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IFRS for SMEs – Wie passt der finale Standard zu den - DHPG

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Andreas Stamm / Swen Tutt*)
IFRS for SMEs – Wie passt der
finale Standard zu den Bedürfnissen
im deutschen Mittelstand?
Am 09.07.2009 hat das IASB als Abschluss eines sechs Jahre währenden Projekts den IFRS
for SMEs in der finalen Version veröffentlicht. Der Standard ist ein Produkt unter Einbeziehung des Sachverstands der Bilanzierungspraxis – wurde doch die Entwurfsfassung in weltweiten field tests geprüft und kommentiert. In Deutschland erregte die Veröffentlichung
des Entwurfs eines IFRS for SMEs in 2007 große Aufmerksamkeit, erntete jedoch überwiegend Kritik. Die Autoren waren Teilnehmer des vom DRSC in Deutschland organisierten field
tests. Über die Erfahrungen aus der Probeumstellung des Jahresabschlusses eines Dienstleistungsunternehmens der Kienbaum Unternehmensgruppe wurde in BiM 2009 S. 13 ff.
berichtet. Nunmehr soll die finale Version des IFRS for SMEs durchleuchtet werden.
I. Die Bedeutung des Standards für
mittelständische Unternehmen in
Deutschland
Ausgangspunkt für den vorliegenden IFRS for SMEs
sind die full IFRS, die unter Kosten-Nutzen-Abwägungen
sowie unter Beachtung der Anforderungen der Nutzer
von Abschlüssen der kleinen und mittelgroßen Unternehmen verändert und vereinfacht wurden. Die IFRS for
SMEs entfalten zunächst keine unmittelbare Rechtswirkung. Wie auch bei den full IFRS haben die jeweiligen
nationalen Gesetzgeber über dessen Anwendung zu
entscheiden. Die Aufnahme des SME-Standards mittels Endorsement im Rahmen der derzeitigen, erweiterten oder einer separaten IAS-Anwendungsverordnung
wird als unwahrscheinlich angesehen. Die individuelle
nationale Übernahme des IFRS for SMEs im Rahmen
der 4. und 7. EWG-Richtlinie entbehrt noch jeglicher
Stellungnahme durch die EU-Kommission bzw. einzelner Mitgliedstaaten. Eine eigenmotivierte kurzfristige
Einführung des IFRS for SMEs ist in Deutschland indes
nicht zu erwarten, hat doch der Gesetzgeber sich mit
dem BilMoG bemüht, eine dauerhafte Alternative zu
den IFRS für den Mittelstand zu schaffen. Faktisch ist
die Anwendung des IFRS for SMEs damit für die kleinen und mittelgroßen, nicht kapitalmarktorientierten
Unternehmen freiwillig möglich, jedoch ohne dadurch
von anderen Rechnungslegungspflichten, wie z.B. der
handelsrechtlichen und/oder steuerlichen Abschluss­
erstellung, entlastet zu werden.
Die Anzahl der Unternehmen, die als Anwender des
IFRS for SMEs in Frage kommen, ist groß. Das IASB
belässt es bei der weit gefassten Negativabgrenzung der
SMEs als nicht öffentlich rechenschaftspflichtige Unternehmen. Eine quantitative Vorgabe zur Größenordnung
04/2009 Bilanzen im Mittelstand
der relevanten Unternehmen gibt es in der Definition des
SME nicht. Aufgrund dieser Definition fallen sowohl
Kleinstunternehmen, sog. „micro entities“, wie auch
nicht-kapitalmarktorientierte Großunternehmen in den
Anwendungsbereich des IFRS for SMEs.
Die Kienbaum-Unternehmensgruppe ist nicht verpflichtet, nach IFRS Rechnung zu legen. Trotzdem kann die
IFRS-Rechnungslegung vor dem internationalen Hintergrund der Gruppe vorteilhaft sein, um die externe und
die interne Rechnungslegung zu vereinheitlichen. Die
full IFRS sind jedoch zu komplex. Der Aufwand einer
IFRS-Bilanzierung würde den Vorteil einer kongruenten
internen und externen Rechnungslegung überkompensieren. Ein abgespeckter und vor allem in der Anwendung
einfacher Standard in Form des ED IFRS for SMEs war
reizvoll genug, um ihn auszuprobieren, überzeugte aber
im Praxistest nicht.
Im Folgenden sollen neben der Vorstellung des IFRS
for SMEs auch die für das Dienstleistungsunternehmen
Kienbaum relevanten und markanten Erkenntnisse aus
dem Umstellungsprojekt vor dem Hintergrund der finalen Version des IFRS for SMEs diskutiert werden. Wesentlich waren insbesondere Fragestellungen zu Leasingverhältnissen, zu Pensionsverpflichtungen sowie die Vielzahl
der Anhangangaben, hier insbesondere die Angaben
über Beziehungen zu nahe stehenden Unternehmen und
Personen. Es ist zu klären, inwieweit die finale Version des
IFRS for SMEs eine Weiterentwicklung darstellt. Aussagen zur wichtigen und wesentlichen Ertragsrealisation bei
der Bilanzierung von Dienstleistungsaufträgen werden
indes nicht gemacht, da hier keine Änderung des IFRS
for SMEs gegenüber der Entwurfsversion stattgefunden
hat und deshalb Wiederholungen aus dem Bericht zur
Probeumstellung vermieden werden sollen.
*) WP/StB Andreas
Stamm ist Gesellschafter der DHPG
Dr. Harzem & Partner
KG in Gummersbach.
*) Swen Tutt ist kaufmännischer Leiter der
Kienbaum Consultants International,
Gummersbach.
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Beitrag
II. Die Vereinfachungen in der finalen Version
des IFRS for SMEs im Überblick
1. Struktur und Inhalt des IFRS for SMEs
Der IFRS for SMEs ist in seinem Aufbau geprägt von der Struktur
der full IFRS und folgt dem Top-Down-Ansatz. Der IFRS for SMEs
teilt sich in einen Hauptteil mit 35 Abschnitten und Glossar. Die 35
Abschnitte enthalten die eigentlichen Bilanzierungsvorschriften,
wobei jedem Abschnitt ein abgegrenztes Bilanzierungsthema
zugewiesen wird. Der IFRS for SMEs vereint inhaltlich fast alle
IFRS. Lediglich Themengebiete, die für SMEs als grundsätzlich
nicht relevant angesehen werden, sind im Standard nicht geregelt.
Es fehlen Regelungen zu folgenden Themen:
• Ergebnis je Anteil,
• Zwischenberichterstattung,
• Segmentberichterstattung,
• Versicherungsverträge (Versicherungsunternehmen sind
vom IFRS for SMEs ausgenommen),
• Zur Veräußerung gehaltenes Vermögen.
Eine sinnvolle Ergänzung, aber formal nicht Bestandteil des
Standards, stellen die Anhänge dar. Sie enthalten Beispiele
zu bestimmten Abschnitten, eine Überleitungstabelle, die
Grundlagen für Schlussfolgerungen (Basis for Conclusions)
sowie umfangreiche Anwendungsleitlinien in Form von Illustrative Financial Statements und in Form einer Presentation and Disclosure Checklist. Die Umsetzung des IFRS for
SMEs in der Praxis dürfte hierdurch wesentlich erleichtert
werden.
2. Bestandteile und Format des Abschlusses
Der IFRS for SMEs hat bezüglich der von ihm geforderten
Bestandteile der financial statements keine Abweichung zu den
full IFRS zugelassen und die in 2007 erfolgte Überarbeitung des
IAS 1 und insbesondere die Bezeichnung der Bestandteile übernommen. Zum IFRS-Abschluss eines SME zählen demnach:
• Statement of financial position (Bilanz),
• Statement of comprehensive income (Gesamtergebnisrechnung),
• Statement of changes in equity (Eigenkapitalveränderungsrechnung),
• Statement of cash flows (Kapitalflussrechnung),
• Notes (Anhang).
Analog zu IAS 1 haben die SMEs das Wahlrecht, die GuV in
die Gesamtergebnisrechnung zu integrieren oder neben der
verkürzten Gesamtergebnisrechnung die GuV als eigenständigen Abschlussbestandteil zu zeigen. Die GuV kann sowohl
nach dem Umsatzkostenverfahren als auch nach dem Gesamtkostenverfahren aufgebaut werden. Auch die Gliederung der
Bilanz – vorzugsweise in kurz- und langfristige Vermögenswerte und Schulden, alternativ nach Liquiditätsorientierung –
ist nicht unerwartet und entspricht weitestgehend den full
IFRS. Das gleiche gilt für die Kapitalflussrechnung und die
Eigenkapitalveränderungsrechnung. Eine Segmentberichterstattung wird in Abweichung zu den full IFRS für SMEs
nicht gefordert.
Ein festes Gliederungsschema oder ein bestimmtes Format
wird weder für die Bilanz noch für die Gesamtergebnisrechnung vorgeschrieben; lediglich Mindestangaben werden gefordert. Dennoch ist es für die Praxis sehr begrüßenswert,
dass der Standard einen Musterabschluss mit der Darstellung
aller eigenständigen Bestandteile liefert. Hieran kann und
wird der Praktiker sich orientieren. Zudem trägt die Vorgabe
eines Musters zu einer Vereinheitlichung der Darstellung der
Abschlüsse in der Praxis und damit zu einer besseren Vergleichbarkeit der Abschlüsse bei.
3. Stand Alone-Ansatz
Die zu enge Verknüpfung des ED IFRS for SMEs mit den full
IFRS war einer der wesentlichen Kritikpunkte des Entwurfs.
Die finale Version der IFRS for SMEs trägt dieser Kritik Rechnung. Trotz des Top-Down-Ansatzes und der damit zusammenhängenden Verknüpfung des IFRS for SMEs mit den full
IFRS hat das IASB den finalen Standard als eigenständiges Regelwerk konzipiert und die Verbindungen zu den full IFRS auf
doppelte Weise gekappt. Zum einen wurden die Verweise auf
die full IFRS eliminiert, die sich auf für SMEs seltene, bislang
bewusst nicht adressierte Regelungen bezogen, zum anderen
wurden nahezu alle Optionen auf alternative Bilanzierungsmethoden gestrichen, deren Inhalte im ED IFRS for SMEs nur
per Verweis auf die full IFRS enthalten waren. Sachverhalte
und Bilanzierungswahlrechte werden somit grundsätzlich
nicht mehr durch Verweis auf die full IFRS geregelt oder eingeräumt, sondern sind entweder direkt im IFRS for SMEs
enthalten oder bewusst weggefallen. Es verbleibt somit nur
die allgemeine Hierarchie bei Regelungslücken.
Diese Entwicklung ist sehr zu begrüßen, ist damit doch gewährleistet, dass die kleine bzw. mittelgroße unternehmerische
Einheit sich nicht zunächst das know how der full IFRS aneignen muss, um den vereinfachten Standard für SMEs anwenden
zu können. Der direkte Einstieg in die IFRS-Bilanzierung
durch isoliert mögliche Anwendung des IFRS for SMEs ist
eine deutliche Absenkung der Schwelle zur Einführung von
IFRS im Mittelstand.
III. E
inzelne Bilanzierungs- und Bewertungsregeln
1. Immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen
Die Bilanzierung langfristiger, nicht-finanzieller Vermögenswerte ist angelehnt an die Regelungen der full IFRS. Nicht
finanz­ielle Vermögenswerte sind anzusetzen, wenn es zum
einen­wahrscheinlich ist, dass dem bilanzierenden Unternehmen ein künftiger wirtschaftlicher Nutzen aus dem Vermögenswert zufließen wird und zum anderen die Anschaffungsbzw. Herstellungskosten verlässlich bestimmt werden können.
Im Unterschied zu den full IFRS sind Ausgaben für selbst
erstellte immaterielle Vermögenswerte nach den Vorgaben
des IFRS for SMEs sofort aufwandswirksam zu verrechnen.
Hier wurde laut IASB den fehlenden Ressourcen mittelständischer Unternehmen zur wirtschaftlichen Realisierbarkeit
von Entwicklungsprojekten sowie der geringen Bedeutung
der Aktivierung von Entwicklungskosten für Kreditentscheidungen der Banken Rechnung getragen und ein Wahlrecht zur
Bilanzen im Mittelstand 04/2009
Beitrag
Aktivierung der Entwicklungskosten nicht in den IFRS for
SMEs übernommen. Damit ist die deutsche handelsrechtliche
Rechnungslegung nach Inkrafttreten des BilMoG in diesem
Punkt näher an den full IFRS als der IFRS for SMEs.
Im Grundsatz erfolgt die Bewertung der Sachanlagen, der immateriellen Vermögenswerte und der zu Investitionszwecken
gehaltenen Immobilien im Zugangszeitpunkt zu Anschaffungsoder Herstellungskosten. In den Folgejahren soll verpflichtend
eine planmäßige Abschreibung verrechnet werden. Insbesondere
bei immateriellen Vermögenswerten erfolgt keine Differenzierung
nach begrenzter und unbestimmbarer Nutzungsdauer. Für die
immateriellen Vermögensgegenstände ist vollumfänglich, auch
inklusive eines Goodwill, stets eine begrenzte Nutzungsdauer zu
unterstellen. Soweit eine verlässliche Schätzung der Nutzungsdauer nicht möglich ist, soll von einer Nutzungsdauer von zehn Jahren
ausgegangen werden. Die Notwendigkeit von Wertminderungstests ist durch die durchgängige Verpflichtung zur Durchführung
der planmäßigen Abschreibung abgemildert. Ein Wertminderungstest ist neben den planmäßigen Abschreibungen nur bei
Vorliegen von Wertminderungsanzeichen durchzuführen. Soweit
der Buchwert höher ist als der erzielbare Betrag, ist zwingend eine
außerplanmäßige Abschreibung vorzunehmen und ergebniswirksam zu erfassen. Besteht die Wertminderung in nachfolgenden
Perioden nicht mehr, so ist eine Wertzuschreibung bis maximal
zu dem kleineren Wert aus fortgeführten Anschaffungs- oder
Herstellungskosten und dem Fair Value geboten.
Betrachtet man das im Rahmen der Probeumstellung zugrunde
gelegte Dienstleistungsunternehmen der Kienbaum-Gruppe,
spielt das Anlagevermögen eine eher untergeordnete Rolle in
der Rechnungslegung. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass
sich das IASB aus der Abwägung von Kosten und Nutzen für
eine einfache und standardisierte Lösung der Bilanzierung und
Bewertung der langfristigen nicht finanziellen Vermögenswerte und Schulden im finalen IFRS for SMEs entschieden
hat und nicht konzeptionelle Aspekte in den Vordergrund
gestellt wurden.
2. Leasing
Branchentypisch hat ein klassisches Dienstleistungsunternehmen kaum Bilanzierungs- oder Bewertungsprobleme im
Zusammenhang mit dem Anlagevermögen, zumal die Gesellschaft auch nicht über Grundbesitz verfügt. Im konkreten
Umstellungsfall waren jedoch Leasingverhältnisse im Bereich
Pkw- und IT-Hardware-Leasing zu klassifizieren. Aus der Perspektive der Rechnungslegung nach dem ED IFRS for SMEs
kommt es im Rahmen der Beurteilung von IT-HardwareLeasing zu einer von der (an den Leasingerlassen der Finanzverwaltung orientierten) HGB-Klassifizierung abweichenden
Zuordnung des Vermögensgegenstands zum Leasingnehmer.
Der Ergebnis- und Eigenkapitaleffekt hieraus kann jedoch
vernachlässigt werden. Auch aus der Perspektive des finalen
IFRS for SMEs kommt es zu keiner anderen Würdigung, da
der Standard im Abschnitt Leasingverhältnisse kaum relevante
Änderungen erfahren hat.
Der IFRS for SMEs klassifiziert Leasingverhältnisse in Finanzierungsleasing und Mietleasing. Soweit Finanzierungsleasing
04/2009 Bilanzen im Mittelstand
vorliegt, haben die Leasingnehmer die Rechte und Pflichten
aus dem Leasing zu Beginn der Laufzeit des Leasingverhältnisses als Vermögenswerte und Schulden in gleicher Höhe in
ihrer Bilanz anzusetzen. Die aus der Sicht des Leasingnehmers
erforderlichen Anhangangaben übersteigen zwar die Anforderungen nach HGB, sind jedoch für den Praktiker hinreichend
verständlich dargestellt und ermittelbar.
3. Pensionsrückstellungen
Die grundsätzliche Unterteilung der Leistungen an Arbeitnehmer ist im IFRS for SMEs in gleicher Weise wie in IAS 19
zu finden. Deutliche Unterschiede zu den full IFRS finden
sich in dem Bereich post-employment benefits und damit bei
den eigentlichen Pensionsrückstellungen. Diese haben wohl
die größte Praxisrelevanz und sind auch bei dem Dienstleistungsunternehmen der Kienbaum-Gruppe zu thematisieren.
Es ist deshalb auch von Interesse, inwieweit zukünftig die
Rechnungslegung im Bereich der Pensionsrückstellungen
nach dem durch das BilMoG modernisierten HGB konform
gehen kann mit der Bilanzierung und Bewertung gemäß den
Regeln eines IFRS for SMEs. Hervorzuheben und für die Praxis
von besonderer Relevanz ist die durch den IFRS for SMEs
vorgesehene Möglichkeit der vereinfachten Ermittlung der
Pensionsverpflichtung, die ohne Einschaltung eines versicherungsmathematischen Gutachters durchführbar sein soll.
a) Bilanzansatz
Im Gegensatz zu IAS 19 und dem Entwurf sieht der IFRS for
SMEs in der endgültigen Fassung die sofortige Erfassung der
versicherungsmathematischen Gewinne und Verluste sowie des
nachzuverrechnenden Dienstzeitaufwands vor. Die Erfassung
erfolgt wahlweise über die GuV oder im sonstigen Ergebnis (other
comprehensive income). Es erfolgt die sofortige und vollständige
Erfassung dieser Beträge im Bilanzansatz der Pensionsrückstellung. Die Anwendung der Korridormethode ist ausgeschlossen.
Hieraus ergeben sich verminderte Angabepflichten im Anhang;
eine Überleitung des Leistungsbarwerts (defined benefit obligation – DBO) und des Planvermögens vom Stand zum Jahresanfang auf den Stand zum Jahresende wird nicht gefordert. Die
Pensionsrückstellung ergibt sich als Differenz aus DBO und dem
Marktwert des Planvermögens. Der IFRS for SMEs folgt damit
den Überlegungen des IASB im Rahmen seines Pensionsprojekts
zur grundlegenden Überarbeitung von IAS 19.
b) Bewertungsverfahren
Die Zulassung eines vereinfachten Näherungsverfahrens, welches die Unternehmen prinzipiell in die Lage versetzen soll, die
Ermittlung der Pensionsverpflichtung ohne Inanspruchnahme
eines versicherungsmathematischen Gutachters durchzuführen, wird der oft erhobenen Forderung nach Vereinfachung
gerecht. Die von IAS 19 vorgegebene Anwartschaftsbarwertmethode (projected unit credit method) hat zunächst Vorrang.
Soweit jedoch damit unverhältnismäßig hoher Aufwand oder
unverhältnismäßig hohe Kosten verbunden sind, ist der Weg
frei für das speziellere, einfachere Näherungsverfahren.
Das vereinfachte Verfahren sieht vor, dass künftige Gehalts­
erhöhungen und Dienstzeiten (future service) sowie zu erwartende Änderungen im Aktivenbestand durch Tod, Invalidität
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oder Fluktuation nicht berücksichtigt werden müssen. Nur
die Lebenserwartung nach erfolgter Pensionierung ist noch zu
berücksichtigen. Das Näherungsverfahren scheint sich insbesondere für Mittelständler zu eignen, die nur wenige Zusagen
erteilt haben. Erste Analysen zeigen auf, dass die Berechnung
des DBO nach dem vereinfachten Verfahren in Abhängigkeit
vom zu bewertenden Pensionsplan, insbesondere bei einer
angenommenen Anwartschaftsdynamik, erheblich vom DBO
abweichen kann, welcher sich nach den Vorgaben der projected
unit credit method und unter Berücksichtigung zukünftiger
dynamischer Elemente ergibt. Auch eine jährliche Berechnung
des DBO wird für nicht erforderlich gehalten. Der IFRS for
SMEs erachtet es, soweit sich die versicherungsmathematischen
Annahmen nicht geändert haben, für ausreichend, wenn eine
Anpassung an geänderte Mitarbeiterzahlen und Gehaltsniveaus
pauschal vorgenommen wird. Die Beschreibung des Näherungsverfahrens zur Bestimmung des DBO sowie das Datum
der letzten vollständigen Bewertung bzw. der zwischenzeitlich
vorgenommenen pauschalen Anpassungen sind in den Anhang
aufzunehmen.
Der IFRS for SMEs hat durch die Möglichkeit eines vereinfachten Verfahrens zur Bestimmung des DBO die Komplexität der
Pensionsrückstellung heruntergefahren. Es bleibt jedoch nach
den Regelungen des Standards offen, welche Unternehmen das
vereinfachte Verfahren in Anspruch nehmen dürfen. Im Ergebnis ist ein faktisches, implizites Wahlrecht geschaffen worden.
4. Angaben über Beziehungen zu nahe stehenden Unter­
nehmen und Personen
Angaben zu nahe stehenden Unternehmen und Personen sind
erforderlich, um aufzuzeigen, dass die wirtschaftliche Lage des
Unternehmens durch deren Existenz und durch Geschäftsvorfälle und Außenstände mit diesen beeinflusst werden kann. Sie
sind geregelt in Abschnitt 33 IFRS for SMEs und gegenüber
dem ED IFRS for SMEs unverändert. Es ist der wirtschaftliche
Gehalt der Beziehung zu beurteilen.
Der IFRS for SMEs fordert insbesondere Angaben über Vergütungen für Mitglieder in Schlüsselpositionen und definiert
diese als Personen, die für die Planung, Leitung und Überwachung der Tätigkeiten des Unternehmens direkt oder indirekt
zuständig und verantwortlich sind. Mitglieder der Geschäftsführung und der Aufsichtsorgane sind Personen in diesem
Sinne. Da die Angabe der Vergütung der Mitglieder der Geschäftsleitung bereits kumuliert im handelsrechtlichen Anhang
erfolgt, ist dies bekanntes Terrain. Der Standard wirft mit der
Definition der Schlüsselposition die Frage auf, inwieweit für
die zweite Führungsebene (Geschäftsbereichsverantwortliche)
eine Angabe der Vergütung notwendig ist. Soweit Vergütungen
für Geschäftsführung und darunter liegende Führungsebene
ohne Differenzierung zwischen diesen beiden Personengruppen lediglich aggregiert anzugeben sind, verringert sich der
Informationsgehalt aus dieser Angabe gegenüber der handelsrechtlichen Regelung. Der IFRS for SMEs i.V.m. der Disclosure
Checklist sowie die beispielhafte Angabe im Musterabschluss
sehen eine für die Gruppe der Geschäftsführer und leitende
Mitarbeiter zusammengefasste undifferenzierte Angabe vor.
Dies wird der eigentümergeführte Mittelstand begrüßen.
Es ist der Anspruch des Standards, dass durch die Angaben
ein Verständnis der möglichen Auswirkung der Beziehung
auf den Abschluss vermittelt wird. Die Klassifizierung sowie
der Inhalt und der Umfang der Angaben zu Beziehungen zu
nahe stehenden Unternehmen und Personen wurde übereinstimmend als überdimensioniert eingestuft. Die finale Version
verschafft an dieser Stelle keine Erleichterung.
IV. Fazit
Es ist erkennbar, dass der nun vorliegende finale IFRS for
SMEs eine Weiterentwicklung hinsichtlich seiner Eigenständigkeit gegenüber den full IFRS erlebt hat. Dies ist positiv zu
bewerten, insbesondere ist zu begrüßen, dass Sachverhalte
und Wahlrechte, die für die SMEs weitestgehend nicht relevant
sein werden, durch den IFRS for SMEs nunmehr auch nicht
geregelt worden sind. Auch das Eliminieren der Verweise auf
die full IFRS in diesen Fällen ist positiv zu bewerten. Dies fördert die Transparenz und die Vergleichbarkeit der Abschlüsse.
Inwieweit eine Reduzierung der Komplexität des externen
Rechnungswesens durch den IFRS for SMEs erreicht wurde, sei
jedoch dahingestellt. Dies wurde ggf. erreicht im Bereich der
Pensionsrückstellungen, andererseits bleiben Themengebiete
wie latente Steuern unverändert komplex. Wesentliche materielle Vereinfachungen im Vergleich zu den full IFRS wurden
dem IFRS for SMEs jedenfalls nicht zugestanden.
Die Überarbeitung des ED IFRS for SMEs führt zu einer weiteren Verringerung der Anhangangaben. Die separate Disclosure Checkliste umfasst lediglich 40 Seiten und ist damit
rein quantitativ deutlich reduziert gegenüber den Vorgaben
der full IFRS.
Das wesentliche Handicap der IFRS for SMEs in Deutschland
ist die fehlende Perspektive, dass der Standard in das nationale Recht integriert wird. Da die Bundesregierung mit dem
BilMoG eine dauerhafte Alternative zu den IFRS für den Mittelstand geschaffen hat, kann sich mittelfristig lediglich Druck
durch Bestrebungen anderer Mitgliedstaaten, die den IFRS for
SMEs einführen wollen, aufbauen. Solange die Anwendung für
den deutschen Mittelstand freiwillig ist und keine befreiende
Wirkung auf die weiteren handelsrechtlichen und steuerlichen
Rechnungslegungserfordernisse hat, wird der Erfolg des IFRS
for SMEs im deutschen Mittelstand ausbleiben. Für das Unternehmen Kienbaum ist auch der weiterentwickelte finale IFRS
for SMEs nicht attraktiv genug. Die Vorteile einer kongruenten
externen und internen Rechnungslegung in allen nationalen
und internationalen Einheiten der Unternehmensgruppe sind
sicherlich vorhanden, rechtfertigen aber nicht den zusätzlichen
höheren Aufwand zur Umstellung der Rechnungslegung und
den zusätzlichen laufenden Aufwand der IFRS Rechnungslegung in den Folgejahren.
Literaturhinweise:
- Beiersdorf/Eierle/Haller, DB 2009 S. 1549.
- Fischer, PiR 2009 S. 242.
- Fodor/Wildner, BB 2009 S. 1966.
- Winkeljohann/Morich, BB 2009 S. 1630.
Bilanzen im Mittelstand 04/2009
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