close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Der BDP-Präsident Hans Grunder ist als Züchter ein - Sarah Forrers

EinbettenHerunterladen
Politring BDP-Nationalrat Hans Grunder
Mit der Mistgabel
gegen den Politstress
Der BDP-Präsident Hans Grunder ist als Züchter ein ähnliches
Schwergewicht wie als Politiker. Innerhalb weniger Jahre ist sein Betrieb
von zwei auf 70 Pferde angewachsen. Ein Porträt fernab der Politbühne.
text Sarah Forrer fotos Markus Mallaun
A
ls Pferd wäre ich ein Freiberger», sagt Hans Grunder. Dies
verwundert wenig, gibt sich
der BDP-Präsident doch gerne bodenständig, naturnah und schweizerisch.
All das verkörpert der Freiberger wie
kein anderes Pferd. In Grunders Stall
stehen jedoch keine kräftigen, braunen
Freibergerbeine. Nein, da sind edlere
Rassen gefragt. Der 55-Jährige züchtet
mit seiner Frau und seiner Familie seit
zehn Jahren im Emmental Hannoveraner. Der Stall am Dorfende von Rüegsauschachen ist grosszügig und funktional
gebaut, mit einer riesigen Reithalle und
einem Aussenplatz. In den 28 Boxen –
meist mit Auslauf – stehen drei gestandene Zuchthengste und viele Jungpferde, die eingeritten werden.
Neugierig und freundlich strecken
sie ihre muskulösen Hälse über die Boxentüren. Zahlreiche Plaketten erinnern an die sportlichen Erfolge – vor
allem im Dressursport. Jeden Montagmorgen um acht Uhr sitzt Grunder mit
den drei angestellten Bereiterinnen im
warm geheizten «Stallstübli». Sie besprechen, wie jedes einzelne Pferd die
Woche durch bewegt werden soll. An-
8
Kavallo 3/2012
sonsten lässt sich der 55-Jährige im
«Ausbildungsstall», wie er das Gebäude
nennt, nicht viel blicken. «Ich steige leider fast nur noch aufs Pferd, wenn gewisse Medien kommen», sagt Grunder.
Zum Bullen ins Nachbardorf
Er ist nicht der wilde Cowboy, der gegen den Sonnenuntergang reitet und
die Welt auf dem Pferderücken erobern will. Die Vierbeiner haben es
ihm auf eine andere Art angetan. Er ist
im Herzen ein Bauer und Stratege, auf
der Suche nach der perfekten Paarung.
Auf seinem Nachttischchen liegen
statt Romane oder Zeitschriften Zuchtbücher. Vor dem Einschlafen studiert
er Hengstlinien, liest Körberichte und
denkt über passende Kombinationen
nach. Im alten, umgebauten Bauernhof am andern Ende des Dorfes – dort
wo die Stuten und Fohlen stehen – geht
Grunder täglich vorbei und schaut mit
einem fast schon väterlichen Stolz den
Jungen beim Gedeihen zu.
Die Zucht hat Grunder schon zu einer Zeit begeistert, wo die Bauern die
Spermien noch nicht per Post schickten
und die Hengste noch direkt auf die Stu-
ten springen durften. Aufgewachsen in
einer grossen Bauernfamilie im Emmental erlebte er dies hautnah mit: Mit
der stierigen Kuh ist er als kleiner Bub
regelmässig mit seinem Vater ins Nachbarsdorf gelaufen. Dort hat der «Muni»
gewartet. Ein Highlight für den Tierliebhaber. «Ich war jedes Mal enttäuscht,
wenn ich nicht mit konnte.»
Seine Kindheit mitten im tiefen Emmental habe ihn geprägt. Obwohl heute ein viel beschäftigter, erfolgreicher
und gewiefter Geschäfts- und Politmann, wirkt er gegen aussen gerne wie
der einfache Bauernsohn. Auch seinen
Anrufbeantworter gestaltet er entsprechend: «Hie isch d’Combox vom
Grunder Hans», ertönt es nach mehrmaligem Klingeln. Wie es sich für einen
Emmentaler gehört, preist er gerne seine Familie als oberstes Gut. Und als sein
erstes Pferd, der heute 30-jährige Alex,
ihm mit der Schnauze mehrmals ins
Gesicht prustet und den Kopf an den
beigefarbenen Baumwollhosen reibt,
lacht er los. Herzhaft, tief und laut –
wie aus dem Napfgebiet importiert.
In einem wird Grunder seinem sorgfältig gepflegten Image des bedächtigen
BDP-Nationalrat Hans Grunder Politring
Das Herz des Emmentaler
Politfuchses Hans Grunder
schlägt für Pferde – für
Hannoveraner und Freiberger.
>>
Kavallo 3/2012
9
Politring BDP-Nationalrat Hans Grunder
Politiker, Unternehmer
und Züchter: Die Agenda
des 55-jährigen ist voll.
Emmentalers nicht gerecht: Er schreitet nicht gemächlich durchs Leben,
sondern galoppiert geradezu wie ein
Araberhengst in der Wüste. Alles, was
er anpackt, wächst in rasendem Tempo
– egal ob sein Ingenieurbüro, seine Partei oder seine Zucht.
Mit zwei Hengsten hat er vor zehn
Jahren angefangen. Heute ist der Betrieb auf 70 Pferde und zu einem der
grössten Schweizer Zuchtbetriebe angewachsen. Seine Fohlen belegen bei
Schauen regelmässig Spitzenplätze
und die Nachfrage nach seinen Tieren
ist gross. Der Zuchtverband Schweizer
Sportpferde ist voll des Lobes für den
umtriebigen Emmentaler. «Die Zucht
steht vor allem für Qualität und Nachhaltigkeit», sagt die Medienverantwortliche Anja Lüth. Der Stall sei schweizweit bekannt. «Wir schätzen ihn als
Kollegen, der mit viel Herzblut und
Begeisterung seine Zucht betreibt.»
Zucht wirft kein Geld ab
Was steckt hinter diesem Aufstieg in
die erlauchten Züchterkreise? «Ich habe viel Glück gehabt», stapelt der Poli-
10
Kavallo 3/2012
Der Bauernsohn Grunder wohnt
mit seiner Familie immer noch in
einem Emmentaler Bauernhaus.
tiker tief. Und bringt eine einfache
Faustregel: «Eine Stute macht 70 Prozent aus – ergo lässt sich mit einer guten Stute wenig falsch machen.» Der
Hengst sei eigentlich zweitrangig.
Einmal ist Grunder von seinem
Weg abgewichen – vor noch gar nicht
allzu langer Zeit. Und zwar vor zwei
Jahren, als er seine Stute Don Frederica vom schwarzen Dressurwunderhengst Totilas decken liess. Satte 8000
Euro kostet dessen Samen. «Eigentlich
ist so etwas Blödsinn», sagt Grunder
und streicht sich über das ergraute
Haar. Ein Kollege habe ihn dazu überredet. Der Deal lautete: Grunder stellt
die passende Stute, der Kollege den
Samen. Und anders als bei ihm üblich,
hat er das fuchsfarbene Totilasfohlen
schon verkauft.
Normalerweise zieht er den Nachwuchs auf und lässt er ihn von seinen
Bereiterinnen oder seiner Frau ausbilden. Erst im Alter zwischen vier und
sechs Jahren werden die Pferde dann
verkauft. Nicht immer fällt es der Familie einfach, sich von den Pferden zu
trennen. «Uns ist wichtig, dass sie an
Kurz gewiehert
Was ist Ihr erstes Erlebnis / Ihre erste
Erinnerung an Pferde?
Als 4-jähriger Bube wurde ich zusammen mit meiner Zwillingsschwester
auf dem Feld auf unseren alten Wallach
gesetzt, der uns alleine nach Hause
brachte. Daheim wartete dann die
Mutter mit dem Mittagessen auf uns.
Der schlimmste Sturz?
Ab unserem 3-jährigen GB Cazzago,
als ich unvorsichtig aufstieg. Resultat:
eine Nacht auf der Intensivstation.
Beste Platzierung?
Gibt es viele. Beruflich sicher der
Aufstieg vom Einmann-Betrieb
zu einem der führenden
Unternehmen im Bereich Vermessung.
Welche Pferderasse wären Sie?
Freiberger
Wer ist der/die Polit-Leithengst/Stute?
Gibt es für mich nicht. Schon
eher Vorbilder. Eines davon ist sicher
Rudolf Minger.
Essen Sie Pferdefleisch?
Praktisch nie, sonst gibt es «Zoff» mit
meinen Töchtern. Finde es aber gut.
BDP-Nationalrat Hans Grunder Politring
«Unter den Pferden
gibt es viel weniger
ein Hickhack als
bei den Politikern.»
Hans Grunder,
BDP-Nationalrat und Pferdezüchter
Mit zwei Hengsten begann Grunder vor
zehn Jahren seine Zucht. Heute nennt
er eine der erfolgreichsten Schweizer
Zuchtbetriebe mit 70 Pferden sein Eigen.
>>
Kavallo 3/2012
11
Politring BDP-Nationalrat Hans Grunder
Auf dem Grunder-Betrieb
sind nicht nur die Menschen,
sondern auch die Pferde ...
... und Katzen neugierig
und aufgeschlossen.
einen guten Platz kommen.» Geld
spielt beim wohlhabenden Politiker
mit einem florierenden Geschäft eine
untergeordnete Rolle. Der Betrieb hält
sich gerade so selbst. «Es ist ein Nullsummenspiel», sagt Grunder.
Italienische Namen
Der 55-Jährige hat mittlerweile seine
schwarzen Halbschuhe gegen grüne
Gummistiefel getauscht und stapft
zwischen den Pferdeäpfeln vorbei in
den Offenstall. Rasch ist er umringt
von neugierigen Fohlen. Eines zupft an
Grunders Jacke, das andere spielt mit
seinem Schlüsselbund. Grunder zeigt
auf ein schön gezeichnetes Fuchsfohlen: «Das ist Sorpresa.» Als er eines Morgens in den Stall gegangen sei, sei es
ihm auf staksigen Beinen entgegen gelaufen. Die Mutterstute hätte eigentlich erst zwei Wochen später gebären
sollen. «Sie hat uns alle überrascht.
Von da kommt der Name.»
Wenn nicht gerade der Geburtsumstand die Eingebung für den richtigen
Namen bringt, dann sucht sich die Familie auf andere Art Inspiration und
12
Kavallo 3/2012
zwar mit dem Finger über die Landkarte von Italien streichend. Kleine Dörfer
werden zu neuen Fohlenidentitäten:
Ravenna, Sairano oder Castellani.
Inmitten der Jungschar scheint
Grunder die Zeit und die Politwelt zu
vergessen. Kein einziges Mal blickt er
auf die Uhr. Hier könne er Energie tanken, sagt er. An den Wochenenden mistet er den Aufzuchtstall selber. Nicht
selten sehen ihn die Bewohner von
Hasle-Rüeggsau mit dem Hoflader das
Tiefstreu in den Fohlenboxen entfernen. «Dann lege ich das Handy weg
und bin für niemanden erreichbar.»
Im Frühling, wenn die jungen
Truppen wieder 24 Stunden auf der
Weide sind, beobachtet er gerne das
Treiben. Fasziniert schaut er zu, wie
die Jungen ihren Platz in der Herde
suchen und die Rangordnungen neu
gemischt werden. Und wenn diese erst
mal klar sind, werden die Schwächeren geschützt. «Unter den Pferden gibt
es viel weniger ein Hickhack als unter
den Politikern», sagt Grunder und
fügt nachdenklich an: «Da können wir
von Pferden viel lernen.» Fernab vom Stall
Hans Grunders steile Politkarriere als
Präsident der Baukommission in
Rüegsau (BE). Bevor er 2007 in den
Nationalrat gewählt wurde, vertrat er
sieben Jahre lang die SVP im Kantons­
parlament. Ins Rampenlicht rückte er
2008 nach der Abwahl von Bundesrat
Christoph Blocher. Grunder war einer
der führenden Kräfte der SVP-Abspaltung. Seitdem ist er als BDP-Präsident
in den Medien omnipräsent – vor
allem seit dem Wahlerfolg der BDP
und der Wiederwahl von Bundesrätin
Eveline Widmer-Schlumpf im Oktober
des vergangenen Jahres.
Sein Kurs hat ihm aber nicht nur
Freunde gebracht – in Politkreisen
geht sein Ruf von überheblich und stur
bis hin zu kämpferisch und gutmütig.
Beruflich hat Grunder ein ähnliches
Tempo hingelegt wie in der Politik. Als
einstiger Primarschüler gab er Gas und
wurde Ingenieur-Geometer. Gestartet
als Einmann-Betrieb, beschäftigt er
heute über 130 Angestellte.
Als Hockeyfan präsidiert er zudem den
Langnauer Hockeyclub, die SCL Tigers.
BDP-Nationalrat Hans Grunder Politring
«Mit einer guten
Stute lässt sich wenig
falsch machen.»
Hans Grunder,
Züchter, Politiker und Unternehmer
«Ich habe Glück
gehabt»: Hans
Grunder mit
GB Escondido (14),
einem seiner drei
Gründerhengste.
Kavallo 3/2012
13
Document
Kategorie
Uncategorized
Seitenansichten
7
Dateigröße
2 436 KB
Tags
1/--Seiten
melden