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Bullenmast: Futterkosten drücken – aber wie?

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Bullenmast
Ungewöhnlicher Anblick: Neben Schrot plätschert auch flüssiges Erbseneiweiß in den Mischwagen von Ludwig Degen.
Bullenmast: Futterkosten
drücken – aber wie?
Die Bullenmäster kämpfen mit hohen Futterkosten.
Wie sich diese drücken lassen, erklärt Dr. Martin Pries
von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
N
ach dem guten Start ins Jahr 2013
haben die Rindfleischpreise zuletzt nachgegeben: R 3-Bullen erzielen derzeit rund 3,55 €/kg.
Die Bäume wachsen also nicht in den
Himmel. Zumal die hohen Futterkosten
weiterhin an den Erlösen knabbern. Sojaschrot kostet nach wie vor deutlich
R 26
top agrar 8/2013
über 40 €/dt, ein proteinreiches Rindermastfutter ca. 27 €/dt. Deshalb verdienen nur jene Bullenmäster Geld, die ihre Futterkosten im Griff haben.
Viele Mäster setzen bei der Fütterung
auf Maissilage und Kraftfutter. Die
Kraftfutterzufuhr erfolgt entweder über
eigenes Getreide plus einer Proteinkom-
ponente oder über ein eiweißreiches
Mischfutter. Um das hohe Wachstums­
potenzial der Tiere auszuschöpfen, ist eine hohe Futteraufnahme und eine hohe
Energiedichte in der Ration nötig. Dabei
dürfen die Bullen aber nicht durch zu
hohe Kraftfuttermengen in eine Acidose
geraten.
Fünf Stellschrauben, wie Sie gleichzeitig hohe Zunahmen und niedrige
Futterkosten erreichen:
1. Nur beste Maissilage-Qualität!
Ähnlich wie bei Milchkühen ist auch
in der Bullenmast die Futteraufnahme
Flüssig-Fütterung für Bullen
Wenn Ludwig Degen den Futtermischwagen befüllt, plätschern auch
300 l einer grau-braunen Flüssigkeit
in den Paddelmischer. „Das ist Erbseneiweiß, eine gute Alternative zu
Raps- und Sojaschrot“, sagt der Bullenmäster aus Bawinkel (Emsland).
Degen setzt bei der Fütterung
seiner 500 Mastbullen und 300
Fresser verstärkt auf flüssige Futtermittel wie Erbseneiweiß, Schlempen
oder Pülpen. Diese bezieht er aus
einer nahegelegenen Stärkefabrik.
Die Grundration besteht aus Maissilage, CCM, Stroh und Erbseneiweiß
(Übers. 1). Das proteinreiche Erbsen­
eiweiß setzt der Mäster von März bis
Juli ein. Er ersetzt damit teilweise das
teure Sojaschrot. Von August bis
Januar kommen Kartoffelpülpe oder
andere verfügbare Nebenprodukte in
die Ration. Bei der Kartoffelpülpe
ergänzt er noch Rapsschrot als Proteinträger. Auch Biertreber oder nasser Maiskleber kamen schon zum
Einsatz. Fünf Mischungen werden
dem jeweiligen Gewicht der Braunvieh- oder Fleckviehbullen angepasst.
„Durch die Flüssigfütterung sparen
wir bis zu 5 Cent pro Tier und Tag im
Vergleich zu Raps- oder Sojaschrot“,
sagt Degen. Dafür sei allerdings die
passende Technik notwendig: „Der
selbstfahrende Paddelmischer vermischt die flüssigen Komponenten
äußerst schonend. Allerdings musste
Ludwig Degen aus dem Emsland setzt verstärkt auf flüssige Futtermittel.
Übersicht 1: EndmastRation Degen
Komponenten
Maissilage
Erbseneiweiß
kg Frischmasse
19,5
4
CCM
1
Raps
0,7
Roggen
0,4
Stroh
0,2
Soja
0,1
Mineralfutter
0,09
Futterkalk
0,06
Durch das Erbseneiweiß spart Degen
Sojaschrot ein.
ich für die Pumpe und die Lagerung
10 000 € investieren.“ Die Einlagerung kostet ihn ca. 5 € pro Tonne.
Degen achtet auf Menge und Qualität (QS) der Ware. Die Produkte sollten für eine bestimmte Zeit verfügbar
sein, da es sich sonst nicht lohnt, kleine Posten immer wieder neu in die
Ration einzurechnen und die Produkte neu einzulagern. „Jedes weitere
Produkt kostet mehr Zeit beim Befüllen des Mischers“, sagt der Mäster.
Die Zunahmen der Fleckviehbullen liegen bei 1 230 g, die der Braunviehbullen bei 1 100 g. Mit einem
besserem Futtermanagement und
Tiermaterial will Degen diese noch
steigern.
Wibke Molthan
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R 27
Bullenmast
Mut zu Nebenprodukten zahlt sich aus
Übersicht 5: EndmastRation Leiber
Da er bei der Fütterung stark auf
günstige Nebenprodukte setzt und so
die Futterkosten drückt, arbeitet
Bullenmäster Cord Leiber aus
Neuenkirchen-Vörden (Landkreis
Vechta) eng mit seinem Berater
zusammen.
Nachdem er 2006 in einen Futtermischwagen investiert hat, füttert er
seinen 500 Braunviehtieren verstärkt
Nebenprodukte. Die Grundration
besteht aus Mais, Biertreber und
Stroh. Hinzu kommen je nach
Verfügbarkeit und Saison Pressschnitzel, Getreidepressschlempe, Maiskleber, Getreide oder Rapskuchen. Auch
ganze Kartoffeln hat der Landwirt
schon verfüttert. Grassilage füttert er
nur von November bis Mai.
Komponenten
entscheidend von der Qualität des
Grobfutters abhängig (Übersicht 2).
Von hochwertiger Maissilage fressen
die Tiere in allen Gewichtungsabschnitten ca. 0,5 kg TM mehr. Das erhöht die
Energieaufnahme in der Endmast um
bis zu 11,5 MJ ME je Bulle und Tag.
Deshalb: Streben Sie optimale Maissilage-Qualitäten mit einem TM-Gehalt
Übersicht 2: Futteraufnahme in kg TM
28 % (10,2)
31 % (10,6)
34 % (11,0)
Mehraufnahme an
ME bei 34 % TM
4,4
4,6
4,9
7,0
7,2
7,4
8,5
8,7
8,9
+8,4 +10,3 +11,5
Von energiereicher Maissilage fressen
die Bullen in allen Gewichtsabschnitten
mehr. Das erhöht die Energieaufnahme
in der Endmast.
R 28
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3,6
Biertreber
2,4
Roggen
1,9
Maiskleber
1,2
Eiweißergänzer
GVO-frei
0,7
Stroh
0,2
Fotos: Dylka
Futterkalk
Die aktuelle Ration besteht zu 20 %
aus Nebenprodukten (Übers. 5). „Damit sparen wir 4 Cent pro Tier und Tag
im Vergleich zu anderen Protein-Futtermitteln ein“, sagt Leiber, der den
Betrieb mit seiner Frau führt.
Die Ersparnis gelingt nur, weil er
jeden neuen Rationsbestandteil von
seinem Berater Christian de Joung vom
Beratungsring Osnabrück in die Ration
einrechnen lässt. Diesem ist wichtig,
dass die Energiekonzentration in der
Anfangsmast über 11,4 MJ ME je kg TM
liegt. In der Endmast sollte sie mindestens 11,1 MJ ME je kg TM betragen.
Obwohl Leiber verschiedene
Nebenprodukte zukauft, achtet er
darauf, dass er das Produkt mindestens
von 34 % und Energiegehalten von mindestens 11 MJ ME/kg TM an.
gung ist besonders groß bei hochwertiger Maissilage, hohem Kraftfutter-Einsatz und Bullen in der Endmast.
Deshalb: Passen Sie den Kraftfutter-Anteil ständig an. Faustzahlen gibt
es leider nicht. Die Kraftfuttermenge
hängt von der Rationsgestaltung und dabei vor allem vom Grundfutter ab. Futteranalysen sind daher extrem wichtig.
2. Kein Grobfutter verdrängen!
Grobfutter (Maissilage) wird durch
Kraftfutter verdrängt (Übersicht 3).
Das verteuert die Mast, da die Nährstoffe aus Kraftfutter in der Regel teurer sind als aus Grobfutter. Die Verdrän-
Übersicht 3: Kraftfutter
verdrängt Maissilage
TM-Gehalt
Lebendmasse, kg
Maissilage (MJ ME) 200 400 600
13,9
Pressschnitzel
Mineralfutter
Berater Christian de Joung (links) rechnet jedes neue Futtermittel auf dem Betrieb von
Cord und Renate Leiber in die Ration ein.
Maiskleber – ein energiereiches
Nebenprodukt bei Cord Leiber.
kg Frischmasse
Maissilage
Übers. 4: Was darf
Raps kosten? (€/dt)
TM-Gehalt Maissilage (%)
28,8
30,7
36,6
Verdrängung in der Mast, in kg Tier/Tag
Höhe der KF-Zulage
2,3 kg Tier/Tag
–
0,72
0,81
3,4 kg Tier/Tag
0,7
0,90
0,93
Verdrängung in verschiedenen Gewichtsabschnitten (3,4 kg KF/Tier/Tag), in kg Tier/Tag
240 – 350 kg LM
0,56
0,86
–
350 – 480 kg LM
0,75
0,85
0,82
480 – 580 kg LM
0,83
0,98
1,05
Soja
(€/dt)
Weizen (€/dt)
21
23
25
27
37
30,9
31,1
31,3
31,5
33,8
40
33,2
33,4
33,6
43
35,6
35,8
36,0
36,1
46
37,9
38,1
38,3
38,5
Je schwerer die Bullen, desto
höher die Grobfutter-Verdrängung (Übers. 3). Ob sich Rapsschrot rechnet, hängt von den
Preisrelationen ab (Übers. 4).
0,1
0,07
Die Grundration besteht aus Maissilage, Biertreber und Stroh. Hinzu
kommen Nebenprodukte wie Pressschnitzel oder Maiskleber.
ein halbes Jahr lang in der Ration
einsetzen kann. Denn jede Änderung
der Ration senkt die Futteraufnahme
für ein paar Tage. Außerdem ist eine
Umstellung der Ration immer mit
einer Gewöhnung der Pansenbakterien an das neue Futtermittel verbunden und belastet die Tiere somit.
Der Betrieb hat seine Tageszunahmen bereits von 1 008 g auf 1 285 g
gesteigert. Ziel ist, die 1 300-g-Marke
zu knacken.
Wibke Molthan
3. Proteinversorgung anpassen!
Rohprotein (XP) ist derzeit der mit
Abstand teuerste Nährstoff.
Bullenmastrationen sollten in der
Anfangsmast (200 kg LM) 140 bis 145 g
Rohprotein je kg TM aufweisen. In der
Endmast (600 bis 750 kg LM) kann die
Konzentration auf 120 bis 125 g XP je kg
TM gesenkt werden. Der Proteinaufwand kann demnach bis zum Mastende
um etwa 15 % reduziert werden.
Deshalb: Führen Sie eine Phasenfütterung durch. Je nach Lebendmasse sollten
Sie Protein-angepasste Rationen vorlegen. Eine andere Möglichkeit ist, eine
Mischung für die Endmastbullen allen
Tieren vorzulegen, den Tieren in der Anfangsmast aber 120 g XP je Tier und Tag
zu ergänzen. Das könnten zum Beispiel
300 g Rapsschrot je Bulle und Tag sein.
4. Teures Soja ersetzen!
Sowohl in der Fresseraufzucht als
auch in der Bullenmast kann Sojaschrot
komplett durch Rapsschrot ersetzt werden – ohne Leistungseinbußen.
Für die Auswahl des Proteinfutters ist
deshalb allein der Preis maßgeblich. Zu
berücksichtigen ist hierbei der unterschiedliche Energie- und Proteingehalt
der Futtermittel: Bezogen auf Energie
und Rohprotein können 100 kg Rapsschrot durch 9,4 kg Weizen und 78,2 kg
Sojaschrot ersetzt werden. Auf Basis unterschiedlicher Preise für Weizen und
Soja ergeben sich die in Übersicht 4 dargestellten maximalen Zukaufskosten
für Rapsschrot. Bei den derzeitigen
Preisen ergibt sich ein Vorteil für Rapsschrot von etwa 5 €/dt. Der Vorteil des
höheren Phosphorgehaltes von Raps ist
hierbei noch nicht eingerechnet.
Deshalb: Vergleichen Sie bei jedem
Einkauf Soja, Raps- und Weizenpreis. Das gilt auch beim Einkauf von
proteinreichen
Rindermast-Ergänzungsfuttern.
5. Futterverluste vermeiden!
Die höchsten Kosten verursacht ein
Futter, das zwar geerntet, aber nicht verfüttert wird.
Allein die unvermeidbaren Verluste
liegen bei 10 bis 15 %. Verglichen wurde
hierbei die am Tag der Ernte in den Silostock eingebrachte Menge an Trockenmasse mit der über den Mischwagen entnommenen Menge.
Die Verluste steigen rapide an, wenn
eine Silomiete nacherwärmt und wenn
verschimmeltes Futter entsorgt werden
muss. Je nach Temperaturerhöhung und
Abraummenge machen die Futterverluste schnell 10 000 € und mehr je Silomiete aus. Häufigste Ursachen für die
Schäden sind nach wie vor ein zu geringer Vorschub und eine ungenügende
Verdichtung im Futterstock.
Deshalb: Stimmen Sie die Größe der
Siloanlage auf den Tierbestand ab und
halten Sie bei der Ernte die „goldenen“
Silierregeln ein.
Schnell gelesen
• Nur Bullenmäster, die ihre
Futterkosten im Griff haben,
verdienen Geld.
• Die wichtigsten Stellschrau-
ben: beste Silagequalitäten,
gezielter Kraftfutter-Einsatz,
angepasste Proteinversorgung, geringe Futterverluste.
• Bullenmäster Ludwig Degen
spart durch flüssige Eiweißfuttermittel Futterkosten ein.
• Cord Leiber drückt seine
Futterkosten durch den
Einsatz verschiedener
Nebenprodukte.
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Seele and Geist
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