close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

GL 4/2012 - der Lorber-Gesellschaft eV

EinbettenHerunterladen
Der Grund der Menschwerdung Gottes
Die Erweckung der Gottesliebe
Wie sollen wir beten?
Kontemplation - was ist das?
Der Akt der Hingabe
Biblische Bilder
Die Liebe ist das Leben
Von einem, der Gottes Liebe fand
INHALT
Gottfried D. Krummacher
Klaus W. Kardelke
Jakob Lorber
Gerd Kujoth
Jörg Müller
Margitte Niederstucke
Don Dolindo Ruotolo
Jakob Lorber
Joh. Christoph Blumhardt
Neue Kirche
Jakob Lorber
Maria Rathmann
Weisheitsgeschichten
Jakob Lorber
Verschiedenes
Die Geburt Jesu
Editorial
Der Grund der Menschwerdung Gottes
Die Erweckung der Gottesliebe (Schluss)
Wie sollen wir beten?
Kontemplation - was ist das?
Der Akt der Hingabe
Von den Schwächen der Gotteskinder
Wenn unser Wille Gottes Wille ist
Biblische Bilder
Die Liebe ist das Leben
Von einem, der Gottes Liebe fand
Pass auf, was du sprichst
So anstrengend
Das Geheimnis des Friedens
Göttlicher Gesundheitsrat
S. 2
S. 3
S. 5
S. 10
S. 21
S. 29
S. 32
S. 35
S. 37
S. 38
S. 47
S. 48
S. 52
S. 53
S. 53
S. 54
S. 55
Mit Namen des Verfassers versehene Beiträge müssen nicht mit der Auffassung der
Schriftleitung übereinstimmen.
Die Zeitschrift erscheint viermal jährlich auf freiwilliger Spendenbasis.
Beiträge richten Sie bitte an die Schriftleitung.
IMPRESSUM
Herausgeber:
Verwaltungsanschrift:
E-Mail-Anschrift:
Internet-Seite:
Schriftleitung:
Redaktion:
Lorber-Gesellschaft e.V.
Postfach 114
83731 Hausham / Deutschland
Tel.: 08026-8624 / Fax: 08026-3294
Lorber-Gesellschaft@web.de
www.Lorber-Gesellschaft.de
Klaus W. Kardelke
Angelika Penkin
SPENDENKONTEN
Baden-Württemb. Bank AG Bietigheim-Bissingen
Kto.: 7818500173
BLZ: 60050101
BIC: SOLADEST
IBAN: DE27 6005 0101 7818 5001 73
Postgiro Stuttgart
Kto. 9096-705
BLZ 600 100 70
Kreisspark. Miesbach/Tegernsee Kto. 430 203 240
BLZ 711 525 70
Creditanstalt Bankv. Graz (A)
Kto 01873 312 101
BLZ 12 000
Postscheckkonto Basel (CH)
Kto. 80-50414-3
- Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik Jahrgang 32
2012
Heft 4
„Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,
dessen Herrschaft auf seinen Schultern ist, und Er heißt:
Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;
auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein
Ende auf dem Stuhle Davids und in seinem Königreiche,
dass Er es zurichte und stärke mit Gericht und
Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit! –
Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.‘ (Jes.9,5-6)
Was ist das für ein Kind, und was ist das für ein Sohn, der
uns gegeben ist? Sollte das nicht etwa doch jener zu
Bethlehem in einem Stalle geborene Knabe sein? Denn es
heißt auch: ,Zu Bethlehem in einem Stalle wird den Juden
ein König geboren werden; der wird ein neues Reich
gründen, dessen ewig kein Ende sein wird!‘
(Drei Tage im Tempel 4,2-3)
2
Die Geburt Jesu Christi
GL 4/2012
Die Geburt Jesu Christi
O glückselige Seelen, die Jesus suchen!
O dreimal glückselige Seelen, die Jesus finden!
Ehrt und gebraucht alle Mittel der Gnade!
Hört, lest, betrachtet, erwägt das Wort Gottes!
Aber bleibt dabei nicht stehen, sondern betrachtet es
als einen Stern, der uns zu Jesus weist, und ruht mit
den Weisen nicht eher, bis ihr Jesus selber gefunden
habt, diesen Schatz, der im Acker des Worts
verborgen ist.
Übt euch mit allem Fleiß in allen guten Dingen, aber
haltet doch die Reise nicht für Christus selbst, wie die
Weisen nicht nur bis nach Jerusalem und Bethlehem,
sondern bis ins Haus gingen, wo sie nicht bloß Maria,
sondern auch das Kindlein fanden und nun erst
ruhten und durch einen anderen Weg heimzogen.
Der Weg aber ist Christus. Lernt, aber lernt von ihm!
Wirkt, aber solche Speise, die euch der Sohn Gottes
darreichen wird!
Seid stark, seid fröhlich, aber in dem Herrn!
Achtet sie hoch und wert, alle Erquickungen, die euch
zuteil werden, die Trostsprüche, die euch einfallen,
die Verheißungen, die ihr empfangt, die
Aufmunterungen, die euch werden!
Aber dringt weiter, dass ihr in Christus erfunden
werdet!
Alle Welt sei stille vor dem Herrn und bete ihn an!
Huldigt ihm, indem ihr ihm euer Herz gebt,
und lasst euer Herz das Haus sein, worin er wohne!
Er nehme Besitz von uns und mache sich alles in uns
untertänig, damit wir ewiglich vor ihm anbeten!
Gottfried Daniel Krummacher 1774-1837
GL 4/2012
Editorial
3
Editorial
„Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe,
ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren
wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist
Christus, der HERR, in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in
Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen
Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der
Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein
Wohlgefallen.“ (Luk. 2,10-14)
Klaus W. Kardelke
Geschäftsführender
Vorsitzender der
Lorber-Gesellschaft
Die Advents- und Weihnachtszeit naht und wieder geht ein Jahr dem
Ende zu. Wer sich von dem Treiben und der Hektik des Weihnachtsrummels loslösen kann, der wird eine besinnliche und friedvolle Zeit der
Ruhe und inneren Einkehr erfahren können.
Ja, selbst Menschen, die der Religion und der Kirche und dem
christlichen Leben ferne stehen, werden sich weihevoller rührender
Gefühle nicht verschließen können.
Denn in dieser weihnachtlichen Zeit werden viele Menschen wieder
anfangen über den Sinn ihres Lebens nachzudenken, denn gerade in dieser
Zeit wird die Frage nach dem Sinn und nach Gott wieder lebendiger. So
werden zu Weihnachten die Kirchen und christlichen Gemeinden voller
Menschen sein, die dieser Zeit eine feierliche und besinnliche Stimmung in
ihren Herzen verleihen möchten. Die Herzen werden empfänglicher sein
für die frohe Botschaft, die Gott durch seine Geburt als Mensch auf diese
Erde gebracht hat. Denn unbewusst sucht jeder Mensch nach den Frieden
seines Herzens, den die Welt mit ihrem Getriebe nicht zu geben vermag,
sondern der nur in unseren eigenen Herzen und in Gott zu finden ist.
„Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude“, wurde
den Hirten verheißen. Wie die Hirten damals, so sollten auch wir uns
aufmachen und das Kindlein in der Krippe aufsuchen, um unseren Frieden
und unsere Freude wiederzufinden. Denn die Freude und der innere
Frieden sind untrügliche Zeichen der Gegenwart des Herrn, denn es heißt
ja „die Freude am Herrn ist unsere Stärke.“ (Neh. 8,10). Und Jesus sprach:
„Meinen Frieden gebe Ich euch.“ (Joh. 14,27) und „dass ihr in Mir Frieden
habet.“ (Joh, 16,33).
Die Weihnachtsgeschichte ist demnach auch ein Bild unserer eigenen
Suche nach Frieden, Freude und Liebe, die Suche nach der Krippe der
ewigen Liebe in unserer eigenen Herzensgrotte.
Schon als Kinder träumten wir unbewusst davon, diese geistige
4
Editorial
GL 4/2012
Schatzhöhle zu suchen und zu finden. Als erwachsene Christen durften
wir sie nun finden. Denn nur in der Höhle unseres eigenen Herzens finden
wir den Herrn der Herrlichkeit, in Windeln gewickelt, in einer Krippe
liegend, den größten Schatz, den der Mensch in seinem Leben zu finden
vermag, und den ihm keiner streitig machen kann.
Die Geburt Christi ist nicht nur ein geschichtliches Ereignis, sondern
sie vollzieht sich jeden Tag neu in den liebenden Herzen Seiner
Nachfolger. Christus möchte in uns neu geboren werden, möchte uns ganz
mit Seinem Wesen, Seiner bedingungslosen Liebe erfüllen und ganz in uns
und durch uns leben. Er möchte die dunkle Höhle unseres Herzens mit
Seinem Licht der Liebe und Seinem Frieden erfüllen, möchte Anteil haben
an unserem Leben.
Dieses Licht der göttlichen Liebe will die Finsternis unseres Herzens
erleuchten, und unsere Aufgabe ist es, unsere Herzenshöhle dem
Jesuskindlein zu öffnen.
Nicht mehr soll es heißen: „Das Licht scheint in der Finsternis, und die
Finsternis hat's nicht begriffen.“ (Joh. 1,5) Sondern: „Mache dich auf,
werde licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht
auf über dir.“ (Jes. 60,1)
Folgen auch wir dem Stern von Bethlehem, diesem inneren Licht- und
Leitstern unseres Herzens. Er wird uns den Weg in unsere Herzensgrotte
weisen und dort werden wir in unserem Seelengrunde die Geburt und das
Kommen des Geistes Gottes in unsere eigene innere Welt und die stille
Nacht in uns selbst erleben.
In diesem Sinne ist Christi Geburt das ganz persönliche Erlebnis jedes
Einzelnen. Eine immerwährende Geburt in den Herzen Seiner Nachfolger,
um deren innere Finsternis mit der Liebe zu erleuchten.
Uns ist heute der Heiland geboren und nicht nur vor zweitausend
Jahren, sondern hier und jetzt kann es geschehen. Denn Weihnachten, die
geweihte Nacht der Geburt Gottes, kann immer und allerorten in
Erscheinung treten in den Gott liebenden Herzen der Nachfolger Christi.
Die Lorber-Gesellschaft dankt allen Freunden und Förderern für die
freundliche Unterstützung durch Spenden und Gebete in diesem Jahr.
Wir wünschen euch ein frohes, besinnliches und gefühlvolles
Weihnachtsfest und ein gesegnetes und gesundes Neues Jahr.
Eure Geschwister der Lorber-Gesellschaft
GL 4/2012
Der Grund der Menschwerdung Gottes
5
Der Grund der Menschwerdung Gottes
Spricht der Herr zu Philopold: Aber da du schon einmal so ein echt
platonischer Weiser bist, so entwickle uns nun auch den eigentlichen
Grund Meiner Darniederkunft ins Fleisch dieser Erde!
Was Ich im Geiste bin und war von Ewigkeit, das weißt du; dass Ich
aber auch einen Leib habe mit Fleisch und Blut gleich den andern
Menschen, das siehst und fühlst du so gut wie alle hier am Tische.
Warum zog denn Ich eine sterbliche Hülle an? Warum bekleidete sich
der Urgrund alles Seins und Lebens mit der Hülle der offenbarsten
Sterblichkeit?! Muss das sein, oder ist dies etwa bloß nur so eine Laune
des ewigen Gottgeistes, der in Mir ist, weilt und wirkt? – Kannst du Mir
solches ganz genügend entfalten, so sollst du einen Preis der Weisheit aus
den Himmeln überkommen schon in diesem Leben!“
Sagt Philopold: „In Deinem für mich heiligsten Namen denn will ich's
versuchen, was ich aus mir heraus entfalten werde.
Ich meine, wenn schon selbst irgendein einfältigster Mensch denn doch
irgendeinen Grund zu irgendeiner noch so einfältigen Handlung haben
muss, ansonst er seine Glieder sicher nicht in eine Tätigkeit versetzt hätte,
um so mehr lässt sich voraussetzen, dass Gott einen gar überaus höchst
triftigen Grund gehabt haben muss, als der ewig allein wahre und reinste
allmächtige Geist Sich in die begrenzte Form des Fleisches einzuzwängen
und so als der Schöpfer aller Dinge Seinen Geschöpfen, wie wir Menschen
es sind, ein Mitgeschöpf zu werden.
Wie aber schon bei uns Menschen nur die Liebe allein der mächtige
Hebel zu allen wie immer gearteten Handlungen ist, so war eben die Liebe
auch in Gott sicher das alleinige große Motiv, durch welches, aus Sich
Selbst heraus genötigt, Er eben Sich dazu bequemte, wovon Du, o Herr, als
heiligste Folge nun unter uns wandelst und uns lehrst, Deinen Willen frei
in uns zu erkennen, ihn zu unserem vollen Eigentume zu machen und
danach selbständig Dir, o Herr, wohlgefällig zu handeln.
So aber kommt es mir in meinem Herzen ganz natürlich und lebendig
menschlich vor: Du hast einmal von Ewigkeit her Deine Ideen zu wirklich
festen Formen umstaltet. Zuerst waren die Formen starr und steif, wie nun
noch alles, was vor unseren Sinnen als völlig leblos scheinend dasteht. Aus
diesen großen und scheintoten Formen entwickeltest Du von Periode zu
Periode stets mehr und mehr weichere und ihrer selbst bewusstere
Lebensformen mit weniger oder mehr freier Bewegung und Tätigkeit. Dies
alles ist und war nur eine Vorschule und Vorprobe zum völlig freien Leben
im darauf aus allen den Vorgängen hervorgehenden völlig freien
6
Der Grund der Menschwerdung Gottes
GL 4/2012
Menschen, dem Du, o Herr, die Haupt- und Grundform Deines eigenen
Grundseins gabst.
Der Mensch war nun da, erkannte sich und seine göttliche Freiheit,
hatte eine große Freude an seinem Dasein, an seiner schönen Form und
konnte unterscheiden und zählen die Dinge, die ihn umgaben.
Er fing aber auch bald in sich an, nach dem Ursprung seiner selbst, wie
nach dem der ihm dienenden Dinge zu forschen; und als Du, o Herr,
solches sahst, ward Dir freudig um Dein göttliches Herz, und Du
verschafftest ihm die Gelegenheit, Dich mehr und mehr zu fühlen und zu
denken.
Durch die innere stille und geheime Offenbarung im Herzen des nun
frei dastehenden Menschen, der in allem Dein Ebenmaß war, führte Dein
ewiger Geist ihn zuerst darauf hin, dass er zu erkennen beginne, dass er
samt allem, was ihn umgab, das Werk eines allmächtigen und höchst
weisen und guten Wesens sein müsse. Durch solche stets steigende und
heller werdende Erkenntnis musste der neue, herrliche Mensch nicht nur
mit der höchsten Hochachtung und Ehrfurcht vor dem stets lebendiger
gefühlten Schöpfer aller Dinge, sondern auch mit einer sehnenden Liebe
zu Ihm dahin im Herzen erfüllt werden, Ihn nur einmal zu sehen und zu
sprechen, um dadurch treu zu erkennen, dass seine große, Ehrfurcht und
Liebe erweckende Ahnung vom Dasein eines solchen höchsten Wesens
kein eitles Phantasiebild sei!
Diese große Sehnsucht stieg und stieg höher und höher, und heißer und
heißer ward das geheiligte Verlangen nach Dir, o Herr, in Deinem Geiste
in des ersten Menschenpaares reiner und noch völlig unverdorbener Brust.
Diese ersten Menschen liebten sich zwar; aber sie erkannten sich nicht,
und es einigte sich darum ihre Liebe zu Dir, o Herr, und zeugte in beiden
die stets größere und bestimmtere Zuversicht, dass es einen großen,
heiligen und allmächtigen Schöpfer geben müsse, der den Menschen zum
Herrn über die ganze Erde und über alle Dinge gesetzt habe, weil sich vor
seinem Willen alle anderen Geschöpfe der Erde beugten.
Als solche Sehnsucht, Dich gewisserart persönlich kennen zu lernen,
den höchsten Kulminationspunkt erreicht hatte, da wardst Du denn auch
erregt in Deinem Gottesherzen und eröffnetest des Menschen innere Sehe,
schufest Dir für den Moment eine ätherische Menschenform und zeigtest
Dich also dem nach Dir lechzenden Menschen.
Da erst ersah der Mensch die großheiligste Wahrheit und vollste
Wirklichkeit seiner Ahnung und hatte eine große Freude an Dir, aber auch
eine rechte Furcht vor Dir, der Du ihm, wie allen Dingen, das Dasein
gegeben hast.
GL 4/2012
Der Grund der Menschwerdung Gottes
7
Damals war der Mensch gut und rein wie eine Sonne; nichts trübte
seine Sinne, und das, was man nun Leidenschaft nennt, war ferne seiner
geheiligten Brust.
Aber Du, o Herr, wusstest wohl, dass also nur des Menschen Form
durch Deines Willens Odem belebt und nun fähig war, an seiner eigenen
inneren Ausbildung zu arbeiten anzufangen, um die freie Selbständigkeit
zu erlangen.
Du unterwiesest ihn und zeigtest ihm die beiden Wege, – den einen,
führend zur gottähnlichen, freiesten Selbständigkeit, und den andern,
führend zum gerichteten, also im vollsten Maße unselbständigsten Sein.
Ein Gebot war der verhängnisvolle Wegweiser und der fragliche
Doppelweg selbst.
Damit aber das Gebot für den neuen Menschen das würde, was es sein
sollte, so musstest Du ja dem Menschen einen Versucher beigesellen,
damit dieser ihn zur Nichtbeachtung des Gebotes anreizte und der Mensch
dann aus dem eigenen festesten Willen das Gebot hielte und treu
beachtete.
Dies ging auch eine Weile; aber Du Selbst sahst, dass der Mensch
durch die strenge Haltung dieses einen Gebotes am Ende dennoch nicht zu
jenem hohen Grade der vollsten Selbständigkeit gelangen könne, der ihm
von Dir aus vorgesteckt war.
Um das zu erreichen, musste der Mensch zuvor noch tiefer und weiter
von Dir getrennt werden; er musste fehlen und fallen und dann erst in
solcher höchsten Abgeschiedenheit von Dir höchst mühsam und unter
allerlei Verlockungen und Beschwerden sich ganz von neuem zu sammeln
anfangen und forschen nach Dir mit gedrücktem und reuigem Herzen.
Als der also gefallene Mensch sich auf solche mühevolle Weise aus
seiner tiefsten Tiefe wieder zu Dir emporgerichtet hatte, kamst Du ihm
wieder entgegen, zeigtest ihm Dich abermals in einer schon um sehr vieles
gediegeneren Form und ebenso auch umfangreicher in der den Menschen
belehrenden Offenbarung, und machtest ihm die große Verheißung dessen,
was Du nun vor unsern Augen ins vollste und gediegenste Werk gesetzt
hast dadurch, dass auch Du dem Menschen ein vollkommenster
Mitmensch würdest, auf dass er in alle zukünftigen Ewigkeiten als
allervollkommenst selbständig Dir gegenüberstehen könne und Du Selbst
dadurch den größeren, herrlicheren und sicher seligeren Genuss hättest,
Deinen Kindern nicht gleichfort als ein in aller Unendlichkeit ausgedehnter
und dadurch nie schau- und fühlbarer Gott, Herr und Vater, sondern als ein
schaubarer lieber Vater, den die Kinder lieben können, gegenüberzustehen,
und alle die guten Kinder persönlich zu führen in alle Deine
8
Der Grund der Menschwerdung Gottes
GL 4/2012
Wunderhimmel.
Welche Seligkeit könnte das für einen unendlichen Gott auch sein, so
Er wohl Seine lieben Kinder sehen könnte, diese Ihn aber nie irgend anders
denn als ein unendliches Lichtmeer zu Gesichte bekommen könnten?! So
aber hast Du den Menschen wohl die höchste Seligkeit bereitet und
dadurch auch als wahrer, einziger und liebevollster Vater Deiner Kinder
auch Dir Selbst!
Denn welche Lust wohl könntest Du selbst an dem besten und
herzensreinsten aller Deiner Kinder haben in dem sicher hellsten
Bewusstsein, dass sie Dich ewig nie sehen und reden hören sollen?!
Also, Deiner und der Menschen willen hast Du, o Herr, alles das getan,
auf dass die Reinen in Dir glückseligst würden und Du in ihnen auch die
höchste Wonne und Glückseligkeit genießen könntest!
Und wenn nun alle Engel aus den Himmeln herabsteigen und mir einen
andern Hauptgrund Deiner nunmaligen, völlig und sogar materiell
formellen Menschwerdung angeben können, so leiste ich auf ewig auf
meine Menschheit Verzicht und will aufhören zu sein, oder ich will für
ewig irgendein Tier sein!
Hättest Du, o Herr, die Liebe nicht in Dir, so hättest Du ewig nie auch
nur eine Deiner allerherrlichsten Ideen ins beschauliche und formelle
Dasein gerufen; dadurch aber, weil Du Selbst ein großes Wohlgefallen in
Deinem Gottesherzen zu (an) Deinen wunderbarst herrlichen und großen
Ideen fandest und sie schon liebtest, bevor sie Deine endlose Weisheit und
Macht ins außen beschauliche und durch Deine Kraft gefestete formelle
Dasein rief, zwang Dich Deine Liebe, die auch stets glühender und tätiger
ward, nun denn auch Deinen Ideen ein Dasein wie außer Dir und darum
auch ein nachfolgendes Leben zu geben.
Dies Leben aber ist ja noch nichts anderes als Deine höchste,
mächtigste und reinste göttliche Liebe!
Alle Geschöpfe atmen ihr Leben aus und in dieser Deiner Liebe, ja, ihr
ganzes Wesen ist ja nur Deine Liebe, und alle Formen sind auch nur
Deine Liebe! Alles, was wir hören, sehen, wahrnehmen, empfinden, fühlen
und schmecken, ist nur Deine Liebe! Ohne diese hätte nie eine Sonne
irgendeine Erde erleuchtet und ihre Gefilde befruchtend erwärmt!
Wenn aber das alles nur Deine Liebe getan hat mit Deinen herrlichen
Urideen, sollte sie hernach für sich selbst nichts tun, um eben in allen
durch sie gewordenen Wesen das in aller Fülle zu erreichen, was sie
uranfänglich in sich selbst zwang, den Ideen Form und ein freies,
selbständiges Leben zu bereiten?!
GL 4/2012
Der Grund der Menschwerdung Gottes
9
Ich bin nun der Meinung, dass ich die volle Wahrheit geredet habe, aus
der da klarst hervorgeht, dass Du, Gott von Ewigkeit, auch notwendig in
der Zeit ein Mensch gleich uns, durch Dich Selbst genötigt, werden
musstest!
Und ich glaube dadurch auch, insoweit es einer menschlichen Weisheit
möglich ist, Deine an mich gestellte Frage im allgemeinen erschöpft zu
haben!“
Ich (der Herr) aber sage zu ihm: „Siehst du, Mein lieber Freund und
Bruder, wie es dir recht gut gegangen ist und du mit deiner herrlichen
Beantwortung Meiner an dein Herz gestellten Frage den Nagel auch auf
den Kopf getroffen hast!
Ich sage es dir, dass du nun die vollste Wahrheit in Meinem Namen
allen Meinen Jüngern, Freunden und Brüdern getreust, wahrst und sehr
leicht begreiflich geoffenbart hast und Ich dazu nun nichts anderes zu
sagen brauche als: Also ist es, und also stehen von Ewigkeit her alle
Sachen, Dinge und Wesen!
Siehe, darin ist mehr Weisheit als im ganzen Hohenliede Salomos, der
es sowenig als irgend jemand anders im Grunde des Grundes verstanden
hat.
Darum suchet ihr alle nur im Herzen die Weisheit und die rechte
Offenbarung aus Mir, so werdet ihr sie leicht begreifen und für euer ganzes
Leben und für ewig behalten!“
(GEJ.03_182,03-5 + 183,1-29 + 184,3-6)
JKJKJKJKJK
„Der arme Stall zu Bethlehem mit Jesus war herrlicher
als alle Paläste der Welt. So ist heute noch der ärmste,
verlassenste und einfältigste Mensch, der mit Jesus
vereinigt ist, höher zu schätzen, als alle Mächtigen
der Erde, die in dieser Verbindung nicht stehen.
Darum halte es für lauter Ehre und Herrlichkeit,
wenn du wegen der Vereinigung mit Christus
als ein Tor verachtet wirst.
Wir sind Narren um Christi willen.“
Johann von Bernieres-Louvigni (1602-1659)
10
Die Erweckung der Gottesliebe
GL 4/2012
Die Erweckung der Gottesliebe
(Fortsetzung und Schluss)
Gerd Kujoth
14. Die Übung der Ruhe in Gott
Wer Jesus sucht, der soll Ihn nur in sich suchen und
kann Ihn auch nur in sich finden. Wer das Feuer der Liebe
zu Jesus anzünden möchte, der kann es nur im eigenen
Herzen anzünden. Jesus sagt: „So du mich suchest, da
musst du Mich aber bei dir und nicht bei andern suchen!
Gerd Kujoth
Denn kann Der in der Fremde gesucht werden, der da Schweizer
Kenner des
Lorberwerks
beständig in dir zuhause ist und deiner harret!? – Wie du
dein Leben nicht lebest in einem fremden Leibe, sondern in deinem
eigenen, so musst du auch Mir in dir zu leben beginnen und Mich in dir
suchen! Da wirst du Mich sicher finden! Denn für dich lebe Ich nur in
dir!“ (1.Hi. S. 408)
In der Kundgabe „Der kürzeste Weg zur Wiedergeburt“ hat uns Jesus
die Übung der Ruhe in Gott gezeigt, durch die wir in kurzer Zeit den
lebendigen Brand der Liebe in uns entfachen können. Diese zweite Übung
geht im Grunde wie die erste, nur dass sie intensiver ausgeführt wird. Was
wir in der ersten Übung den Tag über zwar oft aber nur kurz ausüben, das
wird jetzt längere Zeit geübt. Es heißt in der Kundgabe: „Dann muss er
sich ganz fest vornehmen, mit der Welt ganz zu brechen, und sich ganz Mir
übergeben und in seiner Liebe eine große Sehnsucht haben nach Mir - und
muss in dieser großen Sehnsucht tagtäglich sich von der Welt und allen
Geschäften in ihr zurückziehen und wenigstens 7 Viertelstunden lang bei
verschlossenen Türen und Fenstern weder beten noch etwas lesen, sondern
er muss diese Zeit in der völligen Ruhe, bloß nur sich in seinem Innersten
mit Mir beschäftigend, zubringen. - Und allzeit aber, sooft sich jemand in
diese Ruhe begeben hat, soll er folgende kleine anregende Rede halten in
seinem Herzen an Mich im allerfestesten Ernste und sagen:
‚Herr! - Hier bin ich. Ich ließ Dich, o liebevollster heiliger Vater, lange
warten, da Du mir schon seit meiner Kindheit unablässig zugerufen hast:
Komm zu Mir, Ich will dich erquicken! - Nun, o Vater, ist die Zeit
gekommen, dass sich mein Ohr geöffnet und mein sonst starrer Wille ganz
in den Deinigen ergeben hat voll Demut und Gehorsam vor Dir, wie auch
nach Deinem Willen zu allen meinen besseren Brüdern. Daher komme Du,
mein allerliebster Jesus, zu mir und erquicke meine kranke Seele mit dem
Balsam Deiner unendlichen Liebe.
GL 4/2012
Die Erweckung der Gottesliebe
11
Herr, lasse Dir ja nicht Zeit, denn ich habe Deiner unendlich nötig; ich
kann ja nicht mehr ohne Dich sein, da Du mir Alles und alles andere aus
Liebe zu Dir zunichte geworden ist! Ohne Dich kann ich nicht mehr leben;
daher, o mein liebster Jesus, komme alsobald zu mir! - Doch wie allezeit,
so geschehe auch diesmal Dein heiliger Wille Amen.‘
Nach dem begebet euch zur Ruhe und wachset in der Sehnsucht und
Liebe zu Mir. So ihr das nur eine kurze Zeit üben werdet, so sage Ich: Ihr
werdet bald blitzen und donnern hören; aber dann erschrecket nicht, und
werdet auch nicht ängstlich; denn nun komme zu jedem Ich erst als Richter
unter Sturm, Blitz und Donner, und hernach erst in sanftem, heiligen
Wehen als Vater!
Seht, das ist der kürzeste und wirksamste Weg zur reinen Wiedergeburt,
in welcher allein das ewige Leben zu gewinnen ist. Jeder andere Weg
dauert länger und ist unsicherer, da es sehr viele Diebeswege gibt, allwo
hinter dem Straßengebüsche arglistige Diebe, Räuber und Mörder lauern;
wer da nicht wohl gepanzert ist und bewaffnet kreuz und quer, der wird
hart ans Ziel gelangen. - Bedenket wohl, wer Der ist, der euch das
sagt!“ (3.Hi. S. 63)
In dieser Übung begeben wir uns in die Ruhe, wir beten nicht, noch
lesen wir und denken auch nicht mehr über alles Mögliche nach. Dafür
erwecken wir die Sehnsucht und Liebe zu Jesus, indem wir, wie in der
ersten Übung beschrieben, unsere Liebesgefühle für Jesus erwecken und
nach Ihm ausstrahlen lassen. Diese Liebesübung wird ständig wiederholt,
und wenn uns andere Gedanken dazwischenkommen und diese uns
bewusst werden, so führen wir wiederholt diese Liebesübung aus, bis die
Zeit, die wir uns gesetzt haben, vorbei ist.
15. Der innere Widerstand
Wie schwer ist es für viele, so still dazusitzen und sich gesammelt zu
halten. Da taucht bald einmal der Wunsch auf, sich mit etwas
unterhaltsamerem zu beschäftigen, mit etwas, das einem Freude macht.
Wer solch eine Unlust zur Ruhe in Gott in sich verspürt, dessen Lust zur
Welt ist noch sehr groß.
Jesus sagt: „O ja, - ihr leset fleißig, ihr schreibet auch fleißig, ihr
besprechet euch auch gerne von Mir; aber wenn Ich sage: ‚Widmet Mir an
Stelle eurer gewissen Weltgedanken und an Stelle eurer so manchen
Welterheiterungen nur eine volle Stunde am Tage; heiliget sie dazu, dass
ihr euch in derselben mit nichts als nur mit Mir in euerm Herzen
abgebet!‘, - oh, da werdet ihr hundert Anstände für einen finden, und
12
Die Erweckung der Gottesliebe
GL 4/2012
hundert weltliche Gedanken werden sich um einen einzigen schwachen
geistigen wie ein Wirbelwind drehen!
Allerlei weltliche Rücksichten werdet ihr da zum Vorschein bringen;
und wenn sich auch jemand für eine solche Stunde entschließen möchte, so
wird er sich sicher nicht zu sehr freuen auf dieselbe, sondern wird
vielmehr eine kleine unbehagliche Scheu vor derselben haben und wird
dabei fleißig die Minuten auf dem Zifferblatte seiner Uhr zählen und nicht
selten mit Ungeduld auf das Finale des Mir geweihten Stündleins harren!
Und käme da nur irgendein unbedeutendes Weltgeschäftlein
dazwischen, so wird das Stündlein entweder gar kassiert oder wenigstens
in eine solche Periode des Tages versetzt, in welcher sich schon
gewöhnlich der wohltätige Schlaf über die Sterblichen senkt, und in
welcher keine angenehmen Besuche mehr zu erwarten und keine
nervenstärkenden Promenaden mehr zu unternehmen sind.“ (Schr. 5)
Etwas anderes wäre es, wenn gerade während der Zeit der Ruhe in Gott
ein armer, in irgendeine Not geratener Mensch zu uns käme und bäte uns
um Hilfe. Da steht dann die Not dieses armen Menschen höher als die
Übung der Ruhe in Gott und da gebietet es die Nächstenliebe, die Übung
zu unterbrechen, um diesem armen Menschen zu helfen.
Wer nun Jesus schon mehr liebt als alle Weltinteressen und Ihn mehr
liebt als allen Wissensdurst nach geistigen Erkenntnissen, für den ist es
nicht schwer, die Ruhe in Gott zu üben, denn er wird sich nur zu gerne in
die Stille seines Gemütes begeben, um dort Jesus begegnen zu können.
Jesus sagt: „So du nun Gott ganz sicher über alles liebst und eben
darum auch über alles ehrst, - wirst du dich da nicht gerne, und das sehr
oft, von dem weltlichen Tagesgeschäft zurückziehen und dich mit dem
Gegenstand deiner heißesten Liebe beschäftigen? Ja, ganz ungezweifelt
wahr und sicher! Und siehe, darin besteht ja auch die wahrste und
rechteste und vor Gott allein gültige Feier des Sabbats, die Moses
befohlen hat! Denn an dem Tage selbst liegt wenig oder auch gar nichts,
sondern allein daran, dass du am Tage oder in der Nacht in der Liebe und
Ruhe deines Herzens gern an Gott denkst und dich mit Ihm
unterhältst.“ (7.GEJ 28)
Die tägliche Übung der Ruhe in Gott sollte mit der Zeit von einer
pflichtgemäßen Handlung in eine sehnlich erwartete Freude übergehen.
Dann werden wir uns durch nichts mehr von ihr abbringen lassen.
GL 4/2012
Die Erweckung der Gottesliebe
13
16. Wann, wie oft und wie lange soll die Ruhe in Gott geübt werden?
Manch einer würde ja gerne die Ruhe in Gott einhalten, wenn er nur
Zeit dazu hätte. Vielleicht hat er sich aber auch, trotz knapper Zeit, schon
einige Male die Zeit dazu genommen, aber weil er gar keine Wirkung
dabei gespürt hat, ist er zu der Überzeugung gekommen, das sei eine
verlorene Zeit. Man sitze nur herum, sei untätig und könne die Zeit
nützlicher verbringen. Aber da sagt Jesus: „Die wahre, innere Gemütsruhe
ist für jeden Menschen das notwendigste geistige Element, ohne das er
nichts wahrhaft Inneres und geistig Großes zu fassen vermag. Es ist aber
solch eine Ruhe, in der dem Leibe und seinen Gliedern die Tätigkeit
vorenthalten wird, dennoch keine Ruhe, sondern vielmehr eine innere
große Tätigkeit der Seele die darin besteht, sich mit ihrem Geiste, den sie
wahrzunehmen angefangen hat, mehr und mehr zu einen. Nach
fortgesetzter und täglich einmal vorgenommener solcher innerer Ruhe,
oder besser Seelentätigkeit, wirst du erst zu fühlen anfangen, welch einen
großen wahren Lebensnutzen du daraus gewonnen hast.“ (5.GEJ 218)
Das Ziel der Übung ist die geistige Wiedergeburt, die Einung der Seele
mit dem Geiste, der im Seelenherzen wohnt und der nach fortgesetzter
Übung anfängt, sich in der Seele auszubreiten. Wir können das
wahrnehmen, wenn sich der Geist auszubreiten anfängt, indem unser Herz
immer mehr mit Frieden, Liebe und Seligkeit erfüllt wird.
Andere sind wieder der Meinung, dass sie die Zeit, die ihnen am Tag
noch übrig bleibt, für ihre Erholung brauchen. Doch Jesus sagt: „Daher
bemühet euch, aus euren Erholungsstunden in stiller Ruhe und
Zurückgezogenheit eures Gemütes Mir geweihte Stunden zu machen - so
könnet ihr früh erfahren, wie überaus gut und voll Liebe Ich, euer Vater,
bin. Und wahrlich, in einer Minute möchte Ich euch da mehr geben, denn
alle Welt in tausend Jahren.
So euch aber eure Erholungsstunden zu was anderem dienen, so werdet
ihr auch ebenso sicher erfahren, wie fremd, unerforschlich und
unerbittlich Ich jenen zu bleiben pflege, die den Unrat der Welt und allen
Trug des Satans Mir vorziehen.
Schließlich denket wohl gar sehr darüber nach, von Wem diese Worte
zu euch kommen! Machet euch frühzeitig bekannt mit Mir!“ (1.Hi. Seite 295)
Nun hat sich jemand vorgenommen, die Ruhe in Gott einzuhalten und
fragt sich, wie lange er denn nun üben soll? - Da kann ihm, falls er noch
nie die innere Gemütsruhe geübt und auch noch nie meditiert hat,
empfohlen werden, am Anfang nur wenige Minuten zu üben und diese Zeit
täglich etwas zu steigern. Denn sobald sich jemand in die Stille begibt,
14
Die Erweckung der Gottesliebe
GL 4/2012
können verdrängte ungelöste Probleme oder nicht überwundene seelische
Verletzungen, falls solche vorliegen, plötzlich heftig aus dem
Unterbewusstsein, oder besser gesagt, aus der Tiefe des Herzens
hervorbrechen und an die Oberfläche kommen. Diese müssen dann zuerst
verarbeitet werden, bevor die Zeit weiter gesteigert werden kann.
Wie viel Zeit sollen wir nun pro Tag für die Ruhe in Gott verwenden? Jesus hat uns gesagt, dass eine Viertelstunde am Tag zu wenig ist. Eine
Stunde täglich sollte es wohl mindestens sein. Wer es aber mit der Liebe
zu Jesus und mit seiner geistigen Wiedergeburt ganz ernst nehmen will
und er sich die Zeit dazu nehmen kann, der versenke sich täglich sieben
Viertelstunden in die Liebe zu Jesus. Diese Zeit kann pro Tag aber auch
aufgeteilt werden. Jesus Selbst verwendete täglich eine Zeit von drei
Stunden für die Ruhe in Gott.
Nun könnte vielleicht noch die Frage gestellt werden, welches die
geeignetste Tageszeit ist, in der wir uns in die Ruhe in Gott begeben
sollen? - Jesus sagt darauf: „Ich bin stets zu Hause, gehe niemals aus, und
habe nicht nur gewisse Stunden oder Zeiten bestimmt, in welchen man zu
Mir kommen kann wie zu den Königen der Erde und allen Großen der
Welt. Also nicht nur am Sabbate oder Feiertage, sondern zu jeder Minute
ist Mir ein liebendes Herz angenehm, und in der Nacht selbst habe Ich
noch nie vor jemandem die Türe verriegelt; wann immer ihr also klopfen
werdet, will Ich ‚Herein!‘ sagen.“ (1.HG 3)
„Ja“, wird jetzt vielleicht jemand sagen, „ich übe schon lange jeden
Tag die Ruhe in Gott, aber ich spüre noch keinen inneren Frieden, keine
Liebe und noch keine Seligkeit. Kann das überhaupt in diesem Leben
erreicht werden?“
Darauf sage ich: Es kommt darauf an, wie viele Totengefängnisse sich
um seinen Geistfunken befinden, denn wenn jemand jahrzehntelang seinen
Geschlechtstrieb ausgelebt hat, so hat er auch bei jedem Mal ein neues
Totengefängnis um seinen Geist errichtet. Dazu kommen auch noch andere
Hüllen, wie das genießerische Essen und Trinken, Geld- und
Besitzstreben, Herrschlust, Stolz, Neid, Vergeltungssucht und noch andere.
Deswegen dauert es jetzt so lange, bis alle Hüllen des Geistes wieder
entfernt sind.
Wenn z.B. jemand im Laufe der Zeit einige Tausend Totengefängnisse
um seinen Geist errichtet hat, und er baut jeden Tag eines ab, indem er
jeden Tag intensiv sieben Viertelstunden die Ruhe in Gott übt, so dauert es
auch einige Tausend Tage, bis alle Hüllen abgebaut sind und der Geist sich
in der Seele ausbreiten kann. Dann erst kann der Friede, die Liebe und die
Seligkeit empfunden werden. Deshalb sollte mit Geduld fleißig
GL 4/2012
Die Erweckung der Gottesliebe
15
weitergeübt werden, denn dann werden auch zur rechten Zeit die Hüllen
abgebaut sein.
Wer aber nicht jeden Tag übt, weniger lang oder nicht so intensiv übt,
d.h. kaum ein Liebesgefühl aus seinem Herzen auf Jesus ausstrahlen lässt,
dafür aber mehr mit den Gedanken umherschweift, der muss natürlich
auch mit einer noch längeren Zeit rechnen.
17. Der Kampf gegen die zahllosen Gedanken
Nun hat jemand schon öfter die Ruhe in Gott geübt und sagt: „Ich kann
meine Gedanken nicht zum schweigen bringen. Immer wieder kommen mir
irgendwelche Gedanken, und bis ich gemerkt habe, dass ich mit meinen
Gedanken woanders, aber nur nicht bei Jesus bin, ist schon wieder viel
Zeit vergangen.“ - Darauf kann ihm geantwortet werden, dass dies wohl
allen gleich geht. Jedes Mal, wenn wir uns in die Ruhe in Gott begeben,
beginnt der Kampf gegen die zahllosen Gedanken, die uns zerstreuen. Ein
sich schnell drehendes Rad kann nicht mit einem Ruck angehalten werden.
Selbst wenn es abgebremst wird, braucht es seine Zeit, bis es still steht. So
ist es auch mit unseren Gedanken, sie können nur langsam zur Ruhe
gebracht werden. Auch ein Geübter braucht jedes Mal eine gewisse Zeit
dazu. Beherrschen wir unsere Gedanken auch nicht gleich, so sollten wir
deshalb aber doch nicht aufgeben, sondern es immer wieder neu versuchen
und geduldig auf Gottes Wirken warten.
„Die Übung in allem aber macht erst den Meister“, sagt Raphael,
„durch eine zu geringe Übung aber bleibt der Mensch ein ewiger Stümper
und kann zu nichts Großem und Außerordentlichem verwendet
werden.“ (10.GEJ 17)
Die Gedanken müssen zum Schweigen gebracht werden, denn hinter
dem Schleier endloser Gedankenketten finden wir Jesus. Wo unser Herz
ist, da sind auch unsere Gedanken. Sorgen, Interessen und Wünsche,
welche die störenden Gedanken verursachen, müssen uns einerlei werden,
indem wir sie Jesus übergeben. Tauchen diese Gedanken auf und werden
uns bewusst, müssen wir sofort unser ganzes Verlangen wieder auf Jesus
richten. Indem wir uns in liebender Sehnsucht Jesus zuwenden, werden die
störenden Gedanken vertrieben. Das gelingt zunächst nur für Augenblicke,
aber diese Augenblicke der Gedankenleere mit dem Gefühl der Liebe zu
Jesus sind wichtig, denn in dieser Zeit nimmt unsere Seele mehr
Geistigkeit an, das höhere Ich oder der Geist in uns kann wachsen und sich
in der Seele ausbreiten. Mit fortschreitender Übung werden die
Augenblicke der Gedankenruhe ausgedehnter, bis dann kein störender
16
Die Erweckung der Gottesliebe
GL 4/2012
Gedanke mehr die Stille unterbricht. Schließlich kann man sich so tief in
die Liebe zum himmlischen Vater versenken, dass man von nichts
Äußerem mehr abgelenkt werden kann.
18. Die Gefahren bei der Durchführung der Übung
Die Übung der Ruhe in Gott ist, wenn man sich genau an die
Anweisung hält, völlig ungefährlich. Fasst man jedoch einiges von der
Anweisung falsch auf und übt dadurch auf falsche Weise, so bleibt der
ersehnte Erfolg aus und man kann sogar in große Schwierigkeiten geraten.
Ein Geistesfreund nahm es sehr ernst und übte zwei Stunden am Tag. Weil
nun der Geistfunke der Liebe im Herzen wohnt und weil Jesus sagte, dass
wir Ihn im Herzen aufsuchen und uns in unserem Innersten mit Ihm
beschäftigen sollen, so konzentrierte er sich während der Übung auf sein
Herz. Nach Jahren des Übens berichtete er, dass nun in der Zeit der Ruhe
sein Herz zu brennen anfange. Nach weiterer längerer Übungszeit musste
er sich der warmen Kleidungsstücke entledigen, denn das Brennen wurde
stärker und gab ihm eine große Hitze. Als die Hitze unerträglich wurde,
musste er schließlich mit dem Üben aufhören. Er glaubte auf dem richtigen
Weg zu sein, weil er das Wort „brennen“ wörtlich nahm, obwohl es nur die
übergroße Liebe und Freude versinnbildlicht.
Gopi Krishna, ein Inder, hatte keinen Lehrer, der ihm das Meditieren
beibrachte. Er hatte von der Meditation gehört und gelesen und fasste den
Entschluss, diese zu üben. Er setzte sich jeden Morgen vor seiner Arbeit
hin und konzentrierte sich dabei auf sein Gehirn. Nach Jahren der Übung
war es dann soweit, dass er ein helles Licht aufflammen sah. Aber dieses
Licht erwies sich nicht als wohltuend und beseligend, sondern bereitete
ihm große Qual. Es verursachte ihm schwerste Störungen, bis ihm nach
langem Suchen ein in Yoga erfahrener Mann helfen konnte.
Was haben nun diese beiden, die so intensiv ihre Übung durchführten,
falsch gemacht? - Sie verstanden die Worte „sich nach innen wenden“
räumlich anstatt geistig und richteten ihre Aufmerksamkeit auf Teile ihres
Körpers. Auch der Ausspruch „Das Herz zu Gott emporheben“, bedeutet
nicht, dass wir es in unserer Vorstellung über alle Sterne hinaus
emporheben sollen. Das Missverstehen solcher Worte hat schon manchen,
die sich auf den Weg zur Innerlichkeit begeben haben, viel Irrtum und
Selbsttäuschung eingebracht.
Worauf sollen wir denn nun unsere Aufmerksamkeit richten? - Wenn
wir in Gedanken versunken sind und über ein Problem nachdenken, richten
wir unsere Aufmerksamkeit weder auf das materielle Herz, noch auf das
GL 4/2012
Die Erweckung der Gottesliebe
17
materielle Gehirn noch räumlich sonst wohin, sondern auf das Problem,
worüber wir nachdenken wollen. Genauso machen wir es auch bei der
Ruhe in Gott. Wir richten unsere Aufmerksamkeit mit aller Sehnsucht und
Liebe auf Jesus und das ist geistig. Sind wir aber im Geiste, so sind wir in
unserer Vorstellung körperlich und räumlich nirgendwo.
19. Nur einen Gedanken unverwandt betrachten
Johannes gibt uns den Ratschlag, den Namen Jesu in unserem Herzen
auszusprechen, um die brennende Liebe zu Ihm zu erwecken. Er sagt: Es
„genügt zur Erweckung unserer Liebe zu Jesu ja doch sicher schon ein
einziger Gedanke - nur Sein Name (oder „Vater“ 2.GS 50,17) in unseren
Herzen ausgesprochen sollte ewig genug sein, um in aller Liebe für Ihn zu
erbrennen! Daher sprechet auch ihr in euren Herzen diesen Namen
würdig aus, und ihr werdet es selbst erschauen, in welcher Fülle das
Feuer der Liebe aus euren Herzen hervorbrechen wird.“ (2.GS 13,16)
Wenn Johannes sagt, dass wir den Namen Jesu in unserem Herzen
aussprechen sollen, so meint er, dass schon ein Gedanke der Liebe zu
Jesus genügen sollte, um das Herz in einen hellen Brand der Liebe
versetzen zu können. Bei den allermeisten Menschen genügt aber die
einmalige gedankliche Nennung des Namens Jesu nicht, weshalb er auch
immer wieder, den ganzen Tag über, wiederholt werden kann. Dabei sollte
der Name Jesu nicht nur in Gedanken, sondern auch mit und in dem
Herzen, das heißt, mit der ganzen Kraft unseres Liebegefühls zu Jesus
ausgesprochen werden.
Nach längerer Übungszeit sollte die gedankliche Nennung des Namens
weggelassen werden und in eine andere Art der Übung übergehen. Dazu
gibt uns Johannes die Anweisung, wie das durchgeführt werden kann. In
dieser Anweisung wird der Name Jesu nicht ständig gedanklich
wiederholt, sondern im Geiste festgehalten und unverwandt betrachtet.
Johannes sagt: „Also muss ja notwendig ein jeder, der in das Leben
seines Geistes eingehen will, sich tagtäglich auf eine Zeitlang in die
vollkommene Ruhe seines Geistes begeben und muss in dieser nicht etwa
mit allerlei Gedanken umherschweifen, sondern er muss einen Gedanken
nur fassen und diesen als ein bestimmtes Objekt unverwandt betrachten.
Der beste Gedanke ist hier freilich der Herr. Und wenn jemand solches
mit Eifer und aller möglichen Selbstverleugnung fort und fort tun wird, so
wird dadurch die Sehe wie das Gehör seines Geistes stets mehr und mehr
an innerer Schärfe gewinnen.“ (2.GS 44,16-17)
Der Name „Jesus“ oder das Wort „Vater“ muss ständig im Geiste, d.h.
18
Die Erweckung der Gottesliebe
GL 4/2012
mit dem Herzen festgehalten werden. Dabei sollte gleichzeitig auch aus
dem Herzen ein liebendes Sehnen zur ewigen Liebe, bzw. zum Vater Jesus
hinströmen.
20. Die Wahrnehmungen beim Üben
Es wird sich durch die Übung der Ruhe in Gott unsere geistige Sehe
und das Gehör schärfen. Da geschieht es bei manchen, dass sie schon nach
kurzer Übungszeit Licht, Musik oder angenehme Düfte wahrnehmen. Auf
solche Wirkungen sollten wir keinen großen Wert legen und sie unbeachtet
lassen, denn es geht in dieser Übung um die Erweckung der Gottesliebe
und das ist mehr als Licht, Musik und angenehme Düfte. Sind sie da, so
lassen wir es gut sein und erfreuen uns daran, sind sie nicht da, so lassen
wir es auch gut sein. Auch Visionen und Stimmen können wahrgenommen
werden. Diese müssen geprüft werden, ob sie von Gott kommen.
Wir müssen uns immer bewusst sein, dass es nicht unser Ziel ist,
besondere Gaben zu bekommen, sondern fortzuschreiten in der Liebe,
Demut, Sanftmut und Geduld. Sind wir in diesen Eigenschaften fest
geworden, dann wird auch die Gabe echt sein, die wir dann bekommen. Nach einer Gabe aber sollen wir streben, welche die größte Gabe ist, die
Jesus uns geben kann – nach Seiner Liebe.
21. Die Entzündungszeit
Wann aber ist es soweit, dass die Liebe zu Jesus, unserem himmlischen
Vater, sich zu einem Brand entzünden kann? - Wenn jemand schon längere
Zeit die Ruhe in Gott in richtiger Weise geübt hat, wird in seinem Herzen
die innere Freude und Liebe wachsen und er wird sich immer leichter und
fröhlicher fühlen. Da wird es dann eines Tages geschehen, dass die Freude
und Liebe so überschäumend wird, dass er die ganze Welt umfassen
könnte. Da hat seine Hingebung an Jesus Frucht getragen, denn in dem
Maße, wie unsere Sehnsucht nach Ihm über allem steht, gibt Er uns Seine
Liebe zum Geschenk.
Der Vater sagt: „Wenn ihr aber gewahren werdet, dass es da in eurem
Herzen heißer und heißer wird, dann achtet auf euer Herz; denn dann ist
die Entzündungs- und Lichtzeit auch schon da. Und so dann eure Herzen
alle erbrennen werden zu Gott, dem allerheiligsten, liebevollsten Vater,
da schauet in euch, und ihr werdet die Wunder des ewigen Lebens in euch
erschauen!“ „Solche ewige Liebe ist erst das lichte Wachwerden des
ewigen Geistes, der da selbst nichts als pur Liebe ist.“ (2.HG 56)
Wenn der ewige Geist im Menschen seine Fesseln sprengt und in den
GL 4/2012
Die Erweckung der Gottesliebe
19
ganzen Menschen übergeht, dann ist es soweit, dass die Liebe zu Jesus
sich zu einem Brand entzündet.
22. Die Trockenheit
Aber noch kann der Übende die Liebe nicht ständig in seinem Herzen
erhalten, und nach einer gewissen Zeit ist die große Freude und heiße
Liebe wieder verschwunden. Da empfindet er seinen alten Zustand als eine
Trockenheit, deren Ursache im Nachlassen des Verlangens nach Gott liegt,
weil die weltlichen Interessen und Wünsche, wenn vielleicht auch nur
wenige, wieder sein Herz erfüllen.
Jesus sagt: „Ich aber bin ein gar allwissender Bräutigam! - Daher sehe
Ich es auch genau, wie jemandes Herz bestellet ist! Und Ich sage daher:
Wer zu Mir kommen will Meiner Selbst willen, der komme, und er wird
sogleich die ewige Aufnahme finden. Aber ein jeder prüfe sein Herz genau!
Denn solange nur noch ein Fünklein fremder Liebe darinnen hauset,
werde Ich nicht einziehen und Mich völlig finden lassen!“ (2.Hi. Seite 181)
Fängt er aber wieder an, sich Jesus zuzuwenden und steht geduldig
diese Trockenheit durch, so wird er den göttlichen Trost wieder finden.
Wenn nun sein Sehnen nach Jesus wieder stärker wird, so kann er eine
Beklemmung seines Herzens empfinden, die sich wie durch eine innere
Zusammenschnürung seiner Brust kundgibt. Dieser demütigende Schmerz
ist das Erschrecken der Seele, die nun in sich die große Zahl ihrer Sünden
wahrgenommen hat. Das ist dann ein Zeichen, nicht nachzulassen in dem
Bestreben, Jesus über alles zu lieben. Da erwacht dann die Liebe wieder
und erfüllt die ganze Seele. Göttliche Tröstungen, Zeiten der Trockenheit
und der Beklemmung des Herzens wechseln einander so lange ab, bis es
keinen Rückfall zur Welt mehr gibt und die Liebe fest geworden ist.
Der Vater sagt: „Aber solches merket euch gar wohl hinzu, dass… eure
Liebe nicht also sich gestalte, als möchte sie nur dauern von heute bis
morgen; denn mit einer sich nur zeitlich gestaltenden Liebe ist ja nicht
einmal das schwache Weib zufrieden, geschweige erst der ewige
Gott!“ (2.HG 56)
23. Die Liebe – das Ziel des Lebens
„Seid fleißig“, sagt Jesus, „dieweil es Tag unter euch geworden ist, und
sammelt euch des Öles viel von Meinem lebendigen Ölbaume... Denn die
Liebe ist das wahre Öl des Lebens. Wenn ihr dieses Öl in die Lampe eures
Herzens gießet, so werde Ich es anzünden mit Meiner Gnade. Und wenn
nun dadurch die Nacht eurer Seele erleuchtet ist, dann erst werde Ich
20
Die Erweckung der Gottesliebe
GL 4/2012
kommen als wahrer Bräutigam des Lebens und Wohnung nehmen in euren
Herzen.“ (1.Hi. Seite 88,35-36)
Das Öl der Liebe sammeln müssen wir, denn das Gebot der Gottes- und
Nächstenliebe gebietet es uns, aber die Lampe anzünden kann nur Jesus
und das ist Seine Gnade. Dann ist die Liebe durch Seinen Geist in unserer
Seele aufgeflammt, so dass es in ihr Licht geworden ist, und das ist die
wahre Erleuchtung.
Wenn wir die Liebe des himmlischen Vaters unerschütterlich in
unserem Herzen haben, so haben wir alles in allem. Sie ist die Taufe mit
dem heiligen Geist und mit Feuer, sie ist das wahre Beten ohne Unterlass,
die wahre Anbetung Gottes und das wahre Abendmahl. Sie ist das Ziel
unseres Lebens, unsere Wiedergeburt und Vollendung. Das wollte uns ein
von der Liebe begeisterter klarmachen, indem er sprach: „Wohl
demjenigen, ja unendlichmal wohl, der auf der Erde sich die Liebe zum
Herrn zum einzigen Bedürfnisse gemacht hat; denn der hat zu solcher
Vollendung des Lebens den kürzesten Weg eingeschlagen!“ (1.GS 7)
Aber nicht nur uns bedeutet die Liebe zu Jesus alles, sondern auch Ihm,
unserem himmlischen Vater. Die Seligkeit für einen seine Braut über alles
liebenden Bräutigam ist groß, wenn er weiß, dass er von seiner Braut
ebenfalls über alles geliebt wird, aber die Seligkeit Jesu über ein Kind, das
Ihn über alles liebt, ist unermesslich größer.
Er sagt: „Ein demütiges, Mich allzeit liebendes Herz ist Mir ein
unschätzbar köstlicher Edelstein in der unendlichen Krone Meiner ewigen
göttlichen Macht und Herrlichkeit und ist Mir auch wie ein Balsamtropfen
in Mein liebeheißes Vaterherz gegossen, der Mich über die Maßen
erquickt und die Freude Meiner ganzen unendlichen Gottheit ums für dich
und vor dir Unaussprechliche erhöht!“ (1.GS 98)
JKJKJKJKJK
„Kein fleischlich Auge hat es je geschaut und kein Herz
empfunden, was Gott denen, die Ihn lieben, alles für Seligkeiten
bereitet hat. Ihr würdet in diesem eurem irdischen Zustande auch
nicht eine kleinste zu ertragen vermögend sein; aber wenn
einmal Mein Geist euch ganz durchdrungen haben wird, dann
werdet ihr schon vermögend sein, auch den Morgen Meiner
Himmel mit überschwänglicher Wonne zu ertragen!“
(GEJ Bd 7, Kap.129, 3)
GL 4/2012
Wie sollen wir beten
21
Wie sollen wir beten?
Jörg Müller
Es ist eine leidige Tatsache, dass sich viele Christen
schwer tun im Beten, dass sie darin eher eine lästige
Pflichtübung sehen, kaum eine Möglichkeit, Gott näher zu
kommen und seine Nähe zu spüren, geschweige denn, ihm
eine Freude zu machen. Das Beten bedarf einer langen
Übung, das heißt einer jahrelangen, lebenslänglichen
Dr. Jörg Müller
täglichen Übung, wenn es zu einer befreienden und
Pallottiner und
klinischer
Psychologe
unverzichtbaren Orientierung in meinem Leben werden
soll. Hier mangelt es vielen an Geduld, an Mut vor persönlichen, intimen
Äußerungen, am Vertrauen in Gottes Anwesenheit. Es ist vielmehr so, dass
eine große Anzahl von Christen bemüht ist, durch Gespräch und Meditation mit Gott in Verbindung zu treten, jedoch nur eine begrenzte Zeit. Es
ist ein quantitatives Beten, das sich vom Alltag in besonderer Weise
absetzt. Die betende Haltung durch den ganzen Tag fehlt; ich meine die
Gewissheit der Nähe Gottes, die stetige Orientierung an seinem Willen,
das Gefühl seiner zeitlich unbegrenzten Führung. Wer also morgens ein
kurzes Gespräch mit Gott hat, beim Mittagessen noch einmal betet und
eventuell abends im Bett noch einen Gedanken an Gott widmet, ist gewiss
ein Christ und vermutlich kein schlechter; dennoch bleibt in vielen ein
Empfinden der Leere, der formalen Gesetzeserfüllung. Das Feuer fehlt.
Zwischen diesen Gebetsmomenten tut sich nichts. Es besteht eine Kluft
zwischen dem Beten und dem Arbeiten. Dennoch erhoffen sie sich alle
von Gott eine Antwort. Bleibt nun dieses Zeichen aus, geben viele auf und
fangen nun an, mit ihrem Gott zu hadern. Das wäre ja nicht negativ zu
bewerten, solange der Zorn auf Gottes Schweigen das Beten und Ringen
lebendig erhält. Aber sie laufen Gefahr, das Gebet vollends einzustellen
und das Schweigen Gottes als Abwesenheit, ja als gewollte Peinigung zu
deuten, mitunter als Beweis seiner Nichtexistenz. Sie lassen ab von ihm,
werfen nicht selten sämtliche Moral über Bord und rächen sich somit unbewusst an Gott, dem sie mit diesem Trotzverhalten doch noch eine
Existenz zugestehen. Sie benehmen sich wie kleine Kinder, die mit ihrer
Bettelei nicht ankommen. „Wie lange soll ich denn noch beten, Herr Dr.
Müller? Wenn Gott angeblich so gut ist, wie es immer heißt, und uns liebt,
wieso tut er nichts? Nein, nein. Ihr persönlicher Glaube in Ehren; ich frage
mich schon seit geraumer Zeit, ob es Gott überhaupt gibt und wenn ja, ob
er uns hört.“ Jener junge Mann, der so zu mir sprach, litt unter der Krankheit seiner Frau, die mit einer Multiplen Sklerose an den Rollstuhl
22
Wie sollen wir beten
GL 4/2012
gebunden war. Er geriet angesichts des Schweigens Gottes in eine religiöse
Krise und verlor allmählich eine wesentliche Stütze in seinem Leben. Er
rutschte in eine fatalistische Lebenshaltung und zeigte mitunter eine
beißende, ja zynische Kritik an allem, was irgendwie kirchlichen oder
religiösen Charakter hatte. Sein Verhalten war menschlich verständlich
und entsprach in seinem Werdegang dem typischen Wandel vieler
Christen: In Not geraten bitten sie Gott um Hilfe, erfahren keinerlei
Reaktion im erwünschten Sinn, beten noch eine Zeit lang weiter bis zur
trotzigen Resignation mit dem Hintergedanken: „Wenn du mich nicht
endlich erhörst, höre ich auf zu beten und nach deinen Geboten zu leben.
Du bist selber schuld, wenn ich nichts mehr von dir hören und wissen will.
Warum lässt du mich zappeln, mit welchem Recht habe ich das verdient?
Du bist kein lieber Gott, sonst würdest du wenigstens ein bisschen helfen!
Dein Verhalten ist unmenschlich...“
Diese selbstquälende Trotzreaktion hat Folgen für das ganze weitere
Leben des Betreffenden. Offener oder versteckter Zorn auf Gott und seine
Kirche, auf alle Beter und „frommen Tanten“, Gereiztheit und
Unzufriedenheit mit sich selbst, Schuldgefühle, die in einer hektischen,
lauten und geschäftigen Lebensweise verdrängt werden, verdeckte Ängste
und am Ende doch noch eine unterschwellige Hoffnung auf bessere Tage,
auf einen „richtig starken Glauben“. Doch dann ist meist der Zugang zum
Beten blockiert. „Helfen Sie mir, ich kann nicht mehr beten“ ist die späte
Erkenntnis derer, die sich im Sterben oder in einer großen Not noch einmal
ihres Schöpfers besinnen.
Kennen Sie Hiob? Er, ein zutiefst gläubiger Mensch, wurde erst nach
jahrelangem Drängen und Hadern mit Gott erhört. Selbst Jesus bekam am
Ölberg nicht, was er erbat. Nun werden Sie mich vielleicht fragen, warum
denn Jesus so oft gesagt hat: „Bittet und es wird euch gegeben!“ Hält Gott
sein Versprechen etwa nicht? Oder sind seine Aufforderungen anders zu
verstehen? Nun, nirgends steht, wann und auf welche Weise unsere
Gebete erhört werden. „Was immer ihr in meinem Namen erfleht, wird
euch gewährt werden!“ (Joh 15,7) Was „immer“ ihr erfleht, heißt: Was ihr
beharrlich erfleht, bekommt ihr. Wir müssen Gott also ständig, wiederholt
darum bitten. Der Glaube beweist sich auch in der Beharrlichkeit. Wir
können gewiss sein, dass Gott uns hört. Er ist bereit, unsere unermüdlichen
Bitten anzunehmen und im für uns richtigen Moment und in richtiger
Weise zu erfüllen; also nicht immer so, wie wir uns das vorstellen.
Schließlich weiß er besser, was für unser Heil, für unsere Heilung gut ist.
Das wäre mir ein schöner Vater, der jede Bitte seiner Kinder sofort erfüllt!
Natürlich ist ein Vater eher geneigt, einen Wunsch zu gewähren, wenn das
GL 4/2012
Wie sollen wir beten
23
Kind gehorsam ist, aufrichtig, sozusagen „reinen Herzens“ (Mt 5,8).
Darum ist es gut, wenn wir unsere Anliegen im Zustand der Wahrheit und
Gnade vor Gott bringen. Allzu oft treten wir im Zorn vor Gott hin, im
Streit mit Kollegen oder Nachbarn. Deshalb ist es angeraten, zuerst um
Vergebung zu bitten bzw. Vergebung zu üben. „Wenn du daher deine
Gabe bringst und dich erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so
lass die Gabe liegen, geh und versöhne dich zuerst und dann komm.“ (Mt
5,2.2.) „Denn wenn ihr den Menschen ihre Fehler vergebt, so wird auch
euch euer himmlischer Vater vergeben ...“ (Mt 6,14)
Gut ist es auch, mit anderen gemeinsam zu beten, vor allem mit solchen
Menschen, von denen wir glauben, dass sie reinen Herzens sind und
dadurch Gott näher stehen. „Wo zwei oder drei in meinem Namen
versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20) Wir können
unsere Anliegen ebenso einem Mitmenschen anvertrauen, der sie
stellvertretend für uns vor Gott hinbringt. Hier liegt eine der heilsamen
Aufgaben unserer Klöster und Gebetsgemeinschaften. Auch in der Charismatischen Erneuerung ist es eine feste Einrichtung, dass jeder für jeden
betet und dass auch mehrere sich zusammentun und für Einzelne um deren
Heilung beten. Das gemeinsam vorgebrachte Gebet, natürlich auch das
Lob- und Dankgebet, über das ich nachher noch ausführlich sprechen
werde, bekommt vor Gott ein besonderes Gewicht. Es empfiehlt sich hier,
stets konkret zu formulieren und sich nicht in allgemeinen, abstrakten und
daher unbrauchbaren Formulierungen zu verlieren. Die Bitte um den
Segen Gottes für alle Familien in der Gemeinde ist gut. Die Bitte um Kraft
und Trost für die Familie N., die einen schwerkranken Sohn hat, ist besser,
weil konkreter. Nennen wir also die Dinge und die Personen, für die wir
beten, beim Namen! Solche persönlichen Fürsprachen unterstreichen die
Solidarität in der Gemeinschaft und schärfen den Blick für die Anliegen
unseres Nächsten. Wir dürfen Gott auch um Kleinigkeiten bitten; es ist
nicht so, dass wir meinen müssten, Bagatellen hätten im Angesichte Gottes
nichts zu suchen. Er will, dass wir uns freuen und das Leben in Fülle
haben! Gewiss ist das edelste Gebet immer die Bitte um Vergebung der
Schuld anderer. Wenn wir bei einem Mitmenschen einen Mangel
entdecken, sollten wir sofort für ihn beten, auf dass dieser Fehler abgebaut
werde. Das Beten für unsere Nächsten, für unsere Gegner und Feinde,
bleibt niemals ohne Wirkung. Im Übrigen urteilen wir immer milder über
diejenigen, für die wir beten. Wir entwickeln dadurch ein sensibles
Verständnis für ihre Probleme und Verhaltensweisen. Die Vergebungsbereitschaft wächst.
Seit Jahren erhalte ich regelmäßig anonyme Telefonanrufe, häufig des
24
Wie sollen wir beten
GL 4/2012
Nachts. Die betreffende Person sagt am Telefon kein Wort; ich höre ihren
Atem; sobald ich zu sprechen beginne, legt sie den Hörer auf. Anfangs
ärgerte mich dieses Benehmen. Dann lernte ich, gelassener und ruhiger zu
bleiben. Heute empfinde ich für diese Person Mitleid. Sie leidet zweifellos.
Immerhin opfert sie ihren Schlaf, um mich nachts anrufen zu können. Sie
kennt meine Nummer auswendig und ist wohl die einzige Person auf der
Welt, die um diese Zeit an mich denkt. So besehen, kann ich ihr nicht
einmal böse sein. Das einzige, das ich für sie tun kann, ist beten. Und hier
komme ich zum Inhalt dessen, was wir erbitten können. Es ist
verständlich, aber auch sehr mühselig und langwierig, um tausend Dinge
zu bitten, um -zig Anliegen besorgt zu sein. Viel einfacher ist es daher, um
Heiligkeit zu bitten, um den Geist der Liebe. In der Liebe ist alles
enthalten: Wenn ich jeden Tag vor Gott hintrete, so bitte ich ihn immer
wieder um ein und dasselbe, nämlich um die Führung durch seinen
Heiligen Geist und darum, dass ich stets das erkenne und tue, was sein
Wille ist. Dann bitte ich um seinen Beistand für meine Patienten; ich
nenne die Namen und die konkreten Anliegen, die diese Menschen haben.
Zugleich bedanke ich mich für die Güte des Herrn, die mit dem Gebet
bereits zu wirken beginnt. Schließlich bin ich still und lausche eine Zeit
lang in mich hinein; denn Gott antwortet manchmal in sehr deutlicher und
direkter Weise. Plötzliche Eingebungen, spontane Gedankenimpulse,
sogenannte Aha-Erlebnisse oder ein Gedrängtsein zu einem bestimmten
Handeln folgen mitunter dieser längeren Stille. Es ist das Hören auf Gottes
Antwort, das mir in den Anfängen meines Betens sehr zu schaffen gemacht hat. Immer noch sind wir verführt, zu wenig zu lauschen, statt
dessen den Lärm und die Geschäftigkeit aufzusuchen. Aber Gott antwortet
leise; er kommt „auf Zehenspitzen“ zu uns. Wer nicht hellhörig ist und
Stille um und in sich hat, wird ihn kaum hören. Dieses Hinhören kann uns
nämlich sehr nützlich sein, wenn es zum Beispiel darum geht, von Gott zu
erfahren, um was wir eigentlich bitten sollen. Ist beispielsweise ein
Mensch sehr krank, neigen wir spontan dazu, um seine Heilung zu beten.
Manchmal aber kann es besser sein, um seinen sanften Tod zu beten oder
um Kraft für sein Leiden oder um Geduld auch für die Angehörigen.
Immer nur und ausschließlich um seine körperliche Genesung zu bitten, ist
also nicht in jedem Fall angezeigt. Wir können Gott daher bitten, dass er
uns mitteilen möge, für was wir eintreten sollen.
Hier zur Verdeutlichung ein Vorfall, der erst drei Wochen zurückliegt.
Eine junge Frau von 40 Jahren lag mit Krebs im Krankenhaus und war von
den Ärzten aufgegeben worden, was sie jedoch nicht wusste. Sie sprach bis
zum Schluss von besseren Zeiten und wollte von einem möglichen Tod
GL 4/2012
Wie sollen wir beten
25
nichts wissen. Regelmäßig kamen Freunde zu Besuch, um mit ihr um
Heilung zu beten. Diese Gebete machten sie jedes Mal stark und froh.
Doch die Krankheit wucherte indes ungestört weiter. Als ich sie besuchte,
fand ich sie in einem heiteren Zustand vor; ich glaubte an eine baldige
Genesung und betete mit ihr darum. Doch während des Betens überfiel
mich ein eigenartiges Gefühl: Ich ertappte mich dabei, wie ich mitten im
Beten die Formulierung „gib ihr die Kraft, vor ihrem Tod noch alles zu
regeln“ benutzte und erschrak ein wenig. Zu Hause bat ich Gott um mehr
Klarheit in dieser Angelegenheit und bekam zunehmend das Empfinden,
dass er die Patientin zu sich nehmen würde. Dies deutete ich als
Fingerzeig, jetzt nur noch um ihren guten Tod zu beten. Zwei Tage später
starb sie. Sie schlummerte friedlich hinüber, ohne Schmerzen.
Es ist nicht leicht, auf Gottes Wirken zu hören. Aber wir können im
Lauf unseres Betens ein Gespür dafür entwickeln, vor allem, wenn wir uns
täglich fünf bis 30 Minuten Zeit nehmen, mit ihm meditierend in
Verbindung zu treten. Hier empfiehlt es sich, nach Möglichkeit täglich
eine fixe Zeit, am besten abends, zu reservieren und an einem fixen Ort in
der Wohnung. Diese Stelle sollte ausschließlich für unsere Gebetszeiten
vorbehalten sein: Hier ziehen wir uns zurück, wenn wir mit Gott etwas zu
besprechen haben. Wer dies beharrlich praktiziert, wird bald merken, dass
dieser Ort seine ganz bestimmte Atmosphäre entwickelt. Ein Kreuz,
frische Blumen und eine Kerze genügen. Wer solches jedoch für sentimentales Getue hält, wird schwer begreifen, dass Gegenstände und Orte
im Lauf der Zeit jenen Charakter annehmen und ausstrahlen, den wir ihnen
geben. Ein derartiger Fixpunkt in unserem Alltag bedeutet Ruhe,
Besinnung, Stillhalten vor Gott; er führt schließlich zu einer vertieften
Gelassenheit und intimen Gottesbeziehung. Tägliche Hektik, Flucht in
Betriebsamkeit und Lärm führen von Gott weg. Auch Jesus zog sich jeden
Tag in die Stille zurück, so dass ihn seine Jünger manchmal lange suchen
mussten. (Lk 4,42 + 5,16) Als die Jünger Jesus fragten, wie sie beten
sollten, gab er ihnen ein sehr schönes Gebet, das wir das „Vater unser“
nennen. Wer diesen Text genauer betrachtet, stellt fest, dass er eine
bestimmte Gliederung aufweist. Zuerst wird das Anliegen Gottes erwähnt
in einer dreifachen Bitte: Dein Name sei heilig, dein Reich komme, dein
Wille geschehe. Dann folgen vier Anliegen zugunsten des Menschen:
Unser tägliches Brot gib uns heute, vergib uns unsere Schuld (wie auch
wir den anderen vergeben), führe uns nicht in Versuchung, erlöse uns von
dem Bösen. In der Tat sind hier alle Grundbedürfnisse des Menschen
zusammengefasst. Für unser persönliches Beten heißt das: Zuerst müssen
wir danach trachten, den Willen Gottes zu erkennen und zu erfüllen. Seine
26
Wie sollen wir beten
GL 4/2012
Ehre ist wichtiger. Wir müssen uns fragen, was er von uns will und was er
durch uns will. Dann machen wir uns als seine Werkzeuge sein Anliegen
zu eigen. Im Grunde ganz einfach und doch für viele so schwer. Wer so
betet, kommt nicht daran vorbei, ständig nach dem Willen Gottes zu
fragen und für dessen Erfüllung mitzusorgen. Auf diese Weise steht nicht
der Mensch mit seinen meist ängstlichen und kleinkarierten Bitten im
Vordergrund, sondern Gott. Natürlich darf jeder sein Anliegen vortragen,
um Heil und Heilung bitten. Er darf aber nicht die Bitte um Heiligung
unterschlagen. In Gott zu bleiben ist eine unerlässliche Bedingung für die
Gewährung unserer Bitten. Nun meinen viele Beter, Gott hätte sie nicht
erhört, solange er nicht ihre Bitten so erfüllt, wie sie es sich vorstellen. Sie
verharren lange in einer ganz konkreten Vorstellung von Gebetserhörung
und merken nicht, wie Gott auf andere Weise kommt, sozusagen durch ein
Hintertürchen oder Seitenfenster. Sie entbehren jener Hellhörigkeit, von
der ich oben sprach.
Eine junge Frau leidet seit Geburt an epileptischen Anfällen und an
tausend Ängsten. Sie bittet Gott inständig um Hilfe und körperliche
Heilung. Nach einem Jahr sind die Anfälle immer noch unverändert da; es
scheint keinerlei Heilung erfolgt zu sein. Mir fiel aber auf, dass sie kaum
noch Angst hatte und eine wesentlich größere Gelassenheit zeigte. Ja, sie
war ausgesprochen heiter und beschwingt an manchen Tagen. Im
Gespräch kam zutage, dass sie ihre Krankheit angenommen hatte im
Wissen um die Liebe Gottes, die gar nichts anderes zum Ziel haben kann
als Heil. Sie bat immer um körperliche Heilung und erhielt eine innere,
seelische Heilung. Ihre Bitte wurde also anders erfüllt. Und diese innere
Heilung ist immer auch Voraussetzung für eine körperliche, äußere
Genesung. Die Angehörigen dieser jungen Patientin sind fest des Glaubens, dass die psychotherapeutischen Maßnahmen, die ich an ihr vollzog,
jene Besserung des Gemüts verursacht hätten. Ich selbst aber begreife
mich lediglich als ein Werkzeug Gottes, als sein Beauftragter.
Halten wir fest: Beten ist nicht ein quantitatives Herunterplappern von
frommen Texten, sondern ein vertrauensvolles Hinwenden an die Güte
Gottes. Es geschieht am besten durch persönliche, konkrete Formulierungen, beharrlich und täglich; es zieht Konsequenzen nach sich, nämlich
ein entsprechendes Verhalten während des ganzen Tages. Wer bereit ist,
zu vergeben, für andere zu beten, besonders für diejenigen, die ihm Ärger
machen; wer sich im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Familie, im Umgang
mit seinen Nächsten und Übernächsten nach den Geboten Gottes richtet,
wird mit der Güte Gottes rechnen dürfen. Er darf darauf hoffen, dass Gott
seine Wünsche erfüllt. „Der Herr hat gut an mir gehandelt und mir
GL 4/2012
Wie sollen wir beten
27
vergolten, weil ich gerecht bin und meine Hände rein sind“ (Ps 18,21).
Bisher sprach ich vom Gebet ausschließlich als Bittgebet. Dies ist
wahrscheinlich auch die unter Christen gebräuchlichste Gebetsform.
Leider ist es wohl so, dass der Dank und das Lob für Gottes Erbarmen und
Liebe in unserem Leben viel zu kurz kommen. „Bringet alle Tage im
Gebet und Flehen eure Anliegen mit Danksagung vor Gott“ sagt Paulus
(Phil 4,7). Wenn es uns zu gut geht, vergessen wir schnell unseren Wohltäter; erst in Stunden der Not wenden wir uns wieder an ihn und bitten ihn
um dies und jenes. Das wirklich existentielle Zeichen unserer Hingabe an
Gott ist aber das Dank- und Lobgebet.
Ich besuchte einmal einen Gottesdienst in einer fremden Gemeinde. Als
die Fürbitten an der Reihe waren, traten die jeweiligen Sprecher ans
Mikrofon und trugen ihre persönlichen Bitten vor. Das war nichts
Besonderes. Der eine bat um Vergebung seiner Sünden; ein anderer
erflehte den Beistand Gottes in einer wichtigen Sache; der dritte beschwor
Gottes Erbarmen für eine kranke Verwandte. Schließlich trat ein junger
Mann, etwa 17 Jahre alt, hinzu und sagte sinngemäß: „Vater, ich danke dir
für die vielen guten Menschen und Erfahrungen, die ich von dir
bekommen habe. Ich danke dir auch für die schlechten Erfahrungen in
meinem Leben. Sie haben mich stark gemacht. Gib allen meinen Freunden
Kraft, damit sie auch ihre Misserfolge und Probleme als Chancen
verstehen.“ Es entstand eine große Stille in der Kirche; tiefe Betroffenheit
machte sich breit. Da kommt ein Jugendlicher daher, spricht seinen ganz
persönlichen Dank an Gott aus und bittet um Kraft für seine Freunde. Es
war eine Lektion für viele, die sich im Gebet nur um sich und nur um
Wünsche drehen. Er dankte für die schlechten Erfahrungen, die er als
Chancen verstand.
Menschen, die lobend und dankend ihre Gebete beginnen und beenden,
werden feinfühliger, wenn es darum geht, Gottes Liebe und Nähe im
Alltag zu spüren. Sie sehen viel häufiger als alle anderen das Wirken des
Herrn in irgendwelchen zufälligen Ereignissen, scheinbar banalen
Gesprächen und beiläufigen Geschehnissen. Indem sie nach Gründen ihrer
Dankbarkeit suchen, finden sie sie. Indem sie bewusster leben und die
Zeichen der Zeit deuten, werden sie dankbarer. Sie können dann gar nicht
anders, als Gott zu danken und zu loben. Das ergibt sich von selbst und
führt zu einer befreienden, heiteren Grundstimmung, auch in Momenten
religiöser Trockenheit und seelischer Schwerfälligkeit. Manche von Ihnen,
liebe Leser, werden jetzt vielleicht etwas unwirsch sagen: „Das ist alles gut
und schön. Aber wer meine Krankheit und Not hat, wer meine Schmerzen
und Ängste ertragen muss, wird wohl kaum einen Grund zum Jubilieren
28
Wie sollen wir beten
GL 4/2012
haben.“ Solche Äußerung ist begreiflich. Wer so spricht, sollte wissen,
dass er mit Gott getrost hadern und zürnen darf. Er darf ihn anklagen und
beschwören; Gott lässt mit sich ringen; er kann das Leid verantworten und
wendet sich keineswegs von einem solchen zornigen Beter ab. Hiob hat
genauso gehandelt. Mit Gott hadern weckt Lebensgeister und ist ein Beweis für Treue zu Gott. Christlicher Glaube kann dann zur Aggression
befreien, deren Verdrängung in einer dumpfen Schicksalsergebenheit
bestenfalls Resignation hervorbringen würde. Das aggressive Beten in den
Klagepsalmen führt zur Aussprache mit Gott, vielleicht auch zur
Verarbeitung seines Leidens. Es ist weitaus besser, seinen Zorn gegen Gott
zu richten, ohne Rache anzudrohen, als ihn gegen seine Mitmenschen zu
richten. Diese Art von Zorn, die nicht von Gott lässt, zeugt von dem
verzweifelten Interesse eines geschlagenen Kindes an seinem Vater.
Aggressive Regungen sind Ausdruck einer lebendigen Beziehung und der
Gleichgültigkeit vorzuziehen; denn Gleichgültigkeit ist Stillstand, ist der
Tod jeder Beziehung. Wir brauchen also keine Schuldgefühle zu bekommen, wenn wir in der Verzweiflung unserem Gott zürnen: Warum hast
du mich im Stich gelassen? Wo sind deine Worte von Erbarmen und
Heilung geblieben? Warum schlägst du mich so? Bin ich Hiob? Ich habe
es satt zu betteln, weil du nicht hörst. Und trotz allem und schon wieder
flehe ich dich an: Erbarme dich meiner! Denn ich gestehe, dass ich nicht
loslassen kann von dir. Wer könnte mir helfen außer dir?
Beten ist ein lebenslängliches Ringen mit unserem Schöpfer. Es ist ein
Eintreten für uns, für andere, für Gott. „Der Geist selbst tritt für uns ein mit
unaufhörlichem Seufzen“ (Röm. 8,26). Wer nicht nachlässt, darf auf
seinen Lohn hoffen; Gott hält seine Treue über unser irdisches Leben
hinaus.
(Jörg Müller - Gott heilt auch dich, J.F. Steinkopf Verlag)
„Wenn ihr Gott suchen wollet und wollet Ihn auch erschaulich finden,
da müsset ihr mit der größten Bestimmtheit hinaustreten und Ihn auch
so suchen. Ihr müsset ohne den allergeringsten Zweifel fort glauben,
dass Er ist, und wenn ihr Ihn auch noch so lange nicht irgend zu
Gesichte bekommen solltet, und müsset dann auch mit eurer Liebe Ihn
ebenso bestimmt ergreifen, als wie bestimmt ihr an Ihn glaubet. Sodann
wird es sich erst zeigen, ob ihr in eurem Denken, Glauben, Wollen und
Lieben die größtmöglichste Bestimmtheit erlangt habt. Habt ihr dieselbe
erlangt, wird sich Gott euch auch sicher zeigen, so Er einer ist.“
(GS.2_74,11-12)
GL 4/2012
Kontemplation - was ist das?
29
Kontemplation - was ist das?
Margitte Niederstucke
Was ist Kontemplation? Dieses Wort zeigt bereits den Weg und das
Ziel. Kontemplation kommt von dem lateinischen Wort „Kon-templare“ =
Kontakt aufnehmen, in Kontakt kommen, in Kontakt sein mit dem Tempel.
Warum wird der Raum in der Mitte unseres Herzens „Tempel“ genannt,
als innerstes Heiligtum unseres Körpers, Allerheiligstes, Grund,
Wesensnatur oder auch als der Ort, in dem Gott in uns Zuhause ist beschrieben?
Es ist ein Hinweis auf die andere Ebene der einen Wirklichkeit, die sich
jedem Zugriff entzieht und weder mit Intellekt noch Gefühl auszuloten ist.
Sie geht über die Person hinaus, ist „das ganz Andere“. Diese Ebene hat
keine Form und keinen Namen. Aber um diese Wirklichkeit und den Weg
dahin zu beschreiben, braucht es Worte und Begriffe. Dieser
transpersonale Raum gehört zum Menschen: „Nie getrennt vom Hier und
Jetzt, fließt es ständig über. Suchst du es, so kannst du es nicht finden./ Du
kannst es nicht ergreifen und doch kommst du nicht los davon./ Weil du es
schon hast, kannst du es nicht erlangen.“ (Shodoka V. 39)
Die mystische Literatur ist voll vom Jubel über die Erfahrung, dass die
Fülle des Lebens in jedem Augenblick im Menschen strömt. In seinem
Buch „Der cherubinische Wandersmann“ beschreibt der Mystiker Angelus
Silesius (17. Jhdt) in jedem seiner über 350 Verse die Erfahrung des Einen.
Drei Kostproben aus meinen Lieblingsversen:
„Mensch, nichts ist unvollkomm'n./ Der Kies gleicht dem Rubin./ Der
Frosch ist ja so schön/wie Engel Seraphim.“
„Gott liebt und lobt sich selbst/ so viel er immer kann./ Er kniet und
neiget sich./ Er bet't sich selber an.“
„Gott tut im Heil'gen selbst./ All's was der Heil'ge tut, Gott geht, steht,
liegt, schläft, wacht,/ isst, trinkt, hat guten Mut.“
Wir haben den Zugang zu dieser lebendigen Fülle in uns verloren. Wie
finden wir den Weg in die Erfahrung dieser Wirklichkeit?
Unser Wesensgrund wird erfahrbar, wenn unsere Aufmerksamkeit voll
und ganz auf ein Tun ausgerichtet ist; beispielsweise auf diesen einen
Atemzug, oder dieses eine Körpererleben, oder diesen einen Schritt, diesen
einen Ton, ohne Vorher und Nachher, ganz im Hier und Jetzt. Dies
bedeutet jahrelanges Praktizieren der Übung, denn sie ist einfach, aber sie
ist nicht leicht. Wir brauchen die achtsame Wiederholung auf dem Weg.
Warum ist das so? Mit ihr unterbrechen wir den Lauf der Gewohnheit in
30
Kontemplation - was ist das?
GL 4/2012
unserem Umgang mit den Dingen. Indem wir innehalten und unser
zerstreutes Bewusstsein auf ein Tun sammeln, z. B. auf den Atem (ich
spüre mein Einatmen, ich atme aus; spüre wo mein Einatmen Raum in mir
gibt, atme wieder aus...) kommen wir im Augenblick an; wir greifen
sozusagen in die Speichen des Rades unseres automatisch ablaufenden,
größtenteils unbewusst bleibenden Lebens.
Der christliche Mystiker Johannes Tauler (14. Jhdt) gibt uns einen
Hinweis für die Übung der inneren Einkehr:
„Der Mensch lasse die Bilder der Dinge ganz und gar fahren und mache
und halte seinen Tempel leer.“ Der Zugang zur Erfahrung der einen
Wirklichkeit wird blockiert durch die Begrenzung unseres Bewusstseins,
das konzentriert ist auf die Bilder, die wir uns von den Dingen der Welt
gemacht haben. Johannes Tauler meint: lasse die Bilder los, halte nicht
fest, hafte nicht an deinen Vorstellungen, sie entsprechen nicht der anderen
Ebene der Wirklichkeit - von der du eine Ahnung hast, die dich ruft und
lockt und dein Sehnen verstärkt - lass los, werde leer. Das Sitzen in der
Stille während der Kontemplation entleert die Gedanken, führt in das
innere Schweigen. Johannes Tauler fährt fort: „Denn wäre der Tempel
entleert, und wären die Bilder und Phantasien, die den Tempel besetzt
halten, draußen, so könntest du ein Gotteshaus sein, und nicht eher, was du
auch tust.“ Hier wird es ganz deutlich: wir haben die Fähigkeit zur
Gottesbegegnung in uns.
In der Flut der Bilder, im Übermaß der Worte ist es notwendig, die
Orientierung nicht zu verlieren. Orientierung, Halt, Boden unter den
Füßen. Klarheit und Einfachheit kommen aus der Erfahrung innerer
Wirklichkeit, aus ihr entsteht eine neue Sichtweise: sie bahnt einen Weg
durch Verwirrung, Verstrickung und Leiden.
Wir wissen: den Weg finden wir nur, wenn wir uns auf den Weg
machen. Was hindert uns, unsere Übung im Alltag gerade in den
Momenten einzusetzen, die wir als problematisch erleben - in denen sich
körperlich auswirkt, dass wir Angst haben, überfordert sind, in denen uns
Panik ergreift oder wir erstarren?
Sind wir uns dessen überhaupt bewusst, was in einem solchen Moment
geschieht? Haben wir genug Distanz, zu beobachten? Setzen wir unseren
inneren Zeugen ein? Oder die Übung des achtsamen Atmens?
Zunächst vertrauen wir auf unsere Ich-Stärke, die uns hilft, unsere
Arbeit zu bewältigen, die akzeptierte, gesellschaftliche Form
aufrechtzuerhalten; und wir setzen all unsere Fähigkeiten ein, um das
jeweilige Problem, mit dem wir konfrontiert sind, zu lösen. Das ist gut so.
Wir wissen: das Leiden entsteht in dieser Welt durch Anhaften und
GL 4/2012
Kontemplation - was ist das?
31
Festhalten, Gier, Zorn und Verblendung. Grundsätzlich scheint es so zu
sein, dass unser Ich seine eigene Gier und den Hang zur Macht und
Aggression gar nicht bewusst erkennen kann.
Die Verblendung - die alte Sichtweise entstanden durch unser
jeweiliges psychisches und physisches Muster - ist oft noch eng, einseitig,
undurchlässig für Licht und Einsicht.
Auf dem kontemplativen Weg praktizieren wir achtsames Atmen und
kommen allmählich im gegenwärtigen Augenblick an. Indem wir immer
wieder hartnäckige Gedanken und Gefühle mit dem Ausatmen loslassen
und uns begleiten lassen von unserer Silbe - unserem Gebetswort -,
konzentrieren wir uns auf das EINE, kehren immer neu - geduldig,
ausdauernd zur Übung zurück: so entwickelt der innere Laut eine
dynamische Kraft in unserem Bewusstsein.
Wir spüren es oft: unser Ich, das es gewohnt ist, festzuhalten,
anzuhaften, sich mit seinen Gedanken und Gefühlen, dem Wollen und
Wünschen, zu identifizieren, verhindert die Kraft des WEGES. Es
verstrickt sich leicht und immer mehr, wenn es in der Fixierung auf der
psychischen Ebene beharrt. Das kann uns in körperliche und auch
psychische Schmerzen führen, in eine dramatische Sichtweise der
Beurteilung unserer augenblicklichen Lebenssituationen, - wir hängen fest
und leiden.
Um im unumgänglichen Schmerz des Lebens Orientierung zu finden,
darum praktizieren wir achtsames Atmen. Es geht um die Ernsthaftigkeit
unserer Entscheidung: entweder im Festhalten zu verharren oder mit jedem
Atemzug loslassend in den Kontakt zu unserem Wesensgrund zu kommen.
So entsteht der Weg in uns.
Wenn wir uns entscheiden, Kontemplation zu praktizieren, und uns
nach innen wenden, lassen wir uns ausatmend los (mit „Du“, „Shalom“,
„Jesus“, o. a.), geben uns hin an das Wort. Innen und außen will das Ich
nichts mehr, außer dem einen: EINS zu werden mit dieser einen Silbe im
Atem, will nichts, als ankommen im Wesensgrund. Oder wie es Meister
Eckhart ausdrückt: „Nun wünscht das abgeschiedene Herz gar nichts
weiter, als einförmig zu sein mit Gott, das macht sein ganzes Gebet aus.“
In dieser tiefen Erfahrung verschwindet das Ich und wird neu
aufgerichtet. Erschüttert und staunend schauen wir unseren großen
Reichtum an, als Mensch in der Welt da zu sein. Die kontemplative Übung
entfaltet alles Leben und eine neue Sichtweise.
(Quelle: Kontemplation und Mystik 1/2001, Via Nova Verlag)
32
Der Akt der Hingabe
GL 4/2012
Der Akt der Hingabe
Don Dolindo Ruotolo, ein neapolitanischer Priester, hat diese „Lehre
über die Hingabe an Gott“ aufgeschrieben, die ihm von Jesus selbst
eingegeben wurde.
Jesus spricht: Warum lasst ihr euch beunruhigen und
verwirren? Überlasst Mir eure Sorgen und alles wird sich
beruhigen. Wahrlich, Ich sage euch, dass jeder wahre,
vertrauensvolle und totale Akt der Hingabe an Mich die Don Dolindo Ruotolo
(1882-1970)
Wirkung hervorbringt, die ihr so sehr wünscht, und die
eure dornenvollen Situationen löst.
Sich Mir hingeben heißt nicht: sich ängstigen, sich beunruhigen und
verzweifeln, um erst dann ein erregtes Gebet an Mich zu richten, damit Ich
euch beistehe. Sich Mir hingeben heißt vielmehr: gleichsam die Augen der
Seele ruhig schließen und sich Mir überlassen, damit Ich allein euch ans
andere Ufer trage, wie schlafende Kinder auf den Armen der Mutter.
Das, was euch durcheinander bringt und sehr schadet, ist euer
Grübeln, Nachsinnen, euer Sich-Sorgen und Abquälen in der Annahme,
um jeden Preis alles selbst tun zu müssen.
Wie vieles bewirke Ich doch, wenn die Seele sich in ihren geistigen und
auch materiellen Bedürfnissen an Mich wendet, und Mich anzuschauen
sich bemüht, während sie voller Vertrauen sagen kann: ,,Sorge Du!“, die
Augen schließt und in Mir ruht! Wenn ihr euch zu sehr abquält, werdet ihr
wenige Gnaden erhalten. Wenn eure Gebete dagegen ein vollkommenes
Sich-Mir-Anvertrauen sind, dann werdet ihr viel Gnaden erhalten.
Im Leiden betet ihr, dass Ich es euch nehmen soll, dabei jedoch nur
ganz so, wie ihr es euch vorstellt. Ihr wendet euch zwar an Mich, wollt
aber, dass Ich Mich euren Vorstellungen anpasse. Ihr seid wie Kranke, die
den Arzt um eine Behandlung bitten, die Art und Weise der Behandlung
dem Arzt jedoch selbst vorschreiben.
Macht es nicht so, sondern betet, wie Ich es euch im Vaterunser gelehrt
habe: ,,Geheiligt werde Dein Name“, das heißt: ,,Sei Du verherrlicht in
meiner Not und Bedrängnis.“ ,,Dein Reich komme“, das heißt: ,,Alles
trage dazu bei, Dein Reich in uns und in der Welt aufzubauen.“ ,,Dein
Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“, das heißt: ,,Verfüge Du in
dieser meiner Angelegenheit, wie es Dir besser erscheint für mein
zeitliches und ewiges Leben.“ Wenn ihr Mir wirklich sagt: ,,Dein Wille
geschehe“ oder ,,Sorge Du“, dann greife Ich mit Meiner ganzen Allmacht
ein und löse die schwierigsten und aussichtslosesten Situationen.
Und wenn du siehst, dass das Übel sich verschlimmert, statt sich zu
GL 4/2012
Der Akt der Hingabe
33
bessern? Beunruhige dich nicht! Schließe wiederum die Augen deiner
Seele und sprich zu Mir mit vollem Vertrauen: ,,Dein Wille geschehe,
sorge Du, o Herr.“ Und Ich sage dir, dass Ich sorge, dass Ich wie ein Arzt
eingreife mit Meiner göttlichen Allmacht, und dass Ich auch ein Wunder
wirke, wenn es nötig ist. Siehst du dann, dass sich dein Zustand ‒ etwa als
Kranker ‒ verschlimmert, so beunruhige dich dennoch nicht, sondern
schließe die inneren Augen und sprich: ,,Sorge Du.“ Ich sage dir, Ich
sorge!
Die Besorgnis um eine Sache, die Unruhe und das Selbstdenken und tun sind gegen die wahre Hingabe. Es ist wie das Ungestüm der Kinder,
die verlangen, dass die Mutter für ihre Bedürfnisse sorge, aber dann doch
selbst sorgen wollen, und so durch ihre Ideen und Launen die Arbeit der
Mutter nur stören.
Schließt die Augen eures Ichs, und lasst Mich wirken. Schließt ruhig
die Augen, richtet eure inneren Blicke ganz auf Mich, und legt eure
Gedanken an die Zukunft wie bei einer Versuchung ab. Ruht in Mir!
Glaubt an Meine Güte, und Ich versichere euch bei Meiner Liebe, dass,
wenn ihr in dieser Verfassung zu Mir sagt: ,,Sorge Du“, Ich dann voll und
ganz sorge, euch tröste, euch befreie, euch führe. Und wenn Ich euch einen
anderen Weg führen muss als den, den ihr meint, gehen zu müssen, dann
trage Ich euch trotzdem auf Meinen Armen, denn es gibt keine heilsamere
Medizin als das Eingreifen Meiner Liebe. Doch bedenkt: Ich sorge nur,
wenn ihr eure Augen innerlich auf Mich ausrichtet, das heißt, wenn ihr
wirklich wollt und Mir vollkommen vertraut, ja euch Mir fest anvertraut!
Ihr werdet schlaflos, wenn ihr alles abschätzen und erwägen wollt, alles
erforschen, an alles denken wollt. Dabei überlasst ihr euch doch nur den
menschlichen Kräften des eigenen Ichs oder noch schlimmer: Den
Menschen schlechthin, indem ihr auf ihr Eingreifen vertraut. Das ist ein
Hindernis für Meine Absichten. Oh, wie sehr wünsche Ich Mir von euch
diese Hingabe, um euch beschenken zu können, und wie betrübt es Mich,
euch so beunruhigt und verzweifelt zu sehen!
Gerade dies aber strebt Satan an: Euch in Unruhe und Verzweiflung zu
bringen, um euch so Meinem Wirken und Meiner Liebe zu entziehen,
damit ihr euch ganz menschlichem Denken und Handeln hingebt. Deshalb
vertraut Mir allein, ruhet in Mir! Gebt euch in allem Mir hin! Ich wirke
Wunder in dem Maße eurer vollkommenen Hingabe an Mich und des
gänzlichen Misstrauens euch selbst gegenüber. Keiner, der alles erörtert
oder selbst erwägt, hat je ein Wunder gewirkt. Nur der wirkt mit Gott, der
sich Gott total hingibt und übergibt.
Wann immer ihr seht, dass alles sich noch mehr verwickelt, sprecht mit
34
Der Akt der Hingabe
GL 4/2012
den geschlossenen Augen eures Herzens: ,,Jesus, sorge Du.“ Und lenkt
eure Gedanken weg von eurem Ich, denn euer ruheloser Verstand macht es
euch schwer, Mir zu vertrauen. Macht es so mit all euren Bedürfnissen;
macht es alle so, und ihr werdet große, fortgesetzte und stille Wunder
erleben, die äußerlich nicht sensationell erscheinen, für euch aber groß
sind und überdies das rechte Vertrauen und eure Liebe zu Mir stärken. Ich,
euer Gott, werde sorgen. Ich versichere es euch!
Betet immer in dieser inneren Haltung und Hingabe, und ihr werdet
großen Frieden haben und wahre Früchte Meiner Liebe ernten, selbst dann,
wenn Ich euch die Gnade des Opfers, der Sühne und der Liebe zumute,
besser gesagt schenke, die ein Leid als Kreuz auferlegt. Scheint euch dies
unmöglich zu sein? Schließt die Augen, blickt nach innen und betet mit
ganzem Herzen: ,,Jesus, sorge Du“.
Habt keine Angst, Ich sorge fürwahr! Dann werdet ihr Meinen Namen
preisen, indem ihr euch selbst verdemütigt. Eure Gebete gelten nicht so
viel wie ein einziger Akt vertrauensvoller Hingabe. Bedenkt es wohl. Es
gibt keine wirksamere Andacht als diese: „O Jesus, ich gebe mich Dir
ganz hin, sorge Du!“
JKJKJKJKJK
„Vertraue nur ganz allein auf Mich, denn Ich weiß es allezeit am
besten, wo jemanden der Schuh drückt, und bin auch ein sehr
verlässiger Wegweiser. Mir sind alle Wege wohl bekannt. Und Ich bin
der nächste und kürzeste Weg Selbst! Wer darauf wandeln wird, der
wird das rechte Ziel nicht verfehlen ewiglich! Denn wen Ich führe, der
hat wahrlich einen sicheren Geleitsmann. Und wer auf Meinen Wegen
wandelt, der verfolgt ein sicheres Ziel, ja ein Ziel, das ein Ziel aller Ziele
ist. Denn Ich bin der Wegweiser, der Weg und das ewige, lebendige Ziel
Selbst!
Siehe du sorgst und bekümmerst dich eitel, wenn du Mich liebst, treu
rufst und ungezweifelt glaubst, dass Ich, dein allmächtiger, großer und
heiliger Vater, es bin, der dir solches sagen lässt. Tue daher nur soviel
als du magst und kannst, alles übrige überlasse im vollsten Vertrauen
nur Mir! Und du kannst versichert sein, dass Ich alles zu einem
gerechten Ziele führen werde.
Wahrlich, so du Mich eine Stunde lang geliebet und ebenso lange
Mir vertraut hast, so hast du mehr getan, als so du dich zehn Jahre
vergeblich sorgtest und in solchen Sorgen für nichts und um nichts gar
oft von Meinen Gnadenwegen dich abwendetest! Siehe, die Ich versorge,
die sind wohl versorgt, zeitlich und um desto mehr noch ewig.“
(HiG. Bd.1_41.01.26,02-04)
GL 4/2012
Von den Schwächen der Gotteskinder
35
Von den Schwächen der Gotteskinder
„Du aber suchest Gott, – darum bist du auch ein Gotteskind. Die
Kinder der Welt aber suchen nur die Welt und sind darum auch deren
Kinder. Sie fliehen das Göttliche und suchen nur die Ehre und das
Ansehen der Welt.
Wenn sie die Welt groß, herrlich und schön nennen, so ist ihre
Glückseligkeit auch schon beisammen; so man aber anfinge, über göttliche
Dinge mit ihnen zu reden, da wissen sie nichts, und damit sie ihre Schande
verbergen, umhüllen sie sich mit allerlei Flitter der Welt, mit Hoffart und
mit Hochmut und verfolgen mit Zorn, Hass und Hohn alle Weisheit, die
aus Gott in die Herzen der Gotteskinder gegossen wird.“
Sagt die Helena: „O ja, aber dass ich ein Gotteskind wäre, das kommt
mir wohl als etwas sehr Gewagtes vor! Wir sind wohl alle sicher
Geschöpfe eines und desselben Gottes; aber von der sicher endlosesten
Erhabenheit der wahren Gotteskinder kann ja doch bei uns keine Rede
sein, die wir als grobe und schwerfällige Materiemenschen doch
ersichtlich mit allerlei Schwächen und daraus hervorgehenden zahllosen
Unvollkommenheiten behaftet sind! Da wirst du, liebster und sonst
weisester Freund, dich wohl ein wenig zu hoch verstiegen haben!“
Sagt Mathael: „Oh, mitnichten; denn siehe, das, was ich dir gesagt
habe, habe ich von dem großen Einen! Was aber Er mich gelehret, ist und
bleibt ewige Wahrheit!
Siehe, du habest eine Taube, die da wohl fliegen kann; damit sie dir
aber nicht in einem fort davonfliege und schön zahm und traulich werde,
so stutzest du ihr die Flügel. Da kann die Taube dann nicht mehr auf- und
davonfliegen nach ihrem Flattersinne, sondern muss dir bleiben und sich
von dir zähmen lassen.
Sage, ob die Taube in der flügelgestutzten Zeit weniger Taube ist denn
zuvor, da ihr die Flügel noch nicht gestutzt waren! Werden der lieben
Taube die Flügel etwa nicht wieder in kurzer Zeit wachsen? Ja, in kurzer
Zeit wird die Taube ihre Flügel wiederhaben und so gut wie zuvor fliegen
können; aber sie wird gezähmt sein und gerne bei dir bleiben. Und wird sie
auch von Zeit zu Zeit einen Ausflug machen, so wirst du sie nur zu rufen
brauchen, und sie wird dich in hoher Luft hören und zu dir ihren
Schnellflug nehmen und sich von dir liebkosen lassen.
Wohl haben auch die Kinder Gottes auf dieser Welt so manche
Schwächen, die sie sehr daran hindern, sich zu Gott, ihrem Vater, zu
erheben; allein, diese Schwächen hat der heilige Vater den Kindern für die
Lebensdauer in dieser Welt nur darum zukommen lassen, als (darum) du
36
Von den Schwächen der Gotteskinder
GL 4/2012
deine Taube auch flugschwach gemacht hast.
Die Kinder sollen aber eben in solcher ihrer Schwäche ihren Vater
erkennen, sie sollen sanftmütig und demütig werden und den Vater um
die rechte Kräftigung und Stärkung bitten; und Er wird ihnen dann
diese schon geben, wenn es für sie an der rechten Zeit sein wird.
Aber wegen (trotz) der Schwächen, die auch den Kindern Gottes
innewohnen, sind sie nicht minder Seine Kinder, als die Taube darum
gleichfort eine Taube ist und bleibt, wenn ihr auch auf eine kurze Zeit die
Flügel gestutzt werden der Zähmung wegen. – Verstehst du nun
dieses?“ (GEJ.03_092,05-14)
JKJKJKJKJK
„O Herr, sei Du mir armen Sünder vor Dir aber auch
stets gnädig und barmherzig; denn Du allein weißt es ja
am besten, wie viel der irdischen Lebenslasten ich zu
ertragen imstande sein werde! Nicht ohne Bürde will ich
durch dies Leben gehen und will tragen nach der von
Dir, o Herr, mir verliehenen Kraft; aber darüber hinaus
wolle Du, Herr, mich nicht versuchen!“
Der Herr: „Mein Joch ist sanft und Meine Bürde
leicht; aber dann und wann so ein kleines Zugewicht
wird dir ewig keinen Schaden bringen, sondern nur einen
großen Nutzen für Seele und Geist.
Wenn demnach dann und wann etwas über dich
kommen wird, dann denke, dass Ich es bin, der dir eine
solche Stärkung zukommen lässt! Denn je mehr Ich einen
Menschen liebe, desto mehr auch wird er versucht von
Mir. Denn ein jeder soll Mir gleich vollkommen werden;
dazu aber wird viel Selbstverleugnung, Geduld, Sanftmut
und vollste Ergebung in Meinen Willen erfordert.
Wer sich aber dann ganz in Meinen Willen bewegen
wird, der wird auch so vollkommen sein in seinem Geiste,
wie Ich Selbst vollkommen bin, weil ein solcher Geist
dadurch völlig eins wird mit Mir.“
(GEJ. Bd. 3_120,3-8)
GL 4/2012
Wenn unser Wille Gottes Wille ist
37
Wenn unser Wille Gottes Wille ist
Johann Christoph Blumhardt
„Im Jahr 1853 war ich etliche Tage in Paris, und kam da
unter anderem auch zu einem lieben Prediger der
evangelischen Gesellschaft, der unterdessen heimgegangen
ist, auf Besuch. Seine Schwiegermutter, eine Witwe, eine
liebe, aufrichtig christliche, betagte Frau, war eben auch
bei ihm; und sie zog mich gleich zutraulich bei Seite, um
Chr. Blumhardt
einen seelsorgerlichen Rat von mir zu bekommen. Sie hatte Joh. (1805-1880)
mehrere verheiratete Töchter, die sehr weit auseinander Ev. Pfarrer u. Theologe
wohnten, in Strassburg, Genf, Frankfurt und sonst. Sie war nun gewohnt,
nach Bedürfnis längere Besuche bei den Töchtern der Reihe nach zu
machen. Aber diesmal war sie nicht einig mit sich selbst, wo sie jetzt
hingehen sollte; und das machte sie innerlich sehr unruhig, fast
unglücklich. Sie war besorgt, ob sie nicht den Willen Gottes verfehle,
wenn sie irgendwo hingehe, da es nicht nach Seinem Willen wäre. Gegen
den Willen Gottes aber möchte sie nichts tun. Trotz ihrer vielen Gebete
konnte sie nicht klar werden; und jetzt fragte sie mich, ob ich ihr nicht
einen Rat wüsste.
Darauf antwortete ich fragend: „Haben Sie denn den Herrn schon
gefragt, was Sie zu tun hätten, und was Sein Wille sei?“ - „O, wie oft,“
erwiderte sie. „Alle Tage lege ich's Ihm vielmal vor.“ - „Hat Er Ihnen“,
fuhr ich fort, „noch keine Antwort gegeben?“ - „Nein“, sagte sie
bekümmert, „ich bekomme innerlich keine Antwort und Auskunft.“ „Nun, liebe Frau,“ erklärte ich ihr dann, „wenn der liebe Gott Ihnen
keine Antwort gibt, so will Er Ihnen die Wahl lassen. Sie haben also die
Wahl. Sie können nach Belieben dahin oder dorthin gehen; und immer
wird es, wenn Sie im Aufblick zu Ihm reisen, nach dem Willen Gottes
sein. Wie können Sie es denn verfehlen, wenn Sie fragen und keine
Antwort bekommen, und dann nach Ihrem Ermessen wählen! Der Heiland
hat Sie lieb und lässt Ihren Willen als den Seinigen gelten, damit Sie
Freiheit haben möchten nach Ihrem Herzen.“ Die gute Frau ließ sich
sichtlich beruhigen.
Ja, setze ich dazu, der Herr hält uns nicht als Sklaven, sondern als freie
Leute. Was wir nach Gewissen und in Seiner Frucht tun, lässt Er sich
gefallen, als wäre es gerade so Sein Wille; und Er gesellt sich freundlich
dazu.“
38
Biblische Bilder und deren Bedeutung
GL 4/2012
Biblische Bilder und deren Bedeutung
Sonntagabendgespräche einer Familie
Vater: Nun, meine Lieben, da wir jetzt so traulich um den Tisch sitzen,
möchte ich mit euch von etwas, das ich schon lange im Sinne trug, zu
reden anfangen. Alles ist jetzt eingeheimst. Die Scheuern sind gefüllt, Obst
und Wein ist gekeltert und der Winter fängt an, uns mit seinem rauen
Mantel einzuhüllen, so dass wir unsere Sonntagabend-Spaziergänge
einstellen müssen, und nicht mehr im Freien über die Wunder und
Schönheiten der Natur uns unterhalten können. Dagegen aber können wir
nun in der warmen Stube miteinander vom Worte Gottes reden und so
diese Stunden, wenn auch scheinbar nicht ganz so angenehm, doch ebenso
nützlich zubringen.
Mutter: Ich weiß nicht Vater - ich meine, unsere Gespräche an den
Winterabenden zu Hause sollten nicht weniger lehrreich und interessant
sein, als bei unseren Sommerausflügen.
Vater: Das sollte ich auch denken. Ja, vielleicht können wir sie noch
interessanter machen. Ich möchte nämlich von den Bildern und
Symbolen der Bibel mit euch reden. Diese Bilder bestehen, wie ihr wisst,
immer aus natürlichen Gegenständen, die zum Zwecke der Belehrung
von dem Herrn, der sowohl die Welt erschaffen, als auch das Wort
diktiert hat, aus dem Buche der Natur gewählt und in das Buch der
Offenbarung aufgenommen wurden.
Paul: Dann werden wir gewiss viel Merkwürdiges lernen. Denn wie ich
gelernt habe, wird man in der Heiligen Schrift größtenteils durch Bilder
und Symbole unterrichtet.
Vater: Ja, so ist es und weil diese Bilder so wenig verstanden werden,
sind manche Stellen der Bibel schwer zu begreifen. Nur wenige Menschen
wissen etwas von der Bedeutung und dem Nutzen solcher Bilder und doch
kann schon ein Kind sie verstehen lernen. In allen Gleichnissen ist die
Rede von natürlichen Gegenständen, welche bildlich in Anwendung
gebracht werden. Unser Heiland hat uns seine wichtigsten Lehren in dieser
Weise hinterlassen. Wisst ihr, meine Lieben, was ein Gleichnis ist?
Paul: Ja, Vater. Ein Gleichnis ist eine einfache Erzählung, welche eine
Lehre der Weisheit enthält. Das Gleichnis ist wie das Kleid, in welchem
uns diese Lehre gegeben wird.
Vater: Diese Antwort ist sehr richtig. Ihr habt wohl alle schon Fabeln
gelesen, in welchen von Schafen und Wölfen, von Löwen und Eseln und
anderen Tieren, worunter aber Menschen gemeint sind, die Rede ist. Die
GL 4/2012
Biblische Bilder und deren Bedeutung
39
Gleichnisse des Herrn, kann man sagen, sind göttliche Fabeln, in welchen
vom Sämann und Samen, vom Sauerteig, den eine Frau hatte, von einem
Kaufmann und einer Perle, von Fischern und Schiffen und anderen Dingen
gesprochen wird; Dinge, welche jedoch geistige Lehren enthalten. Der
Zweck eines Gleichnisses ist nicht der, uns eine natürliche Geschichte zu
erzählen, sondern uns Wahrheiten und Grundsätze beizubringen, die für
unsere Seligkeit förderlich sind.
Mutter: Hast du nicht einmal gesagt, die Gleichnisse unseres Herrn
seien so voller Weisheit, dass kein Mensch in der Welt, wäre er auch noch
so gelehrt und weise, alle die darin enthaltenen geistigen Wahrheiten
entdecken könnte?
Vater: Ja, meine Liebe, das habe ich gesagt. Durch diese Bilder und
Gleichnisse hat unser Herr in wenigen Worten uns mehr in Bezug auf die
Tiefen des Geistes Gottes gelehrt, als auf andere Weise hätte in einem
dicken Buche geschehen können. Um aber alle Weisheit und all' das
Schöne zu entfalten und zu erklären, das nur in einem einzigen Gleichnisse
des Herrn enthalten ist, dazu würden hundert Bände nicht hinreichen.
Anna: Wie, Vater! - Nicht hundert Bände?
Vater: Ja, gewiss, es ist mein Ernst. Mit dem Worte Gottes verhält es
sich gerade, wie mit den Werken Gottes. Der größte Philosoph würde nicht
sagen wollen, er könne alles das Wunderbare und Merkwürdige nur eines
einzigen Wassertropfens in hundert Bänden schildern. Je weiser und
gelehrter er wäre, desto mehr würde er darin entdecken, und desto mehr
würde er darüber zu schreiben wissen.
Paul: Ich kann das recht gut verstehen, Vater. Ich glaube, es ist nicht zu
viel, wenn man sagt, dass über jedes Gleichnis unseres Herrn schon
tausende von Predigten gehalten worden sind, und doch würde niemand
sagen können, alle Weisheit von nur einem einzigen sei gänzlich ergründet
worden.
Vater: Genau so ist es. Die Worte Gottes sind ebenso, wie seine
Werke, unerschöpflich an Mannigfaltigkeit, Tiefe und Reinheit der Lehre.
Mutter: Aber Vater, wenn du so sprichst, nimmst du ja den Kindern
allen Mut und machst, dass sie denken, es sei, wenn sie sich auch noch so
viele Mühe geben, doch vergeblich für sie, mit ihren schwachen
Geistesgaben so Tiefes und Unergründliches verstehen zu wollen.
Vater: Nicht so, meine Liebe, das soll nicht geschehen. Wir wollen
ihnen nicht die Meinung beibringen, dass, weil sie nicht alles von Gottes
Wort verstehen, sie auch nicht einen Teil davon verstehen können. Jeder,
ob er alt oder jung, verständig oder einfältig ist, kann so viel verstehen, als
gut für ihn ist, obgleich keiner je hoffen kann, alles zu verstehen und zu
40
Biblische Bilder und deren Bedeutung
GL 4/2012
begreifen.
Paul: Ei, wie ich mich darauf freue, Vater, dass du uns in den
Bibelwahrheiten unterrichten und uns die Bilder der Heiligen Schrift
erklären willst. Wir werden dir gewiss mit Vergnügen zuhören.
Vater: Das hoffe ich auch; und ich zweifle gar nicht, ihr werdet
dadurch die Bibel besser verstehen lernen. Wenn ihr die Bedeutung der
biblischen Bilder kennen lernt, werden viele Abschnitte dieses Buches,
die euch jetzt sehr dunkel vorkommen, klar und verständlich werden.
Alles, was sich in der Natur findet - sowohl was schön und großartig, als
auch was entstellt und schrecklich ist - alles was gehen, schwimmen,
fliegen oder kriechen kann; ja Sonne, Mond und Sterne; Gärten, Bäume,
Früchte; Flüsse, Bäche und Quellen; Stürme, Winde und Wellen - alles,
das wird bildlich angewendet, um uns über geistige Wahrheiten zu
unterrichten. Damit ihr nun von diesen Sachen etwas lernen möget, wollen
wir jeden Sonntagabend eine halbe Stunde uns darüber unterhalten.
Mutter: Auf diese Weise werden wir dann ein rechtes Licht in unserem
Hause haben.
Vater: Ja, das hoffe ich, meine Liebe. Ebenso wie die Israeliten Licht
in ihren Wohnungen hatten, obgleich sie von der ägyptischen Finsternis
umgeben waren, so wollen auch wir hoffen, dass das Licht der göttlichen
Wahrheit, inmitten dieser dunklen Welt, in unserem Hause scheint. - Für
diesen Abend aber haben wir nun genug über diese Sache gesprochen.
Nächsten Sonntag wollen wir alle mit Ernst darangehen.
Sonne, Mond und Sterne
Vater: Ah, meine Lieben, da sind wir ja alle wieder beisammen. Ihr
habt wohl nicht vergessen, von was wir letzten Sonntagabend gesprochen
haben.
Anna: O nein, Vater. Ich freute mich ungemein darauf, dass wir wieder
damit fortfahren würden. Wir möchten alle gerne über die biblischen
Bilder etwas hören. Paul meint, er wisse schon manches darüber.
Vater: Das wird mich freuen. Welches ist wohl der großartigste und
merkwürdigste Gegenstand in der Natur?
Anna (nach einer kleinen Pause): Das Meer! So großartig und
merkwürdig wie das Meer, gibt es gewiss sonst nichts!
Vater: Das Meer ist etwas sehr Merkwürdiges, liebe Tochter. Ein
großer Dichter nannte es „ein Bild der Ewigkeit“, „den Thron des
Unsichtbaren“. Ich dachte aber an etwas, das noch bei weitem großartiger
und merkwürdiger ist, als das Meer.
GL 4/2012
Biblische Bilder und deren Bedeutung
41
Anna: Was kann das sein, Vater?
Paul: Ich weiß, was der Vater meint. Das Großartigste und
Merkwürdigste in der Natur ist die Sonne.
Vater: Ganz richtig. Die Sonne ist unvergleichlich viel herrlicher als
irgendetwas in der Natur. Daher ist die Sonne ein Bild jenes Wesens, das
unendlich über jeden anderen Gegenstand, den es gibt, erhaben ist. Wisst
ihr, wen ich meine?
Paul: Jawohl, Vater, du meinst die Sonne sei ein Bild des Herrn.
Vater: So ist es. Ich glaube, dass der Herr die Sonne unserer Seele ist.
In Psalm 84,12 heißt es „der Herr Gott ist Sonne und Schild“. Ferner lesen
wir im Propheten Maleachi 4,2 von der „Sonne der Gerechtigkeit“, welche
ist der Herr Jesus Christus. Kann mir eines von euch wohl eine Ursache
angeben, weshalb die Sonne mit Recht ein Bild des Herrn genannt wird?
Paul: Die Sonne ist die Quelle des natürlichen Lichtes und der Herr ist
„das wahre Licht, das jedermann erleuchtet, der in die Welt kommt“ (Joh.1,9).
Vater: Sehr gut. Die Sonne ist aber auch die Quelle von etwas noch
Besserem als das Licht; die Wärme kommt aus ihr. Wir könnten
möglicherweise für eine kurze Zeit ohne Licht leben; ohne Wärme aber
könnte nichts Lebendes auch nur für einen Augenblick bestehen. Ihr wisst,
dass es geistiges Licht gibt, welches die von Gott kommende Wahrheit ist,
und welche unser Gemüt erleuchtet. Wisset ihr aber auch, dass es auch
geistige Wärme gibt und wenn ihr es wisset, verstehet ihr deren
Beschaffenheit?
Paul: Daran hatte ich nicht gedacht.
Vater: Ist dir nicht bekannt, dass man oft von Leuten sagt, sie haben
ein warmes Herz und dass oft von einer glühenden Neigung gesprochen
wird? Diese Redeweise findet in Übereinstimmung mit der Tatsache statt,
dass ebenso wie geistiges Licht Wahrheit ist, so geistige Wärme Liebe ist.
Daher, ebenso wie wir von jemand, der weise ist, sagen, er sei erleuchtet,
so sagen wir von jemand, der viel Liebe für seine Mitmenschen hat, er
habe ein warmes Herz.
Anna: Das kann ich ganz gut verstehen, Vater. Ich sagte ja gestern zu
dir, Johanna habe ein sehr warmes Herz, worunter ich natürlich meinte, sie
sei ein sehr liebevolles Mädchen.
Paul: Und vor einigen Tagen sagte ein Redner, Plato sei der
Erleuchtetste unter den alten Heiden gewesen. Womit er sagen wollte,
Plato habe größere Kenntnisse der Wahrheit besessen, als alle die, unter
welchen er lebte, dass er also der weiseste Mann des Altertums gewesen
sei.
Vater: Es freut mich, dass ihr die Sache so gut auffasst. Bitte aber nun
42
Biblische Bilder und deren Bedeutung
GL 4/2012
zu bemerken, dass ebenso wie die Sonne zum Wohle und der
Annehmlichkeit unserer Körper Wärme und Licht ausstrahlt, so Gott
beständig Liebe, welche geistige Wärme, und Wahrheit, welche geistiges
Licht ist, ausstrahlt, zum Nutzen und zur Annehmlichkeit für unsere
Seelen. Daher ist die Sonne ein sehr richtiges Bild des Herrn.
Paul: Das ist sehr klar, Vater, und jeder muss es verstehen können.
Vater: Es gibt aber noch ein weiteres großes Licht am Himmel. Wie
wird das genannt?
Anna: Der Mond. Ist auch der ein biblisches Bild? Wird er auch in der
Bibel als Bild gebraucht?
Vater: Jawohl. Der Mond, wie ihr wisst, gibt uns Licht, aber nur Licht.
Er gibt uns den Widerschein des Sonnenlichtes. Daher ist er ein Bild des
Herrn hinsichtlich dessen, was durch das Licht der Sonne bezeichnet wird,
nicht aber in Bezug auf das, was durch die Wärme der Sonne bezeichnet
wird.
Paul: Dann dünkt mich, ist der Mond ein Bild der göttlichen Wahrheit,
wie sie unseren Verstand erleuchtet, aber nicht unsere Herzen erwärmt.
Vater: Ganz recht. Jetzt lies mir einer von euch Jesaja 60,20. Dort
werdet ihr diese zwei Bilder treffend hervorgehoben finden.
Anna (liest): „Deine Sonne wird nicht mehr untergehen, noch dein
Mond den Schein verlieren; denn der Herr wird dein ewiges Licht sein,
und die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben.“
Vater: Diese Weissagung spricht deutlich von einer Zeit, in welcher
kein Leid mehr sein und die Sonne und der Mond nie mehr untergehen
werden, weil Gott sowohl Sonne als Mond sein und nie endendes Gute
über uns ausgießen wird. Leset die Stelle, noch einmal mit dem
Nachdenken durch, und ihr werdet gewiss erkennen, dass sie nichts
anderes, als das bedeutet.
Paul: Glaubst du Vater, diese Weissagung habe auf uns hier auf Erden
Bezug?
Mutter: Meine Ansicht ist, sie bezieht sich auf die Kirche in dieser
Welt und auf die Kirche im Himmel und wird in Erfüllung gehen, wenn
wir so leben, dass die Liebe und Weisheit Gottes beständig in unserer
Seele scheint und regiert.
Vater: Das ist ganz, was ich auch meine. Wenn die Kirche einen
Zustand erreicht hat, in welchem sie in der Liebe und Wahrheit beharrt
oder mit anderen Worten, wenn Nächstenliebe und Glaube in ihr regieren,
dann wird ihre Sonne nicht mehr untergehen, noch ihr Mond seinen Schein
verlieren. Denn Gott, welcher die Quelle aller Nächstenliebe und alles
Glaubens ist, wird in den Neigungen und Gedanken aller Menschen
GL 4/2012
Biblische Bilder und deren Bedeutung
43
wohnen und ihr Leben und Ursprung sein. Ferner wird sehr treffend
gesagt, „die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben“. Böses und
Verkehrtheit sind die Ursachen aller Leiden in dieser Welt. Wahre
Religion, das heißt Liebe und Wahrheit, ist die Ursache aller Freude.
Wenn Gott im Herzen regiert und sein großes, geistiges Licht an das
Firmament der Seele setzt, dann wird kein Leid, kein Geschrei und kein
Schmerz mehr sein - die Tage der Trauer haben dann ein Ende.
Anna: O welche Freude, Vater, daran zu denken. So mag ich gerne die
Weissagungen erklärt hören. Es gibt kein Buch, das so schön ist, wie die
Bibel.
Vater: Gewiss nicht! Aber jetzt saget mir, hat die Erde irgendwie
Wärme oder Licht in sich selbst?
Paul: Keineswegs. Ohne die Sonne würde die Erde in eine so
furchtbare Finsternis eingehüllt sein, dass es einem graut, nur daran zu
denken. Es würde so kalt auf ihr sein, dass jeder Tropfen Wasser in allen
Flüssen, Bächen und Seen, sowie in den Adern der Erde zu Eis würde.
Weder Mensch noch Tier könnte mehr leben, der Boden würde so hart wie
ein Felsen werden.
Mutter: Ei, Paul, du ereiferst dich ja ganz.
Vater: Er hat übrigens vollkommen recht und ich möchte, dass ihr alle
daran denket, dass das, was die Erde sein würde, ohne die Sonne, ein
genaues Bild dessen ist, was unsere Seele sein würde, ohne den Herrn.
Ohne die Sonne hätte die Erde weder Wärme noch Licht, denn beides
kommt von ihr. Ohne den Herrn würden wir weder Liebe noch Wahrheit,
weder Nächstenliebe noch Glauben haben, beide sind von Ihm. Ohne Ihn
würde unser Verstand so finster sein, dass es mir förmlich, wie Paul sagt,
davor graut, nur daran zu denken. Und unsere Herzen würden so kalt sein,
dass keine zarte Neigung dort sich halten könnte, sondern sie so hart und
kahl, wie Felsen wären.
Mutter: Wenn wir bedenken, wie wenig wir aus uns selbst sind, sollten
wir von Demut erfüllt werden; und wenn wir bedenken, was der Herr aus
uns machen kann, wenn wir unsere Seelen seinen herrlichen Strahlen
öffnen, sollten unsere Herzen von Dank und unsere Lippen von
Lobpreisung überfließen.
Anna: Aber Vater, es sind noch andere Lichter am Himmel außer
Sonne und Mond. Wirst du uns darüber nichts sagen?
Vater: Ja, meine Lieben, wir werden mit der Zeit von allem, was wir
darüber wissen, reden.
Anna: Ich weiß bereits wovon die Sterne ein Bild sind.
Vater: Wirklich! Du bist eine brave Schülerin.
44
Biblische Bilder und deren Bedeutung
GL 4/2012
Anna: Ich habe es jedoch nicht von dir gelernt, sondern aus der Bibel.
Jesus sagt in der Offenbarung Johannis 22,16: „Ich bin die Wurzel des
Geschlechtes Davids, ein heller Morgenstern“. Da ist klar gesagt, dass der
Morgenstern ein Bild Jesu sei.
Vater: Nun sind wir bei einem herrlichen Gedanken angelangt. Alle
Kräfte, welche segenbringend auf die Erde niederscheinen, sind Bilder
des Herrn, wie er Seinen Segen auf unsere Seelen ausströmt. Gott ist die
Sonne, der Mond und der Morgenstern seiner Kirche. Er erwärmt uns mit
Liebe, Er erleuchtet uns mit Wahrheit und Er verschönert unser Leben mit
der Kenntnis Seines Wortes, bis unser Verständnis so klar und herrlich ist,
wie ein mit glänzenden Sternen besäter Himmel. Sterne sind Bilder
göttlicher Kenntnisse.
Paul: Dann ist es so, dass je mehr Kenntnisse wir uns über
Gegenstände der Heiligen Schrift erwerben, von desto mehr Sternen wird
unsere Seele erleuchtet. Ist es das, was du meinst?
Vater: Das ist es. Jedes Mal, wenn ihr eine neue Wahrheit aus der
Bibel erlernt habt, geht ein neuer Stern in eurem Verstande auf. Wenn
ihr Jesum richtig kennet, dann scheint in eurem Geiste der helle
Morgenstern. Das ist es, was der Herr sagen will mit Seinen Worten!
„Wer überwindet, dem will ich den Morgenstern geben“ (Offb. 2,26-28).
Den, der seine Selbstsucht und Sünde überwindet, wird Jesus mit der
reinen Kenntnis Seiner Selbst beschenken. So auch spricht der Apostel
Petrus vom „Morgenstern“, der im Herzen aufgehen wird (2. Petr. 1,19),
worunter er die Kenntnis Jesu Christi versteht, welche in der Seele
leuchtet.
Paul: Ich glaube Vater, jetzt verstehe ich dich vollkommen. Die
Himmelslichter
alle
zusammengenommen,
sind
Bilder
der
Vollkommenheit Gottes. Die Sonne ist das Bild der göttlichen Liebe, die
unsere Herzen von Nächstenliebe erwärmt. Der Mond ist das Bild der
göttlichen Wahrheit, die unser Verständnis mit wahrem Glauben
erleuchtet; und die Sterne sind Bilder jener herrlichen Kenntnisse der
Heiligen Schrift, die im Gedächtnis eines Christen scheinen.
Vater: Du hast bis ins Einzelne vollkommen recht. Erinnert ihr euch,
dass Petrus in seiner Rede am Pfingsttag sagte, die Weissagung des
Propheten Joel „die Sonne soll sich verkehren in Finsternis und der Mond
in Blut, ehe denn der große und offenbarliche Tag des Herrn
kommt“ (Apg. 2,20) habe Bezug auf das Kommen des Herrn ins Fleisch?
Paul: Ich erinnere mich dessen und jetzt zum ersten Male verstehe ich
es. Es wird damit gesagt, dass vor der Ankunft Jesu in der Welt, alle Liebe
und aller Glaube in der Kirche zerstört worden seien, und dass das Volk
GL 4/2012
Biblische Bilder und deren Bedeutung
45
sich in gänzlicher geistiger Finsternis befand.
Vater: Genau so ist es. Und ihr wisst auch, dass Jesus im Matth. 24,29
sagt, dass vor der Wiederkunft des Menschensohnes „Sonne und Mond
den Schein verlieren und die Sterne vom Himmel fallen“ werden. Ich weiß
nicht, ob jemand, wenn er wirklich darüber nachdenkt, annehmen kann,
diese Vorhersagung beziehe sich auf die natürliche Sonne, den natürlichen
Mond und die natürlichen Sterne. Ich fürchte aber, im Allgemeinen haben
wenige Menschen klare Begriffe über diesen Gegenstand. Die Bedeutung,
welche dieses Bild in sich schließt, ist die, dass vor der zweiten Ankunft
des Herrn die Liebe, der Glaube und die göttlichen Kenntnisse gänzlich
zugrunde gehen werden. Und das ist es auch, was Paulus meint, wenn er
sagt: „Er kommt nicht, es sei denn, dass zuvor der Abfall
komme“ (2.Thess. 2,3). Vor der zweiten Ankunft musste daher der
„Abfall“ von Liebe, Glauben und Erkenntnissen stattfinden und das ist die
Verfinsterung der Sonne, des Mondes und der Sterne, von der bildlich in
der Heiligen Schrift die Rede ist. Ich sehe aber, Anna will was sagen.
Anna: Ich habe soeben in der Offenbarung Johannis einen Vers
gefunden, den ich vorlesen möchte. Darf ich?
Mutter: Ja, ja, Anna; daran hab' ich auch gedacht. Du meinst doch die
Beschreibung der Frau im zwölften Kapitel der Offenbarung. Bitte, Vater,
sage doch den Kindern, was es für eine Bewandtnis damit hat. Es ist so
merkwürdig.
Vater: Ich will es versuchen. Aber Anna soll die Stelle erst lesen.
Anna (liest): „Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel; ein
Weib mit der Sonne bekleidet und der Mond unter ihren Füßen und auf
ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.“ (Offb.12,1)
Vater: Das war ein sehr merkwürdiges Gesicht. Was meint ihr, was
unter dem Weibe zu verstehen sei?
Paul: Die Kirche, ohne Zweifel.
Vater: Vollkommen wahr. Die Kirche wird ein Weib genannt, die
Braut, das Weib des Lammes. Ferner, in verschiedenen Stellen der
Heiligen Schrift wird die Verbindung zwischen Gott und der Kirche einer
Ehe verglichen. Dieses herrliche Gesicht war daher ein Bild der Kirche in
einem sehr hohen Zustand.
Anna: Mich dünkt, ich weiß, Vater, warum es heißt, das Weib habe
eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupte gehabt. Weil sie ein Bild
der Kirche war, gekrönt mit heiligen Kenntnissen.
Vater: Das würde durch sie vorgestellt gewesen sein, wenn bloß gesagt
wäre, sie trug eine Sternenkrone. Es heißt aber, sie hatte eine Krone von
zwölf Sternen. Was mag wohl darunter verstanden sein?
46
Biblische Bilder und deren Bedeutung
GL 4/2012
Paul: Das kann ich nicht sagen. Es sind doch nicht Kenntnisse über
zwölf wichtige Gegenstände?
Vater: O nein. Zwölf ist eine bildliche Zahl. Es waren zwölf Söhne
Jakobs, zwölf Stämme Israels, zwölf Apostel, zwölf Gründe der Mauern
und zwölf Perlentore der Stadt Jerusalem. Die Zahl zwölf ist das Bild von
etwas Ganzem, Vollständigem und Vollkommenem.
Anna: Dann war das Weib mit den zwölf Sternen ein Bild der Kirche,
gekrönt mit dem größten Reichtum und der höchsten Vollkommenheit von
Kenntnissen.
Vater: So ist es. Sie war aber bekleidet mit der Sonne und hatte ihre
Füße auf dem Mond. Das bedeutet, dass die wahre Kirche in die Liebe, in
ein Leben der Liebe gekleidet sein soll; und dass sie auf dem wahren
Glaubensgrund, den Wahrheiten des Wortes Gottes stehen wird.
Paul: Dann ist also das Weib ein Bild der Kirche in ihrer ganzen
Schönheit und Vollkommenheit, geschmückt mit einer Fülle von Liebe,
Glauben und Kenntnissen.
Vater: Das ist es, was sie vorstellt. Es wird wohl noch lange währen,
fürchte ich, bis dieses prophetische Gesicht wirklich vollständig auf Erden
in Erfüllung geht. Wie schön muss es aber in dieser Welt sein, wenn die
Kirche einmal diesen Zustand erreicht hat! Wenn die Menschen sich
auszeichnen durch die aus ihrem Leben hervorstrahlende Liebe; wenn
jedes Wort und jede Handlung, wie die Strahlen der Sonne Leben und
Glück um sich verbreiten; wenn die Menschen fest stehen auf dem
Glauben der Heiligen Schrift; und ihr Verständnis glänzen wird von der
Herrlichkeit der himmlischen Wissenschaft. Welche Glückseligkeit wird
dann unter den Nationen herrschen, und wie vieles Schöne und
Angenehme wird dann, selbst im täglichen Leben, sich äußern.
Mutter: Nun, meine Lieben, ich hoffe, ihr werdet diesen Gegenstand
nicht vergessen. Ihr werdet jetzt für immer verstehen, wovon Sonne, Mond
und Sterne ein Bild sind.
Anna: Ich kann versichern, das Bild von der Frau mit den Sternen auf
ihrem Haupte werde ich niemals vergessen.
Vater: Ich hoffe nicht. Wenn ihr alles, was ich diesen Abend zu euch
sagte, im Gedächtnis behaltet, werdet ihr imstande sein, viele Stellen der
Bibel zu begreifen, die ihr jetzt nicht verstehen könnt. Und ihr werdet auch
die Befähigung erhalten, sowohl alle Zweifel darüber, ob die Bibel das
Wort Gottes sei, in eurem eigenen Gemüt zu unterdrücken als auch den
ungläubigen Feinden der göttlichen Wahrheit entgegenzutreten. - Für
diesen Abend ist es aber jetzt genug, nächsten Sonntag werden wir in
unserer Unterhaltung fortfahren.
(Verlag der Neuen Kirche)
GL 4/2012
Die Liebe ist das Leben
47
Die Liebe ist das Leben
„Kostet es euch etwas einen Zwang und tut ihr es gewisserart nicht
absonderlich aus Liebe, dann lasset es fein bleiben und tut unterdessen,
was ihr aus Liebe wollet; denn was ein Mensch nicht ganz aus Liebe tut,
das hat für sein Leben wenig Wert, denn die Liebe ist ja Wahrheit, das
eigentliche Element des Lebens, sie ist das Urgrundleben selbst.
Was demnach die Liebe ergreift, das ist vom Leben ergriffen und geht
ins Leben über; was aber von der Liebe unberührt bleibt, und was der
Mensch bloß darum tut, weil er entweder eine üble Folge befürchtet, oder
weil sein bisschen Hochmut es haben will, um bei den andern Menschen
als Weiser zu gelten, das geht nicht ins Leben über, sondern in den Tod
nur, weil es statt vom Lebenselemente nur von dem Element des Todes
ergriffen worden war!
Ich sage es dir: Jedes noch so weise Gesetz gebiert nicht das Leben,
sondern den Tod, wenn der Mensch es nicht aus seiner Liebe heraus
beachtet; und der weiseste Rat gleicht einem Samenkorn, das statt in das
gute Erdreich auf einen Felsen fiel, wo es verdorrt und am Ende unmöglich
eine Frucht bringt.
Ich sage es euch, weil ich es sehe, dass es also ist: Alles im Menschen ist
tot bis auf die Liebe! Darum lasset eure Liebe walten in der Fülle über
euer ganzes Wesen und fühlet Liebe in jeder Fiber eures Wesens, so habt
ihr den Sieg über den Tod in euch, und was in euch tot war, ist durch eure
Liebe in derselben ins unverwüstliche Leben übergegangen; denn die
Liebe, die sich selbst fühlt und aus solchem Gefühle heraus auch
erkennt, ist das Leben selbst, und was in sie übergeht, das geht auch ins
Leben über!
Die noch so genaue Befolgung meines Rates würde euch wenig nützen,
so ihr ihn nur des Gewichtes seiner Wahrheit wegen beachten würdet, und
weil ihr aus der Nichtbeachtung irgendeine schlimme Folge befürchten
müsstet; aber solch eine Beachtung würde für eure Seelen dennoch von gar
keinem Nutzen sein. Ah, ganz etwas anderes ist es, so sich Liebe und
Wahrheit ergreifen und dann zusammenwirken; da schafft die Liebe aus
dem Lichte und im Lichte der Wahrheit stets ein neueres und
vollkommeneres Leben in und aus sich bis zur vollen Gottähnlichkeit
hinüber!
Die Liebe oder der Geist Gottes im Menschen ist wohl schon vom
Anfange her ein Ebenmaß Gottes; aber zur vollen tätig-lebendigen
Ähnlichkeit Gottes muss sie sich erst erheben auf dem Wege, den ich euch
nun gezeigt habe. – Versteht ihr solches?“ (GEJ. Bd. 3_48,2-7)
48
Von einem, der Gottes Liebe fand
GL 4/2012
Von einem, der Gottes Liebe fand
Maria Rathmann
Er war Hirte, einer der fünf Hirten, die auf Bethlehems Feldern die
Schafherde der Stadt hüteten ...
Seinen Namen weiß heute keiner mehr, auch damals war er nicht
bekannt, sonst hätte ihn der ehrwürdige Erzähler der Weihnachtsgeschichte
sicherlich genannt. Sein Name ist auch ganz unwichtig, du kannst ihm
jeden beliebigen Namen geben, auch deinen eigenen, wenn du noch ein
junges Herz hast.
Er war Hirte, einer der fünf Hirten, die auf Bethlehems Feldern die
Schafherde der Stadt hüteten. Wer ihn sah, musste seine Freude an ihm
haben, denn er war groß und schlank, hatte geschickte Hände, flinke Beine
und einen stets lachenden Mund. Die andern Hirten mochten ihn gern,
doch ließen sie ihn zuweilen spüren, dass sie nicht wünschten, dass er zu
groß unter ihnen würde, denn seine Umsicht stand ihrer Erfahrung oft um
nichts nach.
Er war noch sehr jung. Wenn er mit den Hunden um die Wette lief,
konnte man meinen, er sei noch ein Knabe. Und eben dies war sein
Geheimnis, das ihn fröhlich machte: er fühlte sich als ein Kind und wollte
im Innersten seines Herzens nichts anderes sein. Das leise Blöken eines
Lämmchens, das erste Fiepen eines jungen Hundes, die feinen Grasspitzen
in der Regenzeit versetzten ihn in einen Rausch der Freude, und wenn in
den kalten Nächten des Winters der Sturm tobte, der Regen niederprasselte
und der Wind sich in seiner weiten Bluse verfing, dann lachte er ob des
Ungestüms und jauchzte in das Tosen hinein. Die andern Hirten
verstanden ihn nicht, aber er fragte nicht danach - er war ein Kind.
Seit seiner ersten Hirtennacht waren zwei Jahre vergangen. Wind und
Wetter hatten ihn rau gemacht, und manche bestandene Gefahr hatte ihn
schweigsamer werden lassen. Doch sein kindliches Herz hatte er sich
bewahrt, bis eine Zeit kam, in der er auch das verlieren sollte.
Er hatte sich am Vorabend des Sabbats auf den Weg gemacht zur
Synagoge von Bethlehem. Er war fröhlich in die kühle Halle des
Gotteshauses eingetreten in der Gewissheit, nun wieder für Wochen
Gesprächsstoff für die einsamen Stunden auf dem Felde mitzubekommen.
Ein Ältester hatte die Rolle ergriffen, aus dem Gesetz des Mose vorgelesen
und das Gelesene mit klugen Worten erklärt. Der Hirte verstand davon
nicht viel, in seinem Herzen war auch kein Raum für all die vielen Worte,
aber ein Satz war ihm wie Feuer ins Herz gefallen: „Du sollst den Herrn,
deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allem
GL 4/2012
Von einem, der Gottes Liebe fand
49
Vermögen.“
Er begriff dieses Wort nicht gleich, aber es blieb wie eine drohende
Forderung vor ihm stehen. Benommnen und still ging er nach
Sonnenuntergang den beschwerlichen Weg zur Herde zurück. In der Nacht
hatte er die Wache über Feuer und Herde. Als er einmal liebkosend ein
Lämmchen hoch nahm und sein Gesicht fröstelnd in der warmen Wolle
barg, erschrak er plötzlich: Liebte er seine Herde mehr als Gott? Den
Schafen und Hunden gehörte sein ganzes Herz, dem Wind und dem
prasselnden Feuer. Aber Gott? Der Heilige Israels war weit - der Hirte
hatte wohl zu ihm gebetet und kannte die herrlichen Feiern zum Passahfest
im Tempel, aber liebte er darum Gott? Um sich abzulenken von den
schweren Gedanken, griff er in die Tasche und zog sein Schnitzzeug
hervor. Unter seinen geschickten Händen entstand ein Lamm mit neugierig
vorgereckter Schnauze. Der kleinen Elisabeth wollte er's bringen. Er lachte
bei dem Gedanken, ob sie ihm ihr Köpfchen wohl auch so entgegenrecken
würde wie das Holztierchen in seinen Händen. Da fuhr ein kalter Hauch
über das stille, liebliche Bild des Mädchens in seinem Herzen: Liebte er
auch Elisabeth mehr als Gott?
Es schauderte ihn ein wenig, musste ihm Gott denn heute überall mit
seiner Forderung begegnen? Gab es denn keinen Ausweg?
Er steckte sein Schnitzzeug ein und setzte sich am Feuer nieder. Die
Flammen prasselten und leckten nach seinen Füßen. Als er sie mit einer
unbewussten Bewegung zurückzog, kam ein bitteres Lachen über ihn: Was
war er doch besorgt um sein Leben, das Leben eines Menschen, der nicht
einmal fähig war, Gott zu lieben. Was würde wohl geschehen, wenn er
nicht endlich begann, Gott seine ganze Liebe zu schenken? Dann würde
Gott ihn sicherlich fortstoßen, ihn mit Verdammnis strafen, wie die
heiligen Schriften es nennen. Gott hatte ihn geschaffen, so konnte er auch
die Liebe von ihm fordern. Aber er, der ungelehrte Hirte, wusste nicht, wie
er ihn lieben könnte.
Tiere, Wind und Wasser waren um ihn, wie das Atmen in ihm, die
Liebe zu ihnen war etwas Selbstverständliches, um das er sich nicht
bemühen musste, die Liebe zu Elisabeth hatte ihn eines Tages wie eine
unbekannte Macht überfallen, er musste sie einfach lieben, er wusste selbst
nicht recht, warum. Aber wie sollte er Gott lieben? Er sah besorgt zu den
Sternen hoch. Den, der alles geschaffen hat, konnte man wohl fürchten ja, und mit furchtbarer Deutlichkeit erkannte er es plötzlich - man könnte
ihn auch hassen. Man kann Gott hassen, wie man so leidenschaftlich kein
Geschöpf hasst. Aber hatte er Grund, Gott zu hassen? Der Hirte
überblickte sein Leben, wie einer, der es abschließen und die Summe
50
Von einem, der Gottes Liebe fand
GL 4/2012
ziehen will. Zum Hass war freilich keine Ursache - aber zur Liebe war
ebenso wenig Grund zu finden. Denn was hatte Gott ihm in seinem Leben
schon Besonderes getan, dass er diesen Gott nun lieben müsste?
Während der junge Hirte an einen Baum gelehnt in die Nacht starrte,
rief er den Heiligen Israels, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs vor
sein Gericht. Hart und stolz stiegen die stummen Fragen zum Himmel auf:
Warum soll ich dir Liebe schenken? Welches Recht hast du zu deiner
Forderung? Was tatest du, um meine Liebe zu gewinnen? Da hörte er
wieder den Ältesten, der mit lauter Stimme las: Du sollst den Herrn,
deinen Gott, liebhaben... Es war, als ob die Nacht zu einem Chor
unzähliger Stimmen geworden wäre, und Donner und Wind verwoben sich
zu einem einzigen Ruf: Du sollst deinen Herrn liebhaben! Da wusste der
Hirte, dass er vor Gericht stand. Die Geschöpfe Gottes, die er lieben
konnte, klagten ihn an: Du sollst lieben Gott, unsern Herrn! Und der Hirte
verstand, was keiner in der Synagoge verstanden hatte: dass es leichter ist,
Gott zu hassen, als ihn zu lieben.
Als der Morgen kam, war der junge Hirte ganz verändert. Seine Art,
mit den Tieren umzugehen, war sachlich kühl geworden, die Hunde, die
ihn in seinem Grübeln aufstörten, schob er beiseite, die andern Hirten
mussten ihn zum Singen und Flöten auffordern; aber er tat es voller
Unlust. Da begannen die andern ihn zu necken und zu ärgern. Er brauste
dann ungeduldig auf und war doch nach solchen Zornesausbrüchen noch
stiller und in sich gekehrter als sonst. Nachts lag er lange wach. Er suchte
nach der Liebe, die Gott ihm erwiesen hatte, dass er sie erwidern könne,
und wusste doch, dass dieses Suchen nicht recht war, dass er Gott lieben
sollte, ohne den Grund zu wissen. Aber eben das vermochte er nicht. Da
kam ein Gedanke in ihm auf, der alles Leben zu zerstören drohte. Gott hat
mich sein Gesetz nur wissen lassen, um mir zu zeigen, dass er mich nicht
will. Weil ich Gott nicht lieben kann, antwortet mir Gott mit seinem Hass.
Der junge Hirte hatte die Worte langsam und schwer vor sich
hingesprochen; wie er sie nun hörte, klangen sie ihm wie das Urteil, das
Gott über sein Leben sprach. Als ihn ein anderer Hirte fragte: „Was ist nur
mit dir?“, wandte der Junge den Kopf ab: „Nichts, es ist aus...“
Seitdem waren Tage vergangen. Der junge Hirte stand am Feuer und
sah versonnen in die glimmenden Scheite. Wozu lebte er noch? Seit Tagen
ließ ihm diese Frage keine Ruhe. Wenn Gott ihn gerichtet hatte, konnte er
doch nichts mehr anfangen.
Er dachte an die Zeit, in der er eine kindliche Freude an allem
Lebenden gehabt hatte; aber hatte er ein Recht, die Geschöpfe zu lieben
GL 4/2012
Von einem, der Gottes Liebe fand
51
und sich an ihnen zu erfreuen, wenn er den Schöpfer nicht liebte?
In seine Gedanken klang plötzlich ein mächtiges Rauschen und ein
Licht, heller als der Tag, erfüllte die Weide und die ganze Gegend. Er
stürzte vornüber und meinte, dass nun Gott sein Gericht über ihn senden
würde, weil er wieder ohne Liebe an ihn gedacht hatte. Sein Herz klopfte
vor Angst, und die Furcht machte ihn so schwach, dass er nicht knien
konnte und sich mit den Händen stützen musste.
Da erscholl eine Stimme von solcher Gewalt, dass sie kein Mensch
beschreiben kann, die sprach: „Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige
euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute
der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln
gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Herrliche Töne durchdrangen die
Luft, und alle Geschöpfe schienen den Lobgesang zu atmen, den die
himmlischen Heerscharen nun anstimmten: „Ehre sei Gott in der Höhe und
Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“
Dann war es wieder still, und die Dunkelheit nahm aufs neue Besitz von
den Feldern. Der junge Hirte erhob sich schwer und blickte sich nach den
andern um. Sie blickten einander scheu und ehrfurchtsvoll an. Da wandte
sich der junge um und ging mit schnellen Schritten den Weg nach
Bethlehem hinauf. Als die andern das sahen, kam wieder Leben in sie:
„Lasset uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da
geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat“, rief der Älteste, und sie
nahmen eilig die Mäntel und Felle um sich und griffen nach den Stäben.
Dennoch war der Junge ihnen ein gutes Stück voraus. „Du sollst lieben
Gott, deinen Herrn“, murmelte er vor sich hin und dann: „Du sollst lieben
Gott, deinen Heiland, das Kindlein in Windeln gewickelt - uns ist heute der
Heiland geboren, siehe ich verkündige euch große Freude, große Liebe denn, denn ein Kindlein kann ja auch ich lieben“, jubelte es in seinem
Herzen - „wenn Gott ein Kind wird, dann weiß auch ich, wie ich ihn lieben
kann.“
Dann stand er in der offenen Tür eines Stalles. Ein großer, kräftiger
Mann leuchtete ihm mit einer Laterne ins Gesicht und trat dann zur Seite,
um ihn einzulassen. Auf eitler Strohschütte lag eine blasse junge Frau, die
ihm mit schmerzlichem Lächeln zunickte. Neben ihr eine Krippe, in der ein
Kind lag. Von Zeit zu Zeit schrie es ein wenig, wie jedes Neugeborene
schreit. Aber dem Hirten kam kein Zweifel: Dies war der Heiland, den Gott
gesandt hatte, hier zeigte Gott seine Liebe, und hier zeigte Gott, wie wir
Menschen ihn lieben können.
Der Hirte kniete nieder und presste die Stirn gegen den Rand der
52
Weisheitsgeschichten
GL 4/2012
Krippe, dass es schmerzte. Er konnte nicht beten wie die Schriftgelehrten
in der Synagoge, er konnte nur stammeln. „Du Kindlein, - du liebes, du
geliebtes Kind, du Liebe Gottes, - ich kann dich lieben.“ Er wurde so frei
und glücklich, dass er aufsah und mit scheuer Gebärde seine Finger über
die Händchen des Kindes gleiten ließ. „Ja, Gott will wohl, dass er euch
allen gehört“, sagte die Mutter leise. In einer Aufwallung stürmischer
Liebe zog der Hirte seine Pelzweste aus und breitete sie über das Kind.
„Zum Spielen kriegst du auch was“, lachte er und zog das Lämmchen aus
der Tasche, „wie gut, dass ich das noch hab'.“ Er tastete das Schnitzwerk
ab, ob es auch keine Stelle aufwies, an der sich das Kind hätte verletzen
können, dann reichte er es der Mutter.
Draußen hörte man das Scharren und Stampfen der andern Hirten. Da
kniete der Junge noch einmal an der Krippe nieder; als er sich erhob, um
den andern Platz zu machen, war er in seinem Herzen wieder ein Kind
geworden, mehr als das: ein Kind Gottes.
(Quelle: „Wir wandern zur Krippe“ - Evangelische Verlagsanstalt, 1962)
JKJKJKJKJK
Pass auf, was du sprichst
Zu einem weisen Mann kam einst eine Frau, die über die Menschen in
ihrer Umgebung viel zu klatschen hatte. Von jedem wusste sie etwas zu
berichten und immer nur schlechte Dinge.
Der weise Mann hörte sich alle Verleumdungen und Lügen eine Zeit
lang an. Dann sagte er zu der Frau: „Geh auf die Wiese und nimm eine
Pusteblume, puste die kleinen, federleichten Samenkörner in alle
Windrichtungen und dann komm wieder zu mir zurück.“
Die Frau schaute den weisen Mann ganz verdutzt an, gehorchte aber
und pustete den Samen über das Feld. Der Wind trieb die kleinen
Samenkörner weit über das Land.
Als die Frau zu dem weisen Mann zurückkam, sagte er zu ihr: „Nun
habe ich noch einen Wunsch, geh noch einmal auf die Wiese und sammle
alle Samenkörner wieder ein.“ „Das ist unmöglich, guter Herr!“ rief die Frau erschrocken.
„Ja“, sagte der weise Mann, „Gott, der Herr, wird jedes unnütze Wort,
das aus deinem Munde kommt, richten. Wenn man schlechte Dinge über
seine Mitmenschen erzählt, ist es auch unmöglich, den ausgestreuten,
bösen Samen wieder einzufangen!“
GL 4/2012
Weisheitsgeschichten
53
So anstrengend!
Ein Schüler kam zum Meister. „Ach Herr,“ stöhnte er, „um Euren
Lehren zu folgen, ist so viel Veränderung nötig. Das ist mir eigentlich
alles viel zu anstrengend. Ich glaube, ich werde das Studium hier
beenden.“ Da schaute der Alte mit einem traurigen Blick auf seinen
Schüler. „Kennst du die Geschichte von der Raupe?“ fragte er. Der
Schüler verneinte. „Es war einmal eine Raupe, die das Gefühl hatte, dass
die Metamorphose zum Schmetterling zu anstrengend sei. Also beschloss
sie, Raupe zu bleiben. Und während sie mühsam und langsam durchs
Leben kroch, schaute sie immer mal wieder hinauf zu all den
Schmetterlingen, die im Sommerwind von Blume zu Blume tanzten…“
erzählte der Meister die Geschichte. „Und nun überleg wohl, ob der
scheinbar einfachere Weg auch tatsächlich der einfachere ist.“
KJKJKJKJK
Das Geheimnis des Friedens
„Lass mich dir das Geheimnis meines Friedens erzählen. Jeden Abend,
bevor ich zu Bett gehe, knie ich nieder und danke Gott von ganzem
Herzen für alle Segnungen des Tages. Und dann übergebe ich Gott von
Herzen alles, was mir lieb und teuer ist - meine Familie, meine Freunde,
mein Haus, mein Auto, meinen Besitz, meinen materiellen Reichtum.
Und vor meinem inneren Auge sehe ich meine Familie und meine
Liebsten in den Armen Gottes ruhen.
Und nachdem ich mit meinem Gebet fertig bin, gehe ich als armer
Mann schlafen.
Wenn ich am Morgen aufwache, schaue ich mir meine Umgebung an,
um den frischen, neuen Tag zu begrüßen, und sehe, dass Gottes Gnade
mich noch immer umgibt. Und von Dankbarkeit erfüllt, knie ich mich hin
und danke Gott aus tiefstem Herzen, dass Er mich einen weiteren Tag
lang mit diesen unvergleichlichen Gaben gesegnet hat.
Ich erkenne, dass ich nur Sein Verwalter bin. Diese Gaben haben von
Anfang an nie mir gehört. Sie sind nur eine Leihgabe Gottes an mich.
Alles in meinem Leben ist nur Seine Leihgabe.“
„Der Friede sei mit euch, – doch kein Friede, wie ihn die Welt hat
und gibt, sondern der innere Friede des Herzens,
der Seele in Meiner Liebe, die da ist das ewige Leben! Amen.“
(GEJ. 9; 149,22)
54
Göttlicher Gesundheitsrat
GL 4/2012
Göttlicher Gesundheitsrat
„Ich gebe wohl jedem gern, um was er Mich gläubig und
vertrauensvoll bittet; aber um sehr vieles lieber, was zur Heilung des
Geistes gehört als zur Heilung des Fleisches.
Wer da Mein Wort liest und lebt danach und hat einen starken,
festen Glauben, dem wird das Wort durch seinen Glauben helfen, wie
es in den Evangelien gar oft zu ersehen ist. Fehlt aber der rechte,
lebendige Glaube, da wird das „Stehe auf und wandle!“ nur von
geringer Wirkung sein.
Alsonach sind Mein Wort und der lebendige Glaube allezeit das
beste Heilmittel auch fürs Fleisch, und es hat keine Apotheke ein
besseres. Aber der Schwäche eures Glaubens und der ängstlichen
Mattigkeit eures Vertrauens genügt diese reinste Medizin nicht und
kann nicht genügen, weil ihr noch zu ängstlich am Leben des Fleisches
hängt und werdet nur zu bald überkleinmütig und schwachgläubig, so
über dasselbe etwas kommt. Daher verlanget ihr nebst Meinem Worte
auch eine Arznei, also entweder Lehm oder das Wasser des Teiches
Siloah; ohnedem kann euch nicht geholfen werden.
Und da eben liegt der böse Hund begraben, wie ihr zu sagen pfleget;
denn so Ich es zulasse, dass Arzneien eure Krankheiten heilen, so
schwächt das euren Glauben an Mein Wort. Helfe Ich euch aber trotz
der Schwäche eures Glaubens und Vertrauens bloß durchs Wort, da
wäret ihr gerichtet und gefangen, und das im Geiste, aus welcher
Gefangenschaft euch dann nur ein übergroßes Kreuz wieder befreien
könnte, wie es auch bei den ersten Christen, die zumeist durch Wunder
genötigt Mein Wort annahmen, der Fall war, dass sie hernach durch
eine mächtige Prüfung erst ihres Gerichtes ledig werden konnten. –
Fraget euch daher selbst, was Ich hier tun soll, um euch zu erhalten.
Jede Arznei ist schwächer denn Mein Wort. Aber Mein Wort kann
und darf da nicht allein wirken, weil euer Glaube noch viel zu
schwach ist, was ihr gar leicht aus eurer großen Liebe zu dem irdischen
Leben entnehmen könnet, denn der lebendig Gläubige sehnt sich mit
Paulus nach der Auflösung, was bei euch noch lange nicht der Fall sein
wird, da euch noch viel zu sehr manche Dinge der Welt am Herzen
liegen. Daher müssen eures Heiles willen auch hier Arzneien neben
Meinem Worte wirken, was natürlich die Heilung verzögert, besonders
so das Vertrauen darauf ein mehr oder weniger ängstliches ist.“
(HiG. Bd.3 S.275,4-8)
GL 4/2012
Verschiedenes
55
Lorbertagung in Hohenwart vom 17.-21.5. 2013
Die Tagung der Lorber-Gesellschaft im nächsten Jahr findet im Zeitraum
von Freitag, den 17. Mai bis Dienstag, den 21. Mai 2013, nach dem
Mittagessen, statt.
Die Tagung wurde terminlich nach vorne verschoben, um so die freien
Tage besser nutzen zu können und den berufstätigen Freunden eine
bessere Gelegenheit zum Besuch der Tagung zu bieten.
Suche Eggenstein-Bücher
Suche gebrauchte Bücher von Kurt Eggenstein - Der Prophet Jakob
Lorber… zum Weiterverschenken in Deutsch und Englisch.
Kontakt unter: 040-6439964 oder info@friedrich-nano.de
Urlaubsunterkunft gesucht
Zwei Lorberfreundinnen (56+68) suchen für ihren Urlaub eine
Unterkunft mit Kochgelegenheit im Bereich Allgäu,
Kärnten oder Vorarlberg.
Kontakt unter: 07243 - 2424
Kranke Geistesschwester benötigt Unterstützung
Eine erkrankte Geistesschwester (67) benötigt für die Zeit ihrer
Reha unterstützende Hilfe zur Betreuung und Begleitung in ihrem
Landhaus auf der pommerschen Seenplatte nahe Danzig.
Anfrage an Frau Reimer unter: 0048 513 222 637
Vorträge der Lorbertagungen als MP3-CD und Video-DVD
Alle Vorträge der Lorbertagungen können auf MP3-Audio-CDs, auf
denen mehrere Vorträge passen und individuell zusammengestellt werden
können, zum Preis von 5,- €/CD plus Versandkosten bestellt werden.
Ferner besteht auch die Möglichkeit, einzelne Vorträge (außer von 2012)
als Videofilm auf jeweils einer DVD zum Einzelpreis von 5,- € plus
Versand zu bestellen.
Fordern Sie die Vortragsliste an.
Bestellungen unter der Email: lorber-gesellschaft@web.de oder unter:
Lorber-Gesellschaft e.V. , Postfach, 83731 Hausham
Jakob-Lorber-Begegnungsstätte
www.andritzquelle.de
Ursprungblick 5a, A-8046 Graz-Stattegg
Steiermark / Österreich
Tel./Fax: 0043 / 316 - 691353 (von D)
Tel./Fax: 0316 - 691353 (von A)
Fernab vom Lärm der Welt, liegt
der besinnliche Quellteich der
Andritz, umgeben von Felsen und
alten Bäumen malerisch versteckt
in einer kleinen Talbucht am Fuße
des Schöckelgebirges. Eine hohe
Mauer, welche im Grün der Bäume
und Sträucher fast verschwindet,
beschützt diesen ruhigen und
beschaulichen Ort vor fremden
Blicken. Hier, in dieser Oase der Stille und Ruhe, findet die nach inneren
Frieden suchende Menschenseele einen Ort der Kraft zum Auftanken.
Um den Quellteich führt ein Fußweg und Bänke laden zum Verweilen
und Meditieren ein, um das innere Wesen dieses von der Natur so reich
gesegneten Ortes zu erfahren.
Das Gästehaus der Andritz-Quelle wurde 1905 erbaut und 2004
modernisiert. Es steht als Seminar- und Begegnungsstätte allen nach
Stille und Ruhe suchenden Menschen offen. Es bietet drei
Doppelzimmer mit Dusche/WC, ein Doppelzimmer mit Etagendusche/
WC, zwei Einzelzimmer mit Etagendusche/WC, einen Gästeraum und
eine Gästeküche. Das Gästehaus ist von April bis Januar geöffnet.
Anmeldungen und Anfragen an die:
Lorber-Gesellschaft e.V.
Anita Strattner, Pfarrhofstr. 7, D-83132 Pittenhart
Tel. / Fax : 08624-4114
E-mail: mail@andritzquelle.de
Homepage: www.andritzquelle.de
Neu digitalisierte Bearbeitung des Lorberfilms auf Video-DVD
Der 1989 von der Lorber-Gesellschaft produzierte Dokumentarfilm
über das Leben und Werk Jakob Lorbers war bisher nur im VHSFormat als Videokassette erhältlich.
Da dies mittlerweile ein veraltetes und nicht mehr gebräuchliches
System ist, hat sich die Lorber-Gesellschaft entschlossen, den
Film als Video-DVD herauszugeben und die Produktion auf Videokassetten einzustellen.
Um den Film in einer bestmöglichen Qualität als Video-DVD
anzubieten, wurde der Film durch ein professionelles Filmstudio
digitalisiert und in Farbe und Ton neu überarbeitet.
Der Film liegt nun zweisprachig in Deutsch und Englisch, sowie im
4:3 und 16:9 Bildformat auf einer DVD vor. Die Spieldauer beträgt
45 Min.
Die DVD „Und hättet ihr nicht das ganze Universum in euch“
ist zu einem Preis von 9,90 € plus Versandkosten erhältlich bei:
Lorber-Gesellschaft e.V.
Postfach 114
83731 Hausham / Deutschland
Tel.: 08026-8624 / Fax: 08026-3294
Email: lorber-gesellschaft@web.de
Besinnliche Texte zur Meditation
„Es genügt für jeden Menschen, so er nur sorgt für die
Reinigung des höchst eigenen Herzens; ist das in der
Ordnung, so wird dann schon auch alles Äußere wie
von selbst in die beste Ordnung kommen.“ (GEJ. 3_113,19)
„Wenn du in deinem Herzen in der Ordnung bist, dann
bist du es auch mit Gott.“ (RB. 1_142,20)
Jakob Lorber (1800-1864)
JKJKJKJKJK
„Mein Gott, lass mir im Leben des anderen dein Antlitz
leuchten. Das unwiderstehliche Licht deiner Augen, das
auf dem Grund der Dinge strahlt, hat mich schon zu
jedem Werk begleitet, das ich vollbringen, und zu jedem
Schmerz, den ich ertragen musste. Gib, dass ich dich
auch und vor allem im Innersten der Seele meiner
Brüder erkenne.“
Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955)
JKJKJKJKJK
„Falls der Mensch Gott nicht erkennt und nicht begreift,
so hat er noch kein Recht daraus zu schließen, es gäbe
keinen Gott. Die gesetzmäßige Folgerung daraus ist nur
die, dass er noch nicht fähig ist, Gott zu erkennen und
zu begreifen. Es gibt nur für den keinen Gott, der ihn
nicht sucht. Suche Ihn, und er wird sich Dir offenbaren.“
Leo Tolstoi ( 1828-1910)
JKJKJKJKJK
„Die Seele, die Gott liebt, sucht keinen anderen Lohn für
ihre Liebe als Gott selbst. Sucht sie aber einen anderen
Lohn, dann liebt sie diesen Lohn, nicht aber Gott.“
Bernhard von Clairvaux (1090-1153)
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
42
Dateigröße
835 KB
Tags
1/--Seiten
melden