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24 Stunden Mountainbiken am Nürburgring 19.-21.08.2011 Wie im

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24 Stunden Mountainbiken am Nürburgring
19.-21.08.2011
Wie im Vorbericht angekündigt ist das Team Overload auf dem Weg zum ersten Besuch des
Nürburgrings, der Eifel und zugleich einem 24 Stunden Rennen. Wo sich sonst Motorsportler rasante
Duelle liefern, ist für ein Wochenende im Jahr das Areal für tausende Radsportler freigeräumt.
Die Rede ist von Rad & Run am Ring. Es gibt Volksläufe, Jedermannrennen, Touristikfahrten und
natürlich die beliebten 24 Stunden Rennen für das verrückte Zweiradvolk. Hierbei wird unterschieden
zwischen Rennrad auf der Nordschleife oder Mountainbike über die Nürburg. 1er, 2er, 4er oder 8er
Teams als Staffel. Beide Strecken verlaufen über die GrandPrix Strecke entlang der Start- /
Zielgeraden, Mercedes Kurve und Boxengasse. Jedes Team bekommt eine Fläche zugeteilt auf der
man sich aufbauen darf. Diese Fläche, auch Parzelle genannt, befindet sich je nach Disziplin in der
Boxengasse, entlang der GP-Strecke oder im Aufstellbereich hinter den Boxengassen. Die gewählte
Parzelle F005 des Team Overload misst 4x12 Meter auf Asphaltboden. Sie ist direkt an der Strecke,
nahe an einer Toilettenstation und sehr zentral gelegen. Eine ausgezeichnete Lage mit Panoramablick
in die Vulkaneifel. So die Fakten vorab. Der Wahnsinn kann beginnen
Freitagvormittag, Ockstadt
Bei leichtem Regen und dunklem Himmel sitzen am Freitagvormittag Patrick, Sebastian, Max,
Matthias und Friederike in Ockstadt gemeinsam auf der Couch. Berieselt vom Fernseher hält das
Team die Spannung kaum aus. Mist plötzlich wieder Werbung! Wie soll man das nur aushalten?
Zwei Fahrzeuge, ein Citroen Berlingo und Mitsubishi Spacestar, stehen fertig bepackt vor der Tür
bereit. Die Blicke schweifen durch den Raum. Keiner darf die Nerven verlieren. Zu spät. Einer hat
gezuckt, alle anderen haben es gesehen. Das war es dann gewesen, der Startschuss für den Beginn
einer Reise in ein unvorstellbares Abenteuer.
Um 12:30 Uhr trennt sich das Team vom wohl
behaglichen Wohnzimmer um es gegen ein Fahrerlager
einzutauschen.
Bewaffnet
mit
Funkgeräten,
Sonnenbrillen und schwarzen Umhängetaschen
verteilen
sich
die
Fahrer
auf
die
beiden
Fluchtfahrzeuge. Die Mission lautet Nürburgring
Codename 24-Stunden Durchdrehen. Kommen wir
wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Es steht eine Anfahrt von 200 km bevor. Unterwegs ein
früher Halt im Bikeshop, später bei Burger King und kurz vor dem Ziel am Rande der Nordschleife um
Touristikfahrer zu bestaunen.
Freitagnachmittag, Nürburgring
Sie haben ihr Ziel erreicht! Die Einfahrt ins Renngelände erfolgt über den Hatzenbachtunnel. Auf
Parkplätzen wenige Meter vorher wurden Rückstauzonen angeordnet um die Wartezeit zu
überbrücken. Diese war jedoch nicht lange und die Räder rollten
wieder. Ein gutes Timing bereits vor dem Rennen. Stressfrei und
unkompliziert erreicht das Team das zugeordnete Fahrerlager um
16:30 Uhr. Um andere Teams nicht zu behindern wurde der
Berlingo wie geplant unmittelbar auf der Parzelle geparkt, der
Mitsubishi ausgeladen und in sicherer Reichweite abgestellt.
Die Männer beginnen mit dem Aufbau, während Friederike das
Geschehen fotodokumentiert und hilft wo sie nur kann. In
ungeübter Arbeitsweise wurde schnell das 3x9 Meter Pavillon aufgestellt. Die Möblierung bestand aus
drei Campingstühlen, Klappliege, Teppich und einem Tisch für die Technik. Eine gemütliche häusliche
Atmosphäre wurde geschaffen. Das war auch sehr wichtig, wenn man bedenkt hier bald über 24-H
kraftschöpfend zu Leben. Anders die benachbarten Teams. Diese rückten gleich mit großen
Wohnwagen an, manche sogar mit einem LKW voll beladen mit professioneller Ausrüstung um drei
Wochen in verlassenen Gebirgen überleben zu können. Strom gab es an eingerichteten
Versorgungsstellen zu zapfen. Generatoren sind aus Gründen der Lärmbelästigung strengstens
untersagt. Zu Recht!
Der Aufbau des Overload-Lagers verlief schneller als gedacht. Der nächste Schritt ist die Abholung
der Startunterlagen im RingBoulevard mit anschließender Nudelparty. Wo sonst nur hochbezahlte
Motorsportprofis entlang laufen, schlendert die Gruppe durch die Boxengasse wie auf einer
Shoppingmeile. Die Kulisse ist gewaltig, man kennt sie sonst nur
aus dem TV. An diesem Wochenende bietet sich Gelegenheit
überall hinzulaufen. Im RingBoulevard schimmern auf der
riesigen Videowall Kurzfilme und Interviews. Radsport lag in der
Luft, wie auch der Geruch der Nudelpasta. Nachdem die
Startunterlagen in der Tasche lagen, jeder brav seinen Teller leer
gegessen hatte, ging es wieder zurück ins Fahrerlager. Die Bikes
wurden im Berlingo verschlossen. Max und Sebastian bestanden
darauf wie Wachhunde vor dem Auto im Pavillon zu nächtigen. Patrick, Matthias und Friederike
buchten im Voraus zwei Zimmer in einer Pension wenige Kilometer vom Ring entfernt.
Gegen 20:30 Uhr verlassen die drei das Gelände mit dem Mitsubishi. Das Fahrzeug wurde nicht
eingeparkt. Welch ein Glück.
Max und Sebastian nahmen somit als erstes an der Fahrerlagerstimmung teil, drehten eine Runde auf
der GP-Strecke und knüpften Kontakte zu den Nachbarn. Wer hatte sich hier wohl für die richtige
Nacht entschlossen?
Samstagmorgen, Nürburgring
Das Frühstück am Samstagmorgen beantwortet oben stehende Frage. Während am Ring doch
tatsächlich Geld für das Frühstücksbuffet verlangt wurde, erlebten die drei Pensionäre Köstlichkeiten
der besonderen Art am gedeckten Tisch. Um schnell wieder bei den Teamkollegen vor Ort zu
erscheinen wurde rasch gepackt und ins Auto gestiegen.
Auf dem Parkplatz B2 eingefunden sind es jetzt nur 10 Gehminuten bis ins Fahrerlager. Um 9:00 Uhr
war das Team wieder vereint. Max und Sebastian berichteten von einer erlebnisreichen Nacht.
Patrick, Friederike und Matthias von einem köstlichen Frühstück zu Leiden der beiden Teamkollegen.
Die großen Innenlagerwerkzeuge und Kettenpeitschen blieben zunächst verborgen. Auch wenn die
beiden Camper sie in dem Moment gerne am lebenden Objekt erprobt hätten. Der Humor im Team ist
wie immer gewaltig.
Hand in Hand wurde der Teampavillon komplett eingerichtet. Der
Tisch diente als Technikstation für Computer, Ladegeräte, Musik
und Digitalkameras. Patrick kümmerte sich um die Elektronik. Im
Laufe des Rennens lässt er ein Tool über Excel mitlaufen, indem
manuell alle Rundenzeiten im Team erfasst werden. Sollte der WLan Dienst des Veranstalters zusammen brechen behält man
weiterhin die Kontrolle über
dieses Programm. Neben den
Campingstühlen und der Liege wird der nun freigeräumte
Kofferraum des Berlingo mit Decken und Kissen bestückt. Hier
bietet sich die Möglichkeit in der Nacht zu Ruhen. Die Bikes
werden am Eingang des Lagers in Ständer eingehängt. Für die
Ernährung stehen Campingkocher und Sandwichtoaster bereit.
Nach diesen Aufbauten kümmert sich nun jeder um sein
persönliches Wohlbefinden. Solch ein Rennen erfordert Konzentration. Hier unterscheiden sich die
Charaktere. Während der eine wild umher wuselt sitzt der andere die Situation locker aus. Man kennt
das!
Streckeninfos
Die Mountainbiker sind auf einer 9 km Rundstrecke unterwegs. Zusammen mit den Rennradlern der
Nordschleife geht es über den Start- und Zielbereich in die Mercedes-Kurve, durch diverse
Fahrerlager und in entgegen gesetzter Richtung durch die Boxengasse auf die Nordschleife. Hier
trennen sich die Wege. Zack über das Curb gesprungen fällt die Landung auf unbefestigten Boden.
Showtime für die Mountainbiker. Ein langer aufgeteilter Anstieg reicht bis zur Nürburg hinauf. An der
Außenmauer entlang bringt ein Single-Trail die Fahrer ins Tal hinunter. Ein weiterer Anstieg folgt über
schottriger Boden. Anschließend ein anspruchsvoller Single-Trail mit kantigen engen Kurven durch ein
Waldstück. Asphaltierte Feldwege führen auf den letzten Kilometer der Nordschleife. Direkt an den
Fuß des letzten Anstieges. Zusammen mit den Rennradlern geht es dann wieder auf die Start- und
Zielgerade. Hier ist es keine Seltenheit, wenn sich Rennradler in den Windschatten eines
Mountainbikers hängen und das ganze auch umgedreht geschieht.
Samstag, 12:00 Uhr – Letzte Vorbereitungen
Bei herrlichem Sonnenschein unter blauem Himmel rückt der Start
näher. Eine verbindliche Taktik im Team gibt es für dieses Rennen
diesmal nicht. Das Ziel ist klar definiert ,,Einfach Durchdrehen“.
Nach einer internen Besprechung wurde die Reihenfolge sinnvoll
gesetzt. Matthias (links) wird als Startfahrer ins Rennen geschickt. Der
Transponder wird seinen weiteren Weg über Patrick (2.v.rechts),
Sebastian (rechts) und Max (2.v.links) finden. Im ersten Durchlauf fährt
jeder eine Runde, danach immer zwei.
Es kann losgehen. Matthias wird von Friederike und Sebastian in Richtung Start auf die GP-Strecke
begleitet. Um 12:30 Uhr ist die Startaufstellung. Patrick und Max bewachen das Lager.
Samstag, 13:00 Uhr - Startphase
Es wird ernst, die Jedermänner für die Nordschleife starten in ihre Rennen. In
versetzten Zeitabständen folgen Ihnen zunächst die 24-H Rennradfahrer. Jetzt
wird Matthias von seinen Begleitern alleine gelassen, diese sich am Rand
Positionieren um in Augenkontakt zu bleiben. Viel Glück!
Langsam rollt der Block der 24-H Mountainbiker als letztes an den Start- und
Zielbogen. So müssen sich die Fahrer der Formel1 fühlen. Rechts die
Boxengasse mit den Teamkollegen und links das RingBoulevard. Traumhafte
Kulisse für ein Radrennen.
Es ist soweit. Gegen 13:30 Uhr wird die Fahne vor dem Fahrerfeld
geschwenkt. Für Matthias kommt noch die Einführungsrunde auf der
verkürzten GP-Strecke hinzu. Dank dieser kann sich das Feld entmischen bevor es abseits auf die
engen Wege geht. Die Geschwindigkeit über den Rennasphalt zwischen den Curbs ist erstaunlich
hart. Kein Unterschied zu einem normalen Rennen. Entweder liegt das an einem allgemeinen
Adrenalinüberschuss oder Missverständnis der 24 Stunden Fahrtzeit. Leider kann man in die Köpfe
seiner Gegner nicht Einblicken.
Die Wechsel
Die lange Gerade vor dem Teampavillon lässt es zu den Fahrer kurz vor der Ankunft/Vorbeifahrt zu
erkennen und auf ein Zeichen für den Wechsel zu achten. So kann der nächste langsam anfahren und
den Transponder während der Fahrt übernehmen. Schnelle Wechsel sind das Stichwort. Um die
Koordination zu perfektionieren ist das Team mit Funkgeräten ausgestattet. Sie verschaffen ein
Zeitfenster von knapp 3 Minuten vor geplanter Ankunft eines Fahrers.
Anfangsstimmung nach den ersten Wechseln
Die Gespräche finden von nun an immer zwischen drei Fahrern und Betreuerin Friederike statt. Diese
würde zwar auch gerne die eine oder andere Runde drehen, ist aber froh im Lager bleiben zu dürfen.
Im Schatten der angestrengten Fahrer spielt sie eine geschätzte
wichtige Rolle im Team. Immer einen Schritt voraus kümmert sie
sich um gekochte Nudeln mit Sauce, steht am Rand mit der
Digitalkamera bereit und erledigt alles, das die Fahrer zeitlich nicht
schaffen. Es klingt wie eine Verpflichtung. Friederike macht dies
jedoch gerne und darf natürlich das Lager jederzeit verlassen. So
eine Frau ist nicht leicht zu finden. Hoffentlich verliert man sie nicht
auf dem großen Gelände!
Die Strecke ist nun unter den Fahrern bekannt, die Kräfte werden dementsprechend eingeteilt. Mit
Fahrtzeiten zwischen 21 und 24 Minuten kreisen die Fahrer ihre Runden. Noch ist alles in bester
Ordnung. Auch die geplanten zwei Runden-Durchgänge nehmen ohne Zwischenfall ihren Lauf.
Samstag 17 Uhr - ,,Und täglich grüßt das Murmeltier“
Die Zeit läuft vor sich her, die Fahrer verlieren das Zeitgefühl komplett und sehen nur selten auf die
Uhr. Eine Stimmung kehrt ein, die zwar immer noch froh und munter ist, aber sich schwer beschreiben
lässt. Der Versuch ist es wert. Wer den Film ,,Und täglich grüßt das Murmeltier“ kennt, kann sich
vorstellen wie sich jeder Fahrer derzeit fühlt.
Nach gefahrenen Runden wird auf dem Sattel bis ins Pavillon eingerollt. Das Bike in den Halter
fixieren, Helm aus, Brille ab, Handschuhe abziehen Trikot aus, Handtuch umwickeln und in den Stuhl
fallen lassen. 5 Minuten Ruhe! Der Magen schreit nach Essen und Trinken. Die Beine haben etwas
dagegen aus dem Stuhl zu steigen. Jedes mal die große Frage ,,Jetzt schon wieder Essen? Oder
lieber aussetzen?“. Die Trinkflasche muss wieder gefüllt werden! Wie lange dauert es noch bis es
dunkel wird? Schaffen wir das überhaupt durch zu halten?
Banal gestellte Fragen, die jederzeit im Lager vor sich her gebrummt, doch zumindest auf der Strecke
schnell wieder vergessen werden. Hier bleibt die Konzentration hoch. Friederike gibt jedem Fahrer
bescheid wann er wieder auf den Sattel muss. Eine Aussage die durch das Lager fliegt und für den
mentalen Wachschlag sorgt. Ohne sie wäre wahrscheinlich vieles anders gelaufen. Punkt genau fit
sein ist das A und O bei diesem Rennen um keine Zeit zu verlieren.
Spektakuläres noch vor der Dunkelheit
Wovor alle Fahrer Angst haben ist ein möglicher Sturz bei Nacht, der das Team zerbricht. Sebastian
nimmt sich diese Spannung vorab. Als er wieder an der Reihe ist stürzt er in der letzten Kurve vor der
Boxengasse auf den Asphalt. Bergauf bei wenig Geschwindigkeit unterschätzt er den Neigewinkel und
das Vorderrad bricht seitlich aus. Rasch kann er sich wieder auf sein Bike schwingen und weiter
fahren. Trotz Sturz fährt er auch in seine zweite Runde weiter. Ein kurzer Zuruf bereitet die Kollegen
auf seinen Unfall vor. Irritiert und besorgt stellt man sich die Frage wie stark er gefallen sei. Viel
gesagt hat er beim Vorbeifahren nicht. Scheint nicht schlimm gewesen zu sein.
Mit Schürfwunden übersät an Schulter, Ellenbogen und Hüfte
trudelt Sebastian nach dem Wechsel in den Pavillon ein. Erstmal
begutachtet er seine Blessuren und erzählt was passiert ist.
Leichte Schmerzen machten sich breit, aber diese seien beim
Fahren für ihn nicht störend. Ein kurzer Besuch beim Sanitäter vor
Ort und die Fahrt kann weiter gehen. Als wäre nie etwas gewesen
folgten durch ihn weitere Runden mit Topzeiten. Kaum zu
bremsen bleibt das Team in unveränderter Form standhaft.
Samstag 21 Uhr - Spotlight an
Auf den jetzigen Runden wird der Wald durch die Brille bereits Dunkel. Inzwischen haben viele Fahrer
ihre Lampen angeworfen. Max wurde wagemutig ohne Licht ins Rennen geschickt. Sebastian, der vor
ihm fuhr, fragte das Team weshalb wir Max ohne Licht fahren lassen. Auf der Strecke ist es teilweise
sehr dunkel geworden.
Die Firma Trelock stellte dem Team LS 950 Frontscheinwerfer zur Verfügung. Schnell wurden die
Halterungen an den Lenkern befestigt. Patrick und Matthias taten sich schwer dabei. Sebastian behielt
den Durchblick und eilte zur Hilfe. Fertig! Getestet wurden die
Lampen noch nicht. Man ist über die Leuchtkraft sehr gespannt.
Alternativen gibt es nicht. Max kam unversehrt von seiner Runde
zurück. Der Sonnenuntergang war gerade noch ausreichend um
die Strecke sicher zu durchfahren. Nun ist die Sonne fast
untergegangen. Auf der Strecke sieht man nur noch rote
Rücklichter, die wie Glühwürmchen aufleuchten und sich wild
bewegen. Der LS 950 hat eine hervorragende Leuchtkraft. Bis auf
wenige Höhenverstellungen unterwegs kommen alle mit dem Scheinwerfer zurecht. Wegen der guten
Ausleuchtung gelingt es in der Nacht die vorherigen Rundenzeiten nur geringfügig zu senken.
Sonntag 1 Uhr - Nervenchaos
Der Samstag wurde früh begonnen. Seit knapp 18 Stunden ist man wach und davon fast 12 Stunden
im Rennen eingespannt. Die Hälfte ist geschafft. Interessieren tut dies im Moment niemanden, denn
das komplette Fahrerlager ist ruhig. Alle versuchen die Zeit bis
zum nächsten Einsatz durch Schlaf zu überbrücken. Friederike ist
umgeben von schlafenden harten Sportlern, die völlig zerstört im
Schlafsack vermummt sind. Wenn ein Fahrer eintrifft legt er sich
sofort in die Horizontale und Friederike weckt den nächsten.
Aufstehen, zu sich kommen und bereit sein für zwei Nachtrunden
um dann wieder zu Schlafen. Ein Traum, oder?
Den Fahrern vergeht die Laune. Der Magen dreht sich, die
Konzentration auf der Strecke wird belastender. Am liebsten
würden alle sofort Durchschlafen und die Bikes stehen lassen. Ein Blick in die Zeitmessung des
Veranstalters zeigt jedoch, dass alle anderen Teams noch stärker eingebrochen sind. Immer länger
werdende Rundenzeiten verraten dies. Diese Meldung bringt einen kleinen Hauch Energie über die
Fahrer. Plötzlich war man gar nicht mehr so schlecht wie gedacht. Alle Teams müssen sich an der
Nacht die Zähne ausbeißen und ihre Runden sichern. Deshalb heisst es dran bleiben!
Sonntag 6 Uhr - Morgengrau
Es wird langsam wieder hell. Die Wolken am Himmel verraten
nichts Gutes. Die Wettervorhersage verkündet Regenschauer
ab den nächsten Stunden. Soll das die Morgendusche werden?
Manche Fahrer wünschen diese gerne, aber nicht auf der
Strecke. Stark betroffen sind nun die Fahrer, die in ihrer letzten
Runde bei Nacht gefahren sind und nun im grauen Hell wieder
aufwachen. Was ist hier los? Haben wir es geschafft? Ein wenig
Humor am Rande um sich selbst bei
Laune zu halten.
Tatsächlich fallen ab 7:30 Uhr die
ersten Tropfen vom Himmel. Gut wer jetzt unterwegs ist und nicht die
Taschen im Pavillon sichern muss. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.
Zum Glück fallen nur leichte Regenschauer. Das Wetter zieht am Nürburgring
vorbei. Wenige Stunden später zeigt sich auch die Sonne wieder.
Das halbe Team würde am liebsten aufhören, die andere Hälfte will die letzten
Stunden unbedingt zu Ende bringen. So steigert sich die allgemeine
Motivation hin und her. Eine ungewollte, aber gute Taktik sich gegenseitig am
Leben zu halten.
Sonntag 10 Uhr - Alles muss raus!
Nein, wir sind nicht beim Sommerschlussverkauf. Es laufen die letzten drei Stunden bis zum Ende
dieses nerventreibenden Rennens. Jetzt mobilisieren die Fahrer ihre letzten Kräfte und bringen sie zur
Strecke. Grund dafür ist der Blick in die Tabelle. In der Nacht konnte das Team vielen Mitstreitern den
Rücken zeigen. In der Altersklasse stand man auf dem 4. Platz. Das soll so bleiben und eventuell
noch für Platz 3 reichen. Woran vor dem Rennen keiner dachte wird jetzt zu einer wilden Hatz um das
Podest. Leider war dies kurz vor Ende aussichtslos, da das dritte Team mit 2 Runden führte und
ebenfalls reibungslose Runden absolvierte. Scheinbar ahnten sie die Verfolgung.
Sonntag 12:35 Uhr - Die letzte Runde
Matthias befindet sich auf der Strecke kurz vor dem Ziel. Um 12:45 Uhr wird eine Fahne geschwenkt.
Wer es vor dieser über den Zielstrich schafft darf noch eine letzte Runde drehen. So übergab Matthias
den Transponder an Max mit den Worten ,,Fahr locker, genieße es“, denn jetzt galt es nur noch diese
Runde zu absolvieren. Die beiden schlossen sich kurz. Auch wenn schon sehr entkräftet, fuhr
Matthias die letzte Runde als Ehrenrunde mit ihm.
Wozu in der gesamten Wettkampfzeit keiner kam wurde nun kurz vor der Nürburg nachgeholt. Die
Plünderung des Verpflegungsstands an ungünstiger Stelle. Absteigen, Trikottaschen voll und weiter
geht die Fahrt. Eine Erleichterung war der letzte Anstieg auf der Nordschleife. Auf der gesamten
Zielgerade versammelten sich schlagartig viele Zuschauer, Teams und Angehörige. Das sah man
zuletzt vor knapp 24 Stunden.
Arm in Arm rollen die beiden über den Zielstrich und
haben dem Wahnsinn ein Ende bereitet. Schnell die
Finisher-Medaillen für das gesamte Team abgreifen und
über die GP-Strecke ins Fahrerlager. Die letzten Meter im
Sattel für dieses Wochenende. Das Fahrerlager wurde
inzwischen von Patrick und Sebastian zur Hälfte
demontiert. Stolz bekamen sie von Matthias die Medaillen
umgehängt. Die Stimmung ähnelt jedoch dem raschen
Aufbruch. Jetzt wollen alle nur noch Heim, Duschen und
Schlafen.
Fazit
Das Team überstand das Rennen mit großer Disziplin und ist sich sicher nicht das letzte 24-H Rennen
bestritten zu haben. Ausschlaggebend dafür ist unter anderem die Tatsache ohne Erwartung
angereist zu sein und mit überraschender Leistung wieder einmal weit Vorne zu stehen.
-
4. Platz in der Altersklasse Männer von 17 Teams (MTB 4er)
17. Platz in der Gesamtwertung von 93 Teams (MTB 4er)
58 Runden
Schnellste in 20:14 min
Langsamste in 29:21 min
Großer Dank an
Firma Trelock, die dem Team zwei Frontscheinwerfer LS 950 mit vier Variotex-Haltern zur Verfügung
stellten. Die Leuchtkraft, selbst auf finsteren Abschnitten, gab ein sicheres Gefühl für die Einhaltung
hoher Geschwindigkeiten.
Friederike Büchner, die das komplette Team versorgte, fotografierte und sich das ganze Rennen
wach hielt. Ohne Sie wäre garantiert vieles daneben gegangen.
Max Seidenstücker, der es überhaupt erst möglich machte an diesem Rennen teilzunehmen. Ohne
ihn als vierten Fahrer wäre dieses Erlebnis nie zu Stande gekommen. Bei seinem aller ersten
Radrennen überzeugte er mit einer sehr guten Form und Selbstkontrolle.
Verfasser: Matthias Steinberger
Beschreibung: Rad am Ring 2011 - 24 Stunden Mountainbiken am Nürburgring
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