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Acht Wege wie im Markdorf-Wappen - SPD Markdorf

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S Ü D K U R I E R N R . 174 | F N S
D I E N S TA G , 3 0 . J U L I 2 013
Tennis-Nachwuchs
ist gut drauf
U-12-Spieler, die als Mannschaft die Meisterschaft in der ersten Bezirksklasse gewonnen haben (von links): Leon Andiel, Luis
Strobel, Leander Strobel, Robin Lerner und
Felix Weber (von links). B I L D : V EREI N
markdorf · bermatingen 19
Acht Wege wie im Markdorf-Wappen
Gedächtnis der Region:
Der Markdorfer Marktplatz
hat eine lange Geschichte.
Früher versammelten sich
dort die Bürger, wenn das
Malefizgericht tagte. Heutzutage tummeln sich die
Massen hauptsächlich beim
Elisabethenmarkt
VON WINFRIED THUM
Bermatingen – Die Jugendmannschaften des Tennisclub Grün Weiß Bermatingen haben die Verbandsspiele im Bezirk Schwarzwald-Bodensee erfolgreich abgeschlossen. Das teilt der Verein mit. Die Junioren U 16 und die Junioren U 12 wurden Meister in ihrer
Klasse, aber auch der dritte Rang der Juniorinnen U 16 und der fünfte Platz der
Junioren U 14 (in der 2. Bezirksliga)
können sich laut Verein sehen lassen.
Vereinsmeister gekürt
Kaum war die Verbandsrunde abgeschlossen, folgte die Vereinsmeisterschaft bei fast tropischen Temperaturen, weswegen schon ab 8 Uhr gespielt
wurde. In Altersgruppen wurde unter
Leitung von Jugendwart Markus Strobel nach dem System „ein Satz jeder gegen jeden“ um Punkte gekämpft. Wie
schon bei den Verbandsspielen zu erkennen war, hat sich das spielerische
Niveau gegenüber dem Vorjahr nochmals gesteigert, heißt es in der Mitteilung weiter. Folgende Spielerinnen und
Spieler errangen die jeweils ersten
Plätze:
➤ Juniorinnen U16 w: Larissa Lerner,
Annalena Fink, Corinna Fink
➤ Junioren U16 m: Niklas Schellinger,
Christian Strässle, Manuel Möglich
➤ Junioren U14 m: Robin Schellinger,
Julian Uhl, Leon Laube
➤ Junioren U12 m: Leander Strobel,
Leon Andiel
Erfolgreiche
Schachsaison
Markdorf – Dieter Knödler, Vereinsvorsitzender des Schachklub Markdorf,
blickte bei der Hauptversammlung auf
eine erfolgreiche Schachsaison zurück.
Das teilt der Verein in einer Presseerklärung mit. Der ersten Mannschaft gelang
nach einer hart umkämpften Saison der
Wiederaufstieg in die Verbandsliga
Württemberg. Bester Spieler war hierbei Hans-Ulrich Östreicher mit 7,5
Punkten aus 9 Partien. Die zweite
Mannschaft belegte in der Kreisliga einen guten dritten Rang. Hier war Marc
Regel der eifrigste Punktesammler. Die
dritte Mannschaft entging nur Dank
besserer Brettpunktewertung knapp
dem Abstieg. Benjamin Rauscher war
hier der beste Mannschaftsspieler. Die
vierte Mannschaft verpasste nur knapp
den Aufstieg, wobei Knut Albrecht alle
seine Partien gewinnen konnte.
Mit einem überraschenden, aber verdienten Sieg von Hans-Ulrich Östreicher endete die Vereinsmeisterschaft.
Den Vereinspokal gewann Dieter Knödler und Volker Hettich eroberte den Senioren Pokal. Die Blitzmeisterschaft
ging an Johannes Schröder.
In der Nachwuchsförderung blickte
der Vereinsvorsitzende auf einige Aktivitäten zurück. Außer dem wöchentlichen Jugendtraining unterstützt der
Verein seit einigen Jahren im Rahmen
einer Kooperation Schule-Verein eine
Schulschach AG im Bildungszentrum
Markdorf und seit einem halben Jahr eine weitere Schach-AG an der JakobGretser-Grundschule. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement sind hier
Wolfgang Dönitz, Kurt Wecker und Mato Kolas hervorzuheben. Aufgrund der
finanziellen Situation wurde nach intensiven Diskussionen beschlossen,
die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen.
Am Sonntag, 4. August, veranstaltet
der Schachklub das 16. Gehrenberg
Schnellschach Open ab 9.30 Uhr in der
Stadthalle. Es wird wieder ein internationales Teilnehmerfeld erwartet, das
Turnier ist offen für alle Altersklassen
und Spielstärken. Auch Nicht-Vereinspieler sind eingeladen. Anmeldeschluss ist 9 Uhr am Turniertag.
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Markdorf – Der Markdorfer Marktplatz
ist auf den großen Stadtbrand zurückzuführen. Denn vor dem Großfeuer, das
78 Häuser vernichtete und 99 Familien
obdachlos machte, war das Areal dicht
bebaut. Der große freie Platz mitten in
der historischen Altstadt ist auf den Einsatz des damaligen Stadtrates Rene
Fritz zurückzuführen. Damals erhielt
auch die Pfarrkirche einen neuen achteckigen Turm und die einladende, markante Grünanlage neben der Kirche
wohl ihre heutige Form.
Auf dem Marktplatz versammelten
sich die Bürger, wenn Glockengeläut
ankündigte, dass das Markdorfer Malefizgericht über Leben und Tod entschied. Nach dem Schuldspruch wurde
der Delinquent in einem Karren zum
Galgenbühl bei Wangen gefahren.
Der Marktplatz wird aber mehrmals
im Jahr auch seinem Namen gerecht.
Das bedeutendste Ereignis ist der Elisabethenmarkt im November mit dem
großen Jahrmarkt. Dann wird der Platz
zum Vergnügungspark. Üblicherweise
ist es aber ein Parkplatz, fast ausschließlich genutzt zum Abstellen von Autos.
Anfang der 1990er-Jahre hat Claudius
Beck, der Kindheit und Jugend am
Marktplatz verbrachte, eine Veranstaltung namens „Gugelfure“ ins Leben gerufen. Ein Gaukler- und KleinkunstSpektakel über drei Tage hinweg, das
aber zwei Jahre lang unter Wetterpech
zu leiden hatte.
Ein Hort der Ruhe ist die Anlage zwischen Marktplatz und Kirche. Sie
stammt vermutlich aus der Gründerzeit. Einer, der diese Idylle genau kennt
ist Hubert Freyas. Der heute 81-Jährige
ist in der Mittleren Kaplanei aufgewachsen und verrichtete Jahrzehnte
Mesnerdienst in St. Nikolaus. Die Anlage war für den kleinen Hubert wie der
benachbarte Pfarrgarten ein Spielplatz.
Ursprünglich durchquerten ihn nach
dem Vorbild des achtspeichigen Stadtwappens acht Wege, die alle zur zentralen Linde führte. Sie hätten unterschiedliche Nutzer gehabe, ob
„Rathäusler“ auf dem Weg
nach Hause, Ordensschwestern vom Schwesternhaus zur
Sakristei oder Zecher auf dem
Weg in den Sternen: alle querten die Anlage unterschiedlich, aber auf kürzestem Wege.
Die alte Linde ist vor elf Jahren gefällt worden und war
Freyas zufolge mindestens 130
Jahre alt. Aus dem Jahr 1871 SÜDKURIER
stammt auch das Kriegerdenkmal, das bis in die 1960er Jahre an die
Teilnehmer des deutsch-französischen
Krieges erinnerte. Ihre Namen waren
auf Tafeln zu lesen. Und über allem
thronte der Reichsadler. Die Franzosen
nach dem Krieg haben sich übrigens an
dem Kriegerdenkmal nicht gestört. Sie
hätten sogar die Trikolore daran gehisst, sagt Freyas.
Unter Pfarrer Siegfried Vögele sei das
Kriegerdenkmal abgerissen worden.
Wo der Adler geblieben ist, weiß auch
Ein Hort der Ruhe in der Stadt: Das Kriegerdenkmal auf der Nordseite stammte von 1871 und erinnerte an die Teilnehmer des deutsch-französischen Krieges. Es wurde in den 1960er Jahren unter Pfarrer Vögele abgebaut. B ILD : A RCHIV ILL
Die alte Linde fiel mit mehr als 130 Jahren 2002, da der Stamm nicht mehr standsicher war. Die Mittlere Kaplanei im Hintergrund zeigt sich
unverändert. Die Stadtgärtnerein sorgt alljährlich für exotische Bepflanzung. B ILD : THU M
Freyas nicht. Vier Kastanienbäume, zwei rot-, zwei weißblühend, wurden in den
1960er Jahren ebenfalls gefällt. Diese Art von Gartenkultur, so weiß Freyas, fand
Nachahmer bei der Bürgerschaft, die ihre Gärten nun
nach ähnlichem Muster anlegten. Die „Linde“ und der
„Schwanen“ im Hintergrund
sind übrigens 1997/98 abgerissen worden. Gerne erinnert sich Hubert Freyas an Fritz Hummler von der
Linde, ein „tüchtiger Metzgermeister“,
der 1938 nach Weingarten zog und dort
eine Metzgerei aufbaute. Heute steht an
dieser Stelle der Schwanenkomplex mit
Geschäften, Büros und Wohnungen.
Markus Pfau hat ihn vor der Jahrtausendwende gebaut. Die gepflegte Klappenberger’sche
Restaurant-Kultur
setzt heute Rudi Öxle im „Schwanenstüble“ fort.
Gedächtnis
der Region
Die Serie
➤ Gedächtnis der Region: In der
großen Serie „Gedächtnis der Region“
widmet sich der SÜDKURIER dem Wandel
am Bodensee, im Schwarzwald und am
Hochrhein. In den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten hat sich das
Gesicht der Region, von Gemeinden,
Plätzen und Arbeitsstätten stark verändert.
Wo früher teils unberührte Landstriche
waren, stehen heute Wohnblocks, wo
früher Firmen blühten, gähnen nun vielleicht Industriebrachen. In einer Artikelserie zieht der SÜDKURIER den Vergleich
zu damals.
➤ Ihre Bilder und Geschichten: Unsere
Zeitung sucht darüber hinaus historische
und außergewöhnliche Bilder von Orten,
Gebäuden, Festen oder Vereinen und die
Geschichten dazu. Schicken Sie uns Ihre
Erinnerungsschätze und wir gehen dem
Wandel auf die Spur! Wenn Sie Erlebnisse
oder Bilder dazu haben, schicken Sie uns
diese gerne per E-Mail:
messkirch@suedkurier.de
➤ Die nächste Folge: Über die Stadtgrabenstraße lesen Sie am Samstag.
Die Serie im Internet:
www.suedkurier.de/damals
Der ganze Marktplatz roch nach Schnaps
Claudius Beck ist Leiter des Kulturamtes der
Stadt Rheinfelden. Er hat Kindheit und
Jugend am Marktplatz verbracht.
Als ich ein Kind war, da war der
Marktplatz noch Marktplatz. Am
Montag gab es einen Viehmarkt,
einmal im Monat dienstags führte der
TÜV auf offenem Platz seine Prüfungen aus und die Autos verstopften
den Platz. Die Schnapsbauern fuhren
des öfters zum Marktplatz, weil die
Bundesmonopolverwaltung für
Branntwein vor dem „Schwanen“
ihren Lastwagen abstellte mit den
Behältnissen, in denen die Bauern
den Pflichtanteil ablieferten. Da roch
der ganze Marktplatz nach Schnaps.
Hinter dem „Schwanen“ gab es die
Viehwagen, wo der Küfermeister Rogg
die Rinder und Schweine wog, die fast
täglich von Metzger und Viehhändler
vorgefahren wurde. Jeden November
gab es, wie heute noch, den Elisabethenmarkt und der Platz war eine
Woche lang voll mit Fahrgeschäften.
Am meisten erinnere ich mich, dass
wir auf dem Platz noch Ball spielen
konnten und viele Federballturniere
stattfanden. Dies etwa nicht, weil die
Verwaltung ein Parkverbot aussprach.
Nein, es gab einfach viel weniger
Autos, der Platz war in den späten
Fünfzigern und Sechzigern einfach
nur halb oder viertel zugeparkt. Nach
und nach eroberte das Auto den Platz
und für Kinder blieb kein Raum mehr.
Der TÜV mietete sich im Industriegebiet ein, der Schnaps wurde am Bahnhof gesammelt, die Viehwaage überflüssig. Heute spielen die Kinder
Claudis Beck mit drei Jahren vor dem elterlichen Geschäft am Marktplatz. B ILD : PRIVAT
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„Vielleicht finden sich ja Unterstützer für eine weitere ‚Gugelfure‘,
dass Markdorf noch einmal zum
Beben kommt.“
Claudius Beck
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zuhause, wo es Steckdosen gibt.
1996 gründete ich ein Straßentheaterfestival mit dem Namen „Gugelfure“,
das im Jahr darauf nur einmal eine
Fortsetzung fand. Auf einer großen
Bühne gab es drei Tage lang Programm, für das rund 1000 Personen
pro Tag Eintritt bezahlten. Privat
finanziert konnte es leider nicht weiterbestehen. Der Platz lebte auf und
bot eine ideale Kulisse für Gaukler,
Artisten und Musiker. Vielleicht finden sich ja Unterstützer, damit Markdorf noch einmal bebt.
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Seele and Geist
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