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Empfehlungen der Bischöflichen Frauenkommission

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Empfehlungen der Bischöflichen Frauenkommission
angesichts der Sparzwänge und den damit verbundenen
Veränderungen im Bistum Münster
Im vergangenen Jahr hat sich die Bischöfliche Frauenkommission intensiv mit den Sparmaßnahmen und den damit - derzeit und zukünftig - verbundenen Veränderungen im Bistum Münster
beschäftigt. Es ist der Kommission deutlich, dass Einsparungen stattfinden müssen. Es ist ihr jedoch ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass unterschiedliche Sparmaßnahmen Frauen und Männer auf unterschiedliche Weise treffen und treffen werden. Daher wurden Empfehlungen erarbeitet, worauf mit Blick auf Frauen, frauenspezifische Angebote und Einrichtungen im Bistum
Münster zu achten ist und welche Prioritäten im Prozess der Einsparungen und Veränderungen
gesetzt werden sollten. Dabei galt es, die neueren Entwicklungen bezogen auf Frauen in Gesellschaft und Kirche wahrzunehmen, diese zu werten, Visionen und Ideen zu entwickeln und entsprechende Empfehlungen zu formulieren.
Aktuelle Entwicklungen bezogen auf Frauen in Gesellschaft und Kirche
Die Lebenswirklichkeit von Frauen heute unterscheidet sich in vielfacher Weise von der vergangener Generationen. Sie zu beschreiben steht vor der Schwierigkeit, dass die Individualität des
postmodernen Menschen eine Vielzahl von Lebensformen zulässt, die sich in mannigfacher Weise überschneiden und verknüpfen können. Obwohl die Vielfalt weiblicher Lebensentwürfe auch
in Deutschland nicht zu vereinheitlichen ist, lassen sich doch -in Stichworten- Merkmale und soziale Strukturen benennen, die insbesondere Frauen auf Grund ihre Geschlechts betreffen:
• Die demographische Entwicklung: Frauen leben im Durchschnitt elf Jahre länger als Männer.
Im Rahmen insgesamt steigender Lebenserwartung wächst die Zahl (alleinstehender) Frauen
im Rentenalter gegenüber anderen Bevölkerungsteilen stark an.
• Steigende Zahlen bei den Alleinlebenden und Geschiedenen: 80 % der Alleinerziehenden
sind Frauen.
• Die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt treffen insbesondere Frauen mit Kindern: Teilzeitmodelle und die Ermöglichung des Wiedereinstiegs in den Beruf nach der Familienphase
können und wollen sich viele Betriebe nicht leisten.
• Überkommene Rollenbilder haben sich stark gewandelt. Frauen leiden in mehrfacher Hinsicht unter starken Verunsicherungen: steigende Zahlen behandlungsbedürftiger Erkrankungen und Suchtabhängigkeiten sind die Folge.
• Mädchen verfügen statistisch gesehen über die bessere Allgemeinbildung, machen ein besseres Abitur und einen besseren Studienabschluss. Die berufliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist grundgesetzlich geregelt. Dennoch sind nur 4% der ordentlichen HochschullehrerInnen weiblich, in leitenden Positionen stagniert die Anzahl der Frauen.
• Frauen leisten mehr ehrenamtliche Arbeit als Männer. Besonders die sozialen und kirchlichen
Bereiche kämen ohne Frauen nicht aus. Ehrenamtliche Arbeit wird jedoch oft nicht honoriert: Frauen verfügen über eine Menge an Ressourcen, setzen diese ein, erhalten jedoch wenig Anerkennung für die geleistete Arbeit.
• Es sind nach wie vor überwiegend Frauen, die sich in und jenseits der Familie um die Erzie hung, besonders auch um die religiöse Erziehung von Kindern und Jugendlichen kümmern.
Visionen und Ideen
Wenn wir die oben genannten Stichworte auf die Situation von Frauen insgesamt und auf die ehrenamtlich und hauptberuflich tätigen Frauen in der Kirche zuspitzen, so ergibt sich folgendes
Bild: Die Kirche im Bistum Münster wird überwiegend von Frauen getragen. Sie leisten den
größten Teil ehrenamtlicher Arbeit, leisten religiöse Erziehungsarbeit in Familie und Katechese
und machen auch den größeren Anteil der GottesdienstbesucherInnen aus. Dies gilt es bei den
Veränderungen im Bistum zu berücksichtigen.
Auch die hauptberuflichen MitarbeiterInnen sind für die Kirche im Bistum Münster unentbehrlich. Es ist ihre vornehmliche Aufgabe, Ehrenamtliche zu fördern und zu unterstützen, damit diese am „Kerngeschäft“ der Kirche in „Martyria“, „Diakonia“ und „Leiturgia“ eigenständig teilhaben können.
Im Sinne der christlichen Option für die Schwachen muss sich Kirche gerade in Umbruchphasen
weiterhin gesellschaftspolitisch für benachteiligte Frauen einsetzen. Dazu bedarf es einer verstärkten Förderung von MultiplikatorInnenarbeit, die die Krisenzeiten des Lebens von Männern
und Frauen im Blick behält.
Die Alterspyramide sollte bei der Pastoralplanung ebenso in den Blick genommen werden wie die
gezielte berufliche Förderung von Frauen auf allen Ebenen.
Prioritäten
Auf Grund der beschriebenen Lebenswirklichkeit von Frauen in Kirche und Gesellschaft steht
zu erwarten, dass etwaige Sparmaßnahmen unterschiedliche Auswirkungen auf Männer und Frauen haben. Wir wünschen uns, dass das Bistum bei allen anstehenden Veränderungen die GenderPerspektive berücksichtigt.
Wegen der oben beschriebenen Komplexität der Fragestellung ist es nicht möglich, Prioritäten
im Detail zu benennen. Daher wollen wir an dieser Stelle einige Eckpunkte benennen, die aus
Sicht der Frauenkommission von Bedeutung sind. Dabei haben wir uns von folgenden Fragen
leiten lassen: „Was hat Priorität angesichts der finanziellen Kürzungen?“ und „Was muss erhalten
bleiben, was muss verändert werden?“
• Es sollten alle finanziellen Kürzungen auf ihre Auswirkungen auf Frauen und Männer überprüft und ihre Konsequenzen offen gelegt werden.
• Grundsätzlich sollte die Förderung von Personen, von Gemeinschaft und Gemeinschaften
und Aktionen leitend sein.
• Ehrenamtlich Tätige, MultiplikatorInnen im Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat sollten
verstärkt gefördert werden. Hierzu wäre eine Einrichtung von Budgets für Fortbildungen in
den Gemeinden hilfreich.
• Es erscheint uns prioritär, gewachsene soziale Strukturen zu unterstützen, lebendige Strukturen zu erhalten und Gebäude effektiv zu nutzen.
• Sozial schwachen Familien und Frauen gebührt ein besonderes Augenmerk der Kirche.
• Es gilt, Frauen bei der Besetzung von Arbeitsstellen auf allen Ebenen gezielt zu fördern und
die Förderung des weiblichen Leistungsnachwuchses auszubauen.
• Ressourcen von Frauen sollten deutlicher honoriert, gefördert und unterstützt, spezifische
weibliche Qualifikationen berücksichtigt und genutzt werden.
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Bildung
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