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Fernwasserversorgung in Baden-Württemberg - LW Zweckverband

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Das Kundenmagazin der Landeswasserversorgung 22_14
Fernwasserversorgung in Baden-Württemberg
Landeswasserversorgung und Bodensee-Wasserversorgung
bilden das Rückgrat der Wasserversorgung im Land
1
Inhalt
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg ist ohne die Fernwasserversorgung undenkbar. Die örtlichen Wasservorkommen reichen nicht aus,
um die Menschen, die Industrie, das Gewerbe und die Landwirtschaft ausreichend mit Trinkwasser zu versorgen. Rund ein Drittel der benötigten Wassermenge im Land liefern die „Landeswasserversorgung“ (LW), die „BodenseeWasserversorgung“ (BWV) und die Wasserversorgungen„Nordostwürttemberg“ (NOW) und „Kleine Kinzig“ (WKK). Das 60jährige Jubiläum der
Bodensee-Wasserversorgung am 25. Oktober 2014 nehmen wir zum Anlass,
uns im vorliegenden Heft schwerpunktmäßig und etwas umfassender mit
der Trinkwasserversorgung aus dem Bodensee zu befassen. Im Vergleich zur
Landeswasserversorgung ist die Bodensee-Wasserversorgung das größere,
aber auch das jüngere Schwesterunternehmen; gebaut, betrieben und organisiert nach dem Vorbild der Landeswasserversorgung.
Beiträge zu den aktuellen Themen der Nitratbelastung der Grundwasservorkommen und einer möglichen Gefährdung der Gewässer durch die Gewin-
Notizen
Aus der Region
Nitratbelastung im
Donauried weiterhin
auf hohem Niveau
Das „Schwäbische
Meer“ - ein ganz besonderes Gewässer
Seit vielen Jahrzehnten verzeichnet
die Landeswasserversorgung steigende oder anhaltend hohe Nitratwerte in ihren Grundwassergewinnungsanlagen im Donauried.
Hauptursache ist die intensive Landwirtschaft, die große Mengen Gülle
und mineralischen Düngers auf die
Felder in den Wassereinzugsgebieten bringt.
Der Bodensee ist eine der beliebtesten Urlaubsregionen Deutschlands.
Er ist aber auch ein perfekter Trinkwasserspeicher. Die ausgezeichnete
Wasserqualität der Zuflüsse aus den
Alpen, die starke Durchströmung
und die schützende Wasserschichtung machen ihn dazu.
4
Im Fokus
Fernwasserversorgung in
Baden-Württemberg
Landeswasserversorgung und Bodensee-Wasserversorgung bilden das
Rückgrat der Trinkwasserversorgung
im Land. Baden-Württemberg ist
wasserreich, der Wasservorrat ist jedoch nicht gleichmäßig verteilt. Um
die wasserarmen Regionen mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen,
gibt es vier Fernwasserversorgungsunternehmen.
6
2
8
Technik
Die Anlagen der Bodensee-Wasserversorgung
Der Weg des Trinkwassers aus dem
Bodensee in den mittleren Neckarraum führt von der Entnahme über
das Pumpwerk in die Aufbereitungsanlagen auf dem Sipplinger Berg
und von dort durch große Leitungen
zu den Kunden.
10
Impressum
LW-Wasserspiegel – Das Kundenmagazin der Landeswasserversorgung
Herausgeber: Zweckverband Landeswasserversorgung · Schützenstraße 4 · 70182 Stuttgart
Telefon 07 11/21 75-0 · Fax 07 11/21 75-1202 · E-Mail lw@lw-online.de · Internet www.lw-online.de
Redaktion: Bernhard Röhrle (br) - verantwortlich, Dagmar Uhl (du), Dr. Beatrix Wandelt (bw)
Zeichnungen: Brita Gläsche
Layout: Agentur Tandem, Stuttgart · Gesamtherstellung: frechdruck GmbH, Stuttgart, www.frechdruck.de
nung von Schiefergas und zum Erfolgsmodell „Trinkwasserversorgung in Deutschland“ finden Sie in der Rubrik „Notizen“.
Lassen Sie sich wieder mitnehmen in die abwechslungsreiche Welt der Trinkwasserversorgung. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim
Lesen.
Ihr
Rund drei Millionen Menschen in
Baden-Württemberg erhalten ihr Trinkwasser von der
Landeswasserversorgung, rund vier Millionen Menschen
von der Bodensee-Wasserversorgung.
Bernhard Röhrle
Redaktion
Wasserwelten
Wassergeschichte
Tipps + Info
Gemeinsam etwas
Großes erreicht
Wasser – erholsame
Auszeit
Interview mit den Geschäftsführern
der Bodensee-Wasserversorgung,
Dr. Marcel Meggeneder und
Michael Stäbler
Wir empfehlen einen Ausflug an
den Bodensee für Wissbegierige und
verlosen ein Wochenende für zwei
Personen im „Hof Lenzfried“ bei
Sipplingen.
12
16
Junior
Wie lange reicht eigentlich das Wasser im Bodensee? Interessante Antworten, Tipps für Spiele am Wasser
und eine gar nicht so schwierige
Wortschlange, bei der ihr tolle Preise gewinnen könnt, erwarten euch
diesmal.
13
Geschichte der Bodensee-Wasserversorgung
Nach dem zweiten Weltkrieg
herrschte in vielen Gemeinden Baden-Württembergs Wassernot. Als
Reaktion darauf wurde vor genau
60 Jahren - am 25. Oktober 1954 die Bodensee-Wasserversorgung als
kommunaler Zweckverband gegründet.
14
Bildnachweis: S. 1 Keating/gettyimages; S. 2 u. S. 7 Stadtarchiv Ulm; S. 2m u. S. 10 Bodensee-Wasserversorgung;
S. 3m u. S. 14 Bodensee-Wasserversorgung; S. 3r u. S. 16 Roberta M./pixelio; S. 4 u Horst Schmidt/fotolia (Kreuzfahrtschiff), wikimedia (Archimedes); S. 6ul Peter Wetzel/pixelio; S. 6ur wikimedia; S. 7u Wasserversorgung Kleine
Kinzig; S. 8o VRD/fotolia; S. 8m Bodensee-Wasserversorgung; S. 8u wikipedia; S. 9ol wikipedia; S. 9or Hajo Dietz/
Nürnbergluftbild; S. 10 u. S. 11 alle Fotos Bodensee-Wasserversorgung; S. 12 Bodensee-Wasserversorgung; S. 13 Miqul/fotolia; S. 14 u. S. 15 alle Bilder Bodensee-Wasserversorgung; S. 16 Bodensee-Wasserversorgung (Hof Lenzfried);
alle weiteren Bilder und Grafiken LW
Die Landeswasserversorgung dankt allen Rechteinhabern für ihre Bereitschaft, Bilder und Grafiken für den LWWasserspiegel zur Verfügung zu stellen. Leider war es nicht in allen Fällen möglich, die Inhaber der Urheberrechte
eindeutig zu ermitteln. Etwaige noch verbleibende Ansprüche werden daher auf Nachweis nachträglich vergütet.
3
Notizen
Fracking - Gefahr für das Trinkwasser
Humus
Lehm
Humus
Grundwasserleiter
Gasreiches
Gasreiches
Schiefergestein
Schiefergestein
Beim Fracking-Verfahren wird die Bodenstruktur durch eine mit hohem Druck eingebrachte Flüssigkeit aufgebrochen, um
das Schiefergas freizusetzen und um es
dann entnehmen zu können. Dabei gelangen auch giftige Substanzen in den Boden.
Die Erschließung unkonventioneller Erdgaslagerstätten mit Hilfe
der Fracking-Technologie hat in
den letzten Jahren in verschiedenen Ländern der Erde stark an Bedeutung gewonnen. Beim Fracking
werden Risse im Untergrund
erzeugt, um dort lagernde Gasvorräte zu gewinnen. Dazu werden
spezielle Flüssigkeiten, die neben
Stützmitteln wie Bauxit oder Sand
auch Chemikalien enthalten, mit hohem Druck in die Lagerstätte gepresst. Ein Teil der Flüssigkeiten verbleibt im Boden, ein Teil wird zurück
gefördert und wieder im Untergrund verpresst. Offen ist, wie sich
dies auf Grund- und Oberflächenwässer und damit auf das Trinkwasser auswirkt. In Baden-Württemberg
und angrenzenden Gebieten erhalten rund sieben Millionen Menschen
ihr Trinkwasser aus den Wasserschutzgebieten der Landeswasserversorgung und der Bodensee-Wasserversorgung. Sie liegen im württembergischen Donauried bei Ulm,
auf dem Härtsfeld bei Heidenheim
und am Bodensee bei Sipplingen.
Auch die Entnahmestelle des Donauwassers, das im LW-Wasserwerk
Langenau zu Trinkwasser aufbereitet wird, wäre gefährdet, wenn
durch Fracking verunreinigte Zuflüsse in die Donau gelangen würden.
Aufgrund der bisher nicht ausreichend geklärten Risiken sprechen
sich beide Unternehmen wie auch
viele andere Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland gegen
dieses Verfahren im Einzugsgebiet
ihrer Trinkwassergewinnungsanlagen aus. Sie fordern von den politisch Verantwortlichen, dass der
Schutz der Grundwasservorkommen
und der Oberflächengewässer Vorrang vor den Interessen von Energieversorgungsunternehmen hat.
Das scheint Wirkung zu zeigen: Im
Juli 2014 stellten die Bundesministerien für Umwelt und für Wirtschaft
und Energie ein Programm vor, das
Fracking in Einzugsgebieten von
Trinkwassergewinnungsanlagen verbietet. Zudem soll es in den Antragsverfahren zukünftig eine Umweltverträglichkeitsprüfung und ein
wasserrechtliches Verfahren geben. (bw)
Warum schwimmt ein Kreuzfahrtschiff?
Der griechische Gelehrte Archimedes (287 – 212 v. Chr.) kam durch
ein ungewöhnliches Experiment dahinter, wie man das Volumen von
unregelmäßigen Körpern mit Hilfe
der Verdrängung einer Flüssigkeit
bestimmen kann. Der Überlieferung
nach ließ König Hieron II. von Syrakus eine Krone aus einem Barren
Gold herstellen und beauftragte Archimedes mit der Prüfung, ob der
Schmied nicht einen Teil davon
durch billigeres Silber ersetzt hätte.
Archimedes wusste, dass Silber bei
gleicher Masse ein größeres Volumen hat. Aber er konnte natürlich
die Krone nicht beschädigen, ausmessen war ebenso wenig möglich
und so grübelte er lange vergebens.
Erst als er in seine volle Badewanne
stieg und das Wasser überlief, kam
ihm die Idee, dass die ausgelaufene
4
Menge Wasser seinem Körpervolumen entsprach. Laut „Heureka“
(„Ich habe es gefunden“) rufend soll
er daraufhin nackt durch die Straßen gelaufen sein. Der anschließende Versuch zeigte ihm, wieviel Wasser die Krone verdrängte. Und tatsächlich: Der Wasserspiegel in seinem Messgefäß stieg höher an als
beim Eintauchen des Goldbarrens,
die Krone war also nicht aus reinem
Gold. Dieses Phänomen ist als Archimedisches Prinzip bekannt. Es geht
über die reine Volumenbestimmung
hinaus und lautet: „Die Auftriebskraft eines Körpers in einem Medium ist genauso groß wie die Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Mediums“. Nach diesem
Prinzip können Körper infolge Auftrieb schwimmen.
(bw)
Archimedes von Syrakos hat entdeckt, warum
auch riesige Kreuzfahrtschiffe schwimmen
können.
Koreanisches Staatsfernsehen zu Besuch
bei der Landeswasserversorgung
Anlässlich des internationalen Tages des Wassers am 22. März war das
koreanische Staatsfernsehen zu Besuch im Wasserwerk Langenau. Drei
Millionen Zuschauer sahen den Beitrag, in dem das System der Trinkwasserversorgung Südkoreas mit den
Verhältnissen in China, Indien, Österreich und Deutschland verglichen
wurde. Das besondere Interesse galt
der Struktur der Trinkwasserversorgung in Deutschland und deren rund
100 Jahre erfolgreicher Umsetzung
bei der Landeswasserversorgung. Da
in Südkorea das Trinkwasser überwiegend aus Oberflächenwasser gewonnen wird und der tägliche Bedarf der Menschen rund drei Mal so
hoch ist wie in Deutschland, kam der
Grundwassergewinnung bei der Lan-
deswasserversorgung und dem nachhaltigen Umgang mit der Ressource
Trinkwasser in Deutschland eine besondere Bedeutung zu. Nutzungsgewohnheiten und die verschiedenen
Möglichkeiten zum Wassersparen
wurden angesprochen. Von der Wassergewinnung im Donauried und aus
der Donau bis hin zur Flusswasseraufbereitung im Wasserwerk Langenau stießen alle Themen auf großes
Interesse; ebenso wasserrechtliche
Fragestellungen, der Schutz der Wasservorkommen und der energieeffiziente Anlagenbetrieb. Angesprochen wurden auch die vielfältigen,
grenzüberschreitenden politischen
und wasserwirtschaftlichen Auswirkungen und Zusammenhänge der
Trinkwasserversorgung in den euro-
Einen Tag lang hat sich das Team des südkoreanischen
Staatsfernsehens bei der Landeswasserversorgung
umgesehen.
päischen Donau-Anliegerstaaten.
Dass die Menschen in Deutschland
das Wasser aus der Leitung bedenkenlos trinken und ihrem Trinkwasser vertrauen, wurde ganz besonders
erwähnt.
(br)
Nitratbelastung des Grundwassers im Donauried
weiterhin auf hohem Niveau
Seit vielen Jahrzehnten verzeichnet die Landeswasserversorgung
steigende oder anhaltend hohe Nitratwerte in ihren Grundwassergewinnungsanlagen im Donauried.
Lag die Nitratkonzentration zu Beginn der Grundwasserförderung im
Jahr 1916 noch bei etwa 12 Milligramm je Liter, so werden an der
Fassung 1 heute bereits Nitratkonzentrationen von annähernd 36 Milligramm je Liter erreicht – Tendenz
steigend. Die Trinkwasserverordnung gibt einen Grenzwert von 50
Milligramm je Liter vor. An manchen
Messstellen wird dieser Wert bereits
erreicht oder gar überschritten.
Hauptursache dafür ist die intensive
Landwirtschaft. In Form von Gülle
und mineralischem Dünger kommt
mit dem Ziel der Ertragsmaximierung häufig zu viel Stickstoff auf die
Felder. Da die Pflanzen den Stickstoff nicht vollständig aufnehmen
können, wird ein Teil davon - vor allem in den Wintermonaten - mit
dem Regen in das Grundwasser ausgetragen. Dies geht zu Lasten der
Grundwasserqualität; Verlierer ist
der Bürger, für den aus Grundwasser
Trinkwasser gewonnen wird. Wird
der Grenzwert erreicht, so muss das
Grundwasser aufbereitet werden –
aufwändige Anlagentechnik und
teure Investitionen sind die Folge.
Aufgrund der Vielzahl neu entstandener Biogasanlagen im Wassereinzugsgebiet des württembergischen
Donauriedes ist davon auszugehen,
dass in der Region die Nitratwerte
auch zukünftig ansteigen werden –
heute bereits ist dies ablesbar an der
zunehmenden Anzahl intensiv bewirtschafteter Maisanbauflächen.
Sie liefern den Rohstoff für den Betrieb der Anlagen. Seit vielen Jahren
bemüht sich die Landeswasserversorgung in intensiven Gesprächen
mit der Landwirtschaft und den zuständigen Behörden um eine Lösung
des Konfliktes – bisher leider ohne
zufriedenstellenden Erfolg. So bleibt
weiterhin die Forderung gegenüber
dem Gesetzgeber, den zulässigen
Stickstoffeinsatz spürbar zu reduzieren und gegenüber der Landwirtschaft, lediglich so viel Stickstoff
auszubringen, dass zum Schutz der
Umwelt nichts davon ins Grundwasser gelangt.
(br)
Jahr für Jahr wird auf vielen landwirtschaftlich genutzten
Flächen zu viel Stickstoff ausgebracht.
Nitrat [mg/l)
35
Fassung 1
(Donauried)
30
∆ = 5,7
∆ = 12,6
LUBW - Messstelle außerhalb von
Wasserschutzgebieten1)
25
LUBW - Messstellen innerhalb von Wasserschutzgebieten
20
1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012
Quelle: LUBW, Grundwasserüberwachungsprogramm - Ergebnisse der
Beprobung 2011, S.46, Auswertung konsistenter Messstellen
1)
Im Gegensatz zu vielen Messstellen im Land steigen die
Nitratwerte an der Fassung 1 im Donauried weiter an.
5
Im Fokus
Fernwasserversorgung in
Baden-Württemberg
Landeswasserversorgung und Bodensee-Wasserversorgung
bilden das Rückgrat der Wasserversorgung im Land
Landeswasserversorgung
Bodensee-Wasserversorgung
Baden-Württemberg ist wasserreich, der Wasservorrat ist jedoch nicht gleichmäßig verteilt. Um die
wasserarmen Regionen mit ausreichend Trinkwasser
zu versorgen, gibt es vier Fernwasserversorgungsunternehmen: die Landeswasserversorgung, die Bodensee-Wasserversorgung, die Wasserversorgung
Nordostwürttemberg und die Wasserversorgung
Kleine Kinzig. In erster Linie beziehen die Städte
und Gemeinden ihr Wasser aus ortsnahen Vorkommen. Reichen diese nicht aus, so schließen sich mehrere Gemeinden zu Gruppenversorgungen zusammen; weit verbreitet sind sie auf der Schwäbischen
Alb. Kann der Bedarf auch so nicht gedeckt werden,
kommt die Fernwasserversorgung ins Spiel. Die dreigliedrige Struktur von Eigen-, Gruppen- und Fernwasserversorgung macht die Trinkwasserversorgung
in Baden-Württemberg sehr sicher. Alle Anlagen
und das Leitungsnetz wurden im Verlauf der vergangenen 120 Jahre gebaut. Das weit verzweigte
Leitungsnetz und insbesondere die großen Fernleitungen sind heute die Lebensadern Baden-Württembergs. Durch sie fließt mehr als ein Drittel der
benötigten Wassermenge.
Wasserversorgung
Nordostwürttemberg
Wasserversorgung
Kleine Kinzig
Landeswasserversorgung
Wasserversorgung
Nordostwürttemberg
Wasserversorgung
Kleine Kinzig
Heidelberg
Bayern
Hessen
Schwäb.
Mergentheim
Hall
Bad
Karlsruhe
Frankreich
HeidelPforzheim
berg
Stuttgart
Rheinland-Pfalz
OffenKarlsruhe
burg
Frankreich
Die Landeswasserversorgung (LW) ist eine der größten und traditionsreichsten Fernwasserversorgungen
0
Deutschlands. Bereits im Jahr 1917 wurde der Versorgungsbetrieb aufgenommen. Heute steht die LW für die
6
Bad
Mergentheim
Hessen
Rheinland-Pfalz
Landeswasserversorgung
Der Bodensee ist neben dem württembergischen Donauried ein wichtiger Trinkwasserspeicher für den Mittleren
Neckarraum und den westlichen Teil Württembergs.
Bayern
Bodensee-Wasserversorgung
Aalen
Dischingen
Schwäb.
Hall
Tübingen
Langenau
Reutlingen
Freudenstadt
Pforzheim
Ulm
Aalen
Stuttgart
Rottweil
Biberach
Bayern
Dischingen
Freiburg
Offenburg
Freudenstadt
Tübingen
Langenau
Singen
Reutlingen
Sipplingen
Ulm
Friedrichshafen
Lörrach
Konstanz
Rottweil
0Freiburg
20
40
Schweiz
Biberach
Bayern
Österreich
60 km
Sipplingen
Singen
Die Gewinnungsanlagen
der Fernwasserversorgung
liegen in den wasserreichen Regionen an der Donau, am Bodensee
und im Schwarzwald.
Friedrichshafen
Lörrach
Konstanz
zuverlässige undSchweiz
sichere Trinkwasserversorgung von
rund
250
Städten
und Gemeinden im Österreich
mittleren Neckar20
40
60 km
raum und im Nordosten Baden-Württembergs – darunter die Städte Aalen, Esslingen, Ellwangen, Göppingen,
Künzelsau und die Region Hohenlohe erhalten ihr Trinkwasser von der
NOW.
Aus der Donau und dem württembergischen Donauried bei Ulm gewinnt die Landeswasserversorgung das Trinkwasser für rund drei Millionen Menschen.
Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd, Stuttgart und Ulm –
mit einer jährlichen Abgabe von etwa 90 Millionen Kubikmeter Trinkwasser bester Qualität. Aus den zwei
Wasserwerken in Langenau und Dischingen werden
über das 775 Kilometer lange Fernleitungsnetz rund drei
Millionen Einwohner versorgt. Grundwasser aus dem
Donauried, Quellwasser aus dem „Buchbrunnen“ und zu
Trinkwasser aufbereitetes Donauwasser sind die Grundpfeiler der Wasserversorgung.
Bodensee-Wasserversorgung
Die rasante Bevölkerungsentwicklung nach 1945, das
einsetzende Wirtschaftswachstum und die Trockenjahre
1947 und 1949 führten im Jahr 1954 zur Gründung der
Bodensee-Wasserversorgung (BWV). Mit einer jährlichen
Wasserabgabe von 125 Millionen Kubikmetern ist sie
heute die größte Fernwasserversorgung Deutschlands.
Das 1 700 Kilometer lange Leitungsnetz erstreckt sich
von der Entnahmestelle in Sipplingen am Bodensee bis
nach Bad Mergentheim an der nördlichen Landesgrenze. 320 Städte und Gemeinden im westlichen Teil BadenWürttembergs, wie Böblingen, Heilbronn, Leonberg,
Metzingen, Nürtingen, Pforzheim, Reutlingen, Rottweil,
Sindelfingen, Stuttgart und Tübingen mit rund vier Millionen Einwohnern beziehen ihr Trinkwasser ganz oder
teilweise aus dem Bodensee.
Wasserversorgung Nordostwürttemberg
Die Wassernot der Jahre 1947 und 1949 und das rasante Bevölkerungswachstum im nordöstlichen Landesteil von Baden-Württemberg nach 1945 führte im Jahr
1953 zur Gründung der Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW). Da der Wasserbedarf aus den regionalen Vorkommen nicht mehr gedeckt werden konnte,
musste das Trinkwasser über Fernleitungen herbeigeleitet werden. Mehr als 600 000 Einwohner in den Regionen Nordostwürttemberg und Heilbronn-Franken erhalten heute ihr Trinkwasser von der NOW. Jährlich fließen
rund 23 Millionen Kubikmeter durch das 700 Kilometer
lange Leitungsnetz.
Wasserversorgung Kleine Kinzig
Natur pur – aus der südlich von Freudenstadt gelegenen Talsperre Kleine
Kinzig, die von einer Vielzahl von Quellen und Bächen der näheren Umgebung gespeist wird, kommt das Trinkwasser.
Im zentralen Schwarzwald gelegen ist die Wasserversorgung Kleine Kinzig (WKK), die jüngste und kleinste
Fernwasserversorgung im Land. Sie wurde im Jahr 1974
gegründet und versorgt über ein 250 Kilometer langes
Leitungsnetz rund 250 000 Einwohner in 45 Städten und
Gemeinden der Region mit jährlich sechs Millionen Kubikmeter Trinkwasser.
(br)
7
Aus der Region
Die Hafeneinfahrt in Konstanz bietet ein einmaliges Panorama.
Das „Schwäbische Meer“ –
ein ganz besonderes Gewässer
Der Bodensee - das ist für die meisten Besucher eine
riesige Wasserfläche zum Baden, Segeln oder für andere
Freizeitvergnügen vor einer atemberaubenden Alpenkulisse. Die unzähligen Möglichkeiten, den See und seine
Ufer zu genießen, lassen ihn zu einem der beliebtesten
Urlaubsregionen Deutschlands werden. Dass der See,
der poetisch auch als „Schwäbisches Meer“ bezeichnet
wird, gleichzeitig ein idealer Trinkwasserspeicher ist, erschließt sich erst auf den zweiten Blick.
Tiere auf Wanderschaft
Für die Bodenseeanrainer liegt der Trinkwasserlieferant direkt vor der Tür.
Europas größter Trinkwasserspeicher
Pro Jahr werden rund 180 Millionen Kubikmeter
Wasser für die Trinkwassergewinnung aus dem Bodensee entnommen. 75 Prozent davon fließen in die Anlagen der Bodensee-Wasserversorgung, die damit rund
4 Millionen Menschen in Baden-Württemberg mit Trinkwasser versorgt. Aber auch Seeanrainer wie die Städte
Friedrichshafen, Konstanz oder St. Gallen in der Schweiz
entnehmen dem Bodensee Wasser für die Trinkwasserversorgung. Doch die Menge täuscht: Es verdunstet
mehr Wasser des Bodensees auf natürlichem Wege als
für die Trinkwasserversorgung gebraucht wird.
8
Höckerflohkrebs, Dreikantmuschel und Schwebegarnele sind drei Beispiele für sogenannte aquatische
Neozoen, also im Wasser lebende, nicht heimische
Tierarten, die sich auch im Bodensee angesiedelt haben. Als nicht heimisch bezeichnen die Experten Tierarten, die seit der Entdeckung Amerikas zu uns eingewandert sind. Durch die Öffnung der Schifffahrtswege und die erhöhte Mobilität kommen die Tiere
als „blinde Passagiere“ in den Bodensee. Problematisch ist das, wenn diese Arten durch starke Fortpflanzung und aggressives Fress- und Raumnutzungsverhalten angestammte Arten verdrängen. Manche der
neuen Muschelarten sind allerdings auch zu einer
wichtigen Nahrungsquelle für heimische Vögel geworden. Seit Mitte der 1960er Jahren werden Neozoen im Bodensee wissenschaftlich erforscht. Nähere
Informationen unter www.neozoen-bodensee.de.
Wenn der See seine kalte
Schulter zeigt
Unter bestimmten Wetterbedingungen kann es zu
dem seltenen Ereignis einer „Seegfrörne“ kommen.
So nennt man im Alemannischen das komplette Zufrieren des Bodensees, sodass die Eisdecke auch Menschen trägt. Zuletzt war dies im Februar 1963 der Fall.
Eine besondere Tradition ist die Eisprozession während einer Seegfrörne, bei der die Büste des Heiligen
Johannes von der Schweizer Seeseite nach Hagnau
getragen wird.
Bei Bregenz schiebt sich die Rheinmündung in den Bodensee.
Baden-Württemberg
Der Lindauer Hafen während der Seegfrörne im Jahr 1963
Ravensburg
Ar
Rhein
Konstanz
Eine weitere Eigenschaft macht den Bodensee zum
perfekten Trinkwasserlieferanten: eine stabile thermische Schichtung. Der See hat eine Tiefe von bis zu 254
Metern. Ab einer Wassertiefe von 50 Metern hat der
Bodensee bis zum Seeboden eine Temperatur von rund
5 Grad Celsius. Kaltes Wasser ist schwerer als warmes
Wasser. Das bedeutet, dass sich im unteren Bereich eine
stabile Schicht kalten Wassers, im oberen Bereich eine
Schicht warmen Wassers bildet. Die Schichten mischen
sich nur in den kalten Wintermonaten und bilden so
eine natürliche Barriere für Schadstoffe.
(du)
Thu
r
Bregenz
Br
in
St.
Gallen
Rhe
Ein anderer Vergleich erstaunt: die Bodensee-Wasserversorgung benötigt für die Belieferung ihrer Kunden mit Trinkwasser nur ein Prozent der Wassermenge,
die dem See zufließt. Über 200 Flüsse und Bäche, zumeist direkt aus den Alpen, strömen in den See und machen ihn zu einem riesigen Wasserreservoir. Die Zuflüsse
haben zumeist eine ausgezeichnete Wasserqualität, da
sie aus wenig besiedelten Gebirgsregionen kommen. Für
eine exzellente Wasserqualität sorgt auch die ständige
starke Durchströmung des Sees, denn dadurch werden
mögliche Schadstoffeinträge sofort so stark verdünnt,
dass sie für das Trinkwasser keine Gefahr darstellen.
Bayern
Lindau
eg
Ac enz
he er-
Österreich
Feldkirch
Niederschläge in
Liter pro m² jährlich
ILL
Liechtenstein
bis 1400 Liter
1400 - 2000 Liter
2000 - 2800 Liter
La
über 2800 Liter
Schweiz
n
hei
err
rd
Vo
Chur
nd
qa
rt
Plessur Davos
Hinte
rhein r-
Eine ausgezeichnete
Wasserqualität
Isny
ge
Friedrichshafen
n
ch
Aa
Rotach
Überlingen
Sch
uss
en
N
Splügen
Italien
Der ständige Zufluss von frischem Wasser aus den Alpen ist ein
Grund für die hohe Güte des Bodenseewassers.
9
Die Anlagen der
Bodensee-Wasserversorgung
Der Weg des Trinkwassers aus dem Bodensee
in den mittleren Neckarraum
Die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) ist das größte Wasserversorgungsunternehmen Deutschlands – sie
ist das 42 Jahre jüngere Schwesterunternehmen der Landeswasserversorgung (LW). Die Anlagen der BWV wurden nach dem bereits seit Jahrzehnten bewährten LWVorbild errichtet. Jahr für Jahr liefert die BWV das
Trinkwasser aus dem Bodensee für vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg. Der Bodensee eignet sich
für die Trinkwassergewinnung besonders gut, da der
Rhein reichlich und nahezu unbelastetes Schmelz- und
Regenwasser aus den Alpen heranführt, das Wasser der
Zuflüsse aus Baden-Württemberg, dem bayerischen Allgäu, aus Österreich und der Schweiz ähnlich gut ist und
damit die Qualität des Seewassers insgesamt sehr gut ist.
Zwischen Überlingen und Sipplingen wird das Seewasser in einer Tiefe von 60 Metern entnommen. Sechs
mächtige Pumpen im ufernahen Seepumpwerk fördern
bis zu 9 000 Liter Wasser je Sekunde in zwei stählernen
Druckleitungen mit einem Durchmesser von jeweils 1,30
Meter 310 Meter hoch auf den Sipplinger Berg. Dort befindet sich die große Aufbereitungsanlage, in der aus
60 Jahre
Bod
Wasse enseerversor
gu
1954 -
ng
2014
dem Seewasser in einem dreistufigen Verfahren Trinkwasser wird. In der ersten Aufbereitungsstufe entfernen
zwölf Mikrosiebe die im Seewasser enthaltenen Mikroorganismen und Schwebstoffe. Durch die Zugabe von
Ozon, also hochaktivem Sauerstoff, wird das Wasser desinfiziert; dabei werden organische Substanzen inaktiviert und Geruchs- und Geschmacksstoffe entfernt. In
den nachgeschalteten 27 Sandfilterbecken werden die
noch im Wasser verbliebenen Trübstoffe in Bims- und
Quarzsandschichten zurückgehalten. Bevor das Wasser
auf die Reise geht, wird es geringfügig gechlort, um die
Verkeimung des Trinkwassers im Leitungsnetz auf seinem mehrtägigen Weg zu den Kunden zu verhindern.
Um das Trinkwasser – jährlich sind es rund 125 Millionen Kubikmeter – zu verteilen, wurden überwiegend
großkalibrige Rohrleitungen auf einer Länge von 1 700
Kilometer verlegt. Aus Stahl, duktilem Gusseisen oder
Beton gefertigt und mit einem Durchmesser von bis zu
2,25 Meter transportieren sie das kostbare Nass sicher
geschützt in kühlem Untergrund vom Bodensee bis zur
nördlichen Landesgrenze von Baden-Württemberg bei
Technik
Hoch über dem Bodensee auf dem Sipplinger Berg liegt die große Aufbereitungsanlage der Bodensee-Wasserversorgung.
10
In einer ersten Aufbereitungsstufe entfernen Mikrosiebe Algen und Trübstoffe.
.
Bad Mergentheim. Eine Besonderheit der Streckenführung ist der im Verlauf der zweiten Hauptleitung Anfang der 1970er Jahre errichtete Albstollen. Er hat eine
Länge von 24 Kilometer und unterquert die Schwäbische Alb im Bereich des durch Erdbeben gefährdeten
Zollerngrabens in einer Tiefe von bis zu 260 Metern von
Veringenstadt bis Mössingen. Durch das Leitungsnetz
können bis zu 8 300 Liter Trinkwasser je Sekunde gefördert werden.
Eine Vielzahl von Mess-, Steuer- und Regeleinrichtungen sorgt dafür, dass der komplexe Anlagenbetrieb
reibungslos und mit einem geringen Personalbedarf
funktioniert. Im Leitungsnetz angeordnete Pumpwerke
gewährleisten, dass auch an den hoch gelegenen Abnahmestellen auf der Schwäbischen Alb und im
Schwarzwald immer ein ausreichender Wasserdruck vorhanden ist. Der in manchen Rohrleitungsabschnitten
vorhandene überschüssige Druck wird durch Energierückgewinnungsanlagen in Strom umgewandelt. Seit
mittlerweile 60 Jahren sind die Anlagen im Einsatz. Mittels fortlaufender Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen ist die Bodensee-Wasserversorgung gut auf
ihre zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen
vorbereitet.
(br)
Insgesamt 29 Wasserbehälter mit einem Gesamtinhalt von nahezu 500 000
Kubikmeter garantieren, dass das Trinkwasser zu jeder Zeit und in ausreichender Menge zur Verfügung steht.
Bodensee-Wasserversorgung
BWV-Versorgungsbereich
Landeswasserversorgung
Wasserversorgung
Nord-Ost-Württemberg
Bayern
Hessen
Die Wasserbehälter sollen gleichmäßig durchströmt werden; dazu
wird die große Hauptleitung in einzelne kleinere
Leitungen aufgegliedert.
Heidelberg
Rheinland-Pfalz
HB
Hardhof
HB Schweinsberg
Karlsruhe
Schwäbisch Hall
HB Sternenfels-Stromberg
Pforzheim
Frankreich
Bad
Mergentheim
HB
Rehberg
Stuttgart
HB Wimsheim
HB Hohe Warte
Aalen
HB
Rohr
HB
Herrenberg
HB Nonnenbrunnen
Tübingen
Offenburg
HB Scheibengipfel
Reutlingen
HB Öschingen
Ulm
HB Wessingen
HB Rote
Steige
Rottweil
Freiburg
Biberach
Bayern
Stolleneinlauf
Büttnau
HB
Türnleberg
SBH
Liptingen
Singen
Wasserwerk
Sipplingen
Friedrichshafen
Lörrach
Konstanz
Schweiz
0
Um den Albstollen vor allzu großen Druckschwankungen zu schützen,
wurde am Auslauf bei Mössingen ein Schachtwasserschlosses als Ausgleichsbehälter errichtet.
20
40
60 km
Österreich
Entlang der BWV-Leitungen werden 320 Städte und Gemeinden mit
Trinkwasser versorgt.
11
Wasserwelten
Gemeinsam etwas Großes betreiben
Interview mit Dr.-Ing. Marcel Meggeneder und Dipl-Kfm.
Michael Stäbler, Geschäftsleitung der Bodensee-Wasserversorgung
Zur Person
Zur Person
Name: Michael Stäbler
Name: Marcel Meggeneder
Alter: 51 Jahre
Alter: 46 Jahre
Familienstand: verheiratet,
1 Tochter, 2 Söhne
Familienstand: verheiratet,
1 Tochter
Wohnort: Bad Urach
Wohnort: Stuttgart
Ausbildung: Diplom-Kaufmann
Ausbildung: Bauingenieur
Beruf: kaufmänn. Geschäftsführer
Beruf: technischer Geschäftsführer
Freizeit: Begegnung mit Menschen,
Freizeit: Rennrad und Tennis
christliche Gemeinde und Diakonie
LW-Wasserspiegel: Seit 60 Jahren sorgt die BodenseeWasserversorgung für die sichere Trinkwasserversorgung
weiter Teile Baden-Württembergs - ein echtes Erfolgsmodell. Was sind die wichtigsten Aufgaben in den
nächsten 10 Jahren?
Marcel Meggeneder: Unser ureigenes Interesse gilt
einem sauberen Bodensee. Eine gute Gewässerqualität
ist Garant für gutes Trinkwasser. Wir setzen uns daher
grenzüberschreitend für den Gewässerschutz am Bodensee ein. Eine weitere große Herausforderung ist es, die
Auswirkungen eines bevorstehenden Klimawandels auf
den Bodensee und die Trinkwasserversorgung abzuschätzen und uns darauf vorzubereiten. Betrieblich ist
die Verringerung unseres Energiebedarfs ein großes
Thema und unser wichtigstes Ziel ist es natürlich, die
Versorgung der Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser jederzeit sicherzustellen. Dazu haben wir ein
langfristiges Instandhaltungsprogramm im Bereich des
Rohrnetzes und der Anlagen gestartet. Das ermöglicht
uns eine sichere Planung weit über die nächsten Jahrzehnte hinaus.
Michael Stäbler: Die Bodensee-Wasserversorgung ist
für mich ein Musterbeispiel dafür, dass viele gemeinsam
etwas Großes erreichen können, das einer alleine nicht
leisten kann. Diese Zusammenarbeit und Solidarität wird
auch in Zukunft ein tragfähiges Konzept sein. In einer
größeren Einheit ist Sicherheit, Zuverlässigkeit und Qualität zu günstigen Preisen leichter zu realisieren. Ergänzt
um die Solidarität der Mitglieder und eine kommunale
Aufsicht, bei einem Verzicht auf eine Gewinnerzielungsverpflichtung. Das zusammen bildet für mich eine tragfähige Basis für eine zukunftsfähige und nachhaltige
Trinkwasserversorgung für die Bürgerinnen und Bürger
in Baden-Württemberg.
LW-Wasserspiegel: Die Landeswasserversorgung beschäftigt aktuell besonders das Thema „Wasserqualität“.
Auch das Wasser des Bodensees ist unterschiedlichsten
Einflüssen von Mensch und Umwelt ausgesetzt. Wie gehen Sie dieses Thema an?
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Marcel Meggeneder: Wir setzen uns dafür ein, dass
unerwünschte Substanzen möglichst in den Kläranlagen
entfernt werden und so gar nicht erst ins Wasser des Bodensees gelangen. Über ein engmaschiges Netz an physikalisch-chemischen und mikrobiologischen Untersuchungen im eigenen Labor kennen wir genau die Beschaffenheit des Bodensees und unseres Trinkwassers.
Die mehrstufige Aufbereitung des Seewassers im Wasserwerk Sipplinger Berg und laufende Überwachung der
Wasserqualität auf dem Transport garantieren, dass die
Bürgerinnen und Bürger jederzeit bestes Trinkwasser
aus dem Bodensee bekommen.
LW-Wasserspiegel: Oft ist von zu hohen Trinkwasserpreisen zu lesen. Was zahlt eigentlich ein Bürger in Baden-Württemberg für seinen Tagesbedarf Trinkwasser –
und wie viele Brezeln kann er dafür kaufen?
Michael Stäbler: In Baden-Württemberg kostet im
Schnitt der Tagesbedarf von 125 Liter Trinkwasser pro
Person rund 30 Cent. Eine ganze Brezel gibt es leider
keine zu diesem Preis, aber vielleicht eine halbe Brezel.
LW-Wasserspiegel: Die Bodensee-Wasserversorgung
trägt gemeinsam mit der Landeswasserversorgung die
Verantwortung für die Trinkwasserversorgung des gesamten Mittleren Neckarraumes. Wie ist gewährleistet,
dass im Notfall der eine für den anderen einspringen
kann?
Marcel Meggeneder: Es gibt bereits seit vielen Jahrzehnten Schnittstellen zwischen den beiden Leitungsnetzen, die im Bedarfsfall geöffnet werden können. Im
Jahr 2011 wurde mit dem Bau eines gemeinsamen
Pumpwerks bei Ruit die Möglichkeit geschaffen von
dort aus das Stadtgebiet von Stuttgart zu versorgen –
und zwar sowohl von der Landeswasser- wie auch von
der Bodensee-Wasserversorgung.
(du)
Junior
Wie lange reicht das Wasser
im Bodensee?
Der Bodensee ist riesig, deshalb wird er manchmal
auch „Schwäbisches Meer“ genannt. Er ist rund 540
Quadratkilometer groß, bis zu 254 Meter tief und enthält 50 Kubikkilometer Wasser, das sind 50 Billionen
Liter. Der wichtigste Zufluss ist der Rhein, der den Bodensee aus den Alpen kommend von Ost nach West
durchfließt. Die Wassermengen, die dem See für die
Trinkwasserversorgung entnommen werden, sind verglichen mit dem Zufluss aus den Alpen sehr gering. Es
ist sogar weniger, als Wasser auf der Seeoberfläche
verdunstet. Es besteht also keine Gefahr, dass der Bodensee „leer getrunken“ werden könnte. Der Bodensee ist auch schon ziemlich alt, er entstand vor etwa
14 000 Jahren als Ergebnis der Eiszeiten. Damals war er
rund doppelt so groß wie heute. Seit der Zeit verlandet
er langsam, was an den riesigen Gesteinsmassen liegt,
die der Rhein in ihn hineinschüttet. Daher werden
Maßnahmen getroffen, um die riesigen Geröllmassen
vom Ufer in die Tiefen des Sees zu leiten.
(bw)
Welches Boot ist am schnellsten und welches sinkt zuerst?
Am Wasser spielen
Gerade im Herbst gibt es viele schöne Tage, um
draußen zu spielen. Aus Naturmaterialien oder Korken
können Schiffchen oder ein Floß gebaut werden. Feste
Grashalme ersetzen den Bindfaden. Blätter kann man
mit Tannennadeln als Segel zusammen stecken und
Nussschalen-Hälften schwimmen ganz von selbst. Auch
Baumrinde ist sehr gut als Frachter geeignet, der sogar
kleine Steinchen, Beeren oder Zapfen tragen kann.
Jetzt steht einer Naturboot-Wettfahrt im Bach oder in
der Pfütze nichts mehr im Wege!
(bw)
Preisrätsel:
Wortschlange
T A S
R L G
I N K
Schreibt das Lösungswort auf eine Postkarte und
schickt es an
Landeswasserversorgung, Redaktion LW-Wasserspiegel,
Schützenstr. 4, 70182 Stuttgart
oder per E-Mail an lw@lw-online.de.
Bitte gebt auf jeden Fall euren Absender
und euer Alter an.
Es gibt tolle Preise zu gewinnen:
1.-3. Preis: Playmobil Piratensegler mit
RC-Unterwassermotor
4.-6. Preis: Kosmos Triops-Aquarium
„Urzeitkrebse erforschen“
7.-10. Preis: „Kids at work“ Holz-Nistkasten
zum Selberbauen
Einsendeschluss ist der 1. Februar 2015.
Die Mitarbeiter der LW und ihre Angehörigen sowie Sammeleinsendungen sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
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Wassergeschichte
Die ersten beiden Entnahmeleitungen wurden im Jahr 1957 mit einem Schwimmkran im Bodensee verlegt.
Geschichte der Bodensee-Wasserversorgung
Seit 60 Jahren dient der Bodensee als Trinkwasserspeicher
für Baden-Württemberg
Nach dem zweiten Weltkrieg herrschte in vielen Gemeinden Baden-Württembergs Wassernot. Ursache dafür waren der rasant ansteigende Wasserbedarf wegen
der vielen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, die ab
1945 in den Südwesten kamen, das Anfang der 1950er
Jahre einsetzende Wirtschaftswachstum in Deutschland
mit dem daraus resultierenden Anstieg des Wasserbedarfs von Gewerbe und Industrie und die regenarmen
Jahre 1947 und 1949. Mancherorts fiel die zentrale Wasserversorgung deswegen aus, so dass das Trinkwasser
mit Wasserwagen angefahren werden musste. Schnell
wurde klar, dass vielerorts die gemeindeeigenen Wasser-
Im Jahr 1949 kamen in manchen Städten und Gemeinden Wasserwagen zum Einsatz, nachdem die zentrale Wasserversorgung zusammengebrochen war.
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vorkommen nicht ausreichen würden, um auch zukünftig den Wasserbedarf sicher decken zu können. Auch die
Landeswasserversorgung, die bereits seit 1917 einen
großen Teil des Trinkwassers in die Region Stuttgart lieferte, konnte das benötigte Nass alleine nicht mehr liefern. Um die Trinkwasserversorgung langfristig auf eine
sichere Grundlage zu stellen, wurde daher der Beschluss
gefasst, den Bodensee als Trinkwasserspeicher zu nutzen. Dafür wurde am 25. Oktober 1954 die BodenseeWasserversorgung als kommunaler Zweckverband, also
getragen von den versorgten Gemeinden, gegründet.
Die Finanzierung der Förder- und Aufbereitungsanla-
Stuttgarts Oberbürgermeister Arnulf Klett war die treibende Kraft bei der
Gründung der Bodensee-Wasserversorgung.
Die Aufbereitungsanlage auf dem Sipplinger Berg wurde in zwei Ausbaustufen errichtet.
gen und des Verteilnetzes stellte eine Herausforderung
dar; rund 215 Millionen Mark mussten aufgebracht werden, um dieses gewaltige Projekt zu stemmen.
Nach einer kurzen Planungszeit und einer Bauzeit
von lediglich zweieinhalb Jahren konnten die Förderund Aufbereitungsanlagen am See und die bis nach Bietigheim führende erste Hauptleitung im Jahr 1958 in
Betrieb genommen werden. Nur 13 Jahre später folgten
die Verlegung der dritten Seeentnahmeleitung, der Ausbau des Seepumpwerks und der Aufbereitungsanlage
und die Verlegung der zweiten Hauptleitung mit dem
Albstollen bei Mössingen. Im Jahr 1981 vergrößerte sich
dann das Versorgungsgebiet der BWV durch die Fusion
mit der Fernwasserversorgung Rheintal, es erweiterte
sich auf die Region zwischen Heilbronn und Bad Mergentheim. Entsprechend der wachsenden Bevölkerung
wurde auch die durch ein Wasserrecht erlaubte Entnahmemenge aus dem Bodensee erhöht; waren es im Jahr
Mit dem Bau der ersten Hauptleitung war es im Jahr 1958 erstmals
möglich, Trinkwasser aus dem Bodensee über Stuttgart bis ins
154 Kilometer entfernte Bietigheim zu transportieren.
1958 noch 190 000 Kubikmeter je Tag, so stieg dieser
Wert im Jahr 1965 bereits auf 270 000 Kubikmeter, heute dürfen täglich bis zu 670 000 Kubikmeter Wasser dem
Bodensee entnommen werden.
Die Zahl der Verbandsmitglieder hat sich von ursprünglich 13 Gründungsgemeinden auf heute 181
Städte, Gemeinden und kommunale Wasserversorgungsverbände mit rund vier Millionen Einwohnern erhöht. Annähernd jeder dritte Einwohner Baden-Württembergs erhält heute sein Trinkwasser aus dem Bodensee. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Albstadt
mit den Teilorten Tailfingen und Ebingen, Böblingen,
Hechingen, Kornwestheim, Leonberg, Reutlingen, Rottweil, Sindelfingen, Stuttgart, Tübingen und VillingenSchwenningen. Weitergehende Informationen zur Bodensee-Wasserversorgung finden Sie auf der Homepage
des Unternehmens unter www.zvbwv.de.
(br)
Seit 60 Jahren sorgen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür, dass das Trinkwasser aus dem Bodensee den BWV-Verbandsmitgliedern zu jeder Zeit und in bester Qualität zur Verfügung steht.
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Tipps + Info
Wasser –
erholsame Auszeit
Ein Ausflug an den Bodensee
für Wissbegierige
Entspannung, Kultur oder sportliche Aktivitäten die vielen Möglichkeiten, die die Bodenseeregion für
Besucher bietet, sind weithin bekannt. Für interessierte
Gruppen, die ihr Wissen über die Trinkwasserversorgung
am Bodensee vertiefen wollen, ist eine Besichtigung der
Anlagen der Bodensee-Wasserversorgung auf dem Sipplinger Berg zu empfehlen. Vom hübschen Städtchen
Überlingen ist es nicht weit dorthin.
Eine Führung durch die Aufbereitungsanlagen ist für angemeldete Gruppen ab 15 Personen sowie in den Sommermonaten auch für Einzelpersonen möglich. Sie dauert etwa eineinhalb Stunden und ist kostenfrei. Nähere
Informationen bei der BWV unter Telefon
07551/8331157 oder www.zvbwv.de.
Leitungsnetz
der LW
Tauberbischofsheim
Bad
Mergentheim
Versorgungsbereich der LW
Heidelberg
Heilbronn
Schwäb.
Hall
Karlsruhe
BadenBaden
Offen- Freudenstadt
burg
Crailsheim
Aalen
Stuttgart
EgauWasserwerk
Tübingen
Ulm
Reutlingen
Wasserwerk
Langenau
Biberach
Freiburg
Tuttlingen
Singen
Konstanz
Lörrach
Verlosung
Ein Wochenende am Bodensee
Wie wäre es mit einem Wochenende zu zweit
am „Schwäbischen Meer“? Wir verlosen einen Aufenthalt für zwei Personen (2 Übernachtungen mit
Frühstück bei eigener Anreise) in der Frühstückspension „Hof Lenzfried“ oberhalb von Sipplingen.
Schicken Sie uns eine Postkarte oder E-Mail mit dem
Stichwort „Bodensee“ an nebenstehende Adresse.
Bitte Name, Anschrift, Telefon und E-Mail-Adresse
angeben.
Einsendeschluss ist der 1. Februar 2015. Die Mitarbeiter der LW und
ihre Angehörigen sowie Sammeleinsendungen sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
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Die Landeswasserversorgung ist eine der größten
Fernwasserversorgungen Deutschlands. Sie garantiert
die zuverlässige und sichere Trinkwasserversorgung
von rund drei Millionen Menschen in 250 Städten und
Gemeinden Baden-Württembergs.
Landeswasserversorgung
Trinkwasser für Baden-Württemberg
Zweckverband
Landeswasserversorgung
Schützenstraße 4
70182 Stuttgart
Telefon 0711/2175-0
Fax 0711/2175-12 02
lw@lw-online.de
www.lw-online.de
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