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0 Vorgeschichte: Wie es dazu kam 1 Einleitung: Denkanstösse

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Bücherkaffee: Autoren, Überblicke und Rezensionen
Sehr persönliche Betrachtungen
0 Vorgeschichte: Wie es dazu kam
1 Einleitung: Denkanstösse
1.1 Die grundlegende Frage, Vorgehensweise
Wann ist ein Buch lesenswert?
Wie finde ich heraus, ob mir ein Buch gefallen könnte, bevor ich es gelesen habe? In der Frühzeit
meiner Bibliotheksbenutzung, etwa anno 1960, schaffte ich dies locker anhand der
Autorinnen und Autoren sowie der Titel.
Heute scheint mir das wesentlich schwieriger zu sein. Deshalb feile ich laufend an meinen
entsprechenden Fähigkeiten. Ich möchte heute mit Ihnen über allgemeine Erwägungen,
Autorinnen und Autoren und Bücher sprechen.
Ihre Meinung und ihre sachliche Kritik interessiert mich sehr. Deshalb werde ich Raum für kurze
Diskussionen schaffen und hoffe sehr, dass Sie sich trauen, Ihre Ansichten darzulegen.
Es soll einmal ein Mann wegen seelischer Grausamkeit geschieden worden sein, weil er seiner
Frau immer auf Seite 13 notierte, wer der Mörder war. Diesen Fehler möchte ich nicht
machen. Deshalb habe ich mir Mühe gegeben, bei der Besprechung der Bücher die Katze
nicht aus dem Sack zu lassen, sondern Ihnen nur ein Ohr oder eine Pfote zu zeigen.
1.2 Persönliche Wünsche an ein Buch
Wann kann man ein Buch mit Genuss lesen? Gibt es dafür auch andere Kriterien, als das
behandelte Thema? In der Diskussion interessiert mich dann Ihre Meinung zu diesem
Thema brennend.
1.3 Wie die Handlung dargestellt wird, Form und Sprache
Da ich lebhafte Erzählungen liebe, versuche ich, aufgrund der Darstellung oder Form des Textes
darauf zu schliessen. Viel direkte Rede ( „aaa“ ) lässt schon mal hoffen. Wenn sie
weitgehend fehlt, wird es schwieriger: Dann müssen die Formulierungen noch origineller,
lustiger, schrecklicher etc. sein, damit sie fesseln.
Die Sprache und die Formulierungen müssen dem Thema angemessen sein. Deshalb ist nicht
jede Autorin oder jeder Autor für jedes Thema geeignet. Wenn man beobachtet, welche Art
Bücher aus welcher Quelle etwas taugen, kann man mit der Zeit besser abschätzen, ob sich
die Lektüre lohnen wird.
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Sehr persönliche Betrachtungen
1.4 Überzeugungskraft des Buches
Damit mich das Buch überzeugt, muss die beschriebene Handlung unter den gegebenen
Voraussetzungen möglich sein. Dazu muss alles, was überprüfbar oder der Wissenschaft
zugänglich ist, sachlich richtig und plausibel sein. (widerspruchsfrei?)
1.5 Voraussetzungen der Autorin oder des Autors
Die Autorin oder der Autor muss das beschriebene Umfeld in- und auswendig kennen. Dies
erfordert eine Sachkenntnis die im Idealfall aus der eigenen Erfahrung kommt, oder
wenigstens aus sehr, sehr sorgfältigen Recherchen.
Ganz toll finde ich, wenn ausgewiesene Fachleute über etwas schreiben, was sich in ihrer
gewohnten Umgebung abspielt. Einmal habe ich sogar einen Fabrikanten von
Schleifscheiben gefunden, der einen wirklich guten Krimi in dieses Umfeld gesetzt hat.
Der ehemalige Arzt Michael Crichton konnte wahrscheinlich in „Coma“ viel aus der eigenen
Erfahrung schöpfen. In seinem „Jurassic Park“ stimmen unglaublicher weise die
Voraussetzungen, für ein solches Projekt (Saurier neu zu züchten). Auch die beschriebenen
Verhaltensweisen dieser Tiere wirken nach heutigem Wissensstand plausibel.
1.6 Themen (, die ich hasse)
Ich kann mich für beinahe jedes Thema erwärmen, wenn die Geschichte gut erzählt ist.
Faszinierend finde ich, wenn Menschen in all ihrer Unvollkommenheit das Spiel, dass wir Leben
nennen, so gut spielen, wie sie es eben vermögen. Sie dürfen Angst haben, Fehler machen,
auch Mal Pech haben, aber sie sollten ihr Bestes geben.
Eine sehr aus dem Leben gegriffene Unsitte treibt mich jedoch die Wände hoch und zwar
unnötige Familienprobleme:
- Kinder bei deren Erziehung die einzige Konsequenz war, dass konsequent alles falsch
gemacht wurde und die sich auch entsprechend schlecht benehmen.
- Probleme, die daraus entstehen, dass die Personen nicht miteinander sprechen bzw. dass
sie sich wichtige Informationen unnötigerweise vorenthalten. Das gibt es zweifellos, aber es
ist kein schönes Gefühl, wenn ich immer denke: „Wie kann sie/er auch nur?!“
Auch künstliche Panik wirkt auf mich abstossend. Dieses gestalterische Mittel wird vor allem im
Film eingesetzt, und auch darin wirkte es auf mich sehr uninteressant. Was bringt es,
zuzusehen, wie sich Leute selbst in Probleme hinein manövrieren, indem sie völlig
übersteigert reagieren? Unbegründete Panik gibt es bei uns eigentlich nur an
Grossveranstaltungen mit angeheizter Stimmung.
Haben Sie ähnliche Reizthemen?
1.7 Gegenlesen, der Job des/der Lektors/Lektorin
Kleine Fehler können die mühsam erschaffene Illusion zerbrechen. Wenn einer jemanden mit
„Schweinhundt!“ tituliert oder mit „Fraulein“ anredet, outet er sich als Amerikaner, der
deutsch wirken will. Es empfiehlt sich also, einen Deutschen gegenlesen zu lassen, wenn im
Buch deutsch gesprochen wird. Kenner und Könner des benötigten Fachs finden viel
sachlich Störendes ganz locker heraus.
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1.8 Übersetzungen
Eine Sprache drückt ja auch Geschichte, Lebensart und eine Sichtweise aus. Da dies von Land zu
Land verschieden ist, stellt die Übersetzung von Stimmungen und Gefühlen eine grosse
Herausforderung dar. Wenn ÜbersetzerInnen sich allein auf die Worte konzentrieren, wird
es flau. Zum Glück gibt es immer wieder Leute, die auch das „feeling“, das von einem Buch
erzeugte Gefühl, übersetzen können. (schon in diesem Satz sehen Sie, wie schwierig das
ist.)
Unter den ersten, die das mit grossen Erfolg versucht haben, waren Martin Luther, mit seiner
heute noch lesbaren Übersetzung der Bibel und Johann Heinrich Voss, der Homers "Ilias"
und "Odyssee" nicht nur übersetzt sondern im gleichen Versmass (Hexameter) nach
dichtete. Sein 1793 in vier Bänden erschienener "Gesamt-Homer" hat heute noch Bestand.
(Quelle: Ostholstein-Museum, http://www.oh-museum.de/oh-museum/eutin/voss.htm
Über kleinere sprachliche Ausrutscher (?) sehe ich hinweg, sonst finden Sie, ich sei ein Pedant.
(Shellfish ≠ Schellfisch, Old Boy ≠ Alter Junge, Love (als Anrede von Fremden) ≠ Liebling ?)
Den Frauen und Männern, die diese schwierige Aufgabe grossartig bewältigen, möchte ich hier
meine Anerkennung zollen, und erwähne sieht deshalb besonders.
1.9 Abbruchkriterien ?
Bei Filmen verlange ich, dass in den ersten 10 Minuten etwas geschieht, was mich interessiert,
sonst sehe ich sie mir nicht zu Ende an. Damit bin ich ein Leben lang gut gefahren: Filme,
die diese Bedingung nicht erfüllten langweilten mich i.d.R. auch im weiteren Verlauf bis zur
Schmerzgrenze.
Bei Büchern scheint es erheblich weniger einfach zu sein. Auch in exzellenten Werken gibt es
Passagen, die man am besten ersatzlos streichen würde, und trotzdem lohnt es sich, das
Buch zu lesen.
Ich versuche dann, durch Überblättern eine Stelle mit Handlung oder interessanten Gedanken zu
finden. Leider merke ich gelegentlich erst nach vielen Seiten oder am Ende des Buches,
dass es sich trotzdem nicht gelohnt hat.
Hier bin ich sehr ratlos. Wissen Sie weiter?
1.10 Die Schriftgrösse
Unliterarisch, aber auch wichtig, vor allem für Leser ab 45.
Warum nur kommt jemand auf die Idee, Bücher in einer Schriftgrösse zu setzen, der ein
Mikroskop wohl eher angemessen wäre, als eine Lupe?
Geht es Ihnen auch so, dass Sie keinen Grossdruck brauchen, aber eine einigermassen normale
Schriftgrösse?
Im kommerziellen Schriftverkehr heisst es: normalerweise 10 Punkte (3.38 mm) und für einen Fax
11 Punkte (3.72 mm). Ich selbst kann dies mit meinen kaputten Augen noch entspannt
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Sehr persönliche Betrachtungen
lesen, aber kleiner reicht mir nicht mehr.
1 Punkt ist 1“/72, also 25.4 mm / 72 = 0.338... mm
Die Schriftgrösse ist der Abstand vom oberen Ende der höchsten Oberlänge bis zum untersten
Ende der niedrigsten Unterlänge in Punkt.
{In Europa werden Schriften oft anhand der Grossbuchstabenhöhe in Millimetern
gemessen.}
Abhängig von der Schrift kann ein Text etwas grösser oder kleiner wirken.
Sehen Sie dazu: Arial im Vergleich zu Times New Roman, Schriftgrösse in Punkten
6 Gegensatz Gegensatz
7 Gegensatz Gegensatz
8 Gegensatz Gegensatz
9 Gegensatz Gegensatz
10 Gegensatz Gegensatz
11 Gegensatz Gegensatz
Die etwas bulligere Arial wirkt im Vergleich zur grazilen Times New Roman etwa einen Punkt
grösser und läuft viel weniger zusammen.
Serifen-Schriften (mit „Füsschen“) wie etwa die Times New Roman gelten in TypographieFachkreisen als besser lesbar. Dies widerspricht meinen eigenen Erfahrungen stark,
insbesondere wenn die Augen oder des Wiedergabemedium an die Grenzen ihres
Auflösungsvermögens stossen. Müsste man wohl diese heilige Kuh gelegentlich schlachten?
2 Ausgewählte Beispiele von Autorinnen und Autoren
2.1 Dick Francis
Mein absoluter Liebling unter den Krimi-Autoren.
Kennt die Szene des Pferderennsports aus eigener Erfahrung sehr gut, da er ursprünglich selbst
Steeplechase-Jockey war ( Steeplechase = Hindernisrennen ). Seine Bücher sind Krimis von
jener moderneren Art, wo der Held oder die Ermittler genau so viel wissen, wie der Leser.
Hebt sich also wohltuend von den traditionellen „Who-Dun-its“ ab. Wenn Sie Englisch lesen
wollen, bietet er einen hervorragenden Einstieg. Er ist als Autor brillant und schreibt ein
ebenso einfaches Englisch, wie die dafür berühmte Agatha Christie. So sind auch die
Übersetzungen ausgezeichnet, aber das Original ist noch ein wenig authentischer.
Der Held hat immer einen Bezug zu Pferden oder zur Rennszene. Er kann ein Jockey sein, ein
Gestüt leiten, einen Partyservice betreiben (in Weinprobe), Pferde malen, Glaskünstler sein
(in Scherben), ein Firmregisseur (in Zügellos) etc. Er ist stark, menschlich und oftmals etwas
einsam.
2.2 Tess Gerritsen
Tess Gerritsen war früher Ärztin. Sie beschreibt die Arbeit ihrer Heldin detailliert und mit viel
Fachwissen und hat hat den Mut, nicht zu simplifizieren. Vielleicht ist es notwendig, dass
man einmal einen englischen medizinischen Begriff nachschlagen muss. Ich glaube aber
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dass man über die Einzelheiten durchaus hinweg lesen kann, wenn man die
Schlussfolgerungen beachtet, die sie daraus zieht. {identischer Text beim Buch: The Sinner}
2.3 Michael Crichton
War ursprünglich Arzt. Er liebt es, sich an der Grenze der Wissenschaften zu bewegen, ohne
indes als Spinner zu wirken, denn die Grundlagen zu den beschriebenen Geschichten
stimmen. Er entwickelt es einfach noch ein wenig weiter. Die menschliche Note gewinnt er
daraus, dass seine Protagonisten sehr menschlich und verwundbar wirken. So hat der Held
eines Buches über mikroskopisch kleine, schwärmende Roboter lästige Familienprobleme,
wie sie leider auch einige von uns kennen werden.
Coma
Verbrechen um unfreiwillige Organspender
Jurassic Park
Rekonstruierte Saurier laufen Amok
Enthüllung
Intrigen und Machtkämpfe in einer Firma
Schwarm ?
Mikroroboter laufen Amok
2.4 Martin Winckler
Hat im vorliegenden Buch „Doktor Bruno Sachs“ 'dem Volk aufs Maul geschaut'.
Sehr authentisch. Hoffentlich hat er noch mehr geschrieben! Mal suchen.
2.5 Richard Bach
Schauflieger, Fluglehrer und schon lange Autor. Seine Bücher haben i.d.R. etwas mit Fliegen zu
tun. Zum Teil etwas mystisch. Er hat sich sehr viel überlegt zu den Themen Menschlichkeit,
Liebe, Zeit, Staatsgewalt etc.
Aussagen, die sich nicht in die Handlung eingliedern lassen, macht er manchmal in Träumen
seiner Protagonisten.
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3 Bücher
3.1 Martin Winckler: Doktor Bruno Sachs
Aus dem Französischen von Eugen Helmlé, exzellente Übersetzung!
Was alles so an einen Arzt herangetragen wird: Von den normalen Kranken, von denen, die es
nicht wahrhaben wollen, von denen, die den Arzt als Beichtvater ansehen, von denen, die
mitten in der Nacht ein Abführmittel verschrieben haben wollen, böser und lieber Klatsch ...
Die Form ist sehr ungewöhnlich: Berichte in der Ich-Form und in der Gegenwart geschrieben, aus
der Sicht verschiedenster Personen mit Ausnahme des Doktors selbst. Alle drehen sich um
den Landarzt Bruno Sachs. Man ahnt Dinge, die ihm selbst wohl verborgen bleiben und fragt
sich, ob und wie der Mann das aushält. Sehr ergreifend.
Alles Geschwätz, sehr lebensnah und von einem breiten Spektrum von Menschen, die keinen
Anspruch auf Sachkenntnis erheben. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen leserlich,
dem Thema angemessen und viel glaubwürdiger erzählt, als etwa die Autobiographie eines
Arztes, die zwangsläufig (etwas?) geschönt ist.
Ein lesenswertes Buch, das aber vom Leser Stehvermögen verlangt. Ich habe mir etwa in der
Mitte überlegt, ob ich aufhören soll, und es dann zum Glück doch fertig gelesen; es hat sich
gelohnt.
Tip: Es würde sich lohnen, auf einer Photokopie des Inhaltsverzeichnisses die Funktionen der
vielen erzählenden Personen bei der ersten Erwähnung anzumerken, damit man sie weiter
hinten besser einordnen kann.
3.2 Dalai Lama und Howard C.Cutler: Glücksregeln für den Alltag
Aus dem Amerikanischen von Maria Buchwald, gut übersetzt.
In Form von Gesprächen und Interviews mit langen Passagen. Sehr anständig geschrieben, aber:
Ich habe etwa auf Seite 30 aufgehört. Der Dalai Lama ist viel weiser als ich und ich halte ihn in
hohen Ehren. Ich glaube, dass er der ehrlichste und geradlinigste religiöse Führer ist. In
seinem Leben als buddistischer Mönch hat er ein Leben geführt, dessen Probleme ganz
anderer Natur waren als unsere. Viele seiner Ratschläge laufen darauf hinaus: „Du kannst
es Dir einrichten, wenn Du mit den Konsequenzen leben kannst.“ Das hat schon etwas und
hilft ein Stück weit. In unserer Europäischen Gesellschaft sind aber Folgen für die Einzelne
oder den Einzelnen möglich, die mich schaudern lassen.
Ich habe es nicht zu Ende gelesen, da ich mich nicht so verhalten will, wie der Dalai Lama
empfiehlt.
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3.3 Richard Bach: Auf den Flügeln der Träume
[ Ullstein ? ]
Aus dem Amerikanischen von Waltraud Götting, gut übersetzt
Mit Radierungen von Leichtflugzeugen vor 1950
Gut geschrieben. Die Gedankengänge sind für mich als Ingenieur sehr gut nachvollziehbar. Die
Dinge, auf die es in diesem Buch wirklich ankommt, sind aber für mich etwas zu
metaphysisch. Auch Ideen über Zeitreisen lassen mich allmählich zusammen zucken, wie
bei einem plötzlichen Zahnschmerz.
Wenn Sie die Träumereien nicht stören: Gut zu lesen. Gibt auch dem absoluten Laien einen
reizvollen Einblick in gewisse Aspekte des Fliegens. Richard Bach ist selbst Pilot und
beschreibt die Technik einfach aber korrekt.
Er ist der Autor von „Die Möwe Jonathan“, E: „Jonathan Livingston Seagull“ , sowohl als Buch als
auch als Film sehr erfolgreich.
3.4 # Richard Bach: Brücke über die Zeit
[ Ullstein ]
Aus dem Amerikanischen von Marion Zerbst, gut übersetzt
Stark autobiografisch.
Eine zauberhafte und bewegte Liebesgeschichte: Mystik, Parapsychologie, Spinnerei, die harte
Realität beim Umgang mit Behörden und über allem die LIEBE sind zu einem grandiosen
Gewebe verwoben.
in diesem Buch beschliesst ein Barnstormer (Show Pilot), der mit einem sehr alten Flugzeug
waghalsige Kunststücke gemacht und nach den Darbietungen auch Passagiere
mitgenommen hatte, seriös zu werden und eine Frau zu suchen. Er verkauft sein Flugzeug
und macht sich auf die Suche nach einer neuen Betätigung und nach der perfekten Frau für
sich. Sein erstes Buch hat sich ausgezeichnet verkauft, ganz so wie „Die Möwe Jonathan“
von Richard Bach. Materiell hat er also für den Moment ausgesorgt, aber auch das kann
sich ändern. Die Suche nach der perfekten Liebe wird schwieriger und braucht viel Geduld,
auch auf Seiten der Partnerin.
Sehr gut nachvollziehbar. Wenn Sie sich nicht nur für instinktives Verhalten interessieren, sondern
auch dafür, was man sich bei der Partnersuche überlegen könnte, und wie abenteuerlich es
dabei zugehen kann, dann ist dies DAS Buch für Sie. Es hat Passagen darin, die mich
absolut fasziniert haben und andere, die mir etwas langfädig schienen. Ich habe mir erlaubt,
letztere zu überspringen.
Verschiedene der Verhaltensweisen kommen einem bekannt vor, wenn man das nächste Buch
kennt:
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3.5 Allan Pease, Barbara Pease: Warum Männer
nicht zuhören und Frauen schlecht einparken
[ Ullstein ] (immer noch vergriffen?)
Beschreibt und erklärt vieles, was man zuweilen recht unwillig als
„typisch Frau“ oder „typisch Mann!“ abtut. Man lernt anhand
dieses Buches sich selbst und den/die PartnerIn besser
verstehen, klinisch erprobt, echt! Denn:
Einmal musste ich wegen eines - allerdings nicht lebensbedrohenden - Problems mit dem Herzen
ins Spital. Mein Tag bestand vor allem aus Warten, ob die Behandlung anschlagen würde
oder nicht. Ich hatte dieses Buch dabei, und die meisten, die sahen, was ich las, äusserten
sich ziemlich begeistert. Eine <Berufsbezeichnung> sagte: „Ja, ja, das ist sehr gut; mir und
meinem Mann hat es jedenfalls geholfen!“
Wenn Sie nun genügend Lust auf das Buch haben, erlauben Sie mir, eine Warnung
auszusprechen: Höhere Lebewesen, vor allem die Menschen, sind zu kompliziert, als dass
sie sich lückenlos und zuverlässig durch Regeln beschreiben lassen. Es ist also
wahrscheinlich, dass gewisse Aspekte für Sie zutreffen und dass Sie andere als völligen
Blödsinn empfinden. Es kann allerdings auch sein, dass Sie etwas nicht wahrhaben wollen,
obwohl es stimmt.
Beim Test (Seite 111?) empfehle ich Ihnen, im ersten Durchgang bei den vielen Fragen, die sich
nicht eindeutig beantworten lassen, sogleich auch die Alternativen festzuhalten und zu
gewichten: „40% Antwort A, 60% Antwort C“ oder: „Das mache ich auf keinen Fall, aber
wenn ich es tun würde, dann am ehesten wie in Antwort B.“ Dann können Sie, wenn Sie das
Ergebnis nicht befriedigt, etwas an den Antworten herumschrauben, ohne dass Sie betrügen
und sich dadurch über die tatsächlichen Verhältnisse täuschen.
Die Psychologie ist zudem keine Waffe, sondern ein Mittel zum wohlwollenden Verständnis. Einer
der Begründer der Psychoanalyse (Sigmund Freud oder C. G. Jung) hat in einem Artikel
über die Analyse von Träumen davor gewarnt, andere danach beurteilen zu wollen. Er hat
prophezeit: „Das Einzige, was Sie damit erreichen, ist es, sich lächerlich zu machen!“ (nur
sinngemäss zitiert, und sinngemäss auch auf dieses Buch anwendbar.)
3.6 # Andreas Franz: Der Jäger
[ Knaur ]
Im deutschsprachigen Original.
Ein unglaublich grausamer Serienmörder verfolgt in Frankfurt gewisse Frauen. „Welche wohl?“ ist
DAS Rätsel dieses Buches. Die Muster zeichnen sich nur langsam ab. Wer ist die Nächste?
Dieses Buch gewinnt seine Spannung nicht daraus, dass es, wie es früher üblich war, dem/Leser
oder der Leserin wichtige Informationen vorenthält. Ich schätzte es sehr, dass ich genauso
viel oder so wenig wusste, wie die ermittelnden Polizeibeamtinnen/~beamten.
Diese sind als Menschen aus Fleisch und Blut dargestellt, mit Stärken, Schwächen, Lastern und
unterliegen massivem Verschleiss, denn Ihre Arbeit zeichnet sie.
Grausig aber gut.
Wenn Sie wollen, schenke ich Ihnen das Buch.
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3.7 Kavita Dasvani: Love happens oder Heirat auf Indisch
Aus dem Amerikanischen ?
Das ganze Buch dreht sich um die ca. 15 Jahre dauernde Suche einer Inderin, Tochter aus sehr
reichem Hause, nach DEM PASSENDEN MANN. Sie soll verheiratet werden, wie es sich
gehört. Eigentlich schon so lange, wie sie sich zu erinnern vermag. Aber sie ist für indische
Verhältnisse zu wählerisch und – als Schlimmstes – zu selbständig. So quält sie sich über
die Runden, macht ihren Eltern schwere Sorgen und verfällt gelegentlich in Selbstzweifel
und Mutlosigkeit.
Das Buch legt dar, wie Traditionen Sicherheit (naja...) bieten können. Allzu eng ausgelegt bereiten
sie aber jede Menge unnötiger, hausgemachter Schwierigkeiten. Die Inder sind da keine
Ausnahme, so etwas gab es früher (?) bei uns auch . Das Bild vom goldenen Käfig bekommt
eine neue Bedeutung, wenn die ganze Welt als Käfig herhalten muss und die Eingesperrte
eifrig daran mitbaut.
Manchmal hält man es beinahe nicht mehr aus, wenn die Menschen immer wieder an die selbe
Scheibe prallen, wie die Insekten am Abend. 15 Jahre auf 270 kleinen Seiten ist recht dicht
und trotzdem zieht es sich.
Der grossartige Einblick in die Welt der reichen Inder könnte lebendiger und bunter nicht sein.
Indische Lebensart durch die Augen einer Frau zu erleben, die dazugehört(e), aber auch
das Andere kennt ist faszinierend.
3.8 Parke Goodwin: Feuerkönig – Die Erbin von Camelot
Für Uneingeweihte: Camelot war die Hauptstadt von König Artus, dem sagenumwobenen
Grosskönig der Angeln im Frühmittelalter. Von Ihm weiss man, dass es ihn gegeben hat und
dass er seine „12 Schlachten“ geschlagen hat, der Rest reicht von „unsicher“ bis hin zu
„garantiert erfunden“. Seit kurz nach seinem Tode hatte er die Autoren beflügelt und auch
heute noch werden durchaus faszinierende Geschichten um die damaligen Ereignisse
geschrieben.
Leider konnte ich das Buch wegen der winzigen Schrift nicht lesen, aber die ersten Seiten sahen
ganz brauchbar aus.
3.9 # Michael Crichton: Enthüllung
[ Droemer Knaur ]
Thomas, Abteilungsleiter in einer High-Tech-Unternehmung, soll hereingelegt und abserviert
werden. Wir und er wissen zwar, was in etwa los ist, aber nicht warum und schon gar nicht
wer welche Rolle spielt. Man staune: Crichton erklärt, dass eine reale Begebenheit als
Vorlage für das Buch diente.
Mich stört etwas, dass Thomas seine Vertrauten, z.B. seine Frau, zuweilen nicht oder zu spät über
gewisse Entwicklungen informiert. Ich denke dann immer: „Wie kann er nur!“ denn natürlich
verschärft sich dadurch die Lage.
Zu Beginn entwickelt sich die Geschichte etwas zähflüssig, aber als der „Krieg“ dann erklärt ist
läuft es rund auf rund.
Dazu eine eigene Erfahrung: Einmal geschahen um mich herum merkwürdige Dinge am
Arbeitsplatz, aber es lag nichts Greifbares vor. Ich wurde gewarnt, vorsichtig zu sein, da
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hinter den Kulissen etwas gegen mich abläuft. Ich weiss bis heute nicht von allen, wer mein
Freund und wer mein Feind war. Aus dieser Erfahrung heraus, konnte ich mich sehr mit
Thomas identifizieren, auch wenn meine Erlebnisse sehr viel harmloser waren als seine. Die
völlige Verwirrung und in gewissen Bereichen Isolation ist auch in milder Form schwer zu
ertragen.
Sehr realistisch dargestellt, ausgezeichnet.
Wenn Sie wollen, schenke ich Ihnen das Buch.
3.10 Dick Francis: Scherben
Ein Glaskünstler wird ohne eigenes Zutun in eine fürchterliche Geschichte mit Drohungen und
Gewalt hineingezogen und muss um sein Leben fürchten. Er und wir wissen sehr lange
nicht, was denn das ganze Theater soll. Schiere Bosheit der „Bösen“ scheint zuweilen
plausibel, aber wir kriegen rechtzeitig eine Antwort, die ebenso gut wie unerwartet ist.
Dieses Spätwerk von Dick Francis enthält deutlich mehr Brutalität als die Früheren und – ganz
etwas Besonderes: Der „Ich“, der Protagonist dieses Krimis findet eine Freundin.
3.11 Dick Francis: 10 lb Penalty
Englisch, aber abgesehen von wenigen Spezialausdrücken mindestens so leicht zu lesen, wie
man es Agatha Christie nachsagte, nur wesentlich lebendiger.
„xx Pfund Strafe“ sind im englischen Pferderennsport eine zusätzliche Last, die einem siegreichen
Pferd beim nächsten Rennen auferlegt wird. Pro Sieg in Reihe sind 5 Pfund an Ballast zu
tragen. Der Protagonist, ein sehr junger Amateurjockey, muss für seinen Vater als
Wahlhelfer und Chauffeur arbeiten und wirkt ohne Auftrag auch als Bodyguard. Er
verwendet den Ausdruck „10 lb Penalty“ etwas sarkastisch für eine Gefängnisstrafe von 10
Jahren.
Im Milieu der Politik vom Mitglied des Parlaments bis zum Premierminister wird geschummelt und
verleumdet und sogar vor Mordversuchen schrecken gewisse Leute nicht zurück. Vor den
Kulissen spielen Kleinigkeiten eine Rolle und dahinter geht zumindest aus der Hand der
„Bösen“ einiges ab. Äusserst spannend mit tiefen Einblicken in die schönen und in die
schrecklichen Seiten des Politzirkus´ .
3.12 Dick Francis: Weinprobe
[Diogenes]
Aus dem Englischen von Malte Krutzsch. Ziemlich gut übersetzt, ein Genuss zum Lesen.
Der Protagonist ist ein Getränkehändler, kurz nach der Heirat mit seiner grossen Lieber verwitwet.
Eine von ihm betreute Party bei einem Rennstall kommt durch ein Attentat jäh zu einem
blutigen Ende. Wegen seiner besonderen Fähigkeiten wird er dann in Ereignisse um
Diebstahl von und Betrug mit Getränken hinein gezogen.
Wenn Sie sich für Wein oder Whisky interessieren, werden Sie viele „alte Bekannte“ finden.
Hinweise:
Was Sie über Scotch Whisky wissen müssen, um die Geschichte zu verstehen, steht auf Seite 47.
Notieren Sie sich eventuell die Namen und Funktionen der Personen, um sich zurückblättern und
suchen zu ersparen.
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© 2005 GNU (offen!) Autor Rolf Hotz
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Sehr persönliche Betrachtungen
Seite 18: Merken Sie sich, wer den blauen Nadelstreifenanzug trägt.
Seite 15: Die Englische Anrede „love“ würde ich eher mit „mein Lieber“ oder „meine Liebe“
übersetzen als mit Schätzchen, denn es gibt viele Leute, die ihn verwenden ohne die bei
uns an „Schatz“ geknüpfte Intimität zu meinen.
3.13 Dick Francis: Zügellos
[Diogenes]
Aus dem Englischen von Malte Krutzsch. Ausgezeichnet übersetzt.
Der Protagonist ist ein Film-Regisseur, der in England, in der Gegend von Newmarket (dem Nabel
der Pferde-Rennsports) einen Film um tragische, lange zurückliegende Ereignisse drehen
soll. Ohne dass es jemand weiss oder beabsichtigt, sticht dieses Vorhaben in ein
Wespennest. Als die Gewalt Ihren Lauf nimmt, kocht Thomas Lyon, der Regisseur, getrennt
von der Polizei, sein eigenes Süppchen, denn er will einer alten Bekannten helfen und selbst
in Zukunft leben, ohne dauernd über die Schulter gucken zu müssen.
In diesem Buch ist mir erstmals aufgefallen, wie Dick Francis die Atmosphäre erschafft, in der er
seine Geschichte ablaufen lässt. Notwendigerweise erzählt auch er dazu scheinbar
Nebensächliches. Im Gegensatz zu anderen wird er aber nie langweilig oder langfädig.
Prima!
Viel Interessantes aus der Arbeit an einem Film, dazu sehr spannend. Lesenswert.
3.14 Christine Grän: Hurenkind
Der Roman um Marie, Tochter einer Prostituierten, die beschlossen hat, für sich selbst das
Maximum aus allem und allen herauszuholen, dreht sich um mehrere Personen, die alle ihr
Leben nicht so ganz im Griff haben, Menschen, die Probleme sehen und doch nicht anders
können. Machtkämpfe sind ein wichtiger Teil der Handlung. Machtkämpfe in der Redaktion,
in der Wirtschaft, gegenüber dem Ehepartner und gegenüber der Freundin oder dem
Freund. Alle kämpfen Sie, die meisten benehmen sich fürchterlich und alle Scheitern. Eine
faszinierende Milieuschilderung aber nichts für empfindsame Gemüter.
3.15 Alexander Kent: Die U-Boot-Jäger und
Operation Monsun
Ein Buch über den U-Boot-Krieg im Nordatlantik und im fernen Osten während des Zweiten
Weltkriegs, für einmal aus der Sicht der Briten. Natürlich haben die Personen der Handlung
auch ein Privatleben, ein helles oder ein dunkles je nachdem. Zuweilen kommt dies ihren
Handlungen arg in die Quere. In diesem Heldenepos haben auch die entschlossensten
Krieger menschliche Züge und sind zur Freundlichkeit fähig. Einige ganz üble Gesellen
dürfen auch nicht fehlen.
3.16 Horst Bosetzky: Der kalte Engel
Ein ziemlich abgerundetes Bild des Lebens im geteilten Berlin von 1949 und 50, aufgehängt an
Bücherkaffee, Bücher
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Seite 11
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Bücherkaffee: Autoren, Überblicke und Rezensionen
Sehr persönliche Betrachtungen
zwei Morden uns deren Aufklärung. Die Mauer stand noch nicht. Die Polizeikräfte beider
Teile von Berlin liebten sich nicht gerade, pflegten sehr unterschiedliche Ideologien, rauften
sich aber zusammen und lösten den Fall mit offiziellen und inoffiziellen Kontakten
untereinander.
3.17 Jochen Bauer: Konfliktstoff Kopftuch
Ein deutsches Schulbuch, das versucht, Verständnis für den Islam zu wecken. Für meinen
Geschmack geht es ein Bisschen ins Uferlose: So viel wollte ich gar nicht wissen.
Der Schlüssel zu meiner zukünftigen Haltung sind die Hadithe (Berichte über Mohammeds Taten
und Worte). Wie in jeder Sekundärliteratur spielt die Haltung des jeweiligen Berichterstatters
eine ebenso wichtige Rolle wie die originale Begebenheit. Auf den Seiten 47 und 48 wird
erklärt, wie es zum inflationären Aufkommen von Hadithen kam. Unter einem der ersten
Kalifen wurden diese geprüft und ausgekrautet. Das ist mehr, als wir Christen über unsere
Kirchenväter sagen können. Auch Juden haben die Gesetze, die etwas vor dem Koran
entstanden und heute noch für die Strengläubigen gelten, meines Wissens weitgehend
unverändert gelassen. Nach Rudi Thiessen (deutscher Philosoph) sind heute kritische
Betrachtungen über der Islam heute unerwünscht.
Meines Erachtens gibt es heute keine absolut klare Regel, wie sich eine Moslem-Frau in der
Frage des Kopftuchs verhalten soll, aber alle denken, sie wüssten es. Wohl darum kann
man sogar innerhalb einer Familie sehr unterschiedliche Haltungen beobachten.
Ich werde mich angesichts dieses Problemkreises so verhalten, wie es mir passt oder wie ich es
für die Schweiz für richtig halte.
Das Buch ist nicht wertend und trägt zum Verständnis bei, anstatt Standpunkte zu zementieren.
Es ist als Schulbuch gedacht, und soll über längere Zeit durchgearbeitet werden. Ich habe
es nicht ganz gelesen, aber die Erläuterung der Hadithe war hilfreich.
3.18 Tess Gerritsen: The Sinner
Amerikanisch
Eine Gerichtsmedizinerin (Medical Examiner) arbeitet an mehreren sehr seltsamen
Tötungsdelikten. Bei der Arbeit ergeben sich immer wieder Berührungspunkte zu einer
Detektivin. Die beiden Frauen und ihre Probleme werden einander gegenüber gestellt. Wir
wissen über die Verbrechen genau gleich viel, wie diese beiden und erleben mit, wie sich die
Steinchen zum Mosaik fügen. Das Fachwissen, die deduktiven Fähigkeiten und ihre
Beharrlichkeit sind bewunderungswürdig.
Im Privaten gilt dies allerdings weniger. Beim Versuch, die Verhältnisse zu ihren jeweiligen
Männern beziehungsweise Partnern zu bereinigen, zeigen sie vor allem in der
Kommunikation grosse Defizite.
Tess Gerritsen war früher selber Ärztin. Sie beschreibt die Arbeit ihrer Heldin detailliert und mit viel
Fachwissen und hat hat den Mut, nicht zu simplifizieren. Vielleicht ist es notwendig, dass
man einmal einen englischen medizinischen Begriff nachschlagen muss. Ich glaube aber
dass man über die Einzelheiten durchaus hinweg lesen kann, wenn man die
Schlussfolgerungen beachtet, die sie daraus zieht.
Ein sehr gelungenes Buch, das mich ungemein gefesselt hat.
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Sehr persönliche Betrachtungen
3.19 Siegfried Lenz: Fundbüro
[ Hoffmann und Campe ]
Am Beispiel der Mitarbeiter eines Fundbüros werden die Probleme des täglichen Lebens und die
Methoden verschiedener Menschen, damit umzugehen, dargelegt. Auch wenn sich der
Autor über seine Personen nicht lustig macht, ist das Buch doch mit einer gehörigen Portion
Humor gewürzt. Sehr lebendig und ohne erhobenen Zeigefinger geschrieben.
Hat mir sehr gut gefallen, Mal schauen, was er sonst noch alles geschrieben hat.
3.20 Mark Twain: Schöne Geschichten
[ Diogenes ]
Sammelband, der mehrere kleine Geschichten enthält.
So gern ich Mark Twain früher hatte, ich schaffe es nicht, das Buch zu lesen. Wir leben in
einer ganz anderen Zeit. So muss in einer Geschichte gelegentlich mal etwas geschehen
oder ein besonders schlagendes Argument kommen, damit ich bei der Stange bleibe.
3.21 David Schickler: Fette Klunker
[ Blessing ]
Zwei in sich selbst und gegeneinander widersprüchliche Persönlichkeiten treffen aufeinander: Ein
Berufsschläger, der für einen Mafioso Geld eintreibt, und eine sehr fromme junge Frau, die
nach Einnahme eines Zaubertrankes viele ihrer Hemmungen abgestreift hat, aber im
Glauben an Gott fest geblieben ist. Die beiden lieben sich, gehen aufeinander ein und
erleben eine verrückte Zeit zusammen.
Dieses Buch enthält ein gerüttetes Mass an Brutalität. Die wirklich schlimmen Sachen, die der
männliche Protagonist verbrochen hat, kommen aber vor allem in der Erinnerung vor. In der
Jetzt-Zeit treffen seine Taten die 'Bösen'. Deshalb erschien es mir nicht gar so schlimm.
Interessante Einblicke in die Denkweise von Menschen, mit denen man nicht alle Tage zusammen
trifft.
3.22 Danuta Reah: Bleak Water [ Harper Collins Publishers ]
In English
Eine Serie von extrem grausamen Morden an jungen Frauen hält Sheffield in Atem. Die
Geschichte ist so erzählt, dass man sich in mehrere der handelnden Personen sehr gut
einfühlen kann, fast wie wenn sie es jeweils in der Ich-Form erzählen würden. Originell und
gut erzählt, wenn Sie durchhalten.
Leider hat das Buch auch Mängel:
- An zwei bis drei Stellen musste ich einige Seiten überblättern, weil Nebensächlichkeiten für
mich zu ausführlich dargestellt wurden.
- Wechsel vor allem der Zeit und (einmal auch) des Ortes werden nicht immer korrekt
beschrieben, was sehr verwirrend ist:
Wenn es in einem Titel heisst „Madrid: ...“ ist das jeweils auch ein halbes Jahr zuvor.
Auf den letzten Seiten geht es aus einer Schlafzimmerszene so übergangslos auf den
Friedhof, dass ich mich gefragt habe, ob die Heldin diesen aus der Nachttisch-Schublade
gezogen hat.
Sehr gruselig und lesenswert für LiebhaberInnen des Genres „Gruselkrimi“.
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3.23 Barbara Noack: Brombeerzeit
[ Langen Müller ]
Im deutschsprachigen Original.
Eine Produzentin, die für das Fernsehen tätig gewesen ist, setzt sich zur 'Ruhe'. Damit verändert
sich Ihre Welt stark und unerwartet:
die beiläufigen menschlichen Kontakte des Berufslebens entfallen
Die 'Aussauger' versuchen, sie für ihre Ziele zu vereinnahmen. Früher, als sie nie Zeit hatte, ging
dies schlicht nicht. Jetzt muss sie ständig mauern, um nicht völlig aufgefressen zu werden.
Den meisten ihrer Bekannten muss sie nachlaufen, überhaupt noch Kontakte pflegen zu können.
Dazu kommt, was sowieso gekommen wäre:
Das Verhältnis zu ihren nunmehr erwachsenen Kindern verändert sich und zwar nicht zum Vorteil.
Sie hätte gerne wieder einen Lebenspartner. Einen, der nicht nur eine Putzfrau, eine Dienerin
oder/und eine Chauffeuse sucht, eben einen Partner, keinen Vorgesetzten. Schwierig,
schwierig ... .
Egal, ob Sie männlich oder weiblich sind, wenn Sie älter als 50 sind, werden Sie in diesem Buch
vieles lesen, was ihnen schon geschehen ist, ohne dass Sie es vollständig gemerkt haben.
Ich habe mich einige Male so sehr erkannt, dass ich erschrocken bin und Besserung gelobt
habe.
Vieles ist in der Form von Klatsch beschrieben. Wenn Sie das nicht mögen, vergessen Sie's,
andernfalls ist es wirklich amüsant.
3.24 Celia Fremlin: Onkel Paul
[Diogenes]
Aus dem Englischen von Isabella Nadolny. Ausgezeichnet übersetzt, die Stimmung wird so gut
vermittelt, dass ich zunächst dachte, es sei auf Deutsch geschrieben.
Was tut eine Frau, wenn Sie merkt, dass ihr neuer Mann ein Verbrecher ist?
Im übrigen stelle ich fest, dass mich 50 Seiten Reibereien in der Familie und 90 Seiten dumme
Geschwätzigkeit nicht nur aufregen sondern ärgern.
Ich habe es nicht durchgehalten: Bei Seite 39 blätterte ich auf Seite 50 weiter und auf Seite 90 war
meine Geduld erschöpft.
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# Die mit dem Nummernzeichen gekennzeichneten Bücher gehören mir und werden auf Wunsch
gratis abgegeben.
Table of Contents
• 1 Einleitung: Denkanstösse.......................................................................................
1
1.1 Die grundlegende Frage, Vorgehensweise...........................................................1
1.2 Persönliche Wünsche an ein Buch....................................................................... 1
1.3 Wie die Handlung dargestellt wird, Form und Sprache.........................................1
1.4 Überzeugungskraft des Buches............................................................................ 2
1.5 Voraussetzungen der Autorin oder des Autors..................................................... 2
1.6 Themen (, die ich hasse).......................................................................................2
1.7 Gegenlesen, der Job des/der Lektors/Lektorin..................................................... 3
1.8 Übersetzungen...................................................................................................... 3
1.9 Abbruchkriterien ?................................................................................................. 3
1.10 Die Schriftgrösse................................................................................................. 4
• 2 Ausgewählte Beispiele von Autorinnen und Autoren..............................................
4
2.1 Dick Francis...........................................................................................................4
2.2 Tess Gerritsen....................................................................................................... 5
2.3 Michael Crichton....................................................................................................5
2.4 Martin Winckler......................................................................................................5
2.5 Richard Bach......................................................................................................... 5
• 3 Bücher....................................................................................................................
6
3.1 Martin Winckler: Doktor Bruno Sachs................................................................... 6
3.2 Dalai Lama und Howard C.Cutler: Glücksregeln für den Alltag............................ 6
3.3 Richard Bach: Auf den Flügeln der Träume [ Ullstein ? ]..................................7
3.4 # Richard Bach: Brücke über die Zeit [ Ullstein ].............................................. 7
3.5 Allan Pease, Barbara Pease: Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken
[ Ullstein ] (immer noch vergriffen?)............................................................................. 8
3.6 # Andreas Franz: Der Jäger [ Knaur ]............................................................... 8
3.7 Kavita Dasvani: Love happens oder Heirat auf Indisch........................................ 9
3.8 Parke Goodwin: Feuerkönig – Die Erbin von Camelot..........................................9
3.9 # Michael Crichton: Enthüllung [ Droemer Knaur ]............................................9
3.10 Dick Francis: Scherben..................................................................................... 10
3.11 Dick Francis: 10 lb Penalty................................................................................10
3.12 Dick Francis: Weinprobe [Diogenes].............................................................11
3.13 Dick Francis: Zügellos [Diogenes].................................................................11
3.14 Christine Grän: Hurenkind.................................................................................11
3.15 Alexander Kent: Die U-Boot-Jäger und Operation Monsun.......................... 12
3.16 Horst Bosetzky: Der kalte Engel....................................................................... 12
3.17 Jochen Bauer: Konfliktstoff Kopftuch................................................................ 12
3.18 Tess Gerritsen: The Sinner............................................................................... 13
3.19 Siegfried Lenz: Fundbüro [ Hoffmann und Campe ].................................... 13
3.20 Mark Twain: Schöne Geschichten [ Diogenes ]............................................ 13
3.21 David Schickler: Fette Klunker [ Blessing ].................................................. 13
3.22 Danuta Reah: Bleak Water [ Harper Collins Publishers ]................................ 14
3.23 Barbara Noack: Brombeerzeit [ Langen Müller ]..........................................14
3.24 Celia Fremlin: Onkel Paul [Diogenes]........................................................... 15
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Bücherkaffee: Autoren, Überblicke und Rezensionen
Sehr persönliche Betrachtungen
Für Notizen: Table of Contents mit grösserem Zeilenabstand
0 Vorgeschichte: Wie es dazu kam
1 Einleitung: Denkanstösse
1
1.1 Die grundlegende Frage, Vorgehensweise
1.2 Persönliche Wünsche an ein Buch
1
1
1.3 Wie die Handlung dargestellt wird, Form und Sprache
1.4 Überzeugungskraft des Buches
2
1.5 Voraussetzungen der Autorin oder des Autors
1.6 Themen (, die ich hasse)
1
2
2
1.7 Gegenlesen, der Job des/der Lektors/Lektorin
3
1.8 Übersetzungen 3
1.9 Abbruchkriterien ?
3
1.10 Die Schriftgrösse
4
2 Ausgewählte Beispiele von Autorinnen und Autoren
2.1 Dick Francis
4
4
2.2 Tess Gerritsen 5
2.3 Michael Crichton
5
2.4 Martin Winckler 5
2.5 Richard Bach
5
3 Bücher
6
3.1 Martin Winckler: Doktor Bruno Sachs 6
3.2 Dalai Lama und Howard C.Cutler: Glücksregeln für den Alltag
3.3 Richard Bach: Auf den Flügeln der Träume
3.4 # Richard Bach: Brücke über die Zeit
[ Ullstein ? ]
[ Ullstein ]
6
7
7
3.5 Allan Pease, Barbara Pease: Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken
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Sehr persönliche Betrachtungen
[ Ullstein ] (immer noch vergriffen?) 8
3.6 # Andreas Franz: Der Jäger
[ Knaur ]
8
3.7 Kavita Dasvani: Love happens oder Heirat auf Indisch
9
3.8 Parke Goodwin: Feuerkönig – Die Erbin von Camelot
9
3.9 # Michael Crichton: Enthüllung
[ Droemer Knaur ] 9
3.10 Dick Francis: Scherben
10
3.11 Dick Francis: 10 lb Penalty
10
3.12 Dick Francis: Weinprobe
3.13 Dick Francis: Zügellos
[Diogenes]
11
[Diogenes] 11
3.14 Christine Grän: Hurenkind
11
3.15 Alexander Kent: Die U-Boot-Jäger und
3.16 Horst Bosetzky: Der kalte Engel
Operation Monsun
12
12
3.17 Jochen Bauer: Konfliktstoff Kopftuch 12
3.18 Tess Gerritsen: The Sinner
13
3.19 Siegfried Lenz: Fundbüro
[ Hoffmann und Campe ]
3.20 Mark Twain: Schöne Geschichten
3.21 David Schickler: Fette Klunker
[ Diogenes ]
[ Blessing ]
13
13
3.22 Danuta Reah: Bleak Water [ Harper Collins Publishers ]
3.23 Barbara Noack: Brombeerzeit
3.24 Celia Fremlin: Onkel Paul
14
[ Langen Müller ] 14
[Diogenes]
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