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Entwicklung der sprechenden Medizin in Deutschland

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10 2014 • Hessisches Ärzteblatt
Fortbildung
Entwicklung der sprechenden Medizin in Deutschland
Fortbildungsveranstaltung der Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung
am 1. November 2014 in Bad Nauheim im Rahmen der „Bad Nauheimer Interdisziplinären Tage“
Zwar hat sich die Psychosomatische Medizin als eigenständiges Fach in Deutschland
etabliert, dennoch gilt fächerübergreifend
eine psychosomatische Haltung, die den
körperlich Erkrankten in seinem psychosozialen Kontext wahrnimmt und nicht nur
auf seine präsentierten Symptome reduziert, als Kern der ärztlichen Kunst. Ist eine
solche Einstellung in der heutigen Praxis
realisiert oder ist sie möglicherweise gar
nicht realisierbar?
In der Veranstaltung der Akademie können
sich die Teilnehmer/Innen jeweils über unterschiedliche Aspekte der Sprechenden
Medizin informieren und mitdiskutieren.
Prof. Dr. med. Peter Joraschky, emeritierter
Direktor der Klinik für Psychotherapie und
Psychosomatik am Universitätsklinikum
Dresden, wird den Stellenwert der Sprechenden Medizin in allen Disziplinen aus
der Sicht des Universitätsklinikums darstel­
len. Trotz mehr psychosomatischer Lerninhalte kommt für Medizinstudenten in der
„Hochgeschwindigkeitsmedizin“ die Umset­
zung ärztlicher Haltung und Kommunika­
tionskompetenzen häufig zu kurz. Anhand
eigener Studien kann Joraschky deutliche
Effekte bereits bei einem einstündigen Gespräch als patientenorientiertes Vorgehen
im Bereich Anpassungsfähigkeit und Depressivität zeigen. Prof. Dr. med. Wolfram
Schüffel, emeritierter Direktor der Psychosomatischen Klinik des Zentrums für Innere
Medizin der Philipps-Universität Marburg,
hat 1983 begonnen in der Hessischen
Akademie der Ärztekammer für Fort- und
Weiterbildung eine psychosomatische
Grundversorgung einzurichten. Daraus ist
das Curriculum Psychosomatische Grund­
versor­gung hervorgegangen. Der Kurs hat
sich aus den studentischen Anamnesegruppen ent- und zur Gesundheitsgruppe
der „Wart­burg­gespräche“ weiterentwickelt.
Die Sprechen­d e Medizin benötige keine
eigene „Heimat“ in Form psychosoma­
tischer Fachabteilungen in Kliniken. Sie ist
seiner Ansicht nach in herkömmlichen Klini­
ken, Stationen, Praxen und anderen ärztlichen Arbeitsstellen umsetzbar.
Dr. med. Wolfgang Merkle, Chefarzt der
Psychosomatischen Klinik am Hospital zum
Heiligen Geist in Frankfurt, geht auf die
Lage der Krankenhausversorgung psychosomatischer Patienten in Hessen ein. Die
räumliche Nähe der psychosomatischen
Stationen zu denen der somatischen Fächer
im Allgemeinkrankenhaus begünstigt den
Austausch ebenso wie die enge Koopera­
tion mit niedergelassenen Psychotherapeu­
ten. Pierre E. Frevert, Leiter des Curriculums
Psychosomatische Grundversorgung der
Akademie in Bad Nauheim, möchte mit seinem erfahrenen Dozententeam die diagnos­
tischen und interventionstechnischen Fähigkeiten von Ärzten in der Sprechenden Medizin fördern. Hierzu sind die Lehrinhalte
erlebensintensiv ausgerichtet und die Wissensvermittlung findet verstärkt im interkollegialen Austausch zusammen mit der
Förderung der verbalen und non-verbalen
Wahrnehmung und der Reflexion in Balintgruppen statt.
Für Dr. med. Christiane Schieferstein-Knauer,
Oberärztin der Onkologischen Ambulanz
am Hospital zum Heiligen Geist in Frankfurt, hat bereits die Diagnoseübermittlung
für die Patienten weitreichende Folgen. Die
Psycho-Onkologie ist die Schnittstelle bei
der onkologischen Aufklärung, den Kriseninterventionen oder den Psychotherapeutischen Einzelbehandlungen und dient der
Verbesserung der Lebensqualität und der
Stärkung von Ressourcen. Dr. med. Gerd
Neidhart, Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie am Hospital zum Heiligen Geist
in Frankfurt, macht deutlich, dass die
Schmerztherapie dem Patienten die Zusammenhänge zwischen seelischem Befinden, Erleben und Dasein in der Interaktion
mit dem Körperlichen vermittelt. Sie kann
eine nachhaltige Besserung bei chronisch
schmerzkranken Patienten erreichen, wenn
die Schmerzpatienten seelische und körperliche Ursachen als „gleichberechtigt“
ansehen.
Die niedergelassenen Ärztinnen Dr. med.
Gerlach-Lüdecke und Dr. med. Verena
Oster­h eld schildern, wie sie durch die
Fortbildung in Psychosomatischer Grundversorgung und in regelmäßiger, fortgesetzter Balintgruppenarbeit gelernt haben,
durch Beachtung auch unbewusster Gefühle ihrer Patienten eine positive ArztPatienten-Beziehung zu gestalten. Diese
Haltung ist nicht nur zum Wohle des Patienten, sondern dient auch der eigenen Gesunderhaltung. Dr. med. Gisela Volck, Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapeutin, fragt am Schluss, ob die sprechende Medizin in der Praxis angesichts von bis
zu 60 Arzt-Patienten-Kontakten am Tag
eine Illusion ist. Anhand von zwei Fallvignetten zeigt sie, wie die Kommunikation
zwischen Ärztin und Patient als wesent­
licher Wirkfaktor hausärztlichen Handelns
zu betrachten ist.
Für weitere Informationen zur Veranstaltung siehe Seite 578.
Kontakt:
Pierre E. Frevert
Praxis für Psychoanalyse
und Psychosomatische Medizin
Oeder Weg 9
60318 Frankfurt
E-Mail: info@pierre-frevert.de
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