close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Fingerspiele statt Laptops: Wie wir wirklich gut lernen Medizin Nur

EinbettenHerunterladen
Fingerspiele statt Laptops: Wie wir wirklich gut lernen
Medizin Nur durch “selber machen“ bildet das Gehirn Synapsen aus. Gehirnforscher
Manfred Spitzer hält deshalb Lernen am Computer für wenig sinnvoll.
Von Michaela Schabel, MZ
Landshut. “Wir klicken unseren Verstand weg!“ Manfred Spitzer ist ein strikter Gegne r der
Computerisierung von Kindergärten und Grundschulen. Er beruft sich dabei auf die Erkenntnisse
der Hirnforschung: Über Medien würden die Gehirnneuronen von Kindern nur einmaligen
Eindrücken ausgesetzt. Es sei viel wichtig er, das Gehirn in sozialen Interaktionen zu trainieren.
Erst das Wiederholen von Handlungen stärke die Synapsen verbindungen - und ermögliche
Lernen.
Keine Studien zu Laptop-Klassen
Seit Jahren reist der Gehirnforscher in fast missionarischer Hingabe durch deutsche Lande, um
die Ergebnisse der Gehirnforschung unter das Volk zu bringen - so auch in Landshut vor 2000
Zuhörern. S eine Fangemeinde wird nicht zuletzt durch seine TV-Sendung “Geist und Hirn“ und
seine verständlichen Bücher imme r größer.
Wer sich mit Gehirnforschung beschäftigt, findet in Spitzers Vorträgen keine Neuigkeiten. Und
doch ist es stets interessant, seine Thesen im Kontext gesellschaftspolitischer Diskussionen zu
hören: “Medizin für die Bildung“ heißt sein neuestes Buch, in dem er thematisiert, was die
Bildung von der Medizin und der Gehirnforschung lernen kann.
Denn was dort unmöglich wäre, ist in der Bildungspolitik gang und gäbe, beklagt der
Mediziner. Man experimentiere nach Versuch und Irrtum und ohne Forschungsergebnisse. So
belege bisher keine Studie , dass in Laptop-Klassen bessere Lernergebnisse erzielt würden.
Er geht vom Gegenteil aus: Ständig neue Eindrücke, wie beim Klicken im PC oder hekti schen
Werbespots im TV, bringen keinerlei Lernzuwachs, sagt der Gehirnforscher. “Gehirne vermüllten“
statt D isziplin und Durchhaltevermögen aufzubauen. Dabei bestehe zwischen früh erlernter
Disziplin und einem erfolgreichen Leben ein linearer Zusammenhang, so Spitzer. “Je mehr ein
Gehirn in der Jugend trainiert wird, desto me hr passt rein. Wer mit 17 nichts gelernt hat, hat
den Lernprozess verpasst.“
Also empfiehlt der Forscher, “statt Laptops besser Fingerspiele und Kuchen backen“.
Entscheidend sei, wie sich Kinder die Welt aneignen: sie mit Herz, Hirn und Hand zu be-greifen.
Ob Kinder Kuchen backe n, mit Fingerspielen rechnen oder “Drei Chinesen mit dem Kontrabass“
durch alle Vokale singen: All dies verstärkt die Synapsen im Gehirn.
Auch ein Baby lerne erst durch Aufstehen und Hinfallen Laufen: “Kein einmaliges Erle bnis,
sondern wochenlanges Üben.“ Schon mit sieben Monaten lernen Babys Grammatik, mit sechs
Jahren können sie die deutsche Sprache - umso besser je mehr sprachliche Anregungen sie
bekommen und sich entsprechende Synapsen h erausbilden.
Das Gehirn wird träge
Starke Synapsen sind also die Basis für schnelle Lernprozesse. Computer und Playstat ions
dagegen “fixen an“ zu Inaktivität und Trägheit des Hirns, sagt Spitzer. Studien belegten, dass
bei Kindern mit Playstations schon innerhalb von vier Monaten ein geringerer Lernzuwachs und
Auswirkungen auf das Sozialverhalten messbar seien.
Interessant ist, wie der Forscher nun auch die Glückstheorie in die Lerntheorie einb aut. Das
menschliche Gehirn hat kein Glückszentrum, aber ein Belohnungssystem, das Endorphine
ausschüttet. Diese “Gl ückshormone“ entstehen bei einem kurzen Einkaufstrip genauso wie bei
Süchtigen oder Verliebten. Sie entstehen a ber auch beim Lernen. Sich auf etwas Neues
einlassen, etwas begreifen lernen und können, macht glücklich. Glück ist kein Dauerzustand.
Aber wer ein Leben lang lernt, wird immer wieder Glück empfinden.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung, 7.Juni 2011
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
1
Dateigröße
66 KB
Tags
1/--Seiten
melden