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Den HaustypBöhmerwaldhausgab es im inneren Bayerischen wie

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DAS SCHANZER HÄUSL
AUS RIEDELSBACH
Den Haustyp Böhmerwaldhaus gab es im inneren Bayerischen wie im inneren Böhmischen Wald. Seine Heimat ist dieses stark bewaldete Mittelgebirgsland, das früher als
Ganzes Böhmerwald, Šumava hieß.
Sein Charakteristikum ist das weit herabgezogene Schopfwalmdach mit Schindeldeckung,
das eine Blockbaustube und gewöhnlich aus Naturstein gemauerte Stallungen deckt.
Das für Finsterau gesicherte Haus, nach den letzten Besitzern Schanzer-Häusl genannt,
birgt zudem eine urtümliche Rauchkuchl mit gemauertem Backofen und offenem Herd.
Erbaut wurde das Haus zwischen 1826 und 1840, es war in Riedelsbach bei Neureichenau
bewohnt bis 1968.
Schanzerův domek z Riedelsbachu
Typ šumavského domu se vyskytoval ve vnitrozemí jak Bavorského, tak i Českého lesa.
Jeho domovskou oblastí je hojně zalesněná hornatá krajina Šumavy.
Charakteristická je pro něj předsunutá valbová střecha krytá šindelem, která překrývá
obytnou část domu a zároveň i chlévy vyzděné z přírodního kamene.
Dům zajištěný pro Finsterau, pojmenovaný po posledním majiteli jako Schanzerův domek,
má původní černou kuchyni s vyzděnou pecí a otevřeným ohništěm.
Byl postaven v Riedelsbachu u Neureichenau mezi roky 1826 a 1840 a obýván byl
do ruku 1968.
Der Wiederaufbau des Schanzer-Häusls im Freilichtmuseum Finsterau
wurde gefördert von der Europäischen Union im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative LEADER+,
außerdem vom Land Bayern mit Mitteln aus dem Kulturfonds Bayern.
EIN TYPISCHES BÖHMERWALDHAUS
Den Haustyp Böhmerwaldhaus gab es auf beiden Seiten des bayerischböhmischen Grenzgebirges. Charakteristisch ist das weit herabgezogene
Schopfwalmdach, das eine Blockbaustube und aus Naturstein gemauerte
Stallungen deckt. Wohnung, Viehstall und Stadel sind unter diesem Dach
vereint. Unter dem Schopf ist ein windgeschützter Schrot, eine Hochlaube
eingebaut.
Das für Finsterau gesicherte Haus, nach den letzten Besitzern SchanzerHäusl genannt, birgt zudem eine urtümliche Rauchkuchl mit gemauertem
Backofen und offenem Herd.
Der Grundriss mit dominierender Stube und die Blockbautechnik kennzeichnen das Bauernhaus Niederbayerns ebenso wie das Gebirgshaus des
bairischen Alpenraums von Südtirol über Westösterreich bis Oberbayern.
Die Verbreitung dieses Blockbau-Stubenhauses reicht bis in den Böhmerwald, wo deutsche und tschechische Bauern ähnliche Häuser bewohnten.
Mit dem flachen Legschindeldach heißt dieser Haustyp im Bayerischen
Wald Waldlerhaus, mit dem steilen, an den Giebelseiten abgewalmten
Stroh- oder Nagelschindeldach heißt er Böhmerwaldhaus.
Böhmerwaldhäuser in Sankt Oswald, Ludwigsthal, Stachy/Stachau und Pilgramsberg
Bildarchiv Freilichtmuseum Finsterau
WAR DAS EIN HARTES LEBEN?
Ein hartes Leben! Das mag man sich denken, wenn man weiß, dass zwölf
Kinder und zwei Erwachsene dieses Häusl bewohnt haben. Ohne fließendes
Wasser, ohne Bad und ohne eigenes Bett.
Das Familienleben spielte sich vor allem in der Stube ab. Dort wurde
gekocht, gebadet, gegessen – und geschlafen. Denn dieser Raum diente
den jüngeren Kindern wie auch den Eltern als Schlafstatt. In der Kammer
nebenan standen für die älteren Kinder zwei Betten, in denen immer
mindestens zu zweit geschlafen wurde.
Trotz Entbehrungen in vielerlei Hinsicht verlebten diese Mädchen und
Buben eine glückliche gemeinsame Kindheit. Langeweile war unbekannt,
zu entdecken oder zu spielen gab es immer etwas. Die Mädchen hielten
sich mit Vorliebe auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf. Dort lagen
ein paar Steinhaufen, die in der Fantasie der Kinder die Zimmer eines
Hauses darstellten. Die Buben mochten es dagegen handfester, sie bauten
Hütten im nahe gelegenen Wald.
Nun, als Erwachsene, erinnern sich alle gern an ihre unbeschwerte Kindheit. Nur Positives verbinden sie mit der Erinnerung an ihr Leben im alten
Haus. Es war für sie sogar schöner und heimatlicher, als das im Neubau.
Daheim in Riedelsbach
Photos Familie Schanzer
ARBEIT IN DER HEIMAT –
SEGEN FÜR EINE GANZE FAMILIE
Von der zehn Tagwerk großen Landwirtschaft allein konnte Familie
Schanzer nicht leben. Um seine große Familie versorgen zu können, ging
Franz Schanzer auf den Bau. Zunächst arbeitete er bei der Flurbereinigung,
später bei der Baufirma Strobl in Neureichenau. Vor und nach der Arbeit
kümmerte sich Franz zusammen mit seiner Frau Mathilde um Haus und Hof.
Doch nicht immer fand sich in der Gegend Arbeit. Stellen waren rar und
von vielen begehrt. Das bekamen auch die Schanzer-Kinder nach ihrer
Schulzeit zu spüren. Nicht alle konnten den erwünschten Beruf erlernen,
sie mussten mit anderen Tätigkeiten vorlieb nehmen. Die Heimat verlassen
für eine Arbeit – das wollten die meisten von ihnen nicht.
Mit der Eröffnung der PARAT-Werke in Neureichenau im Jahr 1963 änderten sich jedoch die beruflichen Möglichkeiten in der Region. Als wahren
Segen empfanden die Schanzers die Gründung der Fabrik, wo ein Teil der
Familie feste Anstellung fand. Das bedeutete geregeltes Einkommen –
und das Beste überhaupt: kein Fortgehenmüssen aus der Heimat.
Franz Schanzer auf dem Bau, im Bild rechts der 11. von links
(halb verdeckt)
Photos Familie Schanzer
LEBEN ZWISCHEN
HERRGOTTSWINKEL UND HERD
Die Stube des Bauernhauses im Böhmerwald hatte stets mehrere Zwecke.
Am Tisch im Herrgottswinkel wurde gemeinsam gegessen, der Herdofen
diente zum Heizen und Kochen. Gleich neben der Türe war Platz für
Arbeitsgerät, eine Heinzelbank, einen Webstuhl oder einen schmalen
Werktisch. Den vierten Winkel nahm meist ein Bett ein, in dem alte
Menschen oder Kinder ihren Schlafplatz hatten.
Im Schanzer-Häusl war von der alten Ausstattung nichts mehr erhalten.
Der hier rekonstruierte Sesselofen stammt aus einem Waldlerhaus.
Die umlaufende Bank ist nach Befund rekonstruiert, das Herz-Mariä- und
das Herz-Jesu-Bild erinnern an die Verbindung des Alltags der Bewohner
mit dem katholischen Glauben.
Die Abbildungen zeigen Stuben-Herdöfen
in Bauernhäusern des Böhmerwaldes, in
Stachy/Stachau und an unbekanntem Ort.
Bildarchiv Freilichtmuseum Finsterau
VON RIEDELSBACH
NACH FINSTERAU
Freilichtmuseen bergen gefährdete Baudenkmäler. Das Sammlungskonzept
des Museums bestimmt die Auswahl. Lange Zeit war kein für eine Übertragung geeignetes Gebäude des Böhmerwaldhaustyps bekannt.
1999, als die Eigentümer Abbruchantrag stellten, wurde das SchanzerHäusl in Riedelsbach, nahe der Grenze zu Böhmen, entdeckt. Das Museum
beauftragte Walter Kuhn†, ein verformungsgerechtes Bauaufmaß anzufertigen, die Photodokumentation leistete Josef Lang, die materialhistorische
Untersuchung David Micˇan, die Auswertung der Archivquellen Dr. Winfried
Helm. Sandra Gabert dokumentierte die Berichte der ehemaligen Bewohner.
Konzept und Realisierung verantwortet Dr. Martin Ortmeier.
Die Baufacharbeiter des Freilichtmuseums Fritz Kilger, Franz Plöchinger und
Werner Kilger haben im Jahr 2000 Abtragung, Transport und Einlagerung
geleitet. Den Wiederaufbau 2006/2007 leiteten Franz Plöchinger, Werner
Kilger und Franz Dillinger. Den Herdofen haben Martin Ortmeier und Kurt
Gibis rekonstruiert. Der Blockbau der Stube wurde im Ganzen geborgen,
nach Finsterau gebracht und wieder eingesetzt.
Finanziert hat die gesamte Translozierungsmaßnahme der Träger des
Museums, der Zweckverband Niederbayerische Freilichtmuseen, mit
Förderung durch die Europäische Union aus Mitteln der Gemeinschaftsinitiativen LEADER II und LEADER+, außerdem durch das Land Bayern mit
Mitteln aus dem Kulturfonds Bayern und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen.
Das Schanzer-Häusl 1999 am alten Standort und die Übertragung der Blockbaustube 2000
FAMILIEN- UND HOFGESCHICHTE
In Riedelsbach erwirbt Joseph Schanzer im Jahr 1826 von Theresia
Stockinger ein Grundstück, auf dem er zwischen 1826 und 1840 ein
Wohnhaus mit Stall und Stadl unter einem Dache erbaut. Das Anwesen
mit dem Hausnamen Peter-Monei fällt später durch Vererbung an Kathi
Eckerl, geborene Schanzer. Diese vermacht Haus und Grundstück ihren
Kindern Georg und Hedwig Eckerl. 1930 erfolgt der einzige Umbau am
Haus, ein Stallbau. Die Geschwister bleiben kinderlos und setzen den
Nachbarsjungen Franz Schanzer als Erbe ein. Mit 13 Jahren kommt er 1939
auf den Hof seines Firmpaten Georg Eckerl, 1950 wird er nach Hedwigs
Tod Eigentümer. 1952 heiratet er.
Die Eheleute Franz und Mathilde Schanzer bewohnen das Haus mit zwölf
Kindern, erst Weihnachten 1968 ziehen sie in einen komfortableren
Neubau nebenan. Dort kommt der jüngste Sohn zur Welt. Im alten Haus
wird nur noch der Stall genutzt.
1997 überschreibt Franz seinem Sohn Max das gesamte Anwesen. Nach
dem Abbau des alten Hauses im Mai 2000 errichtet er an dessen Stelle ein
Wohnhaus für sich und seine Familie.
Im Frühjahr 2006 beginnt der Wiederaufbau im Freilichtmuseum,
im September 2007 wird das alte Schanzer-Häusl an seinem neuen
Ort eröffnet.
Der Wiederaufbau im Museum 2007
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Seele and Geist
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