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Adel_Allgemeines und Nachbarregionen_Skandinavien.pdf

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3. Skandinavien: Die Herausbildung eines Adels war in Skandinavien, wie überhaupt bei den
Germanen, das Ergebnis sozialer Differenzierungsprozesse innerhalb der sich staatlich
organisierenden Gemeinschaften. Diese waren in der Wikingerzeit geschichtet, Adlige oder
Häuptlinge waren Anführer auf Plünderungs- und Kriegszügen. Vermutlich hatten die
Häuptlinge, ähnlich den aus der Landnahmezeit auf Island bekannten Goden, gleichzeitig
priesterliche Aufgaben in der vorchristlichen Religion. Eine rechtliche Abgrenzung des Adels
von der übrigen freien Bevölkerung war, abgesehen von seiner kriegerischen Tätigkeit, während
der Wikingerzeit unbekannt.
Die Stellung dieser Oberschicht hat sich mit der Herausbildung des Königtums und der
Konsolidierung einer Staatsorganisation (etwa 1000 - 1300) verändert: Der mittelalterliche Adel
entwickelte sich zu einem Rechtsstand. Gleichzeitig wandelte sich auch die wirtschaftliche
Stellung des Adels bzw. der Oberschicht der Häuptlinge, aus Anführern von Plünderungszügen
wurden Großgrundbesitzer. Privilegien grenzten den Adel von der großen Masse der
Bauernbevölkerung ab; entscheidend für die mittelalterliche Definition des Adels war sein
Verhältnis zur Königsmacht. Für Dienste, vor allem für Kriegsdienst, wurden die Adligen von
Steuern und anderen →Abgaben← befreit. Dieser Sachverhalt wurde für Schweden spätestens
durch König Magnus Birgersson Ladulås und das Statut von Alsnö (→Adelsö←) um 1280
festgelegt. Die gewöhnliche Bezeichnung für den Adel war im mittelalterlichen Skandinavien
frälse, d.h. 'befreit' (von königlichen oder staatlichen Steuern).
Der skandinavische Adel hatte unterschiedliche Wurzeln und war deshalb keine homogene
Schicht. Stormänner und Häuptlinge hatten eigene Gefolgschaften und unternahmen bis in das
12. oder 13. Jahrhundert in allen drei skandinavischen Königreichen auf eigene Rechnung
Kriegs- und Plünderungszüge. Diese Gefolgschaften wurden allmählich in die königliche
Ledung (leiđangr) eingegliedert; die Gruppe der Stormänner büßte durch ihr Verhältnis zur
Königsmacht ihre unabhängige Stellung ein, erhielt aber dafür bestimmte Vorrechte. Andere
Gruppen, die zum Adel aufsteigen konnten, waren die ministeriales, Königsbedienstete und
Angehörige der königlichen Gefolgschaften, v.a. aber vermögende Bauern, die Kriegsdienst zu
Pferd leisteten und dafür Adelsbriefe erhielten (→Heeresorganisation←).
THOMAS LINDKVIST
Lit.: ST. BOLIN, Ledung och frälse, Lund 1934; A. E. CHRISTENSEN, Kongemakt og aristokrati,
Kopenhagen 1945; J. ROSÉN, Kring Alsnö stadga, in: Festskrift till Gottfrid Carlsson, Lund 1952;
C. G. ANDRÆ, Kyrka och frälse i Sverige under äldre medeltid, Uppsala 1960.
URL: http://www.uni-leipzig.de/gwzo/wissensdatenbank/artikel.php?ArtikelID=24.1200
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Seele and Geist
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