die Schwierigkeiten dieser sozialen
Gruppe, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen und
auf Dauer ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen“, gibt Carlo Knöpfel von
Caritas Schweiz im neuen Sozialalmanach
zur sozialen Lage der Schweiz zu bedenken.
Auch die Schweizerische Konferenz für
Sozialhilfe (SKOS) ist alarmiert. „Das strukturelle Armutsrisiko der jungen Erwachsenen ist sozialpolitisch gravierend“, sagte
SKOS-Präsident Walter Schmid an einer
Medienorientierung in Bern. Die Anzahl
Jugendlicher und junger Erwachsener, die
von der Sozialhilfe abhängig seien, wachse.
3,9 Prozent der 18-bis 25-Jährigen beziehen
Leistungen der Sozialhilfe. Damit liegt die
Sozialhilfe-Quote dieser Gruppe über derjenigen der Gesamtbevölkerung (3,0 Prozent).
„Das können wir nicht mit einem Achselzucken hinnehmen.“ Die gesellschaftlichen
Folgekosten der chronischen Abhängigkeit
beliefen sich in extremen Fällen auf ein bis
zwei Millionen Franken.
Wenn die Sozialhilfe eingeschaltet werde,
sei es oft zu spät, stellt Schmid fest. „Dann
haben viele Jugendliche bereits den Sozialparcours hinter sich.“ Die SKOS fordert deshalb eine umfassende Strategie gegen die
Armut. Sie soll im Vorschulalter mit Elternarbeit beginnen - insbesondere bei Kindern
von Sozialhilfebeziehenden. Hilfreich sei,
dass der Ständerat in der Wintersession die
Motion für eine gesamtschweizerische
Armutsbekämpfung an den Bundesrat überwiesen habe. Denn Bund und Kantone müssten sich stärker engagieren. Das gelte auch
für den Lehrstellenmarkt, wo die öffentliche
Hand ergänzend eingreifen müsse. „Damit
jene Jugendlichen, die trotz 100 Bewerbungen keine Stelle finden, nicht auf der
Strecke bleiben“, so Walter Schmid gegenüber der Tagespresse. Wenn marktwirtschaftliche Mechanismen nicht genügten
und steuerliche Impulse abgelehnt würden,
müsse der Staat eingreifen können. Den
Jugendlichen, die sich heute in einer schwierigen Situation befänden, nütze der Hinweis,
dass die Demographie das Problem der
Jugendarbeitslosigkeit löse, nichts, sagte
Schmid. Nötig seien auch Lehrstellen für leistungsschwache Schulabgänger. Jugendliche
ohne jede Ausbildung sind nämlich am stärksten gefährdet: zwei Drittel der Sozialhilfebeziehenden im Alter von 18 bis 25 Jahren sind
ohne Berufsbildung. Auch für diese Jugendlichen bedürfe es entsprechender Ausbildungsstellen, damit sie nicht von Überbrückungsangebot zu Überbrückungsangebot weitergereicht würden. Die SKOS schlägt beispielsweise Zertifikatslehren vor. Hier sollte ebenfalls
die öffentliche Hand investieren - und nicht
erst bei Beschäftigungs- und Qualifikationsprogrammen der Sozialwerke oder Sozialhilfe.
SKOS-Präsident Schmid schlägt daher vor, das
neunjährige Schulobligatorium durch eine
Ausbildungspflicht bis zur Volljährigkeit zu
ergänzen. „Denn wir können die Jugendlichen
nach der Schule nicht einfach sich selber überlassen.“ Oft würden in diesem Lebensabschnitt die Weichen für Fehlentwicklungen
gestellt, ohne dass es jemand merke. Es gehe
aber nicht darum, einfach die Schulzeit zu verlängern.
Wie das in der Praxis aussehen könnte, erprobt
derzeit der Kanton Basel-Stadt. Dort interveniert die Sozialhilfe bereits bei 16-Jährigen,
damit sie nach der Schule nicht abtauchen und
Jahre später bei der Fürsorge landen. „Es gibt
keinen Abschluss ohne Anschluss“, erklärte
Vorsteher Rolf Maegli gegenüber der Tagespresse. Wer keine Berufsausbildung beginnt,
wird zu Hause besucht und beraten. Pro Jahrgang sind das in Basel 60 bis 80 Personen.
Zugleich werden seit Oktober Arbeitsplätze im
Teillohnmodell angeboten, das heisst: Der
Arbeitgeber entlöhnt nur nach Leistung.
Jugendliche, die sich verweigern, müssen mit
Sanktionen rechnen. Die Sozialhilfe kann
dabei aufs Existenzminimum von 400 Franken
gekürzt werden.
Schmid sieht derzeit gute Chancen, dass die
von der SKOS vorgeschlagene Strategie Früchte tragen könnte. Nicht nur sei die wirtschaftliche Lage günstig, auch die Bereitschaft sei vorhanden, sich des Problems anzunehmen. Ein
Zeichen dafür sei die Ende 2006 vom Parlament überwiesene Motion zur Armutsbekämpfung. Wichtig sei nun, auch die Unternehmungen und Gewerbebetriebe für die Umsetzung
zu gewinnen. Einige Städte - wie etwa BaselStadt und Zürich - zeigen, dass eine Zusammenarbeit von Wirtschaft und Staat in diesem
Bereich durchaus möglich ist. [lk/rr]
Aspekte der IV-Revision
Invalidität als Armutsfalle
Junge Leute, die invalid werden, essen ihr
Leben lang ein hartes Brot, weil die Versicherungsdeckung vielfach völlig ungenügend ist.
Text: Hansruedi Berger
in: Schweizer Versicherung, Januar 2007
Die Gefahr, während des Erwerbslebens
invalid zu werden, wird hierzulande zu
einem zunehmend hohen Risiko. Von den
7,5 Millionen EinwohnerInnen haben
430’000 im Jahr 2005 eine IV-Leistung
bezogen. Gemäss Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) ist heute jeder 14. Einwohner ein potenzieller Rentenbezüger; 1992
war es jeder einunddreissigste!
Noch eindrücklicher wirkt die Statistik im
Langzeitvergleich. 1960 wurden gerade mal
25’600 Invaliditätsrenten ausbezahlt;
heute sind es rund zwölfmal mehr und
jeder vierte Versicherte geht heut als IVBezüger in den Ruhestand. Erschreckend
ist insbesondere die Zunahme der psychisch Kranken. Diese machen zum Beispiel bei der Zürich Versicherung zurzeit
rund einen Drittel aller neuen Fälle von
Erwerbsunfähigkeit aus.
Kümmerliche Leistungen
Unerträglich wird eine Invalidität dann,
wenn zur Hilflosigkeit die Armut kommt.
Von diesem harten Schicksal betroffen werden immer wieder junge Leute, weil die Versicherungsdeckung in dieser Altergruppe
unzureichend ist. Zwar ist die Altergruppe
„Jugendliche bis 25“ in der IV-Statistik
unterdurchschnittlich vertreten. Was hingegen ins Auge springt, ist die Zunahme von
IV-Fällen um das Zweieinhalbfache seit
1995.
Vorab die psychischen Leiden schlagen zu
Buche. Vor allem die Pensionskasse
erbringt in diesem Alter gar keine oder
kümmerliche Leistungen. In der Tabelle
„Miserabel versichert“ wird diese Situation
anhand von drei Fallstudien dargestellt. In
allen drei Fällen handelt es sich um 21jährige, jedoch mit verschieden hohen Einkommen und verschiedener Versicherungsdeckung.
Der 21-jährige Erich Schläpfer (Name geändert) erkrankte im 4. Semester seines Jurastudiums an multipler Sklerose. Seit der
Maturität hatte er sich auf sein Studium
konzentriert und von der Unterstützung
seiner Eltern gelebt. Da er während dieser
Zeit kein Einkommen erzielt hatte, wird er
von der Invalidenversicherung 1’473 Franken erhalten, worin der Zuschuss von 33
1/3 Prozent oder 368 Franken für Versichter
unter 25 (IVG Art. 37 Abs. 2) bereits enthal-
Hohes Risiko:
Jeder 14. Einwohner in der
Schweiz ist heute ein potentieller Rentenbezüger
ten ist. Auf eine BVG-Rente hat der Student
keinen Anspruch, da er nicht erwerbstätig
und deshalb keiner Pensionskasse oder
Sammelstiftung angeschlossen ist.
Verheiratete erhalten mehr
Grundsätzlich liegt die Latte für einen Pensionskassenanspruch sehr hoch. Hätte
Erich Schläpfer zum Beispiel durch eine
Nebenbeschäftigung 20’000 Franken jährlich erzielt, so würde gemäss BVG nur gerade eine Monatsrente von 96 Franken anfallen. Besser käme hingegen ein junger
Berufsmann mit einem angenommenen
Jahreseinkommen von 48’100 Franken weg.
Versicherungsdeckung
Miserabel versichert: Beispiel eines 21-jährigen
IV- (Invalidenversicherung)
durchschnittliches
Jahreseinkommen
kein Einkommen
20’000 Fr.
48’100 Fr.
ordentliche Neurentner KarriereRente
bis Alter
zuschlag 1)
1)
25 Jahre
1’105
1’277
1’821
368
(368)
(368)
keiner
437
389
Pensionskasse
Zwischen
Total 3)
1’473
1’714
2’210
BVG-Minimalleistung
keine
96
752
Total aller
Renten
Hilflosenentschädigung 2)
1’473
1’810
2’962
553 / 884
553 / 884
553 / 884
Zahlen gültig ab 1. Januar 2007
1) Ausgerichtet wird entweder der Alterzuschlag von 358 Franken (nur bis 25) oder der Karrierezuschlag (berücksichtigt wird der höhere Betrag); letzterer
beginnt bei 100 Prozent zwischen 18 und 22 und nimmt bis Alter 45 kontinuierlich ab (letzte Stufe 39-45: 5 Prozent). Die 11. AHV-Revision sieht eine Streichung dieses Zuschlags vor.
2) Einkommens- und vermögensunabhängig (553 = mittlerer Grad; 884 = schwerer Grad).
3) Maximalrente 1. Säule
Quelle: AHV-Ausgl.-Kasse Kt.ZH; Grano-Sammelstiftung, Winterthur
11
«In Kürze»
Die IV-Versicherung des mit eingerechneten Karrierezuschlags, die Maximalrente
von monatlich 2’210 Franken, und die Leistung der Pensionskasse wäre mit 752
Franken wesentlich höher.
Dennoch, die Gesamtleistung von 2’962
Franken bleibt ungenügend - Verheiratete
erhalten mehr. So würde der Handwerker in
unserem Beispiel von der IV eine Kinderrente von je 728 Franken (Pensionskasse
150 Franken) erhalten; dazu käme der Karrierezuschlag von 33 Prozent (siehe Tabelle
„Miserabel versichert, Anmerkung 1).
Prämien enorm gestiegen
Das Armutsrisiko junger Leute mit ungenügender Versicherungsdeckung lässt sich
durch den Abschluss einer Erwerbsunfähigkeitsrente bei einer privaten Lebensversicherung weitgehend lindern. Allerdings
sind die Prämien in den letzten Jahren
enorm angestiegen, wie folgendes Beispiel
der Pax Leben zeigt: Vor zwölf Jahren kostete dort eine Jahresrente von 24’000 Franken einen 21-Jährigen jährlich 216 Franken.
Heute muss er dafür mehr als das Fünffache, nämlich 1’105 Franken, hinlegen.
Mit dieser Prämie schneidet die Pax im
Konkurrenzvergleich zwar immer noch sehr
gut ab. Gleichwohl ist ihre Offerte wegen
der langen Wartefrist von 24 Monaten für
einen Studenten kaum geeignet. Wegen
des fehlenden Einkommens kann er nämlich die wegen der langen Wartefrist entstehende Durststrecke auch nicht durch eine
Taggeldversicherung bei einer Krankenkasse decken.
„Unsere Taggeldversicherung ist eine Schadenversicherung“ schreibt zum Beispiel die
Helsana. Oder andersherum: Wo kein Einkommen fliesst, kann auch keine Einbusse
entstehen. Andere Krankenkassen argumentieren in der Regel ähnlich. In Tat und
Wahrheit geht es ihnen um die Vermeidung
des sogenannten Faulenzerrisikos, will
heissen: Man will sich nicht mit Leuten
belasten, die sich mit Hilfe eines gefälligen
Arztes und aus Kosten der Kasse ein paar
arbeitsfreie Monate gönnen wollen.
Hohe Prämiendifferenzen
Ein Ausweg ist der Abschluss einer
Erwerbsunfähigkeitsrente mit kurzer Wartezeit. Viele Lebensversicherer bieten Produkte mit nur 90-tägigem Aufschub an. Aufgrund der teilweise hohen Prämiendifferenzen empfiehlt es sich, vor dem Abschluss
mehrere Offerten einzuholen. So wäre zum
Beispiel eine Studentin schlecht beraten,
bei der Winterthur Versicherung abzuschliessen, weil ein- und dieselbe Leistung bei
der Swiss Life wesentlich billiger zu haben
ist.
Das günstigste Angebot macht die Mobiliar
mit ihrem Jugendtarif. Negativ ist die Wartezeit von 12 Monaten, zumal die Police nur
bis 26 abgeschlossen werden kann. Gleichwohl sind 862 respektive 718 Franken für
junge Leute mit knappen Mitteln ein
verlockendes Angebot.
Das Armutsrisiko lässt sich
Neuer Vorsteher der Sprachheilschule
Münchenbuchsee
Christian Trepp wird ab August 2007 der
neue Vorsteher der Kantonalen Sprachheilschule. Der bernische Regierungsrat hat
den 52-Jährigen zum Nachfolger von Alfred
Pauli gewählt, der nach 16 Jahren in den
Ruhestand tritt.
Rollstuhlgängige ÖV-Angebote im Internet
Die rollstuhlgängigen Angebote aller
schweizerischen Bus-, Tram- und Bahnlinien
sind neu für das Fahrplanjahr 2007 online
abrufbar auf der Internetseite www.fahrplanfelder.ch. Die Angebote finden sich in
der Rubrik „Rollstuhl“, aufgeteilt nach städtischen und lokalen Verkehrsbetrieben, Bus
und Postauto sowie Schienenverkehr.
mit einer Erwerbsunfähigkeitsrente lindern
Arbeitslosigkeit auf Spitzenplatz im Sorgenbarometer
Die Arbeitslosigkeit, das Gesundheitswesen
und die Altersvorsorge sind nach wie vor die
meistgenannten Sorgen der Schweizer. Mit
einem Jahresdurchschnitt von 130’000
Arbeitslosen liegt die Arbeitslosenquote für
2006 bei 3,3 Prozent. Für 2007 wird aufgrund der neusten Entwicklungen ein Jahresdurchschnitt von 110’000 Arbeitslosen
erwartet.
Krankenkassenprämien werden für Kinder
verbilligt
Ab Anfang Jahr müssen die Kantone Krankenkassenprämien für Kinder aus Familien
mit tiefem bis mittlerem Einkommen um
mindestens 50 Prozent subventionieren.
Eingeschlossen sind junge Erwachsene in
Ausbildung. Die Umsetzung der Revision
des Krankenversicherungsgesetzes erfolgt
in unterschiedlicher Weise, besonders auch
was die Information über die Ansprüche
betrifft. Der Kanton Luzern beispielsweise
verbilligt alle Kinderprämien, allerdings nur
auf Gesuch.
Roboter macht hör- und sprachbehinderte Schüler fit für Ausbildung
und Beruf
Landessstiftung Baden-Württemberg fördert
Paulinenpflege-Schulprojekt „EDUBOT“
Wenn man die Metallwerkstatt im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) der Paulinenpflege
Winnenden e.V. betritt, ist er nicht zu übersehen: In voller Pracht erstrahlt mitten im
Raum ein ganz besonderer Roboter, der
einige Zentimeter größer als die Lehrer der
Heimsonderschule ist. Sein Name „EDUBOT“, sein Körper: Metall, sein Innenleben:
Ein kompletter PC, seine Schöpfer: Hörund sprachbehinderte Schüler der Paulinenpflege Winnenden.
Die Initialzündung für dieses außergewöhnliche Schülerprojekt war die Ausschreibung der Landesstiftung Baden-
Liebe Leserinnen und Leser
Wer weiss? Vielleicht blicken Sie,
währenddem Sie die neueste LKH-News in
den Händen halten, zum Fenster in eine
tief verschneite Landschaft hinaus? Es
wäre nach diesem rekordverdächtig frühlingshaften Januar eine angenehme winterliche Abwechslung.
Abwechslungsreich sind auch die Themen
in der Februar-Ausgabe gestaltet:
Die Paulinenpflege Winnenden, ein Bildungswerk für Gehörlose, Schwerhörige
und Sprachbehinderte stellte zusammen
mit ihren Schülern ein grossartiges Projekt
auf die Beine, das von der Landesstiftung
Baden-Württemberg vollständig bezahlt
wurde. Lesen Sie, wie hörbeeinträchtigte
Schüler in beispielloser Zusammenarbeit
dies zustande brachten.
Aber auch andere Pressemitteilungen sind
beachtenswert. Haben Sie sich auch schon
überlegt, wie man bei einem neugeborenen Kind herausfinden kann, ob es eine
Hörbeeinträchtigung hat? Dirk Olbertz von
der Rostocker Südstadtklinik weiss die
Antwort. Oder wussten Sie, dass in
Deutschland die Krankenkassen auch teu-
Württemberg „X2 – Fit für Ausbildung und
Beruf“, bei der innovative Aktionen finanziell unterstützt werden, die das Selbstvertrauen, die Motivation und dadurch die
Ausbildungsreife von BVJ-Schülern unterstützen. Schnell waren sich Technischer
Lehrer Hartmut Schwald und Theorielehrer
Thomas Geiger einig: „Endlich haben wir
die Möglichkeit, die von uns selbst entwickelten Lernprogramme im Berufsfeld
Metall in ansprechender Form zu präsentieren und mit den Fähigkeiten unserer behinderten Schüler zu repräsentieren. Da
machen wir mit unserer Klasse mit!“
Gesagt, getan – es wurde gemeinsam mit
acht Schülern ein Zeitplan erstellt, Fachbücher studiert, überlegt, skizziert und
rere Hörgeräte vollständig bezahlen müssen? Und wie ist das wohl, wenn man einmal gar nichts hört als Hörender? Im
Rendsburger Provianthaus kann man sich
mit diesem Zustand auseinander setzen.
Dann können Sie sich bestimmt auch vorstellen, wie schwierig es sein kann, als
Hörbeeinträchtigter eine Arbeitsstelle zu
suchen!
Übrigens: Auch wir von LKH Schweiz organisieren Führungen für Gehörlose und
erleichtern mit speziellen Hilfsmitteln das
Verständnis. Reservieren Sie sich darum
heute schon den Freitag, 16. März 2007
für die neueste Führung durch die Kunstsammlung Rosengart in Luzern.
Apropos gehörlose Menschen. Gibt es
eigentlich viele bekannte und berühmte
Gehörlose? Ihnen fällt da sicherlich
Beethoven ein, der mit 28 Jahren zu ertauben begann. Doch er ist nicht der einzige
berühmte Gehörlose. Ich möchte im März
mit einem gehörlosen Astronomen eine
Serie beginnen, in der bekannte und
berühmte Persönlichkeiten vorgestellt
werden und die dann teils von ihnen weiter
geführt wird.
Kennen Sie auch eine solche bekannte und
berühmte gehörlose oder schwerhörige
Persönlichkeit? Dann würde ich mich sehr
freuen, wenn Sie mir diese Persönlichkeit
in einem kurzen Text (eine halbe bis eine
ganze A4-Seite) vorstellen würden. Falls
Sie noch Bildmaterial auftreiben könnten,
wäre das eine schöne Bereicherung dazu.
Kontaktadresse
ist
per
e-Mail
matthias.gratwohl@lkh.ch, per Fax 061 601
13 87.
Ich wünsche Ihnen allen einen schönen
Februar und bis im März wieder!
Matthias Gratwohl, LKH-News
13
L
K H
konstruiert; danach gesägt, geschnitten,
gefeilt, geschweißt und das Grundgerüst
des Roboters fertig gestellt.
Die Lehrer staunten nicht schlecht, wie
motiviert die Schüler an die im normalen
Schulalltag nicht üblichen Aufgaben und
Herausforderungen rangingen. Hartmut
Schwald begeistert: „Unsere Schüler
waren teilweise nicht wieder zu erkennen.
Sie haben über ihre Unterrichtszeit hinaus
am Roboter gearbeitet, aus innerem
Antrieb in ihrer Freizeit nach immer besseren Lösungen gesucht und sind so zu einem
echten Team zusammen gewachsen.“ Für
Thomas Geiger war auch die Verzahnung
zwischen Theorie und Praxis sehr spannend: „Durch dieses Projekt bilden Theorie
und Praxis noch mehr als bisher eine Einheit. Was wir im Unterricht z.B. in den
Fächern Fachzeichnen oder in Mathe erar-
Wann findet der nächste Regiotreff
Lozärn statt?
Freitag
Freitag
Freitag
02. Februar 2007
02. März 2007
06. April 2007
Wann findet der nächste Regiotreff Bern
statt?
Freitag
Freitag
Freitag
09. Februar 2007
09. März 2007
13. April 2007
Wann findet der nächste Regiotreff Züri
statt?
Freitag
Freitag
Freitag
16. Februar 2007
16. März 2007
20. April 2007
beitet haben, wurde dann sofort in der Praxis am Roboter umgesetzt. Somit haben
unsere Schüler mit eigenen Augen den Sinn
des oft verschmähten Theorieunterrichts
unmittelbar erfahren können“.
Und so ging es nach der Fertigstellung des
Außenkörpers des Roboters an die Innereien – ein passender PC musste gefunden
und bestellt werden. Auch hier waren die
Schüler äußerst engagiert und haben die
einzelnen Computer-Komponenten im
Internet und Katalogen zusammengesucht,
Preise und Rabattkonditionen verglichen
und schließlich vom Fachhändler nach
ihren Vorstellungen zusammen bauen lassen. Inzwischen ist alles von Kopf bis Fuß
installiert und verstaut – der Roboter lebt
und die Schüler sind mehr als stolz!
Die Kosten in Höhe von 2500.- Euro wurden
von der Landesstiftung Baden-Württemberg vollständig übernommen, da der EDUBOT von der Pädagogischen Hochschule
Ludwigsburg aus für förderungswürdig
befunden wurde – die Voraussetzungen für
„X2 – Fit für Ausbildung und Beruf“ waren
nach Ansicht der Juroren voll und ganz
erfüllt. Dazu BVJ-Abteilungsleiter HansChristoph Beutter: „Dank der großzügigen
finanziellen Unterstützung der Landesstiftung hatten wir die Möglichkeit ein größeres Projekt unter nicht schulüblichen
Bedingungen durch zu führen, und so unseren Schülern die Notwendigkeit des Vorhandenseins der von Handwerk und Industrie permanent geforderten Tugenden wie
Teamfähigkeit, Fach- und Sachkompetenz
anschaulich vermittelt werden konnte.“
17.1.2007, www.n24.de
Pressemitteilungen mit dem Hintergrund
Hörbeeinträchtigung bei www.taubenschlag.de
Kasse muss Hilfsmittel voll
bezahlen
Ein schwerhöriges Schulkind, das dem
Unterricht nicht ausreichend folgen kann,
hat Anspruch auf ein notwendiges Hörgerät. Die Krankenkasse des betroffenen
Kindes kann sich nicht damit herausreden,
dass das Hilfsmittel zu teuer sei. Auf ein
entsprechendes Urteil des Sozialgerichts
Lübeck macht die Arbeitsgemeinschaft
Sozialrecht im Deutschen Anwaltverein in
Berlin aufmerksam. (AZ: S 3 KR 201/05)
Im konkreten Fall verordnete ein Arzt einer
zehn Jahre alten, hochgradig schwerhörigen Schülerin ein Hörgerät zum Preis von
4640 Euro. Der Krankenkasse des
Mädchens war das zu teuer: Sie wollte
lediglich Kosten in Höhe von 2760 Euro
übernehmen. Für diesen Betrag habe das
Kind eine dem Stand der Technik entsprechende Hörhilfe bekommen.
Hilfsmittel muss Schaden ausgleichen
Das Gericht widersprach der Argumentation der Kasse. Es sei zwar im Grundsatz
richtig, wenn sie Hilfsmittel nur bis zur
Höhe des Festpreises zahle. Das gelte
jedoch nur dann, wenn ein solches Gerät
den Hörschaden auch tatsächlich ausgleiche.
Die Schülerin benötigte jedoch eine besonders leistungsfähige Hörhilfe, die auch den
Anforderungen des schulischen Alltags
standhalte. Damit der Betroffenen keine
Nachteile in ihrer Entwicklung entstehen,
müsse die Krankenkasse die Gesamtkosten
übernehmen, entschied das Gericht.
16.1.2007, www.rundschau-online.de
Mittelstand lässt oft Behinderte außen vor
Für Schwerbehinderte hält die Wirtschaft
nicht genug Stellen bereit, bemängeln
Fachleute.
KÖLN. Andrea Westphal sorgt dafür, dass
sich die Gäste in einem Kölner Hotel wohlfühlen. Die 47-Jährige bezieht die Betten,
füllt die Mini-Bar und legt ein Betthupferl
aufs Kopfkissen. Seit zwei Jahren arbeitet
sie dort. Der Inhaber des Hotels war der
erste, der ihr nach Jahren der Arbeitslosigkeit eine Chance gab. Denn Frau Westphal
ist hörgeschädigt und sprachbehindert mit einem Grad der Behinderung von 100
Prozent galt sie als schwer vermittelbar.
Rund 165 000 Menschen mit einer
Schwerstbehinderung von mehr als 50 Prozent waren nach Zahlen der Bundesagentur
für Arbeit im Dezember 2006 arbeitslos
gemeldet, etwa 0,8 Prozent mehr als im
Vorjahr. Doch wie sieht deren Zukunft aus?
Nicht allzu rosig, schätzen verschiedene
Behinderten-Organisationen. „Es wird eher
noch schwerer werden für Menschen mit
einem Handikap, eine Stelle zu bekommen“, sagt Elke Baltz, Vorsitzende des
Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen. Dieser Meinung ist auch
Michael Müller, Vorstand des Vereins „Kein
Handicap“: „Gerade der Mittelstand tut
sich seit Jahren schwer damit, Menschen
mit Behinderungen zu beschäftigen.“ Denn
während in großen Konzernen langsam ein
Umdenken erfolge, scheue sich der in
Deutschland als Arbeitgeber mächtige Mittelstand - auch aus Angst, über den besonderen Kündigungsschutz auf ewig an den
Mitarbeiter mit Behinderungen geknebelt
sein. Dabei dürften diese - wie gesunde
Mitarbeiter auch - beispielsweise in der
Probezeit gekündigt werden.
In den letzten Jahren seien die Rechte der
Arbeitgeber verstärkt worden, erklärt Müller. Er spricht von einem noch unerschlossenen Arbeitsmarkt mit viel Potenzial. An
dieser Stellen kommen die Integrationsämter ins Spiel. In der Kölner Region ist es
beim Landschaftsverband Rheinland (LVR)
angesiedelt. „Wir motivieren und unterstützen“, sagt Martina Krause vom LVR.
Und helfen - auch finanziell - Arbeitgebern,
eine Stelle passend zu machen. Denn eine
Behinderung von mehr als 50 Prozent
könne vieles bedeuten: ein Leben im Rollstuhl, Blindheit, oder auch eine überstandene Krebserkrankung. „Dies heißt jedoch
nicht, dass die Menschen nicht leistungsfähig sind“, so Krause.
Genaue Zahlen über einen Arbeitsmarkt für
Behinderte zu bekommen, gestaltet sich
schwierig. Denn nur Unternehmen mit
mehr als 20 Mitarbeitern sind verpflichtet,
fünf Prozent ihrer Stellen an Gehandikapte
zu vergeben - oder einen Ausgleich zu
bezahlen. Dieser lag 2004 bei insgesamt
75,2 Millionen Euro. Eine Summe, die Bund
und Länder in die Förderung stecken, wie in
das im Januar gestartete Projekt „Job
4000“, das 1000 neue Stellen und 500
neue Ausbildungsplätze für Behinderte
schaffen soll.
15.1.2007, http://de.news.yahoo.com
Hörtest bei schlafenden Babys
Nur wenige Babys kommen schwerhörig
auf die Welt. Früher war es oft dem Zufall
oder aufmerksamen Eltern zu verdanken,
dass die eingeschränkte Hörfähigkeit oder
gar Taubheit des Neugeborenen entdeckt
wurde. Oft vergingen Jahre, bis die Eltern
die Gewissheit hatten. Das Zeitfenster für
eine erfolgreiche Behandlung sei jedoch
nur sehr klein, sagt der Chefarzt der Frühgeborenenstation an der Rostocker Südstadtklinik, Dirk Olbertz. In MecklenburgVorpommern werden daher seit vier Jahren
alle Neugeborenen mit einer speziellen
Testmethode untersucht.
Im Schlaf «verrät» das Baby den Ärzten,
wie es um seine Ohren bestellt ist. Die
Innenohrschwerhörigkeit - daran leiden
rund 96 Prozent der Hörbehinderten - wird
mit einem Testton ermittelt. Das standardisierte Signal wird ins Innenohr geleitet,
über Schwingungen weiter transportiert
und schließlich reflektiert. Dieses akustische Signal wird wiederum gemessen. Der
Hörtest wird seit 2002 an allen Geburtskliniken im Land durchgeführt. Rund 95 Prozent der Neugeborenen werden so automatisch erfasst. Mecklenburg-Vorpommern ist
das einzige Bundesland, in dem es diese
Untersuchung flächendeckend gibt.
Zwar seien mit etwa 0,1 Prozent der Neugeborenen nur wenige Kinder von Geburt an
tatsächlich schwerhörig oder taub, sagt
Olbertz. «Aber die Behinderung ist gravierend.» Wird die Erkrankung früh erkannt,
könne das Kind trotz der Beeinträchtigung
mit Hilfe von Hörgeräten optimal die Muttersprache erlernen. Nur so könne man die
geistige Entwicklung der Kinder sicherstel-
len, sagt der Mediziner. Jedoch sei dafür
nicht viel Zeit. Bis maximal zum vierten
Lebensjahr könnten Ärzte und Eltern die
Entwicklung beeinflussen.
Nahezu alle Eltern seien deshalb mit der
Untersuchung einverstanden, sagt der
Rostocker Arzt. 2005 wurden 11 223 Neugeborene untersucht, nur 610 Babys nicht,
weil sie beispielsweise zu Hause zur Welt
kamen. Von den Untersuchten zeigten 715
Kinder Auffälligkeiten, die weitere Kontrollen erforderlich machten. Die Rate von
sechs Prozent sei üblich, erläutert Olbertz.
Aber die wenigsten davon seien taub.
Die Daten der Untersuchungen werden an
die Screening-Zentrale der Greifswalder
Universität gemeldet. Gibt es einen Verdacht auf Hörschädigung, werden weitere
Untersuchungen empfohlen. Was bislang
fehlt, ist eine automatische Benachrichtigung der Geburtsklinik, wenn diese Untersuchung nicht erfolgt. «Diese Benachrichtigung», so glaubt Olbertz, «würde helfen,
die Quote der Nachuntersuchungen zu
erhöhen.» Denn diese ist noch steigerungsfähig. Aber dafür fehlt bislang das Geld und
das Personal.
Kinderärzte, Gynäkologen und Hals-NasenOhren-Ärzte planen daher, das Screening
für Stoffwechsel, der durch Blutabnahme
beim Neugeborenen untersucht werden
kann, und den Hörtest zusammenzulegen.
Sobald die entsprechende Software verfügbar und die Finanzierung gesichert sei,
könne dies starten, sagt der Leiter der
Screening-Zentrale, Tadeus Nawka. Der
Hals-Nasen-Ohren-Arzt hält es für dringend
erforderlich, dass diese Untersuchung als
Kinderuntersuchung gesetzlich eingeführt
wird.
Damit wäre auch das Problem der Finanzierung vom Tisch. Die Krankenkassen verweigern bislang die Kostenübernahme. Dabei
sei die Wirksamkeit der Methode durch
Pilotprojekte ausreichend belegt, klagt
Olbertz. Der entsprechende Bundesausschuss prüfe noch, ob die Krankenkassen
die Kosten übernehmen. Die Erfassungsbögen würden vom Land finanziert, alle anderen Kosten verblieben bei den Kliniken. Pro
Untersuchung müssen die Kliniken rund 18
Euro berappen. So bezahlt alleine das
Rostocker Südstadtklinikum jährlich rund
56 000 Euro für die Hörtests.
15
L
K H
Impressum
LKH-News
Vereinszeitschrift für
Lautsprachlich
Kommunizierende Hörgeschädigte
Was haben Picasso und
MyLink gemeinsam?
Rosengart Luzern, Freitag, 23. März 2007
Präsident
Philipp Keller
Lindenstrasse 2, 6005 Luzern
Telefon/Fax 041 310 00 90
E-Mail: philipp.keller@lkh.ch
Redaktion / Inserate /
Adressänderungen
Matthias Gratwohl, Redaktion LKH-News
Hirzbrunnenschanze 81, 4058 Basel
Telescrit/Fax 061 601 13 87
E-Mail: matthias.gratwohl@lkh.ch
Sekretariat
LKH-Sekretariat
Lautsprachlich Kommunizierende
Hörgeschädigte
6000 Luzern
Homepage:
www.lkh.ch
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Wissenswerte - besuchen Sie uns!
Adressen der weiteren
Vorstandsmitglieder:
Vizepräsident
Patrick Röösli
Falkenweg 14, 6340 Baar
Telefon 041 760 61 58
Fax
041 760 61 25
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Finanzen
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Bodenackerweg 18
3053 Münchenbuchsee
Fax 031 869 32 34
E-Mail: dalia.casucci@lkh.ch
Erstmals wird der LKH Schweiz in einer
Führung eine FM-Anlage für Gruppen einsetzen: den so genannten MyLink. Er ist kompatibel mit allen Hörsystemen, inklusive Im-OhrSysteme, die über eine T-Spule verfügen. Da
der LKH sich für ein optimales Verstehen
während der Führung einsetzt, leihen wir
diese Anlage während der Führung allen
Betroffenen kostenlos aus!
Spätwerke von Picasso, eine umfassende Paul
Klee-Sammlung sowie weitere Bilder von 21
Künstlern der klassischen Moderne sowie des
Impressionismus sind in der Sammlung Rosengart zu sehen. Die Sammlung fand ihre Beherbergung in dem ursprünglich für die Schweizer
Nationalbank erbauten Gebäude. Im Umbau
entstand eine vollkommene Symbiose zwischen Räumen und privater Sammlung, die
geprägt ist von den persönlichen Vorlieben der
beiden Kunsthändler S. Rosengart und seiner
Tochter. Die Führung von Dr. Martina Kral geht
daher nicht nur auf die Kunstwerke ein, sondern auch auf die persönlichen Beziehungen
der beiden Kunsthändlern zu den Bildern und
Künstlern.
Frau Dr. Martina Kral bietet für alle Hörgeschädigten eine Führung an, welche ausschliesslich
in lautsprachlicher Kommunikation geführt
wird. Wir sind während der Führung die einzigen Gäste in der Ausstellung. Somit sind im
Hintergrund keine störenden Nebengeräusche
zu erwarten.
Anrede
Vorname Name
Strasse
PLZ Ort
Telefon
Veranstaltungen/Fachaktivitäten
Maja Brumm
Feldweg 21, 8134 Adliswil
Telefon 044 710 16 73
Fax 044 710 16 73
E-Mail: maja.brumm@lkh.ch
17.15 Uhr
17.30 18.30 Uhr
Besammlung vor dem
Haupteingang des Hauses
(siehe Lageplan)
Führung
Die Führung kostet:
LKH-Mitglieder Fr. 15.Nicht-Mitglieder Fr. 20.-
Mehr Informationen über die Sammlung Rosengart
finden Sie auf dieser Linkadresse:
www.rosengart.ch
Wir freuen uns jetzt schon, Sie an der Führung
begrüssen zu dürfen! Selbstverständlich dürfen Sie
auch Ihre FreundInnen und KollegInnen mitnehmen!
An der Führung können maximal 20 Personen teilnehmen. Melden Sie sich bitte möglichst früh an.
Die Anmeldungen werden nach Datumseingang
berücksichtigt.
Karte Luzerner Innenstadt
Anreise mit öffentlichem Verkehr
Vom Bahnhof Luzern ist es ein ca. 10-minütiger Spaziergang zur
Sammlung Rosengart. Siehe auch Karte.
Private Anreise (www.map24.ch)
Anmeldung bis spätestens Freitag, den 16. März 2007!
an LKH Schweiz, Maja Brumm, Feldweg 21, 8134 Adliswil oder Fax 044 710 16 73
oder auf unserer Webseite unter folgender URL: http://www.lkh.ch/veranstaltung/rosengart.html
ANMELDUNG
Oeffentlichkeitsarbeit
Kay Ramon Sauter
in den Linden 25, 8153 Rümlang
Telefon 044 817 26 78
Fax
044 817 26 32
E-Mail: kay.sauter@lkh.ch
Programmablauf und Treffpunkt
Fax
E-Mail
SMS
Anzahl Leute
Interview mit
Daniel Hadorn
Ein ausgewiesener engagierter Fachmann
in der Gehörlosen- und Hörbehindertenthematik beantwortet aktuelle zeitkritische Fragen. Am Montag, 8. Januar 2007,
trafen sich Daniel Hadorn und Roger Ruggli im Bahnhof-Buffet in Luzern zu dem vereinbarten Interview-Termin.
Daniel Hadorn - eine aussergewöhnliche
Persönlichkeit. Unkompliziert und auf äusserst sympathische Art und Weise ging
Daniel Hadorn spontan, kompetent und mit
spürbarem Sach- und Fachverstand auf die
gestellten Fragen ein. Inmitten von zahlreichen Restaurantbesuchern entstand ein
interessanter Dialog, und die Zeit verging
wie im Flug.
Wenn das Referendum gegen die 5. IVGRevision zustande kommt, wo liegen aus
Ihrer Sicht die Chancen für die Anliegen
der Hörbehinderten?
Ich möchte betonen, dass die Stossrichtung der 5. IVG-Revision mit dem klaren
Fokus auf die „beruflichen Massnahmen“
im Ansatz richtig ist. Es ist höchste Zeit,
dass die Weichen neu gestellt werden: Mit
Früherfassung und Frühintervention sollen
Probleme am Arbeitsplatz rechtzeitig
erkannt, mit Integrationsmassnahmen die
Arbeitsmarktfähigkeit für schwächere
ArbeitnehmerInnen verbessert werden.
Meine ganz grosse Sorge bzw. Befürchtung
besteht aber darin, dass mit der 5. IVGRevision die Arbeitgeber zu gar nichts verpflichtet werden. Die gewählten gesetzlichen Formulierungen sind derart schwammig gewählt, wie zum Beispiel; „…der
Arbeitgeber wirkt…“ oder „im Rahmen des
Zumutbaren…“, dass ich einfach kein Vertrauen in die 5. IVG-Revision habe. Ohne
klare verbindliche Verpflichtungen der
Arbeitgeberseite wird sich hierzulande einfach nichts ändern und die angestrebten
Ziele können nicht erreicht werden. Die
benachteiligten Menschen werden mit der
5. IVG-Revision noch mehr auf der Strecke
bleiben.
Sind Sie ein Referendumsbefürworter oder
ein Referendumsgegner? Wieso?
Ich wäre sehr glücklich, wenn das Referendum zu Stande kommen würde. Geschieht
dies, so wären die behinderten Menschen
mit einem Schlag landesweit im Gespräch.
Die Politikerinnen und Politiker kämen dann
wohl nicht darum herum, sich im Abstimmungskampf seriöser mit der Sache auseinanderzusetzen.
Was müssten die Hörbehindertenverbände
tun, um den Anliegen der Hörbehinderten in
der Politik generell mehr Gewicht zukommen zu lassen?
Es braucht dringend eine verbesserte
Zusammenarbeit und ein eigentliches
Zusammenspannen unter den verschiedenen Hörbehindertenverbänden. Damit dies
aber erreicht werden kann, müssen wir
bereit sein, auch über unseren eigenen
Schatten zu springen. Gemäss einer Aussage des SGB-Präsidenten in visuell plus war
bei sonos, pro audito und beim SGB-FSS in
der Frage des Referendums zur 5. IVG-Revision keine gemeinsame Absprache möglich,
und schlussendlich sprach sich nur der SGBFSS für das Referendum aus. Falls dies
stimmt, finde ich es sehr schade. Diese Vorgehensweise zeugt nicht von Stärke und Einheit und ist mit Bestimmtheit hinderlich für
das Durchsetzen von Anliegen für die betroffenen Menschen.
Welche Anliegen der Hörbehinderten sind
aus Ihrer Sicht vordringlich zu behandeln?
Vorab müsste die schulische Ausbildung der
hörbehinderten Kinder markant verbessert
werden. Zudem muss mit Nachdruck daraufhin gewirkt werden, dass die Gebärdensprache als vollwertige Unterrichtssprache
während der obligatorischen Schulzeit eingeführt bzw. unterrichtet wird. Betrüblich ist
zudem, dass das schulische Niveau an den
Gehörlosenschulen auf einem sehr niedrigen Stand ist und hier dringender Handlungsbedarf angezeigt ist. Eine verbesserte
schulische Ausbildung bedeutet schlussendlich, dass bessere berufliche Chancen
bestehen. Sie ist somit Garantin für die
bessere soziale und berufliche Integration
in unserer Gesellschaft. Wichtig ist zudem,
dass wir die Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberverbände proaktiv mittels einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit auf unsere Anliegen und Forderungen aufmerksam machen
und wir uns für den wichtigen und unabdingbaren Informationsaustausch engagieren. Im Weiteren müssen wir unsere
Bemühungen verstärken, dass wichtige
Kader-Stellen insbesondere mit Führungsverantwortung verbundene Stellen von
Organisationen des Gehörlosenwesens,
aber auch z.B. von IV-Stellen, in Zukunft
vermehrt von gehörlosen oder hörbehinderten ArbeitnehmerInnen besetzt werden
können. Damit dieses ambitiöse Ziel überhaupt erreicht werden kann, müssen wir als
selbstverständliche Grundvoraussetzung
über eine gute Lautsprachkompetenz verfügen. Der Zugang zu beruflich anspruchsvoller Arbeit sollte allen gehörlosen und
hörbehinderten Menschen zur Verfügung
stehen.
Unter Hörbehinderten ist die Arbeitslosenrate mindestens doppelt so hoch wie unter
Hörenden. Was müsste aus Ihrer Sicht
getan werden, damit die Arbeitslosenquote unter den Hörbehinderten niedriger
wird?
Wie bereits erwähnt, müssten die Gehörlosen-Verbände die Arbeitgeberverbände
konsequent bearbeiten und sie gezielter
über die Bedürfnisse, Anliegen und Forderungen hörbehinderter ArbeitnehmerInnen
informieren.
Wegen der oftmals ungenügenden Ausbildung und den mangelhaften Sprachkompetenzen ist es für Gehörlose und Hörbehin-
17
wechselte ich an das Eidg. Versicherungsgericht, seit dem 1. Januar 2007 Bundesgericht, in Luzern als Gerichtsschreiber in der
1. Sozialversicherungsrechtlichen Abteilung.
Damit dieser schulische und berufliche
Werdegang möglich wird, braucht es sicher
eiserne Disziplin und einen ausgeprägten
Durchhaltewillen.
derte schwer mit den heute geltenden
beruflichen Anforderungen zu bestehen.
Deshalb muss dringend daraufhin gearbeitet werden, dass in genügender Zahl spezifische hörbehindertengerechte (Nischen-)
Arbeitsplätze durch die Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden.
Unsere LeserInnen interessieren sich
bestimmt für Ihre Biografie. Können Sie
ganz generell etwas sagen, wie Sie aufgewachsen sind und wie Ihre Lebenssituation heute aussieht?
sischen Abstimmungen regelmässig Vorträge zu den Abstimmungsvorlagen.
Ab und zu übernehme ich spontan ganz
verschiedene zeitlich begrenzte Aufträge.
Haben Sie einen Wunsch?
Mir persönlich wäre es wichtig, wenn
eine bessere Zusammenarbeit aller Hörbehinderten-Organisationen in der
Schweiz erreicht werden könnte.
Lieber Herr Hadorn, vielen herzlichen
Dank für das offene und interessante
Gespräch.
für die sonos Redaktion
Roger Ruggli
Sie haben als Gehörloser Jura studiert, das
Anwaltspatent erworben und Sie arbeiten
heute als Gerichtsschreiber am Bundesgericht in Luzern (vormals Eidg. Versicherungsgericht). Sie haben eine „steile Karriere“ gemacht. Welche Faktoren in Ihrem
Leben haben dies ermöglicht? Auf was
kommt es an, damit auch andere Hörbehinderte und Gehörlose beruflich so vorankommen wie Sie?
Ein wesentlicher Faktor ist sicher, dass ich
nicht als Geburtsgehörloser zur Welt kam.
Ich ertaubte an den Folgen einer Hirnhautentzündung im Alter von 5 1/2 Jahren. Bis
zu meiner Ertaubung konnte ich die Mundartsprache erwerben und verfügte zudem
über eine gute und richtige sprachliche
Artikulation. Dank meiner differenzierten
sprachlichen Ausdrucksweise wurde ich
von den anderen immer sehr gut verstanden. Während meiner Schulzeit an den
öffentlichen Schulen hatte ich das Glück,
dass ich meistens von einer verständnisvollen Lehrerschaft betreut wurde. Diese für
mich sehr wichtige und wertvolle Unterstützung fiel während meiner Studien an
der Universität gänzlich weg. In dieser Zeit
erfuhr ich in keiner Art und Weise eine
Unterstützung seitens der Uni. Ich war völlig auf mich selbst gestellt. Dies führte
dann auch dazu, dass ich während meines
ganzen Studiums nur zwei Mal an der Universität war, nämlich an der Zwischenprüfung und an der Schlussprüfung.
Meinen ersten Job hatte ich bei der Schweizerischen Ausgleichskasse in Genf, wo ich
fünf Jahre lang arbeitete. Anschliessend
Geboren: 1961
Zivilstand: verheiratet, keine Kinder
Ertaubung: im Alter von 5 1/2 Jahren an den
Folgen einer Hirnhautentzündung
Schulen: 4 Jahre Sprachheilschule in
Münchenbuchsee
Öffentliche Sekundarschule in Zollikofen
Gymnasium in Bern
Studium als Fürsprecher an der Universität
in Bern
Hobbies: Schachspielen (war 1988 Weltmeister im Gehörlosen-Schach)
Sie waren lange Zeit Vorstandsmitglied
beim SGB-FSS. Heute nicht mehr. Betätigen Sie sich heute immer noch politisch
und wenn ja, in welchem Gremium, und
was beschäftigt Sie in Ihrer aktuellen politischen Arbeit am meisten?
Als Gleichstellungsrats-Mitglied der Organisation AGILE überwache ich bzw. bin ich
dafür besorgt, dass das Behindertengleichstellungsgesetz im Sinne der Betroffenen
korrekt angewandt wird.
Im Weiteren halte ich - u.a auch auf Einladung einiger sonos angeschlossener
Gehörlosenfachstellen - vor den eidgenös-
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Zu vermieten an zentraler Lage in
Stäfa am Zürichsee heimelige 3-Zimmer-Altbauwohnung mit geräumigen Zimmern. Terrassen- und Gartenmitbenutzung nach Absprache.
Bezug nach Vereinbarung.
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Auskunft:
Frau Verena Hess verlangen
Telefon 044 926 57 81
Belgiens Gehörlose
und die Monarchie
Paul Egger
Belgien ist ein Königreich, das heisst aber
nicht, dass der gegenwärtige Monarch,
Albert II., allein regiert. Es handelt sich seit
1831 um eine Parlamentarische Monarchie
mit zwei Kammern, einer 150 Mitglieder
umfassenden Volkskammer und einem 71
Vertreter aufweisenden Senat. Drei Regionen, Flandern, Wallonien und die Hauptstadt Brüssel, unterstehen einer Verwaltung mit Parlamenten, ausserdem gibt es
noch je einen Rat der französisch- und
deutschsprachigen Gemeinschaft. Auch
das Gehörlosenwesen scheint ziemlich
kompliziert. Gegenwärtig erschüttert ein
Prozess das Vertrauen in die Monarchie.
Wir müssen auf das kleine Land im Norden
Europas nochmals zurückkommen. Belgien
ist ein junger Staat, kein Vergleich mit der
über sieben Jahrhunderte alten Eidgenossenschaft. Und Belgien ist keine Republik.
Des Königs Konterfei hängt in allen Amtsstuben, Wirtshäusern und Wartsälen, in
Büros und Boutiquen. Aber die Belgier
haben zum Königshaus ein gespaltenes
Verhältnis. Wegen des schwarzen Schafes
namens Laurent. Der 43jährige Prinz brachte den Palast gleich zu Beginn des Jahres
2007 ins Zittern, diesmal wegen einer
Unterschlagungsaffäre öffentlicher Gelder
durch die belgische Marine. 14 Offiziere
sowie einheimische Unternehmer sind
angeklagt, zwischen 1998 und 2000 unberechtigte zwei Millionen Euro eingestrichen
zu haben. 175’000 davon sollen der Villa
Clémentine, Residenz des Prinzen, zugute
gekommen sein. Sie wurde sozusagen auf
Staatskosten renoviert. Die Höhe gefälschter Rechnungen wird mit 400’000 Euro
beziffert! Das ist Wasser auf die Mühlen der
Opposition. Die flämischen Nationalisten
rufen lautstark nach einer Reform des
Königtums. Den Blaublütigen seien nur
noch Repräsentationspflichten zuzuweisen, und sie hätten sonst wie jedermann zu
arbeiten, wie das in Schweden und Norwegen der Fall sei, wo Prinzen und Prinzessinnen einem Verdienst nachgehen.
Brüssel: Das alte Königshaus an der Grand Place
aller europäischen Staaten die Neuordnung
Europas. Metternich trat für ein föderatives
Mitteleuropa unter der Führung Österreichs ein. Auch der Vertreter Grossbritanniens strebte ein Gleichgewicht der Mächte
an. Aus diesem Grunde lehnten sein Land
und Österreich die Forderung von Zar Alexander I. nach Annexion Polens durch Russland und Annexion Sachsens durch Preussen ab. Talleyrand, der Vertreter Frankreichs, wusste durch geschicktes Taktieren
das Beste für die Bourbonen herauszuschlagen.
Bewegte Geschichte
Geschichtlich unterscheiden die Historiker
fünf Perioden: Im 14. bis 16. Jahrhundert
die burgundische, von 1566 bis 1713 die
spanische, von 1719 bis 1794 die österreichische, von 1795 bis 1815 die französische und von 1815 bis 1830 die holländische Periode. Nach einem Aufstand in Brüssel gegen die Bevormundung durch die
Niederlande proklamiert 1830 das katholisch-liberale belgische Bürgertum die
Unabhängigkeit Belgiens. Jede der Herrschaften hinterliess Spuren, die sich bis auf
den heutigen Tag verfolgen lassen. Unter
Albert I. wurde Belgien 1908 durch die
Inbesitznahme Kongos (Kinshasa) Kolonialmacht, mit einem siebzigmal grösseren
Territorium als das Mutterland.
Wiener Kongress
Belgiens Monarchie geht auf den Wiener
Kongress von 1815 zurück. Nach dem Sturz
Napoleons berieten unter der Leitung von
Klemens Fürst von Metternich Vertreter
Mancherlei Auswirkungen
Der erwähnte Kongress hatte nebenbei
bemerkt auch Auswirkungen auf unser
Land, anerkannte er doch den schweizerischen Staatenbund aus 22 Kantonen und
garantierte seine Neutralität. Weniger
glücklich war der Entscheid, Belgien und
Holland zum Königreich der Vereinigten
Niederlande zusammenzuschliessen. Das
passte weder den Belgiern noch den
Holländern. 1830 kam es zur Revolution,
die Belgier siegten über die Holländer und
riefen die Unabhängigkeit aus. Leopold von
Sachsen-Koburg wurde 1831 ihr Herrscher.
Übrigens besteht eine Beziehung zwischen
der Monarchie und der Gehörlosengemeinschaft. Die einheimische Gehörlosenvereinigung LBS (Ligue Belge de la Surdité)
steht unter dem Patronat Ihrer Königlichen
Hoheit, der Prinzessin Mathilde. Es handelt
sich aber nicht um die offizielle Vereinigung, die FFSB (Fédération Francophone
des Sourds de Belgique) heisst; sie ist ihr
nur zugehörig. Wieso das so ist, konnte uns
niemand genau erklären, und auch auf die
Frage, ob es weitere Vereinigungen im belgischen Gehörlosenwesen gibt, blieb die
Antwort aus. Die drei Amtssprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch
machen die Dinge nicht einfacher. Der Zug
scheint auf verschiedenen Schienen zu laufen.
Gehörlose organisieren sich
Die Gründung der LBS geht auf das Jahr
1934 zurück. Damals war sie eher ein
Freundeskreis als ein Verein. 13 Jahre später werden im Provinzialinstitut für Taubstumme von Berchem Sankt Agathe die
ersten Sprachkurse organisiert, denen Professor Raymond Saussus vom genannten
Institut vorstand. Diese Kurse erfuhren in
19
Wiener Kongress.
Kupferstich von Jean Godefroy
der Folge eine Ausweitung in alle frankophonen Provinzen Belgiens. Die Schwerhörigen wurden miteinbezogen. Vor fünf
Jahren erfolgte die Aufnahme in die oben
erwähnte nationale Dachorganisation
FFSB. Im Jahr 2009 wird die Liga 75 Jahre
ihrer Existenz feiern.
Klare Ziele
Die LBS sieht sich als Verband von Gehörlosen und Schwerhörigen sowie von Fachleuten des Gehörlosenwesens mit dem Zweck,
zu informieren, zu sensibilisieren und Hilfe
zu leisten. Sie vermittelt Gehörlosen und
Schwerhörigen Kenntnisse, besser mit
ihrer Behinderung zurechtzukommen, sie
aus der Isolation zu lösen und die Eingliederung ins familiäre, soziale und berufliche
Netz zu erleichtern. Das Ablesen und der
Gebrauch der Gebärdensprache gehören zu
den wichtigsten Anliegen. Die Liga macht
ihre Mitglieder auch mit den technischen
Fortschritten vertraut und vertritt als
Sprachrohr ihre Interessen. Sie klärt die
Öffentlichkeit über die Natur der Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit auf und versucht, Frustration wie Missbehagen, welche zwischen Hörgeschädigten und Hörenden entstehen können, vorzubeugen. Um
die Verbindung untereinander aufrechtzuerhalten, erscheint vierteljährlich ein Bulletin, zudem sind monatlich Zusammenkünfte vorgesehen, und ein Sekretariat in Hoeilaart bietet Hilfe an im komplizierten Verkehr mit den amtlichen Stellen. Der Jahresbeitrag liegt bei 50 Euro.
Bildungsstätte Fontana Passugg
Neues Kursprogramm für Hörbehinderte
Mobbing am Arbeitsplatz
mit Institut für Psychologie
und Kommunikation ipk,
Zürich
Samstag, 10. März 2007
Kubanische Tänze - Merengue
mit Ibis Hernandez
Samstag, 31.März bis Sonntag, 1. April 2007
Orientalisch Kochen
mit Vera-Lynn Niklaus
Samstag, 14. bis Sonntag,
15.April 2007
Unter dem Motto „Kurse für alle Sinne“ ist das neue Kursprogramm 2007 der Bildungsstätte für Gehörlose, Schwerhörige und Ertaubte Fontana in Passugg erschienen. Dies ist
bereits das 10. Jahr eigener Bildungsangebote für Hörbehinderte und Gehörlose. Unzählige Kursideen mit innovativen, verständnisvollen Leiterinnen und Leitern wurden seither
ausprobiert, weiterentwickelt, wieder aufgegeben, durch Neues ersetzt. Dabei konnte Fontana Passugg auch seine besondere Stärke herausbilden: Kurse für Menschen mit unterschiedlichen Hörbehinderungen sowie für Hörende gemeinsam zu entwickeln, Brücken zu
bauen und diese einmalige Bereicherung erlebbar zu machen.
Ein bunter Strauss von Kursangeboten steht den Interessierten offen. Ganzheitliches Lernen wird möglich, denn es sind Kurse für alle Sinne dabei. Teamgeist prägt die Lernatmosphäre, sei es in der traditionellen Ferienwoche, in der Humor und Heiterkeit nicht zu kurz
kommen. Oder im Computerkurs für jung gebliebene Ältere oder erst recht im Gedächtnistraining. Im April lernen Sie lustvoll orientalisch zu kochen - Gaumenfreuden sind angesagt
- das Essen wird zu einem Fest für alle Sinne. In den Fotokursen können Sie Ihre Kreativität
entwickeln, sich bei kubanischem Tanz oder Trommeln entspannen und neue Lebensfreude
entdecken. Damit können Sie den Ansprüchen des Alltags wieder
mit mehr Lust und Leichtigkeit begegnen.
Bestellung und Informationen: Bildungsstätte für Gehörlose,
Schwerhörige und Ertaubte, 7062 Passugg-Araschgen,
Tel. 081 250 50 55, Fax 081 250 50 57, oder über die Homepage:
www.bildungsstaette.ch
Gisela Riegert, Bildungsbeauftragte
Brennpunkt Pflegefamilie
Alles zum Wohl des Kindes?
Nach der Geburt wurde das Kind von hörbehinderten Eltern bei einer evangelikalen
Pflegefamilie untergebracht. Für eine
Umplatzierung kämpften sie vergebens.
Text: Edith Lier, BEOBACHTER 24/2006
Der Entschluss, ihren dreijährigen Sohn
Martin zur Adoption freizugeben, wird den
Eltern Keller (Namen der Betroffenen geändert) ein Leben lang auf der Seele liegen.
«Nach dem zermürbenden Kampf mit
Ämtern und Gerichten sind wir psychisch
am Ende und sehen keine andere Möglichkeit», liessen sie die Vormundschaftsbehörde schriftlich wissen. Es hätte ihnen
das Herz gebrochen, Martin weiterhin nur
besuchsweise in der religiös ausgerichteten Pflegefamilie aufwachsen zu sehen,
ohne auf die Erziehung Einfluss nehmen zu
können. Beide Elternteile sind hörbehindert. Die heute 36-jährige Mutter
beherrscht die Gebärdensprache. Der drei Jahre jüngere Vater
artikuliert sich dank der Erziehung im Elternhaus ausserdem
brockenweise auf Hochdeutsch
und arbeitet als Informatiker
beim Bund.
Als die Eltern nach ihren Ferientagen den
Säugling nach Hause holen wollten, verweigerte das Spital die Rückgabe. Wenig
später wurde das Kind in eine sozialpädagogische Pflegefamilie im Kanton
Thurgau platziert - für Kellers ein Schock.
Die Reise von Winterthur in den Hinterthurgau war mit den öffentlichen Verkehrsmitteln umständlich. Zudem fühlte sich die
hörbehinderte Mutter von Anfang an von
den Pflegeeltern unverstanden. Diese wiederum warfen ihr eine abweisende Haltung
vor. So verzichtete die Mutter ganz auf die
Kontakte und überliess sie dem Vater.
Die Welt nicht mehr verstanden
Weil die Besuche immer auf einen Nachmittag unter der Woche festgelegt waren, musste der Vater bei seinem Arbeitgeber ein
Gesuch stellen - auf Kosten des Ferienguthabens. Seine Mutter begleitete ihn jeweils
und freute sich über die Entwicklung ihres
ihren Sohn selbstständig zu betreuen: «Hörbehinderte werden schnell einmal als geistig
zurückgeblieben eingestuft.» Dem hält die Vormundschaftsbehörde Winterthur entgegen,
oberstes Prinzip sei stets gewesen, «eine
Gefährdung des Kindeswohls auszuschliessen».
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Vermutung
von Grossmutter Keller allerdings nicht. Die
Pflegefamilie führt in ihrem therapeutischen
Konzept nämlich aus, es gehe in der «Elternarbeit» aufgrund des langzeitlichen Charakters
der Platzierungen «nicht primär um Rückführungsfragen». Deshalb seien maximal zwei
Besuche im Monat vorgesehen, «in der Regel
bis zum Erwachsenwerden».
Martin lebte schon zwei Jahre von Amts wegen
im Thurgau, als sein Vater im Internet zufällig
aufs Betriebskonzept der sozialpädagogischen
Pflegefamilie stiess: «Wir orientieren uns an
vielfältigen fachlichen Grundlagen und an dem
Evangelium von Jesus Christus»,
stand hier zu lesen. Tisch- und Abendgebete sowie Gottesdienst- und
Sonntagsschulbesuche gehören zur
Tagesordnung. Jetzt war für die Eltern
auch klar, warum Martin alle christlichen Festtage wie Weihnachten oder
Ostern nie bei ihnen zu Hause feiern
durfte.
Nach der Geburt ihres Sohnes
vor drei Jahren waren die jungen
Eltern doppelt glücklich: Martin
Der Vater fühlte sich hintergangen.
hatte keine Hörbehinderung.
«Man hat uns Eltern nicht über diese
Doch schon auf der Säuglings- Nur die Spielsachen blieben bei der Grossmutter. Am Ende gab Familie Keller
religiöse Ausrichtung informiert,
station kam es zwischen der (Name geändert) den Kampf um ihren Sohn auf.
geschweige denn dazu unsere MeiMutter und dem BetreuungsEnkels. Sie setzte sich immer wieder dafür
nung eingeholt», empört er sich. Er selber ist
team zu Verständigungsschwierigkeiten
ein, dass Martin wenigstens jedes zweite
konfessionslos, Martin nicht getauft. Im letzten
und Meinungsverschiedenheiten. InsbeWochenende zu Hause verbringen sollte,
Frühling gelangte er ans Zürcher Obergericht
sondere sorgten die Eltern für Irritation, als
und erklärte sich stets bereit, bei der
mit der Forderung, sein Sohn sei in eine andere,
sie sich kurzfristig für einige Tage zur ErhoBetreuung mitzuhelfen.
leichter erreichbare und jedenfalls religiös neulung abmeldeten und das Kind, eine Frühtrale Pflegefamilie zu verbringen und Trudi Epp
geburt, so lange im Spital in Pflege liessen.
Die Freude war gross, als Martin im Herbst
als Beiständin abzusetzen.
2005, mittlerweile zweijährig, sein erstes
Die Fachstelle für Kindesschutz und OpferWochenende zu den Eltern durfte. Umso
Was erst während der Gerichtsverhandlung ans
hilfeberatung informierte umgehend die
grösser war die Enttäuschung, als die BeiLicht kam, verbitterte die Eltern zusätzlich:
Vormundschaftsbehörde. Der Grund: Bei
ständin Trudi Epp weitere Besuche strich.
Ohne ihr Wissen verbrachte Martin jedes zweite
der täglichen Pflege des Säuglings im SpiSie berief sich auf einen ärztlichen Bericht,
Wochenende bei einer Familie im Zürcher Obertal habe sich gezeigt, dass die Mutter nicht
laut dem bei den Eltern höchstwahrscheinland, die der Evangelischen Brüdergemeinde
in der Lage sei, ihr Kind selbstständig zu
lich etwas passiert sei, «das Martin psyangehört. Und der Pflegevater wählte als exterbetreuen, und auch jegliche Hilfe ablehne.
chisch sehr stark belaste». Die Grossmutter
nen Fachberater und Supervisor ein Mitglied
Daraufhin wurde ihr die Obhut entzogen,
verstand die Welt nicht mehr. «Alles verlief
der Freien Evangelischen Gemeinde in Wetziund die Vormundschaftsbehörde Winharmonisch», erklärte sie. Man habe den
kon.
terthur ernannte eine Beiständin.
Eltern gar keine Chance geben wollen,
21
«Ein ausgesprochener Glücksfall»
Immerhin rügte das Zürcher Obergericht,
«eine staatliche Behörde, die Fremdplatzierungen in einer derart religiös geprägten
Familie vornehmen will, müsste wohl langfristig auf eine neutrale Supervision drängen». Es forderte «Sicherungsmöglichkeiten», die gewährleisten, dass sich die Pflegefamilie nicht die Kompetenzen der Eltern
anmasst und die religiöse Erziehung des
Kindes für sich beansprucht. Die Beiständin habe dafür zu sorgen, dass auch in der
Ersatzfamilie «keine unzulässigen religiösen Einflussnahmen stattfinden». Entsprechend sei ihr Pflichtenheft zu ergänzen.
Epp selber gab zu bedenken, für Martin
liessen sich kaum andere Unterbringungsmöglichkeiten finden. Die jetzige sei «ein
ausgesprochener Glücksfall», weil der Pflegevater die Gebärdensprache «einigermassen beherrsche» und sich so mit dem
Kindsvater unterhalten könne.
Der Gerichtsbeschluss ist nun hinfällig
geworden, das Argument der Gebärdensprache ohne Belang. Die Eltern Keller
waren des Kampfes endgültig müde. Sie
liessen nach der ersten Zustimmung zur
Adoption auch die Bedenkfrist verstreichen
und gaben alle Spielsachen ihres Sohnes
weg. Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber
für immer im Herzen.
Anmerkungen der sonos-Redaktion:
Belastende und erdrückende Lebenssituationen - ohne das langersehnte Licht am
Ende des Tunnels zu sehen - bekommt man
vielleicht ohne fremde Hilfe und Unterstützung nicht in den Griff.
Viele Organisationen, Institutionen und
Fachpersonen sind mit ihren Dienstleistungen für in Not geratene Menschen da, um zu
helfen.
Die sonos-Geschäftsstelle berät in Sorge
geratene Menschen gerne. Zögern Sie nicht
und melden Sie sich.
Absolute Diskretion ist garantiert.
sonos
Geschäftsführerin lic. iur. Léonie Kaiser
Telefon 044 421 40 15
Fax
044 421 40 12
E-Mail: lk@sonos-info.ch
Gehörloser als Pantomime engagiert
Schon 15 Mal den Josef gespielt
Weihnachten sind vorbei, für den gehörlosen Dieter Spörri bleiben sie auch im Alltag präsent. Im Züricher Mimenchor (ZMC)
der Gehörlosen spielt er regelmässig den
Josef, der für ihn ein Vorbild ist.
Text: Viviane Schwizer, Zürichsee-Zeitung
linkes Ufer, Freitag, 29. Dezember 2006
Für Dieter Spörri ist der biblische Josef
nicht irgendeine Figur. Er spielte ihn in diesem Jahr schon zum 15. Mal im so genannten Zürcher Mimenchor (ZMC). Die pantomimische auftretende Truppe von ausschliesslich gehörlosen Menschen setzt
sich zum Ziel, Menschen die ganze
Geschichte rund um Weihnachten zu
erzählen. Nicht nur die Herbergssuche und
die Krippenszene sind dabei wichtig, sondern auch der Kontakt mit den drei Königen
und die Flucht nach Ägypten. „Mimenchor“
heisst die Gruppe, weil Gehörlosenpfarrer
Eduard Kolb, der die pantomimische Gruppe im Jahr 1954 ins Leben rief, im Mimenchor das Pendant zum traditionellen Kirchenchor sah.
Über den wohl bekanntesten Zimmermann
philosophiert der hobbymässige Pantomime: „José ist ein verantwortungsbewusster
Schaffer gewesen. Er begriff diese himmlische Schwangerschaft nicht. Trotzdem
sorgte er für sein Verlobte, ging beherzt von
Tür zu Tür und fragte nach einer Herberge
für seine Partnerin.“ Entscheidungen, nicht
Emotionen, seien auch damals gefragt
gewesen. Josef drückte sich nicht davor. Er
habe die Verantwortung ohne Wenn und
Aber übernommen, sagt Dieter Spörri.
Darum sei Josef für ihn ein Vorbild.
Gebärden- und Lautsprache
Im zivilen Leben ist Dieter Spörri, ein
gelernter Uhrmacher, heute als Bankangestellter im Bereich IT-Support in einer
Grossbank tätig. Seit einer Mittelohrentzündung im Alter von zwei Jahren ist er
hochgradig schwerhörig. Er hört nur zu 15
Prozent. Mit zwei starken Hörgeräten ist es
ihm jedoch möglich, mit Hörenden die
gesprochene Sprache zu verstehen und
normal zu telefonieren. Er fühlt sich aber
nach wie vor der Randgruppe der Gehörlosen zugehörig. Mit seiner ebenfalls gehörlosen Lebenspartnerin, einer diplomierten
Gebärdensprachlehrerin, lebt er in Horgen/Käpfnach.
Mit seiner Behinderung hat der 47-jährige
Dieter Spörri umzugehen gelernt. Er kommuniziert als Gehörloser quasi in zwei
Sprachen. Dazu meint er: „Privat spreche
ich mit meiner gehörlosen Lebenspartnerin
in Gebärdensprache, beruflich aber in normaler Lautsprache.“
Fotokurs für Gehörlose
Dieter Spörri ist seit über 27 Jahren im
Mimenchor engagiert. Es fasziniert ihn, vor
Publikum auf der Bühne aufzutreten. Seine
Gestik und Mimik sind sehr ausgeprägt. Er
erzählt schmunzelnd, dass er im Mimenchor einmal den Herodes gespielt habe.
Aber da habe er sich zu sehr ins Zeug
gelegt. Die Leute hätten wegen seiner
wilden Gestik und den bedrohlichen Gebärden fast Angst gekriegt. Darum spiele er
nun wieder den Josef.
Im Übrigen freut sich der Horgner am Fotografieren. „Das Schauen ersetzt hörbehinderten Menschen teilweise das Hören“,
erklärt er. Er liebt die Fotoreportage und
gab auch Fotokurse für Gehörlose.
Dieter Spörri weiss, dass in Horgen rund
zehn gehörlose Menschen leben. Gerne
würde er aber auch mit hörenden Leuten an
seinem Wohnort kommunizieren. Er sagt:
„Es wäre schön, wenn die Bewohner aus
Horgen und Umgebung mit uns Gehörlosen
in Gebärdensprache kommunizieren würden. Denn die Gebärdensprache ist eine
Sprache des Herzens. Wenn dies gelänge,
würde Horgen lebendiger werden.“
CAB, Schweizerische Caritasaktion
der Blinden,der
Zürich
Schweizerische
Caritasaktion
Blinden, Zürich
Gottesdienst und Tag der Begegnung
für Menschen mit einer Hör- und Sehbehinderung
Gottesdienst Herzliche
undEinladung
Tagim der
Begegnung
Jahr 2007
Für Menschen mit einer Hör- und Sehbehinderung
Ort:
Gemeindehaus der Pfarrei „Peter und Paul“
Laurenzenvorstadt 80, 5000 Aarau
Herzliche Einladung im Jahr 2007
Im Jahr 2007 laden wir wieder an drei Sonntagen zu Begegnungen und einer Feier der Eucharistie in den
Räumen der Pfarrei „Peter und Paul“ in Aarau ein. Bitte merkt euch die Daten vor und ladet Freunde und
Bekannte dazu ein.
Im Gemeindehaus der Pfarrei „Peter und Paul“
29. April 2007Laurenzenvorstadt
/ Thema Frieden; 24. Juni 2007 / Thema
Mut;5000
11. Nov. 2007
/ Thema Barmherzigkeit
80,
Aarau
Programm:
aIm
b 09Jahr
:30 h 2007 laden
Eintreffwir
en wieder an drei Sonntagen zu Begegnungen
bis 10:00 h
gibt es Getränke (Kaffee, Tee, Saft, Wasser) und Gipfeli
und
einer
Feier
in den Räumen der Pfarrei „Peter
10:15 h
Gder
ottesEucharistie
dienst
1und
1:30 hPaul“ in Aarau
Pauseein.
12:15 h
Mittagessen und Mittagspause
13:45 h
Gemeinschaft und Austausch
Bitte
merkt
euch
die Daten vor und ladet Freunde und Bekannte
14:40 h
Fortsetzung bei Kaffee/Tee und Kuchen
1dazu
5:20 h ein.
Schlusssegen
Alle Gäste sollten ihre Züge für die Rückreise rechtzeitig erreichen.
Daten:
Sonntag
Thema Begleitung:
Wer Hilfe bei der Suche für eine Begleitung braucht oder den Fahrplan wissen möchte, meldet sich bitte bei
der Adresse am Schluss dieser Einladung.
29. April 2007
Frieden
Das Gemeindehaus
24.
Juni 2007der Pfarrei „Peter
Mutund Paul“ befindet sich auf dem Weg vom Bahnhof, vorbei an der Post
durch die Poststrasse, und vorbei an der Kirche „Peter und Paul“ rechts. Für den Fussweg vom Bahnhof
benötigt man etwa 7 Minuten.
11. Nov. 2007
Barmherzigkeit
Die Mitarbeiter freuen sich auf Ihr Kommen.
Gestaltet werden die Gottesdienste von
Programm
Christoph Albrecht, Priester
Elisabeth Gimpert und Johannes Heinrich Koller, Taubblindenarbeiter CAB
ab 09:30 h Eintreffen
Mit Küchenchefin, Helferinnen und Helfer
bis 10:00 h
gibt es Getränke (Kaffe, Tee, Saft, Wasser) und
Höranlage und Gebärdensprache:
Für den Gottesdienst Gipfeli
kommt nicht nur eine gute Höranlage zum Einsatz, wir werden auch wieder eine GebärdenDolmetscherin engagieren.
10:15 h
Gottesdienst
11:30 h
Pause
Anmeldung:
Für die Planung
sindMittagessen
wir dankbar, wennund
Sie sich
anmelden bis zum Mittwoch
vor dem Termin am Sonntag.
12:15
h
Mittagspause
– anschliessend,
Name, Vorname und Ort reichen aus. Sie können dies schriftlich tun, mit dem Telefon, Fax oder per E-Mail.
13:45 h
Gemeinschaft und Austausch
Caritasaktionund
der Blinden
CAB, Schweiz.
14:40 h
Fortsetzung
bei Kaffe/Tee
Kuchen
Schrennengasse 26, 8003 Zürich
15:20 h
Schlusssegen
Ressort Taubblinde, Johannes Heinrich Koller
Alle Gäste sollten ihre
Tel 044 466 50 68
Fax 044 462 13 04
ZügeE-Mail
für j.koller@cab-org.ch
die Rückreise
rechtzeitig erreichen.
C:\Dokumente und Einstellungen\All Users\Dokumente\sonos febr07\TBGD Einladung 2007.doc
23
Rubrik: Porträt
Blinder Hotelfachmann
Für Jean Baldo war es ein Sprung ins kalte
Wasser, als er vor neun Jahren ins Engadin
fuhr, um sich im Hotel Waldhaus in Sils für
ein Praktikum vorzustellen. Die Reise hat
sich gelohnt, denn heute ist Baldo im Fünfsternhotel fest angestellt. In der Sommerund der Wintersaison arbeitet er als
Receptionist an der Loge; in den Zwischensaisons ist er im Restaurant Blinde
Kuh in Zürich im Service beschäftigt. All
das ist keine Selbstverständlichkeit, denn
der 31-jährige Ostschweizer ist blind. Er
hat als erster Blinder die Zürcher Hotelfachschule absolviert.
Aus NZZ vom 6. Dezember 2006
„Ich kam acht Wochen zu früh zur Welt,
wurde nach der Geburt mit Sauerstoff versorgt, und eine zu hohe Sauerstoffzufuhr
führte zur Erblindung“, sagt er. Die Eltern
seien einige Monate später mit der Diagnose konfrontiert worden, als ihnen aufgefallen war, dass mit ihrem Kind etwas nicht
stimmte. Die Mutter meldete sich beim
behandelnden Arzt und redete ihm ins
Gewissen – rechtliche Konsequenzen hatte
der Fall jedoch nicht. Jean Baldo hat nach
seinen eigenen Worten gelernt, mit der
Behinderung zu leben. „Ich bin damit aufgewachsen und gebe mir Mühe, das Beste
daraus zu machen.“ Dazu lässt er nichts
unversucht. Er besuchte eine Primar- und
Sekundarschule für Blinde, schloss eine
Handelsschule und eine kaufmännische
Ausbildung ab, bildete sich zum Telefonisten weiter und wurde schliesslich als
Praktikant im „Waldhaus“ in Sils angestellt. An das Vorstellungsgespräch kann er
sich lebhaft erinnern. Während es ihm
keine Mühe bereitete, den Direktor und
dessen Familie von sich zu überzeugen, war
es ein hartes Stück Arbeit, die Unterstützung des damaligen Concierge zu gewinnen. Dieser war bereits dreissig Jahre lang
im Betrieb tätig und brachte dem blinden
Bewerber gewisse Vorbehalte entgegen.
Erst als der Concierge gesehen habe, wie
der Neue arbeitete und mit den Gästen
umging, sei das Eis geschmolzen, erzählt
Baldo.
An der Hotellerie fasziniert ihn der Umgang
mit den Gästen, die Möglichkeit, diese zu
verwöhnen und ein Klima des Vertrauens
zu schaffen. In einem Fünfsternhotel haben
die Gäste gewisse Erwartungen, die er auch
als Blinder erfüllen muss. „Das kostet mich
manchmal mehr Energie als einen Sehenden“, räumt er ein. „Wenn ich ihre
Ansprüche erfüllen kann, sind die meisten
Gäste dafür umso dankbarer.“ Ist er in der
Zwischensaison in der „Blinden Kuh“,
einem komplett verdunkelten Lokal, als
Kellner tätig, fühlt er sich ein bisschen wie
in einer anderen Welt: Im Hotel musste er
sich am Anfang beweisen, bis seine Leistungen von den Gästen anerkannt wurden.
In der „Blinden Kuh“ dagegen seien es nun
die Gäste, die sich anstrengen müssten.
„Weil sie im Dunkeln sitzen und nichts
sehen, bin für einmal ich in der Rolle des
Helfenden.“ Dieser Rollentausch sei für ihn
eine willkommene Abwechslung.
Jean Baldo hadert nicht mit seinem Schicksal, sondern denkt optimistisch an die
Zukunft. „Immer dann, wenn Routine aufkommt, ist es für mich Zeit, etwas Neues zu
lernen.“ Demnächst schliesst er einen Kurs
als diplomierter Erwachsenenbildner ab,
und über Weihnachten und Neujahr reist er
zurück ins Hotel Waldhaus im Engadin. In
der Freizeit fährt er Ski in Begleitung eines
Privatskilehrers, im Sommer wandert er
gerne mit Kollegen oder fährt Tandem.
Musikhören gehört ebenfalls zu seinen
Hobbies, genauso wie Lesen, gutes Essen
und Kinobesuche. Ein Blinder geht ins
Kino? Für Baldo keine Frage. „Ich mag gute
Spielfilme; am liebsten solche, deren
Geschichte von Dialogen und Geräuschen
lebt.“ Aber auch der neuste „James Bond“Film wäre für ihn kein Problem. Lautlose
Sequenzen oder Actionszenen, die ausschliesslich mit Musik unterlegt sind, lässt
er sich von seiner Begleitung beschreiben.
Liebe Leserin und lieber Leser
Es ist uns absolut bewusst, dass der
obstehende Bericht über die Karriere von
Jean Baldo in keiner Weise darüber hinwegtäuschen vermag, dass es heute
immer noch vor allem viele Behinderte unter ihnen zweifelsohne auch manch
Hörbehinderte - gibt, die ihr Leben lang
immer wieder mit Diskriminierung und
Misserfolg etc. konfrontiert sind. sonos
will gerade auch solchen Menschen eine
Stimme geben bzw. über solche Menschen schreiben und auf Missstände aufmerksam machen. Vielleicht kennen Sie
eine/n Hörbehinderte/n, den „sonos“
unter der neuen Rubrik „Porträt“ vorstellen könnte.
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme
bzw. Ihr Feedback unter E-Mail:
info@sonos-info.ch
respektive Tel. 044 421 40 10
Gehörloser Lokalpolitiker in der
Westschweiz
Pierre Auger-Micou ist seit Geburt gehörlos. Er wohnt in Mathod, einer kleinen
Gemeinde im Kanton Waadt. Er ist mit
einer ertaubten Frau verheiratet und Vater
von zwei hörenden Kindern im Alter von 13
und 11 Jahren.
Aus 24 heures Région Nord Vaudois vom
10. Oktober 2006 [Übersetzung lk]
Im Sommer 2006 wurde er in Mathod in
den Gemeinderat gewählt. Damit ist er –
leider – eine löbliche Ausnahme: Denn
noch immer sind Menschen mit Behinderung in politischen Ämtern, gemessen an
ihrem Anteil an der Bevölkerung, krass
untervertreten. Zur Erinnerung: Im Eidgenössischen Parlament mit seinen 246
Sitzen findet sich zurzeit genau ein (sichtbar) behinderter Abgeordneter.
Pierre Auger-Micou lebt seit dem Jahr 2000
in Mathod. Die Teilhabe als Gehörloser im
Gemeinderat ist gerade in Mathod eigentlich eine logische Konsequenz, denn auf
die rund fünfhundert Einwohner und Einwohnerinnen von Mathod fallen genau drei
Gehörlose.
Erst vor recht kurzer Zeit hat der zweiundvierzigjährige Familienvater Pierre AugerMicou, der in seiner Freizeit begeistert Rad
fährt, seine Lust, sich für Belange der Allgemeinheit und des Gemeinwohls zu engagieren, entdeckt. Er sei sich klar darüber
geworden, wie wichtig die aktive politische
Auseinandersetzung für behinderte Menschen sei. Wenn man sich vergegenwärtige,
dass Hörende ständig eingetaucht würden
in ein Vollbad von Informationen, sei es einfach zu verstehen, dass dies auf Gehörlose
eben ganz und gar nicht zutreffe. Pierre
Auger-Micou gibt gleich ein Beispiel ab,
indem er darauf hinweist, dass nur gerade
6 % der Fernsehsendungen untertitelt würden. Auch müsse man wissen, dass das
Lesen von Zeitungen für gehörlose Menschen recht schwierig sei, denn die
geschriebene Sprache stelle für gehörlose
Menschen eine Fremdsprache dar, und die
Texte in den Zeitungen seien oftmals recht
kompliziert. Die wahre Muttersprache von
Gehörlosen sei die Gebärdensprache. Um
den Ausführungen im Gemeinderat, dem er
angehört, folgen zu können, benötigt Pierre Auger-Micou eine Gebärdendolmetscherin, welche ab 2007 von der Gemeinde
berappt werden soll. Die Dolmetscherin,
Nathalie Trolliet, steht während der ganzen
Ratsdebatte neben der Vorsitzenden des
Gemeinderates und übersetzt alle Voten
und die Diskussion, die manchmal
annähernd zwei Stunden dauern, vollständig. Pierre Auger-Micout erklärt: „Die Dolmetscherin verfolgt die Debatte sehr genau
und übersetzt alles präzise. Auch macht sie
mir Angaben zum Klima und zur Umgebung. Wenn jemand eine humorvolle
Bemerkung macht, Zorn oder Frustration
zum Ausdruck bringt in seinem Votum,
lässt Nathalie Trolliet mich dies wissen.
Dies ist Bestandteil ihrer Berufspflicht, wie
auch ihrer Vertraulichkeit und Neutralität,
die sie einhalten muss.“ Umgekehrt übersetzt die Dolmetscherin die Wortmeldungen von Pierre Auger-Micou dem Plenum.
und wirklich schätzen würde er SP-Nationalrätin Pascale Bruderer. Die Aargauer
Nationalrätin habe selbst Angehörige, die
gehörlos seien und setze sich stark für die
Belange Hörbehinderter ein. „Aber kein
Hörbehinderter ist Mitglied der vereinigten
Bundesversammlung“, bemängelt Pierre
Auger-Micou. So wünscht er sich denn auch
stark, dass sich gerade hörbehinderte
Menschen vermehrt in der Politik engagieren. Am Schluss meint er: „Mein Traum ist,
dass ein Hörbehinderter Regierungs- oder
Bundesrat wird, denn nach meinem Wissen
hat es das in der Schweiz bisher noch nie
gegeben!“
Wie hat der politisch aktive Neuling seinen
ersten Einsatz erlebt? „Ich habe den Abend
sehr interessant gefunden“, legt Pierre
Auger-Micou dar. In seinem tiefsten Innern
habe er sich indes schon ein bisschen unsicher gefühlt. Dies sei wohl in einer solchen
Situation normal. Beim zweiten Mal in seiner neuen Funktion als Parlamentarier in
Mathod habe er sich dann schon viel besser gefühlt.
In kleinen Dörfern wie der 500 Seelengemeinde Mathod hat es im Allgemeinen
keine politischen Parteien. Dies bildet
indes überhaupt kein Hindernis, dass auch
dort Gemeinderäte ganz moderne und
„farbige“ Ideen haben. Pierre Auger-Micou
fühlt sich der Linken bzw. den Sozialisten
näher als der Rechten, gesteht er ein. Denn
die Linke setze sich stärker als die Rechte
für die Gleichbehandlung von AusländerInnen wie auch von Behinderten ein. Ohne
Umschweife erklärt er sodann, dass er
effektiv keinerlei Sympathie für Christoph
Blocher und Pascal Couchepin empfinde.
Gibt es für den gehörlosen Lokalpolitiker
Modelle oder politische Persönlichkeiten,
die ihn inspirieren? Er finde den Standpunkt von Pierre-Yves Maillard interessant
25
Kirchliche Veranstaltungen
Katholische Gehörlosengemeinden
REGION AARGAU
Kath. Gehörlosenseelsorge
im Kt. Aargau
Schönaustr. 21, Kanti Foyer, 5400 Baden
Peter Schmitz- Hübsch
Gehörlosenseelsorger
Gian Reto Janki
Gehörlosen-Jugendarbeiter
Tel.
056 222 30 86
Fax
056 222 30 57
E-Mail kath.gl-seelsorge.aa@bluewin.ch
www.ag.kath.ch
Oekumenische Gehörlosen-Jugendarbeit
Zürich und Aargau
Gian-Reto Janki, Jugendarbeiter, gehörlos,
Auf der Mauer 13, 8001 Zürich
Telescrit 044 252 51 56
Fax
044 252 51 55
E-Mail jugend.gehoerlos@kirchen.ch
Sonntag, 11. Februar 07, 14.15 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst
Kirche Herz Jesu, Lenzburg
Region Zürich
Katholische Gehörlosenseelsorge Zürich
Beckenhofstrasse 16, 8006 Zürich
Briefadresse: PF 407, 8035 Zürich
Telescrit 044 360 51 53
Telefon 044 360 51 51
Fax
044 360 51 52
info@gehoerlosenseelsorgezh.ch
Mail
www.gehoerlosenseelsorgezh.ch
Sonntag, 4. Februar 2007, 10.30 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst
Gehörlosendorf Turbenthal
mit gem. Mittagessen
Herzliche Einladung
Sonntag, 25.Februar 2007, 14.30 Uhr
Gottesdienst
Ref. Stadtkirche Winterthur
mit Imbiss
Herzliche Einladung
REGION BASEL
Katholische Hörbehindertenseelsorge KHS
Basel, Häslirain 31, 447 Aesch BL
Telefon 061 751 35 00
Fax
061 751 35 02
E-Mail khs.rk@bl uewin.ch
Kein Gottesdienst im Februar 2007.
Samstag, 10. März 2007, 17.00 Uhr
im Pfarreizentrum Riehen; Vorbereitung auf
die Osterzeit. Wir halten eine Bussfeier und
sitzen bei Mehlsuppe zusammen.
Sonntag, 3. März 2007, 12.00 Uhr
Weltgebetstag in Zürich-Oerlikon
Gehörlosenkirche
mit Suppenzmittag
GEHÖRLOSENGEMEINDEN
KANTON SOLOTHURN
H. Beglinger, Socinstrasse 13, 4051 Basel
Fax
061 261 05 48
E-Mail heinrich.beglinger@erk-bs.ch
Sr. Martina Lorenz, Rigistrasse 7,
6010 Kriens Fax 041 319 40 31
Sonntag, 11. März 2007, 14.30 Uhr
Gottesdienstfeier im Bullingerhaus Aarau,
Jurastrasse 13
Sonntag, 11. Februar 2007, 10.00 Uhr
Gottesdienst zum neuen Jahr im Gemeindehaus der Pauluskirche in Olten, Calvinstube, mit Heinrich Beglinger. Anschliessend
Zusammensein beim Kaffee.
Sonntag, 25. Februar, 10.00 Uhr
Gottesdienst im Gemeindehaus der Zwinglikirche, Berchtold Haller-Stube, Grenchen,
mit Schwester Martina Lorenz. Anschliessend Kaffee und Zusammensein.
REGION ST.GALLEN
Katholische Gehörlosenseelsorge
des Bistums St.Gallen
Klosterhof 6b
9001 St.Gallen
Dorothee Buschor Brunner
Gehörlosenseelsorgerin
Tel
071 227 34 61
Fax
071 227 33 41
E-Mail
gehoerlosenseelsorge@bistum-stgallen.ch
Sonntag, 4. Februar 2007, 9.30 Uhr
Schutzengelkapelle, anschliessend Kaffee
im Klosterhof
Sonntag, 25. Februar 2007, 9.30 Uhr
Schutzengelkapelle, anschliessend Kaffee
im Klosterhof
Evangelische Gehörlosengemeinden
REGION AARGAU
Reformierte Gehörlosenseelsorge
im Kanton Aargau
Pfrn. Annegret Behr
Spalenvorstadt 18, 4051 Basel
Telefon 061 262 28 02
Fax
061 262 28 02
E-Mail anna.behr@graviton.ch
www.ref-ag.ch
Sonntag, 11. Februar 2007, 14.15 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst
in Lenzburg, Kath. Kirche Herz Jesu
REGION ZüRICH
Kant. Pfarramt für Gehörlose Zürich,
Oerlikonerstr. 98, 8057 Zürich
Ref. Gehörlosengemeinde des
Kantons Zürich
Fax
044 311 90 89
E-Mail gehoerlosenpfarramt.zh@ref.ch
Sonntag, 04. Februar 07, 10.30 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst im Gehörlosendorf in Turbenthal mit anschliessendem
Mittagessen, mit Anmeldung
EVANG. GEHÖERLOSENGEMEINDE
St.Gallen - Appenzell - Glarus Thurgau - Graubünden - Schaffhausen
Pfarrer Achim Menges, oberer Graben 31,
9000 St.Gallen
Telefon 071 227 05 70
Fax
071 227 05 79
Telescrit 071 227 05 78
E-Mail
gehoerlosenseelsorge@ref-sg.ch
www.gehoerlosenseelsorge.ch
Sonntag, 4. Februar 2007, 14.30 Uhr
Gottesdienst im Gehörlosenzentrum
St. Gallen, Burggraben 26
anschliessend Imbiss
A. Menges
Sonntag, 11. Februar 2007, 14.30 Uhr
Gottesdienst im Altersheim Risi in Wattwil
anschliessend Imbiss
A. Menges
Dienstag, 13. Februar 2007, 16.00 Uhr
Gottesdienst im Haus Vorderdorf in Trogen
A. Menges
Sonntag, 18. Februar 2007, 14.30 Uhr
Gottesdienst im Kirchgemeindehaus Ochsenschür, anschliessend Hotel Kronenhof
A. Menges
Dienstag, 27. Februar 2007, 16.00 Uhr
Gottesdienst im Haus Vorderdorf, Trogen
J. Manser
Sonntag, 4. März 2007, 14.15 Uhr
Gottesdienst in der Regulakirche in Chur
anschliessend Hotel Stern
A. Menges
Freitag, 9. März 2007, 8.30 und 9.00 Uhr
Jugendgottesdienst für die Sprachheilschule in der Evangelischen Kirche Rotmonten,
St. Gallen
A. Menges
Sonntag, 11. März 2007, 10.00 Uhr
Gottesdienst für Gehörlose und Hörende
in der Kirche St. Laurenzen in St. Gallen
A. Menges und H. Felix
Dienstag, 13. März 2007, 16.00 Uhr
Gottesdienst im Haus Vorderdorf in Trogen
A. Menges
Sonntag, 11. Februar 2007, 17.00 Uhr
Bern, Treff G 33, Gutenbergstrasse 33
Diakon Andreas Fankhauser
Sonntag, 18. Februar 2007, 14.00 Uhr
mit Abendmahl
Burgdorf, Kirchgemeindehaus
Pfarrerin Franziska Bracher
Mittwoch, 28. Februar 2007, 15.00 Uhr
mit Abendmahl
Bärau, Kirchli
Pfarrerin Franziska Bracher
Sonntag, 25. März 2007, 14.30 Uhr
Gottesdienst in der Evang. Kirche in Wil mit
der Tanzgruppe Berg
A. Menges
Freitag, 2. März 2007, 18.00 Uhr
Gottesdienst zum Weltgebetstag
Bern, Münster
Pfarrerin Susanne Bieler und Vorbereitungsteam
Dienstag, 27. März 2007, 16.00 Uhr
Gottesdienst im Haus Vorderdorf in Trogen
J. Manser
Montag, 5. März 2007, 20.00 Uhr
Stiftung Uetendorfberg
Pfarrerin Susanne Bieler
REFORMIERTE GEHÖRLOSENGEMEINDEN BASEL - BASELLAND
Dienstag, 6. März 2007, 14.30 Uhr
Belp, Wohnheim
Pfarrerin Susanne Bieler
Auskünfte:
H. Beglinger, Socinstrasse 13, 4051 Basel
Fax
061 261 05 48
E-Mail heinrich.beglinger@erk-bs.ch
Sonntag, 25. Februar, 14.30 Uhr
Gottesdienst im Spittlerhaus,
Sosinstrasse 13.
Anschliessend Zusammensein beim Kaffee
und einem weiteren Programm.
Sonntag, 11. März 2007, 14.00 Uhr
Interlaken, Schlosskapelle
Diakon Andreas Fankhauser
Sonntag, 25. März 2007, 10.00 Uhr
Bern, Antonierkirche
Gemeinsamer Gottesdient mit
Lutheraner
Pfarrerin Susanne Bieler
den
Sonntag, 4. Februar, 14.30 Uhr
Gottesdienst der Baselbieter Gemeinde im
Kirchgemeindehaus Martinshof, Rosengasse 1 in Liestal.
REGION BERN, JURA
Reformierte Kirchen Bern- Jura
Ref.-Kirchen Bern-Jura-Solothurn
Bereich Sozial-Diakonie
Schwarztorstrasse 20
Postfach 5461
3001 Bern
Tel.
031 385 17 17
E-Mail isabelle.strauss@refbejuso.ch
www.refbejuso.ch
Montag, 5. Februar 2007, 20.00 Uhr
Stiftung Uetendorfberg
Diakon Andreas Fankhauser
Dienstag, 6. Februar 2007, 14.30 Uhr
Belp, Wohnheim
Diakon Andreas Fankhauser
27
Wieder alle 4 CDs erhältlich
Hans A. Traber’s
Meistersinger aus Wald und Feld
Auf vier CDs bringt uns der wohl bekannteste Schweizer
Biologe Vogelstimmen näher. Ein wunderbares Dokument
von historischem Wert! Preis pro CD: CHF 28.Zusätzlich erhalten Sie den prächtigen Vogelführer «Vögel
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F r . 9 0 . – *)
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mit Rechnung durch Behindertenwerk St. Jakob
• Mit Einverständnis von IV, AHV, SUVA, SGB und
«pro audito schweiz»
Noch günstiger: 6er-Pack Fr. 8.50
über: www.vitalenergie.ch
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❏ V 675 (Blau) ❏ 30 Batterien Fr. 59.–
❏ V 312 (Braun) ❏ 60 Batterien Fr. 90.–
❏ V 13 (Orange) ❏ IV-Formular
❏ V 10 (Gelb)
Hochleistungsbatterien für CochleaImplantate, Typ CI 675 PR 44:
❏ 180 Batterien Fr. 260.–
❏ 360 Batterien Fr. 485.–*)
*) entspricht
IV-Jahrespauschale
Zusätzliche Produkte (nur zusammen
mit Batterien erhältlich)
❏ 12 Pflege-Sprudeltabletten Fr. 10.–
❏ 1 Hörgerätebatterietester Fr. 10.–
SONOS 2007
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Vital Energie AG, Stampfenbachstrasse 142, Postfach 325, 8035 Zürich
Tel. 044 363 12 21, Fax 044 362 66 60, info@vitalenergie.ch, www.vitalenergie.ch
Zeitschrift sonos, 90 x 128 mm
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Fr. 700.2./4. Umschlagseite Fr. 800.1/2 - hoch
Fr. 400.260 x 90 mm
1/2 - quer
Fr. 400.128 x 180 mm
1/4 - hoch
Fr. 260.128 x 90 mm
1/4 - quer
Fr. 260.60 x 180 mm
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Fr. 150.60 x 90 mm
1/8 - quer
Fr. 150.28 x 180 mm
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