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Grund kompetenzen Ohne Einmaleins kein Preis. Arno - EB Zürich

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Magazin der EB Zürich
Kantonale Berufsschule
für Weiterbildung
Nr. 37 – Frühling 2013
Grund­
kompetenzen
Ohne Einmaleins
kein Preis.
Arno Camenisch,
Autor
Wie man eine
verschwindende
Welt festhält.
Stefan Haupt,
Filmer
Die Magie des
schöpferischen
Moments.
EDITORIAL
TÜCKEN DES ALLTAGS
Die Telefonistin im Film «Easy Virtue» lauscht verbotenerweise mit, wie John seiner Larita telefonisch einen
Heiratsantrag macht. Man erkennt bloss an der Mimik
der Telefonistin, wie das Gespräch läuft. Typisch Alfred
Hitchcock.
EB KURS
Nr. 37 – Frühling 2013
Magazin der EB Zürich,
Kantonale Berufsschule für Weiterbildung Zürich,
Riesbachstrasse 11, 8090 Zürich
TELEFON
0842 843 844
FAX
044 385 83 29
INTERNET
www.eb-zuerich.ch
E-MAIL
marketing@eb-zuerich.ch
HERAUSGEBER
Serge Schwarzenbach (für die Geschäftsleitung)
REDAKTION
Christian Kaiser, Guido Stalder
GESTALTUNG
Giorgio Chiappa
MITARBEIT
Felix Aeppli, Regula Brunner, Mitra Devi,
Kati Dietlicher, Jürg Fischer
FOTOS
Philipp Baer, Christian Kaiser, Miriam Künzli,
Reto Schlatter, Iris Stutz
ILLUSTRATIONEN
Sämi Jordi, Eva Kläui
DRUCK
Ringier Adligenswil AG
TITELBILD
Reto Schlatter
2
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
Die Telefonistin von damals (1928) war ein Profi und hatte
ein einfaches Gerät zu bedienen – für jede Funktion eine
Taste. Ich hingegen bin ein gewöhnlicher Nutzer von heute
und muss mich mit mehrfach belegten Tasten durch unzählige Funktionen navigieren. Da stosse ich schon mal
an meine Grenzen. Mit meinen Erlebnissen an verschiedenen Billettautomaten europäischer Grossstädte will ich
Sie hier nicht langweilen.
Mit den Tücken des Alltags kämpfen viele von uns, nicht
nur mit der Technik, sondern auch mit Sprache oder
Rechnen. Für sie lancieren wir «BasiX», unser Engagement
für Grundkompetenzen (Seite 15). Aus diesem Anlass beleuchten wir in der Titelgeschichte ab Seite 8 einen noch
wenig beachteten Aspekt: Dass viele Leute Mühe haben,
die täglichen versteckten Rechenaufgaben zu bewältigen.
In dieser Ausga bekommen auch zwei Personen zu Wort,
die ihr Handwerk (teilweise) an der EB Zürich erlernt
haben und inzwischen öffentlich bekannt sind:
– Im Interview ab Seite 24 erzählt Filmemacher Stefan
Haupt, wie er sich filmisch der berühmten Sagrada
Família von Barcelona näherte, Antoni Gaudís berühmter Kathedrale in ewigem Bau.
– Und die Krimiautorin, Malerin und seit neuestem
auch Filmemacherin Mitra Devi deutet als unsere neue
Kolumnistin auf die Weisheit, die uns von gesprayten
Wänden anspricht (Seite 16).
Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen
Serge Schwarzenbach
Herausgeber
INHALT
5
PORTRÄT Philosophie macht gelassen. Ueli Peyer schult
sich in genauem Denken: für seinen Job bei der kantonalen Heilmittelkontrolle und für den Umgang mit Gefühlen
im Alltag.
5
6
EVENT Arno Camenisch kam und las: Der Stammtisch
fungiert für ihn als kollektives Gedächtnis, «egal ob in
Moskau, Montreal oder Moçambique». Oder in Tavanasa
im Bündnerland, wo seine skurrilen Geschichten spielen.
8
GRUNDKOMPETENZEN Ein verstecktes Problem: Wer
Mühe mit Rechnen hat, kommt nur schlecht durch Beruf
und privaten Alltag. Es gibt verschiedene Ansätze, um die
Situation zu verbessern. Jetzt reagiert auch die Politik.
6
8
18
PERSÖNLICH Das Gesamtkunstwerk steckt in einer
Flasche: Thomas Zobrist behandelt Rebstöcke wie Persönlichkeiten und entwickelt ihren Ertrag im Keller weiter.
22
KURSFENSTER Wo der Informatiker auf die Pflegefachfrau trifft: Im Kurs «Lernveranstaltungen mit Erwachsenen durchführen» holen sich Leute aus allen Berufen
das Rüstzeug, um selber unterrichten zu können.
24
IM GESPRÄCH «Schöpferisch sein zu können, ist für
mich das tiefste Glück», sagt Stefan Haupt. Sein neuster
Dok-Film über die Sagrada Família erforscht das
«Mysterium der Schöpfung».
KURZSTOFFE
18
22
24
4
16
17
20
21
28
29
30
31
Gesehen, gehört
Kolumne
WeiterBILDung
Auskunft
Seinerzeit Tagesthema
Kultur
Tipps und Tricks
Agenda
So finden Sie uns
24
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
3
GESEHEN, GEHÖRT
POESIE IN DER KÜCHE
Kochen. Korinthen und schwarze Oliven, Honig und
Tomatenpüree – geht das zusammen? Ja, sagt Beate
Rothmaier, das alles und noch mehr gehört mit einem
Kilo Lammragout in einen «grossen Bräter». Und Rothmaier muss es wissen, denn die Schriftstellerin und
Kursleiterin an der EB Zürich bezeichnet Kochen und
Schreiben als ihre «beiden Existenzen». Wobei sie in
beiden Welten gleichermassen bewandert zu sein
scheint; zu ihrem Repertoire gehören auch «Schweinebraten in Cola» oder «Maikäfersuppe». Wer ihr «Lammragout mit Korinthen» nachkochen möchte, findet das
Rezept dazu im neuen Buch «Tafelrunde» (Luchterhand). Neben anderen Rezepten und Geschichten bekannter Autoren wie Peter Weber, Franz Hohler oder
Hanns-Josef Ortheil.
DIGITALE SCHUHSCHACHTEL
Lernen. Das System ist alt und bewährt: Man
schreibt Fragen auf Karteikarten, auf die Rückseite die korrekte Antwort, und steckt sie in
eine Schachtel mit verschiedenen Fächern.
Dann arbeitet man sich durch die Fragen: Was
man sicher gewusst hat, kommt ganz nach hinten, Unsicheres in die Mitte, Unbekanntes
gleich ins nächste Fach. Der Australier Damien
Elmes hat die «Schuhschachtel-Lernkartei» digital umgesetzt, um Japanisch zu lernen, und sie
«Anki» getauft (japanisch für «auswendig lernen»). Informatik-Kursleiterin Susanne Maeder
hat dazu eine frei zugängliche Seite eingerichtet, mit der man es selber ausprobieren kann:
http://anki.eb-zuerich.ch
ERFOLGREICHER FLUG
Durchziehen. Sie hat als fünftausendste Teilnehmerin den
Basiskurs Berufsbildnerin an der EB Zürich besucht, und
dafür tausend Franken für ein Lehrlingsprojekt erhalten:
Romy Bachmann von SSM Schärer Schweiter Mettler AG
in Horgen. Ihre drei Lernenden haben sich ins Zeug
gelegt und ein Action-Wochenende geplant, durchgeführt und fein säuberlich dokumentiert. Einer der Höhepunkte: Body Flying in Rümlang. Das Ganze hat etwas
mehr gekostet, die Geschäftsleitung hat das zusätzliche
Geld gerne daraufgelegt. Und Geschäftsleiter Ernesto
Mauer war so angetan vom Engagement der Lernenden,
dass er künftig jedes Jahr ein Lehrlingsprojekt ermöglicht.
DOPPELTES VERMÄCHTNIS
Managen. Wie man Projekte auf die Beine stellt und erfolgreich durchzieht – damit beschäftigt sich Hans Peter
Gächter seit über dreissig Jahren als Berater und Dozent.
Schon vor vielen Jahren hat er dazu ein schlankes Werk
geschrieben, das sich immer noch auf dem Markt hält.
Jetzt hat er, viele Projekte später, mit dem umfangreichen
Nachschlage- und Lehrbuch «Projektmanagement konkret» nachgedoppelt. Es ist eine Art Vermächtnis für die
EB Zürich, von der er sich Richtung Pension verabschiedet. Einen zweiten Abschiedsgruss hinterlässt er auf der
Kulturseite, mit dem Hinweis auf ein witzig-gescheites
Buch zur Psychologie im Alltag.
4
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
PORTRÄT
Philo, Velo und Placebo
Gedanklich unterwegs. Beruflich sorgt Ueli
Peyer dafür, dass im Kanton Zürich nur von
seriöser Seite Arzneimittel und Medizinprodukte abgegeben werden. Privat fährt er
gerne (und durchaus ambitioniert) Velo, mag
Jazz, Klassik und Literatur. Und er philosophiert, weil ihn das gelassen macht.
AUFGEZEICHNET Guido Stalder BILD Miriam Künzli
«Ich hätte nie gedacht, dass Philosophieren so viel verändert. Früher habe ich öfters unangenehme Arbeiten vor mich hingeschoben, so von einem ‹Hüfeli›
zum andern. Jetzt mache ich zuerst das, was ich nicht
gerne tue, und bin nachher viel freier. Ich spreche
auch Sachen direkter an, nicht mehr um fünf Ecken.
Mein Beruf ist ja nicht gerade philosophisch; ich
arbeite bei der Kantonalen Heilmittelkontrolle als
Verwaltungsassistent und kümmere mich um die
Computerinfrastruktur und in einem Team um Detailhandels- und Berufsausübungsbewilligungen (Apotheker, Drogisten, Optometristen). Andererseits erfordert diese Arbeit ein genaues Denken genau wie
die Philosophie; somit ergänzen sich die Arbeit und
der Kurs ideal.
Ein Ausgleich zur Arbeit ist Musik, vor allem Klassik
und Jazz. Ich mag Barockmusik, gehe an Orgelkonzerte ins Grossmünster und höre gerne Werke mit
Originalinstrumenten. Vor kurzem habe ich eine
wunderbare Sammlung von alten Jazzplatten erhalten und bin jetzt daran, sie zu ordnen. 380 Vinylplatten sind es, mit Kostbarkeiten wie einer Aufnahme
von Ella Fitzgerald aus dem Jahr 1937.
Ich bin Mitglied in einem Rennvelo-Verein, am Dienstag- und Donnerstagabend gibt es kleinere Ausfahrten, am Samstag sind es dann jeweils fünf bis sechs
Stunden. Das bringt mich ziemlich ins Schwitzen:
Ich bin schon über fünfzig, die meisten anderen sind
nur halb so alt. Der jährliche Härtetest ist jeweils das
Alpenbrevet, 170 Kilometer mit vier Alpenpässen.
Nachher ist man völlig auf den Felgen. Ich fahre jeweils nicht mehr mit dem Auto nach Hause, weil ich
am Steuer einschlafen könnte.
An der EB Zürich habe ich zuerst das Deutschdiplom
der Zürcher Handelskammer gemacht. Seither lese
ich Bücher genauer und kann die sprachliche Qualität mehr geniessen. Vor allem Literatur aus dem 19.
Jahrhundert interessiert mich. Ich besuche auch den
Kurs «Deutschsprachige Literatur lesen», dieses Semester lesen und diskutieren wir Literatur zum
Oberthema Traum.
Von der Literatur zur Philosphie war für mich dann
nur noch ein kleiner Schritt. Ich bin schon im zweiten
Kurs bei Imre Hofmann. Wir beschäftigen uns mit
den klassischen Philosophen wie Platon und Aristoteles
und schauen, was sie uns heute zu sagen haben. Man
erhält so Distanz zu sich selber und den Gefühlen,
die manchmal überborden. Das macht einen erstaunlich gelassen. Für mich ist Philosophie schon ein Teil
des Alltags geworden, wie Essen und Schlafen.»
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
5
EVENT
Der Stammtisch als
Hort der Geschichten
Spoken Word meets preisgekrönte Literatur. Arno Camenisch, Buchpreisträger
2012, kam aus Biel ans BiZE und trug am SchreibLeseZentrum seine skurrilen,
aber wahren Geschichten aus dem Bündnerland vor. Selten ist an einer literarischen Lesung so viel und so herzhaft gelacht worden.
TEXT UND BILD Christian Kaiser
Er ist der Archivar einer Welt, die
bald nicht mehr ist: einer Welt
von Sennen und Zusennen, die es
nicht geworden sind, sondern als
solche geboren wurden, und die
mit ihren Aebis und Justys den
Weg auch ohne Rückspiegel finden. Seine Helden sind einfache
Leute mit einem Tick: wie der Canalas, der Schreinermeister aus
Brigels, der immer gesagt hat «I
kann alles» und es so bis ins Romanisch-Deutsch-Wörterbuch geschafft hat; oder wie der Gion Bi,
der schöne Hans, der im Pelzmantel seiner toten Mutter solange
dem Stammtisch Gedichte vorträgt, bis keiner mehr da ist.
Hostien und Heilige. Camenisch
sammelt skurrile Geschichten, die
ihm echte Bündner Originale lieDER ANLASS: VERANSTALTUNGEN DES SCHREIBLESEZENTRUMS
Arno Camenisch las am 23. Januar am SchreibLeseZentrum SLZ der EB Zürich. Das SLZ
organisiert immer wieder spannende Lesungen und Veranstaltungen über Literatur.
Wer sie nicht verpassen möchte, abonniert am besten den Newsletter der EB Zürich auf
www.eb-zuerich.ch. Vorschau auf die nächsten Veranstaltungen siehe Seite 30.
6
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
fern, wählt sorgsam aus («eine von
20») und trägt sie in einem Klangfeuerwerk vor, das so temporeich ist,
dass die Gefühle der Zuhörenden
kaum nachkommen: Helle Freude
und Gelächter mischt sich mit ungläubigem Staunen und Melancholie, weil es bei Arno Camenisch auch
um die grossen Themen geht, etwa
den Tod, Gott und das Trinken. In
seinem letzten Werk «Ustrinkata»
haben schnapstrinkende Alte das
Wort, die ihre Hostien verlegen,
auf Heilige anstossen, sich mit
Bratpfannen bekreuzigen und zum
Sterben auf die Toilette gehen.
Tempo mit Pausen. Camenisch erweist sich beim Lesen aber auch
als Meister der Pausen, wenn er von
Hochdeutsch auf Bündnerdialekt
wechselt und sein Publikum mitnimmt auf einen anekdotischen
Exkurs, der nicht in seinen Büchern zu finden ist. Etwa den über
die zwei Nachbarn, die sich beide
mit dem Luftgewehr in den Fuss
geschossen haben, als sie einem
zwischen ihren Knien steckenden
EVENT
Kaninchen den Garaus machen
wollten. Oder den über den «Schnudderlumpen» von dem er sagt: «Bi
üs isch de halt no populär.»
Der Stammtisch als Quelle. «Bei uns»
heisst in diesem Fall in Tavanasa,
einem Dorf im Bündner Vorderrheintal, wo Camenischs Tante eine
Beiz führt, an deren Stammtisch
Camenischs Grossmutter beim Jassen so laut mit den Zähnen klappert, dass sie immer gewinnt. Ja,
überhaupt ist der Stammtisch der
zentrale Ort in Camenischs Schaffen: Er steht für ihn für das kollektive Gedächtnis und die mündliche
Überlieferung, «egal ob in Moskau,
Montreal oder Moçambique».
Tabak und Prozente. Oder eben in
Tavanasa, bei der Tante, die einst
die Dorfbeiz «Helvezia» bewirtete.
Hier findet die «Ustrinkata» statt.
Hier dreht sich alles um den Tod
und den Abschied und die Erleichterungen, die der Alkohol in all
seinen Formen schafft: als Quintin (ein Zweierli), als Schnaps, als
ARNO CAMENISCH: «ICH PORTRÄTIERE EINE VERSCHWINDENDE WELT»
Arno Camenisch, geboren 1978 in Tavanasa in Graubünden, schreibt auf Deutsch und
Romanisch (Sursilvan): Gedichte, Prosa und für die Bühne. Er studierte am Schweizerischen
Literaturinstitut in Biel, wo er auch lebt.
Camenisch ist Mitglied des Spoken-Word-Ensembles «Bern ist überall» und gehört zu den
Gewinnern des 2012 erstmals vergebenen Eidgenössischen Literaturpreises. Sein Roman
«ernesto ed autras manzegnas» erschien 2005 auf Romanisch. Am Romanischen interessiert ihn vor allem das Klangliche, «der Sound», denn Romanisch sei ja vor allem «spoken
word». Oft schreibe er mit Kopfhörern, um ganz in der Stille sein und die Stimmen seiner
Figuren hören zu können.
Im Mai 2009 erschien sein Prosabuch «Sez Ner» in Romanisch und Deutsch. Im Juli 2010
legte Camenisch seinen Zweitling «Hinter dem Bahnhof» vor, im Januar 2012 liess er
«Ustrinkata» folgen. In diesen beiden Büchern scheint das Romanisch nur noch an wenigen
Stellen durch wie eine vergilbte Hintergrundtapete. Das hat Konzept: Camenisch beschreibt
eine abhanden kommende Welt, und er lässt in seinen Büchern auch die Welt und ihre
Sprache Stück für Stück verschwinden.
«Caffefertic», als Kübel oder als
grosse Flasche. Die Prozente und
der Tabak lösen die Zungen und
fördern noch einmal all die alten,
wilden, verrückten und darum so
schönen Geschichten zu Tage.
Berauschende Komposition. Camenisch erweist sich als präziser Beobachter und virtuoser Erzähler.
Seine Klanggebäude springen ei-
nen schon aus dem gedruckten
Text an – ihre wahre Höhe und die
Finessen der Ausstattung der einzelnen Zimmer lassen sich aber
nur so richtig erfahren, wenn
man Camenisch live hört: ein
Wortkomponist, der einen so angenehm schwindlig singt, dass
man denkt, man hätte selbst an
dieser «Ustrinkata» teilgenommen.
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
7
GRUNDKOMPETENZEN
Wer nicht rechnen kann,
den bestraft der Alltag
Zahlen zählen. Sie sind unauffällig und versuchen, ihr Handicap oft zu
verstecken: Erwachsene, die nicht gut rechnen können. Doch in der Schweiz
sind es über 400 000 im erwerbstätigen Alter, und sie sind beruflich und
privat deutlich benachteiligt. Nach und nach entstehen Hilfen für sie, und
endlich kommt auch Bewegung in die Politik.
TEXT Guido Stalder BILDER Reto Schlatter
Da stimmt etwas nicht. Ich habe
dem Verkäufer das Taschenbuch
hingelegt, das in der Wühlkiste lag
und vergünstigt ist. Jetzt tippt er
zuerst etwas in die Kasse, notiert
sich dann einige Zahlen auf einen
kleinen Schreibblock, streicht sie
wieder und dreht sich schliesslich
weg. Die Glasvitrine hinter ihm
spiegelt und verrät, dass er angestrengt mit den Fingern zählt. Er
dreht sich wieder zu mir, betätigt
die Kasse und sagt mit scheuem Lächeln «12 Franken 55 bitte». Ich bezahle und rechne draussen nach:
Das Buch war mit 16.95 angeschrieben, mit einem orangen 20-ProzentKleber. Der gültige Aktionspreis
wäre also 13.55 und nicht 12.55,
Ich habe einen Franken gespart,
der Verkäufer wird ihn wohl aus
seinem Geld zahlen müssen.
Die Vermutung liegt nahe, dass
der Verkäufer Probleme mit Rechnen hat. Typisch sind seine drei
Versuche, das Problem zu lösen:
Zuerst mit dem technischen Hilfsmittel Kasse, auf der er sich aber
offensichtlich für diese Aufgabe
nicht zurechtfindet. Dann versucht er es mit der Alltagshilfe
Schreibblock, scheitert aber auch
8
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
hier – möglicherweise unter dem
Druck des ungeduldig wartenden
Kunden. Schliesslich, erfolglos versteckt, benutzt er die «verbotene»,
weil peinliche Methode des Fingerzählens. Zum Schluss ist das Resultat falsch.
Täglicher Stress. Auf diese oder
ähnliche Art mühen sich in der
Schweiz unzählige Leute ab. Der
nationale Bericht «Lesen und
Rechnen im Alltag» des Departements des Innern spricht von 8,6
Prozent der Erwachsenen, die Alltagsmathematik schlecht beherrschen. Und zwar so schlecht, dass
sie Schwierigkeiten mit den Anforderungen des täglichen Lebens
in einer hoch entwickelten Gesellschaft haben. Anders formuliert:
Mehr als jede oder jeder Zwölfte in
der Schweiz quält sich durch das
Alltagsrechnen, beruflich und
privat.
Dabei geht es um alles, was mit
Zahlen, Grössen und Verhältnissen
zu tun hat: mit Geld rechnen, Karten oder Fahrpläne lesen, Grafiken
deuten, selber eine Skizze zeichnen. Selbst Profis müssen hier zu
Tricks greifen. Konkrete Beispiele:
GRUNDKOMPETENZEN
Eine gelernte Köchin schafft es
nicht, ein Rezept von vier auf sechs
Personen umzurechnen – und verdoppelt kurzerhand alle Zutaten,
um auf der sicheren Seite zu sein.
Oder ein Parkettverleger kniet auf
den Boden, um auf einem Blatt die
Fläche auszurechnen, die er zu
verlegen hat. In Tat und Wahrheit
verdeckt er vor dem Auftraggeber,
dass er nichts Brauchbares aufschreibt. Er schätzt die Fläche aus
seiner Erfahrung. Die Ähnlichkeit
zum Eingangsbeispiel des Verkäufers ist offensichtlich.
Klassische Muster. Der Bericht «Lesen und Rechnen im Alltag» trägt
den Untertitel «Grundkompetenzen von Erwachsenen in der
Schweiz» und ist die Schweizer
Auswertung der internationalen
ALL-Studie. ALL steht für «Adult
Literacy and Lifeskills», auf Deutsch
Grundkompetenzen. Die Studie bestätigt bekannte Risikofaktoren:
Rechenschwäche kommt deutlich
häufiger vor bei Personen mit allgemein tiefem Bildungsstand,
nachteiliger sozialer Herkunft und
Immigrationsstatus (in der Regel
gekoppelt mit Fremdsprachigkeit).
Jede zweite Person, die nach der
Schule keine weitere Ausbildung
gemacht hat und fremdsprachig
ist, hat Mühe mit Alltagsrechnen.
Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Leute mit Schwächen in
der Alltagsmathematik weniger
verdienen, seltener eine Vollzeitstelle finden und häufiger überschuldet sind als der Durchschnitt.
Sie sind häufig sogar stärker benachteiligt als Personen mit sprachlichen Defiziten. Und aus der ALLStudie geht weiter hervor, dass die
Defizite oft kombiniert auftreten:
Wer eine Rechenschwäche hat, ist
oft auch im Lesen und Schreiben
wenig kompetent und hat Mühe
mit modernen Informationstechnologien.
Helfen und helfen lassen. Probleme
ergeben sich nicht nur beruflich,
sondern auch privat: Wie soll ich
das günstigste Angebot finden,
wenn ich verschiedene Mengen
und Daten nur schlecht berechnen kann? Wie einschätzen, ob
sich ein Auto-Leasing für mich
rechnet? Oder entscheiden, welche Krankenversicherung für
mich optimal ist?
Ursula Bänninger, Trainerin und
Beraterin zum Thema Grundkompetenzen in verschiedenen Institutionen, weist auf Strategien hin,
die die Betroffenen entwickeln.
Viele waren schon in der Schule
nicht sonderlich stark, obwohl sie
sich durchaus Mühe gaben. Sie
versuchen dann oft, unauffällig
und freundlich über die Runden
zu kommen. Und sie bilden Stärken heraus. Bänninger: «Es ist erstaunlich, welch hohe emotionalen und sozialen Kompetenzen ich
antreffe. Dank dem Wissen um
ihre Schwachpunkte sind sie oft
sehr hilfsbereit – und auch bereit,
sich selber helfen zu lassen.»
Beruflich sind sie natürlich im
Nachteil. Vorgesetzte würden sie
eher selten, so die Erfahrung von
Bänninger, aber durchaus auch
selbstständig Erwerbende. Auch
hier helfe ihnen ihre soziale Kompetenz. Für die Büroarbeiten engagierten sie dann eben jemanden.
Ein erfreulicher Befund aus subjektiver Sicht: Oft seien sie privat und
am Arbeitsplatz durchaus beliebt
und lebten in guten Partnerschaften: «Viele möchten doch ganz
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
9
GRUNDKOMPETENZEN
einfach das, was wohl die meisten
Leute möchten: integriert und geschätzt sein, aber auch ein Stück
weit in Ruhe gelassen werden.»
Schule und Leben. Ein Kernproblem
liegt darin, dass die Schulmathematik und die Alltagsmathematik
nur bedingt übereinstimmen.
Marcel Allenspach, der massgeschneiderte Kurse in Unternehmen
durchführt: «Das Leben kommt in
Sätzli-Aufgaben und nicht in StöckliRechnungen daher.» Ein Beispiel:
Jemand bearbeitet ein Werkstück,
verbraucht dabei Material und produziert auch Ausschuss, der weggeworfen werden muss. Da geht es
offensichtlich um Prozente. Aber
was ist wie viel Prozent von was?
Und wie rechnet man das?
10
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
Das Staatssekreatariat für Wirtschaft SECO hat basierend auf der
ALL-Studie ein Grundlagenpapier
zu genau dieser Problematik in
Auftrag gegeben. Verfasst hat es
Hansruedi Kaiser, Forschungsverantwortlicher am Eidgenössischen
Hochschulinstitut für Berufsbildung. Er weist darauf hin, dass
Lehrpersonen dazu neigten, «reine» Mathematik zu vermitteln,
eben abstraktes Rechnen ohne inhaltlichen Bezug. Das überfordere
einen Teil der Lernenden (ausführliches Interview mit Hansruedi
Kaiser ab Seite 12).
Sonja Beeli untersucht in ihrer
Masterarbeit an der Universität
Bern die Einstellungen von Lehrpersonen in Kursen von Alltagsma-
thematik. Sogar in dieser Gruppe
vertritt ein – wenn auch kleiner –
Teil die Haltung von Mathematik
als unveränderbarem System. Beeli weist darauf hin, dass in unserem föderalistischen Schulsystem
die Einstellungen von Lehrpersonen sehr stark auf den Unterricht
durchschlagen.
Angebote kommen. Noch sind die
Schulungen in Alltagsmathematik dünn gesät. Im Winter 2008/09
liefen im Kanton Aargau zwei Pilotprojekte in den sozialen Einrichtungen «Stollenwerkstatt» in
Wohlen und Aarau und «Lernwerk» in Turgi. Da ging es darum,
beispielsweise in der Küche mit
Mengen umzugehen, in der Wäscherei das Waschmittel zu dosie-
GRUNDKOMPETENZEN
ren oder in der Velowerkstatt
Massstäbe umrechnen zu können.
Immer im Vordergrund war auch
hier wieder die praktische Anwendung. Lilo Henkel, die die Pilotversuche betreute, kennt die Hemmschwelle von Erwachsenen, sich in
Alltagsmathematik zu verbessern:
«Mathematik-Lücken können auch
gut qualifizierte Berufsleute aufweisen, es ist jedoch für die meisten sehr schwierig, sich zu outen.»
Gut erreichen könne man diese
Leute, wenn man einen «alltagstauglichen» Kurs anbiete – etwa
Steuererklärung ausfüllen oder
eine Haushaltplanung machen
(Budget-Berechnung).
Aus den Pilotversuchen sind regelmässige Angebote geworden, die
Teil der Schulungen für Stellenlose sind. Da wird Alltagsmathematik mit Deutsch verbunden,
was sehr gut funktioniere. Patricia
Rothen, Teamleiterin Kollektive
Arbeitsmarktliche Massnahmen,
spricht von ausschliesslich positiven Rückmeldungen, die Leute seien sehr dankbar für die Unterstützung. Patricia Rothen: «Wir sind
alle davon überzeugt, dass der Bedarf für Schulungen da ist, um in
Alltagsmathematik selbstständiger
zu werden.»
Politik bewegt sich. Das Vorwort des
nationalen Berichts über die Grundkompetenzen der Erwachsenen in
der Schweiz beginnt mit dem Satz:
«Die Schweiz verdankt ihren Wohlstand nicht zuletzt dem Wissen,
den Talenten und der Erfahrung
ihrer Bürgerinnen und Bürgern.»
Das ist politisch unbestritten, und
jetzt beginnt es auch auf das Thema Alltagsmathematik durchzuschlagen. Auf nationaler Ebene
wird um das neue Weiterbildungsgesetz WeBiG gerungen. Im April
2012 begrüsste die Interessensgemeinschaft Grundkompetenzen,
die 21 Verbände und Organisationen vertritt, dass die Grundkompetenzen in den Entwurf für das
neue Gesetz aufgenommen wurden. Doch es war ihr zu wenig konkret: «Die IG Grundkompetenzen
fordert insbesondere eine verbindliche Grundlage für eine nationale
Strategie zur Förderung der Grunkompetenzen» und dazu «weitreichende Sensibilisierungsmassnahmen und damit verbunden eine
angemessene Finanzierung».
Jetzt scheint die Überzeugungsarbeit gefruchtet zu haben. André
Schläfli, Direktor des Schweizerischen Verbandes für Weiterbildung
SVEB, berichtet davon, dass die Alltagsmathematik neu explizit im
Gesetzesentwurf stehe. Schläfli:
«Bis jetzt ist das Problem der Alltagsmathematik in der Schweiz
enorm unterschätzt worden, obwohl sie nach wissenschaftlichen
Untersuchungen sogar wichtiger
als Lesen und Schreiben ist.» In der
Europäischen Union gilt Alltagsmathematik schon lange zu den
anerkannten Grundkompetenzen.
Auch die Arbeitgeber-Organisationen stehen hinter dem nachgebesserten WeBiG, und Bundesrat
und Wirtschaftsminister Johann
Schneider-Amman setzt sich angesichts des Fachkräftemangels in
der Schweiz generell für NachholBildungen ein. Im Mai soll die Botschaft für das neue WeBiG im
Bundesrat verabschiedet werden
und in der September-Session ins
Parlament kommen. SVEB-Direktor André Schläfli ist zuversichtlich: «Ich bin überzeugt, dass es
jetzt gut kommt, wenn wir für ein
griffiges Gesetz kämpfen.»
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
11
GRUNDKOMPETENZEN
«Mathematik darf nicht
Selbstzweck sein»
Werkzeug, nicht Spielzeug. Hansruedi Kaiser forscht und lehrt seit vielen Jahren zu den Themen
Lernen, Denken und kooperatives Problemlösen. Im Auftrag des Bundes hat er ein Grundlagenwerk
zur Alltagsmathematik geschrieben. Er arbeitet als Forschungsverantwortlicher am Eidgenössischen
Hochschulinstitut für Berufsbildung in Zollikofen. Für ihn sind Probleme mit der Mathematik häufig
Probleme mit der Schule.
INTERVIEW Guido Stalder BILDER Reto Schlatter
Hansruedi Kaiser, unterschreiben Sie den Slogan
«Rechnen können alle»?
Auf jeden Fall. Rechnen können grundsätzlich alle.
Aber abstrakt rechnen – also Zahlen gebrauchen
in einem Zusammenhang, den sie noch nie gesehen
haben – das können nicht alle.
Warum nicht?
Es beginnt in der frühen Kindheit. Ein durchschnittliches europäisches Kind kann zählen, wenn es in
die Schule kommt, vielleicht so bis zehn. Das kann
es nur, weil zuhause gezählt wurde, weil man Abzählverse wie «Zehn kleine Negerlein» hatte. Man weiss
aber zum Beispiel von den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, dass dort zuhause praktisch
nicht gezählt wird. Der Rückstand dieser Kinder auf
die weissen australischen Kinder, die mit einem
europäischen Hintergrund aufgewachsen sind, ist
gewaltig. Das können sie in der Schule kaum mehr
aufholen. Es sind mehrere Jahre, in denen die Kinder
ein Gefühl für Grössenordnungen und Zählen entwickelt haben – oder eben nicht.
Also sind die Eltern gefragt: Sie sollen ihre Kinder an
Zahlen gewöhnen.
Ja. Wenn ein Kind bei uns in einem Umfeld mit vielen Anregungen aufwächst, dann ist das meistens
kein Problem. In unserer Kultur kommen in den
Geschichten immer wieder Zahlen vor, drei oder
sieben von irgendetwas. In den Krippen wird auch
darauf geachtet, dass die Kinder spielerisch mit Zahlen zu tun haben. Lernen braucht man ja nicht zu
erzwingen, das findet automatisch statt, wenn es
möglich ist. Schwierig wird es, wenn ein Kind eingeschlossen in einer Kleinfamilie aufwächst. Dann ist
es sehr abhängig vom Input weniger Personen, und
der kann ungenügend sein.
12 EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
Was kann die Schule machen?
Sie soll dem Kind in erster Linie Zeit lassen, auf die
Neugierde setzen. Unser Modell der Jahrgangsklassen ist hier problematisch, weil diejenigen, die irgendwo ein Loch haben, dann die Klasse repetieren
müssen. Darum könnte ich mir vorstellen, dass es
etwas bringen würde, zum Beispiel die untersten
zwei Klassen zusammenzunehmen. Das würde unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten besser ermöglichen und Lernfrustrationen vermindern.
Und wenn jemand nach neun Jahren Schule noch nicht
richtig abstrakt rechnen kann?
Dann ist zuerst einmal wichtig, dass diese Leute es
ganz konkret auf dem Gebiet können, wo sie es
brauchen. Es ist sehr wertvoll, zu erfahren, dass
man in einem vertrauten Gebiet, eben im eigenen
Kontext, mit Zahlen zurechtkommt. Das gibt Selbstvertrauen, darauf kann man aufbauen. Heute machen einige so schlechte Erfahrungen in der Schule,
dass sie ganz einfach glauben, sie seien nicht begabt,
und es später gar nicht mehr versuchen. In unserer
Kultur ist das fatalerweise akzeptiert: dass einem
Mathe einfach nicht liege.
Wird an der Schule eine falsche Mathematik unterrichtet? Abstrakt statt konkret?
Vielleicht zu ausschliesslich abstrakt. Die OECD hat
schon in den 90er Jahren, als sie das Schulsystem
der Schweiz untersuchte, festgestellt, dass unsere
Primar- und Sekundarschulen in erster Linie auf
das Gymnasium vorbereiten. Dass sie also die zwei
Drittel, die in die Berufsausbildung gehen, etwas
böse gesagt als Abfallprodukt betrachten, die es
eben nicht geschafft haben. Und dass es eigentlich
keine systematische Vorbereitung gibt auf das, was
es im Beruf braucht. Da braucht man Mathematik,
GRUNDKOMPETENZEN
um konkrete Aufgaben zu lösen. Beispielsweise
kommt im beruflichen Alltag nie eine Zahl ohne
Masseinheit vor – es sind immer fünf Liter, zwei
Zentimeter, sieben Kilo usw. Rechnen mit blossen
Zahlen gibt es im Alltag nicht, aber in der Primar
und der Sek wird oft nur das geübt. Die Freude an
Zahlen und deren Eigenschaften steht nicht im Zentrum.
Mathematik als Selbstzweck?
Etwas zugespitzt gesagt, ja. Ich war gerade letzte
Woche an einer Tagung von Mathe-Didaktikern. Sie
bekommen immer dann glänzende Augen, wenn
das konkrete Einstiegsbeispiel verloren geht und
man sieht, welch tolle Zusammenhänge es zwischen
den Zahlen gibt. Sie wollen vor allem ihre Freude an
der reinen Mathe weitergeben. Das ist verständlich
und selbstverständlich auch ein legitimes Bildungsziel, aber der praktische Aspekt geht dabei ein Stück
weit vergessen.
Interessant sind hier Untersuchungen mit Strassenkindern in Brasilien, die mit Früchten handelten.
Wenn jemand bei ihnen zwei Bananen und einen
Apfel kaufte – kein Problem, den Preis auszurechnen. Wenn man sie aber ins Schulzimmer nahm
und ihnen die gleiche Aufgabe mit Bleistift und Papier zu lösen gab, lief gar nichts mehr.
Wie wäre denn richtiges Lernen von Alltagsmathe?
Ein Beispiel: Wenn ein Arbeitsloser rechtzeitig zum
Vorstellungsgespräch kommen will, muss er rechnen. Zuerst Fahrplan lesen, planen, wie lange er
zu Fuss braucht, was passieren kann, Reserve einplanen usw. Man kann jemandem gut helfen, das
mit der Zeit in den Griff zu bekommen. Er kann das
dann bloss nicht auf Anderes übertragen.
Wieso geht das nicht?
Nach dem aktuellen Forschungsstand ist es höchstwahrscheinlich so, dass niemand wirklich abstrakt
denkt, sondern dass wir immer von Situationen ausgehen. Wenn ich eine Aufgabe habe, erinnere ich
mich an eine, die ich schon mal hatte, und ich versuche sie wieder wie damals zu lösen. Das bedeutet,
dass ich keine allgemeine Technik habe für irgendEB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
13
GRUNDKOMPETENZEN
etwas. Der Link geht immer über konkrete
Erinnerungen an konkrete Sachen, die ich gemacht habe.
Auch die Gescheitesten denken eigentlich nicht
abstrakt?
Aus der Expertenforschung weiss man, dass
Leute, die als Experten anerkannt werden, auf
der Ebene von «cases» funktionieren. Es gibt
Schätzungen, dass Experten ungefähr 50 000
relevante erinnerte Situationen haben. Es ist
klar: Wenn man mal 50 000 hat, haut einen
nicht so schnell wieder etwas um, dann
kommt einem schon etwas in den Sinn. Häufig sind das mehrere Varianten, plus Versuche, die schief gelaufen sind und zeigen, wie
man es nicht mehr versuchen soll.
Man macht im Wesentlichen, was man schon immer
gemacht hat?
Es gibt dazu eine sehr schöne Untersuchung der
englischen Anthropologin Lucy Suchman aus den
80er Jahren, die zum Schluss kommt, dass Menschen im Grunde keine Pläne haben. Niemand hat
einen Plan. Das sind bloss Konstrukte im Nachhinein. Wenn ich schon weiss, was ich will, kann ich
das natürlich als Plan formulieren, falls jemand
gerne einen von mir hat. Ich selber habe bloss eine
Erfahrung von früher aktiviert.
Ich muss aber die richtige Erfahrung finden.
Ich muss es in einer Art abgelegt haben, dass mir in
den Sinn kommt, was vergleichbar ist mit der aktuellen Situation. Man weiss aus der ExpertennovizenForschung: Neulinge verlinken typischerweise ihre
Erfahrungen ungünstig, weil sie das Feld noch nicht
gut kennen. Sie lassen sich täuschen von Ähnlich14
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
keiten, die nicht nützlich sind. Erst mit der Zeit
merkt man, welche Erfahrungen zusammengehören. Es braucht sozusagen eine gute interne Suchmaschine.
Auf den Alltag von «Gewöhnlichen» übertragen heisst
das: Möglichst viele erfolgreich gelöste Situationen zu
produzieren, an die man sich später erinnern kann?
Genau. Das funktioniert auch bei den meisten Leuten. Aber einen Schritt weiter zu gehen und nachher auf jede beliebige Veränderung flexibel reagieren zu können, das ist schwieriger. Vielleicht gibt es
einfach einen gewissen Prozentsatz an Leuten, die
trotz aller Bemühungen nie so weit kommen. Obwohl die Wirtschaft das natürlich sehr gerne hätte,
und es für die Leute selber sehr erfreulich wäre. Ihnen bleiben aber Strategien, um auf ihre Weise den
Alltag ganz konkret zu bewältigen.
GRUNDKOMPETENZEN
Von Grund auf kompetent
mit «BasiX»
Vorzeige-Innovation. Der Förderbedarf bei den Grundkompetenzen ist längst erkannt. Nun lanciert die EB Zürich als erste
Institution in der Schweiz eine Aus- und Weiterbildungspalette
für sämtliche Grundkompetenzen: Am 11. März präsentierte
sie ihr neues Engagement BasiX im Beisein von Regierungsrätin
Regine Aeppli der Öffentlichkeit.
TEXT Christian Kaiser
800 000 Schweizerinnen und Schweizer haben Mühe, einen einfachen
Zeitungstext zu lesen und zu verstehen. 400 000 schaffen es nicht,
alltägliche Rechenaufgaben zu lösen. Und wer nicht richtig lesen,
schreiben oder rechnen kann, tut
sich meist auch schwer damit, sich
in Fahrplänen oder Karten zurechtzufinden oder Grafiken und
Tabellen zu entziffern. Weitere
schwer zu nehmende Hürden stellen Computeranwendungen oder
die Kommunikation via mobile
Geräte dar. Grundkompetenzen
hängen zusammen.
Und sie bilden die Basis für all das,
was eigentlich selbstverständlich
sein sollte: am beruflichen, gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben teilnehmen zu
können; oder sich weiterzubilden
und beruflich aufzusteigen. Für
all das muss man lesen, schreiben
und rechnen können, die Umgangssprache beherrschen, mit
modernen Kommunikationsmitteln umgehen können. Teilhaben
und sich weiterentwickeln kann
nur, wer eine gewisse «Bildung
von Grund auf» besitzt.
Feierliche Lancierung von BasiX. Der
Föderbedarf bei den Grundkompetenzen ist erkannt, der Nutzen einer Förderung für die Betroffenen,
die Wirtschaft und die Gesellschaft
ist ausgewiesen: Allein die Leseschwäche kostet die Arbeitslosenversicherung jährlich eine Milliarde Franken (Büro Bass 2007), Firmen profitieren auf vielfältige
Weise von kompetenteren Mitarbeitenden. Die EB Zürich hat darum
seit einiger Zeit an einem Konzept
gearbeitet, wie sie Einzelpersonen
und Firmen beim Auf- und Ausbau
von Grundkompetenzen noch besser unterstützen kann. Das Ergebnis wurde am 11. März präsentiert
und im Beisein von Regierungsrätin Regine Aeppli unter dem Label
«BasiX – Bildung für Erwachsene.
Von Grund auf.» feierlich lanciert.
Umfassendes Gesamtpaket. Das
Resultat lässt sich sehen. Mit BasiX hat die EB Zürich als erste
Schweizer Institution eine Ausund Weiterbildungspalette zusammengestellt, welche sämtliche fünf
Grundkompetenzen beinhaltet: Lesen und Schreiben, Deutsch als
Zweitsprache, Alltagsmathematik,
Umgang mit Informationstechnologien (IKT) sowie Kompetenzen für die Arbeit und den Alltag. Das BasiX-Programm umfasst
auf 56 Seiten rund 80 Bildungsangebote, die als Kurse, Ateliers oder
Einzelberatungen geführt werden.
Das thematische Spektrum reicht
von der persönlichen Beratung für
«schreiben, lesen, rechnen» über
«Lesen und schreiben im Alltag»
für Deutschsprachige sowie Alphabetisierungs- und Deutschkurse
für Fremdsprachige bis hin zum
«Tastaturschreiben am Computer»;
von «Keine Angst vor Zahlen» über
«Mein E-Mail» oder «Mein Budget»
oder «Mein Bewerbungs-Dossier»
bis hin zu massgeschneiderten
Angeboten für Firmen und Institutionen oder gar Lernbegleitungen am Arbeitsplatz.
Mehr Souveränität. Dank der Innovation BasiX können Erwachsene
an der EB Zürich also die «Bildung
von Grund auf» erwerben, die sie
brauchen. Und die EB Zürich wird
mit BasiX zur ersten und wichtigsten Anlaufstelle im Bereich sämtlicher Grundkompetenzen für Unternehmen, Institutionen und
Ämter. Das Ziel entspricht dem öffentlichen Auftrag der EB Zürich
als kantonaler Institution der Erwachsenenbildung: die Arbeitsmarktfähigkeit möglichst vieler
Berufstätiger zu verbessern und
zu erhalten.
Mit ihrem Engagement für Grundkompetenzen will die EB Zürich
allen Lernenden aus allen Schichten unabhängig von ihrer Ausbildung die Möglichkeit eröffnen, in
Beruf und Alltag souveräner zu
werden. BasiX wurde aus der Überzeugung heraus entwickelt, dass
Grundkompetenzen in der beruflichen Weiterbildung die wichtigste Bildungsressource darstellen;
denn nur wer seine Grundkompetenzen festigt und erweitert, kann
von bestehenden Weiterbildungs-,
Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten profitieren.
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
15
KOLUMNE
Weise Wände
Ich bin buchstabensüchtig. Seien es Gratiszeitungen im Tram, Strassenschilder, an denen ich vorbeikomme, oder Werbeplakate – ich muss
alles lesen. Dabei macht es für mich überhaupt keinen Unterschied, ob
der Inhalt intelligent oder nur schon interessant ist. Es reicht, wenn er
aus Buchstaben besteht. Kennen Sie das auch? Ich lese Gebrauchsanleitungen, Stadtpläne, Adressen von Szenebars auf Streichholzschachteln
und das Kleingedruckte meiner Lieblingskaugummisorte. (Sorbit,
Maltit, Xylit, E414, Aspartam, Acesulfam-K, E171, E133. Kann bei übermässigem Verzehr abführend wirken.)
Am meisten aber liebe ich Graffiti-Sprüche. In ihnen stecken manchmal
ganze Geschichten. Einige könnten Romananfänge werden. Natürlich
finde ich es nicht okay, wenn Gebäudefassaden versprayt, Holzbänke
verkratzt und Bahnhäuschen verschmiert werden. Manche der Texte
sind einfach nur hässlich. Andere sind hässlich und dumm. Dann gibt
es noch diese grellbunten, kryptischen Zeichen entlang der Bahnlinien.
So sehr ich mich auch anstrenge, ich kann sie nicht entziffern. Sind es
die Namen der selbsternannten Künstler? Geheime Botschaften einer
globalen Verschwörung? Blosse Dekorationen?
Einmal meinte ich auf einer Betonmauer zwischen Zürich und Thalwil
in schrillem Pink «Fuck da Police» gelesen zu haben, aber es könnte
auch «Find da Paradise» gewesen sein. Ein anderes Mal staunte ich
(in der Nähe von Baden) über einen Ausserirdischen mit schräg stehenden Augen, spitzem Kinn und einem geckoartigen Zeigefinger, der auf
mich gerichtet war. Eine Sprechblase aus seinem dünnlippigen Mund
verkündete: «Auch du.» Ein metaphysisches Schaudern durchfuhr
mich.
MITRA DEVI ist Krimiautorin, bildende
Künstlerin, Journalistin und hat soeben
ihren ersten Dokumentarfilm gedreht.
Sie hat zwölf Bücher veröffentlicht, zwei
davon wurden für den Zürcher Krimipreis
nominiert («Filmriss» und «Das Kainszeichen»). Nebst schwarzhumorigen Short
Stories hat sie sich mit der Nora-TabaniSerie einen Namen gemacht. Im neuesten
Roman «Der Blutsfeind» lässt sie ihre
Detektivin bei einem Bankraub am Paradeplatz ermitteln. Mitra Devi bezeichnet
sich selber als «Weiterbildungs-Junkie» –
sie hat an der EB Zürich neben diversen
Einzelkursen gleich drei Bildungsgänge
besucht («Literarisches Schreiben», «Journalismus» und «Video»).
www.mitradevi.ch
16
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
Doch viele Graffitis sind echte Weisheiten auf Wänden. Als GA-Besitzerin bin ich oft mit dem Zug unterwegs, was meine Buchstabensucht
noch fördert, muss ich mich doch nicht auf die Strasse konzentrieren,
sondern kann in Ruhe lesen. In Bern entdeckte ich auf einem Baustellencontainer die Trouvaille «Hoffentlich werden wir so alt, wie wir aussehen», in St. Gallen neben einer Kirche «Der Geist ist willig, das Fleisch
erst recht» und auf einer Friedhofsmauer in Berlin, wo ich kürzlich
war, «Robert ist tot. Das ist noch kein Beweis, dass er gelebt hat.» Lassen
Sie sich diesen Satz mal auf der Zunge zergehen. Wenn das kein Anfang
für ein Jahrhundertwerk ist.
WEITERBILDUNG
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
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PERSÖNLICH
Der Aromenveredler
Winzer und Kellermeister. Thomas Zobrist ist Teilbereichsleiter Informatik
an der EB Zürich mit ziemlich bewegtem Werdegang. Heute verbringt der
Teilzeit-Winzer und verhinderte Biologe im Schnitt einen Tag pro Woche im
eigenen Rebberg in Männedorf. Einen guten Wein in die Flasche zu bringen,
ist für ihn ein «Gesamtkunstwerk».
TEXT Christian Kaiser BILD Philipp Baer
Mit dem Erziehungsschnitt ist er etwas im Hintertreffen. Die benachbarten Rebbauern haben Ende Januar
ihre Stöcke schon auf ein, zwei tragende Strecker zurückgeschnitten. Thomas Zobrist und seine beiden
Freunde vom Weinbau-Kollektiv «weinetc.ch» sind
eben Hobby-Weinbauern. Aber ambitionierte.
«Der Name ist etwas fantasielos», sagt Zobrist. Das
etc. steht aber nicht nur für die Anfangsbuchstaben
der Vornamen (Ernst, Thomas, Caspar) der drei Rebenzüchter aus Zürich, sondern auch für das, was sie neben Wein auch noch machen. Schnäpse zum Beispiel:
Marc, Nocino aus Nachbars Nüssen. Besonders stolz
sind sie auf den Gelbmöstler aus kleinen Mostbirnen,
den selbst der bekannte Qualitätsbrenner aus dem
Aargau lobt.
Einstiegsdroge Damassine. Für das Zwetschgenwasser
haben die drei eigens ein paar Bäume mit alten Sorten
gepflanzt, Zibarten und Damassine, «in der Hoffnung,
dick ins Drogengeschäft einzusteigen», wie Zobrist
scherzt. Und so steht das etc. sozusagen für «alles,
was sich vergären und trinken» lässt. Der wirtschaftliche Erfolg steht nicht im Vordergrund, obwohl man
die etc.-Erzeugnisse mit den Prozenten in verschiedenen Restaurants und Geschäften in der Stadt auch
kaufen kann.
Oder im Web-Shop. Denn das Web ist sein Metier:
Zobrist ist als Teilbereichsleiter Informatik an der EB
Zürich zuständig für «Digitale Medien», erteilt selber
18
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
Kurse in Web-Programmierung und Web-Gestaltung. Und das schon seit einer halben Ewigkeit:
Schon in den 90ern hat er am ersten Bildungsgang
«Web-Publisher» teilgenommen und wurde kurz darauf als Kursleiter engagiert.
Kollektiv in Bewegung. Damals war er hauptberuflich
noch bei einem anderen Kollektiv engagiert; als Redaktor und Setzer bei der WOZ überführte er die Produktion der Wochenzeitung ins digitale Zeitalter.
Zur Informatik kam er Anfang der 80er als Mitglied
des ersten Computer-Kollektivs in Zürich, einer Initiative von ehemaligen Programmierern rund um den
Computer-Pionier Hannes Keller, die Zobrist an einer
Demo kennenlernte.
«Wir haben mehr politisiert, als Geld verdient», sagt
Zobrist rückblickend. Als Radiomacher beim Zürcher
Lokalradio LORA gestaltete er berüchtigte Morgensendungen und setzte sich für autonome Freiräume
und gegen den Überwachungsstaat ein. In seinen
Musiksendungen spielte er alles, «wo die Ränder der
Sparten ausfransen.»
Kostprobe mit dem Kellermeister. Auch die Öko-Bewegung der 80er und die Umweltschutzdebatte prägten
ihn. Noch heute fährt er nicht Auto, obwohl das für
einen Rebbauern ganz nützlich wäre. Umso beeindruckender der Maschinenpark in der Scheune in
Mutzmalen bei Männedorf: Raupentransporter,
Mulch-, Mäh- und Spritzmaschinen. Mindestens einen
PERSÖNLICH
Tag pro Woche verbringen die drei im Schnitt im
Rebberg. Denn auf 55 Aaren gibt es im Jahresverlauf
so einiges zu tun: schneiden, binden, jäten, mulchen,
spritzen, Blätter ausbrechen, ernten usw.
Das vorläufige Ergebnis der Anstrengungen des Jahres 2012 lässt sich im Keller kosten: Syrah und Petit
Verdot, die beiden roten Sorten, sind überraschend
fruchtig unterwegs. Der Solaris zeigt eine schöne
Note von Melone und Honig. Auch der Johanniter hat
gute Anlagen, die noch etwas vom Hefegeschmack
überlagert werden. Sorgen bereitet einzig ein Tank
Riesling-Sylvaner mit einem «Bock». Da wird man
gut überlegen müssen, wie man den ordentlich hinbekommt.
Konkurrenz im Fass und am Hang. Als Kellermeister
der drei ist Thomas Zobrist auch dafür verantwortlich, den gepressten Traubensaft in die richtige Richtung zu entwickeln. Das ist ein steter Kampf gegen
ungewollte Bakterien, wilde Hefekulturen oder
flüchtige Stoffe. Dabei hilft ihm ein kleines Labor
mit Mikroskop und pH-Meter oder die Analysen der
Experten aus Wädenswil. Zudem ist der Rebberg bevölkert mit Räubern, die einem den Ertrag streitig
machen: Rebzykaden, Wühlmäuse, die die Wurzeln
freilegen, Pilze aller Art.
schlauen Dachsen, die nur die benachbarten Rebberge
plündern, damit sie nicht aus ihrem Bau vertrieben
werden; von den Jungstaren, die «rechte Rabauken»
sind; von Siebenschläfern, die auf den Drähten von
Rebstock zu Rebstock seiltänzeln; von Füchsen, die
nur die süssesten Früchte pflücken.
Kummerbuben und Saftwurzeln. Und eben: Was reifen
kann im Fass, fängt schon mit dem Erziehungsschnitt an. Jede Rebe hat ihre eigene Persönlichkeit.
Da gibt es «die Kummerbuben», die sich von der Trockenperiode im 2003 nur schleppend erholen, und
die so geschnitten werden müssen, damit sie wieder
zu Saft und Kraft kommen. Oder die gesunden, kräftigen, die auch ein paar Fruchtzweige mehr vertragen. «Man muss sich jeden Stock separat anschauen»,
sagt Zobrist.
Ein bisschen ist das zwar wie im Kurslokal, wo die
Kursteilnehmenden mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Erwartungen zu ihm kommen.
Trotzdem taugt der Erziehungsschnitt für ihn aber
nicht als Metapher für eine moderne Erwachsenenbildung: «Erwachsene kann man gar nicht erziehen.»
Da gerät der verhinderte Biologe («ich bin damals einfach aus der Zwischenprüfung rausgelaufen») ins
Feuer, wenn er von der Konkurrenz erzählt: von
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
19
AUSKUNFT
Mail an die Expertin: Wie funktioniert multikulturell?
Grüezi Frau Gut-von Schulthess
Kann man das wirklich lernen: interkulturelle Verständigung?
Ja, das kann man. Es ist aber eine Kommunikation, die erhöhte
Aufmerksamkeit erfordert. Ich versuche, die andere Person zu
verstehen und von ihr verstanden zu werden. Verstehen heisst
ja nicht automatisch einverstanden sein. Und Verstehen funktioniert natürlich nur, wenn es von beiden Seiten kommt.
Nützt es, wenn ich einige Sätze Tamilisch lerne oder in zwölf
Sprachen «grüezi» und «adieu» sagen kann?
Es nützt, wenn dahinter Wertschätzung steht. Wenn die andere
Person sieht, dass ich mich ernsthaft mit ihrer Kultur beschäftige. Ich erlebe oft, dass sich Leute nicht einmal die Mühe
nehmen, einen fremden Namen korrekt auszusprechen. Das ist das
Gegenteil von Wertschätzung.
Sollte man nicht einfach friedlich nebeneinander leben?
Nein. Es ist zwar völlig in Ordnung und sogar wichtig, dass
beispielsweise Türken ihren eigenen Club haben. Oder dass sich
portugiesische Frauen am Sonntag zum Tanzen untereinander treffen. Man kann ja nur auf eine andere Kultur eingehen, wenn
man in der eigenen verwurzelt ist. Es gibt aber auch einen öffentlichen Raum, und daran sollen die Leute aus den verschiedenen Kulturen teilnehmen. Sonst werden sie abgehängt und verstehen die eigenen Kinder nicht mehr, die in der Schule oder an
der Arbeit selbstverständlich interkulturell leben.
Was ist, wenn meine Firma nach einer Fusion international wird?
Wenn ich jetzt Englisch sprechen soll und sich alle den Vornamen sagen?
Das ist eine knifflige Situation. Wenn möglich sage ich dem Chef
oder der Chefin, dass es mich irritiert, wenn ich jetzt plötzlich
für alle der «Georg» bin statt der «Herr Weber». Ideal ist,
wenn beide Kulturen nebeneinander leben können: Ich bin ja jetzt
in einem internationalen Umfeld, aber gleichzeitig auch noch in
meiner Schweizer Kultur.
Wie steht es mit dem Dresscode – Anzug und Deux-Piece oder
Jeans und T-Shirt?
Das kommt sehr auf die Firmenkultur an. Ich kenne Firmen, die
den «Casual Friday» eingeführt haben. So wird den Mitarbeitenden
ermöglicht, auch mal zwischendurch ohne «Uniform» an die Arbeit
zu gehen. Denken wir aber auch an die Schule: Der Lehrer muss
nicht mehr wie früher im Anzug vor der Klasse stehen. Seine
Haltung den Schülern gegenüber sollte auch mit einer lockeren
Kleidung spürbar sein. Auch hier gilt: Wertschätzung und die
Andersartigkeit verstehen, ist die Herausforderung – ohne die
angestammte Kultur ablegen zu müssen.
Besten Dank für Ihre Ausführungen.
ISABEL GUT-VON SCHULTHESS ist
Mediatorin, Beraterin und Kursleiterin im interkulturellen Umfeld. Während längeren Aufenthalten in Genf,
Madrid, New York und Tokio lernte
sie gegensätzlichste Kulturen selber
kennen. An der EB Zürich leitet sie
unter anderem den Bildungsgang
«Mediation und kulturelle Vielfalt».
KURS
Bildungsgang Mediation und kulturelle
Vielfalt
in Kooperation mit immedio, Institut für
Mediation, Beratung, Entwicklung, Berlin/
Frankfurt
5 Module, insgesamt 12 Tage (11.–13. Juni,
27./28. August, 19.–21. November 2013,
22./23. Januar, 25./26. März 2014)
Interkulturelle Kommunikation
10./11. September 2013
Mediation trainieren
16./17. April 2013
Weitere Informationen: www.eb-zuerich.ch
20
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
SEINERZEIT TAGESTHEMA
Baugeschichtliches Archiv Zürich
Hochhäuser am Letzigraben (1952)
Auf dem Areal einer ehemaligen Kiesgrube, im westlichsten Zipfel Wiedikons, liess Stadtbaumeister
Albert Heinrich Steiner 1952 zwei zwölfgeschossige Hochhäuser mit Y-förmigem Grundriss errichten –
als Teil der Überbauung Heiligenfeld, welche als Grünzug den Friedhof Sihlfeld mit dem 1949 eröffneten
Freibad Letzigraben und den Sportplätzen Utogrund und Letzigrund verbinden sollte. Die beiden Bauten
an der Ecke Badenerstrasse/Letzigraben waren die ersten modernen Wohntürme Zürichs (einzig das
Kirchgemeindezentrum Wipkingen und der Walcheturm mit der kantonalen Verwaltung sind ältere
Hochhäuser), und sie lösten entsprechend grosse Aufmerksamkeit aus. In den folgenden 25 Jahren wurde
in Zürich eine ganze Reihe von Hochhäusern erstellt, vornehmlich am Stadtrand (Schwamendingen
1955–58, Migros Herdern, Stadtspital Triemli, beide 1970) oder in den Aussenquartieren (Lochergut,
1963–66, Hotel International, 1972, Siedlung Hardau, 1976–78).
In der Folge flaute die Begeisterung für Hochhäuser ab, 1984 verbot sogar eine vom Volk angenommene
Initiative den Hochhausbau in der Innenstadt gänzlich. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts kam es
abermals zu einer Trendwende; das Hochhaus wurde wieder salonfähig. Eine Volksinitiative «40 Meter
sind genug» lehnten die Stimmberechtigten im November 2009 deutlich ab, und zurzeit sind in
Zürich-West und im Quartier Leutschenbach rund ein Dutzend Hochhäuser im Bau oder in Planung.
Zürich ist nicht zum Mini-Manhattan geworden und wird es wohl auch nie werden. Auf Stadtgebiet
gibt es nur gut dreissig Bauwerke mit über fünfzig Metern Höhe, eine so geringe Zahl, dass man die
meisten Bauten mit Namen kennt. Immerhin verfügt die Stadt mit dem Prime Tower (vorübergehend)
über das höchste Gebäude der Schweiz.
Felix Aeppli
Felix Aeppli, Historiker und Filmexperte, erteilt an der EB Zürich einen Kurs über den Schweizer Film.
Mit «Seinerzeit Tagesthema» wirft er einen Blick auf spezielle Ereignisse aus der Geschichte von Stadt und Kanton Zürich.
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
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KURSFENSTER
Lehren ist eine Leidenschaft
Lehren lernen. Informatiker, Tänzerinnen, Forensiker, Pflegefachfrauen, Handwebmeisterinnen
und Grafiker – im Kurs «Lernveranstaltungen mit
Erwachsenen durchführen» begegnen sich Menschen aus allen Teilen der Berufswelt. Ihr gemeinsames Ziel: selber souverän unterrichten können.
Der Kanton Zürich – und mit ihm
eine wachsende Zahl anderer Arbeitgeber – verlangt als qualitätssichernde Massnahme von seinen
Mitarbeitenden, die Aufgaben in
der Berufsbildung übernehmen,
das Zertifikat des Schweizerischen
Verbandes für Weiterbildung
(SVEB). Das verschafft Bettina
Wöhler die Gelegenheit, im Austausch mit Menschen aus anderen
Berufszweigen Altbewährtes zu
überdenken und Neues zu lernen.
TEXT Kati Dietlicher BILD Miriam Künzli
Bettina Wöhler hat Erfahrung:
verfügt über eine Ausbildung als
Grund- und Hauptschullehrerin
in Deutschland, hat ein Nachdiplomstudium als Wirtschaftsingenieurin in der Schweiz absolviert
und ist seit vielen Jahren als Berufsbildnerin tätig. Zurzeit arbeitet
sie bei der Fachstelle Validierung
des kantonalen Berufsinformationszentrums (BIZ) Oerlikon. Dort
unterstützt sie Erwachsene, die in
einem Validierungsverfahrens einen anerkannten Berufsabschluss
erwerben. Das heisst, sie weisen
nach, dass sie trotz fehlender anerkannter Ausbildung über die
notwendigen Kompetenzen für einen bestimmten Beruf verfügen.
«Alles in allem sind es wohl bald
zwanzig Jahre, dass ich in der Erwachsenenbildung tätig bin», sagt
Bettina Wöhler schmunzelnd –
und die Journalistin wundert sich.
Weshalb sitzt diese Frau in einer
Ausbildung, in der sie lernen soll,
was sie längst kann? Die Antwort
ist einfach: Erstens, weil sie muss.
Und zweitens, weil es ihr wider Erwarten grossen Spass macht.
22 EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
Nach Berliner Art. Eine Gruppe
von siebzehn Frauen und Männern trifft sich an diesem schneehellen Wintermorgen in der Dépendance der EB Zürich, im Schulhaus an der Ausstellungsstrasse
60. Die einen verfügen über viel
Unterrichtserfahrung, die anderen
stehen erst am Anfang. Es ist der
dritte von sechs jeweils zwei- oder
dreitägigen Ausbildungsblöcken,
Halbzeit also. Die Atmosphäre ist
entspannt, die Teilnehmenden
kennen sich bereits. «Planung einer Unterrichtseinheit» heisst das
Thema heute. Es wird an einem didaktischen Modell entwickelt,
dem sogenannten Berliner Modell,
das einfach in der Anwendung
und effizient in der Wirkung ist.
Zunächst sollen die Kursleitenden
ihre Zielgruppe definieren – Alter,
Geschlecht, Vorwissen, Motivation, Erwartungen usw. Dann klären sie die Rahmenbedingungen
des Kurses wie räumliche Gegebenheiten, vorhandene Infrastruktur und Budget, um schliesslich
zum Kern der Sache zu kommen:
Welches sind die Ziele, Inhalte,
Methoden und Medien für die geplante Lektion?
KURSFENSTER
Bettina Wöhler setzt sich mit Bettina Laubi zusammen. Sie ist dipl.
Pflegefachfrau mit Höherer Fachausbildung und begleitet als Berufsbildnerin FaGe-Lernende (Fachfrau/
-mann Gesundheit) in der Praxis.
Sie hat es also mit 16- bis 20-jährigen jungen Menschen im Spitalalltag zu tun, während Bettina Wöhler
mit Erwachsenen zwischen 30
und 50 Jahren arbeitet, die sich in
einer herausfordernden Lebenssituation befinden. Der Austausch
zwischen den zwei Frauen ist angeregt, ebenso wie die anschliessende Diskussion im Plenum, wo
die erarbeiteten Erkenntnisse gesammelt und Erfahrungen ausgetauscht werden.
Leitung unter Beobachtung. Für die
Kursleitung an diesem Morgen
sind Simon Bachmann und Lilly
Kahler zuständig. Sie ist für Barbara Christen eingesprungen, welche die Klasse eigentlich durch die
Ausbildung begleitet, aber heute
wegen Grippe fehlt. Solche kurzfristigen personellen Änderungen
sind keine Bagatellen, sie müssen
angemessen kommuniziert werden, um das Feld für den Unterricht frei zu machen. Und auch
auf die Anwesenheit von Schulbesuch muss die Gruppe vorbereitet
sein. Simon Bachmann macht das
perfekt. «Im Grunde genommen
sind alle Kurssituationen immer
auch Lernbeispiele für die Teilnehmenden», erklärt er später.
«Wir fordern sie explizit auf, uns
als Lehrpersonen zu beobachten.
Sollte mal etwas nicht klappen, so
können wir dies gleich transparent machen, analysieren, was
fehlt, und schauen, wie wir es besser machen könnten. Ein Supervorteil im Präsenzunterricht!»
Simon Bachmann ist Lehrer aus
Leidenschaft – und ein neugieriger Mensch. Seine berufliche
Laufbahn hat er als Elektromechaniker begonnen und ist nun an
seinem Master in Physik. Er unterrichtet ebenso gern Kinder und Jugendliche wie Erwachsene. Und
würde eigentlich am liebsten jeweils noch einen Tag pro Woche
als Schlosser arbeiten. Um die Bodenhaftung nicht zu verlieren,
wie er sagt. Seine Begeisterung
wirkt ansteckend. Überhaupt kommen sowohl die Kursleitung wie
die Inhalte gut bei den Teilnehmenden an. Spannend und kurzweilig sei der Unterricht. Selbstverständlich wird das Gelernte jeweils sofort in der Praxis getestet –
mit gutem Erfolg. Und auch was
die heutige Lektion angeht, sind
sich alle einig: Das Instrument
zur Planung einer Unterrichtseinheit, das sie soeben bekommen haben, verschafft Klarheit und gibt
Sicherheit. Eine gute Voraussetzung für erfolgreiches Lehren und
Lernen.
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
23
IM GESPRÄCH
«Entscheidend ist die
innere Berührtheit»
Die Magie im Schöpferischen. Viele hatten ihm davon abgeraten, auf die Karte
Film zu setzen. Er musste es trotzdem versuchen und hat es geschafft: Sechs
Dok- und drei Spielfilme später zählt er zu den arriviertesten Filmemachern
der Schweiz. Und: In seinen Anfängen hat er an der EB Zürich gelernt, mit einer
Videokamera umzugehen. Stefan Haupt über Kreativität und das «Mysterium
der Schöpfung», das Thema seines neusten Films.
INTERVIEW Christian Kaiser BILDER Iris Stutz
Stefan Haupt, Sie sind gerade aus Süddeutschland
zurück, wo Ihr Film «Sagrada – el misterì de la creaciò»
in den Kinos angelaufen ist. Wie war das Echo?
Das Echo war immer und überall sehr gut. Natürlich
gibt es immer ein paar wenige Leute, die etwas bemängeln oder hinterfragen, aber das dürfen sie auch.
Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über dieses
gigantische Bauprojekt zu machen?
Ich war mit dem Film «Ein Lied für Argyris» in Köln
und habe kurz den Kölner Dom besucht. Und war
wie erschlagen von Höhe und Mächtigkeit dieses
Bauwerks. Mich hat aber auch tief beeindruckt, was
die Menschen in früheren Zeiten gemeinsam zu
Stande gebracht haben. Dann habe ich mir die Frage
gestellt, ob wir heute noch Vergleichbares bauen,
was nicht auf Effizienz und ökonomischen Vorteil
ausgerichtet ist. So etwas wie der Kölner Dom würde
doch heute gar keinen Sinn mehr ergeben und liesse
sich gar nicht finanzieren.
24
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
IM GESPRÄCH
Die Sagrada Família als Kölner Dom der Neuzeit?
Zwei Wochen später war ich mit demselben Film
in Barcelona und habe die Sagrada Família besucht.
Dann diese Riesenbaustelle im Innern der Kathedrale:
Arbeiter, die rauchen, lachen, Radio hören. Und kurz
vor 18 Uhr, wenn die Touristen die Kathedrale verlassen müssen, erlebte ich diesen magischen Moment.
Es war am Eindunkeln, eine Tafel stand da: «Silencio
por favor» – und plötzlich die Einsicht; das ist ja
höchst spannend, das gibt es ja immer noch, dieses
Hinarbeiten auf ein scheinbar sinnloses Ziel, die
Zusammenarbeit an einem kolossalen Projekt. Das
war der Ausgangspunkt. Denn ich kannte das: Diesen Moment, wo mir klar wird, «wow, ja, das wär
ein spannendes Thema», gab es bei jedem Vorhaben.
Einen Moment, der so tief geht, dass ich es zumindest versuchen muss.
Eine Eingebung?
Das klingt mir zu sehr nach einer äusseren Quelle.
Das Entscheidende ist diese innere Berührtheit.
Und zu spüren, dass es ein Thema ist, das auf verschiedenen Schichten genügend Fleisch am Knochen
hat, so dass es mich interessiert.
Sie erwähnen im Film, dass Gaudí davon gesprochen
habe, dass die Sagrada Família ein Projekt der göttlichen Vorsehung sei. Halten Sie es für möglich, dass es
eine Art Vorsehung sein könnte, dass Sie gerade dieses
Projekt ansprang?
Ich spüre häufig, dass es etliche Ebenen in unserem
Leben gibt, wo ich nicht sicher bin, was da was zuzuordnen ist: Man kann es Schicksal nennen oder
nicht. Jedenfalls empfinde ich diese Momente weder
als Eingebung noch als Vorsehung. Als Macher muss
ich mir zum Glück diese Frage auch nicht stellen.
Ich muss auch nicht nach einem roten Faden suchen, weil ich auch sehr bewusst von einem Thema
zum nächsten springe: Als ich den Film über Elisabeth Kübler-Ross machte, da hatte ich ein Dutzend
Anfragen für ähnlich gelagerte Filme über Nahtoderfahrungen oder Begegnungen mit dem Jenseits.
Da sage ich dann sehr bewusst: Nein, ich mache etwas Neues, Anderes.
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
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IM GESPRÄCH
Würden Sie sich als spirituellen Menschen bezeichnen?
Das Wort spirituell ist mir nur halb angenehm. Ich
habe Mühe mit solchen Wort-Schubladen. Aber
was ich sicher sehr spannend finde, ist, einen Ausgleich zu finden zwischen Geist und Materie. Zwischen inneren Bildern und Sehnsüchten, der Suche
nach Sinn, nach Wahrnehmung und Bewusstheit
und gleichzeitig in der äusseren, realen Welt ganz
anwesend zu sein; die Aufgaben, die einem das Leben stellt, auch anzunehmen.
Stefan Haupt: Ein erfolgreicher Schweizer Filmemacher
Nach dem Berufseinstieg als Lehrer und einer Ausbildung als Theaterpädagoge erhielt Stefan Haupt die Gelegenheit, einen ersten
Film («Parkzeit läuft») für den WWF zu drehen. Und wollte mehr
lernen über das Filmen: Statt an einer Filmschule in Los Angeles
landete er an der EB Zürich, damals noch EB Wolfbach. Dort besuchte er in den 90ern Videokurse: Einführungen in Kameraführung, Schneiden, Drehen von Minigeschichten etc. Auch Softwareeinführungskurse für den Mac hat Stefan Haupt an der EB
Wolfbach besucht. «Eine tolle Institution», schwärmt er heute
noch ungefragt. Schon sein erstes Filmprojekt war ein Erfolg:
«I’m Just a Simple Person» erhielt vom Züri-Tipp 1998 das Prädikat
«Die schönste Liebesgeschichte seit Romeo und Julia auf dem
Lande». Seinen neusten Dokumentarfilm über die Sagrada Família
haben in der Schweiz bislang über 17 000 Menschen gesehen.
Die DVD zum Film erscheint am 22. März. Das Büro von Stefan
Haupts Produktionsfirma Fontanafilm im Zürcher «Chreis Föif»
ist winzig verglichen mit der Breitenwirkung seiner Filme: Elisabeth
Kübler-Ross ist mit europaweit rund 300 000 Zuschauern bis
heute einer der erfolgreichsten Schweizer Dokumentarfilme.
Für sein Spielfilmdebüt «Utopia Blues» erhielt er den Schweizer
und den Zürcher Filmpreis. Stefan Haupt wohnt in Zürich und ist
mit der Schauspielerin Eleni Haupt, einer Griechin, verheiratet.
Das Paar hat vier Kinder im schulpflichtigen Alter.
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EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
Ein Pendeln zwischen der inneren und der äusseren
Welt?
Ja, das ist etwas, was sich auch im Film zeigt: Einerseits ist da das konkrete Gebäude der Sagrada Família
und die Frage, wie man sie baut, wie viel Raum sie
sich nimmt, wie sie vor Ort und in der Gesellschaft
verankert ist. Und auf der anderen Seite die Frage,
wofür sie steht, welchen Raum sie schafft, was sie
den Menschen ermöglicht – an Sammlung, an Zentrierung. Das interessiert mich: diesen Zugang zu beiden Welten zu haben.
Sagrada ist auch ein Film über die Sehnsucht des Menschen nach Kreativität. Wie verhalten sich Spiritualität
und Kreativität zueinander?
Ich finde in diesem Zusammenhang das Bibelwort,
dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist, höchst
spannend; als Ebenbild von Gott sind wir Schöpfer,
selber Gott, Mensch und Gott, Geschöpf und Schöpfer. Und schöpferisch sein zu können, ist für mich
etwas vom tiefsten Glück, das ich kenne. An etwas
gemeinsam mit anderen über Jahre arbeiten zu können, und am Schluss ist ein Resultat da, bei dem es
nicht primär darum geht, wie messbar es ist, sondern
wie berührend es wirkt – das hat gewissermassen
eine göttliche Komponente: eben das Schöpferische.
Gibt es Einflüsse, die diese Haltung geprägt haben?
C.G. Jung habe ich lange mit grossem Interesse gelesen, ich konnte einmal in seinem Turm sein am
Obersee, durfte in seinem Bett übernachten. Er
brachte ja für viele Künstler eine wahnsinnige Öffnung mit seiner Art, die Dinge zu sehen: Archetypen, Urbilder. Er war ja auch selbst ein sehr schöpferischer Mensch in allem, was er tat: Wie er geschrieben und gemalt hat, Steine bearbeitet hat. Ich selbst
habe noch mit Mitte 20 nicht gewusst, was ich tun
soll. Ich habe Aquarelle gemalt, viel geschrieben,
Musik gemacht, komponiert.
Sie waren ja auch Chorleiter und haben Theater- und
Stimmkurse gemacht.
Mich hat überrascht, welche unterschiedlichen Dinge die Menschen im Theater oder in der Musik gesucht haben: die einen interessierten im Theater die
Gegensätze und Konflikte, an denen sich die Menschen reiben, die anderen suchten im Chor die Harmonie, die Einheit, das Aufgehen im Klang. Für
mich eröffnete der Film die Möglichkeit, solche un-
IM GESPRÄCH
Braucht es auch Termindruck?
Ja, Termine bringen zusätzlichen Dampf und
Druck in den Kochtopf. Ich versuche sie mir
auch selber zu setzen, finde das aber sehr
schwierig.
terschiedlichen Ziele zu vereinen. Ich empfinde beispielsweise grosse Freude dabei, den Text zu den
Kommentaren im Film zu schreiben. Und ich kann
die Mitwirkenden, die Bilder und die Musik auswählen: Es ist toll, auf wie vielen Ebenen man beim Film
etwas gestalten kann.
Der Bau der Sagrada Família ist nun mit Unterbrüchen
seit 130 Jahren im Gang. Ein Ende wird jetzt für 2026
prognostiziert. Ein generationenübergreifendes
Kunstwerk. Welche Rolle spielt der Faktor Zeit für Kreativität?
Zum einen brauchen kreative Prozesse natürlich
Zeit: Man muss sich Freiräume schaffen, in welchen
man Zeit hat; in welchen man nicht innerlich besetzt ist; in welchen man auch nein sagen kann, um
an einem Projekt weiterzuarbeiten. Dafür braucht
es sehr häufig auch Geld. Weil wir ja in einer Zeit leben, in der ...
Ist die Sagrada Família auch eine Art Mahnmal
gegen die stete Beschleunigung des Lebens?
Das liesse sich sagen, wenn der Bau heute
begonnen würde. Die Sagrada Família verschliesst sich dem Modernen ja nicht: Computerprogramme, moderne Bautechniken usw.
kommen zur Anwendung. Das Projekt ist deshalb spannend, weil es die Zeiten verbindet –
mit Wurzeln, die im vorletzten Jahrhundert
liegen. Und so auch Verbindungen knüpft mit
einer uralten Sehnsucht des Menschen. Viele,
die den Film gesehen haben, sind stark emotional berührt und wissen gar nicht genau, wieso.
Für mich hat das mit dieser Sehnsucht nach Einheit
zu tun, mit dem Wunsch, in einen Prozess eingebunden zu sein, der viel grösser ist als wir selbst.
Was können moderne Menschen für ihre Kreativität
von Gaudí lernen?
Sich Räume zu schaffen, wo man ganz dem nachspüren kann, was an Ideen aus dem Innern kommt.
Was würde mich wirklich packen und interessieren,
unabhängig davon, ob es den anderen gefällt? Die
«wirkliche» Moderne hat Gaudí ja belächelt. Gleichzeitig sollte man auch die Augen offen haben: Gaudí
liess sich viel von der Natur inspirieren. Es braucht
also beides: Das Eigene und die Inspiration von aussen.
… Zeit auch Geld ist …
Es ist aber auch so, dass das Werk nicht einfach immer besser wird, wenn man mehr Zeit hat. Der
Druck der Zeit kann einem den Kick geben, um nach
Lösungen zu suchen. Denn in kreativen Prozessen
gibt es immer auch Phasen, wo es stockt, wo man
glaubt, es nicht zu schaffen. Wenn man sich dann
nur Zeit gibt, kommt man nicht voran. Fürs Schreiben von Drehbüchern brauche ich eine Dampfkochtopf-Situation: Ich muss mich abkoppeln, um mich
ohne Einschränkung dem Schreiben zu widmen.
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
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KULTUR
Kursleitende und Mitarbeitende der EB Zürich geben Tipps zu interessanten Büchern, CDs und Filmen.
Volker Kitz / Manuel Tusch
Psycho? Logisch! Nützliche Erkenntnisse
der Alltagspsychologie
Heyne Verlag 2011
Lesen
Ruth Olshan
Wie Luft zum Atmen
2005
Sehen
Anouar Brahem
Thimar
ECM Records 1998
Hören
Entwaffnend. Wer ein Buch sucht
mit Kurzgeschichten, das humorvoll und witzig, aber gleichzeitig
nicht seicht und trivial ist, und
das in guter Verbindung zum eigenen Erleben steht, liegt mit
dem Werk von Kitz/Tusch völlig
richtig. Auf witzige, manchmal
auch freche Art werden Erkenntnisse aus der psychologischen Forschung dargestellt. Natürlich fallen einem die Macken anderer
immer viel besser auf als die eigenen. Aber Vorsicht, das Buch hat
auch eine gewisse Spiegelwirkung. Eine gut gelungene Kombination von Wissenschaftlichkeit
und Bodenhaftung, die einem immer wieder ein Schmunzeln aufs
Gesicht zaubert und manchmal
auch ein nachdenkliches Nicken.
Bewegend. Der Film von Ruth Olshan ist eine musikalische Reise
nach Georgien. Ich selber habe
das Land 2009 bereist und mit
dem georgischen Frauen-Ensemble Tutarchela verschiedene Konzerte geben dürfen. Musik sei wie
Luft zum Atmen, erzählt Tamar
Buadze, die Leiterin von Tutarchela, im Film. Was tief beeindruckt,
ist die gelebte Folklore, die Freude
am Leben, sind Lieder, die in jeder
Lebenssituation gesungen werden. Ruth Olshan zeigt Menschen,
die auf der Suche nach traditionellen Texten sind, Pop- und Jazzmusiker, die Neues wagen, Jugendliche, die ihre komplexen
Tänze tanzen. Und über allem
steht die georgische Musik, die
Herz und Seele heilen kann.
Entführend. Stell Dir eine verrauchte Jazzbar in den 70ern oder
80ern vor. Kombiniere die Vorstellung mit Bildern der filigran verspielten maurischen Stein- und
Holzschnitzereien zum Beispiel in
der Alhambra. Übertrage dies in
Musik und Du erhältst «Thimar»
von Anouar Brahem. Gemeinsam
mit den Jazzmusikern John Surman (Saxophon, Klarinette) und
Dave Holland (Kontrabass) schafft
der Oud-Virtuose Brahem Klänge,
Melodiebögen und Rhythmen, die
arabische Musiktradition mit europäischem Jazz verschmelzen.
Mich – auf dem Sofa liegend –
nimmt Thimar mit nach Paris, in
eine marokkanische Medina oder
in die Wüste. Melancholie und
Freude tragen mich.
HANS PETER GÄCHTER
Organisationsentwicklung und
Management
GABY NOTTER
Mitarbeiterin Administration
WOLFGANG WELLSTEIN
Kursleiter Rhetorik und Kommunikation
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EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
TIPPS UND TRICKS
Visionen für Familienfrauen
Karriereplanung mit Kindern. Familienfrauen
sollten frühzeitig die Weichen stellen, um beruflich am Ball zu bleiben. Wie schaffen sie es,
dass die Kinderpause nicht zu einem dauerhaften Berufsausstieg wird? Wie gelingt der
Wiedereinstieg in eine erfüllende Aufgabe?
TEXT Christian Kaiser, Regula Brunner ILLUSTRATION Eva Kläui
Familienfrauen von heute melden sich möglichst
rasch wieder auf dem Arbeitsmarkt zurück. Sie beherzigen damit wichtige Erfolgsfaktoren für den
Wiedereinstieg: 1. Je früher, desto besser: Die Kontakte sind noch da, das Know-how ist up to date, das
Vertrauen in die eigenen beruflichen Fähigkeiten ist
intakt. 2. Der Nicht-ganz-Ausstieg ist der beste Wiedereinstieg: Auch wenn es nur ein kleines Pensum ist
– frau behält ein Standbein im beruflichen Umfeld
und damit einige Türen offen; sie verfolgt aus der
Nähe wichtige fachliche Entwicklungen und investiert so auch in ihr berufliches Selbstwertgefühl, das
nicht selten schon nach einer Pause von ein, zwei Jahren Richtung Nullpunkt sinkt.
Rollende Rollenplanung
Trotzdem sollte die Rückkehr in die Arbeitswelt kein
unüberlegter Schnellschuss sein. Denn die Familienphase ist ein bedeutender Umbruch und kann auch
die bisherigen beruflichen Prioritäten auf den Kopf
stellen: Fragen wie «Wo zieht es mich hin?», «Was ist
mir wichtig?», «Was gäbe es sonst noch?» fordern ihren Platz ein. Es gilt zu klären, welche Rollen zukünftig gestaltet und gelebt werden wollen. Frau sollte also zuerst eine Vision für ihr Leben als Mutter
und Berufsfrau entwickeln, und dieses Ziel bestimmt
dann den Weg.
Schlummernde Potenziale wecken
Den Ausgangspunkt bei der Visionssuche bildet idealerweise eine Standortbestimmung: «Welche Stationen umfasst meine bisherige Laufbahn?», «Welche
Entscheidungen habe ich wann getroffen?». Alles,
was sich an Wissen, Können und Lebenserfahrung
angesammelt hat, wird neu entdeckt und sichtbar gemacht. Oft ist das mit einem «Wow-Erlebnis» verbunden. Die Bestandesaufnahme ermöglicht erst, Potenziale aufzudecken, Perspektiven zu entwerfen und
Visionen zu beschreiben.
Die Vision im Reality-Check
Ist die Vision da, möglichst klar in allen Farben und
Facetten, kann sich die Familienfrau an die konkreten
Schritte zur Umsetzung machen: Etwa die Arbeitsund Bildungswelt auf mögliche Entwicklungsstufen
hin abklappern, in Frage kommende Tätigkeitsfelder
in der Praxis erkunden, sich von Fachpersonen beraten lassen, das persönliche Netzwerk nutzen und
neue Kontakte knüpfen. Und dann gilt es nur noch,
die möglichen Arbeitgeber von der eigenen Vision zu
überzeugen. Die besten Chancen dafür besitzt, wer
selbstbewusst auftritt und mit Worten und Taten
überzeugen kann. Diesen letzten Aspekt sollte man
nicht unterschätzen: also rechtzeitig an Bewerbungstechnik, Präsentation und Rhetorik arbeiten!
KURSE ZUM THEMA
Bildungsgang «Perspektiven in der Familienphase»
Gemeinsam mit anderen Frauen neue Perspektiven entwickeln
Professionelle Laufbahnplanung in 5 Schritten
Ausgehend von einer Standortbestimmung die Laufbahn planen
Mein Bewerbungsdossier: zeitgemäss und aussagekräftig
Mit aussagekräftigem Bewerbungsdossier überzeugen
Prospekt zum Bildungsgang «Perspektiven in der Familienphase»
auf www.eb-zuerich.ch, Berautng unter Tel. 044 385 83 92.
EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
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AGENDA
Viermal Literatur
Ein Satz hat 160 Zeichen, Freund wird man beim ersten
Klick, seine Liebe bekundet man mit «hdmfgul»: Die
Schreibforscherin Sarah Brommer (Uni Zürich) zeigt
in ihrem Vortrag, wie sich Schreibnormen in E-Mails,
in Chats und auf Facebook verändern (4. April).
Engagements auf Fotos
Vom Leben der Menschen in Simbabwe im südlichen
Afrika erzählen die Reportage-Fotografien von Pia
Zanetti. Dort leitet der Schweizer Arzt Ruedi Lüthy
seit seiner Frühpensionierung eine ambulante Klinik
für HIV- und Aids-Patienten. Eine Ausstellung zum
10-Jahre-Jubiläum der Stiftung Swiss Aids Care International, welche die Klinik betreibt (ab 15. März).
Silvia Voser, Foto-Dozentin an der EB Zürich, bringt
Bilder aus der indischen 3-Millionen-Stadt Jaipur. Sie
zeigen das Leben von Strassenkindern und wie sich
die unabhängige Organisation Taabar für sie einsetzt. In einem eigenen Projekt von Silvia Voser Projekt fotografierten die ehemaligen Strassenkinder
ihren Alltag selber. Diesen Bildern gegenüber stehen
Aufnahmen von Zürcher Kindern über ihrem Alltag
(ab 15. Mai).
10 JAHRE SWISS AIDS CARE INTERNATIONAL
Reportage-Fotografien von Pia Zanetti
Galerie EB Zürich, 15. März bis 20. April 2013
NAMASTE – GUTEN TAG
Fotografie-Ausstellung von Silvia Voser
Galerie EB Zürich, 15. Mai bis 15. Juni 2013
Vernissage: Mittwoch, 15. Mai 2013, 18.30 Uhr
3D – filmen und drucken
3D-Bilder und 3D-Filme begegnen uns heute fast täglich. Werbegrafiker und 3D-Artist Olivier Jaillard
zeigt, wie die Software Maxon Cinema 4D eingesetzt
werden kann (25. März).
3D-Druckern gehört die Zukunft. Jochen Hanselmann,
seit vielen Jahren in der Szene, zeigt Geschichte
und Potenzial der Technik und demonstriert einen
3D-Drucker live in Aktion (16. April).
3D-VISUALISIERUNG MIT MAXON CINEMA 4D
Präsentation Olivier Jaillard
Montag, 25. März 2013, 18.30 Uhr, EB Zürich
3D DRUCKEN
Präsentation und Demonstration Jochen Hanselmann
Dienstag, 16. April 2013, 18.30 Uhr, EB Zürich
30 EB Kurs Nr. 37 – Frühling 2013
Am 19. Juni liest die junge Autorin Dorothee Elmiger
im BiZE. Sie sorgte mit ihrem Erstling «Einladung an
die Waghalsigen» für Aufsehen. Zusammen mit Brigitte Spalinger leitet sie an der EB Zürich vorher am
Nachmittag einen Workshop unter dem Titel «Summen oder Brummen? Die Variation».
KME, PH Zürich und EB Zürich führen wieder einen
Schreibwettbewerb durch, Stichwort «Blindgänger»,
Die Form ist frei (z.B. Kurzgeschichte, Innerer Monolog, Minidrama, Gedicht, Rap), der Umfang zwischen
1000 und 5000 Zeichen.
E-MAIL, CHAT UND FACEBOOK – SCHREIBEN OHNE NORMEN?
Vortrag Sarah Brommer
Donnerstag, 4. April 2013, 19.30 Uhr
SUMMEN ODER BRUMMEN? DIE VARIATION.
Workshop mit Dorothee Elmiger und Brigitte Spalinger
Mittwoch, 19. Juni 2013, 14.00 bis 17.00 Uhr
LESUNG DOROTHEE ELMIGER
Mittwoch, 19. Juni 2013, 19.30 Uhr
BLINDGÄNGER
Schreibwettbewerb von PHZH, KME und EB Zürich
Einsendeschluss 31. März, www.eb-zuerich.ch > Aktuell
Der Datenschützer kommt
Er kennt die Chancen und Risiken des Internets von
Berufes wegen: Bruno Baeriswyl, der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich. In seinem Vortrag
schildert er, was mit unseren Daten passieren kann
und wie man sich gegen Missbrauch schützt.
INTERNET UND DATENSCHUTZ
Vortrag / Diskussion Bruno Baeriswyl
Dienstag, 7. Mai 2013, 19.00 Uhr
EB Zürich im Hauptbahnhof
«Weiterkommen» lautet das Motto der 13. Zürcher
Bildungsmesse im Hauptbahnhof. Drei Tage lang
kann man sich an zahlreichen Ständen über Weiterbildungen informieren. Die EB Zürich ist auch dieses Jahr wieder dabei.
ZÜRCHER BILDUNGSMESSE
Mittwoch, 20. März bis Freitag, 22. März 2013, 11.00 bis 20.00 Uhr
WEITERBILDUNG – WIE ICH SIE WILL
Weiterkommen mit der EB Zürich
Mit jährlich 16 000 Kundinnen und Kunden ist die EB Zürich die grösste von der öffentlichen Hand
getragene Weiterbildungsinstitution der Schweiz.
Der erste Schritt zu neuen Horizonten:
– Bestellen Sie unser neues Programm mit über 400
Kursen und Bildungsgängen.
– Besuchen Sie eine unserer Informationsveranstaltungen.
– Lassen Sie sich über unser Angebot beraten.
– Nutzen Sie unsere Lern- und Arbeitsplätze im
Lernfoyer.
– Buchen Sie eine Weiterbildungsberatung und klären
Sie Ihre Ziele.
– Machen Sie Selbsteinstufungstests auf unserer
Webseite.
– Lernen Sie anhand unserer Imagebroschüre unsere
Werte kennen.
– Informieren Sie sich auf www.eb-zuerich.ch.
– Fragen Sie telefonisch oder per Mail bei uns nach.
– Kommen Sie vorbei und lernen Sie uns kennen.
Weiterbildung liegt im Interesse des Wirtschaftsstandortes Zürich und muss darum für alle zugänglich sein –
unabhängig vom finanziellen oder sozialen Status. Seit
bald 40 Jahren unterstützt die kantonale Berufsschule
für Weiterbildung deshalb Berufsleute aus allen Branchen
und Bildungsschichten dabei, beruflich am Ball zu bleiben;
Lehrabgänger und Akademikerinnen, Handwerker und
kaufmännische Angestellte, Kader und Berufseinsteigerinnen lernen neben- und miteinander.
Der persönliche Weg zum Ziel: Der Weg zum Lernerfolg
ist individuell. In Weiterbildungs- und Lernberatungen
werden die Ziele geklärt und geeignete Lernmethoden
und -formen aufgezeigt. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch immer mehr Personalchefs und Weiterbildungsverantwortliche vertrauen darum auf den Slogan
der EB Zürich:
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«Weiterbildung – wie ich sie will»
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