close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Heldinnen wie wir - LIFE eV

EinbettenHerunterladen
Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen aus Osteuropa
über Leben, Lernen und Arbeiten in Deutschland
Heldinnen wie wir
Heldin kann jede sein
Viele Migrantinnen mit ingenieur- und naturwissenschaftlicher
Qualifikation leben in Deutschland, ohne hier jemals in ihrem
gelernten Beruf gearbeitet zu haben. Sie jobben als Putzfrauen,
ungelernte Kräfte, Aushilfen in der Altenpflege. Und das trotz prognostizierten Fachkräftemangels im ingenieurwissenschaftlichen
Bereich.
‚Heldinnen wie wir’ handelt von Frauen aus Technik und Naturwissenschaft, die es geschafft haben, wieder einen Anschluss an
die Berufe zu finden, die sie in ihren Herkunftsländern ausgeübt
haben.
Sieben Frauen erzählen ihre bewegten und bewegenden Lebensgeschichten. Sie haben ihren Mut und ihren Optimismus trotz vieler Schwierigkeiten nicht verloren.
Unsere ‚Heldinnen’ sind stark, aber sie sind nicht einzigartig. Heldin kann jede sein, die nicht aufgibt, die sich nicht zufriedengibt,
die für einen guten Arbeitsplatz kämpft.
Aber: Unsere Heldinnen sind keine Einzelkämpferinnen, sie haben
Unterstützung gesucht und bekommen. Nicht zuletzt von anderen Frauen in ähnlicher Situation, die sie in Workshops und Netzwerktreffen bei LIFE e.V. / Kumulus-Plus kennengelernt haben.
Seit Mitte 2005 gibt es bei LIFE e.V. ein Angebot, das sich speziell
an Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen aus Osteuropa
richtet. 150 Migrantinnen sind seitdem bei uns beraten worden,
davon haben sich 80% eine berufliche Perspektive erarbeitet, die
ihrem Qualifikationsniveau entspricht. 50% von ihnen arbeiten inzwischen auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Diese Zahlen zeigen, dass ihr Mut mit Erfolg belohnt wurde.
Andrea Simon, Projektleiterin LIFE e.V.
Andrea Simon,
Projektleiterin LIFE e.V.
Sabine Osvatic,
Recherche und Texte
in dieser Broschüre
Eva Sakurova
„Meine eigenen Stärken habe ich vorher gekannt,
aber wie ich das richtig machen soll mit meiner Kraft,
das habe ich hier gelernt“
4
Ева Сакурова
«Мои сильные стороны я знала и раньше,
но их правильно использовать,
я научилась здесь»
Dr. Larissa Graf
„Das Assessment hat mir geholfen,
innere Orientierung zu finden und
die Realität wirklich zu sehen“
7
Доктор Лариса Граф
«Ассесмент помог мне найти
Lucyna Dzikowski
„Ich freue mich auf jeden neuen Tag“
10
Люцина Дзиковски
«Я радуюсь каждому дню»
Olga Maykl
„Im Assessment konnte ich mich selbst
14
Ольга Майкл
«Ассесмент помог мне
увидеть себя со стороны,
и узнать много нового о себе»
Raissa Beimler
„Du fühlst dich sogar zuhause nicht
allein gelassen“
17
Раиса Баймлер
«Даже находясь дома, ты чувствуешь,
что ты не один»
Svetlana MiIz
„Man braucht ein Ziel und ein bisschen Glück“
20
Светлана Милц
«Нужна цель и немножко счастья»
Volha Aras
„Aus diesem Projekt nehme ich Optimismus mit
und neue Kraft“
23
Волга Арас
«Из этого проекта я черпаю
оптимизм и силу»
внутреннею ориентацию и увидеть
действительную реальность»
wie von aussen sehen und ich habe
viel Neues über mich erfahren“
Eva Sakurova*
Ева Сакурова*
Innen-, Messe- und
Landschaftsarchitektin
Архитектор интерьера, выставки и
ландшафта
Russland
Россия
„Meine eigenen Stärken habe ich vorher gekannt, aber
wie ich das richtig machen soll mit meiner Kraft, das habe
ich hier gelernt“
«Мои сильные стороны я знала и раньше, но их
правильно использовать, я научилась здесь»
Für Eva Sakurova aus Russland war vor allem die Beratung, Begleitung und Unterstützung wichtig, die sie im Netzwerk LIFE e.V. /
Kumulus-Plus erfahren hat. Heute hat sie wieder einen guten Job.
Sie arbeitet als freie Mitarbeiterin in einem Designerbüro. Noch
kann sie es selbst kaum fassen: „Der Job ist wie ein Lottogewinn
für mich, ohne die Hilfe von LIFE hätte ich das nie geschafft.“
Важнейшим для Евы Сакуровой из России были консультации,
советы и поддержка, предоставленные в LIFE e.V. / KumulusPlus. Сейчас она работает как самостоятельный сотрудник
в бюро дизайна. До сих пор она ещё не может это осознать:
«Эта работа, как выигрыш в лотто. И без помощи LIFE
мне бы никогда это не удалось.»
Die junge Architektin und Designerin aus Sankt Petersburg ist
ihrem Mann, einem Kontingentsflüchtling, nach Deutschland
gefolgt. Ihren Mann hatte sie während ihres Architekturstudiums
in Sankt Petersburg kennen gelernt; er wohnte damals schon in
Deutschland. Drei Jahre musste
sie auf ihr Visum warten, immer
wieder gab es Schwierigkeiten,
einmal waren auf dem zuständigen Amt angeblich die Dokumente verloren, einmal gab es eine
Absage ohne Begründung. Im
Nachhinein sagt Eva über diese
Jahre:
„Eigentlich war es eine gute
Zeit. In Russland gibt es viel
Arbeit für Architekten. Nach
dem Studium hatte ich eine
tolle Arbeit als Innenarchitektin
gefunden; ich war Leiterin eines
Ева, молодой архитектор и дизайнер из Сант Петербурга, следует за своим мужем (контингентный беженец), в Германию.
Она познакомилась с ним в Сант Петербурге во время учёбы
на архитектора. Он уже тогда жил в Германии. Ева
три года ждала разрешения на выезд: всё время появлялись какие-то проблемы. Однажды, якобы, пропали документы, потом, отказывают без объяснения
причин. Про эти годы Ева вспоминает:
«В принципе, время было хорошее. В России
много работы для архитекторов. После
учёбы я нашла чудное место - архитектор
по интерьеру. Возглавляла группу и была
довольна жизнью. Мой муж мог свободно
ездить между Берлином и Сант Петербургом,
поэтому мы часто виделись. Когда я, наконец,
получила визу, ситуация была 50:50 - уезжать
или оставаться? Но у нас есть ребёнок, и отец
ребёнка живёт в Германии.»
Решение было принято: в июне 2006 года Ева с маленькой дочкой переезжает к мужу в Берлин. Во
* Name geändert
* Имя изменено
Plötzlich steht sie ohne Arbeit, mit nur wenig Geld, und ohne ein
Wort Deutsch zu können, in einer fremden Stadt.
„Ganz am Anfang, als ich aus Russland kam, war ich so stark,
ich war voller Energie, ich wollte unbedingt arbeiten, dann habe ich schnell verstanden, dass ich gar nichts machen kann.
Mein Mann konnte mir nicht helfen, ich
habe alles allein gemacht, ohne Deutsch
zu können: Kindergeld beantragt, eine
Wohnung gefunden, alles. Ich war wie ein
Roboter, das war schlimm.“
Sie besucht einen Integrationskurs und beginnt Deutsch zu lernen. Dann liest sie in
einer russischen Zeitung einen Artikel über
Life e.V. / Kumulus-Plus. Sie ruft sofort an
und macht einen Termin aus. Das Telefonat
und das erste Beratungsgespräch führt sie
noch auf Russisch, dann spricht sie Deutsch.
„Für mich war es toll, dass ich bei einer
deutschen Organisation war. Ich musste
sofort Deutsch verstehen und sprechen, das war am Anfang
zwar ganz schwierig für mich, aber dadurch habe ich viel gelernt. Ich konnte zwar ein bisschen sprechen, aber ich habe eigentlich gar nichts verstanden. Dabei habe ich aber trotzdem
viele Wörter gelernt, und nach und nach ist mein Deutsch immer besser geworden.’“
Im Projekt nimmt Eva am Assessment Center teil. Das ist für sie
eine neue Erfahrung. Trotz ihrer geringen Sprachkenntnisse
schlägt sie sich tapfer durch alle Rollenspiele und Aufträge, weil
sie die Anforderungen des deutschen Arbeitslebens unbedingt
kennen lernen will.
время учёбы, работы, ухода за дочкой ей и в голову не приходило заняться немецким языком.
ЕВА САКУРОВА
Teams und sehr zufrieden. Mein Mann konnte ja frei zwischen
Berlin und Sankt Petersburg reisen und hat uns oft besucht.
Als das Visum dann endlich kam, stand es für mich eigentlich
50:50 zwischen Gehen und Bleiben. Aber ich habe ein Kind,
und er ist der Vater.’“
So fiel die Entscheidung: Im Juni 2006 reiste sie mit ihrer kleinen
Tochter zu ihrem Mann nach Berlin. Neben Studium und Arbeit
und der Versorgung ihrer Tochter hatte sie ans Deutschlernen
noch gar nicht gedacht.
Вдруг она оказывается без работы, почти без денег и без единого слова по- немецки в чужом городе.
«В самом начале, когда я приехала из России, меня переполняла сила и энергия, я хотела непременно работать. И вот оказывается, что это вовсе невозможно.
Мой муж не мог мне помочь. Всё приходилось делать,
без знания немецкого, самой: получить деньги на ребёнка, найти квартиру, короче, всё самой. Я превратилась
в робота, и это было ужасно.»
Она идёт на курсы
интеграции и начинает учить немецкий
язык. В одной русской
газете ей попадается статья о LIFE e.V. /
Kumulus-Plus. Она тотчас
звонит
туда
и договаривается о
встрече. Телефонный
разговор и первая
консультация ведутся
ещё на русском языке, в дальнейшем , она
уже разговаривает на
немецком.
«Я рада, что пошла
в немецкую организацию. Надо было сразу понимать и говорить по-немецки. Сначала было очень трудно, но зато я многому
научилась. Немного говорить я могла, но почти ничего
не понимала. При этом я запоминала слова, и так, постепенно, мой немецкий улучшался.»
Ева принимает участие в программе Ассесмент центра. Всё
это абсолютно ново для неё. Несмотря на языковые трудности, она мужественно справляется с заданиями и игрой в роли.
Она хочет знать, какие требования предъявляет трудовой рынок Германии.
«Ассесмент это, как будто не тренировка, а сама жизнь.
EVA SAKUROVA
„Das Assessment war sehr echt; einmal glaubte ich mein Ziel
nicht erreicht zu haben und den Auftrag nicht gut gelöst zu
haben, da war ich ganz fertig und enttäuscht. Ich wollte es
unbedingt schaffen. Meine eigenen Stärken habe ich vorher
gekannt, aber wie ich das richtig machen soll mit meiner
Kraft, das habe ich hier gelernt.“
Am wichtigsten ist für Eva die Unterstützung bei der Arbeitssuche,
die konkrete persönliche Beratung und Begleitung. Allein hätte
sie nicht gewusst, wo und wie sie überhaupt anfangen könnte,
eine Arbeit auf ihrem beruflichen Niveau zu suchen. Bei LIFE e.V. /
Kumulus-Plus erhält sie die nötigen Informationen. Wenn etwas
schief geht oder es Probleme gibt, wenn sie entmutigt ist, erhält
sie Hilfe, und findet schließlich auch einen Praktikumsplatz bei einer Architektin.
Durch das Praktikum und die konkreten Arbeitserfahrungen, die
sie dort macht, rückt die Möglichkeit, bezahlt zu arbeiten, erstmals
wieder in greifbare Nähe. Sie beginnt freiberuflich zu arbeiten, erhält sogar einen befristeten Auftrag als Innenarchitektin, macht
das Bewerbungstraining mit, informiert sich über Anzeigen und
Angebote, schreibt Bewerbungen und nutzt dabei auch das Online Angebot des Projekts, ihre Bewerbungsunterlagen ins Netz zu
stellen und korrigieren zu lassen.
Schließlich erhält sie die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei einem Designerbüro.
„Ich war sicher, dass ich’s nicht bekomme, aber ich habe
gedacht, ich geh einfach hin.’“
Es klappt, Eva erhält die Stelle. Nach 2 Jahren in Berlin hat sie es
geschafft, in ihrem Beruf wieder Fuß zu fassen.
„‚Ich würde jeder Frau, die neu hierher kommt, raten, nicht einfach allein zu Hause rumzusitzen, sondern aktiv zu werden.
Ich habe bei LIFE andere Frauen aus Russland, aus Polen, aus
der Ukraine kennen gelernt, die in einer ähnlichen Situation
sind wie ich. Wir haben uns Tipps gegeben und uns gegenseitig unterstützt. Das hat mir sehr geholfen. Und ich konnte mit
allen Beraterinnen und Dozentinnen offen sprechen, wann
immer ich Hilfe brauchte. In anderen Kursen schreibt man
nur Bewerbungen, hier kriegen wir ein Praktikum und fangen
wirklich an zu arbeiten.“
Один раз мне показалось, что я не выполнила задания,
не дошла до цели. Это так меня убило и разочаровало.
Я хотела добиться хорошего результата. Мои сильные
стороны я знала и раньше, но их правильно использовать, я научилась здесь.»
Самое главное для Евы, это поддержка в поисках работы, конкретная личная консультация и сопровождение. Без помощи
она не знала бы, где, когда и, вообще, с чего начинать искать работу на своём профессиональном уровне. LIFE e.V. / KumulusPlus предоставляет ей эту нужную информацию и помогает,
если что-то не получается, возникают проблемы, или улетучивается вера в себя. Наконец она получает место практиканта
у архитектора. Возможность найти настоящую работу, после
практики и приобретённого опыта, значительно возрастает.
Она начинает самостоятельно работать, даже получает заказ
на оформление интерьера. Участвует и дальше в тренингах,
собирает информацию о предлагаемой работе. Пишет резюме
и пользуется возможностью, отредактировать и поставить его
Online - услуги проекта.
Бюро дизайна приглашает её на собеседование.
«Я была почти уверена, что меня не возьмут, но решила всё таки пойти.»
И что же? После двух трудных лет в Берлине, Ева может начать
работать по своей профессии.
«Я могу каждой, сюда приехавшей женщине, посоветовать, не сидеть одной дома и ждать, а активно действовать. В LIFE я познакомилась с женщинами из России,
Польши, Украины, которые были в такой же ситуации,
как и я. Мы подсказывали друг другу, поддерживали.
Это мне очень помогло. К тому же, я могла откровенно
поделиться с консультантами и доцентами, если мне
нужна была помощь. На других курсах учатся только
правильно писать резюме, здесь же нам находят место
для практики, и мы начинаем, действительно, работать.»
Dr. Larissa Graf
Доктор Лариса Граф
Sportwissenschaftlerin
Специалист по спортивной науке
Russland
Россия
„Das Assessment hat mir geholfen, innere Orientierung
zu finden und die Realität wirklich zu sehen“
«Ассесмент помог мне найти внутреннею ориентацию
и увидеть действительную реальность»
Im Sommer 1994 steigt die 35jährige promovierte Sportwissenschaftlerin mit ihren beiden Kindern und ihrem Mann am Bahnhof
Lichtenberg aus dem Zug, der sie aus Sankt Petersburg nach Berlin gebracht hat.
„Niemand hat uns abgeholt. Für mich war das alles ganz
fremd. Ich konnte kein Deutsch; ich wollte eigentlich gar nicht
her. Am liebsten wäre ich gleich wieder in den Zug gestiegen
und zurückgefahren.“
Larissa Graf ist im Ural geboren und aufgewachsen. Als Kind war
sie häufig krank. Um ihr schwaches Immunsystem zu stärken, beschließen ihre Eltern, sie auf
eine Sportschule zu schicken. Dort trainiert sie
Skilanglauf; sie hat Freude am Skilaufen und ist
sehr talentiert. Als sie auf einer Kur die vielfache
sowjetische Meisterin im Skilanglauf kennen
lernt, steht ihre Entscheidung fest. Mit 17 geht
sie nach Sankt Petersburg, um Sportwissenschaft zu studieren, obwohl ihre Eltern sie lieber
in einem technischen Beruf gesehen hätten.
Sie schließt ihr Studium erfolgreich ab, promoviert, heiratet einen Studienkollegen, bekommt
zwei Kinder.
„Die Jahre in Sankt Petersburg waren eine
glückliche Zeit: Ich war Privatdozentin an
der Hochschule, habe wissenschaftlich gearbeitet und Studenten unterrichtet. Ich wollte nicht weg.“
Es ist die Entscheidung ihres Ehemannes, eines Russlanddeutschen,
nach Berlin auszuwandern. Er rechnet auf bessere Chancen für sich
selbst und seine Kinder. Für Larissa Graf beginnt in Berlin eine sehr
Летом 1994 года на вокзале Лихтенберг из поезда Сант Петербург - Берлин выходят: 35-летняя женщина, с учёной степенью
доктора наук, её двое детей и муж.
«Нас никто не встречал. Всё было для меня чужим. Немецкого языка я не знала, и вообще сюда не хотела.
С удовольствием села бы опять в поезд и поехала обратно.»
Лариса Граф родилась и выросла на Урале. В детстве она часто
болела. Чтобы укрепить слабую имунную систему, родители
отправляют её в спортивную школу.
Там она занимается лыжным бегом на
длинные дистанции. Ей нравится лыжный спорт, и у неё проявляются большие способности к нему. Когда она,
во время курса лечения, знакомится
с многократным советским мастером
по лыжному бегу, решение уже принято. В 17 лет она едет в Сант Петербург
изучать спортивную науку, хотя родители представляли для дочери техническую карьеру.
Лариса успешно заканчивает учёбу, получает научную степень, выходит замуж
за сокурсника и рожает двух детей.
«Время в Сант Петербурге было
счастливым: я была приватным доцентом в институте, занималась научной работой и преподавала. Я никуда не хотела уезжать.»
Решение выехать в Берлин принял муж - русский немец.
DR. LARISSA GRAF
schwierige Lebensphase. Nach ein paar Tagen im Empfangslager
und anschließend in einem Wohnheim kommen sie zunächst
immer wieder bei unterschiedlichen Verwandten unter, bis sie
schließlich nach einem Jahr eine eigene Wohnung im Wedding
beziehen. Ihrem kleinen Sohn fällt die Umstellung sehr schwer.
Sie sorgt sich um ihn. Und sie möchte unbedingt wieder arbeiten.
Ihr Studium und ihr Doktortitel werden zwar anerkannt, aber das
macht die Suche nach Arbeit für sie nicht leichter; denn mit anerkanntem Abschluss kommt eine Umschulung für sie nicht in
Frage, für viele Jobs im Bereich Sport und Gesundheit, wie z.B. in
Fitnesscentern, ist sie überqualifiziert, für eine Arbeit an der Uni
reichen schon allein ihre Sprachkenntnisse nicht aus.
„Mit meiner Ausbildung kam eigentlich nur der 2. Arbeitsmarkt in Frage, von Projekt zu Projekt, von ABM zu ABM, zuletzt ein 1 Euro Job. Ingenieur, wie meine Eltern es für mich
wollten, wäre wahrscheinlich viel leichter gewesen, aber ich
habe in meiner Situation immer mehr Vorteile als Nachteile
gesehen.“
Sie wird schwer krank und erholt sich nur langsam. Trotz vieler
Rückschläge bleibt Larissa Graf immer aktiv und optimistisch. Ihr
großer Traum ist es, sich als Beraterin selbständig zu machen mit
einem ganzheitlichen Konzept von Gesundheit, Schönheit und Bewegung. Sie lernt weiter Deutsch, schreibt Bewerbungen, macht
Kurse zur Existenzgründung und Weiterqualifizierung, finanziert
sich selbst eine Ausbildung zur Kosmetikerin; sie engagiert sich in
der evangelischen und später auch in der katholischen Gemeinde,
gründet eine Samstagsschule für russische Kinder, leitet Frauenund Seniorengymnastikkurse. Sie findet auch immer wieder Jobs,
aber weit unter ihrer Qualifikation.
„Ich habe immer wieder gearbeitet aber ich habe auch immer
darauf geachtet, nicht zu weit von meinem Beruf wegzugehen. Ich habe immer an meinen Traum geglaubt.“
Von LIFE e.V. und Kumulus-Plus liest sie in einer russischen Zeitung.
Obwohl es im Projekt eigentlich nur um technische Berufe geht,
ruft sie sofort an und macht einen Termin aus. Sie hofft zunächst
nur auf Unterstützung bei der Suche nach einem Praktikumsplatz
in ihrem Berufsfeld, der ihrer Qualifikation entspricht, aber dann
steigt sie ganz ins Projekt ein und nimmt alle Angebote wahr.
„Das ist das Beste, was ich erlebt habe in Deutschland nach
all den Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ich hab mich von
Anfang an wohl gefühlt, auch im Assessment. Ich war immer
initiativ, hab mir viel vorgenommen. Mein Selbstbewusstsein
ist durch das Assessment sehr gestärkt worden. Durch die
Он надеялся на лучшие шансы для себя и детей. В Берлине для
Ларисы Граф начинается тяжёлый отрезок жизни. После некоторого времени в приёмном лагере, а потом в общежитии, они
живут то у одних, то у других родственников. Через год они
получают квартиру в Вединге. Маленький сын не может привыкнуть к новому окружению и чувствует себя плохо. Лариса
проводит с ним много времени, но хочет обязательно найти
работу.
Её обучение и звание доктора признаются, но не помогают
найти работу. А с признанным дипломом у неё нет возможности на переобучение. Для работы в области спорта и здоровья,
к примеру, в фитнесцентрах, она переквалифицирована. А для
работы в университете не хватает знания языка.
«С моим образованием можно было только на 2-ом
трудовом рынке что-то найти. И так, от проекта
до проекта, от АВМ до АВМ, и даже 1 Euro Job. Если бы
я была инженером, как хотели родители, наверняка,
всё было бы проще. Но я видела также и преимущества
в моей ситуации.»
Она тяжело заболевает, и очень медленно поправляется. Несмотря на удары и неудачи, Лариса Граф остаётся активной
и оптимистичной. Её мечта стать самостоятельным консультантом по методике комплексности здоровья, красоты и движения. Она учит немецкий, отправляет резюме, посещает курсы по повышению квалификации и основания собственной
фирмы. Сама оплачивает обучение на косметичку; принимает
участие в работе евангелической, а позже в католической общинах. Организует суботнюю школу для русских детей, ведёт
курсы гимнастики для женщин и пенсионеров. Она всё время
находит работу, но всегда ниже уровня своей квалификации.
«Я всё время работала, но всегда старалась не очень
удаляться от своей профессии. Я никогда не забывала
о своей мечте.»
Про LIFE e.V. и Kumulus-Plus она читает в русской газете. Хотя
проект занимается техническими профессиями, она тут же
звонит и договаривается о встрече. Вначале она только надеется на поддержку в поисках практики по своей профессиональной квалификации, а затем участвует во всех курсах и семинарах проекта.
«Сегодня без сомнения могу сказать: это было лучшее‚ из
того, что мне встретилось в Германии. С самого начала я чувствовала себя хорошо. Я проявляла инициативу,
хотела многого достичь. Уверенность в себе, при помощи Ассесмент, стала возрастать. Из-за тяжёлого времени без работы в Германии появилась неуверенность.
Для нас, эмигранток, сложно найти баланс между: себя
переоценить, или недооценить. При этом особенно
мне помог Ассесмент: Найти внутреннею ориентацию
и увидеть действительную реальность. Я беру всё так
близко к сердцу, а Ассесмент научил меня, не всё принимать как личную обиду. Если что-то иногда не получается, или кто-то не очень приветлив, вовсе не означает, что это из-за меня. Этого я раньше не понимала.»
Wichtig sind für Larissa Graf auch die Begegnungen mit anderen
Teilnehmerinnen, die in einer ähnlichen Situation sind wie sie
selbst, die Informationen, das Gespräch und die Beratung mit den
Dozentinnen und Mitarbeiterinnen.
„Vorher hab ich manchmal gedacht, auf
dem 2. Arbeitsmarkt da wollen viele nur auf
unsere Kosten Geld verdienen, aber hier bei
LIFE sind wir richtig gut aufgenommen worden. Ich habe eigentlich erst durch die anderen Teilnehmerinnen gemerkt, wie viele
Erfahrungen und Kenntnisse ich schon gesammelt habe. Was das Leben in Deutschland und die Orientierung auf dem Arbeitsmarkt betrifft, wusste ich eigentlich schon
mehr als viele der anderen. Da hab ich dann
gemerkt, dass ich was bin und was ausstrahle. Gut war auch,
dass wir immer die Möglichkeit hatten, mit allen Dozentinnen
zu sprechen, wenn etwas schwierig war. Es gab immer sofort
Hilfe. Wir haben im Assessment, bei den Beratungen und im
Bewerbungstraining viel darüber erfahren, wie es hier läuft,
welche Regeln es gibt und welche Mentalität. Und durch LIFE
habe ich meine Praktikumstelle bei einer Ärztin gefunden.“
Larissa Graf macht ein Praktikum bei einer Ärztin in Berlin Grunewald und besucht parallel dazu noch einen Kurs über Ernährungsberatung. Jeden Abend liest sie Fachliteratur und qualifiziert sich
weiter. Ihr Traum ist in greifbare Nähe gerückt. Mit der Ärztin versteht sie sich gut, diese bietet ihr einen Raum in ihrer Praxis an.
Larissa schreibt ein Konzept und kämpft im Jobcenter um einen
Existenzgründungszuschuss. Sie kann den Berater überzeugen.
Ihr Traum ist Wirklichkeit geworden. Am 1. September 2007 eröffnet sie ihre eigene Praxis für Gesundheit.
Для Ларисы Граф важны встречи с другими участницами
проекта, которые находятся в аналогичной ситуации, информация, беседы и консультации с доцентами и сотрудниками.
«Раньше я думала, что на 2-ом трудовом рынке многие хотят зарабатывать за наш
счёт, а LIFE принял нас в своё лоно
и хорошо заботился о нас. Я только
на фоне других участниц поняла,
какой опыт и знания у меня накопились. Что касается жизни в Германии и трудового рынка, я знала,
пожалуй, больше многих других.
Тогда я поняла, что что-то из себя
представляю, и даже, что-то исходит от меня. Хорошо, что была
возможность проконсультироваться со всеми доцентами, если появлялись трудности. Помогали сразу. На
тренингах и семинарах в Ассесмент мы начали понимать, по каким правилам здесь живут,и как мыслят.
С помощью LIFE я нашла место практики у врача.»
ДОКТОР ЛАРИСА ГРАФ
schwierige Zeit in Deutschland und die lange Zeit ohne Arbeit
war ich sehr unsicher. Für uns Migrantinnen ist es ziemlich
schwer, die Mitte zu finden, sich nicht zu überschätzen
und sich aber auch nicht zu unterschätzen. Dabei hat mir
besonders das Assessment geholfen. Die Erfahrungen haben
mich dabei unterstützt, innere Orientierung zu finden und
die Realität wirklich zu sehen. Ich lasse viele Sachen so nah
an mein Herz; im Assessment habe ich gelernt, nicht alles als
persönliche Beleidigung zu nehmen. Manchmal, wenn etwas
nicht klappt oder jemand unfreundlich ist, hat das gar nichts
mit mir zu tun. Das habe ich vorher nicht gesehen.“
Лариса Граф проходит практику у врача в Груневальде (Берлин), и параллельно посещает курсы по проблемам питания.
Каждый вечер она читает специальную литературу и учится
дальше. Её мечта не так уж далека: врач, у которой она практикуется, предлагает ей помещение в своей практике. Лариса
составляет концепт и борется в Jobcenter за материальную
поддержку на пути к самостоятельности. Она смогла убедить
сотрудника. Её мечта стала действительностью. 1 сентября
2007 года она открывает собственный кабинет здоровья.
Lucyna Dzikowski
Люцина Дзиковски
Wirtschaftswissenschaftlerin
Учёная-экономист,
Polen
Польша
„Ich freue mich auf jeden neuen Tag“
«Я радуюсь каждому дню»
Lucyna Dzikowski hat den Sprung in die Selbständigkeit geschafft. Die Wirtschaftswissenschaftlerin aus Stettin hat eine eigene Kosmetikschule in Berlin Wilmersdorf eröffnet. Die Räume sind
perfekt ausgestattet, wirken hell und
großzügig. Sie hat ein qualifiziertes
Team von Dozenten und Dozentinnen,
und ihre Schule ist inzwischen auch offiziell anerkannt.
Люцина Дзиковски сумела открыть своё собственное дело.
Учёная-экономист из Штеттина открыла свою собственную
школу косметики в берлинском Вильмерсдорфе. Помещения
прекрасно оснащены всем необходимым, в них
светло и просторно. Здесь преподаёт команда
квалифицированных специалистов. Школа уже успела получить интернациональное признание.
Hinter ihr liegt ein steiniger Weg. Allein
die Räume zu finden, erschien ihr immer wieder aussichtslos. Mindestens
100 Räume hat sie besichtigt. Denn:
Wer vermietet schon an eine arbeitslose Frau, die perfekte Räume sucht?
Und perfekt sollten die Räume sein,
genauso wie die Ausstattung, die Hygiene und die Qualität der Ausbildung,
die sie anbietet.
Ihre Kosmetikausbildung schließt ein
Integrationskonzept ein, das den polnischen Migrantinnen unter
ihren Schülerinnen die Möglichkeit bietet, gleichzeitig mit der
fachlichen Ausbildung ihr Deutsch zu verbessern. Die meisten Dozenten und Dozentinnen der Schule sind zweisprachig. Dadurch
kann der Erwerb von Fachkenntnissen mit dem Spracherwerb verbunden werden.
Die Unterrichtsmaterialien sind auf Deutsch, so dass sich die
Schülerinnen von vornherein mit der deutschen Terminologie
vertraut machen. Zusätzlich zum Fachunterricht erhalten die
Schülerinnen Beratung und Unterstützung bei ihrer Orientierung
auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
10
Организация дела стоила Люцине чрезвычайных
усилий. Даже найти подходящие помещения поначалу казалось просто безнадёжным предприятием. Она обошла, по меньшей мере, сотню мест. Кто
же станет сдавать безработной женщине лучшие
помещения? А между тем, именно это было для
неё одним из самых важных критериев, наравне
с оснащением, гигиеническими условиями и качеством обучения, которые Люцина задумала для
своей школы.
В план обучения Люцина включила также концепцию интеграции, которая позволяет польским эмигранткам,
обучающимся в школе косметики, одновременно с получением специальности улучшить свои знания немецкого языка.
Большинство учителей в школе говорят на двух языках. Таким
образом, получение специальных знаний комбинируется с повышением языковой квалификации. Все материалы и пособия,
используемые на уроках, на немецком языке, что позволяет
учащимся непосредственно ознакомиться с немецкой терминологией. Помимо уроков студентки получают поддержку
и консультации для лучшей ориентировки на немецком рынке
труда.
Люцина на собственном опыте познала, как трудно эмигрантке найти работу и, что языковой барьер может являться непреодолимым препятствием. Сама она, по прибытии в Германию, хотя и очень хорошо владела английским, но не говорила
по-немецки.
Lucyna ist nicht nur außergewöhnlich begabt und ehrgeizig, sondern auch eine echte Perfektionistin; mit halben Sachen hat sie
sich nie zufrieden gegeben.
Auf dem Gymnasium gehört
sie zu den allerbesten. Nach
dem Abitur stehen ihr die
sogenannten
Elitestudienrichtungen offen. Sie wählt
Betriebswirtschaft – Organisation und Management. Ihr
Studium schließt sie als beste
Studentin ihres Jahrgangs ab.
Eine große Werft in Stettin
hatte ihr schon während des
Studiums ein Stipendium gezahlt, nur um sicherzustellen,
dass die begabte Studentin
nach dem Diplom auch wirklich dort beginnt.
Люцина обладает не только незаурядным дарованием и настойчивостью, она также настоящая перфекционистка, которая никогда не останавливается на
пол пути. Уже гимназисткой она принадлежала к числу лучших среди своих
сверстниц. После окончания школы ей
была открыта дорога к самым элитным
высшим учебным заведениям. Она выбрала экономику, со специализацией
по организации и менеджменту. И была
лучшей выпускницей университета.
Одна из больших штеттинских верфей
платила Люцине стипендию, чтобы после защиты дипломной работы одарённая студентка начала там работать.
In Polen hätten Lucyna alle Türen offen gestanden, aber sie geht
1988 gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn nach
Deutschland. Die drei haben keinen leichten Start, denn Ende der
80er Jahre gibt es wenig Arbeit und kaum Wohnraum. Ihr Mann
findet schließlich eine Arbeit als Ingenieur, wenn auch nicht in seinem Fachbereich. Lucyna bleibt zunächst zuhause.
„Ich war zwar gern zuhause, aber ich wusste immer, dass irgendwann meine Zeit kommt. Ich hatte ein Ziel, aber die Pause hat mir doch geschadet, denn die Sprachbarriere wurde
immer größer.“
Also beginnt sie, Deutsch zu lernen und vervollkommnet ihre
Sprachkenntnisse in kurzer Zeit so sehr, dass sie keinerlei Sprachprobleme mehr hat. Dann geht sie gezielt ihre berufliche Weiterbildung an, denn sie will ihre Kenntnisse auffrischen und an die
deutschen Verhältnisse anpassen. Sie besucht einen Kurs in Finanzbuchhaltung und EDV. Ihr Ehrgeiz ist wieder geweckt.
ЛЮЦИНА ДЗИКОВСКИ
Lucyna hat selbst erfahren, wie schwer es für Migrantinnen ist,
beruflich wieder Fuß zu fassen, und dass Sprachbarrieren dabei
eine unüberwindliche Hürde darstellen können. Auch sie konnte,
als sie nach Deutschland kam, zwar sehr gut Englisch, aber kein
Deutsch.
В Польше Люцине были бы открыты все
двери, но в 1988-ом году она вместе со
своим мужем и маленьким сыном эмигрирует в Германию. В первое время им
приходится не легко, потому что в конце восьмидесятых годов найти работу и получить жильё в Германии очень трудно.
Её муж, в конце концов, находит место инженера, хотя и не
по своей специализации. Люцина поначалу занимается домашним хозяйством. «Мне хотя и нравилось быть дома,
но я всегда знала, что когда-нибудь моё время придёт.
У меня была цель. И пауза, которую мне пришлось сделать, конечно, повредила, так как языковой барьер постоянно рос.»
Она начинает учить немецкий язык и совершенствует свои
знания до такой степени, что все языковые проблемы исчезают. Затем она целенаправленно занимается повышением
профессиональной квалификации, так как хочет освежить уже
имеющиеся знания и научиться применять их в условиях Германии. Она посещает курс финансовой бухгалтерии и работы
с ЭВМ (EDV). Всё это её очень увлекает.
11
«Учёба доставляла мне огромное удовольствие, и я хотела, во что бы то ни стало, достигнуть хороших результатов. Каждый вечер я проводила за книгами.»
Конечно же, курс она заканчивает на отлично. Затем она ищет
практику через Интернет. Она обязательно хочет найти подходящее место, надеясь на то, что, показав свои способности,
она сможет остаться там на постоянную работу. Этим надеждам, к сожалению, не суждено было сбыться. Она находит,
в конце концов, практику в маленькой фирме, но возможности
там остаться ей не предоставляется.
Wie viele Bewerbungen Lucyna in der Folgezeit geschrieben hat,
kann sie nicht mehr sagen, mindestens 20 im Monat. In dieser Zeit
belegt sie auch einen Kurs in Wirtschaftsenglisch, den sie mit dem
LCCI Diplom und wieder mit sehr gutem Ergebnis abschließt. Um
auf dem aktuellsten Stand zu bleiben, belegt sie einen weiteren
Kurs in Finanzbuchhaltung,
schließt auch den mit Auszeichnung ab.
Auf ihren Bewerbungserfolg
hat all das jedoch keinen
Einfluss. Es klappt einfach
nicht mit einer Stelle.
Сколько резюме Люцина разослала впоследствии, сказать она
уже не может, по-крайней мере 20 ежемесячно. В это время
она посещает курс по специальной экономической лексике
английского языка, который она заканчивает с дипломом LCCI
и вновь очень хорошим результатом. Чтобы быть в курсе всех
новых развитий она заканчивает
с отличием ещё один курс по бухгалтерии. Тем не менее, это не приносит
ей желаемого успеха в поисках работы.
LUCYNA DZIKOWSKI
„Das hat mir großen Spaß gemacht, und ich wollte unbedingt
gute Ergebnisse. Jeden Abend hab ich mit den Büchern dagesessen.“
Natürlich schließt sie den Kurs mit Sehr Gut ab. Dann sucht sie sich
einen Praktikumsplatz übers Internet. Sie will unbedingt einen
Platz finden. Sie hat die Hoffnung, wenn man zeigt, dass man was
kann, dann kann man auch bleiben.
Diese Hoffnung erfüllt sich leider nicht. Sie findet zwar einen Praktikumsplatz bei einer kleinen Firma, aber letztlich gibt es dann
doch keine Möglichkeit, sie einzustellen.
Sie beschließt, etwas ganz
anderes zu machen.
„Wenn es als Angestellte
keinen Platz für mich gibt,
mache ich mich eben selbstständig.“
Kosmetik hat sie schon immer
interessiert, ihre Familie hat einen Kosmetiksalon in Stettin. Sie
will eine Kosmetikschule aufmachen. Zur Vorbereitung absolviert
sie nicht nur eine Kosmetikausbildung, sondern besucht auch
etliche Zusatzkurse – wie Lymphdrainage, Nadelmodellage, Farbund Stilberatung.
Als sie zu LIFE e.V. / Kumulus-Plus kommt, steht ihre Idee schon
fest. Eigentlich begleitet sie nur eine Freundin, die nicht allein hingehen mag. Dann stellt sie fest, dass das Projekt auch für sie selbst
spannend ist und hilfreich sein kann. Sie besucht alle Workshops,
die angeboten werden, nutzt das Online Angebot und nimmt Beratungstermine wahr.
12
Она решает заниматься чем-нибудь
другим.
«Если я не могу найти работу как
служащая, то тогда я открою
свой собственный бизнес.»
Косметика всегда интересовала её.
У её семьи был косметический салон в Штеттине. Она решает открыть
школу косметики. Готовясь к этому, она не только приобретает образование косметолога, но
и посещает несколько дополнительных курсов: курс по лимфатическому дренажу, курс моделирования ногтей, а также
курс цветовой и стилевой консультации.
К тому моменту, когда она в первый раз посещает LIFE e.V. /
Kumulus-Plus, её идея уже обрела чёткие контуры. Она всего
лишь сопровождает подругу, которой не хочется идти одной.
Но быстро понимает, что проект и для неё может представлять
интерес. Она посещает все воркшопы, использует все возможности Online, которые предоставляет LIFE e.V. / Kumulus-Plus
и многократно ходит на консультации.
Ein Jahr Vorbereitungszeit investiert Lucyna in ihre Geschäftsidee
gemeinsam mit ihrem Mann, der sie tatkräftig unterstützt. Dann
ist es soweit: Im Februar 2007 eröffnet sie ihre eigene Kosmetikschule.
„Jetzt weiß ich, dass das mein Weg war. Hier kann ich alle
meine Kenntnisse in Management und Finanzbuchhaltung
einsetzen und verbinden.“
Inzwischen hat sie ihren Betrieb erweitert:
Ehemalige Teilnehmerinnen des LIFE-Projektes arbeiten bei ihr als
Dozentinnen für naturwissenschaftliche Fächer.
«Хотя моя идея к тому времени уже сформировалась,
здесь я стала уверенней в себе, мужественнее. Неожиданно я поняла, что действительно смогу сделать
то, что наметила. Я вспоминаю один из воркшопов,
на котором мы занимались темой „достижение цели“.
Мы познакомились с условной моделью, которая имела
форму воронки. Сначала нужно было собрать как можно больше идей, затем рассортировать их и сформулировать как можно точнее. Когда идея созревает, она
„проваливается в воронку“. Я непременно хотела, чтобы моя идея прошла сквозь воронку. Эта картина сопровождала меня, когда я развивала мою идею и готовилась открыть собственное дело. Быть безработной
я не хотела. Дальше так я жить не могла. Но теперь
я была в состоянии определённо сформулировать свою
цель. Связи, которые я приобрела за время проекта,
женское общество взаимопомощи, обмен опытом, не
в последнюю очередь Online, были для меня очень полезны. Очень важны были и консультации. Я всегда была
уверена, что получу здесь помощь, если я в ней нуждаюсь.»
ЛЮЦИНА ДЗИКОВСКИ
„Meine Idee stand zwar schon fest, aber ich habe hier mehr
Mut und Selbstvertrauen gewonnen. Plötzlich wusste ich,
dass ich es wirklich schaffen kann. Ich erinnere mich an einen Workshop, in dem es um Ziele ging. Wir haben da ein
Trichtermodell kennen gelernt. Erst sammelt man ganz viele
Ideen, dann sortiert man sie und formuliert sie immer genauer. Wenn die Idee endlich reif ist, geht sie durch den Trichter. Ich wollte unbedingt, dass meine Idee durch den Trichter
geht. Dieses Bild hat mich immer begleitet, wenn ich an meiner Idee gearbeitet und die Selbständigkeit vorbereitet habe.
Arbeitslos sein, das wollte ich nicht, damit konnte ich nicht
weiterleben, aber jetzt konnte ich mein Ziel positiv formulieren. Die Kontakte, die ich im Projekt gefunden habe, das
Frauennetzwerk, der Erfahrungsaustausch, auch online, das
war toll für mich. Und die Beratung war für mich sehr wichtig.
Ich wusste immer, hier kriege ich Hilfe, wenn ich sie brauche.“
Целый год тратит Люцина вместе со своим мужем на подготовку. Наконец в декабре 2007-ого года она открывает свою собственную школу косметики.
«Теперь я знаю, что это и был тот самый - мой путь.
Здесь я могу совместить и применить все свои знания
менеджмента и бухгалтерии.»
Между тем школа была расширена. Бывшие участницы проекта
LIFE e.V. / Kumulus-Plus преподают в ней естественные науки.
13
Olga Maykl
Ольга Майкл
Architektin
Архитектор
Russland
Россия
„Im Assessment
konnte ich mich selbst wie von aussen
sehen und ich habe viel Neues über mich erfahren“
«Ассесмент помог мне увидеть себя со стороны, и узнать много нового о себе»
Olga Maykl kommt aus Moskau und hat dort Architektur studiert.
Das Architekturstudium dort ist viel stärker künstlerisch ausgerichtet als in Deutschland. Das ist es auch, was Olga am liebsten
machen möchte: Kunst.
„Ich möchte im Theater arbeiten, malen, am liebsten freiberuflich tätig sein.“
Ольга Майкл жила в Москве, и изучала архитектуру. Архитектурное обучение там с большим упором на творчество, чем
в Германии. И это нравилось Ольге: творчество.
«Я хочу работать в театре, рисовать, быть свободным художником.»
Direkt nach dem Studium verlässt Olga Moskau. Mit ihrem Mann,
einem Engländer, den sie während eines
Urlaubs auf der Krim kennen gelernt
hat, geht sie zunächst für ein halbes Jahr
nach Rumänien, dann für 2 Jahre in die
Niederlande und schließlich nach Berlin.
Er ist Astronom, hat seine Doktorarbeit in
Moskau geschrieben und arbeitet in den
ersten Jahren nach seiner Promotion an
unterschiedlichen Universitäten. Sie selbst
steckt beruflich zurück, aber irgendetwas
Künstlerisches macht sie immer, egal wo
sie sind. Sie malt, macht Schmuck, bietet
Kurse an und hat eigene Ausstellungen.
In Berlin ist sie zunächst für die Familie
da und lernt Deutsch. Ihr Mann und sie
haben inzwischen eine Tochter. Dann
beginnt sie in einem kleinen Theater zu arbeiten und hat auch
wieder eigene Ausstellungen. Das sind gute Ansätze, aber richtig
Fuß fassen kann sie noch nicht.
Nach der Trennung von ihrem Mann wird ihre Situation noch
schwieriger, sie muss alle möglichen Jobs annehmen, einmal auch
14
По окончании института Ольга уезжает из Москвы. Со своим мужем, англичанином (она познакомилась с ним во время отпуска в Крыму), Ольга едет на пол года
в Румынию, потом на два года в Голландию и,
наконец, в Берлин. Её муж, астроном, пишет
в Москве свою докторскую диссертацию,
и в первые годы, после её защиты, работает
в разных университетах. В это время Ольга не
работает по профессии, но всегда, где бы они
не были, она занимается чем-нибудь творческим. Она рисует, делает украшения, ведёт
курсы и организует свои выставки.
Приехав в Берлин, она сначала занимается
домом и учит немецкий. В семье подрастает
дочка. Потом она работает в маленьком театре, и опять устраивает выставки. Это хорошее
начало, но удовлетворения нет.
После развода её ситуация становится ещё сложнее. Она вынуждена брать любую работу. Чтобы прокормить себя и дочь,
она работает уборщицей в кафе. Она теряет работу в театре,
и некоторое время получает поддержку Hartz IV.
В свои идеи и талант она верит. Но в чужом городе осуществить что-то своё трудно.
«Я приехала из другой страны. И что
надо
предпринимать, чтобы найти
работу я не знала. Не
понимала, как люди
общаются. У нас это
всё по другому.»
Beim Jobcenter hört sie von Kumulus-Plus und dem speziellen Angebot von LIFE e.V.
„Das Projekt war wichtig für mich. Endlich war ich nicht mehr
allein. Die ganze Atmosphäre bei LIFE, die Unterstützung, die
Gespräche, das war sehr gut, sehr stark. Ich nehme sehr viel
mit: mehr Selbstbewusstsein und Kenntnisse von der deutschen Kultur; und ich habe gelernt, wie man sich richtig bewirbt. Das hätte ich ohne Kumulus nicht geschafft.“
В Агентуре по трудоустройству она слышит
о Kumulus-Plus, и о специальном
семинаре
LIFE e.V.:
«Этот проект был
важен для меня. Я перестала быть одинокой. Атмосфера
в LIFE, поддержка, беседы - всё это укрепляло,
возвращало
силы. Я очень много приобрела там: стала уверенней
в себе, ознакомилась с немецкой культурой и научилась
себя правильно вести на собеседованиях. Всё это дал
мне LIFE e.V..»
Wichtig war für sie auch das Assessment:
„Ich fand es toll. Sonst denkt man nicht darüber nach, wie
bestimmte Sachen wirken, man kann sich selber ja nicht beobachten. Im Assessment konnte ich mich selbst wie von außen sehen, und ich habe viel Neues über mich erfahren. Für
mich war es gut, gerade auch meine schwachen Punkte anzusehen und zu überlegen, was ich mit ihnen machen kann.
Vorher wollte ich sie immer verstecken. Zum Beispiel kann ich
immer noch nicht so gut Deutsch. Wenn ich jetzt deswegen
kritisiert werde, erschrecke ich nicht mehr, sondern antworte:
‚Ok, ich kann noch nicht gut Deutsch, aber von meiner Arbeit
verstehe ich viel’. Ich habe gelernt, wie ich mit schwierigen Situationen umgehen kann, weil ich schwierige Situationen im
Assessment selbst ausprobiert habe. Der Austausch mit den
anderen Frauen, die in den gleichen Situationen anders reagiert haben und andere Lösungen gefunden haben als ich,
der hat mir sehr geholfen.“
Als es bei LIFE e.V. darum geht, einen Praktikumsplatz zu finden,
ist für Olga Maykl klar, es muss ein Praktikum im Theater sein, und
da kommt für sie nur das Deutsche Theater in Frage. Im Internet
recherchiert sie selbständig, für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen und die Vorbereitung des Bewerbungsgesprächs nutzt
sie die Unterstützung und Beratung im Projekt.
Es klappt tatsächlich mit einem Praktikum bei der Ausstattung im
Ольга Майкл
als Putzfrau in einem Café, um sich und ihre Tochter zu ernähren. Als sie die Arbeit im Theater verliert, lebt sie eine Weile von
Hartz IV.
Von ihren Ideen und ihrem Talent ist sie überzeugt, aber es ist schwer
für sie, sich in der fremden Stadt eine Existenz aufzubauen.
“Ich komme aus einem anderen Land, ich wusste nicht, was
man machen muss, um Arbeit zu finden, und wie Menschen
kommunizieren. Bei uns ist das alles ganz anders.“
Большое значение для неё также имел Ассесмент:
«Мне это очень понравилось. Обычно люди не думают
о том, какое впечатление производят на окружающих
некоторые особенности их поведения – ведь они не
могут наблюдать за собой со стороны. Ассесмент
помог мне увидеть себя со стороны, и узнать много
нового о себе. До этого я предпочитала не думать
о своих слабостях и скрывала их. К примеру, я всё ещё
не очень хорошо владею немецким. Если теперь ктонибудь критикует меня за это, я больше не пугаюсь,
а отвечаю: „Хорошо, я ещё плохо владею немецким
языком, зато в своей профессии я много понимаю“.
Я научилась, как нужно себя вести в трудных ситуациях.
Этому мы тренировались на ассесменте. Обмен
опытом с другими участницами курса, которые
в подобных условиях реагировали по иному и находили
другое решение ситуации, чем я, мне очень помог.»
15
OLGA MAYKL
Deutschen Theater. Sie sammelt neue Erfahrungen und lernt Leute kennen, aber richtig gefallen hat es ihr dann doch nicht, denn
„Du musst nur machen, was andere sagen. Das war ein bisschen langweilig. Ich möchte gern etwas Neues machen; ich
habe meine eigenen Ideen.“
Die kann sie nun umsetzen, denn jetzt hat sie eine ABM-Stelle
in einem Kunstprojekt. Gemeinsam mit neun anderen Künstlern
entwickelt sie künstlerische Angebote und Kurse für Menschen in
Pflegeheimen.
„Diese ABM ist sehr gut für
mich; ich lerne andere Künstler
mit mehr Erfahrung kennen,
Deutsche, die sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt auskennen,
ich kann Erfahrungen sammeln
und Kontakte knüpfen; vielleicht machen wir später sogar
mal was zusammen.“
16
Когда в рамках проекта Ольга ищет практику, ей ясно, что это
должна быть практика в театре, а именно в Deutsche Theater.
Она ищет информацию в Интернете, для составления резюме
и подготовки к собеседованию Ольга пользуется поддержкой
и советами, которые получает в проекте. И действительно
Deutsche Theater принимает её на практику в декорационную
мастерскую. Она приобретает новый опыт и новых друзей, но
чего-то ей всё равно не хватает, потому что: «Ты лишь исполняешь указания других. Это немного скучновато. Я хочу
создавать нечто новое; у меня – собственные идеи.»
Теперь Ольга может претворять их в жизнь, так как
получила подходящее рабочее место - ABM. Вместе с девятью коллегами она разрабатывает творческие проекты для живущих в домах для престарелых. «Эта работа для меня очень полезна.
Я знакомлюсь с другими творческими людьми,
которые лучше знают ситуацию на немецком рынке труда. Я набираю опыт и завожу
новые знакомства. Может быть, в будущем
мы организуем что-нибудь совместно.»
Raissa Beimler
Раиса Баймлер
Maschinenbauingenieurin
Инженер-машиностроитель
Usbekistan
Узбекистан
„Du fühlst dich sogar zuhause nicht allein gelassen“
«Даже находясь дома, ты чувствуешь,
что ты не один»
Das sagt Raissa Beimler über das
Online Angebot von LIFE e.V./
Kumulus Plus. Für Raissa, die in Eberswalde wohnt, war dieses Angebot besonders wichtig; denn so konnte sie
auch von zuhause aus unkompliziert
an Informationen über Arbeitsplätze kommen und sich mit den anderen Teilnehmerinnen austauschen.
Online erfährt sie, wer schon einen
Praktikumsplatz gefunden hat und
wer noch sucht. Sie tauscht sich über
Probleme aus, erhält von den Beraterinnen Adressen und Tipps. Sie bekommt professionelle Unterstützung
beim Schreiben ihrer Bewerbung, die
sie online korrigieren lässt.
Raissa ist Maschinenbauingenieurin und hat 15 Jahre lang in
einem metallurgischen Kombinat in Usbekistan gearbeitet. Vor 7
Jahren ist sie mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen. Seitdem hat sie verschiedene Maßnahmen und Kurse besucht, auch
immer wieder gearbeitet, aber nie als Ingenieurin in ihrem erlernten Beruf.
Als sie in einer russischen Zeitung über das Projekt Kumulus-Plus
und das spezielle Angebot von LIFE e.V. für Ingenieurinnen liest,
ist ihr sofort klar, dass sich ihr hier endlich eine Chance bietet, wieder an ihre eigentliche Qualifikation anzuschließen. Sie will unbedingt teilnehmen.
Так говорит Раиса Баймлер о тех богатых возможностях Online, которые предлагает LIFE e.V./
Kumulus Plus. Для Раисы, которая проживает
в Еберсвальде, эти возможности оказались
особенно важны, потому что, таким образом,
и из дома она могла, легко получить нужную
информацию о предлагаемых рабочих местах
и посоветоваться с другими участницами. Через Интернет она узнаёт, кто уже нашёл работу,
а кто ещё ищет. Она делится своими проблемами и получает от консультантов адреса и советы. Интернет-платформа LIFE e.V. позволяет
даже правку резюме, которые Раиса составляет
на своём компьютере.
Раиса – инженер-машиностроитель с пятнадцатилетним стажем работы на металлургическом
комбинате в Узбекистане. Семь лет назад она
вместе с семьёй переехала в Германию. С тех пор она посещала различные курсы и, время от времени, работала. Но ни разу
ей не посчастливилось найти работу по своей специальности.
Когда она, в одной из русских газет, находит информацию
о проекте Kumulus-Plus и о тех курсах, которые здесь предлагаются для женщин-инженеров, ей тотчас становится ясно, что
она, наконец, получает шанс снова заняться любимым делом.
Она решает непременно принять участие в проекте.
В еберсвальдской Агентуре по трудоустройству ей приходится бороться за допуск. Консультант хочет отправить её на один
из местных курсов.
17
Raissa Beimler
Beim Jobcenter in Eberswalde muss sie um die Bewilligung
kämpfen. Der zuständige Berater will ihr etwas in Eberswalde
zuweisen.
„Ich wollte aber unbedingt nach Berlin, das war etwas Neues,
speziell für Frauen wie mich. Es hat mir Mut gemacht, dass es
so ein Angebot überhaupt gibt. Ich wollte Frauen treffen, die
die gleichen Probleme haben wie ich. Und ich wusste, dass
ich Hilfe brauche. Auf dem Amt musste ich meine Argumente
überzeugend vorbringen. Ich habe erklärt, dass ich nicht
irgendetwas will und warum ich genau diese Maßnahme
brauche.“
Schließlich bekommt Raissa die Zuweisung vom Jobcenter und
beginnt im Projekt. Sie erhält Informationen, die sie auf ihrem Berufsweg unterstützen.
„Für mich war alles, was ich im Projekt gehört habe, interessant, es gab endlich mal nichts Überflüssiges. Ich habe Informationen darüber bekommen, welche neuen Entwicklungen
es in unserem Bereich gibt und welche Arbeitsmöglichkeiten
es hier in Berlin für mich geben könnte. Für mich war es ein
Glück, in einer deutschen Organisation zu sein, denn die Mitarbeiterinnen kennen sich in ihrer eigenen Stadt natürlich gut
aus und können uns Tipps geben.“
Bei LIFE e.V. trifft sie wie erhofft andere Frauen, die in einer
ähnlichen Situation sind wie sie selbst. Mit ihnen kann sie sich
vergleichen, sie können voneinander lernen und sich gegenseitig
Mut machen.
Besonders im Assessment ist der Austausch mit den anderen
Frauen und der Vergleich mit ihnen für Raissa ein besonderer
Ansporn:
„Wenn ich eine andere Frau sehe, die es besser macht als ich,
denke ich: Wow, so kann man es auch machen.“
Das Assessment wird für sie zu einer Schlüsselerfahrung:
„Ich hatte mich vorher falsch eingeschätzt. Jetzt habe ich verstanden, wo meine Stärken und Schwächen liegen; und das ist
eben auch wichtig, dass man etwas weiß über sich selbst. Ich
habe gelernt, dass ich meine eigenen Argumente auch rechtzeitig vorbringen muss; dass es nichts bringt, Zeit zu verlieren
mit Angst und Unsicherheit. Du musst deine Persönlichkeit
nicht irgendwo in einer Ecke abstellen und überlegen, soll ich
sie reinholen oder nicht. Wenn du drin bist, bist du drin, so wie
18
«Но я обязательно хотела в Берлин. Это было нечто
новое, специально для таких как я. Меня обнадёживало уже то, что подобный проект вообще существует.
Я хотела встретиться с женщинами, у которых такие
же проблемы, как и у меня. И я знала, что нуждаюсь в помощи. В Агентуре по трудоустройству я должна была
убедительно преподнести мои аргументы. Я объяснила, что мой выбор не случаен, и почему мне нужен именно этот проект, а не другой.»
В конце концов, Раиса получает направление и принимает
участие в проекте. Здесь она получает информацию, которая
помогает ей в поиске работы.
«Всё, что я услышала за время проекта, было для меня
интересным. Наконец-то, не было ничего лишнего.
Я узнала, что нового произошло в сфере моей профессии, и какие существуют возможности найти работу.
Для меня было счастьем оказаться в немецкой организации, потому как сотрудницы LIFE e.V., конечно же, хорошо знают свой город и могут помочь советом.»
Как она и надеялась, в LIFE
e.V. она действительно
встречает женщин, которые
находятся в похожей ситуации, как и она сама. Они
обмениваются опытом, поддерживают и понимают друг
друга.
Особенно полезен обмен
опытом Ассесмент центра:
«Если я вижу, что кто-нибудь из женщин выполняет задание лучше меня,
то думаю: „Ты смотри!
Ведь это можно сделать
и так!”. »
Ассесмент становится для неё ключевым событием:
«Раньше я неправильно оценивала себя. Теперь я поняла, каковы мои сильные и слабые стороны; ведь лучше
познать себя – это тоже важно. Я научилась вовремя
приводить свои аргументы, так как терять время на
страх и неуверенность бесполезно. Не нужно скрывать
свою личность. Если ты уже находишься в определённой ситуации, то будь уверенней в себе, даже, если есть
какие-то проблемы. Не нужно ничего стыдиться. Преподноси себя такой, какая ты есть. Это очень важно.
Также очень важно уметь делиться своими проблемами
с другими.»
Раиса Баймлер
du bist, auch mit all deinen Problemen. Du musst dich nicht
schämen, du musst dich selbst präsentieren. Das ist wichtig.
Und du musst auch über deine Probleme sprechen. Das habe
ich gelernt.“
При поддержке LIFE e.V., Раиса находит практику в маленькой
инженерной фирме по установке ветрогенераторов. Здесь
она занимается всем - от составления цен и консультации клиентов, до работы с чертежами. Практика даёт ей очень важный
опыт, так как её заветная мечта открыть своё дело.
«Я привыкла к тому, что всё делаю сама. В Германии
нужно быть активной и, не важно, что говорят другие,
нужно верить в самого себя. Свою мечту я, конечно же,
хочу претворить в жизнь. »
Mit Unterstützung von LIFE e.V. findet Raissa dann einen Praktikumsplatz in einer kleinen Ingenieurfirma für Windkraftanlagen,
in der sie sehr selbständig arbeiten kann. Sie hat mit allem zu tun
- von der Preisgestaltung über den Kundenkontakt bis zur Erstellung der technischen Zeichnungen. Das ist für sie eine sehr wichtige Arbeiterfahrung, denn es ist schon lange ihr Traum, sich auch
einmal selbstständig zu machen.
„Ich bin es gewohnt, alles selber zu machen. In Deutschland
musst du aktiv sein, und egal, was die Leute sagen, du musst
an dich selbst glauben. Meinen Traum will ich später verwirklichen – na klar!“
19
Svetlana MiIz
Светлана Милц
Elektroingenieurin
Электроинженер
Russland
Россия
„Man braucht ein Ziel und ein bisschen Glück“
«Нужна цель и немножко счастья»
So fasst Svetlana Milz ihre Zeit in Deutschland zusammen. Vor
vier Jahren hat sie sich entschieden, einen Deutschen zu heiraten,
und ist mit ihren beiden Kindern aus Russland nach Berlin gekommen.
Так определяет Светлана Милц своё время в Германии. Четыре
года назад она вышла замуж за немца и переехала из России
с двумя детьми в Берлин.
Nach ihrem Ingenieurstudium am
Polytechnikum kann sie nur drei
Jahre lang als Konstrukteurin in
Moskau arbeiten, dann macht sich
die allgemeine Krise in Russland
auch in ihrem Betrieb bemerkbar.
Zunächst gibt es nur noch unregelmäßig Arbeit, dann auch nur noch
unregelmäßig Lohn und irgendwann ist es ganz aus.
Svetlana bleibt optimistisch und
versucht alles Mögliche, um sich
und ihre Familie über Wasser zu
halten. Zuerst arbeitet sie als Eisverkäuferin.
„Ich habe mir einen Kindertraum erfüllt: Eisverkäuferin! Aber
es war ganz schrecklich; im Sommer ging es, aber im Winter
war es nass und kalt. Keiner wollte mein Eis.“
Dann betreibt sie einen kleinen Laden für Zigaretten und Süßigkeiten und schließlich eröffnet sie gemeinsam mit ihrer Mutter,
auch eine arbeitslose Ingenieurin, sogar eine Nudelfabrik.
„Eine Weile lief es sehr gut. Wir haben alle Sorten Nudeln gemacht; wir hatten vier Angestellte, und ich war Leiterin, Putzhilfe und Mitarbeiterin, alles in einem.’“
20
Получив образование инженера в политехникуме,
она всего три года работает в Москве конструктором. Общий кризис в России не проходит стороной
и её предприятие. Вначале, не всегда есть работа, позже, зарплата выплачивается не регулярно,
и в конце концов, предприятие закрывается.
Светлана не теряет оптимизма и делает всё возможное, чтобы прокормить семью. Сначала она работает продавщицей мороженого.
«Мечта моего детства: продавец мороженого! Это было ужасно; летом ещё терпимо,
а зимой было мокро и холодно. Никто не хотел
моего мороженого.»
Потом в маленьком магазине она продает сигареты
и сладости. И, наконец, вместе с мамой (тоже безработный инженер) открывает макаронную фабрику.
«Вначале всё шло очень хорошо. Мы производили все
сорта макарон, имели четырёх сотрудников. Я же была
и руководителем, и уборщицей, и работницей.»
Времена в Москве тяжёлые, норма выработки, для маленькой фабрики, высокая и законоположение сложное. Остаётся одно: продать фабрику. Счастье, что у двоюродного брата
(инженер строитель) своя фирма строительства подземных
сооружений, где она начинает работать. Светлана строит окна,
Dann lernt sie ihren zukünftigen Mann kennen und besucht ihn
in Berlin. „Ich war so fasziniert von Berlin. Moskau ist so hektisch, Berlin ist viel dörflicher: überall grün, die Schwäne auf
der Spree, Hasen im Garten – so eine schöne Stadt!“
Wieder hat sie Glück: Nach einem Jahr nimmt sie den Heiratsantrag ihres Mannes an und zieht zu ihm in die schöne Wohnung in
Berlin mit Balkon zum Hof und Blick auf Rasen und Kirche.
„Ich war immer für Mathematik und Physik begabt – nicht
für Sprachen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich einmal eine
fremde Sprache beherrschen kann.“
Jetzt lernt sie schnell und gut Deutsch,
dann hört sie zufällig von einer Qualifikation im Bereich Umweltmanagement und meldet sich an. Sie schließt
mit einem Zertifikat ab. Das verhilft ihr
zwar noch nicht zu einer qualifizierten
Arbeit, aber „die Weiterbildung hat
mir sehr geholfen, auch mit meinen Deutschkenntnissen, und ich
habe die wichtigsten Computerprogramme und Englisch gelernt. Ich
habe dann trotzdem in Potsdam in
einem Fitnesscenter nur als Putzfrau gearbeitet. Aber es hat mich
nicht gestört, ich war einfach froh,
weil ich vorher noch gar keine Arbeit hatte in Deutschland.“
Als sie nach neun Monaten im Fitnesscenter aufhört, will sie unbedingt wieder eine Arbeit suchen, die ihrer Qualifikation entspricht,
aber ihr fehlen noch Spezialkenntnisse. Den ersten, sehr teuren
Kurs, um die 2D Technik zu erlernen, bezahlt sie selbst. Um den
zweiten Kurs - 3D Technik - kämpft sie so lange bei der Agentur für
Arbeit, bis sie schließlich den Bildungsgutschein erhält.
выбирает строительные материалы, посещает заказчиков. Она
опять работает конструктором.
Светлана Милц
Die Zeiten sind schwierig in Moskau, die Auflagen für die kleine
Fabrik hoch und die Bestimmungen kompliziert. Sie müssen die
Nudelfabrik wieder verkaufen. Ein Cousin von ihr ist Bauingenieur
und hat eine eigene Firma im Tiefbau. Sie hat Glück. Sie kann bei
ihm anfangen. Sie baut Fenster, sucht Baustoffe aus, besucht die
Kunden und arbeitet endlich wieder als Konstrukteurin.
Вскоре Светлана знакомится со своим будущим мужем, и едет
погостить к нему в Берлин.
«Я была восхищена Берлином. В Москве суета, а Берлин
более спокойный: везде зелень, на речной глади Шпрее
лебеди, в парках зайцы – такой чудный город!»
И опять счастье улыбается ей. Через год она выходит замуж
и переезжает в Берлин к мужу в удобную квартиру с балконом
и видом на церковь и сад.
«У меня всегда была способность к математике и
физике‚ но не к языкам. Я и представить не могла, что
когда-нибудь овладею иностранным языком. »
Теперь же она быстро и прилежно учит немецкий, случайно
узнаёт о возможности квалифицикации в сфере менеджмента окружающей среды. Поступает на курсы
и заканчивает их, получив сертификат. Это, правда, не помогает найти
работу по квалификации, но
«курсы мне очень помогли, улучшилось знание немецкого, и я
познакомилась с важнейшими
компьютерными программами
и английским языком. Несмотря на это, потом я работала
в Потсдаме уборщицей в фитнесцентре. Но это меня не смущало. Напротив, я была счастлива, потому что до этого
у меня вообще никакой работы
в Германии не было.»
После девяти месяцев работы
в фитнесцентре Светлана хочет
неприменно найти работу по квалификации, но ей не хватает
профессиональных знаний. Первый, очень дорогой курс по
изучению 2Д техники, она оплачивает сама. За второй курс, 3Д
техники, она так долго борется с Агентурой по трудоустройству, пока ей, наконец, не выдают разрешение на бесплатное
обучение.
21
SVETLANA MIIZ
Danach schreibt sie unermüdlich Bewerbungen – ohne Erfolg.
Mehr als 50 Ablehnungen hat sie bestimmt erhalten.
Aber noch einmal hat sie Glück. In der U-Bahn sieht sie eine
Anzeige von Kumulus-Plus.
„Ich habe gleich gedacht, “warum denn nicht“? Man muss immer alles probieren.“
Bei LIFE e.V. / Kumulus-Plus nimmt sie dann auch alle Angebote in
Anspruch: Beratung, Assessment, Bewerbungstraining, sie nutzt
das Online-Angebot, und findet ein Praktikum.
„Eigentlich war auch alles wichtig. Im Assessment war es besonders interessant, das eigene Verhalten in wichtigen Situationen aus der Sicht und der Erfahrung von Deutschen zu
sehen. Ich wusste eben doch noch nicht so genau, wie es in
Deutschland läuft. Das Feedback war wichtig. Zum Beispiel
war es ganz neu für mich, dass ich Führungsqualitäten habe.
Das war mir vorher überhaupt noch nicht klar, obwohl ich zuhause in Russland ja oft geleitet habe. Außerdem hab ich gelernt, wie man gute Bewerbungsunterlagen erstellt. Das war
sehr wichtig für mich.
Ich hab’s vorher ganz
anders gemacht. Jetzt
bin ich im Praktikum
als technische Zeichnerin. Ich muss viel
lernen: Die deutschen Normen sind anders. Die Firma ist vernetzt, und im Netz hab ich bisher noch nie gearbeitet. Ich bin
sehr, sehr zufrieden mit allen. Kumulus hat mich sehr unterstützt. Ich hoffe, ich werde von der Firma nach dem Praktikum
übernommen; die Chancen sind ziemlich hoch.“
Jetzt braucht sie nur noch einmal ein kleines bisschen Glück.
22
После курсов она вновь и вновь ищет работу - безуспешно. Ей
отказывают более 50-ти раз.
Но ещё раз встречается счастье на её пути. В метро ей попадается на глаза объявление Kumulus-Plus.
«Я тут же подумала, а почему бы и не попробовать?»
В LIFE e.V. / Kumulus-Plus она использует все возможности:
консультации, Ассесмент, Online-объявления, и находит место
для практики.
«В принципе, всё было важно. Особенно интересно (Ассесмент) было оценить и увидеть своё поведение в важных ситуациях глазами немцев. Я ведь точно и не знала,
как это всё в Германии происходит. Важна была реакция.
То, что у меня есть качества руководителя, было ново
и до сих пор не совсем ясно, хотя дома, в России приходилось часто руководить. Кроме того, я знаю теперь, как
правильно оформляются документы для подачи заявления на работу. И это очень важно. Раньше я совсем по
другому всё делала. Сейчас я прохожу практику в качестве чертёжницы. Надо
ешё многому учиться
- немецкие нормы абсолютно другие. Фирма
использует
внутреннюю сеть.В таком режиме я ещё не работала. Но я всем очень, очень довольна. Kumulus меня очень поддержал. Надеюсь, что после
практики смогу остаться в этой фирме; мои шансы
выглядят неплохо.»
Теперь Свелане нужно только немножко счастья.
Volha Aras
Волга Арас
Ingenieurin für Wasserbau
Инженер-гидротехник
Weißrussland
Белоруссия
„Aus diesem Projekt nehme ich Optimismus mit und
neue Kraft“
«Из этого проекта я черпаю оптимизм и силу»
Während Volha Aras bei LIFE e.V. am Assessmentcenter teilnimmt,
hat sie zufällig auch einen Termin beim Jobcenter. Ihr Arbeitsberater ist beeindruckt: „Wenn ich ein Arbeitgeber wäre, würde ich Sie sofort einstellen.“
Plötzlich tritt sie anders auf. Sie ist selbstbewusst, weiß genau, was sie will und welche
Informationen sie braucht. „Beim Assessment hatte ich gelernt, dass ich keine Bittstellerin bin, sondern dass ich ein Ziel habe
und dass ich meinem Ziel folgen muss.“
В то время, когда Волга Арас принимает участие в Ассесментцентре LIFE e.V., она получает приглашение зайти в Jobcenter.
Её консультант поражён: «Если бы я был работодателем, я бы тотчас взял вас на работу.» Её поведение
коордианально изменилось. Она стала увереннее
в себе, знает точно, чего она добивается и какая информация ей нужна.
«На ассесменте я поняла, что не хочу быть просителем, у меня есть цель и я должна непременно её преследовать.»
Ihr Selbstbewusstsein und ihren Optimismus
hatte Volha Aras in den Jahren in Deutschland fast verloren. Volha kommt aus Weißrussland; sie ist Ingenieurin für Wasserbau.
Nachdem sie ihr Studium abgeschlossen
hat, arbeitet sie in einem Baubetrieb in der Umgebung von Homel
nahe Tschernobyl. Nach dem Reaktorunfall wird der Betrieb geschlossen, und sie geht zurück nach Brest. Sie findet eine Stelle
in einem Betrieb für Vermessung und Landschaftsbau. Das ist zunächst eine große Herausforderung, weil Vermessung und Katasterwesen für sie neu sind. Dann aber bleibt sie 12 Jahre in diesem
Betrieb und begeistert sich für Vermessungstechnik. Bald übernimmt sie eine Projektleitung, dann wird sie Abteilungsleiterin.
„Das war eine schöne Zeit; am Anfang war es schwer, ich musste
mich sehr einarbeiten und habe auch eine Schulung gemacht,
aber dann ging es sehr gut. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht,
und ich hatte ein gutes Team, wie ein zweiter großer Familienkreis. Ich habe bis heute Kontakt mit meinen Kollegen von damals.“
За время пребывания в Германии, уверенность в себе
и оптимизм Волга Арас уже почти потеряла. Родина
Волги – Белоруссия; она инженер-гидротехник. После окончания учёбы она работает на предприятии
в районе Гомеля, недалеко от Чернобыля. После реакторной катастрофы предприятие закрывают, и она возвращается в Брест. Здесь Волга устраивается на работу в фирме
ландшафтного дизайна. Поначалу ей приходится нелегко,
потому как геодезия и земельный кадастр – ей в новинку. Но
затем она остаётся в этой фирме в течение целых двенадцати
лет и открывает в себе большой интерес к геодезии. Вскоре
она ведёт один из проектов, а немногим позже становится начальницей отдела.
«Это было прекрасное время; в начале было трудно,
я должна была вработаться и окончить курс повышения
квалификации, но потом всё пошло хорошо. Работа доставляла мне огромное удовольствие. У нас был очень
хороший коллектив – как одна большая семья. До сих пор
я поддерживаю связь с моими бывшими коллегами»
23
VOLHA ARAS
Neben ihrem Beruf als Ingenieurin arbeitet Volha als Reiseleiterin.
Als sie eine Reisegruppe durch Brest führt, lernt sie ihren späteren
Mann, einen Berliner, kennen. Im Jahr 2000 entscheidet sie sich
schweren Herzens, zu ihrem Mann nach Berlin zu ziehen.
„Irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, da musste ich
mich entscheiden: entweder wir trennen uns oder wir leben
gemeinsam in einem Land. Ich habe mich für ihn entschieden.
Ich konnte damals noch kein Deutsch, mein Mann spricht Russisch. Ich habe kein Deutsch gelernt, denn eigentlich wollte ich
ja nie nach Deutschland.
Am Anfang war es sehr
schwer für mich in Berlin: kein Deutsch, keine
Freunde, keine Familie.
Von meinem Mann hatte ich zwar immer die
volle Unterstützung; er
war und ist immer für
mich da, aber mir fehlte
die Arbeit und die alten
Kontakte. Ich stand mein
ganzes Leben lang im Beruf und plötzlich nur Hausfrau, das
ging nicht. Ich habe mir gesagt, ich muss mich so schnell wie
möglich integrieren, sonst bin ich verloren.“
Sie besucht Sprachkurse an der Volkshochschule. Gerne hätte sie
einen intensiveren Kurs gebucht, doch der wäre zu teuer gewesen.
Sie lässt ihr Diplom anerkennen und meldet sich bei der Agentur
für Arbeit arbeitssuchend. Anspruch auf Leistungen oder auf Umschulungen und Weiterbildungen hat sie zunächst nicht. Als sie
die Sprache gut genug beherrscht, nimmt sie an Bewerbungstrainings teil. Schließlich erhält sie einen Platz in einem Qualifizierungslehrgang für kaufmännische Berufe. Das ist zwar gar nicht
das, was sie machen möchte - sie würde am liebsten wieder im Bereich Vermessung und Kataster arbeiten -, aber inzwischen ist sie
so weit, dass sie alles machen würde, Hauptsache es ist eine einigermaßen qualifizierte Arbeit. Der Lehrgang läuft gut, sie schließt
ihn erfolgreich ab, aber einen Arbeitsplatz bekommt sie trotzdem
nicht. Sie gibt nicht auf, geht weiterhin zur Arbeitsagentur, sammelt Informationen und lässt bei den Beratern nicht locker.
Schließlich erfährt sie von LIFE e.V. / Kumulus-Plus. Beim ersten
Beratungsgespräch ist sie sehr unsicher: „Ich dachte, ich könnte
24
Помимо её основной профессии, инженера, Волга также работает гидом. Однажды, сопровождая туристическую группу по
Бресту, она знакомится со своим будущим мужем, берлинцем.
В 2000-ом году она, скрепя сердце, решается на переезд в Берлин.
«Наступил момент, когда я должна была принять решение, либо мы должны расстаться, либо жить в одной
стране. Ради него я решилась на переезд. По-немецки
я тогда не говорила – мой муж говорит по-русски. К тому
времени немецкий я ещё никогда в жизни не учила, да и в
Германию я ехать не собиралась. Поначалу мне в Берлине
пришлось очень трудно. Я не владела языком, у меня не
было друзей, все мои родственники остались в Белоруссии. Хотя мой муж меня всячески поддерживал, я всегда
могла и могу на него положиться, мне не хватало работы
и моих старых знакомых. Всю жизнь я работала и вот,
неожиданно, я стала просто домохозяйкой. Это меня не
устраивало. Я сказала себе, что должна как можно быстрее интегрироваться, иначе я пропала.»
Она посещает вечерние курсы немецкого языка. С удовольствием бы она записалась на более углублённые занятия, но это
было бы слишком дорого. Она добивается признания своего
диплома и регистрируется в Агентуре по трудоустройству, как
ищущая работу. Каких либо прав на выплату пособия по безработице или бесплатные курсы повышения квалификации
у неё поначалу нет. Когда она в достаточной мере овладевает
языком, то принимает участие в специальных семинарах, где
узнаёт о том, как эффективнее искать работу.
В конце концов, она получает место на курсе, где готовят специалистов по торговле. Конечно, это было совершенно не то,
чем она хотела заниматься. Лучше бы работать по специальности, но, между тем, она уже была готова выполнять любую,
хоть сколько-нибудь квалифицированную, работу.
Она успешно оканчивает курс, но работы всё равно не находит. Волга не сдаётся. Она часто бывает в Агентуре по трудоустройству, собирает информацию.
Наконец она узнаёт о проекте LIFE e.V. / Kumulus-Plus. На
первой консультации она очень неуверенна в себе: «Я думала, что совершенно ничего не умею, и проведу всю свою
жизнь дома.»
Консультант обнадёживает её. В мае 2007-ого года Волга
Nach dem Assessment findet Volha mit
Hilfe von LIFE e.V. wieder Anschluss an
ihren Beruf: Sie bekommt einen Praktikumsplatz beim Vermessungsamt Berlin
Spandau. Das Praktikum macht ihr Spaß
und ermöglicht ihr, ihr Fachwissen aufzufrischen und anzupassen.
Sie macht sich mit der deutschen Fachsprache vertraut, lernt neue
Geräte und Computerprogramme kennen, aber „Vermessung ist
Vermessung. Ich komme gut klar. Alle sind nett, auch wenn ich
manchmal von männlichen Kollegen höre: eine Frau gehört
nicht in die Vermessung. Dann lache ich nur und sage: ach ja,
das höre ich nicht zum ersten Mal. Ich weiß, dass ich dort nach
dem Praktikum nicht bleiben kann, aber für mich lohnt sich
das trotzdem sehr. Ich musste sehen, wie das läuft in Deutschland, wie der Ablauf ist und das Arbeitsfeld. Danach bewerbe
ich mich weiter. Ich habe in Deutschland so oft gehört: nein, da
gibt es keine Möglichkeit. Aus diesem Projekt nehme ich Optimismus mit und neue Kraft. Beruflich ist für mich zwar noch
vieles offen, aber seelisch bin ich jetzt stark und nicht mehr so
enttäuscht und verletzt. Hier bei LIFE habe ich zum ersten Mal
nicht das Gefühl gehabt, eine Fremde zu sein.“
принимает участие в Ассесмент-центре. Опыт, приобретённый
здесь, изменяет её жизнь в Германии: «Это было очень
интересно. Я этим так загорелась, что не могла даже
спать. Мы все не могли спать. Каждая обыгрываемая
ситуация была как в реальной жизни. Это было просто
замечательно. После каждого задания устраивались
воркшопы, что очень помогало. Я всегда следила за
реакцией других участниц на то, как я говорю, как вступаю
в контакт, как себя веду и даже в каком положении
я сижу. Моя осанка, поначалу, говорила о неуверенности
в себе, и кто-то из участников дал мне совет, каким
образом я могу излучать больше уверенности. Именно её
я обрела после участия в ассесменте. Я знала, что многое
умею и не должна буду лишь сидеть дома. Могу только
порекомендовать Ассесмент-центр другим женщинам.
Это уникально! Когда я ездила в гости в Белоруссию, то
должна была во всех деталях рассказать об этом; мои
подруги хотели знать всё до мельчайших подробностей.
Они остались в восторге и даже завидовали,
что не могли принять участие в подобном
проекте.»
Волга Арас
überhaupt nichts und müsste mein Leben lang zuhause bleiben.“
Die Beraterin macht ihr Mut. Im Mai 2007 kann Volha am Assessmentcenter teilnehmen. Diese Erfahrung verändert ihr Leben in
Deutschland: „Es war super aufregend. Ich war so bei der Sache.
Ich konnte nicht schlafen, wir konnten alle nicht schlafen. Jede
Situation war wie im echten Leben. Das war toll. Und die Workshops nach jedem Auftrag, das hat wirklich sehr geholfen. Ich
habe ein Feedback dazu bekommen, wie ich rede, wie ich Kontakt mache, wie ich mich verhalte, wie ich sitze. Ich hatte eine
ganz unsichere Haltung beim Sitzen. Im Feedback habe ich eine
Empfehlung bekommen, wie ich mehr Sicherheit ausstrahlen
kann. Nach dem Assessment war ich selbstbewusster: Ich wusste, ich kann etwas, ich muss doch nicht immer zu Hause sitzen.
Ich kann das AC anderen Frauen nur empfehlen. Das ist einmalig! Als ich zu Besuch zuhause in Weißrussland war, musste
ich ganz genau vom Assessment erzählen; meine Freundinnen
wollten jedes Detail erfahren. Sie waren begeistert, neidisch,
dass sie nicht auch die Chance haben,
an so etwas teilzunehmen.’“
После ассесмента, при содействии LIFE e.V., Волга
вновь находит путь к своей профессии. Она получает практику в топографической службе берлинского
района Шпандау. Практика доставляет ей большое
удовольствие, позволяет освежить знания и приспособить их
к условиям Германии. Она знакомится с немецкой терминологией и специальными приборами и компьютерными программами, но, в конце концов: «Геодезия остаётся геодезией.
Я хорошо справляюсь. Все очень приветливы, хотя я иногда и слышу, что „женщине в этой профессии не место“.
В ответ я лишь смеюсь и говорю, „да, да, это я слышу не
в первый раз.“ Я знаю, что не смогу там остаться по окончании практики, но понимаю, что работа здесь, тем не
менее, приносит мне много пользы. Ведь я должна была
увидеть, как работают в Германии. После практики
я буду дальше искать работу. Так часто в Германии я слышу: “Нет, это невозможно.“ Из этого же проекта я черпаю оптимизм и силу. В плане работы многое, конечно,
ещё неясно, но внутри я стала сильнее и перестала испытывать горечь и быть такой ранимой как раньше. Здесь
в LIFE я в первый раз почувствовала, что я не чужая.»
25
e.V. bietet ab 2008
Mit Energie in die berufliche Zukunft
Das Programm für Ingenieurinnen und
Naturwissenschaftlerinnen aus Osteuropa.
Eine Branche, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung
gewonnen hat und weiter boomen wird, ist die regenerative Energieerzeugung und -nutzung (Solar- und Windenergie). Unser
Programm soll Sie dabei unterstützen, einen Arbeitsplatz in diesem Bereich zu finden oder neue berufliche Perspektiven zu entwickeln.
Unser Angebot besteht aus mehreren Teilen (Modulen), die aufeinander aufbauen.
1. Modul: Qualifikationen, Fähigkeiten und Interessen
In diesem Modul werden Ihre Fähigkeiten und Stärken ermittelt
und Sie werden in den Schlüsselkompetenzen qualifiziert, die Sie
zum Einstieg in die Arbeitswelt brauchen.
Wir arbeiten nicht nur in Workshops mit der gesamten Gruppe,
sondern auch in Einzelberatung und online auf einer ‚Lernplattform’.
2. Modul: Qualifizierung Solarenergie
In diesem Modul erarbeiten Sie sich das Fachwissen, das Sie für
eine qualifizierte Tätigkeit im Bereich regenerativer Energien,
brauchen.
3. Modul: Anforderungen der Arbeitswelt und Bewerbung
In diesem Modul erarbeiten Sie eine Bewerbungsstrategie, die auf
Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist. Sie lernen die An-
Andrea Simon,
Projektleitung
26
Magdalena
Adamczyk-Lewoczko,
Beratung
forderungen der deutschen Arbeitswelt kennen und üben, wie Sie
sich persönlich und am Telefon einem Arbeitgeber präsentieren.
4. Modul: Berufserfahrung sammeln und Kontakte knüpfen
In diesem Modul lernen Sie Arbeitsfelder und Arbeitgeber kennen, sammeln Berufserfahrungen in Unternehmen und erproben
sich in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz.
Um auf Ihre individuellen Bedürfnisse eingehen zu können, arbeiten wir in kleinen Gruppen. Die Beratung und die Unterstützung
bei der Praktikums- und Arbeitsplatzsuche erfolgt einzeln.
Zur Beratung und Information nutzen wir auch das Internet, so
dass Sie auch von zuhause aus miteinander und mit uns in Kontakt bleiben können.
Voraussetzungen für die Teilnahme:
Sie sollten die deutsche Sprache beherrschen und einen technischen, natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund
haben. Die Teilnahme ist für Sie kostenlos.
Information:
Andrea Simon
Telefon: 030 . 308 798 17, Email: simon@life-online.de
Magdalena Adamczyk-Lewoczko
Telefon: 030 . 308 798 19, Email: adamczyk@life-online.de
Rotraud Flindt,
Online-Training,
Kompetenzfeststellung
Judith Burkhard,
Bewerbungstraining,
Kompetenzfeststellung
Sabine Osvatic,
Kompetenzfeststellung
e.v.
Der gemeinnützige Verein LIFE e.V. ist eine Bildungsorganisation,
die seit rund 20 Jahren berufliche Beratung und Orientierung sowie Aus- und Weiterbildung von Mädchen und Frauen durchführt.
Im Mittelpunkt stehen Technik und Naturwissenschaften, Handwerk, Klimaschutz und der IT-Sektor – Bereiche, in denen die Potenziale und Kompetenzen von Frauen bisher zu wenig genutzt
werden.
Um hier die Ressourcen von Frauen dauerhaft zu integrieren, setzt
der Verein auf die Kooperation und Vernetzung mit Akteuren aus
Wirtschaft, Politik, Bildung und Wissenschaft auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene. Das Spektrum der Angebote des
Vereins umfasst vorberufliche Orientierung, Kompetenzfeststellung, Berufsvorbereitung, Ausbildung in Gebäude- und Fahrradtechnik, berufliche Weiterbildung, Entwicklung innovativer Lehrund Lernmethoden sowie Politikberatung im Bereich Nachhaltige
Entwicklung und Gender.
Impressum
e.V.
Dircksenstr. 47
10178 Berlin
Fon: +49.30.308 798 - 0
www.life-online.de
v.i.S.d.P. Andrea Simon
Texte: Sabine Osvatic, Andrea Simon
Übersetzung: Shenja Jahn
Fotos: Rotraud Flindt, Detlef Pohontsch, Lucyna Dzikowski
Satz, Gestaltung und Herstellung: pace-marketing, Berlin
Druck: Bloch & Co. GmbH, Berlin
Auflage: 1.500
Berlin im November 2007
27
Im Netzwerk Kumulus-Plus arbeiten zwölf Beratungs- und Bildungsorganisationen zusammen, um Menschen
mit Migrationshintergrund in Berlin und Rostock bei der beruflichen Integration zu unterstützen.
Kumulus-Plus wird koordiniert von
Arbeit & Bildung e.V. • Lindenstraße 20-25 • 10969 Berlin • Tel.: 030 / 259 30 95-0 • www.kumulus-plus.de
KUMULUS-PLUS ist Kooperationspartner im bundesweiten Netzwerk IQ - Integration durch Qualifizierung. Auf der Website des
Netzwerks, www.intqua.de, finden Sie Texte, Tagungsdokumentationen und Handlungsempfehlungen rund um das Thema Integration
von Menschen mit Migrationshintergrund.
Ermittlung, Dokumentation und Anerkennung von Qualifikationen und Kompetenzen ist dabei ein Schwerpunkt.
Gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds.
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
14
Dateigröße
1 408 KB
Tags
1/--Seiten
melden