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Fresken, wie es sie sonst nirgends gibt - Thun

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MITTWOCH, 18. FEBRUAR 2004 / THUNER TAGBLATT / ZEITUNG IM ESPACE MITTELLAND / www.espace.ch
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KIRCHE SCHERZLIGEN
Fresken, wie es sie sonst nirgends gibt
Nach der Renovation
der Kirche Scherzligen
erkennt man, wie gross
sie als Wallfahrtszentrum war. Zudem fand
sich bei Freskenfunden
im Chor ein Schlüssel
zu einer «Oberländer»
Theologie.
◆
den Ausgrabungen fand sich
nämlich ein Doppelgrab mit
Mausoleum. Daraus lässt sich
vermuten, dass auf der Moräne
am Fluss bereits eine Kirche
stand, als das Römische Reich
(476) unterging. Erhalten sind
aus jener Zeit ein Mörtelboden
und Mauerteile, bemalte Verputzstücke und Skelette, die gegenwärtig in Bern untersucht
werden.
I M M I T T E L A LT E R
Wallfahrtsort
für Frauen?
Heidi Zingg-Messerli
Die Legende, wie König Rudolf
II. von Burgund, unterstützt von
seiner Frau Bertha oder seiner
Tochter Adelheid, um 933 rund
um den Thunersee die tausendjährigen Kirchen (Leissigen,
Spiez, Aeschi, Frutigen, Einigen,
Wimmis, Amsoldingen, Thierachern, Uttigen, Scherzligen,
Thun, Sigriswil und Hilterfingen) gestiftet habe, macht Freude. Sie gibt der Region die geschichtliche Bedeutung, dass
unsere Gegend dem Königshaus
Burgund wichtig war.
Tatsächlich wurde die Kirche
Scherzligen in jener Zeit vergrössert. So datiert der freistehende Turm ums Jahr 900. Ebenfalls im 10. Jahrhundert entstand
das Kirchenschiff mit der romanischen Apsis, bei der sich heute
interessante Details entdecken
lassen.
Kirche aus 5. Jahrhundert?
Die ärchäologischen Funde
bei der Kirche Scherzligen zeigen allerdings, dass die schöne
Legende nicht ganz stimmt. Bei
FÜNF VORTRÄGE
Viele kamen
Die fünf Gemeindeabende,
die Pfarrer Michael Dähler zur
Kirche Scherzligen über Kirchenbau, Kirchenschmuck
und Theologie des Mittelalters durchführte, stiessen auf
ein grosses Interesse. Über
100 Leute – auch viele Männer – kamen. Am letzten Vortragsabend staunten sie, wie
das Kirchlein Scherzligen
durch die Öffnung des Chors,
die Ummöblierung und die
helle Beleuchtung plötzlich
als geräumige Kirche wirkte.
Da konnte man sich gut vorstellen, dass sie im Mittelalter
ein viel besuchtes Wallfahrtszentrum war.
hz
Urkundlich erwähnt
Nicht erst ums Jahr 1000, sondern bereits 761 wurden die Kirchen und Zehnten von Spiets
(Spiez), Scartilinga oder Biberussa (zwei Namen für Scherzligen) urkundlich erwähnt. Damals vermachte der Bischof Eddo von Strassburg diesen Besitz
dem Klösterchen in der Mark Ettenheim (Schwarzwald). «Die
erwähnten Besitzungen und genannten Orte halten wir für genug ausreichend zum täglichen
Unterhalt von dreissig Brüdern,
damit diese, das Klosterleben
führend und die Benediktsregeln
befolgend, für die gesamte Sicherheit der Christenheit im Angesichts Gottes durch ihr Gebet
nicht aufhören zu bitten», heisst
es in diesem Testament.
Unter Kloster Interlaken
In späteren Jahrhunderten
muss die Kirche Scherzligen wieder im Besitz von Laienfamilien
gewesen sein, welche die Priester
für ihre Dienste anstellten. Erst
1272, als das Kloster Interlaken
seinen Einfluss ausdehnte, kam
sie endgültig in kirchlichen Besitz. Im damaligen Machtkampf
zwischen Papst und Kaiser (Kirche und Staat) wertete der Heilige Vater die Sakramente auf und
forderte klarere Strukturen in
seinen Kirchen. Deshalb verstärkten auch die Mönche aus
Interlaken ihre Präsenz in Thun.
So errichteten sie neben der Kirche eine Sakristei, die man Jahrhunderte später zum Beinhaus
umfunktionierte und nach der
Reformation ins Sigristenhaus
umwandelte.
Wie die Strättliger im 13. Jahrhundert eifrig mitbauten, lässt
sich aus einer überbreiten
Mauer ableiten. Der Fleiss war
so gross, weil Bischof Johann jedem Handlanger 40 Tage Ablass
versprach.
Dass die Kirche Scherzligen
mit Freskenmalereien aus der
Zur Passionsgeschichte, welche die Fresken an der südlichen Wand erzählen,
gehört die Aussendung der Jünger (oben rechts).
Zeit vom 13. Jahrhundert bis
1523 ein Kleinod ist, wusste man
seit der Entdeckung dieser Bildergeschichten 1923/25 und ihrer Restaurierung im Kirchenschiff in den Jahren 1944/53.
Niemand hätte allerdings erwartet, bei der letztjährigen Renovation im grau übertünchten Chor
sozusagen den Schlüssel zur
bildlichen Theologie zu finden.
So sieht man erst jetzt, wie sich
die Legenden aus Jesu Leben
(nördliche Wand) mit der Passionsgeschichte (südliche Wand)
dank der Verkündigungsszene
im Chor als Ganzes sinnvoll ineinander fügen.
«In den Chormalereien, die
aus dem Jahre 1380 stammen, erkennen wir eine künstlerische
Qualität, die man sonst im Kanton Bern nicht findet», stellt
Pfarrer Michael Dähler fest.
«Das ist eine echte Trouvaille.»
Im Gegensatz zum Maler Peter von Bern, der 1523 am Werk
war, weiss man zwar nicht, wer
die Fresken im Chor gestaltete.
Aber es waren hoch begabte
Künstler aus der Prager Schule.
Sie kamen über das Elsass
nach Thun und malten, was
ihre theologischen Auftraggeber
wünschten.
Seltene Marienbilder
Nachdem man bereits in den
mittelalterlichen
Jahrzeitenbüchern von der Kirche unserer
(lieben) Frau sprach, verdeutlichen es die Freskenmalereien,
dass die Kirche Scherzligen der
Jungfrau Maria gewidmet ist.
Zentral ist dabei im Chor die
Verkündigungsszene, die von
der traditionellen Darstellung
völlig abweicht, und auch in keiner Fachliteratur erwähnt ist.
Üblicherweise fliegt in solchen Bildszenen zwischen dem
Engel Gabriel und der Jungfrau
Maria eine Taube als Symbol des
Heiligen Geistes. In Thun dagegen sieht man, wie Gottvater, auf
einem Wolkenband über Gabriel
BILD ZVG
und Maria schwebend, seinen
Sohn, den er zur Erde schicken
wird, liebevoll an sich drückt.
«So wurde den Kirchenbesuchern deutlich signalisiert, dass
Jesus das Kind Gottes ist», betont Michael Dähler. «Damit haben die Malereien um 1380 ein
Zeichen gesetzt, denn damals
gab es von Südfrankreich her die
Bewegung der Katharer, die
meinten, Jesus sei nicht Gottes
Sohn.»
Eigenwillig ist jedoch auch,
wie in der Thuner Weihnachtsgeschichte das Kind von einem
strahlenden Engel zur Krippe gebracht wird, bei der Maria und
Josef stehen. «Auch das ist eine
höchst seltene Darstellung, welche die Unbeflecktheit der Maria
unterstreicht», stellt Michael
Dähler fest und überlegt sich, ob
im Augustinerkloster Interlaken,
das um 1380 in Strättligen das
Sagen hatte, ein Theologe mit eigenen Ansichten das Bildprogramm entworfen habe.
◆
Die Geräumigkeit der renovierten Kirche Strättligen sowie die Grösse der damaligen
Nebenbauten lassen darauf
schliessen, dass dort im Mittelalter – an der Kreuzung
zweier Pilgerwege – ein beliebter Wallfahrtsort war. Bis
zur Reformation (1528), die
man im Oberland nicht wollte, kamen die Pilgerströme
über den Brünig und St. Batten (Beatushöhle) nach Thun.
Man pilgerte jedoch auch
aareaufwärts.
Der Thuner Pfarrer Michael
Dähler, der sich intensiv mit
der Bedeutung der Kirche
Strättligen auseinander gesetzt hat, ist heute überzeugt,
dass es ein Wallfahrtsort für
Frauen war. Zwar gibt es
dafür keine schriftlichen
Zeugnisse, denn damals wurden nur höchst selten Berichte über Pilgerreisen geschrieben.
«Um 1200 konnte man in
der Kirche zunehmend eine
Frauenbewegung beobachten», erklärt Michael Dähler.
«In jener Zeit. entstanden die
weiblichen Orden der Clarissinnen oder der wohltätigen
Beginen.» Zudem stützt sich
seine These auf die Heiligen
ab, denen die Altäre in der
Kirche Scherzligen gewidmet
waren. Maria, Katharina von
Alexandrien, Margaretha und
Maria Magdalena galten damals als jene Nothelferinnen,
an die sich weniger die Männer als die Frauen mit ihren
familiären Problemen wandten, wenn sie krank oder kinderlos waren.
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