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Gewusst wie - Brillux

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Gewusstwie
Kunststoffe im Baubereich sind in der Regel so konzipiert, dass sie nicht beschichtet
werden müssen. Eigentlich! Die Praxis sieht manchmal anders aus. Der Anteil an
Kunststoff im Baubereich nimmt zu und so zählt auch die Beschichtung von Kunststoffuntergründen längst zum Leistungsumfang für Maler- und Lackiererbetriebe.
Kunststoffarten
Bei Kunststoffen handelt es sich um polymere, organische Verbindungen. In einer
chemischen Verknüpfung (Polymerisation/Polyaddition/Polykondensation) werden diese zu einem Makromolekül (Polymer). Rohstoffe für Kunststoff sind Erdgas und Erdöl sowie zur Erzielung bestimmter Eigenschaften Weichmacher,
Pigmente, Füllstoffe und andere spezifische Stoffe. Kunststoffe lassen sich in
die drei Hauptgruppen Plastomere (Thermoplaste), Duromere (Duroplaste) und
Elastomere (Elaste) aufteilen. Plastomere
sind Kunststoffe, die je nach Art geeignete Beschichtungssysteme zulassen können. In diese Gruppe fällt auch der Kunststoff Polyvinylchlorid (Hart-PVC u.
Weich-PVC), der einen großen Anteil der
Abgewitterte und unansehnliche Kunststoffoberflächen wie bei diesem Fenster sind keine
Seltenheit. Hier kann ein Anstrich notwendig werden.
am Bau verarbeiteten Kunststoffe in
Deutschland stellt. Aus Hart-PVC-Kunststoffen werden unter anderem Verkleinders als bei einigen Holz- oder se soll die Oberfläche veredelt oder deren dungen, Profile, Dachrinnen sowie TürMetalluntergründen ist bei vie- Beständigkeit erhöht werden. Möglicher- und Fensterrahmen produziert. Auch eilen Kunststoffoberflächen eine weise ist es auch der Auftraggeber, der ei- nige Kunststoffarten der Duromere finBeschichtung aus Grül)(ien des Sachwert- ne spezielle Farbgestaltung wünscht oder den wir häufig als Untergrund im Bauschutzes nicht zwangsläufig nötig. Den- im Zuge einer Renovierungvom Malerei- bereich vor. Beispielhaft sind hier Melanoch muss sich der Maler und Lackierer ne farbige Neugestaltung verlangt. Da es minharz (MF) beschichtete Oberflächen
immer wieder mit der Kunststoff- einige Gründe für eine Beschichtung von (Bauplatten, Tür- und Möbeloberflächen)
beschichtung auseinandersetzen. Unter Kunststoffoberflächen gibt und - je nach sowie aus glasfaserverstärktem Polyester
anderem findet er verwitterte Kunststoffe Kunststoffart - eine gewünschte Be- (UP) hergestellte Verkleidungen, Rohre,
mit matten, vergilbten, ausgebleichten schichtung technisch geeignet oder unge- Behälter usw. zu nennen. Elastomere beoder kreidenden Oberflächen vor, die eine eignet sein kann, ist es gut, wenn der Ma- sitzen, wie es ihre Bezeichnung verBeschichtung notwendig machen. Neben ler weiß, woraufbei der Beschichtung von muten lässt, eine hohe Elastizität, sind alder Alterung der Oberfläche durch Witte- Kunststoffbauteilen zu achten ist. Unter so gummielastisch und lassen eine Überrungseinflüsse, mechanische Beschädi- anderem im BFS-Merkblatt Nr. 22 "Be- arbeitung mit für den Maler üblichen
gung, Oxidation oder Molekülabbau gibt schichtungen auf Kunststoff im Hoch- Bautenanstrichen in der Regel nicht zu.
es noch viele andere Gründe, weshalb bau" findet der Maler die anerkannten Re- Beispiele hierfür sind elastische Dichtungsmassen oder Dichtungsprofile in
Kunststoff beschichtet wird. Beispielswei- geln der Technik zu diesem Bereich.
A
Aufladung des Kunststoffes kann ein Hindernis bei der Beschichtung sein. Zu glatte Oberflächen setzen die Adhäsion der
Beschichtung herab. Die in Kunststoff enthaltenen Weichmacher können in die Beschichtung wandern und diese beschädigen. Auch der Beschichtungsstoff seinerseits kann unerwünschte Reaktionen verursachen, nämlich dann, wenn in ihm Lösemittel enthalten sind, welche die Kunststoffoberfläche anlösen. Generell gilt, dass
als geeignet ausgewiesene Kunststoffe
wie Hart-PVC mit entsprechenden BeEine Kennzeichnung auf Kunststoffbauteilen
schichtungssystemen behandelt werden
kann Auskunft über ihre Beschichtbarkeit
können. Prinzipiell nicht überstreichbar
geben.
sind beispielsweise ausgewiesene Kunststoffe wie Polyethylen (PE), Polyamid (PA}
Türen und Fenstern, die nicht beschich- und Polypropylen (PP).
tungsgeeignet sind.
Die unten stehende Tabelle gibt einen Erkennung und Prüfung
Überblick darüber, welche Kunststoffarten im Baubereich Anwendung finden Manche Kunststoffe sind dank einer aufund gemäß BFS-Merkblatt Nr. 22 prinzi- gebrachten Kennzeichnung in Form der
Kurzzeichen wie PVC oder PP leicht zu
piell überstreichbar sind.
identifizieren. Schwierig wird es, wenn
Unerwünschte Reaktion
eine solche Kennzeichnung nicht vorhanden ist, denn mit dem bloßen Auge
Werden Kunststoffoberflächen beschich- ist die Kunststoffart in der Regel nicht ertet, kommt es nicht selten zu unge- kennbar. In diesen Fällen empfiehlt sich
wünschten Reaktionen, so führen bei- eine Nachfrage beim Hersteller, der Monspielsweise Trennmittelrückstände auf tagefirma oder beim Auftraggeber. Als
Kunststoffoberflächen (z.B. Formtrenn- letzte Möglichkeit bleibt nur eine Mustermittel wie Silikone oder Wachse) zu man- bzw. Probefläche mit dem vorgesehenen
gelnder Haftfähigkeit Auch die statische Beschichtungsaufbau anzulegen und auf
Eignung zu prüfen. Hand in Hand mit
der Erkennung des Kunststoffs geht die
Prüfung des zu beschichtenden Untergrundes auf Verschmutzungen, Trennmittel, Verwitterungsprodukte und die
Tragfähigkeit alter Beschichtungen. Geben die Prüfung und die Erkennung der
Kunststoffart Anlass zu Bedenken, so
sind diese in jedem Fall beim Auftraggeber schriftlich geltend zu machen. (VOB
Teil B, DIN 1961 § 4 Nr. 3}
Vorbehandlung
Bevor Kunststoffeherflächen beschichtet
werden können, muss die Oberfläche
vorbehandelt werden. Die Art des Kunststoffs und das Ergebnis der Untergrundprüfung ergeben, welche Vorbehandlung
an der Baustelle notwendig ist. Auf für
Beschichtungen geeigneten Kunststoffen werden hierbei unter anderem Verschmutzungen sowie Trennmittelrückstände entfernt und die Oberfläche haftverbessernd aufgeraut. Zur Reinigung
dieser Flächen werden geruchslose, wasserverdünnbare Universalreiniger nach
Herstellerangabe auf Kunststoffoberflächen eingesetzt. Je nach Bauart, Konstruktion oder Oberflächenbeschaffenheit (beispielsweise abgewitterte Kunststoffoberflächen) werden weitere Reinigungsverfahren angewandt. Zum einen ist hier die Reinigung mit für den je-
Überstreichbare Kunststoffe und ihre Anwendungsbereiche
Kunststoffart
Hartes Polyvinylchlorid
(Hart-PVC)
Polystyrol (PS)
Bauteile
Verkleidungen, Fenster u. Türen, Rohre, Fuß- u.
Sockelleisten, Dachrinnen, Möbelteile, beschichtete
Metallbleche, Kabelschutzrohre/-kanä le
Bau platten, Verkleidungen, Möbelteile
(keine EPS-Kunststoffe)
Polymethylmethacrylat
(PMMA)
Bau platten, Verkleidungen, Rohre, bruchfeste
Verglasungen (Acrylglas), Lampenteile, Schilder
Polyurethan (PUR)
Deckschichten für Verbundelemente, Möbelteile,
Kabelschutzrohre/-kanäle, Fenster- u. Türprofile
Melaminharz (MF)
Oberflächen aus Schichtstoffplatten o. Folienbespannung (Ba uplatten, Möbel, Türen)
Ungesättigte Polyester
{UP)
Bau platten, Verkleidungen, Möbelteile,
glasfaserverstärkte Bauteile, Rohre
Phenolharz (PF)
Bau platten, Fensterbänke, Möbelteile,
Verkleidungen (PF-Pressholz)
Fallrohr aus Kunststoff: Im Originalzustand nicht
gerade schön. Ist eine zum Umfeld passende
Farbgestaltung möglich?
I
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Um elektrostatische Aufladungen zu vermeiden, sollte mit netzmittelhaltigem Wasser und einem Kunststoffschleifvlies geschliffen werden.
Die elastischen Dichtprofile an der Verglasung und in den Rahmenteilen
eines Kunststofffensters dürfen nicht beschichtet werden.
Fotos: Brillux
weiligen Kunststoff geeigneten Lösemitteln (z.B. Spiritus), zum anderen ein
gründliches Anschleifen als baustellenüblich zu nennen. Da es beim Schleifen
von Kunststoffoberflächen elektrostatische Aufladungen geben kann, sollte mit
netzmittelhaitigern Wasser nachgereinigt werden. Vorhandene Altbeschichtungen müssen in bewährter Weise,
durch z. B. Kratzprobe oder Klebebandtest, auf Trag- und Haftfähigkeit geprüft
und entsprechend vorbehandelt werden.
Die genannten Maßnahmen sind ein
maßgebliches Kriterium für die dauerhafte Haltbarkeit einer Beschichtung auf
Kunststoffoberflächen und sind demnach, je nach Objektsituation, individuell
zu vereinbaren und gesondert zu vergüten (Besondere Leistungen gemäß
VOB Teil C, ATV DIN 18363).
nen aus geeigneten Plastomer- und Duromerkunststoffen, für normale Wetterbelastungen auch Mischpolymerisatharzlacke im Systemaufbau eingesetzt werden.
Im Innenbereich werden, je nach Belastungssituation, auf grundierten Kunststoffoberflächen wie Verkleidungen,
Rohren, Tür- und Fensteroberflächen
ebenfalls aromatenfreie Alkydharzlacke
oder darüber hinaus auch wasserbasierte
Beschichtungsaufbauten verwendet. Sofern eine erhöhte mechanische und chemische Widerstandsfähigkeit gefordert
ist, haben sich die zK-PUR-Acryllacke bewährt. Vorhandene tragfähige Altbeschichtungen sollten mit systemkonformen Renovierungsanstrichen versehen werden.
Beschichtung
Meist liegt der Schlüssel zum Erfolg im
Detailwissen um die Untergründe bzw.
Bauteile. Handelt es sich bei den zu beschichtenden Kunststoffflächen um weiße, insbesondere maßhaltige Kunststoffbauteile wie Fenster und Außentüren,
dürfen - um einen Aufheizeffekt zu vermeiden - nur weiße bzw. hell getönte
Farbtöne zum Einsatz kommen. Nicht
überstrichen werden dürfen gemäß dem
Stand der Technik die Dichtungsprofile
sowie elastische Dichtstoffe an Fenstern
und Türen. Am Beispiel von Fenstern
und Türen, mit ihren scharfkantigen
Ecken und Kanten, wird bei näherer Betrachtung schnell deutlich, dass zahlreiche Kunststoffbauteile nicht für eine Beschichtung konstruiert wurden. Kanten-
Zur Verbessehmg der Haftfähigkeit
muss in der Regel zunächst ein Haftvermittler, d.h. eine Haftbrücke zwischen
dem Kunststoff und der als Anstrichstoff
dienenden Beschichtung zum Einsatz
kommen. Hier zeigen beispielsweise
zK-Epoxidharz-Grundierungen
auf
Kunststoffarten wie Hart-PVCoder Melaminharz (MF) sehr gute Hafteigenschaften. Bei normaler Wetterbeanspruchung im Außenbereich haben sich aromatenfreie Alkydharzlacke als Zwischenund Schlussanstrich, beispielsweise auf
Fenstern und Türen, gut bewährt. Abgestimmt auf die Nutzungsbedingungen
können auf Verkleidungen und Dachrin-
Details vor Ort beachten
flucht von Beschichtungsmaterialien
und damit verbundenen Problemen bei
der Untergrundabdeckung - besonders
bei kontrastreichen Anstrichaufbauten können eine Folge sein. Besteht hieraus
Anlass zur Bedenkenanmeldung, so sollte dies schriftlich angezeigt werden (VOB
Teil B, DIN 1961 § 4 Nr. 3).
Markus Lindenbaum, Brillux
PRAXISPLUS
Für die klassische Vorbehand lung und
Beschichtung von Kunststoffoberflächen empfiehlt z.B. Brillux folgende
Produkte:
• Reinigung: Uni-Reiniger 1032
• Haftvermittlung: 2K-Epoxi-Haftgrund 855
• Zwischen- und Deckbeschichtu ng
auf Fenstern und Türen im Außenbereich: lmpredurVentilack 822
oder lmpredur Hochglanzlack 840
• Beschichtung von Dachrinnen und
Verkleidungen: MP-Dickschicht 229
• Beschichtung im lnnenbereich:
lmpredur Seidenmattlack 880 bzw.
lmpredur Hochglanzlack 840 (Aikydharzbasis) oder Lacryl Allgrund 246
und Lacryi-PU Seidenmattlack 270
oder Lacryi-PU Glanzlack 275
(wasserbasierend)
• bei erhöhter mechanischer und
chemischer Widersta ndsfähig keit:
2K-PUR-Acryllacke 5740/5741
~
brillux.de
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