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großen Brustschuppen (ähnlich groß wie die

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Rico Morgenstern
Die Gottung Austroloheros
Rtcar & KunaNoeg 2006
Im Sommer 2002 sah ich in einem Chemnitzer
Zoofachgeschäft mehrere große Chanchitos. Bis
dahin kannte ich diesen Fisch nur aus der Literatur.
so dass ich nicht lange überlegte und ein Pärchen
mitnahm, das im Verkaufsaquarium bereits balzte.
Bekanntlich waren Fische dieses Verwandtschafts-
kreises die ersten Cichliden, die überhaupt im
Aquarium gepflegt wurden, wobei offensichtlich
zwei verschiedene Arten in ,,Umlauf' waren.
Zunächst gelangte 1889 eine offenbar aus Brasilien
stammende Art nach Frankreich und von dort aus
wenig später nach Russland, sie wurde als Heros
autochton bezeichnet (Stawikowski
&
Werner
1998). 1894 wurde dann der eigentliche Chanchito
aus Buenos Aires (Argentinien) nach Deutschland
eingeführt, wo er in den folgenden Jahren eine
große Popularität erlangte. Wer mehr über die
aquaristische Geschichte dieses Fisches erfahren
will, sollte bei Hohl (1990, 1994) nachlesen.
DcG-lnformotionen 38 16l: I2l-l3O
Der Chanchito gehört zu einer Gruppe von ausschließlich im südlichen und südöstlichen Lateinamerika verbreiteten Cichliden aus dem Tribus
Heroini. In ihrem Erscheinungsbild erinnern die
Fische sehr an mittelamerikanische Buntbarsche,
jedoch ohne dass man sie näher mit einer bestimmten Artengruppe in Verbindung bringen könnte.
Vielmehr konnte man schon seit der Auflösung der
Sammelgattun g Cichlasoma davon ausgehen, dass
die Chanchitos eine eigene Gattung bilden. Nun
hat sie endlich einen Namen erhalten:
Australoheros RIc,q.N & Kur-r-aNonn. 2006.
Diagnostische Merkmale sind die niedrigsten Schup-
pen- und Wirbelzählwerte unter den Heroinen, die
großen Brustschuppen (ähnlich groß wie die
Flankenschuppen) sowie drei abgeleitete Farbmerkmale (im Brutpflegekleid sind die Abdominalstreifen im oberen Teil unterbrochen; Junghsche haben auffällige Xanthophorenpunkte an der
Schwanzflossenbasis; die meisten Arten entwickeln
vier anstatt drei Abdominalstreifen). Die Monophylie der Gattung wird durch phylogenetische
t2l
Analysen von morphologischen und mt-DNAMerkmalen gestützt. Typusart ist Chromis facetus
JrNvNs, 1842. Der Gattung werden die drei beschriebenen Arten Australoheros facetus (JENvNs,
1842), A. tembe (Crscrorm, GölrBz & Tonpsam,
1995) sowie A. scitulus (Rrc.LN & Kur-r-nNorn,
2003) zugeordnet. Weiterhin konnten die Autoren
sieben unbeschriebene Arten identifizieren. Es ist
allerdings davon auszugehen, dass es noch weitere
Arten gibt, zumal beispielsweise die ostbrasilianischen Küstenpopulationen noch nicht näher untersucht sind. Außerdem bleibt abzuwarten, ob bei
einer Revision nicht auch das eine oder andere
Synonym wieder gültig wird. Vor kurzem wurde
mit Australoheros kaaguya Cescrorre, ALMIRÖN &
Gorvrpz,2006 eine weitere Arl vom Einzug des Rio
Iguaqu (oberhalb der Wasserfälle)
in Misiones
(Argentinien) beschrieben.
Artbestimmung
Angesichts der Formenvielfalt stellt sich natürlich
die Frage, welcher Ar1 die hier vorgestellten Fische
überhaupt angehören. Ihre Beantwortung schien
zunächst recht einfach, obwohl die Herkunft der
Tiere nicht zu ermitteln war. Bei Stawikowski &
Werner (1988, 1998) ist nämlich ein offensichtlich
12i2
artgleicher Fisch aus der Umgebung von Santa F6
inArgentinien abgebildet, der als ,,C." sp. ,,Paranä"
bezeichnet wird. Als Verbreitungsgebiet geben die
Autoren den unteren und mittleren Paranä-Einzug
in Argentinien und Paraguay an.Yon A. facetus soll
sich die Art durch eine schmalere Stirn und einen
seitlich stärker zusammengedrückten Körper unterscheiden. Zeichnungsmuster und Färbung sollen
ebenfalls abweichen, diesbezügliche Unterschiede
werden jedoch nicht beschrieben.
Dazu muss man wissen, dass der bei Stawikowski
& Wemer (1998 : 324 Mitte) als,,C." fa c e tum ab gebildete Fisch, der von den genannten Autoren
schon 1988 als alte Aquarienpopulation unbekannter Herkunft vorgestellt wurde, offensichtlich nicht
A. facetus ist. Sie fällt durch eine andere Gestalt
(gleichmäßig gerundetes Kopfprofll, nach hinten
kaum abfallende Rückenlinie), stark verlängerte
Bauchflossen, ein abweichendes Zeichnungs-
muster (u.a. sind nur drei statt vier Abdominalstreifen vorhanden) sowie einen charakteristischen,
nicht an die Anordnung der Schuppen gebunden
Türkisglanz (aus teilweise verschmelzenden, unreChonchito-Mönnchen, Austroloheros focetus, im
- Foto3 Rico ,l^orgenstern
Aquorium des Autors
DCG-lnformotionen 38
(61:
t2l-l3O
gelmäßigen Flecken gebildet) auf dem Körper und
den Flossen auf. Diese Art stimmt eindeutig nicht
mit dem 1894 aus Argentinien eingeführten Chanchito überein. In den alten Darstellungen dieses
Fisches finden sich weder die auffälligen Farbmerkmale noch die von Stawikowski & Werner
(1988) beschriebenen Besonderheiten in der Fortpflanzungsbiologie. Die Art hängt nämlich die
schwimmunfähigen Larven an Pfl anzenteilen (darunter sogar Wurzeln von Schwimmpflanzen) auf,
während die meisten anderen Arten der Gattung
ihre Larven in Bodenmulden unterbringen. Mög-
licherweise handelt es sich bei der
Art um
A.
autochton oder eine verwandte Form.
Der ,,klassische" Chanchito aus Buenos Aires erinnert nach den Beschreibungen und Abbildungen in
der älteren aquaristischen Literatur sehr an die von
mir gepflegten Fische, außerdem sind ähnliche
Tiere auch aus Uruguay bekannt (siehe beispielsweise www.aqvatera.com). Anhand der von Rican
& Kullander (2003,2006) und Casciotta &
al.
(2006) genannten Merkmale sind diese Fische als
A. facetus zu identiflzieren, und auch die Erstbe(Weibchenl
Austroloheros sp.
"lguogu"
Seite l2l: Austroloheros focefus; Zeichnung von
Bessinger 09lll - Foto: Wolfgong Stoeck
DCG-lnformolionen 38
(61:
l2l-l3O
schreibung lässt kaum einen Zweifel daran zu, dass
Jenyns einen solchen Fisch vorliegen hatte. Deshalb bezeichne ich die von mir gepflegte Art hier
ohne ,,cf." oder andere Einschränkungen
als
Australoheros facetus. Das Typusexemplar wurde
von Charles Darwin in einem See bei Maldonado
(SO-Uruguay) gesammelt. Staeck (2003: 62 oben)
bildete Tiere ab, die zwar aus dieser Gegend stammen, hinsichtlich der hohen Flossenzählwerte (A.
scitulus'. 8-9 Anal- und 17 Dorsalstacheln; A. facetus: 6-7 Anal- und 16 Dorsalstacheln; Modalwerte
& Kullander 2003, für das Typusvor Chromis facetus wird die Flos-
nach Rican
exemplar
senformel ,,D. l5l10; A. 6/8" angegeben; Jenyns
1842), des Zeiihnungsmusters (drei Abdominalbinden, die Binden sind in der unteren Hälfte sehr
breit und nur undeutlich voneinander getrennt,
dunkle Schuppen- und Kiemendeckelflecken; A.
facetus siehe unten) und der Färbung (gelblicher
Kopf und Vorderkörper) aber A. scitulus entsprechen. Das bedeutet, dass A. scitulus noch weiter
ostwärts verbreitet ist, als bisher bekannt.
Das Verbreitungsgebiet von A. facetus erstreckt
sich nach Stawikowski & Werner (1998) von der
Seenplatte von Guamini (Provinz Buenos Aires,
Argentinien) entlang derAtlantikkäste bis zum Rio
Besonders forbige Art
(Austroloheros sp.) ous
Uruguoy
Unten:
Austroloheros sp.,,lguosu"
ous Brosilien mil unge-
wöhnlich ouffölliger
Förbung
Fotos: Wolfgong Stoeck
im brasilianischen Bundesstaat
Santa
wechslungen mit A. sp. ,,Uruguay" möglich), im
Caterina. (Nach den Verbreitungsmustern anderer
Fische der Region, darunter Crenicichla wd Gymnogeophagus, zu urleilen, könnte es sich bei den
nordöstlichen Populationen aber auch um eine oder
mehrere andere Arlen handeln). Es umfasst weite
Teile des La-Plata-Einzuges einschließlich des unteren Paranä sowie des unteren und mittleren Uruguay
(nach Rican & Kullander, 2006, sind teilweise Ver-
Westen reicht es bis an den Fuß der Anden (Rican
Tuberäo
124
& Kullander
2003). Als Synonyme gelten Heros
jenynsii StpINoa.cnNen, 1869 aus der Umgebung
der uruguayischen Hauptstadt Montevideo und
Heros acaroides HnNseI-, 1870 aus Porto Alegre
(Rio Grande do Sul, Brasilien), nach Rican &
Kullander (2003) auch H. autochton GüNrHER,
1862 aus,,Brasilien" (wahrscheinlich Umgebung
DCG-lnformotionen 38
(61:
t2l-l3o
Austroloheros sp.
,,Tocuoremb6"
Unten:
Austroloheros sp. einer
Aquorienpopulotion unbekonnter Herkunfl.
Diese Arl verbringt die
frisch geschlüpften Lorven
on die Wuzeln von
Schwimmpflonzen. Eine
Verholtensweise, die noch
den Beobochtungen des
Autors nicht bei ollen
Vertretern der Gottung zu
beobochten isl.
Fotos: Uwe Werner
von Rio de Janeiro). Zumindest hinter letzterem
Namen verbirgt sich wohl eine eigenständige Art.
Die Identität von Chromys oblonga Casrr,r-Neu,
1855 vom Tocantins in Goiäs (Brasilien) ist wegen
der fragwürdigen Fundortangabe und des schlechten Zustandes des Holotypus wohl vorerst nicht zu
ermitteln.
Beschreibung
Bei Australoheros fcLcetus handelt es sich um ziemlich hoch gebaute Fische mit nach hinten deutlich
abfallender Rückenlinie und mäßig spitzem, beim
Männchen vor den Augen leicht eingedr'ücktem
Kopfprofil. Die unpaaren Flossen sind recht hoch
bzw. großf'lächig, Rücken- und Afterflosse sind
sind nicht sehr lang ausgezogen und bei adulten
Männchen zugespitzt, während sie selbst bei
DCG-lnformotionen 38 (6): I2l-l3O
125
großen Weibchen noch leicht abgerundet sind.
Meine Tiere erreichten Gesamtlängen von 18
(Männchen) bzw. 15 Zentimeter, doch habe ich
auch schon Exemplare von über 20 Zentimeter
Länge gesehen.
Das Zeichnungsmuster enthält alle für die Gattung
typischen Elemente. Charakteristis ch fijlr Au s t ralo heros facetus sind die deutlich voneinander ge-
trennten Querbinden, die auch in die Dorsale über-
greifen, der Besitz von normalerweise vier Abdominalbinden (die Binden vor derjenigen, die den
Flankenfleck trägt; die erste, kaum als solche wahrnehmbare Binde verläuft vom Nacken zum Brustflossenansatz), ein deutlich von der letzten Querbinde abgesetzter Schwanzwurzelfleck sowie das
Fehlen dunkler Tüpfel auf den Kiemendeckeln,
dem Körper und den Flossen adulter Fische.
Das Weibchen ist meist heller und intensiver gelb
gefärbt. Die dunklen Zeichnungsmuster sind bläulich unterlegt, wodurch ihre Position auch bei völligem Verblassen gut zu erkennen ist. Die Körperfärbung und -zeichnung greift in allen Stimmungen
deutlicher auf die Dorsalbasis über als beim Männchen. Der äußere Bereich der Dorsale ist he11blau.
die weichstrahligen Teile der unpaaren Flossen
sind gelblich. Junge geschlechtsreife Tiere sind bei
Wohlbefinden viel intensiver gefärbt als ältere
Fische. Männchen zeigen viel Violett in den Flossen
und einen intensiveren bläulichen Schuppenglanz.
In Balzstimmung behndliche Weibchen sind kräftig messinggelb und zeigen auffällige hellblau eingefasste Flecken in der hartstrahligen Dorsale, die
sich mit zunehmendem Alter verlieren.
Erurochsenes Chonchito-Weibchen im Bolzkleid
Austroloheros sp.,,Solto" in Brutpfl egeförbung
Foto: Uwe Werner
Die Färbung ist nicht leicht zu beschreiben, da sie
besonders beim Männchen sehr wechselhaft ist.
Innerhalb von Sekunden kann die Grundfärbung
von hellem Lehmgelb in Schwarzbraun umschlagen, ebenso kann das Zeichnungsmuster sehr
schnell verblassen und wieder hervortreten. Die
Schuppenbasen und -ränder sind dunkler als die
Brutpflegende Tiere zeigen ein kontrastreiches
schwarzes Bindenmuster auf intensiv gelbem
Grund. Der untere Kopf- und Körperbereich ist
rußig schwarz, die Iris leuchtet in auffälligem
Kontrast dazu bernsteinfarben bis blutrot, wobei
die Augenfarbe individuell bedingt ist und auch
matt bläulichgrün glänzenden Zentren, die Flossen
sind fast immer dunkel braunviolett bis blauschwarz ohne aufftillige Zeichnungsmuster. Im Bild
konnte ich das Farbwechselvermögen aber nicht
dokumentieren, da die Tiere auf die Annäherung
mit der Kamera immer etwas aggressiv reagierten
und sich entsprechend umfärbten.
126
unter Geschwistem variieren kann.
Aquoristische Erfohrungen
Der Chanchito gilt als bissiger, unverträglicher
Fisch, der stark wühlt und die Bepflanzung zerstört.
Aufgrund meiner positiven Erfahrungen mit einigen anderen ,,Klassikern", denen der gleiche
schlechte Ruf anhaftet, erwartete ich aber, dass sich
DCG-Informotionen 38
(61:
l2I-l3O
die Art ähnlich verhält wie andere mittelgroße
Aquarieneinrichtung. Vom Farn waren bald nur
Cichliden. So setzte ich die Tiere in ein 200-LiterAquarium, dass eine stellenweise dichte Bepflan-
noch die Rhizome und Blattstiele übrig, die
zung mit Cryptocoryne aponogetifulia, Microsorium pteropus und Anubias barteri aufwies. In
Stlicke gerissen an der Oberfläche wd die Anubias
wurden, ebenfalls stark beschädigt, von einer Ecke
in die andere verfrachtet. Dazu türmte sich das
Bodenmaterial an der Frontscheibe, und es gab
keine Wurzeln und Steine, an denen nicht eine
diesem Becken schwammen einige halbwüchsige
,,C." o c t ofa s c i atum, zw ei A s t at o ti lap i a - c allip t e raWeibchen (überlebende Junghsche vom vorhergehenden Besatz) sowie ein mittelgroßer Glyptoperichthys gibbiceps. Anfangs sah es tatsächlich so
aus, als ob auch beim Chanchito das NegativImage mit dem frühen Import und den somit (in
diesem Fall gänzlich) fehlenden Vergleichsmöglichkeiten zu erkldren ist. Weder untereinander
noch anderen Fischen gegenüber war ein aggressives Verhalten zu erkennen, auch wurden die Pflanzen zunächst nicht behelligt.
Als die Chanchitos jedoch nach etwa zwei Wochen
mit den Balzaktivitäten begannen, wurde ich eines
Besseren belehrt. Was zunächst noch harmlos mit
dem Vertreiben der Mitbewohner und dem Bei-
seiteschieben von Anubias- wd MicrosoriumBlättern am späteren Laichplatz begann, endete
nach dem Laichen in einer völligenVerwüstung der
Zeichnung eines Chonchitos mit Jungfischen (ous
Bodes 189) - Foto: Wolfgong Stoeck
,.'
Cryptocorynenblätter trieben teils ganz, teils in
mehr oder weniger große Grube ausgehoben
wurde. Mit dem Schlupf der Larven begannen die
Attacken auf die anderen Fische immer heftiger zu
werden, doch fürchtete ich, dass ihr Herausfangen
zum Zusammenbruch des Paarzusammenhaltes
flihren könnte. So musste ich wohl oder übel auf
die vorhandenen Versteckmöglichkeiten vertrauen.
Nach dem Verlust der ersten Brut konnte ich die
Mitbewohner in Sicherheit bringen. Nur der Wels
verblieb in dem Becken, später setzte ich noch einige Rautenflecksalmler (Hemigrammus caudovittatus) hinnt, die nicht behelligt wurden.
Die sonstige Pflege ist eher unproblematisch: an
die Wasserbeschaffenheit und -temperatur werden
keine besonderen Ansprüche gestellt. Es ist mir
nicht bekannt, ob den Fischen eine dauerhafte
Haltung bei hohen Temperaturen abträglich ist, wie
es bei den aus der gleichen Region stammenden
Gymnogeophagus festzustellen ist, doch muss man
:.1 i'
DCG-Informotionen 38 16l: l2l-l3O
ln
& al.2003) oder A. sp.
(Litz & al. 2006) verhalten sich
wohl davon ausgehen. Bei niedrigeren Tempe-
1999), A. tembe (Casciotta
raturen waren meine Tiere weniger aggressiv, doch
,,Tacuaremb6"
war auch ihre Fortpflanzungsbereitschaft deutlich
diesbezüglich entsprechend den alten Berichten
herabgesetzt. siehe unten.
Obwohl die Fische mit ihrem relativ kleinen Maul
und der unspezialisierten Bezahnung nicht für eine
ausgesprochen räuberische Lebensweise ausgestat-
und legen die Larven in Gruben ab. Das Verhaltensmerkmal ,,Aufträngen der Larven" ist also keineswegs typisch fij;r Australoheros-Arten. Zudem findet man es auch bei verschiedenen anderen
Gruppen der heroinen Cichliden, die nicht zwangsläufig nahe miteinander verwandt sein müssen.
Daher kann es weder zur Diagnose von Gattungen
tet sind, schätzen sie kräftige Nahrung. Kleinere
Wasserflöhe oder Cyclops werden von adulten
Tieren ignorierl. Pellets, Großflocken, aber natürlich auch grobes Frost- und Lebendfutter bis hin zu
Grashüpfern und Regenwürmern wurden gierig
noch zur Darstellung von Verwandtschaftsbeziehungen herangezogen werden.
gefressen.
Meine Tiere laichten nach unauffälliger Balz bevorzugt offen auf waagerecht oder schräg liegen-
Fortpflonzung
den Steinplatten, nur einmal setzten sie ein Gelege
an einer vertikalen Fläche ab. Das Befächeln und
Sauberhalten des Laiches war fast ausschließlich
Aufgabe des Weibchens, ebenso die Betreuung der
schwimmunfähigen Larven. Diese wurden stets in
den bei den ausgedehnten Erdarbeiten entstandenen
Gruben und Nischen untergebracht. Zwar konnten
Nach den Darstellungen in der älteren Literatur
bringt der Chanchito die geschlüpften Larven in
Gruben unter. In späteren Publikationen (Stawikowski & Werner 1988, Riehl & Baensch 1991
oder Mayland 1995) ist verallgemeinernd davon die
Rede, dass die Larven an Wasserpflanzen aufgehängt werden. Das trifft jedoch nur für die oben
erwähnten, von Stawikowski & Werner irrtümlich
fiJ;r A. facetus gehaltenen Fische zu. Andere im
Aquarium vermehrte Arten wie A. sp. ,,Iguagu"
(Staeck 1998), A. scitulus (Körber & Stawikowski
128
mitunter einzelne Larven mit ihren Haftdrüsen an
Steinen oder den Überresten der CryptocoryneWurzeln hängen bleiben, doch ist das auch bei vielen anderen substratbrütenden Cichliden zu beoMönnchen des Chonchitos in Brutpflegeförbung
DCG-lnformolionen 38
(61:
t2l-130
bachten und hat nichts mit dem gezieltenAuftr?ingen
der Brut an höher gelegenen Substraten zu tun.
Wie bereits erwähnt wird die Fortpflanzungsbereit-
schaft von der Temperatur beeinflusst. Meine
Fische laichten normalerweise nicht mehr, wenn
die Temperatur unter 22 "C lag, es sei denn, sie fiel
erst unmittelbar vor dem Laichen ab. Dann dauerte
es sechs Tage bis zum Schlupfund fast zwei weitere Wochen bis zum Freischwimmen, falls man das
Verhalten der wenigen überlebenden Jungen überhaupt so nennen kann. Hingegen schlüpften die
Larven bei 28 oC schon nach etwa 65 bis 70
Stunden, am achten Tag schwammen sie auf. Ahnliche Beobachtungen machten Litz & al. (2006) an
A. sp. ,,Tacuaremb6" (Abbildung Seite 125, oben).
WZihrend bei vielen anderen von mir beobachteten
Arten das M?innchen in den ersten Phasen der Brutpflege ziemlich unbeteiligt war und bei Gefahr
meist das Weite suchte, war es bei meinen Chan-
chitos tatsächlich so, dass das Männchen den
Hauptanteil an der Verteidigung der Brut leistete.
Wütend ging es auf alles los, was sich in der Nähe
bewegte, und es scheute sich nicht davor, vermeintliche Feinde auch außerhalb des Wassers
anzugreifen. Pflegemaßnamen an dem Chanchito-
Aquarium waren deshalb manchmal nicht ganz
einfach.
Nach dem Aufschwimmen wurden die Jungfische
von beiden Eltern geführt. Im Gegensatz nt den
Jungen der von Stawikowski & Wemer (1988) vorgestellten Art, die bei Gefahr und nachts die Oberfläche aufsuchten, waren sie bei meinen Tieren
eher bodenorientiert. Ein bei heroinen Cichliden
(wiederum unabhängig von den Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Gruppe) häufiges, für Chanchitos bisher jedoch meines Wissens
noch nicht beschriebenes Verhalten
ist
das
Beweiden der Körperoberfläche der Eltern durch
die Junghsche. Es trat bei meinen Fischen frühestens drei Wochen nach dem Aufschwimmen auf.
Bevorzugte ,,Angriffsfläche" war die Rückenregion des Männchens, die schon bald deutliche
Spuren aufwies. Trotzdem bot sich das Tier immer
wieder an, indem es eine düstere schwarzbraune
Färbung annahm und ruhig mit halb angelegten
Flossen an einer bestimmten Stelle verharrte. Das
Weibchen hielt sich dagegen in einigem Abstand
auf und wehrte die Jungfrsche auch ab. Zu diesem
ZeitEnkt hatte es meist bereits emeut Laich angesetzt. Zwar wurde auch abgelaicht und das neue
Gelege vom Männchen besamt, doch wurden die
Larven beim Schlupf stets von den älteren Jungfischen gefressen.
Die Aufzucht erfordert anscheinend vor allem
Geduld. Zunächst einmal gestaltete sich die Um-
stellung von Artemia-Nauplien auf Flockenfutter
ich von anderen Cichliden
gewohnt war - sie dauerte über zwei Wochen. Auch
erwiesen sich die Jungtiere als langsamwüchsig
und frühzeitig aggressiv untereinander, was zu
langwieriger als
erheblichen Wachstumsunterschieden und auch zu
Verlusten führte. Nur 36 Jungfrsche der ersten und
28 der zweiten aufgezogenen Brut erreichten die
Verkaufsgröße. Aber das ist bei solchen Fischen
nicht so problematisch; viel schwieriger wäre es,
500 Jungflsche großztziehen und diese dann auch
loszubekommen.
Die Fische bedienten sämtliche mit Großcichliden
verbundenen Klischees, was im nachhinein eigentlich auch nicht überrascht. Schließlich war es der
Chanchito, der dieses Bild einst geprägt hat.
Dennoch bereue ich nicht, die Art einmal gepflegt
zu haben, und zwar nicht nur, weil es der Klassiker
Brutpflegendes Weibchery die Körperförbung ist kontroslreicher und reicht weiter ols beim Mönnchen in
die Rückenflosse hinein.
schlechthin unter den Cichliden ist. Zum einen sind
die Fische mit ihrer Gestalt und der zumindest im
Brutpflegekleid sehr attraktiven Fzirbung recht beeindruckende Pfleglinge, zum anderen sind sie ausgesprochen zutraulich, was sie trotz ihres schlechten
Benehmens äußerst sympathisch erscheinen lässt.
Fotos: Rico Morgenslem
DCG-lnformotionen 38
(61:
l2l-l30
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doss es sich dobei nicht um Austroloheros focetus sonder um Austroloheros sp. ,,lguogu" hondelt.
Fotor Wolfgong Stoeck
Neuen Welt - Südamerika. Essen
;r
r30
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