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1 Weblogs, YouTube, studiVZ & Co. Wie sich Öffentlichkeiten im

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Titel
Dr. Jan Schmidt
(Forschungsstelle „Neue Kommunikationsmedien, Bamberg)
Weblogs, YouTube, studiVZ & Co.
Wie sich Öffentlichkeiten im Internet verändern
04.07.2007, Jena
Agenda
#1 von 25
1.
Einleitung: Web 2.0 als Kontext
2.
Entstehen und Strukturmerkmale von Öffentlichkeiten im Web 2.0
–
Vortrag wird zeigen, wie aus den Handlungen einer Vielzahl von Nutzern, die
Identitätsmanagement, Beziehungsmanagement und Informationsmanagement
betreiben, Öffentlichkeiten unterschiedlicher Größe und unterschiedlicher
thematischer Ausrichtung entstehen
–
Vortrag wird zeigen, dass „persönliche Öffentlichkeiten“ die massenmedial
produzierten Öffentlichkeiten ergänzen, wobei bestimmte
Strukturierungsprinzipien die Verbreitung und Rezeption von Informationen
beeinflussen
3.
Fazit
1
#2 von 25
Stichwortwolke Web 2.0
Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Web_2.0_Map.svg
Web 2.0 - ein Hype?
#3 von 25
ƒ
Web 2.0 ist Oberbegriff für eine Vielzahl von Trends, die sich in den vergangenen
Jahren im Internet abzeichnen
ƒ
Neue Anwendungen
ƒ
Neue Arten der Software-Entwicklung
ƒ
Neue Märkte und Geschäftsmodelle
ƒ
Neue Öffentlichkeiten
ƒ
Problem: Begriff „Web 2.0“ legt einen revolutionären Sprung in der Entwicklung
des Internets nahe, doch Grundprinzipien der computervermittelten Interaktion
und Kommunikation sind schon vor zehn und mehr Jahren zu beobachten
gewesen  Social Software ist nichts grundlegend Neues
ƒ
Besonderheit besteht eher in quantitativer denn in qualitativer Hinsicht: Immer
mehr Menschen werden zu „produsern“, die Wissen (in einem sehr weiten Sinn)
im Netz erstellen, abrufen, teilen und weiter entwickeln
2
#4 von 25
(I) Identitätsmanagement
ƒ
Ausgangspunkt: Produser verwenden Angebote des Web 2.0, um Identitätsmanagement zu betreiben, also Aspekte der eigenen Person – Interessen, Erlebnisse,
Meinungen, Kompetenzen, …. – im Internet zu präsentieren
ƒ
Identitätsmanagement nimmt sehr unterschiedliche Formen an, bspw. hinsichtlich
ƒ …den zugrundeliegenden Anwendungen
ƒ …der Themen und Inhalte, die veröffentlicht werden
ƒ …der Gestaltung
ƒ … dem Grad an Zurechenbarkeit zur „realen“ Identität (Anonymität /
Pseudonym / Realer Name)
#5 von 25
ƒ
Die Vielfalt der Blogosphäre
Hier waren jede Menge Screenshots von ganz unterschiedlichen Blogs zu sehen.
3
Identitätsmanagement: Weblogs
#6 von 25
Inhalte des eigenen Weblogs (n=1223; Mehrfachantworten mgl.)
0%
20%
40%
60%
80%
Berichte/Episoden aus
Privatleben
100%
76,0%
73,9%
Bilder/Fotos
Kommentierte Links
70,0%
49,4%
Bücher/Filme/Musik
Hobbies
49,3%
Episoden aus Arbeitsleben
45,1%
Lokale/Regionale
Ereignisse/Themen
41,5%
Berufl-/schulische Themen
41,4%
35,7%
Politische Themen
Gedichte/Kurzgeschichten
31,6%
Berichte/Episoden aus
Studium/Schule
30,8%
11,4%
Film-/Videodateien
Podcasts
6,4%
Quelle: Schmidt/Paetzolt/Wilbers 2006
Identitätsmanagement
#7 von 25
Motive für das Führen eines Weblogs (n=4417; Mehrfachantworten mgl.)
0%
20%
40%
60%
80%
70,8%
Zum Spaß
Schreibe gerne
62,7%
Eigene Ideen/Erlebnisse festhalten
61,7%
49,0%
Über Ideen/Erlebnisse austauschen
44,5%
Gefühle von der Seele schreiben
Wissen anderen zugänglich machen
33,4%
Mit Freunden/Bekannten in Kontakt bleiben
33,2%
Neue Bekanntschaften/ Kontakte knüpfen
Aus beruflichen Gründen
Aus anderen Gründen
100%
27,2%
12,7%
10,7%
Quelle: Schmidt/Wilbers 2006
4
#8 von 25
(II) Beziehungsmanagement
•
Zum Identitätsmanagement tritt das Beziehungsmanagement, also das Abbilden,
Pflegen und Knüpfen von sozialen Beziehungen über das Internet
ƒ
Forschungsergebnisse zeigen:
ƒ Kontakte/Beziehungen im Internet nicht per se defizitär
ƒ Beziehungsmanagement schließt oft weitere Kommunikationsmodi mit ein
(z.B. E-Mail, SMS, face-to-face)
ƒ Internet bietet die Möglichkeit, Sozialkapital zu erweitern
 Individuen können durch die Einbettung in soziale Netzwerke bestimmte
Ressourcen erhalten, z.B. Zugang zu Informationen, Zugehörigkeitsgefühl/
Solidarität, sozioemotionale Unterstützung in Krisensituationen, …
#9 von 25
Beispiel XING
5
#10 von 25
Beispiel StudiVZ
#11 von 25
Beispiele für Beziehungsmanagement
Zustimmung zu Aussagen über soziale Beziehungen via Blogs/Prüfungsgeil.de (n=1153/250)
0%
20%
40%
60%
80%
100%
Stehe über Blog/PG mit Personen
ausserhalb meiner Stadt/Region in Kontakt
Komme über Blog/PG ständig mit neuen
Leuten in Kontakt
72,0%
18,5%
37,2%
20,9%
Blog/PG macht mir deutlich, dass ich viele
Menschen über zwei Ecken kenne
33,2%
Unter den Blog-/PG-Kontakten könnte mir
jemand im Notfall 250 Euro leihen
32,2%
Unter den Blog-/PG-Kontakten kann ich
jemanden bei persönlichen Problemen um
Rat fragen
Blog
33,7%
36,4%
26,3%
20,9%
Prüfungsgeil.de
Anmerkung: Vorgegeben war eine fünfstufige Skala; angezeigt sind Anteile der Personen, die völlig oder eher zustimmen.
Quelle: Schmidt/Paetzolt/Wilbers 2006; Schmidt 2007b
6
(III) Informationsmanagement
#12 von 25
ƒ
Zwischenfazit: Aktive Nutzer von Web 2.0-Anwendungen betreiben Identitäts- und
Beziehungsmanagement
ƒ
Ergebnis von Publikation und Vernetzung: hypertextuelle Netzwerke (Links
zwischen Texten, Bildern, Musik- oder Videodateien) und soziale Netzwerke
(Beziehungen zwischen Menschen)
ƒ
Diese Netzwerke stellen Öffentlichkeiten her, die als Geflecht von aufeinander
verweisenden Texten und Personen zum Informationsmanagement benutzt
werden kann
ƒ
Strukturmerkmale der Öffentlichkeiten im Web 2.0 in dreierlei Hinsicht
bemerkenswert:
1.
Kanalisierung von Aufmerksamkeit
2.
Hierarchie
3.
Überlappung mit massenmedialen Öffentlichkeiten
#13 von 25
Kontinuum von Öffentlichkeiten
Aufmerksamkeit/Größe des Publikums
Millionen
Tausende
Massenmediale Öffentlichkeit
(z.B. Gesundheitsreform)
Spezialisierte Teilöffentlichkeiten
(z.B. wissenschaftlicher Diskurs)
„Persönliche Öffentlichkeiten“
Hunderte
(z.B. Fotos & Berichte von der Meisterfeier am Maxplatz)
„long tail“
Wenige
Bereich unterhalb der Schwelle von Massenmedien
Rangplatz
7
#14 von 25
III-1: Kanalisierung
ƒ
Grundproblem des Informationsmanagements: Wie kann in der Masse der
vorhandenen Informationen das jeweils Relevante erkannt/gefunden werden?
ƒ
Strategie der massenmedial hergestellten Öffentlichkeiten: Journalist/Redaktion
als Gatekeeper
ƒ
Strategie im Web 2.0: (zusätzlich) Kanalisierung von Aufmerksamkeit durch
andere Nutzer
1.
Weisheit der Masse: Bewertung von Informationen durch Vielzahl von Nutzern
führt bspw. zu kollaborativ erstellten Ranglisten populärer Themen oder zum
„Flaggen“ unangemessener Inhalte
2.
Weisheit des eigenen Netzwerks: Zusammenstellen eines individuellen
Repertoires relevanter Quellen (unterstützt durch RSS-Technologie)
#15 von 25
Beispiel del.icio.us
8
#16 von 25
Beispiel del.icio.us
#17 von 25
Beispiel Flickr
9
III-2: Hierarchie
#18 von 25
ƒ
Web 2.0 senkt Zutrittsschwellen zur Öffentlichkeit und fördert Dezentralität, doch
nicht jedes Angebot erhält die gleiche Aufmerksamkeit
ƒ
Hierarchie existiert, in der einige wenige Angebote vergleichsweise große Publika
erreichen, während die Mehrzahl der Angebote nur von wenigen Menschen
bemerkt wird
ƒ
Zentrale Netzwerkknoten (bspw. häufig gelesene Weblogs) haben größere
Chancen, (a) weitere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und (b) die Verbreitung
von Informationen zu beschleunigen
III-2: Hierarchie
#19 von 25
Visits am 07.05.2007
Ranking der "Blogscout Top 100" nach Besuchern am Tag
(Stand: 07.05.2007)
60.000
#1 Bildblog.de (ca. 50.000 Visits)
50.000
#2 DSDS (ca. 13.000 Visits)
40.000
30.000
#100 Stil in Berlin (ca. 1.150 Visits)
20.000
#2786 Poppenbuettel-Blog (1 Visit)
10.000
0
0
20
40
60
80
100
Rangplatz des Weblogs
Quelle: http://blogscout.de/
10
#20 von 25
III-3: Überlappung
ƒ
Lebhaft diskutierte Frage: Bringt Web 2.0 das Ende des Journalismus mit sich?
ƒ
Verbreitung und Institutionalisierung von Web 2.0 zeigt eher Komplementarität
und Überlappung der verschiedenen Öffentlichkeiten
ƒ
Anwendungen des Web 2.0 finden ihren Weg in Kommunikationsrepertoire
von Massenmedien und Organisationskommunikation
ƒ
Wechselseitige Beobachtung / wechselseitiges Agenda Setting
#21 von 25
III-3: Überlappung
11
#22 von 25
ƒ
III-3: Überlappung
Arbeitsteilung zeichnet sich ab, in der die existierenden Öffentlichkeiten
unterschiedliche Funktionen übernehmen
ƒ
Massenmediale Öffentlichkeiten setzen Themen und informieren
ƒ
Persönliche Öffentlichkeiten verbreiten, kommentieren und bewerten diese
Quellen
ƒ
Verschiebung von Relevanzkriterien: Kopplung von „öffentlich“ und „gesellschaftlich
relevant“ löst sich auf, da auch Informationen öffentlich gemacht werden, die „nur“ für
wenige Personen relevant sein mögen
ƒ
Banalisierungsargument („99 Prozent der Weblogs sind Müll“) daher nicht stichhaltig
 mag jeweils persönlich zutreffen, verkennt aber, dass Inhalte sich eben nicht an
eine generelle, sondern nur an eine persönliche Öffentlichkeit wenden
#23 von 25
Beispiel Youtube
12
Fazit
#24 von 25
ƒ
Kernargumente des Vortrags
ƒ Öffentlichkeiten entstehen im Web 2.0 als Aggregation von Handlungen einzelner
Menschen, die Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement betreiben
ƒ Die daraus resultierenden soziotechnischen Netzwerke weisen Strukturierungsund Relevanzprinzipien auf, die die Verbreitung und Rezeption von Informationen
beeinflussen
ƒ
Ausblick
ƒ In dem Maße, wie sich persönliche Öffentlichkeiten verbreiten, verändern sich
auch hergebrachte Vorstellungen von Grenzen der Privatsphäre
ƒ Zukünftige Web 2.0-Anwendungen müssen es in deutlich stärkerem Maße
möglich machen, Informationen selektiv nur bestimmten Teilen des eigenen
sozialen Netzwerks zugänglich zu machen
Schmidt/Mayer
Herzlichen
Dank für die
Aufmerksamkeit!
Forschungsstelle „Neue Kommunikationsmedien“
Dr. Jan Schmidt
An der Universität 9/501
D – 96045 Bamberg
fonk@split.uni-bamberg.de
www.fonk-bamberg.de
www.bamberg-gewinnt.de
13
Weitere Literatur
•
Guenther, Tina/Jan Schmidt (im Druck): Wissenstypen im Web 2.0. Eine wissenssoziologische
Deutung von Prodnutzung im Internet. Erscheint in: Willems, Herbert (Hrsg.): Weltweite Welten.
Internet-Figurationen aus wissenssoziologischer Perspektive. [Arbeitstitel] Wiesbaden.
•
Schmidt, Jan (2006): Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. Konstanz.
•
Schmidt, Jan (2007a): Öffentlichkeit im Web 2.0. Entstehung und Strukturprinzipien. In: JournalistikJournal, 2/2007. Online verfügbar: http://www.bamberg-gewinnt.de/wordpress/archives/737
•
Schmidt, Jan (2007b): Praktiken des onlinegestützten Identitäts- und Beziehungsmanagements auf
einer studentischen Networking-Plattform. Eingereicht für: merz Wissenschaft. In Vorbereitung.
•
Schmidt, Jan/Martin Wilbers (2006): Wie ich blogge?! Erste Ergebnisse der Weblogbefragung 2005.
Berichte der Forschungsstelle "Neue Kommunikationsmedien", Nr. 06-01. Bamberg. Online
verfügbar: http://www.fonk-bamberg.de/pdf/fonkbericht0601.pdf
•
Schmidt, Jan/Matthias Paetzolt/Martin Wilbers (2006): Stabilität und Dynamik von Weblog-Praktiken.
Ergebnisse der Nachbefragung zur „Wie ich blogge?!“-Umfrage. Berichte der Forschungsstelle
"Neue Kommunikationsmedien", Nr. 06-03. Bamberg. Online verfügbar: http://www.fonkbamberg.de/pdf/fonkbericht0603.pdf
14
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