close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Beim Lesen mitzeigen, mitsprechen, den Kopf drehen? Nein! Wie du

EinbettenHerunterladen
Beim Lesen mitzeigen, mitsprechen, den Kopf drehen? Nein!
Es sei denn, du bist noch ein Leseanfänger.
Lies gründlich. Präge dir die Tipps in Fettdruck ein und merke dir ihre Begründung.
Trage die Tipps in Kurzfassung in eine Tabelle ein.
Wie du schon weißt, reagiert unser Gehirn
auf Reize. Das läuft in einem Tempo ab,
das jeden Spitzensportler vor Neid erblassen lässt. Wenn das Auge einen optischen
Reiz an das Gehirn sendet, braucht das
Gehirn nur einige Millisekunden*, um den
Reiz zu verarbeiten.
Die Geschwindigkeit, mit der „innere“
Vorgänge im Gehirn ablaufen, übertrifft
bei weitem die Geschwindigkeit, mit der
unsere „äußeren“ Vorgänge ablaufen: die
Hand zur Faust zu ballen dauert wesentlich
länger, als das Gehirn braucht, um den
Befehl dazu auszulösen; auf ein Wort in
einem Text zu zeigen dauert wesentlich
länger, als das Gehirn braucht, um das
Wort zu erkennen. Eine ganze Zeile in
einem Text mit dem Finger zu verfolgen
dauert ein Vielfaches länger, als das Gehirn braucht, um die Zeile zu erfassen.
Was bedeutet das für dich?
Erinnere dich: Als du mit dem Lesenlernen
angefangen hast, hat man dir vermutlich
gesagt: „Nimm den Zeigefinger und zeige
auf die Stelle, die du gerade liest!“ Da war
es für dich eine Hilfe, mit dem Zeigefinger
unter der Zeile entlangzufahren. Das gab
dir die Sicherheit, nicht in den Zeilen zu
verrutschen. Damals hast du dir das so
angewöhnt, dass du es gar nicht mehr richtig merkst, wenn du es jetzt immer noch wahrscheinlich unbewusst - tust. Inzwischen bist du beim Lesenlernen ein Stück
weiter, zumindest kennst du alle Buchstaben und kannst Wörter erkennen und verstehen. Wenn du jetzt immer noch den
Zeigefinger nimmst und mit ihm die Zeile
entlangfährst, dauert diese Fingerbewegung viel länger, als dein Gehirn braucht,
um die Wörter auf der Zeile zu lesen.
Lass also den Zeigefinger beim Lesen
weg! Versuche ohne Hilfsmittel mit dem
Blick in der Zeile zu bleiben. Wenn du das
nicht schaffst, dann nimm das Lesefenster
oder lege ein Lineal unter die Zeile. Sonst
bremst du dein Gehirn beim Lesen aus.
Dasselbe ist der Fall, wenn du beim stillen
Lesen die Wörter leise aussprichst, die du
gerade liest. Deine Sprechwerkzeuge Lippen, Zunge, Kiefer, Kehlkopf - reagieren viel langsamer als dein Gehirn. Damit
wird dein Gehirn am zügigen Lesen gehindert. Sprich nicht leise mit beim Lesen!
Die Wörter klingen sowieso in deinem
Kopf, das kannst du nicht verhindern, weil
das Sehzentrum, das Sprach- und Sprechzentrum und das Hörzentrum in deinem
Gehirn beim Lesen zusammenarbeiten.
Und noch etwas kann das Gehirn beim
Lesen bremsen: Wenn du schon einmal
jemandem, der gerade liest, gegenüber
gesessen hast, wird dir aufgefallen sein,
dass dessen Augen ruckweise über die Zeilen huschen. Das ist richtig so. Das Auge
erfasst mit einem Blick mehrere Wörter
auf einmal und rückt danach zur nächsten
Wortgruppe weiter. Wenn derjenige aber
nicht nur seine Augen vorrücken lässt,
sondern dazu noch den Kopf dreht, dann
ist das nicht richtig. Die Augen brauchen
die zusätzliche Kopfdrehung nicht, sie
können die Zeile von links nach rechts
erfassen, ohne dass der Kopf sich bewegt.
Die Kopfbewegung dauert viel länger, als
das Gehirn braucht, um die Wörter auf der
Zeile zu lesen. Drehe den Kopf nicht mit
beim Lesen! Lass nur deine Augen über
den Text wandern.
*Millisekunde:
• 1 Millisekunde (ms) = 1000 Mikrosekunden =
0,001 Sekunden
• 1 Sekunde (s) = 1000 Millisekunden
• 1 Minute (min) = 60 Sekunden
• 1 Stunde (h) = 60 Minuten = 3600 Sekunden
• 1 Tag (d) = 24 Stunden = 1440 Minuten = 86.400
Sekunden
Jutta Fiedler auf dem Bildungsserver Sachsen-Anhalt
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
113 KB
Tags
1/--Seiten
melden