close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Dr. Viola Schubert-Lehnhardt Wie viel Markt verträgt das

EinbettenHerunterladen
B. ArbeitstagungdesAKF@
Dr.ViolaSchubert-Lehnhardt
Wie viel Markt verträgt das Gesundheitswesen?
FrauengemäßeGesundheitsversorgungim SpannungsfeldzwischenEthik und Monetik
Entlangder Gliederungmöchteich auf die folgenden
Themenkreise
eingehen:
-
zunächstauf die Analyseder Möglichkeitenund
Grenzenmarktwirtschaftlicher
Strukturenim Gesundheitswesen.
Dazusind eine Reihevon Mythen
zu analysieren
und aufzulösen.
Dieswird sicheran
einem Sonntagmorgenstreckenweise
ein hartes
Brot werden,das scheinbarauchwenigfrauenspezifisch ist - jedoch mindestens50% der von
marktwirtschaft
lichen StrukturenBetroffenensind
Frauen;
-
damit es nicht auch noch ein trockenesBrot wird möchteich dabei Erfahrungen
des
Initiativkrelses
undGesundheit"
derStadtHalleeinfließen
lassen,
,,Frauen
prozessen
und ich möchteAlternativen
gegenwärtigen
zu
und Steuerungsmechanismen
im
Gesundheitswesen
aufteigen.
1. Möglichkeitenund crenzen marktwirtschaftlicher Strukturen im
Gesundheitswesen oder: der Mythos vom Wettbewerb
Dievon mir geleiteteProjeKgruppe
im Gesundheitswesen"
hat in einer1998vor
,,Wertewandel
der Bundestagswahl
durchgeftihrten
landesweiten
Erhebungden Bürgerlnnenvon SachsenAnhaltu. a die Fragegestellt:,,WelchelvleinunghabenSie zur Notwendigkeit
des marktwirtschaftlichen
Wettbewerbes
im Gesundheitswesen"?
Hierdie Ergebnisse
zu diesem,damalsden
Wahlkampf
auf gesundheitspolitischem
Gebietbestimmenden
Instrument:
48
Therapie
TechnikMarktMoral
im Gesundheitswesen
zur Notwendiqkeit
desWettbewerbes
Grafik 1: l.4einunqen
Wettbewerb im Gesundheitswesen
lQueller Gesundheit€in Produkt? Der Patienlein Kunde?,
Berlin: trafo verlag, 20001
a%
8%
39%
in der
da es keine nennenswerten
Unterschiede
Die Grafik zeigt die Gesamtpopulation,
gab. Ein kleines
zwischenden Geschlechtern
des Wettbewerbes
eindeutigenZurückweisung
Detail am Rande:Von dieser deutlichenAblehnungdes Wettbewerbeswichen {ediglich
Probandlnnen aus ortschaften unter 500 Einwohnerlnnenab. Hier sind die
in kleineren
Ortschaften
der neuenBundesländer
Versorgungsstrukturen
zusammengebrochenen
von
als Hintergrundzu vermuten.Bezüglicheiner ,,vor Ot Betreuung"durch Zweigstellen
aus
Landambulatorien,
Gemeindeschwesternstationen
etc. warendie Bürgerlnnen
Polikliniken,
bzw.
kurzeWegeund damit einenschnellenZuganggewöhnt.DerenSchließung
DDR-Zeiten
verbundenundwerdendaher
in größereOrtschaften
sindmit längerenWegezeiten
Verlagerung
zwischen
den
angesehen.
DieBefürwoftung
desWettbewerbes
alsVerschlechterung
der Situation
vor Ort ausals
drücktu.E.hiereherdie Hoffnungauf wiedermehrAngebote
Leistungsanbietern
ErWartung
aufVerbesserung
der Situation
durchWettbewerb.
tatsächliche
wurde
von dieser,auchin anderenErhebungen
ermittelten,Bevölkerungsmeinung
Unabhängig
die umfassendere
und Vetreterlnnenvon Krankenkassen
und wird bei vielenPolitikerlnnen
im Gesundheits-und
Steuerungsmechanismen
DurchseEungvon marktwirtschaftlichen
Instrumentzur
Sozialwesen
als einesder wichtigsten(teilweisesogarals das entscheidende)
49
desAKFo
8. Arbeitstagung
angesehen.Diese
in der Krankenversicherung
Stabilisierungder Ausgabenentwicklung
sollendie DynamikdesWandelsunddie Suchenachderjeweilsbesten
steuerungsmechanismen
(2.8. Hausarzt-Abo,
kombinierteBudgets,vernetztePraxen)anregen.Die
Versorgungsleistung
dasssie
angesehen,
Vorteilewerdenals so gravierend
dadurcherhofften(unternehmerischen)
oder Unterversorgung
mögliche Gefahren,wie z.B. sozial selektivesAnbieterverhalten
werden
übeMögenbzw. diese durch staatlicheSteuerungausgeschaltet
Schwerstkranker,
könnten.
gegenteiliger
Positionen
sprechenjedoch nicht nur von den Gefahrendieser
Veftreterlnnen
durch
sondernstellendie Möglichkeitder Steuerungdes Gesundheitswesens
Orientierung,
generellin Frage.Exemplarisch
sei hier
für dieseArgumentationsstränge
l4arKmechanismen
Deppezitiert,da dessenPositionin bestimmterHinsichteine Zusammenfassung
Hans-Ulrich
dieserArgumente
darstellt:
Argumentegegen den Wettbewerb im Gesundheitswes€n
-
Anreize im Gesundheitswesen
,,Wettbewerbund Effizienzals handlungsleitende
bzw. betrieblicheAspeKe und
konzentrierensich stets auf einzelwirtschaftliche
Was einzeF
vernachlässigenvolkswirbchaftlicheVersorgungsnotwendigkeiten.
emzientsein.Und
auchvolkswirtschaftlich
wirtschaftlich
effizientist, musskeineswegs
auch
für die medizinische
Versorgung
rationalist, musskeineswegs
was ökonomisch
sinnvollsein.
-
wird soziales
Verhaltenim Sinnevon Solidarität
Durchdie Dominanzdes EigennuEes
gegendasRisikoKrankheit
verdrängt...
-
Patientmit dem
Patientdes MarKesist immerder zahlungsfähigde
Der erwünschte
Hilfe
geringsten
medizinischer
der am dringendsten
Krankheitsrisiko
und nichtderjenige,
gegendas
Absicherung
der finanziellen
bedarf.BeiAu$/eitungdes l4arldeshinslchtlich
Selektionvor allem chronisch
RisikoKrankheitwird es zu einer benachteiligenden
Patientensowieder Alten aus den unterenSozialschichten
Kranker,psychiatrischer
KOmmen.
-
- undzwar
Versorgung
verändern
MehrWettbewerb
wird die Qualitätder medizinischen
Technische
Leistungen
werdennochstärkerkommunikative
in der folgendenRichtung:
Konsequenzen
Eingriffe
ohnetherapeutische
Leistungen
verdrängen,
teurediagnostische
50
TherapieTechnikl4arkt l\4oral
werdenzunehmen
und Prävention/Gesundheitsförderung
wird es nochschwererhaben,
sichgegenüber
demkurativenlvledizinbetrieb
durchzuseüen"l.
Gesundheitkann und darf keineWare sein
Weiterhinwird die Absagean ein marktwiftschaftliches
Modellder Gesundheitsversorgung
zum
einenmit der Naturvon Gesundheit,
zum anderenmit der Naturdes Verhältnisses
zwischen
professionellen
Patientenund
Gesundheitshelfern
begründet.Dazuwird folgendesausgeführt:
Gesundheitvon Personenist kein handelbaresProduK. Sie kann auf Grund folqender
Besonderheiten
keinenWarencharakter
annehmen:
.
BeiGesundheit
handeltes sichum ein lebensnotwendiges,
nichtkäufliches
Gut.Es
ist ein kolleKives
cut..., ähnlichwie Luft,WasseroderBildung.
.
Auf Krankheit
kannnichtwieauf andereKonsumgüter
werden.
,,verzichtet"
.
Der Patientweißin der Regelnicht,wannund warumer krankwird. Er hat in der
Regelebenfalls
nichtdie Möglichkeit,
At, Zeitpunktund Umfangder in Anspruch
zu
nehmendenLeistungen
selbstzu bestimmen.Krankheitist ein vom Individuum
- die Betonung
kaumsteuerbares
Ereignis,sondernein allgemeines
Lebensrisiko
liegt hier auf ,,kaum"- dahintersteckt die ganzeThematikder so genannten
Lebensführung",
Extremspoftatenetc. darauf möchte ich hier
,,risikobehaften
jedochnichteingehen.
.
.
Die,,Konsumentensouveränitäf
ist im Gesundheitswesen
deutlicheingeschränK.
Das Arzt-Patienten-Verhältnis
ist keine gewöhnlicheProduzenten-KonsumentenBeziehung.
Esgibt keinGleichgewicht
von Anbieternund Nachfragern,
sondernder
nachfragende
Patientwird mit dem ,,lvlonopofärztlichenWissenskonfrontiert.Es
bestehtalso..Anbieterdominanz".
.
Die Nachfrage
desPatienten
als Konsument
efolgt zunächstunspezifisch
undwird
erst durchdie Kompetenz
einesmedizinischen
Expedenspezifizietund definiert.
Dieserwiederumhat aufgrundder begrenzten
Wissenschaftlichkeit
der praktischen
l.4edizineinen großen Ermessenspielraum
in seinem diagnostischenund
therapeutischen
Vorgehen.
.
DieNachfrage
nachmedizinischen
Leistungen
ist darüberhinausnichtpreiselastisch,
d.h.dasssiemit sinkenden
Preisen
steiqtbzw.mit steioenden
Preisen
sinK.
tDeppe H.U. SozialeVerantwortungund Transformationvon Gesundheitssystemen.
FranKur!/lvlain,1996, S.
14B/149
J1
B. ArbeitstagungdesAKF@
Der Patientist in der Regelnicht in der Lage,die ärzilicheTätigkeitfachkundig
stark
zu könnenz.Er ist in seinerUrteilsfähigkeit
beudeilenoder kontrollieren
zwischen
ihm
InformationsundKompetenzgefälle
eingeschränK,
da einerhebliches
Defiziten
und
sinddeshalbvon
von Patienten
unddemArztbesteht.Entscheidungen
geprägt.Darüberhinausbefindetsichder Patientinsbesondere
bei
Unsicherheiten
ernsthafterenErkrankungenin einem emotionalenZustand, der rationale
reduziert.
Auchist umgekehrtder rationaleZugangzum Patienten
Entscheidungen
nichtimmergewährleistet.
in einerPositionder Schwäche
Patientenbefindensichdaherdurchihr Kranksein
undAbhängigkeiC.
Wettbewerb bedeutet: Läsungeiner Aufgabemit dem Ziel, die beste Leistungzu
erreichen
kurativen
und der Efflzienz
von prophylaKischen,
Wennwir alsomit den Offerten,der Qualitait
nicht zufriedensind, handeltes sich demzufolgenicht um
lvlaßnahmen
und rehabilitativen
marktwirtschaftlicher
im klassischen
Sinneoder gar mangelndeDurchseEung
,,lvlarkversagen"
Zum
im Gesundheitsbereich.
sondernum derenprinzipielle
Grenzen
StruKurenin diesemBereich,
dem Wettbewerb,ist
der Politikerlnnenund Krankenkassenvertreterlnnen,
,,Lieblingskind"
keineswegs
Vom ursprünglichen
Wonsinnher bedeutet,,Wettbewerb"
folgendeshinzuzufügen:
jeweiligen
(oderExpansion
Anbieterszu
des
desselben
auf Kostenreduktion
die Einschränkung
bedeutet:an der LösungeinerAufgabenstellung
Lastender lvlitbewerber),
sondernWettbewerb
- d.h.
teilzunehmen
ziel
der
Erreichung
der
besten
Leistung
bzw.desgrößtenErfolges"
mit dem
Leistungenständig zu
vor allem die Qualitätgesundheitlicher
für das Gesundheitswesen
(Angebotebereitzu halten),die den Bedüfnissen
verbessern
und solcheGüterzu produzieren
medizinischer
der Konsumentenentsprechen.Das Wettbewerbsziel
,,Qualitäts(sicherung)
der Anbieterzu finden, noch sind
Leistungen"ist bisher kaum in den Formulierungen
handhabbareKriterienentwickeltworden, wie Wettbewerbin diese Richtungseitensder
werdenkönnte.
stimuliert
GesundheitsDolitikerlnnen
z NB:Vom ursprünglichen
- genaudavon
Wortsinnher bedeutetKundeeigentlich,.derKundige",,derEingeweihte"
werden,
bzw.Patientenin der Regelnichtgesprochen
kannaberseitensdesVersicherten
3Deppea.a.o.,S, 148/49
4vgl.Brockhaus-Enzyklopädie.
Band24, Mannheim,1994,S.115tr
52
Therapie
TechnikMarldMoral
Wettbewerb
um die qualitativbestenLeistungen
zwischen
denKrankenkassen
müsstedannauch
denWettbewerb
um Leistungsangebote
einschließen,
die am bestendengeschlechtsspezifischen
gerechtwerden. Bishersind die Angeboteder Krankenkassen
jedoch kaum
Bedürfnissen
geschlechtsspezifisch
evaluiertworden(Ausnahme
vielleichtbei der BKK).Ivl.E.sollteein solcher
Auftragim Rahmender derzeitangedachten
Vorhabenzur Präzisierung
Teilebzw.der
einzelner
weiterenArbeit mit dem 1. Frauengesundheitsberichtes
auf ministerieller
Ebenevergeben
werden.Undauchdie künftigenGutachten
desSachverständigenrates
für die Konzediede
Aktion
im Gesundheitswesen
würdendurchdie Aufnahmedes Items Geschlechterangemessenheit
in
ihren Einschäuungen
zur Fehlversorgung
noch aussagekräftiger
werden.Auf eine weitere
Schwierigkeit
bei der Anwendung
verweistHagenKühn:Auf Grundder gängigenDenkmuster
geht es diesen(wennsieschonvon Wettbewerb
seitensder Krankenkassen
um Qualitätreden)
sondern primär um
,,wenigerum Qualität im Sinne nachhaltigerGesundheitswirkungen,
Zufriedenheif'.Im Wettbewerbder Kassenuntereinanderinteressiertjedoch ,,nicht die
Zufriedenheit
aller,sondernnur dieder erwünschten
Kunden"5.
Dassder Wettbewerbnichtum die Qualitatt
gesundheitlicher
geführtwird geht aus
Leistungen
einemsehroffenherzigem
Interviewhervor,welchesProf.PeterStadler,Inhaberdesdeutschen
Biotech-Unternehmens
ArtemisPharmaceuticals
dem Widschaftsmagazin
BIZZim April dieses
Jahresgegebenhat. Er sagtedort zu denZielenseinesUnternehmens:
,,Waswir jetzt brauchen
ist kein neuerpolitischinitiiefterWettbewerb,
sondernein Wettbewerbunter den Firmenum
Technologien,
Patente,Lizenzenund lvlarktanteile'6.
Dankefür dieseklarenWorte,deutlicher
kannman(n)nichtsagen,welchenWegfrau nichtgehenwill.
Die Diskussion
um Qualitätssicherung,
so wurdeauf der Fachtagung
AnfangOltober zum 1.
Frauengesundheitsbericht
in Berlineingeschätzt,
hat erstbegonnen.
Fragendanach,mit welchen
qualitativen
und quantitativen
IndikatorenQualiüt zu messenist, oder welchediesbezüglichen
Anforderungen
an bestimmte
Fort-undWeiterbildung
zu stellensind,,,sind
nochnichtbearbeitef'
- heißtes im Berichtder AG 5. Dieses,,nochnicht"möchteich nichtkommentarlos
im Raum
stehen lassen. l4it den ,,Qualitätskriterien
für frauengerechtePsychotherapie"
hat die
entsprechende
Fachgruppe
des AKF@deutlichdie Richtunggezeigt,in der weiter gearbeitet
werdensollte.
ss. Kühn H. Wettbewerbim Gesundheitswesen
und sozial ungleicheVersorgungsrisiken
SozialerFortschritt.
Unabhängi9e
Zeitschrift
für Sozialpolitik
47(1998)6
6Artemis-Chef
PeterStadlerüberzweiungleicheGegnerund mehrWettbewerb
alsChance,Wirtschafcsmagazin
BIZZ
April2001,S. 73 - Hervorhebung
von mir - V.S-L
B. Arbeitstagungdes AKF@
Als weitereEmpfehlungen
bzw. Forderungen
auf diesemWeg wurdein der Zusammenfassung
der AG ,,Qualitaitssicherung
in der gesundheitlichen
Versorgung
von Frauen"in Berlinfolgendes
erarbeitet:
.
Probleme im Informations-und Versorgungsneüsind geschlechtsdifferent
auszuwerten
undin Bezugaufdie Qualitätder Versorgung
zu interpretieren.
.
Es müssenrundeTischeeingerichtet
werden,an denendie im Gesundheitswesen
tätigenOrganisationen
undPersonenauchPatientinnenorganisationen
teilnehmen.
.
Eine zu gründendeArbeitsgruppeQualitätssicherung
erhält dafür von den
N4itgliedsverbänden
denAuftragunddie Ressourcen.
.
Deröffentliche
Gesundheitsdienst
auf kommunaler,
Länder-und Bundesebene
trägt
ebenfalls
Verantwortung.
.
DieVerneEungunterFrauenmussverstärktwerden,damitdie wenigenFrauenin
gestärktund mit guten Informationenin die
den Gremiendes lvlainstreams
Debattengehenkönnen.
Heftigwurdeauf demAbschlusspodium
z.B.überQualitätsstandards
bei der Früherkennung
von
l4amakazinomen
diskutieft(war Manndochder Meinung,Deutschland
sei bei der Vorsorgein
Europaführend).Geradehier zeigenauch sich sehr deutlichdie weit auseinanderliegenden
Herangehensweisen.
N4ir(und hier weißich michmit vielenanderenFraueneinig)geht es bei
Durchseuungvon Qualitäbstandards
in der Früherkennung
nicht nur um den Einsaüvon
mehr/besseren/oder
besserausgewefteten
technischen
lvlethoden,
die entsprechende
Ausbildung
desPersonals
dafüretc.,sondernvor allemauchum die Befähigung
von FrauenzumEr-KennenLernendes eigenenKörpersund seinerSignale.Insofernist für michdie gemeinsame
Initiative
des Neüwerkes,,Frauen
und Gesundheit"
und der AOKvon Sachsen-Anhalt
,,Brustgesundheit
Du hastsiein der Hand"einwichtigerSchrittin Richtung
geschlechtsspezifische
Angebote
seitens
der Krankenkassen.
Da hier die Einbindung
dieser,,Schulung"
in die Lebenswelt
von Frauen
besondersgelungenist, gestattenSie mir ein kuzes Zitat aus dem Einladungsblatt
zu den
einzelnenTagesveranslaltungen:
kreativeBeschäftigung
mit dem
,,Durchdie freudebetonte,
ThemaBrustundGesundheit
wollenwir an diesemTag Frauenermutigen,
sichselbstzu mögen
und annehmenzu lernenund etwasfür ihre Gesundheit
zu tun. Wir wollengemeinsam
das
Bewusstsein
für förderlicheFaktorenin punldo Brustgesundheit
verstärken,Verhaltens-und
Gewohnheitsänderungen
anregen,Handlungsmöglichkeiten
für Krebsfrüherkennung
aufzeigen,
eineOffentlichkeit
für Frauengesundheit
schaffenundfreuenunsauf einenfrohengemeinsamen
54
Therapie
TechnikMarktMoral
Tag".t
Ich möchtejetzt nichtweiterauf die Ergebnisse
der BerlinerFachtagung
eingehen,
da seitensdes
publizieren
lvlinisteriums
versprochen
wurde,den Protokollband
innerhalb
von 2 Monatenzu
und
einerdavonist inzwischen
schonvorbei...Ich kommezumnächsten
Abschnitt
meinesReferates:
Der Mythosvom unpolitischenund moralischguten Arzt
DieArztin/derArztsindin ihrertäglichenBerufsarbeit
von Veränderungen
folgenderdreiSäulen
desGesundheitssystems
ihresjeweiligenLandesunmittelbar
betroffen:
1. dem medizinisch-wissenschaftlichen
Foftschritt(Aneignung,
Entscheidung
über Investitionen
für neueGeräte,Teilnahme
an N4edikamententests
etc.),
- sietretenallen
2. derverändetenHaltungder Bürgerlnnen
zu Systemen
der sozialen
Sicherhelt
jedochdem Gesundheitssystem,
diesenSystemen,
insbesondere
kritischerund selbstbewusster
gegenüberund wollen nicht längerbloßeObjekteder Fürsorgesein, sondernselbstatndig
handelnde
Subjekte
3. der Gesundheitspolitik
auf den verschiedensten
Ebenen(drastisches
Anschauungsbeispiel:
Zwangzur Niederlassung
für ArzUnnen
in denneuenBundesländern
nach1990),Entscheidungen
überErmächtigungen,
Zulassungen
vonVedahren,
Vertretungskörperschaften
etc.
Jedeärztliche,jede medizinischeEntscheidunghat eine politischeDimension
Dasbedeutet,dassjede scheinbar
Entscheidung
der Arztin/des
Arztesimmer
,,reinmedizinische'
aucheineökonomische,
ethischeund leftendlichpolitische
Dimension
hat. DieAnfangdes 20.
gegendie Einrichtung
Jahrhundert
von Polikliniken
initiieftenArdestreiksals auch die an der
gegendie Abrechnungsmodelle
zum neuenJahftausend
Schwelle
von ArzUnnen
durchgeführten
unterstreichen
diesebenso,wie die zunehmende
Gründungbzw.das Engagement
,,Aktionstage"
(IPPNW,TübingerInitiativegegendie geplante
von Azünnen in politischenVereinigungen
Bioethik-Konvention
u.ä.). Besondershervorhebenmöchte ich hier den Aktionsratder
niedergelassenen
ostdeutschen
Arzteund Psychotherapeutens,
da es auchfür michals Bürgerin
'FlyeriBrustgesundheit.
Du hastsie in der Hand.Veranstaltungsreihe
für Frauen,Auftakt-Veranstaltung
in Stendal.
25.August2001
sDie Berufsbezeichnungen
im Namen dieses Aktionsrctegsind als eine typischeEßcheinungftlr die neuen
Bundesländer
nur männlichformuliert,daraufwerdeichspäternochzurückkommen.
8. ArbeitstagungdesAKF@
im 11.Jahrder deutschen
der NeuenBundesländern
Einheitwedereinsichtig
nochakzeptabel
ist,
dassz.B.für die ambulanteBetreuung
der Menschen
im Ostennur 76,5 Prozentder lvlittelzur
Verfügung
stehenwie in denaltenBundesländern.
Ich fühlemichdannnichtnur als Patientin
2.
Klasse(gegenüberPrivatpatienUnnen),
sondernals Patientin3. Klasse.Auch die geringere
Honorierung
von ArzUnnenin den NBLbzw.der geringerePunktwedist für mich nichtlänger
hinnehmbarunddiesmit der gleichenBegründung,
mit der generellweiteran einergerechteren
gearbeitetwerdenmuss:Azünnen müssendurch
Skalafür die Punktwefte
sprichHonorierung
einen,,gerechten"
Punktwertin die Lageversetztwerden,ausführlich
nächihremGewissen
und
Wissenzu beratenundnichtnachSaldoder Praxis.
Diesschließtein, dasssie zeitlichund finanziellin der Lagesind,(auchdieseineForderung
der
BerlinerFachtagung)
regelmäßig
an Aus-undWeiterbildungen
vor allemauchim psychosozialen
Bereichteilzunehmen.
Parallelzum gewachsenen
Engagement
von ArzUnnenfür zunächst
einzelnepolitische
Entscheidungsfragen
wird zunehmend
die Erkenntnis
zumAllgemeingut,
dass
die Gesundheitslage
der Bevölkerung
nichtdurchdie kurativeMedizinbestimmtwird,sondernvor
allemdurchdie Bedingungen
für ArbeitundUmwelt.ArzUnnen
sinddaherzunehmend
bereitund
gesellschaftspolitische
engagiert,
Entscheidungen
überdie unmittelbare
Akutbehandlung
hinaus
mit vozubereiten,einzufordern
bzw. umzuseuen als nur ein Beispielmöchteich hier das
Engagement
in derAnti-AKW-Bewegung
nennen.
Kulturwende:wir sind gezwungen,die Rolleder Helferlnnen neu zu definieren
HinzukommteineweitereEntwicklung
für die Arzteschaft:
der Verlustdes Definitionsmonopols
von Krankheit die Arztin/ der Arzt müssenzum einen ihre Rolle unter verschiedenen
akzeptietenHelferlnnenneu definieren.Zum anderenwird zunehmend
die Einbeziehung
der
Betroffenen
als Experünnen
ihrer selbsteingefordert H.U. Deppesprichtdeshalbvon einer
Kultuwendein der Arzt-PatientBeziehund.ErsteEntwicklungen
zeigensich hier bereitsbei der
zunehmenden
Zusammenarbeit
in vernetztenPraxenbzw. Gesundheitszentren
als kooperative
Formenambulanter
Gesundheitsversorgung.r0
Einespezifische
Formhat sichbei unsin Hallemit
dem Wittekinde.V. entwickelt.DieserVereinwill in den Räumendes traditionellen
Solbades
Wittekind(die zunächstübeMiegenddurchbürgerschaftliches
Engagement,
d.h. ehrenamtliche
'DeppeH,U.Neoliberalismus
in der Arzt-Patient-Beziehung.
vasVerlag,Frankfurta.M.,1998,S. 131
loziele,Möglichkeiten
und Erfahrungen
solcherneuererVereinigungen
beschreibt
u,a. R.JenicheGesundheibzentren
als kooperative
FormambulanterGesundheitsversorgung.
in: Salutive.Beiträgezur Gesundheitsförderung
und zum
Gesundheitstag
2000.mabuseVerlagBerlin,2000
56
Therapie
TechnikMarktMoral
Arbeitvor allemvon Frauenrenovietwordenbzw.nochweiterzu renovieren
sind),ein Zentrum
für ganzheitliche
lvledizinund Naturheilverfahren
eröffnen.Hier arbeitennicht nur Arzunnen,
Heilpraktikerlnnen
und Angehörigeanderer Heilberufezusammenmit Ehrenamtlerlnnen
gemeinsam
untereinemDach,sondernim Sinneeineslebenswelflich
angelegten
Verständnis
von
Gesundheitsförderung
wird in dieserEinrichtung
auchwiederan solchekulturellen
Traditionen
wiedasBrunnenfest
undsommerliche
Konzede
angeknüpft.
Ahnlicheswäre auchvom Irisregenbogenzentrum
in Hallezu berichten- es feied in diesem
Monatsein10-jähriges
Bestehen
als Beratungs-,
Bildungsund Begegnungsstätte
für Frauenund
Familie.Das Hauswurdegleichnachder Wende,ebenfallsin Eigeninitiative
und Eigenarbeit
renoviert,ausgebaut
undeingerichtetzu Beginnals erstesGeburtshaus
in Sachsen-Anhalt.
Die
dod angebotenen
neuenl4öglichkeiten
(zunächst
für Entbindungen
abgewedetundangefeindet)
haben inzwischeneine so große Ausstrahlungskraft
ausgeübt,dass zwei der,,normalen,,
Krankenhäuser
Hallesnunebenfalls
die Möglichkeiten
von Geburtenim Wasserundanderenvon
Frauenbevorzugten
Formenin ,,nichtweißen"und nur technischgut ausgestatteten
Räumen
anbieten.
BeideVereine,deshalbhabeichsie hieretwasausführlicher
vorgestellt,
sindals Initiativen,,von
unten"entstanden,
die zunächstehrenamtlich
gearbeitethaben,sich,,ihr.,Hausbeimlvlagistrat
erkämpft,renoviertund eingerichtet
haben,dann ProjeKegeschrieben,
sichselbstqualifiziert
und Fachfrauen
dazu geholt habenund so auch die oft noch vorhandeneHemmschwelle
personafüberwunden
zwischen
Akademikerlnnen
und,,mittlerem
medizinischem
haben.Undes
ist hinzuzufügen:
Ich habenichtdeshalbnur zweiBeispiele
angefühft,weil es nichtmehrgibt,
sondernum Sieneugierig
zu machen,auchalsAKFeinmalzu unsin die neuenBundesländer
zu
kommenundsichdie Dingevor Od anzuschauen.
Der Widerspruchzwischenbetriebswirtschaftlichsinnvollen Entscheidungenund
volkswirtschaftlicherEffizienzist gegenwärtig nicht zu lösen
Dieseebenbeschriebene
Entwicklung
der Zusammenarbeit
und ihre hoheAkzeptanz
unterder
Bevölkerung
deutetauch bereitsan, dass langfristiggesehendie ärÄlicheEinzelpraxis
ohne
organisatorische
und struKurelleEinbindungin ein, alle.Bereichedes Gesundheitswesens
umfassendesVersorgungsneü,keine Perspektivehat. Diese Aussagebezieht sich auf
verschiedene
Bereiche:die Arbeitsplaüsicherheit
der l.4edizinerln
und ihrer Angestellten,
die
permanente
Gewährleistung
deswlssenschaftlichen
Standards
bei der Behandlung
undvor allem
desAKFe
B.Arbeitstagung
sinnvolle und bedarfsgerechte
Planung und Finanzierungder
eine volkswiftschaftlich
zwischenfür
Vorausseuungen.
Im gegenwärtigen
Systemist der Widerspruch
entsprechenden
die Einzelpraxen
betriebswirtschaftlich
sinnvollenEntscheidungen
und volkswiftschaftlicher
Effizienznicht zu lösen. Es handelt sich ja gerade um einen systemimmanenten
Widerspruch,
der sich u.a. durchdas SeuenfalscherLeistungsanreize
betriebswitschaftlichen
Leistungsangebote
wurdeder bezeichnende
Begriff
auszeichnet.
Für die darausresultierenden
je
geprägt.
gilt:
Verordnung"
D.h. momentan
anreizkonformer
sichdie
,,betriebswirtschaftliche
verhalten,destounwitschaftlicher
fordert
EinzelaKeurlnnen
arbeitetdas System.Entsprechend
formulierten
auchder Sachverständigenrat
für die konzertiedeAKion in seinenabschließend
eine grundlegendeAnderungvon StruKuren und
,,dringlchstenHandlungsempfehlungen"
Anreizen.ll
Dazusollteu.a.weiterüberdenGedanken
despoliklinischen
Systemsnachgedacht
werden(dass
gab und dieseim Rahmenihrer Einbindung
Polikliniken
in ein
es in der DDRflächendeckend
bestimmtes
Systemhäufignichteffizient9enu9und zur Zufriedenheit
allergearbeitethaben,ist
mir alsArgumentzurAblehnung
dieserFormzu flach).Entsprechende
Überlegungen
solltenauch
vonArzünnennichtvonvornherein
denGedanken
derAnstellung
ausschließen.
Geradebeiunsin
wurdenArzunnensehr schnellüber die anqeblichen
Vorteileder
den neuenBundesländern
eigenenPraxisdesillusioniet.
hin zu angestellten
Aztlnnenvor allemim ambulanten
Bereichl2,
z.B.in
Strukturveränderungen
vernetztenPraxen,müsstendannstaatlichanschubfinanziert
bzw. steuerlichgefördertwerden.
käme bei diesenangedachten
Veränderungen
das
Für die neuenBundesländer
strukturellen
Problemder hohenVerschuldung
der ,,gerade
erst"eingerichteten
Praxenhinzu- dafürkönnte
durchaus eine staatliche Lösung gefunden werden. So schlug beispielsweisedie
gesundheitspolitische
Sprecherin
der PDSin Thüringendie Ubernahme
durchden
der Schulden
Staatvor.
für die KonzertierteAktion im Gesundheitswesen.
"Gutachten 2000/2001 des Sachverständigenrates
Band IiI Uber-, Unter- und Fehlversorgung.
Bedarfsgerechtigkeit
lnd Wirtschaftlichkeit.
DeutscherBundestag
vom 31.08.2001,
Drucksache
1416871
S. 607
l'zDabeistellt das gegenwädigin den Krankenhäusern
praktizietehierarchische
und ausbelterischeSystemder
Anstellungkeineswegsdafür das Modelldar. Auch dort sind enLsprechende
Vednderungennotwendig.Vom
üblichen,,Chefaztsystem"
abweichende
l4odelle(2.8,Teamarztoder Kollegialsystem)
existierenbereitsvereinzelt
scheitern
vielfachaberan der nochvorhandenen
altenGesamtstrLrktur
desmedizinischen
Versorgungsslstems.
58
Therapie
Technikl.4arkt
[4oral
Zum Mythos der Kostenexplosion
In seriösermedizin-ökonomischer
Literaturwird heutebereitsnichtmehrvon ,,Kostenexplosion"
als Ursache der Finanzprobleme
im Gesundheitswesen
gesprochen.Eine ausführliche
AuseinanderseEung
mit diesenund ähnlichenlvlythen,auf die hier lediglichverwiesenwerden
soll, findet sich in: Braun8., Kühn H., ReinersH.: Das l4ärchenvon der Kostenexplosion.
PopuläreIntümer der cesundheitspolitik.
Frankfud a.N4.. 1998. Grundsäülichist das
Gesundheitswesen
ein Wachstumsbereich.
Diesist wederdas Ergebnis
von ,,Fehlentwicklungen,.
oder ,,Fehlsteuerungen",
wie häufig versucht wird zu suggerieren,noch sind die
Gesundheitsausgaben
in Deutschland
im Vergleichzu anderenLändernüberdurchschnit
ich
hoch. ,,EigentlicherKern" dieses Mßhos vom ,,exploslonsartigem
Kostenwachstum"
im
prozessen
Gesundheitswesen
sindandereProzesse.
Im wesentlichen
handeltes sichbei diesen
erstens,um die Leistungsausweitung
a) durchdenwissenschaftlich-technischen
Fo(schrittin der
l4edizinund b) durch demographische
Entwicklungen.
Zweitensspielen die genannten
Efflzienzdefizite
im cesamtgefüge
descesundheitssektors
einewesentliche
Rolle.Zumdrittenist
hierdie Preispolitik
desmedizinisch-industriellen
(gegenwärtig
Komplexes
am heftigsten
diskutiert
punK
am Beispiel
der Pharmaindustrie)
zu nennen.Alleindieser
wärejedocheineganzeTagung,
zumindestein eigenständiges
Referatwed. Dies betrifft sowohlFragender preispolitikfür
bestimmte
Pharmaka
undWerbungfür diesebzw.den Einfluss
von Werbunggenerell(diesauch
alseinThemenvorschlag
für eineder nächsten
AKF Tagungen).
gehört
ZurThematikpreispolitik
aucheineAuseinanderseuung
mit dem Verordnungsverhalten
gegenüber
von pharmaka
Frauen
allgemeinund insbesondere
älterenFrauen.Wiederholthat dazu ErikaZoikepublizieftbzw.
gesprochen.
Gesundheitspolitik
wird zunehmendzur Sozialpolitik
Mir geht es hier um einen anderen,künftig notwendigenTrend in der Entwicklung
von
Finanzierungen
für gesundheitsförderliche
bzw. wirklichganzheitlich
anseüendeLeistungen.
jeden
Einesder zentralenZieleeines
Gesundheitssystems
ist der Ausgleich
von sich aus der
und,,sozialen
Lotterie'ergebenden
,,natürlichen"
Ungleichheiten.
Einim Auftragder RobertBosch
Stiftungerarbeitetes
Expertenpapier
kommtdeshalb(m.E.berechtigt)
zu folgenderEinschäUung:
Aufgaben in die allgemeinewohlfahrtsstaafliche
,,Die Einbettunggesundheitspolitischer
Entwicklung
wird zunehmen.
Gesundheitspolitik
wird an Eigenständigkeit
verlierenund zugleich
politisch-institutionelle
als Bestandteil
der Sozialpolitik
an Bedeutunggewinnen.
Konzeptezur
sozialenStabilisierungund zur Bilanzierungsozialer Ungleichheitwerden verstärK auf
8. ArbeißtagungdesAKF@
gesundheitliche
ignorierte
Kriterien... aufbauen(wollen)."" Dieserlangegesundheitspolitisch
zunehmend
zwischen
Lebenslagen
im
Alltag
und
Gesundheit
findet
zum
einen
Zusammenhang
ForschungsansäEe,
methodischen
bzw. methodologischen
Eingangin die entsprechenden
für Personenin besonderen
Überlegungen
sowie auch in geseElicheFörderinstrumente
der Krankenkassen
Lebenslagen.
Um nur ein Beispielzu nennen:bisherwarendie Programme
Literaturmit ,,Weiße
zur Gesundheitsförderung
vorrangigauf die, in der angelsächsischen
jeEt
gesetlich
sind die Krankenkassen
Mittelklasse"bezeichneteGruppe ausgerichtet;
die ,,insbesondere
einen Beitragzur
verpflichtetAngebotezu entwickelnund zu realisieren,
14.
sozialbedingterUngleichheit
vonGesundheitschancen
erbringen"
Verminderung
Trendauchin neuerenAnsäuenzur Lösung
Zumanderenwiderspiegelt
sichdieserganzheitliche
in
verweisen
in
einem
Sammelband
zumThema,,Das
Gesundheitswesen
der Finanzprobleme.
So
zum21.Jahrhundert"
mehrereAutorlnnendarauf,dass
Deutschland
und Europaan der Schwelle
keine
verschiedene
heuEutagevom Umfangher immer weiter zunehmende
Störungsbilder
im klassischen
Sinnedarstellen,
sondernReaktionen
auf bestehende
sozialeund
Erkrankungen
sindls.Diesist nun, zumindestfür AKF Mitglieder,
so neu nicht.Neu ist
familialeMissstände
jedochdie darausabgeleitete
zu schaffen,
Forderung
sowohlverstärKBehandlungsinstitutionen
die nicht nur ,,rein medizinisch"
ausgerichtetsind, als auch die anteilmäßigestaatliche
zu gewährleisten.
Finanzierung
dieserEinrichtungen
aus anderenSeKoren(2.8. Jugendhilfe)
nichtlediglichzu verhindern,
dass
lvlitteFund langfristigist durchentsprechende
GeseEgebung
aus ihrerfinanziellen
Verantwoftung
zurückziehen,
sondern
sichBund,Länderund Gemeinden
gesundheitliche
(im Sinnevon Sozialleistungen)
zu höheren
Leistungen
diesesindzu befähigen,
miuufinanzieren.
Anteilenalsgegenwädig
ausSteuermitteln
bereitsexistierendes
Beispiel
ist der Verein,,Bürgerladen
e.V.".
Eindazuin meinemWohngebiet
Dieser 1991 aus einer unabhängigen,
überpateilichenBürgerinitiative
entstandeneVerein
für ältereBürgerlnnen
Auf
arbeitetheutealsBeratungsundBegegnungsstätte
desWohngebiets.
von lvlenschen
im höherenLebensalter
wurdendie
Grundder tvDischen
Geschlechterverhältnisse
gezieltauf FrauendieserAltersgruppe
Zu den
Angebotevon vornherein
ausgerichtet.
einzelnen
wurde durch diesen Verein 1999 ein
auch andereno(süblichenTagesbetreuungsformen
lrcörresSt. HoffmannW, Terschüren
c. (Hrsg.)Entwicklung
des cesundheitssystems
bis zum lahr 2020.- Trends
und Einflusslaktoren- Expertenpapierim Auftrag der RobertBoschStiftung, Bremen,2000, S. 4-41 - Hervorhebung
von mir - V.SL
laNeufassung
des I 20 SGBV
15J.Wilkesam Beispielder auftretendenStörungenin der Kinder-LrndlLrgendpsychiatrie;
B. und L l\4äulenam
Das
u.a.m. - s. Heiß G. (Hrsg.) Wie krank ist unser G€sundheitslvesen?
Beispielder Suchtbehandlung
zum 21. lahrhundert.I\4erz
Verlag:I4ainz,2000
Gesundheitswesen
in Deutschland
und Europaan der Schwelle
60
TherapieTechnikMarkt[4oral
lvlodellkonzept
Tagesbetreuung"
entwickelt,dass zunächstauf starke
,,Gerontopsychiatrische
Widerstände
bei der Finanzierung
aus öffentlichenf4ittelnstieß. Das Land Sachsen-Anhalt
interpretierte
bestehende
Geseüebuchstabengetreu
so, dassim,,Sinneder Grundanerkenntnis
zurWiedereingliederung
des5 39/40desBSHGnur nochFrauenAufnahme
finden(sollten)...,
die
zwischen18-58Jahrealt waren".16
DieseAltersbegrenzung
hättejedochsowohldas gesamte
Projeldkonterkariert
als auch im Zentrumjahrlanggesundheitlich
und sozialbetreuteFrauen
plöElichvon der Nuuungausgeschlossen.
(siehaben
Eswar die Hatnäckigkeit
derVereinsfrauen
j
überzweiJahrelangauf e d e r Veranstaltung
in Sachsen-Anhalt
zu Fragender Gesundheitsund Sozialpolitikteilgenommenund diese f4issständeangeprangert),dass vorerst eine
Ausnahmegenehmigung
für dieseBetreuungsstätte
gehtder
erreichtwerdenkonnte.lvlomentan
Kampfder Frauenum eine allgemeingültige
Regelungzur Finanzierung
solchervernetzten
gesundheitlichen
undsozialen
Angebote
generelle
weiter.Diedazunotwendige
Veränderung
der
Finanz-und Steuerpolitik
der BRDsetd einezunehmende
Sensibilisierung
der Öffentlichkeit
und
vor allem der Politikerlnnen
dazu voraus,dass Gesundheit
nicht lediglich,,Nuunießea'
und
Ergebnisvon Gesellschafupolitik
ist. Im Gegenteil:
ist ein wichtigerInput-FaKor,
,,cesundheit
eine Ressource
für Individuen,Gemeinschaften
und die Gesellschaft
insgesamt".l7
Weiterhin
-,
musssich die Erkenntnis
durchseEen und dafür werdenwir kämpfenmüssen dass es
gesellschaftliche
(staatliche)Aufgabenstellungen
gibt, deren Umseuungsstrukturen
,/brf
gewinnbringend
bzw.in der Regelnochnichteinmalkostendeckend
arbeitenkönnen.
Der Mythosvon der Selbstbeteiligungund Erfahrungenaus den neuen
Bundesländern
Ein weitererhadnäckigbeschworener
Mythosist der, dass(vor allemfinanziellverstandene)
Selbstbeteiligung
ein höheresGesundheitsbewusstsein
und in der Folge ein effizienteres,
eigenverantwortliches
Gesundheitshandeln
erzeuge.DieseArgumentationsschiene
hat sichm.E.
durch die entsprechenden
Zahlen und FaKen aus vielen europäischenLändernselbst
desavouiert,
so dassichIhnenundmir hierdazuweitereArgumentationen
möchte.
ersparen
Es soll jedoch hervorgehobenwerden, dass der Begriff Selbstbeteiligung
im engen
Zusammenhang
mit der Forderungnachder Demokratisierung
der Strukturendes deutschen
'"s. RotheH. Die Sichtweise
von Betroffenen
am Tagungszentrum
für seelischeGesundheit
ältererMenschen.in:
Schuberl-Lehnhardt
V. Lebensbedingungen,
Lebensgestaltung
und Lebenssinn
von älterenFrauenin Deutschland
Jnd Furopa.trafoVerlagBerlin,2000,S.88
U. Zurgesellschaftlichen
Funktionvon PublicHealthin: Salutivea.a.O.,S. 23
"E. Klckbusch
o1
8. ArbeitstagungdesAKF@
Gesundheitswesen
zu sehenist. Dabeierschöpft
sichdie demokratische
Teilhabeder Bevölkerung
keineswegs in
Forderungen nach Umgestaltungder Einnahmeprinzipien
für das
Gesundheitswesen
bzw. der Krankenkassen,
nach verändeftenFinanzierungsbedingungen
für
prophylaktische
Leistungendurch die Kassenoder nach Umverteilungvon Titeln im
Staatshaushalt
zugunstendes Gesundheibwesens.
Vielmehrbedeutetdemokratische
Teilhabe
der Bürgerlnnen
vor allen Dingenauchdie Initiierungvon lokalenGesundheitsinitiativen,
die
Schaffungvon sozialenNetwerken, die EntwicklungkommunalerSettings u.a.m. zur
Konzipierung
und Umseuungvon gesundheitsförderlichen
Strukturenund Verhältnissen
in allen
Lebensbereichen.
Über einige Entwicklungen
aus der Stadt Halle möchte ich lhnen dazu
kurzberichten.
abschließend
EinigeZuhörerlnnen
erinnernsichvielleichtan die Bemerkung
von UlrikeHauffeauf der Berliner
Fachtagung
zum Initiativkreis
und Gesundheil'in Halle.Siesagtesinngemäß,
dassdie
,,Frauen
Arbeit dieses Kreises zwar entsprechendes
Bewussßeinfür die Notwendigkeiteiner
geschlechtsspezifischen
Gesundheitsversorgung
schafft,abergegenwärtig
nochkeineStrukturen
dafür ändert. Ich teile diese EinschäUung
und möchte zunächstihren, für die neuen
Bundesländer
typischenHintergrundetwas beleuchten,da er m.E. auch die zögerliche
Entwicklung
bzw.Akzeptanz
desAKFbei uns verständlicher
macht.Die l4edizinsoziologin
Anne
LüEenkirchenhat Mitte 1998 in Sachsen-Anhalt
eine Studie zu Konzeptionen
für ein
gesamtdeutsches
frauenspezifisches,
Gesundheitswesen
aus der Sichtostdeutscher
Aztlnnen
durchgefühd.Die Frauengesundheitsforschung
aus ärztlicherSicht gerade in den neuen
Bundesländern
voranzutreiben
erschienihr sinnvoll,da in der DDRdie ärztlicheProfession
mit
einem Anteil von bis zu 70olovon Frauendominiertwar.18Das von ihr nicht erwartete
Hauptergebnis
der Befragung
undqualltativen
Interviews
war,dassostdeutschen
Medizinerlnnen
Fragestellungen
nach einer frauenspezifischen
Gesundheitsversorgung
keine nennenswerte
Bedeutungbeimessenund sie als irrelevanteinstuften.A. Lütenkirchenschreibt,dass
geschlechtsspezifische
Fragenstellungen
in den neuen Bundesländern
,,kaumthematisierbar
geschweige
seien,
denn diskutierbar,da keinerleiBewus$ein von deren Bedeutungund
Wichtigkeit"
bestehe.re
Da ich ihre EinschäLung
der Ursachen
dieserSituationteile,möchteich
dazuausführlich
zitieren:,,In der DDRherrschtedie Ideologieder ceschlechteregalität.
Danach
bestehenkeineUnterschiede
zwischenN4ännern
und Frauenbis auf die biolooischen.
die durch
1\gl. Lüüenkirchen
A. ,,Geldmedizin
macht krankl" Gesundheibentwicklung
aus der Sichtostdeutscher
Ardinnen
und Azte, Unter besondererBerücksichtigunggeschlechtsspezmscher
Versorgungsansäte.Rainer Hampp Verlag
I\4ünchen
und l4ering,2001,S. 15
l'gebd.,
S, 319
62
TherapieTechnikl\4arktMoral
jedochauszugleichen
geeignete
sozialpolitische
Regelungen
sind.DieseDoKrinwar in der DDR
propagiert
undvon der Bevölkerung
internalisied
worden.Wennlvlänner
und Frauengleichsind,
bedüfen Frauenentsprechend
auch nichteiner,,medizinischen
Sonderbehandlung",
d.h. einer
frauenspezifischen
Betrachtungsweise
durch die Arztlnnen.Vielmehrsind nach DDR- und
gleichzu
ostdeußchen
Vorstellungen
aus Gerechf,4keitsgründen
beideGeschlechter
ausdrücklich
behandelnauchdurchdieGesundheitsversorgung."20
D.h. in der ostdeubchen
Sichtweise
vollziehtsichDiskriminierung
von Frauengeradedurchdie
von der altbundesdeutschen
Frauenbewegunggeforderten spezifischenBehandlung.
Überwiegend
wird dahereinesolche,,sonderbehandlung"
mit allenKonsequenzen
abgelehnt.
A.
LüUenkirchen
formuliedpointieft,dasssich,,nachostdeutscher
geradein der NichtAuffassung
Thematisierung
frauenspezifischer
Belangedie cleichberechtigung"
zeige.In ihren Interviews
konnte sie lediglichdas allgemeinerformulierteThema ,,Frauenförderung'
als sozial-und
arbeitspolitisches
Problembesprechen
und schätztzu den diesbezüglichen
Aussagen
ein, dass
Frauengesundheitsförderung
in den neuen Bundesländern
allenfallsmit Arbeitsförderung
gleichgesetzt
wird.'z1
Zu diesenSichtweisen
kommtdie o.g. prekärefinanzielle
Situationin den ostdeutschen
Praxen
hinzu(und damit schließtsich der Kreisdes von mir bearbeiteten
Themas,,Frauenspezifische
Gesundheitsversorgung
im Spannungsfeld
von Ethikund Monetik"),dassAzunnen momentan
vor allemmit der Existenzsicherung
ihrer Praxenbefasstsind und daherwenigoffen für die
Aufnahme
undDiskussion
für sieneuerAnsäUesind.
Unabhängig
von dieser,sichinsgesamt
derzeiteherschwieriger
als in den altenBundesländern,
darstellenden
Situationgibt es eine Reihedurchausnennenswerter
Entwicklungen.
Nebender
Gründungvon Frauengesundheitszentren
in verschiedenen
Städten(Dresden,Erfurt,Potsdam)
gibt es in allenfünf neuenBundesländern
EinzelGmpferinnen
und Initiativen,die sichfür die
Problematikengagieren.Die Sachsen-Anhaltinerinnen
haben dabei insofern günstige
Bedingungen,
da in unseremBundesland
federführend
durchdas f4inisterium
für Arbeit,Frauen,
gendermainstreamlng
Gesundheit
und Soziales
als durchgängiges
Politikinstrument,
angefangen
bei der Landewerwaltung
bis hinunterin alle Strukturen,umgesetztwird bzw. werdensoll.
Insofernhat dasseit 1997bestehende
Neüwerk,,Frauen
und Gesundheit"
stetsrelativgünstige
'zoebd.,
Hervorhebung
von mir - S-L
"LützenkirchenA.,,Geldmedizinmacht kank!" Die Auswirkungenvon strukturellerGewalt in den neuen
- unter besondererBerückichtigungder frauenspezifischen
Bundesländern
Gesundheitsförderung.
Beitragzur
MagdebLrrger
Sommerschule
7001,Internetversion
B. Arbeitstagungdes AKF@
gehabtund konnteu.a. mit einer 1999stattgefundenen
Arbeitsmöglichkeiten
Fachtagung
zum
Thema,,FrauenGesundheitPolitik"einen wichtigenBeitragzur Sensibilisierung
zu dieser
Thematikleisten- allerdings,
auf Grundo.g. Ursachen,
eherauf der Ebeneder Betroffenen
bzw.
Frauenin Vereinenund kommunalen
Initiativen,wenigerbei Arzünnen.Diesebestehende
Kluft
zu den professionellen
Medizinerlnnen
wird bei einer Analyseder Teilnehmerlnnen
auf
entsprechenden
Veranstältungen
nachwie vor in der Regelsehr deutlich.In der Stadt Halle
veßuchenwir sieu.a.mit dem Ende2000gegründeten
Initiativkreis
undGesundheit"
zu
,,Frauen
schließen.
gehörtebewusstu.a.deshalbeineArztin,dennes
ZudenvierGründungsfrauen
diesesGremiums
betrachtetsichals ,,BrückezwischenFachgremien,
Behördenund interessierten
Bürgerlnnen".
Erklärtes
ziel des Gremiums
ist es, ,das Engagement
und die Zusammenarbeit
von Fachleuten,
Einwohnerlnnen,
Verbänden
undVereinen
sowiekommunalen
Behörden
beider Gestaltung
eines
gesundheitsfördernden
städtischen
Raumeszu unterstüEen".
Als unserewichtigsteAktiondazu
in diesem-lahrhabenwir zunächst
versuchteineBestandsaufnahme
von ihnen
der Akteurlnnen,
schonbesetzterTätigkeitsfelder
und als notwendigangesehenen
künftigenEntwicklungen
zu
erarbeiten.Um die entsprechende
lanqanhaltende
Aufmerksamkeit
zu erhaltenhabenwir dazu
gewählt.
die FormeinesKalenders
JedesKalenderblatt
wurdevon einemVereinodereinerInitiativegestaltet,der oderdie sichmit
frauenspez!fischen
Angebotenbefassen.
Nebender Vorstellung
dieserAngeboteenthältdasjeweiligeKalenderblatt
einesog.,,Meckerecke",
alsoHinweise
auf notwendige
Veränderungen
bzw.
Wünsche,
die Frauenan ihre künftigeangemessene
Versorgung
haben.Unsere
und Betreuung
gehört,
Gleichstellungsbeauftragte,
die ebenfalls
zu denGründungsmitgliedern
desInitiativkreises
hat die Druckkosten
übernommen,
so dassder Kalendernichtnur in hoherAuflagegedrucK,
sondernauchunentgeltlich
verteiltwerdenkonnte.ErsterAusgabetag
war die Eröffnungsveranstaltungder diesjährigen
Frauengesundheitstage
der StadtHalle,eineebenfalls
vomInitiativkreis
wesentlich
mit organisierte
14-tä9i9eVeranstaltungsreihe.
Mit dieserErwähnung
der Frauenge(die inzwischen
sundheitstage
auchin vielenanderenStädtenSachsen-Anhalts
sbtmnden),bei
denenwir Frauenuns wohl fühlen,möchteich meinemVortrageinenoptimistischen
Schluss
gebenundbedankemichfür ihreAufmerksamkeit.
64
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
8
Dateigröße
4 132 KB
Tags
1/--Seiten
melden