close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

JURYBERICHT Kunst und Bau St. Jakobshalle Basel - bei der

EinbettenHerunterladen
Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stadt
Abteilung Kultur
Kunstkredit Basel-Stadt
JURYBERICHT Kunst und Bau
St. Jakobshalle Basel
Wettbewerb auf Einladung
WETTBEWERB
Die 1975 eröffnete St. Jakobshalle Basel ist Teil der Sport- und Eventstätte St. Jakob. Sie dient dem Breitensport und wird auch für Veranstaltungen und den Schul-, Universitäts- und Vereinssport genutzt.
Mit einer Zuschauerkapazität von über 9000 Personen ist die
St. Jakobshalle Basel die zweitgrösste Veranstaltungshalle der
Schweiz und ein wichtiger Eventanbieter.
Das Basler Architekturteam Jürg Berrel und Heinrich Degelo ist mit
dem Vorschlag einer attraktiven Foyererweiterung auf der Nordseite als Sieger aus dem Architekturwettbewerb hervorgegangen.
Im Rahmen dieser Erweiterung, Sanierung und Modernisierung der
St. Jakobshalle wird eine künstlerische und ortsspezifische Intervention gesucht. Aufgrund der komplexen Situation, welche in der
variablen und extensiven Nutzung des Gebäudes begründet ist, wird
ein Konzept gesucht, das gemeinsam mit den Architekten zu einem
konkreten, integralen Projekt weiterentwickelt werden soll.
Es wurden fünf Künstlerinnen und Künstler zur Einreichung von
Konzepten eingeladen.
JURY
IMPRESSUM
HERAUSGEBER
Präsidialdepartement Basel-Stadt
Abteilung Kultur
Kunstkredit Basel-Stadt
TEXT
Nadine Wietlisbach
Oktober 2014
BEZUGSQUELLE (PDF-Dokument)
baselkultur.ch
Kunstkreditkommission Basel-Stadt
Beat Grossglauser, Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt
Jost Waltispühl, St. Jakobshalle Basel
Architekturteam Heinrich Degelo und Jürg Berrel
ERIC HATTAN
UNVERRÜCKBAR ODER: DIE KUNST, DER ENTSCHEIDENDE
ANFANG VON ETWAS SEIN
Eric Hattan sieht im Foyer die Platzierung eines „Grundsteins“ vor.
Die skulpturale Setzung besteht aus einem Findling mit den ungefähren Massen 350 x 280 x 200 cm, der Teil der zentralen, von den
Architekten vorgesehenen Stütze ist. Die Skulptur hat damit eine
klassische Kapitelfunktion. Sie befindet sich jedoch nicht unter der
Decke, sondern liegt auf dem Boden: Der Stein bildet zusammen mit
der neutralen Betonsäule des Bauwerks die Verbindung zwischen
Boden und Dach. Als orts- und architekturspezifische Intervention
wird die Skulptur zu einem unverrückbaren und irreversiblen Teil des
Gebäudes. Nur wenn die St. Jakobshalle Basel abgerissen werden
sollte, kann der Grundstein umplatziert werden. Den geeigneten
Stein zu finden, ist Teil des künstlerischen Projekts. Bevor der Stein
zu Boden gelassen wird, möchte der Künstler, anstelle anderer
üblicher Dokumente, die als Zeitkapsel bei einer Grundsteinlegung
funktionieren, ein von ihm getragenes Jacket unterlegen.
Der Jury gefällt, dass die Skulptur einerseits ein starkes und humorvolles Gegenbild zur Kakophonie der Werbeflächen im Foyer der
Eventhalle bildet und andererseits eine tragende Rolle für das Gebäude übernimmt. Die Idee ist erfrischend und präzise, sie überzeugt
als Eingriff in die Architektur und als Forderung nach einer Permanenz von Kunst am Bau. Für die Umsetzung müssen Abklärungen im
Hinblick auf die Machbarkeit innerhalb des gegebenen finanziellen
Rahmens getätigt werden. Die Jury ist jedoch überzeugt davon, dass
Eric Hattan in Zusammenarbeit mit den Architekten eine technisch
sowie künstlerisch überzeugende Lösung entwickeln wird.
Das Projekt wird zur Weiterentwicklung im Hinblick auf eine Ausführung empfohlen. Für Weiterentwicklung und Ausführung stehen
CHF 184 000 aus dem Baukredit zur Verfügung.
FLORINE LEONI
RESONANZ
Das breite Nutzungsspektrum der St. Jakobshalle Basel mit unterschiedlichen Veranstaltungen in den Bereichen Sport, Kultur und
Gesellschaft machen das Gebäude zu einem Begegnungs- und
Erlebnisort in Basel. Florine Leoni nimmt den Applaus des Publikums,
der allen diesen Veranstaltungen gemeinsam ist, als Ausgangsmaterial für eine künstlerische Intervention. Um die akustischen Signale
in visuelle zu transformieren, wird entlang der bereits bestehenden
technischen Infrastruktur in der Eventhalle eine Kombination von
unterschiedlichen Soundanalyse-Systemen eingebaut, die den Applaus live erfassen. Die Daten werden danach über einen Algorithmus in Signale umgewandelt, die sich zunächst in Echtzeit durch
Licht auf einer visuellen Oberfläche manifestieren. Sie bilden den
Applaus während des Events ab und lassen ihn später als visuelles
Echo nachklingen. Rechtzeitig bis zur nächsten Veranstaltung verschwindet dieses Echo und wird von neuen Live-Daten abgelöst. Die
Künstlerin kann sich für die Weiterentwicklung mit den Architekten
und die Umsetzung des Konzepts verschiedene Arten von visuellen
Oberflächen vorstellen.
Die Jury würdigt das komplexe Konzept und die kenntnisreichen
Ausführungen zu möglichen technischen Umsetzungen. Das Interesse der Künstlerin, ihr Projekt dialogisch mit den Architekten weiterzuentwickeln, wird sehr deutlich. Im Hinblick auf mögliche Umsetzungen stellen sich jedoch verschiedene Fragen. Die Jury bezweifelt, dass die optischen Signale von Besuchern und Passanten
als von akustischen Signalen ausgelöste erkennbar werden. In Bezug
auf die dauerhafte Wartung der Arbeit zeigt sich die Jury skeptisch.
Sie befürchtet aber vor allem, dass die Intervention innerhalb der
grossen Präsenz anderer medialer Flächen – wie beispielsweise
Werbetafeln – zu wenig Aufmerksamkeit erhält.
Es wird eine Entschädigung von CHF 2500 aus dem Baukredit gesprochen.
KATHARINA ANNA WIESER
LA SCALA
Katharina Anna Wieser sieht einen künstlerischen Eingriff in ein zentrales bauliches Motiv des Foyers, den breiten Treppenaufgang, vor.
Den Aufgang und die damit verbundene Aussichtsplattform interpretiert Katharina Anna Wieser als einen Ort des Verweilens. Sie schlägt
einen eingeschobenen Körper vor, der alternative Nutzungsmöglichkeiten als Aufenthaltsort impliziert. Für die möglichen konkreten
Ausgestaltungen bietet sie mehrere Skizzen an, die in einer Weiterentwicklung mit den Architekten durchdacht und präzisiert werden
sollen. So entwirft sie beispielsweise eine Treppe neben der Treppe:
In unterschiedlichen Höhen gehaltene Stufen und Formen erlauben,
die künstlerische Intervention einerseits als Erschliessung, andererseits als Sitzmöglichkeit zu nutzen. Der Einschnitt könnte aber auch
als eine diagonale, schräge Fläche gestaltet werden. In jedem Fall
wäre die Intervention auf die zentrale Blickachse im Eingangsbereich
bezogen. Ausserdem führt sie den Blick der Besuchenden direkt
nach oben, dorthin wo das eigentliche Ereignis stattfindet.
Die Jury anerkennt die künstlerische Haltung, eine Arbeit zu entwickeln, die die Eingangszone des Gebäudes als einen öffentlichen
Raum interpretiert und sich in den architektonischen Kontext einfügt.
Sie schätzt die präzisen Beobachtungen, die zu diesem Entwurf geführt haben. Der gesamte Eingriff wirkt jedoch zu zaghaft und vermag als Setzung nicht zu überzeugen. Die Idee, die Treppe auch als
Ort des Verweilens nutzbar zu machen, erscheint im Hinblick auf das
hohe Besucheraufkommen problematisch.
Es wird eine Entschädigung von CHF 2500 aus dem Baukredit gesprochen.
KERIM SEILER
FARBRAUM
Für den Innenraum sieht Kerim Seiler einen farbigen Eingriff an der
Holztäferung des Rundgangs im oberen Erschliessungsbereich vor.
Die Holzpaneele werden gestrichen, wobei der erzielte Farbverlauf
das gesamte Farbspektrum umfasst und auch als Orientierungshilfe
genutzt werden kann. Weisse Neonlichter beschriften die unterschiedlichen Nutzungszonen und funktionieren, zusammen mit der
farbigen Holzstruktur, als Spiel zwischen Kunst am Bau und Signaletik. Im Untergeschoss ist eine entsprechende farbige Beschriftung
geplant. Die stark farbige Intervention zielt auf eine Wahrnehmung
sowohl von ausserhalb der Halle als auch in der Begehung innen.
Der Jury gefallen die Materialwahl und die Idee, weisse Neonelemente auf Farbflächen anzubringen. Die Behandlung der „Innenfassade“ der Eventhalle im Sinne einer Aussenfassade erscheint
reizvoll. Für das Gebäude der St. Jakobshalle eignet sich die Intervention jedoch nicht, da die Holzpaneele von den jeweiligen Nutzern als
Werbeflächen benutzt und mit eigenem Material zugehängt werden.
Die künstlerische Arbeit wäre als solche nur dann erlebbar, wenn
keine Veranstaltung stattfindet.
Es wird eine Entschädigung von CHF 2500 aus dem Baukredit gesprochen.
MAYO BUCHER
LOVE – DOT – GAME
Ausgehend vom Begriff „Sankt Jakobshalle“ entwirft der Künstler
eine Lichtskulptur, die zugleich Beschriftung der Aussenfassade ist.
Der Künstler möchte eine eigene Zeichensprache gestalten, die zusätzlich als Teil der Signaletik verstanden und weiterverwendet wird.
Mit einer Schrift aus kreisrunden Lichtern soll das Gebäude über die
gesamte Länge der Dachkante angeschrieben werden. Die Lichtpunkte sind bündig oder leicht zurückversetzt im Beton eingelassen
und sind auch bei Tageslicht gut lesbar. Dieses leuchtende Schriftbild
soll sich zusätzlich in Bewegung befinden: Mit zeitlicher Verzögerung
erscheinen einzelne Leuchtpunkte oder ganze Sektoren heller als
andere. Im Innenraum, etwa auf der Etage des VIP-Publikums, soll
die Form des Kreises als Gestaltungselement wieder aufgegriffen
werden.
Der Jury gefällt, die Notwendigkeit der Hallenbeschriftung als Ausgangslage für eine künstlerische Arbeit zu nehmen. Der Entwurf
vermag jedoch konzeptuell und im Hinblick auf die gewünschte
Wirkung nicht zu überzeugen. Die Jury kritisiert die Typografie, deren
Referenz auf digitale Prozesse hier nicht angebracht erscheint, und
bezweifelt, dass die Schrift als Logo entsprechend den Vorstellungen
des Künstlers wirksam wird.
Es wird eine Entschädigung von CHF 2500 aus dem Baukredit gesprochen.
Document
Kategorie
Kunst und Fotos
Seitenansichten
7
Dateigröße
3 361 KB
Tags
1/--Seiten
melden