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Ach, Europa, du allerschwärzestes Afrika, wie es in Afrika - Bergsicht

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Hummler
Simonetta
und Eveline
vor !
Während bei der Masseneinwanderungsinitiative das Bundesratskollegium sozusagen noch
in corpore den Abstimmungskampf führte und
kein Tag verging, an dem nicht mindestens eine
der Landesmütter oder einer der Landesväter
für ein Nein geworben hatte, muss nun, bei der
Gripen-Vorlage, Bundesrat Maurer ziemlich
einsam für ein Ja antreten. Kolleginnen und
Kollegen sind anderweitig beschäftigt.
Nun gut, Maurer hatte sich für den Februartermin auch nicht durch besonderen Eifer
ausgezeichnet, und so könnte man die bundesrätliche Gripen-Insuffizienz auch als eine Art
Retourkutsche im Rahmen der ach so harmonischen Konkordanz sehen. Dennoch: Es macht
einen Unterschied, ob ein Einziger etwas weniger als halbherzig für alle eintrete oder aber
alle miteinander überhaupt nicht für einen.
Immerhin ist das Gripen-Geschäft eine von
Bundesrat und Parlament unterstützte Vorlage und nicht nur eine
Militärangelegenheit.
Maurer wird eklatant im
Stich gelassen, das ist
keine Frage. Man will
sich nicht mit einer Vorlage des VBS die Hände
schmutzig machen.
«Maurer
wird
eklatant
im Stich
gelassen,
keine
Frage»
Dabei ist, materiell gesehen, die Verortung
der Luftwaffe im VBS
eigentlich gar nicht
gerechtfertigt. Denn der überwiegende Teil der
geforderten Funktionen des neuen Flugzeugs ist
polizeilicher und nicht militärischer Natur. Es
geht nämlich darum, ein bewegliches Mittel zur
Wahrung der Lufthoheit über unserem Territorium zum Einsatz bringen zu können. Das heisst
eine Anzahl von mit Waffen versehenen, mobilen
Einsatzplattformen, mittels derer man in der Luft
zum Rechten sehen kann und die nicht, wie es
bei bodengestützten Systemen zwingend der
Fall wäre, sogleich einen Abschuss eines inkriminierten Flugkörpers provozieren müssen. Sondern durch ausgeklügelte Verfahren zur Ordnung mahnen, gegebenenfalls zwingen können.
Beim militärischen Einsatz von Kampfflugzeugen hingegen würde es um etwas völlig anderes gehen, nämlich um die Luftverteidigung
im Konfliktfall. Verfügte man über genügend
Mittel, würde man die Luftherrschaft anstreben,
im Extremfall den Erdkampf führen wollen. Dazu
bräuchte es aber eine ganz andere Anzahl und
Qualität von Flugzeugen als jene, über die wir
im Mai abstimmen werden. Nein, diesmal geht
es primär nicht um etwas Militärisches. Die luftpolizeiliche Komponente ist viel wichtiger.
Wenn die Luftwaffe nicht aus geschichtlichen
Gründen Bestandteil der Armee wäre, müsste
man sich eine Ansiedlung ausserhalb des VBS
überlegen. Nämlich in jenem Departement, das
ausserhalb kriegerischer Zeiten für die Durchsetzung schweizerischen Rechts und schweizerischer Ordnung auf und über schweizerischem
Territorium zuständig ist. Es wäre das Justizund Polizeidepartement. Das Grenzwachtkorps,
das grösste nationale, zivile Sicherheitsorgan
unseres Landes, ist lustigerweise im Finanzdepartement zu Hause. Dies ebenfalls aus geschichtlichen Gründen, weil früher Grenzwache
und Zolleinnahmen eng miteinander verbunden
waren. Heute stehen Sicherheitsaufgaben im
Vordergrund. Mit anderen Worten: Die Ersatzvornahme der Gripen-Propaganda durch Bundesrat Maurer ist sachlich falsch. Deshalb:
Simonetta Sommaruga vor! Und Eveline Widmer-Schlumpf vor! Öffentliche Sicherheit hört
nicht am Boden und bei bodenverhafteten
Polizisten und Grenzwächtern auf. Der Luftraum
gehört dazu.
Konrad Hummler ist Verfasser der «Bergsicht»
und Strategieberater mehrerer Firmen.
Standpunkte
4. Mai 2014 | sonntagszeitung.ch
Die andere Sicht von Peter Schneider
Vordergründig
geht es um einen neuen
Flieger. Vor allem aber geht
es um die Rolle des
Modellbaus für die Zukunft
unseres Landes.
Bundesrat Ueli Maurer wirbt für den Gripen in der Mehrzweckhalle Teuchelweiher
Foto: Marc Dahinden
Ach, Europa, du allerschwärzestes Afrika,
wie es in Afrika nicht zu finden ist!
Victor Weber hatte die Hoffnung, dass Kriege nur noch mit Patenten statt mit Panzern
ausgetragen werden. Der Konflikt in der Ukraine raubt ihm diese Illusion
Europa, Europa! Du hast der Welt
die Demokratie geschenkt, den
Humanismus. Und das Rote
Kreuz obendrauf. Du feierst dich
insgeheim als Wiege der Zivilisation. Als Hüterin von ethischen
Werten, die es wert sind, auf der
ganzen Welt durchgesetzt zu werden. Ach, Europa, wie blind du
doch auf einem Auge bist, wie
selbstgefällig und überheblich du
dich gibst!
Was taugt schon dein Humanismus, wenn du der Welt in einem halben Jahrhundert zwei
Weltkriege und den Holocaust
beschert hast? Wenn Glaubenskriege bis auf den heutigen
Tag nachwirken? Wenn du immer
Victor Weber
ist Ressortleiter Wirtschaft
wieder Diktatoren hervorbringst
und Bürgerkriege schürst?
Noch hallen die Balkankriege
nach. Und schon geht das Gespenst eines neuen Bürger-, ja eines dritten Weltkrieges um. Die
ersten Toten sind in der Ukraine
zu beklagen, ein Flächenbrand ist
zu befürchten. Und wieder stehen
sich europäische Christen, slawische Brüder hasserfüllt gegenüber. Und wieder geht es um
Hegemonieansprüche. Dumpfes
Denken in den Kategorien von
Stamm und Stammesgebiet
drängt aus dem historischen Untergrund an den Tag. Hatten wir
solches in unseren europäischen
Reihen nicht als überwunden ge-
wähnt? Hatten wir nicht fortschrittsfroh verkündet, dass moderne Kriege mit Patenten statt
mit Panzern ausgetragen werden,
mit Köpfchen statt mit Kanonen?
Doch die eurozentrische Überheblichkeit ist trotz allen selbst
verursachten Katastrophen nicht
totzukriegen. Kaum geht die «Tagesschau» nach der Krise in der
Ukraine auf die Gemetzel in
Schwarzafrika ein, sehen wir vorzivilisatorische Wilde vor unserem inneren Auge. Angesichts des
rassistischen Theaters, das sich in
unseren Köpfen abspielt, muss
man dir sagen: Ach, Europa, du
bist allerschwärzestes Afrika, wie
es in Afrika nicht zu finden ist.
Kinder rauben uns den letzten Nerv –
und doch sind sie jeden Franken wert
Claudia Gnehm warnt vor amerikanischen Verhältnissen,
in denen nur die Kinder Gutverdienender eine richtige Bildung geniessen können
Was Kinder kosten, damit sollten
sich Paare schon auseinandersetzen, bevor sie auf der Welt sind.
Denn mit dem ersten Schrei
kommt die Ausgabelawine auf die
frischgebackenen Eltern zu. Danke sagen wird keine 20-Jährige
und kein 20-Jähriger dafür, dass
sie den Eltern direkt und indirekt
mit rund einer Million Franken
auf der Tasche lagen. Die Erwerbseinnahmen, die den Eltern entgehen, um die Kinder zu hüten, und
der Marktwert von Familienarbeit sind bei dieser saftigen Zahl
eingerechnet. Aber auch die direkten Ausgaben von rund
180 000 Franken bis zur Volljährigkeit sind kein Pappenstiel.
Claudia Gnehm
ist Wirtschaftsredaktorin
Am besten lassen sich potenzielle Eltern auch nicht von aktuellen
Zahlen benebeln. Denn die Kosten für die Sprösslinge sind nicht
statisch, sondern steigen jährlich
mehr als die Teuerung. Bedenklich ist, dass die Kinderkosten der
besser verdienenden Eltern mehr
steigen als bei den schlechter verdienenden. Denn ein Grossteil
dieser Gelder fliesst in die Förderung der Kinder. Die Schweiz darf
keine amerikanischen Verhältnisse schaffen, wo die Schulnoten
und die Perspektiven der Jugend
stark vom Vermögen der Eltern
bestimmt werden.
Wie viel man in die Kinder investieren soll, ist auch eine politi-
sche Frage. Der Schweizer Staat
fällt im internationalen Vergleich
nach wie vor auf mit tiefen ProKopf-Ausgaben für Familien, Bildung und Betreuungsangebote.
Gerade ein von der Brainpower
abhängiges Land sollte sich bei
der Förderung der Kinder nicht
lumpen lassen.
Der Nachwuchs strapaziert
zweifellos das Portemonnaie und
die Nerven. Doch Eltern, die im
Nachhinein den finanziellen Aufwand für ihre Kinder bereuen,
oder Staaten, die Bildungsausgaben für überrissen halten, gibt es
kaum. Viel eher bereuen Eltern
rückblickend, ihren Kindern nicht
noch mehr gegeben zu haben.
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Seele and Geist
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