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Der Judo-Verein Multikraft Wels zeigt vor, wie gelebte - Multikosmos

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MULTIKOSMOS COVERSTORY
„Gemeinsam
Sieger!“
Der Judo-Verein Multikraft Wels zeigt vor,
wie gelebte Integration funktioniert.
KURZFASSUNG
Multikraft unterstützt seit
Jahren den lokalen Welser
Judo-Verein. Ganz
besonders schätzt das
Unternehmen das dort
gelebte Miteinander und die
funktionierende Integration
im Verein. Gewinnen, so ist
man sich im Verein wie bei
Multikraft einig, kann man
eben nur gemeinsam.
Wie das funktioniert, wollte
multikosmos ganz genau
wissen und fragte nach.
TExT
Martina Weinbacher
6
D
ie wollen unsere Sprache nicht lernen und
passen sich nicht an, außerdem sind sie
faul!“, murmelt eine Dame, während sie
kopfschüttelnd eine dunkelhäutige Familie
im Park beobachtet. Der Politologe und Harvard-Professor Samuel Huntington sähe sich in seiner Theorie
wohl bestätigt. Denn in seinem weltweit kontrovers diskutierten Buch „Kampf der Kulturen“ (1996) glaubte
der ehemalige Berater des US-Außenministeriums den
Multikulturalismus als Wurzel allen Übels erkannt zu
haben und die strikte Trennung der Kulturen als
einzige friedensstiftende Antwort der Gegenwart.
Anders sieht das der Wirtschafts-Nobelpreisträger
(1998) Amartya Sen. Wenn Menschen auf ihre Kultur
reduziert würden, so wie Huntington es tut, erst dann
nehme die Gewalt ihren Anfang und die „Identitätsfalle“ schnappe zu, schreibt der ebenfalls in Harvard
Lehrende in seinem gleichnamigen Buch. Jemand ist
etwa nicht nur Österreicher oder Christ, sondern auch
Mutter oder Bruder, Leseratte, Sportler, Kochkünstler
und vieles mehr. Nicht die Kultur, sondern die individuellen Eigenschaften und Neigungen verbinden uns
mit anderen Menschen, postuliert Sen.
Was die Wissenschaft noch immer diskutiert, hat der
Judo-Verein Multikraft Wels aufgrund langjähriger
praktischer Erfahrungen längst beantwortet. 260 Mitglieder aus 24 Nationen kämpfen im Welser Budokan,
dem Zentrum für fernöstliche Kampfsportarten, im
wahrsten Sinne des Wortes für ein und dieselbe Sache.
Judokas aus Indien, Kenia, Holland, Deutschland,
Ungarn, Polen, der Türkei, Österreich und vielen
Ländern mehr verbeugen sich vor jedem Kampf voreinander und drücken so die Wertschätzung für das
Gegenüber aus. „Respekt, Toleranz und Integration
zeichnen den Judo-Verein Multikraft Wels aus. Hautfarbe und Nationalität sind bei uns nebensächlich“,
freut sich Sabrina Filzmoser, Doppel-Europameisterin,
zweifache Bronzemedaillengewinnerin der Judo-Weltmeisterschaft und Olympia-Siebte, deren Stammverein
das Judo-Leistungszentrum Multikraft Wels ist. Der
Ursprung für diese Haltung liegt in der Philosophie des
Judos selbst und im olympischen Gedanken, sagt Vereinstrainer Willi Reizelsdorfer: „Obwohl man gegeneinander kämpft, stehen Fairplay, Höflichkeit, Selbstkontrolle, Mut und Freundschaft im Mittelpunkt.“
Während es bei den Welser Judokas vorrangig um die
Begeisterung für den gemeinsamen Sport geht, ist man
sich durchaus der kulturellen Unterschiede bewusst –
aber nicht weil sie stören, sondern das Training und
überhaupt die gemeinsame Zeit bereichern. So zähle
man etwa bei den Übungen im Kinder-Training
zusammen in 15 Sprachen von eins bis zehn, erzählt der
Trainer: „Da profitieren alle 150 Kinder davon, weil es
den Horizont erweitert.“ Gleichzeitig spornen gerade
auch die Kinder mit ausländischer Herkunft die öster-
reichischen Judokas an, ergänzt Sabrina Filzmoser: „Wir
haben etwa einige tschetschenische Kinder, die damals
direkt aus dem Kriegsgebiet zu uns kamen. Sie trainieren mit eiserner Disziplin und motivieren dadurch die
anderen, etwas gemütlicheren Judokas.“
Natürlich treten auch Probleme aufgrund der unterschiedlichen Herkunft auf. Wenn, dann seien es aber
die Eltern – österreichische wie ausländische –, die
sich erst an das multikulturelle Umfeld gewöhnen
müssten, so Reizelsdorfer: „Eine türkische Mutter kam
einmal zu mir, weil sie auf keinen Fall wollte, dass sich
ihre Kinder vor dem Kampf verbeugen – das sollten
sie nur vor Gott tun. Da habe ich ihr erklärt, dass im
Judo-Verein der Sport und die Gemeinschaft im
Vordergrund stehen und dass die Verbeugung ein
Symbol für Respekt ist.“ Die Mutter verstand die
Botschaft. Einmal überzeugt, bringen sich auch die
Eltern gerne ein, was besonders bei Vereinsfeiern
immer wieder für eine kulinarische Reise rund um die
Welt sorgt, wie Willi Reizelsdorfer erfreut erzählt.
Rund ein Drittel der Nachwuchs-Judokas bei Multikraft
Wels kommt aus Familien mit Migrationshintergrund.
Bei manchen der Kinder gibt es Sprachprobleme. Obwohl
sich die Kleinen untereinander auch ohne gleiche
Sprache gut verstehen, wie ihre Trainer versichern,
erkennt man die Förderung der Sprachkenntnisse im
Verein dennoch als wichtigen Beitrag für die Zukunft der
Kinder: „Die Probleme, die entstehen, wenn der Austausch über die Sprache nicht funktioniert, ziehen sich
wie ein roter Faden durch ihr Leben. Nur wenn die
Kinder gut Deutsch verstehen, lesen und schreiben
können, werden sie in der Schule vorankommen und ihr
Potenzial kann auch dort in vollem Ausmaß gefördert
werden“, ist der Trainer überzeugt. Um die Kinder beim
Erlernen der Sprache zu unterstützen, rief Initiator Reizelsdorfer im Welser Judoverein Anfang 2012 unter dem
Motto „Kindern Zukunft geben“ ein ganz besonderes
Projekt ins Leben: „Judo & Wortschatz-Erweiterung“.
Noch im Judoanzug besuchen jeweils 10 bis 15 Kinder
nach dem wöchentlichen Nachwuchs-Training im Obergeschoß des Welser Budokans die kostenlose Deutschstunde. In der kleinen Gruppe bleibt genügend Zeit und
Möglichkeit für die Lehrerin, sich den unterschiedlichen
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MULTIKOSMOS COVERSTORY
Wie der Sport maßgeblich zum Erfolg des PilotIntegrationsprojekts beiträgt, erklärt der Projektinitiator: „Anfangs haben wir die Deutschstunde vorm
Judo-Training angeboten. Da kamen kaum Kinder.
Jetzt, seit ,Judo & Wortschatz-Erweiterung‘ nach dem
Bewegungsprogramm stattfindet, ist der Kurs immer
voll. Die Kinder brauchen einfach die Bewegung,
danach können sie sich besser konzentrieren und sind
aufnahmefähig.“ Aber nicht nur beim Deutschlernen
fungiert der Sport als Brücke, fügt Reizelsdorfer
hinzu: „Die Kontaktaufnahme über den Körper führt
unweigerlich dazu, dass Menschen einander näherkommen. Die Judokas helfen sich gegenseitig bei verschiedenen Übungen und lernen sich dabei ganz von
selbst besser kennen – schier unbewusst entstehen
Vertrauen und zwischenmenschliche Nähe.“ Ebenso
helfe die Bewegung dabei, Anspannung zu lockern
und Aggressionen zu kanalisieren. Das sieht auch der
selbstkritische zehnjährige Abudar so, der ursprünglich aus Tschetschenien stammt: „Manchmal bin ich
nicht so brav. Das Judo-Training hilft mir dabei, auch
„Ich habe viele Freunde hier im
Budokan gefunden. Mit denen gehe
ich in die Deutschstunde. Gemeinsam macht das Lernen nach dem
Training viel mehr Spaß!“
Die Judokas vom Verein
Multikraft Wels sind nicht
nur im Sport erfolgreich,
sondern auch im
Miteinander ganz groß.
Hier wird Gemeinschaft
gepflegt.
Infos unter
www.judo-wels.at
in der Schule respekt voller und disziplinierter zu sein.“
Dass die Ursachen für Feindlichkeit und aggressives
Verhalten meist nicht Hass und Streitsucht sind,
sondern das eigentliche Problem in Reizüberflutung,
Druck und der fehlenden Möglichkeit Gefühle auszudrücken liegt, auch da ist sich Willi Reizelsdorfer
sicher: „Obwohl bei uns im Verein täglich zahlreiche
Personen aus unterschiedlichsten Umgebungen
zusammenkommen und gegeneinander kämpfen, sind
wir eine große, bunte und vor allem friedliche Familie.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Menschen
im Budokan körperlich austoben dürfen.“
Ganz sicher trägt aber auch die offene Haltung und die
Vorbildwirkung der Trainer und Vereinsleiter maßgeblich dazu bei, dass die Gemeinschaft und die Integration von Menschen anderer Herkunft beim Judoverein
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So wirken Effektive
Mikroorganismen (EM),
Multikraft Wels derart gut funktionieren. Erst 2006
übersiedelte der Verein mit der Eröffnung des Budokans
in ein Welser Stadtviertel mit hohem Migrationsanteil.
Innerhalb von zwei Jahren vergrößerte sich damals die
Zahl der Mitglieder, die ursprünglich aus anderen Nationen stammen, von rund fünf auf 38 Prozent. Diesen
sprunghaften Wandel derart positiv zu meistern, ist keineswegs selbstverständlich. Viel Weltoffenheit, Weitblick und Mut zu Neuem haben das Judo-Leistungszentrum Multikraft Wels zu dem gemacht, was es heute ist:
ein Musterbeispiel für erfolgreiche Integration. Die
vorbildhafte Haltung schätzt man auch beim österreichischen Integrationsfonds. Jährlich vergibt dieser
den „Österreichischen Integrationspreis Sport“ und prämiert damit ganz besondere Projekte. Bereits zweimal
wurde der Judo-Verein Multikraft Wels aufgrund seiner
außergewöhnlichen Leistungen ausgezeichnet: 2011
erhielt der Verein für die erfolgreich gelebte Integration
den zweiten Preis. Für die Initiative „Judo & WortschatzErweiterung“ überreichten Sportminister Norbert
Darabos und Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz
den Welser Judokas 2012 den dritten Preis.
die kleinen biologischen Helfer, in der Tierhaltung.
EM-Aktiv im Stall aussprühen:
· stoppt schlechte Gerüche
· Fliegenprobleme werden reduziert
Futter wird mit „Fermentierter Kräuterextrakt“ (FKE) versetzt
Ammoniak-Ausstoß aus Festmist
wird reduziert – dadurch verbleibt
45% mehr Stickstoff im Dünger*
Zudem sind es die sportlichen Erfolge des Vereins, die
davon zeugen, dass die Welser Judokas für die richtigen Werte kämpfen. Neben der Judo-Weltklassekämpferin Sabrina Filzmoser darf sich so manches Vereinsmitglied über Auszeichnungen freuen. Beim 20.
„COLOP-Masters“-Turnier etwa, bei dem im Herbst
2012 insgesamt 423 Teilnehmer aus neun Nationen
um den Titel kämpften, gingen die Welser Multis mit
18 Medaillen, davon fünf in Gold, wieder einmal als
erfolgreichster Verein hervor. Unter den Gewinnern
der Welser befinden sich – wie könnte es anders sein –
Judokas aus den verschiedensten Teilen der Erde.
Am Beispiel des Judo-Leistungszentrums Multikraft
Wels wird klar, dass Hautfarbe, Religion oder Herkunft
keineswegs Auslöser für Streit und Hass sein müssen.
Vielmehr baut gelebte Integration Brücken zwischen
Kulturen. Gleichzeitig können gegenseitiges Verständnis, der Mut zum Austausch und Toleranz gegenüber
den Mitmenschen zu einer Bereicherung des Lebens für
jeden von uns beitragen. Schade nur, dass der Politologe
Samuel Huntington die Welser Multis nicht mehr
erleben durfte. Ganz sicher wäre auch er von dem Motto
der friedlichen Kämpfer in Weiß überzeugt worden:
„Gemeinsam sind wir alle Sieger!“
Das Jahr 2013 steht beim Judoverein Multikraft
Wels ganz im Zeichen der Jugendförderung.
Schwerpunkte sind „Werte vermitteln“ und
„Gesunde Ernährung“. EM-Produkte sind dabei
ein fixer Bestandteil. Schon seit Jahren haben nicht
nur Trainer und Sportler, sondern auch Eltern und
Kinder EM in ihren täglichen Ablauf integriert.
· Futteraufnahme und
Fresslust werden gesteigert**
· Immunsystem wird gestärkt**
FOTOS Judo-Verein Multikraft Wels
Bedürfnissen der Kinder zu widmen. Der Deutschkurs
kommt bei den Kleinen gut an, die achtjährige Philippinin Caroline erklärt, wieso: „Ich habe viele Freunde hier
im Budokan gefunden. Mit denen gehe ich in die
Deutschstunde. Gemeinsam macht das Lernen nach
dem Training viel mehr Spaß!“
Gülle wird fließfähig
· Weniger Krankheitskeime im Kot***
· Tiere werden ruhiger und ausgeglichener
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Lt. Institut für Landtechnik, BOKU Wien
Berichten Praktiker
Lt. Universität Leipzig
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Seele and Geist
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