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... wie sage ich es meiner Frau - BiTurbo Club

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... wie sage ich es meiner Frau
„Wer stört?!!“ fragte Arno am Ende der Leitung. Ich sah auf die digitale Anzeige meines
Mercedes-Benz Comandsystem:“ 4.27 Uhr...“
las ich ab. Ich antwortete: „Ich bin in einer
Stunde bei Dir“ Arno wusste Bescheid und gab
mir Anweisung, wo ich meinen Mercedes parken soll. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits
4 Stunden gefahren. Gestartet war ich Neuss.
Dort hatte ich zuvor einen Kongress besucht.
Bereits vor Kongressbeginn wusste ich, dass
ich innerhalb der nächsten Tage wenig Schlaf
bekommen würde. So kamen die an mir vorbeirauschenden Felder auf den letzten Metern
vor Arnos Zuhause nahezu schemenhaft vor,
als die Morgendämmerung bereits hereinbrach. Um nicht der Müdigkeit nachzugeben,
öffnete ich das Fenster mittels Knopfdruck. Die
kühle Morgenluft strömte herein. Gleichzeitig
drückte ich auf das Gaspedal. Der AMG V8,
der 2008 von einem Italienischen Monteur gefertigt worden war, antwortete und schob mein
Gefährt weiter in Richtung Kappel. Niemals
hätte ich gedacht, ein deutsches Fabrikat mit
italienischen Einfluss zu fahren. Um 5.30 Uhr
erreichte ich Arnos Wohnhalle. Bereits beim
Einfahren begrüßte mich Arno und nahm mich
in Empfang. „ Da bist Du ja endlich!“ gab er
trocken wieder. Arno und ich hatten uns vorher
nie getroffen. In den letzten Wochen hatten wir
mehrfach telefoniert und lediglich festgestellt
die gleiche Schwäche zu teilen. Die Schwäche
für italienische Autos! Bereits seit meinem 6
Lebensjahr war ich großer Anhänger der Marke Maserati. Zu oft stand ich als kleiner Junge
am Fenster unserer elterlichen Mietswohnung
und versuchte bereits am Motorengeräusch zu
erkennen, welches Fabrikat gleich unsere Straße passieren würde. Der Biturbo eines älteren
Herrn, der damals mit bestimmter Regelmäßigkeit durch unsere Straße fuhr, blieb mir nicht
nur durch das Motorgeräusch, sondern auch
durch sein Design in Erinnerung..... Arno fragte:
„ Zucker und Milch?“ ...“Nein Danke“ Schwarz
bitte.“ antwortete ich. Schwarzer Kaffee war
jetzt genau das richtige, um die nächsten
Stunden bis nach Solaro zu überstehen. Nach
dem letzten Schluck des schwarzen Getränks
starteten wir in Richtung Schweizer Grenze.
Vor der Fahrt kontrollierte ich noch, ob ich alles
wichtige bei mir hatte. Das Bargeld hatte ich
nochmals gezählt und sicher in der Innentasche meiner Windjacke verstaut und den
Weekender in Arnos Kombi untergebracht.
Es war kurz vor 08.30 Uhr als wir auf die
Schweizer Grenze zufuhren. Die Einfahrt in
die Schweiz erfolgte problemlos. Gleiches
sollte wenige Stunden später beim Einfahren
nach Italien geschehen. Schon nach dem
St. Gotthard-Tunnel erwartete uns die italienische Sonne. Wenig später stoppten wir und
machten kurz Rast. Während der Fahrt hatten
Arno und ich genug Zeit uns näher kennen zu
lernen. Wir hielten ein Männergespräch über
alle wichtigen Themen, natürlich begonnen bei
italienischen Autos, aber auch Musik, Familie
und persönlichen Interessen.
Mehrfach wurde unser Gespräch von Anrufenden unterbrochen, die von Arno wissen
wollten, ob er das eine oder andere Ersatzteil
vorrätig hätte. Unsere Fahrt hingegen verlief ohne weitere Vorkommnisse, so dass wir
gegen Mittag in der Viale della Repubblica 6/8
in Solaro aufschlugen. Ivano, mit dem Arno
bereits während unserer Fahrt telefoniert hatte,
erwartete uns schon. Noch viel schöner, neben
dem menschlichen Empfangskomitee standen
ein Zagato Spyder und ein 228 auf dem Parkplatz der Werkstatt. Und unser eigentlicher Anreisegrund, schaute bereits aus der Werkstatteinfahrt hervor. Der silberne Ghibli GT der im
Jahr 2000 zum ersten Mal zugelassen wurde.
Mein mir altbekanntes Gefühl, wenn ich Fahrzeuge der Marke Maserati sah, war wieder da.
Innerliche Freude kam auf. Vergleichbar mit
dem kleinen Jungen der im Freizeitpark freien
Eintritt erhalten und Zuckerwatte geschenkt
bekommen hatte! Dennoch! Hätten Ivano und
Arno mich nicht in das von Maserati-Werbepostern und diversen Utensilien geschmückte
Büro der Werkstatt gebeten, so wäre ich vermutlich wie hypnotisiert in Richtung Ghibli weitergelaufen. Für einen Moment war ich wieder
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... wie sage ich es meiner Frau
in der Realität angekommen und versuchte
Ivano und Arno zu folgen, die sich miteinander
unterhielten.
Letztendlich gab Arno
mir grünes Licht den
Ghibli näher in Augenschein zu nehmen,
nachdem ich versucht
hatte mit meinen
wenigen italienisch
Sprachkenntnissen
dem Gespräch zu
folgen. So saß ich wenige Minuten später
auf dem Beifahrersitz des Ghibli, während
Ivano am Steuer Platz genommen hatte. Natürlich sprach er mit mir fließend italienisch,
so dass immer wieder in die Verlegenheit kam
in italienischer Sprache zu antworten:“Molto
bene“.....“Bella Machina“... Die Fahrt durch den
kleinen italienische Vorort von Mailand war unterhaltsam und rasant zugleich. Da der GhibliKauf sowieso schon klar war, wollte ich nun
selbst fahren und freute mich, als Ivano mich
dann auch ließ. Ab ging die Fahrt.....der Ghibli
war gekauft und wenig später zurück in der
Werkstatt wurde der Kaufvertrag unterzeichnet
und die Zahlung geleistet. Endlich hatte ich
wieder einen Maserati!
Nachdem die Formalitäten abgewickelt waren
und Arno mit Ivano noch geschäftliche Belange
besprach, schweifte mein Blick in die Werkstatt. Schon durch die Tür konnte ich erkennen,
dass dort weitere Maserati standen.
Kurzentschlossen stand ich von meinem Platz
auf und schaute mich in der Werkstatt um.
Meine Augen erblickten einen Shamal, einen
3200 GT, den Quattroporte 5, und mehrere
Biturbo. Unter den Fahrzeugen stand auch ein
Granturismo. Plötzlich stand auch Ivano neben
dem schwarzen Granturismo und bat mir eine
weitere Probefahrt mit eben diesem Fahrzeug
an. Ich ließ mich nicht lange bitten und stimmte
zu. Wenige Minuten später fegten Ivano und
ich erneut durch Solaro. Nun kündigte uns der
gewaltige Sound des V8-Saugers an jeder Einmündung und jedem Kreisverkehr an. Die 439
PS drückten mich so herrlich in den Sitz, rissen
mich bei jeder Kurvenfahrt aus dem selbigen,
dass es einfach nur noch Freude bereitete.
Zurück in Ivanos Halle beschloss ich den Granturismo auch zu kaufen. Hätte Arno micht nicht
ausgebremst, so hätten wir vermutlich vor dem
Problem gestanden, gleich 2 Fahrzeuge nach
Deutschland zu bringen. Abgesehen hiervon
wäre meine Frau „Not amused“ gewesen,
die ohnehin nichts von dem Kauf des Ghibli
wusste. Bereits in 2009 hatte ich Sie mit dem
Kauf eines Gransport überrascht. „ Aber was
soll „Mann“ denn tun, wenn der Virus erst einmal zum vollkommenen Verrücktsein geführt
hat?
....Facciamo una pausa? oder so ähnlich rief
Ivano seinen Mitarbeitern zu. Das war die Ansage der Mittagspause und Arno und ich verließen die Werkstatt um in Solaro etwas essen
zu gehen. Nachdem wir in Arnos Lokalempfehlung hervorragend gegessen hatten, kamen
wir zurück in die Viale della Republica. Bereits
während dem Mittagessen besprachen wir,
dass wir von unserem eigentlichen Plan, am
Abend noch einen Ausflug an den Gardasee
zu Arnos Bekannten zu machen , nicht einhalten würden. Erstens konnte Arno den Bekannten nicht erreichen, denn er hatte Urlaub.
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... wie sage ich es meiner Frau
Und zweitens verlief unsere Fahrt von Kappel
nach Solaro so reibungslos, dass wir beschlossen noch am selben Tag zurück nach Kappel
zu fahren. Wir waren gut in der Zeit und Arno
bestellt das reservierte Hotel ab.
einen rangierenden LKW verursacht wurden,
weckten. Mein Blick ging zur Uhr meines Fahrzeugs: „23.56 Uhr!“ ...höchste Zeit weiter zu
fahren. Innerlich dankte ich dem LKW-Fahrer
mich mit seinem Fahrmanöver geweckt zu
haben. Gegen 02.00 Uhr kam ich glücklich zu
Hause an.
Meine Frau, die wenige Tage später erst durch
das Stöbern in meinem Smartphone auf Fotos
des Maserati Ghibli und den verschiedenen
Bildern aus Italien stieß, wusste bis zu diesem
Zeitpunkt noch nichts von meinem Ausflug mit
Arno nach Solaro. Froh war sie wohl, dass
Sie nur die Aufnahmen des Ghibli und keine
Nachrichten oder Bilder einer Italienerin fand.
Ihre Worte fielen daher sehr knapp aus:“Hast
du wieder einen Maserati gekauft? ... du bist
verrückt....“
Zurück bei Ivano luden Arno und ich noch
Ersatzteile ein und versahen den Ghibli mit
den mitgebrachten Überführungskennzeichen.
Die Rückfahrt nach Deutschland begann und
ich nehme es vorweg, ohne nennenswerten
Zwischenfall. Wir erreichten um ca. 20.00 Uhr
Kappel und ich pausierte noch einen Moment
in Arnos Wohnhalle. Zwei Sanbitter Arancia
mussten noch in eiskalter Form eingenommen
werden, bevor ich mich von meinem neuen
alten Ghibli verabschiedete. Dieser blieb zur
Vorbereitung auf seine Zulassung noch einige
Tage bei Arno. Neben der Tatsache, dass ich
wieder einen Maserati hatte, war etwas sehr
viel wichtigeres passiert:
„ In Arno hatte ich einen echt coolen Freund
gefunden!“
Nach der Verabschiedung von Arno startete
ich mit meinem Mercedes in Richtung Heimat.
Über 200 Kilometer musste ich nun noch zurücklegen. Bereits nach 60 Kilometern überkam
mich die Müdigkeit und hielt hieraufhin an einer
Raststätte. Ich musste etwa 2 Stunden geschlafen haben, als mich Geräusche, die durch
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Euer Hardy
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