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Manuskript als pdf - Unzähmbares Eisenwasser? - RBB

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Rundfunk Berlin Brandenburg
Mo 20.10.2014 I 22:15 I OZON unterwegs
Unzähmbares Eisenwasser?
Die Seen haben sich schneller gefüllt als gedacht. Eine Nebenwirkung sind gewaltige
Eisenvorkommen, die nicht nur den Spreewald bedrohen. Die „braune Spree“ ist zum
Notfall geworden. Sofortmaßnahmen sollen helfen, die Gefahr zu bannen. Alte
Grubenwasserreinigungsanlagen werden aktiviert, damit sich das Eisen am Grund
absetzt. Doch wohin mit den Unmengen Eisenschlamm? Am gefährlichsten aber ist das
unsichtbare „Klarwassereisen“, schon im Boden soll es bekämpft werden.
Manuskript des Beitrags:
Die rostrote Fracht kommt vor allem aus dem Süden. Fließt Richtung Talsperre
Spremberg. Kurz vor der sächsischen Grenze treffen wir einen Experten, der oft im
Auftrag des Bergbausanierers LMBV und des Tagebaubetreibers Vattenfall den Ursachen
des Problems auf der Spur ist. Dr. Wilfried Uhlmann prüft den Eisengehalt im
Spreewasser. Er ist am ganzen Flusslauf unterwegs.
O-Ton Dr. Wilfried Uhlmann:
Institut für Wasser und Boden
„Der Schlamm bedeckt die Fließgewässerbetten und die Talsperre, die Sohle, und alle
Organismen, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind, die leiden natürlich darunter.“
Haupt-Quelle ist die Spreewitzer Rinne. Eine geologische Besonderheit. Hier ist
besonders viel Eisen im Boden. Durch den Bergbau aufgewühlt und vom ansteigenden
Grundwasser in die Spree gespült. Die Spremberger Talsperre hält den Eisenschlamm
normalerweise auf. Im stehenden Wasser sinkt er zu Boden. Doch derzeit wird hier
repariert, das Wasser fließt in diesen Tagen schnell hindurch. Deshalb eine teure
Notmaßnahme. An einer alten Brücke werden enorme Menge Kalk und Flockungsmittel in
den Fluss gepumpt. Damit die 6000 Kilo Eisen, die hier täglich vorbeifließen, trotz
Strömung auf den Grund des Flusses hinuntersinken.
O-Ton Dr. Wilfried Uhlmann:
Institut für Wasser und Boden
„Aber ganz entscheidend an der Menge Eisen ist, wie viel Schlamm sich bildet. Aus den
6000 oder 8000 Kilogramm kommen wir auf viele Hundert Kubikmeter Schlamm pro Tag,
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die sich im Fluss ablagern oder in der Vorsperre, so dass dann ganz hohe Aufwendungen
getätigt werden müssen, um die zu beräumen.“
Dass es dieses Sammelbecken, die Vorsperre, überhaupt gibt – ist ein glücklicher Zufall.
Sie wurde in den 1960er Jahren gebaut, um Sand und Treibgut von der Talsperre
fernzuhalten. Jetzt setzt sich hier Eisen ab.
Auch dieser Kanal leitet Eisenwasser in große Becken, die es schon gab. Eine
Grubenwasserreinigungsanlage aus DDR- Zeiten. Heute reinigt sie ein kleines Fließ. Die
einzigen sauberen Spreezuflüsse in dieser Gegend kommen derzeit aus solchen Anlagen.
Wenn das im Kleinen klappt, warum nicht einfach ein paar Nummern größer, um die Spree
zu retten?
O-Ton Dr. Wilfried Uhlmann:
Institut für Wasser und Boden
„Man
könnte
Flusskläranlagen
natürlich
in
ähnlicher
Weise
bauen
wie
Grubenwasserreinigungsanlagen. Als mit Einlauf, mit Absetzbecken, mit Bekalkung. Aber
entsprechend in viel größeren Dimensionen.“
Doch die Dimensionen – sie sind kaum vorstellbar. Das ist Eisenschlamm aus einer
Reinigungsanlage – abgelagert in einem alten Tagebau. Das Zigfache müsste heute auf
Halde. Was hier in den Fluss strömt, ist besonders heimtückisch. Eisen aus diffusen
Quellen im Untergrund. Es ist noch nicht mit Sauerstoff in Berührung gekommen, noch im
Wasser gebunden. Klarwassereisen, unsichtbar und obendrein giftig für viele Organismen
im Wasser. Schon geringe Konzentrationen ab 0,5 Milligramm schädigen Fischkiemen,
töten Laich und kleine Insekten.
O-Ton Dr. Wilfried Uhlmann:
Institut für Wasser und Boden
„Wir sehen hier an diesem Beispiel, dass wir bei weit über 50 Milligramm Eisen liegen und
dass, obwohl das Wasser nach Augenschein noch recht klar aussieht.“
Man müsste das Eisen bereits im Boden unschädlich machen. Eine Idee: Bakterien ins
Grundwasser pumpen, die Schwefel festsetzen. Dann würde auch das Eisen im Boden
bleiben. Viele solcher Anlagen wären nötig. Man könnte das Klarwassereisen auch in
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solchen Altarmen auffangen. Oder Kanäle und Rinnen entlang der Spree bauen. Und es
über kilometerlange Pipelines zurück in geflutete Tagebaue pumpen. Mit Hilfe von Kalk
würde das Klarwassereisen dort verrosten und auf den Grund sinken.
Um welche Zeiträume geht es im Kampf gegen die Eisenflut?
O-Ton Dr. Wilfried Uhlmann:
Institut für Wasser und Boden
„Wir gehen davon aus, dass, wenn der Grundwasserwiederanstieg abgeschlossen ist,
dass das auch gleichzeitig der Höhepunkt ist. Aber wir müssen damit rechnen, dass das
Problem Jahrzehnte anhält.“
Es wird also noch viel braunes Wasser die Spree herunterfließen.
Ein Bericht von Wolfgang Albus.
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