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Oliver Jeges
GLAUB DOCH, WIE DU WILLST!
ERKUNDUNGEN RELIGIÖSER LEBENSWELTEN
Junge Menschen entdecken heute
wieder Gott. Ihre Wege, ihn zu
finden, sind völlig unterschiedlich.
Wie sie ihren Glauben verstehen,
welche Rolle er im Leben spielt und
wie Religion zum Lebensgefühl
wird.
Jenseits von Gut und Böse
Er ist vierundzwanzig, als er nach Hamburg kommt. In der Tasche das ArchitekturDiplom mit Bestnoten. Er schreibt sich an der TU Hamburg-Harburg für den
Studiengang Stadtplanung ein. Seine Kommilitonen begegnen einem höflichen,
intellektuellen und ehrgeizigen Studenten. Sein Deutsch wird kontinuierlich besser,
den arabischen Akzent aber bekommt er nicht weg. Er lernt Leute kennen, findet sich
gut zurecht, legt abermals ein bemerkenswertes Diplom hin. Der Vater verlangt die
Promotion. Doch vorher möchte der Sohn noch das Fliegen lernen. Er reist nach
Florida, übt in zahlreichen Flugstunden für den Pilotenschein. Es ist der Sommer 2000,
er ist jetzt zweiunddreißig. Ein Jahr später geht er am Logan International Airport in
Boston um acht Uhr morgens an Bord einer Boeing 767 Richtung Los Angeles. Eine
Dreiviertelstunde später sitzt er im Cockpit der Maschine und rast in den Nordturm des
World Trade Centers in Manhattan, New York. Mohammed Atta wurde zum Gesicht
der Anschläge des 11. September 2001.
Agnes Gonxha Bojaxhiu verbringt ihre Kindheit zwischen Mazedonien und Albanien.
Der Vater ein wohlhabender Kaufmann. Agnes wird streng religiös erzogen. Als sie
acht ist, stirbt der Vater. Sie wendet sich Gott jetzt noch intensiver zu. Mit zwölf
entscheidet sie sich für ein Leben in religiöser Demut vor dem Herrn. Mit achtzehn
tritt Agnes dem Orden der Loreto-Schwestern bei. Sie reist nach Irland, Bengalen,
Indien. Mit sechsunddreißig, plötzlich, auf einer Reise durch die Slums von Kalkutta,
erfährt Agnes eine mystische Eingebung. Jesus selbst habe ihr den Weg gewiesen, sich
nun und in Zukunft um die Ärmsten der Armen zu kümmern, ihnen Stütze und Hilfe
zu sein. Sie wird die "Heilige der Gosse". Jahr für Jahr säubert sie die eitrigen Wunden
der Lepra-Kranken, pflegt verwahrloste Gestalten, hat ein Ohr für die Einsamen am
Rande der Gesellschaft. Man bewundert ihre Arbeit, ihren Mut. Mittlerweile ist sie in
der ganzen Welt bekannt. Mit neunundsechzig Jahren nimmt Agnes als Mutter Teresa
in Oslo den Friedensnobelpreis entgegen.
Zwei Menschen, zwei Schicksale. In beiden Leben spielt der Glaube die
wichtigste Rolle
Sowohl Mohammed Atta als auch Mutter Teresa haben im Namen ihrer jeweiligen
Religion gehandelt. Letztendlich auf völlig entgegen gesetzte Weise. Der Eine
instrumentalisierte seinen Glauben um einen Massenmord zu legitimieren, die Andere
schöpfte aus ihm Kraft für ein Leben in Aufopferung. Religion ist interpretierbar.
Unterschiedliche Deutungen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wir wissen
heute nicht, wann und unter welchen Umständen aus Mohammed Atta ein fanatischer
Terrorist wurde. Was wir aber wissen: dass es einen Knacks in seinem Leben gegeben
haben muss. Eine Bruchstelle. Danach war nichts mehr so, wie zuvor. Bei Mutter
Teresa wissen wir, dass der frühe Tod des Vaters eine Leerstelle in ihrem Leben
hinterließ. Die völlige Hingabe an Gott aber folgte erst einige Jahre später.
In beiden Fällen war der Glaube an eine übergeordnete Instanz Motor des Handelns.
Entscheidungen wie in einen Turm zu fliegen, tausende Menschen und sich selbst zu
töten, werden nicht rational getroffen. Ebenso wenig Hungernden und Sterbenden zu
helfen. Nicht der Verstand, sondern Emotionen sind Auslöser solcher Taten. Im Guten
wie im Bösen. In diesen Fällen religiöse Emotionen.
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Seele and Geist
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