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Hafer ist heute doppelt so teuer wie imVorjahr, auch der Preis für

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PRAXIS
Hafer
hängt alles
Hafer ist heute doppelt so teuer wie im Vorjahr,
auch der Preis für anderes Getreide explodiert.
Die Konsequenzen betreffen alle Pferdehalter.
ST.GEORG beleuchtet die Auswirkungen.
Woher kommt die Misere? Und vor allem:
Gibt es Alternativen für die Krippe?
Monat ausmachen. Die marktwirtschaftliche
Konsequenz aus der Entwicklung an den Getreidebörsen ist abzusehen: Pferde werden teurer und dementsprechend irgendwann die
Züchter und Reiter weniger.
„Elf bis zwölf Euro kostete im vorigen Jahr
der Doppelzentner Hafer. Jetzt sind es schon 25
und es werden wohl auch bald 30 sein“, bilanziert Heinrich Ramsbrock, der als Großabnehmer besonders günstige Konditionen genießt. Um die neun Euro liegt
für Einzelabnehmer der aktuelle Preis beim örtlichen Landhandel für ganzen Hafer (gesackt) – für den halben Zent-
ner. „Im Monat 1600 Euro mehr für Getreide
als im vorigen Jahr. Von dem Betrag könnte eine vierköpfige Familie leben“, beziffert Züchter
Heinz-Dieter Blumhoff (Walchum). Sein Fazit:
„Zucht lohnt sich nicht mehr“, sagt der ehemalige Springreiter, Träger des Goldenen Reitabzeichens.
Kapriziöse Pflanze Hafer
Das Rispengewächs ist reich an Fetten und
Rohfasern, hat bessere Proteinwerte und weniger Stärke als andere Getreide, das beste für
Pferde. Hafer ist aber auch eine unsichere
Frucht. Er braucht guten Boden – wo er dann
in Konkurrenz steht zu Weizen, Rüben oder
Kartoffeln, die mehr Ertrag versprechen. Das
Ernteergebnis schwankt stark, sowohl in Menge als auch Qualität. Und Hafer ist wetterfühlig. Das Korn muss früh gelegt werden, damit
die Hauptwachstumszeit im Frühjahr gut ausgenutzt wird. „Dazu ist die Wetterlage bei uns
oft nicht stabil genug“, findet Graf Merveldt,
der selbst auf den relativ leichten Böden um
sein Gut Füchtel nur alle vier Jahre Hafer anbaut. 30 Tonnen verfüttert er in seinem Betrieb
pro Jahr. „Ich habe schon mal an Vergabe in
Vertragsanbau gedacht, aber dann muss ich
die ganze Ernte abnehmen, ob 48 oder 58 Kilogramm Hektolitergewicht.“ Das sind magische Zahlen für Pferdefütterer. Sie sind der
größte Abnehmer für Hafer, aber PferdebeSeptember
250,00
200,00
150,00
100,00
50,00
Pferdehalter müssen bei Kraftfutter
und Stroh tiefer in die Tasche greifen.
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Foto: horsesinmedia/Rühl
Foto: Schmelzer
B
rötchen werden schon wieder teurer.
Die Großbäcker gehen in eine zweite
Preisrunde, nachdem die erste gerade
erst abgeschlossen ist. Die Milchpreise stiegen als erste und wurden noch geschluckt, dann Butter, Brot, Fleisch, sogar
Weihnachtsbäume – alles zieht nach. Die
Preisschraube dreht sich, auch abseits von den
allseits argwöhnisch beobachteten Benzinpreisen. Selten hat die Landwirtschaft so viele Schlagzeilen gemacht und so viele Verbraucher beschäftigt. Pferdehalter sind doppelt
betroffen, denn nicht nur der Mensch lebt
von Getreideprodukten sondern auch sein
Pferd. „Dieses Jahr sind alle Fohlen bereits
gekauft, aber im nächsten Jahr muss ich meinen Betrieb halbieren“, resümiert Heinrich
Ramsbrock, einer der größten Pferde-Aufzüchter im Land, nach einem Blick auf die
Rechnungen der Händler, die ihm Hafer und
Stroh ins niedersächsische Menslage liefern.
„Wir werden die Pensionspreise erhöhen“,
kündigt Clemens-August Graf von Merveldt
an, der in Vechta einen kleinen Aufzuchtund Ausbildungsbetrieb für Dressurpferde
betreibt. Bis zu 20 Prozent Anhebung sind
nicht nur im Weser-Ems-Gebiet im Gespräch.
Je nach Standort der Reitanlage in Deutschland können das auch bis zu 100 Euro im
00
Am
20
Ähre, wem Ähre gebührt
haferpreise (Euro pro Tonne) der letzten zehn Jahren.
triebe brauchen Qualität, das heißt schweres,
gesundes, sauberes Korn ohne zu viel Spelzen.
52 Kilogramm auf 1000 Liter sind das untere
Mindestgewicht für sinnvolle Pferdefütterung.
Alles was leichter ist, taugt nichts. Rennställe
verfüttern am liebsten Hafer, der 58 Kilogramm und mehr auf die Waage bringt.
Deutsche Bauern säen als Getreide bevorzugt
Winterweizen und Wintergerste. Hafer wird
am wenigsten angebaut. Rückgänge sind bei
allen Getreidearten bis auf Mais messbar –
Hafer hat 2007 voraussichtlich 42 Dezitonnen (1 dz sind 100 Kilogramm) pro Hektar gebracht. Nur die Roggenernte ist noch schlechter ausgefallen. Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind die
Top-Lieferanten für Getreide, und überdurchschnittlich gut im Vergleich zum allerdings überall schon schlechten Vorjahr liegen noch Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen. Trotzdem bleibt insgesamt ein Rückgang in der Getreideproduktion
von 2,8 Prozent gegenüber 2006. Hafer zeigt
ein Minus von 4,5 Prozent und von 2007 im
Vergleich zu den Durchschnittsernten seit
2001 sogar 22 Prozent!
Wer sein Pferd in einem ländlichen Stall untergebracht hat, genießt daraus allein noch keinen Standortvorteil. „Weser-Ems ist eine Veredler-Region. Da gibt es viele Mitbewerber für
Getreide, und wir sind in direkter Konkurrenz zu Hühner- und Schweinemästern“, erklärt Graf Merveldt. Und zu anderen Pferdebetrieben. Im Radius von drei Kilometern um
Gut Füchtel sind allein in drei großen Ställen
fast 300 Boxen aufgeboten. Wenn die großen
Pensionsgeber sich einigen auf einen Preisanstieg, dann bleibt dem Pferdehalter als Verbraucher keine Wahl als zähneknirschend tiefer in die Tasche zu greifen. Diese Preisrunden
sind unangenehm, zumal es nach Euro-Umstellung und der Weitergabe der erhöhten
Mehrwertsteuer bereits die dritte im Laufe von
sechs Jahren sein wird. „Aber wir führen unsere Betriebe ja auch nicht als Hobby“, entschuldigt sich Clemens-August Graf von Merveldt schon bevor die Würfel endgültig gefallen
sind. Dass sie rollen müssen, steht fest. „Neben
der Verteuerung von Dieselkraftstoff und allgemeinen Energiekosten, die in den Reithallen ➜
Quelle: ZMP
60 ST.GEORG 1/2008
1/2008 ST.GEORG
61
vor allem in der dunklen Jahreszeit
zu Buche schlagen, hat der wirtschaftliche Aufschwung auch erhöhte Personalkosten gebracht.“
Dem Pferdehalter wird schwarz
vor Augen – auch wenn er nicht
wie die meisten erst abends zum
Reiten kommt.
Auf der Suche nach
Alternativen
Foto: Stuewer
Ein Anstieg der Getreidepreise
macht die Pferdefütterung teurer –
egal ob man sich an die „klassische Variante“ aus Hafer hält oder
zur Fertig-Mischung aus Industrie-Produktion in Form von Müsli oder Pellets greift. Dem Kostendruck begegnen, das will demnach
jeder – aber wie? Die Preisexplosion auf dem Futtersektor ist bereits mehrfach Gegenstand von
Gesprächen der Fachberaterin Dr.
Christa Finkler-Schade gewesen.
„Die Betriebe versuchen schon
lange, Kosten zu reduzieren, aber
weil alle Ergänzungsfuttermittel
betroffen sind, gibt es eigentlich
kaum Ausweichmöglichkeiten“,
köpft die Fütterungs-Expertin Erwartungen an Wunder gleich im
Ansatz.
„Das Pferd ist kein Huhn, das unbedingt Körner braucht“, beruhigt
Graf Merveldt Verarmungsängste
bei Pferdehaltern. Entscheidend
ist der Einsatz des Pferdes und das
Ziel, das sein Besitzer im Auge hat.
Bei einer Vermarktung teurer
Sportpferde gelten andere Maßstäbe als beim Unterhalt eines Pferdes, das seinen Reiter gelegentlich
bei gemütlichen Ausritten spazieren trägt. „Wenn das Pferd top aussieht, kommt der Mehraufwand
für das Futter mit dem guten Verkaufspreis auch wieder herein.“
Anbaufläche hafer
2007
2007
vorläufig vorläufig
gegen
gegen
Durchschnitt
2006
2007
2006
2001 bis 06
vorläufig 2001/06
1000 Hektar
Veränderungen in %
225
Quelle: Karp
62 ST.GEORG 1/2008
Dr. Finkler-Schade: „Für ein Freizeitpferd mit leichter Beanspruchung reicht unter Umständen viel
Heu oder Grassilage mit Mineralzusatz bei wenig Kraftfutter. Aber
die zusätzliche Energie, die ein
Sportpferd benötigt, muss aus
Kraftfutter kommen. Anders ist
das nicht zu machen.“ Beide Pferdeleute raten: Grundfutter mit verbesserter Qualität einsetzen. „Gutes Heu aus hochwertiger Ernte
und richtiger Lagerung spart bis
zu 25 Prozent Kraftfutter.“ Und
ST.GEORG-Fütterungsexperte Otfried Lengwenat fügt hinzu:
„Mehr Grundfutter bedeutet nicht
nur eine Preissenkung, es ist auch
besser für das Pferd.“
Vor der Festlegung auf Alternativen ist eine Besinnung auf das Wesentliche angesagt. Wie verwertet
ein Pferd sein Futter, wie funktioniert sein Verdauungsapparat? Der
Fachbuchautor Dr. Hans-Peter
Karp fasst die entscheidenden Faktoren zusammen: Das Pferd hat
kein stärkespaltendes Enzym im
Speichel und insgesamt wenig Verdauungskapazität für Stärken
durch geringe Amylaseaktivität
(stärkeabbauende Enzyme) im
Dünndarm. Die Verdauung im
Dickdarm ist stark abhängig vom
Rohfasergehalt des Futters. Was
schon die Alten wussten, das gilt
auch noch heute: so viel Raufutter
wie möglich – so viel Kraftfutter
wie nötig.
Was ist das am besten geeignete
Kraftfutter für Pferde? Die gezielte Mischung aus mehreren Bestandteilen macht’s. Hafer erzielt
die besten Werte als Energie-Lieferant. Die Stärkeverdaulichkeit im
Dünndarm ist gut bei Hafer, ob
ganz oder gequetscht, und bei gepopptem (aufgeschlossenem)
184
175
-22
-4,5
Mais. Sie ist schlecht bei Gerste
und gebrochenem Mais, am
schlechtesten bei geschrotetem
Mais. Aus einem Kilogramm Mais
wandern 420 Gramm unverdaut
in den Dickdarm, aus einem Kilogramm Hafer dagegen nur 80
Gramm.
Geheimnisvoller
Schwarzhafer
Kenner schwören auf Schwarzhafer, Avena Strigosa, der nach
Deutschland zumeist aus Skandinavien oder Frankreich geliefert
wird. Als Korn mache schwarz
Pferde nicht schlank sondern setze ganz im Gegenteil sehr gut an,
heißt es. Zwar hat der Vielseitigkeitsreiter Kai Rüder den Eigen-
gen anbietet. Schwarzhafer ist immer enthalten. Die Erhöhung des
Gerste-Anteils ist eine Möglichkeit, um teuren Hafer zu ersetzen.
Aber auch Gerste ist im Preis gestiegen und liegt mittlerweile nur
noch knapp unter Hafer. Öl als
Energielieferant für Leistungssportler ist ebenfalls nur eine begrenzte Optimierungsmöglichkeit.
„Höchstens 300 Milliliter am Tag“,
rät Dr. Christa Finkler-Schade. Interessanter geworden ist wieder
die Zufütterung auf Schnitzelbasis,
die so lange in Vergessenheit geraten war. Wegen der Quellfähigkeit ist der Anteil in Fertigmischungen allerdings auf zwölf Prozent am Gesamt-Inhalt begrenzt.
Wer mehr Rübenschnitzel geben
will, muss selbst einweichen und
dabei die entsprechenden zeitlichen und hygienischen Vorgaben
peinlich beachten.
Königin Alfalfa
Foto: Slawik
gutes heu ist wichtig
für den Erhaltungsbedarf, zusätzliche
Energie liefert
Kraftfutter.
Schwarzhafer ist ertragssicherer als Weiß- oder Gelbhafer.
anbau auf Fehmarn im Auftrag
der Saatenunion wieder aufgegeben, aber er füttert das Gewächs
weiter als Bestandteil der bei ihm
verwendeten Müsli-Mischung.
„Ich bin hier oben einfach zu weit
weg vom Markt.“ Anders der
Landwirt Harald Küfe, der mitten
in Niedersachsen zu Hause ist. In
Borstel bei Sulingen baut er auf
40 Hektar neben Mais vor allem
Schwarzhafer ausschließlich für
Pferde an. „Für Pferde gibt es
nichts Besseres“, findet er. Zwar
sind die diätetischen Unterschiede
zum Weiß- oder Gelbhafer bisher
wissenschaftlich nicht schlüssig
nachgewiesen, aber die Vorteile
liegen in der Ertragssicherheit.
Schwarzhafer bringt bis zu 20 Prozent weniger Ertrag als Weißoder Gelbhafer, aber die Pflanze
ist widerstandsfähiger gegen Wetterkapriolen und stabiler in der
Qualität. „Schwarzhafer liegt zwischen 56 Kilogramm pro Hektoliter in schlechten und 60 in guten
Jahren. Gelbhafer kann runtergehen bis auf 40“, betont Küfe, der
„aus der Region für die Region“
verschiedene Vollkornmischun-
Im Zuge der Energie-Debatte unter Pferdehaltern rückt vermehrt
Luzerne (Alfalfa) ins Visier. Die
„Königin der Futterpflanzen“ ist
die ertragsstärkste der kleeartigen
Pflanzen. Die blauviolett blühende Leguminose erträgt auch längere Frostperioden und ist besonders geeignet für kontinentale Gebiete. Nur Staunässe mag sie nicht
und keinen schweren Boden oder
Moor. Die wichtigen Nährstoffe
befinden sich in den zarten dreigliedrigen Blättern. Deshalb muss
die Mahd (= das Abmähen) bei
trockenem Wetter möglichst ohne
weitere Wendearbeit erfolgen, um
den hohen Bröckelverlust abzufangen. Als Pferdeheu ist Luzerne
in Deutschland meistens durch
Melassierung haltbar gemacht
oder wird als Heulage angeboten.
Luzerne bietet einen hohen Eiweißgehalt und gute Qualität an
essentiellen Aminosäuren, aber
einseitig sehr hohen Gehalt an
Calcium, der langfristig negativ
wirken kann, wenn er nicht mit
anderen Mineralstoffen kenntnisreich abgefangen wird. „Kann gutes Grasheu nicht ersetzen“, warnen die Experten. Anders als Ergänzer in der Pellet-Produktion.
Dort ist Luzerne ein hochwillkommener Inhaltsstoff, der anstelle von Getreide verwendet
werden könnte – wenn nicht die
Preisspirale auch hier angezogen
hätte. „Was noch vor vier Wochen
ein Vorteil war, ist heute auch auf-
1/2008 ST.GEORG
63
Schattenpreis –
rechenhilfe für die Pferde-Fütterung
gebraucht. Das zeigt die Dramatik
der Entwicklung“, so Dr. Karp.
Mit Do It-Yourself den großen
Fertigfutter-Herstellern, den „bösen Abzockern“, ein Schnippchen
schlagen? Selber mischen ist unpraktisch, für kleine Bestände
meistens unwirtschaftlich – und
es bietet die scheunentorgroße
Chance, nicht wieder gut zu machende Fehler zu begehen. „Zu viel
Stärke macht schwach“, warnt Dr.
Karp. Zu viel Getreide in der Krippe bedeutet zu viel Stärke, die den
Blutzuckerspiegel erhöht. Insgesamt wird damit die Leistungsfähigkeit des Pferdes nicht gesteigert
sondern eingeschränkt. Im
schlimmsten Fall können Hufrehe, das equine metabolische Syndrom (EMS) und Magengeschwüre die Folge sein.
Industrie in der
Zwickmühle
Rasanter Anstieg bei den Einkaufspreisen für Rohstoffe, hoher
Konkurrenzdruck und eine nicht
unbegrenzt finanziell belastbare
Kundschaft – die Akteure am
Markt für industriell gefertigtes
Pferdefutter sind nicht zu beneiden. „Wir müssen die Preissteige-
rationsbeispiele
1 Getreidereiche Ration (ca. 2,03 €)
Heu
5 kg
Mais
1,7 kg
Gerste
1,7 kg
Hafer
1,4 kg
2 Alternative mit reduziertem Getreideanteil (ca. 1,62 €)
Heu
7 kg
Luzerne
2 kg
Trockenschnitzel 0,6 kg
Hafer
0,15 kg
Gerste
0,45 kg
Mais
0,23 kg
Quelle: Karp
64 ST.GEORG 1/2008
Die Preise für Stroh
sind mancherorts bis zu
40 Prozent gestiegen.
Foto: Rühl
wenn hafer durch anderes Getreide ausgetauscht werden soll, dann sind Höchstmengen zu beachten. Hafer kann zu 30 bis 50 Prozent durch Gerste ersetzt werden.
Mais soll nicht mehr als 30 Prozent des Krippenfutters ausmachen, Roggen nicht mehr
als 10 Prozent. Verschiedene Futtermittel lassen sich vergleichen über ihre Preiswürdigkeit, die berechnet wie viel ein Megajoule (MJ) in dem Futtermittel kostet.
Beispielrechnung Preiswürdigkeit:
* Hafer enthält 11 MJ verdauliche Energie (DE)/kg und kostet 30 €/dt.
* Gerste enthält 12,7 MJ DE/kg und kostet 24 €/dt
* Mais enthält 13,7 MJ/kg und kostet 26 €/dt
Zur Berechnung der Preiswürdigkeit müssen die Angaben auf einen Nenner gebracht
werden, d.h. ein Kilogramm Hafer kostet 30, ein Kilogramm Gerste 24 und ein Kilogramm Mais 26 Cent. Somit kosten ein Megajoule im Hafer 2,7 Cent (30:11), ein Megajoule in Gerste 1,889 Cent (24:12,7) und ein Megajoule im Mais 1,897 Cent (26:13,7). In
dieser Rechnung ist Gerste pro Megajoule etwas günstiger als Mais und deutlich günstiger als Hafer.
Der Schattenpreis erlaubt Produkt-Vergleiche. Unter Berücksichtigung der Höchstmengen kann dadurch die preiswerteste Futtermischung zusammengestellt werden.
Beispiel: Bei welchem Haferpreis bekommt man für dasselbe Geld dieselbe Energie
wie bei Gerste? Ein Megajoule Gerste kostet 1,889 Cent x 11 MJ vom Hafer = 20,78
Cent pro Kilogramm. Hafer dürfte demnach 20,78 € pro dt (Dezitonne, 100 Kilogramm)
kosten, um die gleiche Preiswürdigkeit wie Gerste zu haben.
Zu einer kompletten Ration gehören auch Mineralstoffe und Vitamine, die in industriell
hergestelltem Mischfutter enthalten sind. Eine Berechnung nur über Energie kann bei
Pellets und Müsli-Mischungen wie bei Getreide vorgenommen werden. Es müssen
dann aber auch zusätzlich Preise für Mineralstoffe und Vitamine berücksichtigt werden. Die gesamte Tagesration ist nach Inhaltsstoffen und Preis zu vergleichen.
rungen weitergeben, aber insgesamt besteht natürlich die Angst,
dass die Kundschaft wegbricht“,
nimmt Rudolf Borchardt, Einkäufer bei Eggersmann in Rinteln,
kein Blatt vor den Mund. Zwar
sind die Spezialmischungen bei
Eggersmann weitgehend haferfrei,
aber Gerste und Mais sind unverzichtbare Bestandteile von MüsliMischungen. Ein Austausch
brächte zudem nur marginale Ersparnisse, denn die Getreidepreise
sind inzwischen so miteinander
verzahnt, dass es keine Preisbrecher mehr gibt. Dazu kommen
echte Liefer-Engpässe. „Bio-Ge-
treide, das wir für zwei Spezialmischungen benötigen, ist kaum
noch zu bekommen – abgesehen
von den Preissteigerungen, die exorbitant sind,“ so Borchardt.
Pellets-Produzenten sind im Vorteil. Die Herstellung ist billiger als
die von Müsli. „Und besser“, betont Dr. Hans-Peter Karp, der die
Marke „Derby“ betreut. Keim-Behaftung sei reduziert, die Lagerfähigkeit erhöht und durch die Aufschließung der Ingredienzien in
der Herstellung seien sie besser
verdaulich, begründet er. Sein Fazit: „Die Nährstoffversorgung ist
sicherer und gleichmäßiger.“
Nährstoffe der rationsbeispiele
Nährstoff
Einheit
Energie
Verd. Rohprotein
Stärke
Calcium : Phosphor
Natrium
Zink
Kupfer
Selen
Vitamin E
MJ
g
g
g
mg
mg
mg
mg
Mindestbedarf*
100
500
43
500
100
1,5
600
Gehalt
Ration 1
100
674
2482
0,91 : 1
3
233
45
1
90
Gehalt
Ration 2
100
800
862
2,19 : 1
9
306
70
3
243
* Mindestbedarf für ein Sportpferd mittlere Belastung (ca. 600 kg, etwa zwei Stunden Arbeit pro Tag)
Im Haus Salvana, wo überwiegend
Mineralstoffe und Vitamine zusammengestellt werden, sieht man
die Entwicklung am Getreidemarkt zwiespältig. Laut Dr. HansPeter Boye ist der Anstieg der Getreidepreise beim gesamten Unterhalt eines einzelnen Pferdes
„höchstens als gefühlte Preissteigerung“ merkbar. Aber Reiter reagieren sehr emotional und Betreiber von großen Betrieben, die unter dem Eindruck der Rechnung
für die letzte große Futterlieferung
Entscheidungen treffen nicht minder. „Wird die Fütterung umgestellt von Müsli auf ein HaferGerste-Gemisch mit Mineralzusätzen, dann kommt uns das nicht
ungelegen“, gesteht Boye. Anders
hingegen ein Umschwenken auf
Pellet-Fütterung. Dann werde die
Fütterung unspezifisch, warnt Dr.
Boye. Zwar enthalten Pellet-Mischungen den angemessenen Anteil an Mineral- und Vitaminzusätzen. Aber das Risiko liegt in der
Mengendosierung des Futters.
„Die Mineralstoff- und Vitamingabe ist abhängig davon wie viel
Pellets gefüttert werden, und sie
kann demnach zu hoch oder zu
niedrig ausfallen.“
Eine Änderung der Situation am
Markt ist jedenfalls nicht in Sicht.
Die Einkäufer sagen übereinstimmend: „Wir wünschen uns wieder
gemäßigtere Preise, aber die Aussichten dafür sind schlecht.“
Die Industrie sucht immer nach
Optimierung der FuttermittelZusammensetzung, sei es aus
Qualitäts- oder aus Kostengründen. Variationen ergeben sich deshalb schon je nach Jahreszeit der
Herstellung, aber die Bandbreite
ist dennoch nicht endlos. Eine Futtermischung, die für Sport- oder
ganz speziell für alte Pferde deklariert ist, muss auch die entsprechenden Inhaltsstoffe bieten.
Trotzdem: „Bei jedem Sack die
Deklaration studieren“, rät die Futtermittel-Expertin Dr. Christa
Finkler-Schade. „Große Hersteller
haben einen Ruf zu verlieren, aber
deshalb darf man auch nie allzu
produktgläubig sein.“
Halmvorteil oder
Abseits?
Getreide besteht nicht nur aus
Korn für die Krippe. Getreide liefert auch Stroh für die Einstreu im
Stall. Und die ist nicht nur für
Heinrich Ramsbrock inzwischen
schon „das Oberproblem.“ Ein ordentlicher Stall ist die Visitenkarte jedes Betriebes, und der Zu-
Quelle: Karp
1/2008 ST.GEORG
65
Biogas-Anlagen
…doppelt gereinigt
…richtig gelagert (belüftet)
…ohne Verfärbungen (grau i. Korn oder
mit schwarzen Belägen auf dem Spelz)
…groß im Korn
…schwer, mind. 54 Kilogramm pro
Hektoliter
…frei von Milben, Pilzen, Pestiziden
…im Zweifelsfall kontrolliert (Lufa)
Ohne grundfutter haben Pferde keine Beschäftigung (li.). Ihnen ist langweilig, manche fangen an zu
weben oder zu koppen. Bei jeder Futterration (re.) muss die Vitamin- und Mineralmenge beachtet werden.
Indien wachsen nicht
nur an der Kopfzahl ihrer Bevölkerung, sondern haben auch weit
mehr finanzielle Mittel,
gutes Pferde-heu ist....
um ihre Einkaufswün…nicht zu spät geschnitten
sche zu erfüllen. Und
…frisch in der Farbe
nach drei schlechten
…duftend
Ernten in Folge sind die
…möglichst grobstängelig
Stroh-Lager leer.
…bei geringerem Rohfasergehalt er
Grenznah im Nordwesgänzt durch gutes Futterstroh
ten Deutschlands kostet
…ohne Schimmelbefall u. Fremdstoffe
Stroh inzwischen mehr
als Heu, denn in Holland
ist das Stroh noch knapstand der Einstreu spiegelt die per. „Wir müssen hier bald WaQualität der Pferdehaltung im Au- chen aufstellen. Die kaufen alles
ge des Betrachters – ob der nun auf “, legt Ramsbrock eine kämpein Pferd kaufen will oder als Ein- ferische Haltung an den Tag. Der
steller Pensionsgeld zahlt.
große Quaderballen, der vor zwei
Preissteigerungen bis zu 40 Pro- Jahren noch zwischen 20 und 24
zent bei der Einstreu: Stroh ist auf Euro lag, kostet inzwischen im
dem Weg vom Abfall- zum Pre- Emsland 35 und wird in der Remium-Produkt. „Das ist eine mitt- gion von Amsterdam für bis zu 55
lere Katastrophe,“ bewertet Hein- Euro abgenommen. Da lohnt sich
rich Ramsbrock. In Europa wuch- der Transport. Die Wut von Heinsen in 2007 nur 126 der 612 Mil- rich Ramsbrock und anderen Pferlionen Tonnen Weltweizenernte. dehaltern wird noch gesteigert
Deutschland erzeugte 32 Prozent durch Gespräche mit Lohnunterdavon, knapp 41 Millionen Ton- nehmern, deren Vertragspartner
nen. Das ist ein Rückgang im Ver- Angebote von Betreibern von Biogleich zum Vorjahr in Höhe von 6 gas-Anlagen oder von Herstellern
Prozent und sogar 10,2 Prozent von Heizbriketts erhalten haben.
weniger als die Durchschnittsern- „Die wollen nicht nur Stroh, sonte aus den Jahren 2001 bis 2006. dern auch Getreide für ihre AnlaExperten benennen die Ursachen: gen und bieten Festpreise auf zehn
1,8 Prozent weniger Anbaufläche, Jahre. Die kriegen die Zuschüsse
die große Trockenheit im Früh- und wir müssen draufzahlen. Das
jahr und weltweit mehr Nachfrage. Gas kostet mehr und die Struktur
Schwellenländer wie China und der Landwirtschaft ist versaut.“
66 ST.GEORG 1/2008
Mehr als 3500 Anlagen sind inzwischen in Deutschland gebaut
worden. Jede von ihnen bindet 230
Hektar Anbaufläche für die kommenden 20 Jahre, 805.000 Hektar
insgesamt, auf denen nun überwiegend Mais angebaut wird. 13
Prozent der landwirtschaftlichen
Anbaufläche sind das nach Rechnung der Gegner von Biogas-Anlagen. „Stimmt nicht. Biogas-Anlagen binden lediglich zwei Prozent der Anbaufläche,“ hält die
Pressesprecherin des Fachverbandes Biogas in Freising, Andrea
Horbelt dagegen.
Das „gefühlte Wachstum“ der
Maispflanze bei einem Ausritt
über Land ist jedenfalls unübersehbar. „Güllepalmen“ sagt man
in Niedersachsen. Sie scheinen
überall dort gen Himmel zu ragen, wo bisher Getreide wogte.
Auch Bio-Ethanol-Anlagen blenden mit den drei heute magischen
Buchstaben B-I-O und wollen dafür gegen gutes Geld das, was bisher als Lebensmittel für Mensch
und Tier und als Einstreu seinen
Stellenwert hatte. Der bodenständige Pferdemann Ramsbrock ist
sicher: „Stroh und Getreide verheizen – das ist der größte Wahnsinn, den ich je gehört habe.“
Stroh als „das Oberproblem“ überall im Land? Nein, in einem winzigen Dorf im Zentrum der Altmark, dem Kernland von Sachsen-Anhalt, fühlen sich Pferde wie
im Paradies, wenn sie ihre Besitzer
in den Urlaub begleiten. Benno
Schulz führt die Stallungen am
Landhotel Mehrin, das seinem
Sohn gehört, und er streut ein ohne zu sparen. Das braucht er auch
nicht, denn in seiner Nachbarschaft gibt es noch den herkömmlichen und für ökologisch vernünftig gehaltenen Kreislauf. „Ich
kriege das Stroh umsonst und
muss dafür dem Bauern den Mist
als Dünger wieder bringen.“
Schulz zahlt nur für das Pressen
der Quaderballen, die er direkt
vom Feld holt. 2,80 Euro nimmt
der Lohnunternehmer für den
großen Quaderballen, von denen
Schulz gut 200 Stück abnimmt,
um in seinen 40 Boxen Urlaubsgefühle zu verbreiten. „Da brauche
ich nicht zu sparen.“
Hygiene ist bei der Einstreu genauso wichtig wie beim Futter.
Und da bringt das Stroh dieses
Jahr große Probleme. Abgesehen
von der frühen Gerstenernte haben alle anderen Getreidesorten
zumindest im Norden der Republik schon auf dem Feld mit Pilzbefall darniedergelegen. „Sauberer“ im Stall sind deshalb vielfach
Sägespäne, Holz- oder StrohmehlPellets, Holz-Pellets oder auch
Hanf oder Flachs, wobei das Leinstroh wie anderes Stroh sehr
knapp ist und demnach vergleichsweise noch teurer als sonst.
Nicht zu unterschätzen ist auch
der „Spaßfaktor“, den Pferde aus
dem Knabbern am Stroh gewin-
nen. „Wir sind wieder auf Stroh
zurückgekommen und sei das
noch so teuer“, sagt der Springreiter Thorsten Pander, der das Gestüt Welsum im oldenburgischen
Neuenkruge führt, nach einem
dreiwöchigen Experiment mit eigens aus Ungarn importierten
Stroh-Häcksel. „Die Häcksel sind
schadstoffarm erzeugt, leicht zu
handhaben, sauber und ergiebig,
billiger als Holz-Späne, alles prima – aber die Pferde hatten nichts
Horbelt. Mit der Zufuhr von Mist in die Biogas-Anlagen ohne dass der Betreiber dadurch
Zuschüsse verlöre könnte theoretisch wenigstens eines der Probleme behoben werden, das
der Pferdehaltung aus Biogas-Anlagen entstanden ist.
Landwirte dürfen zur Erzeugung nachwachsender Rohstoffe auch wieder die ehemals auch
aus Gründen des Naturschutzes stark forcierten Stilllegungsflächen in Betrieb nehmen ohne dabei ihre Prämien zu verlieren. Die Fruchtfolge auf den Ackerflächen wird nun auch nach
biogas-Anlagen
werden zum großen Teil mit nachwachsenden Rohstoffen wie Mais befüllt.
Foto: HEAG NaturPur AG
GUTER PFERDEHAFER IST...
Foto: Stuewer
Foto: Rühl
B
iogas-Anlagen gibt es in der Landwirtschaft bereits seit 80 Jahren. In den Mittelpunkt des Interesses sind die Kraftwerke zur Wärme- und Stromerzeugung jedoch erst in jüngerer Zeit gerückt. Noch vor
zehn Jahren gab es erst 550 Biogas-Anlagen in
ganz Deutschland, 80 Prozent davon im Süden.
Heute sind es 3700, die meisten im Norden.
Anlass für das enorme Wachstum sind das
Kyoto-Protokoll und das Gesetz für erneuerbare Energien (EEG). Weltweit soll der CO2Ausstoß gesenkt werden, und Strom aus Biogas
wird dem Erzeuger in Deutschland finanziell
vergütet. Mit nachwachsenden Rohstoffen weg
von fossilen Brennstoffen.
Biogas ist ein natürliches Abbauprodukt, das
aus Vergärung von Gülle und anderen organischen Stoffen aus Landwirtschaft, Gewerbe
und Kommune entsteht. Es wird in Blockheizkraftwerken zur Erzeugung von Elektrizität
und Wärme genutzt. Die verbliebenen Reststoffe können zu Flüssigdünger und Kompost
weiter verarbeitet werden. Die zu vergärenden
Stoffe werden in beheizte und wärmegedämmte Stahlbetonbehälter (Fermenter) gepumpt, wo sie bei Temperaturen zwischen 35
und 38 Grad unter Luftabschluss gären. Die
notwendige Prozessenergie erzeugen sie selbst.
Bakterien zersetzen die Biomasse und dabei
entsteht Methangas. Dieses Biogas wird in
Blockheizkraftwerke geleitet, wo Strom und
Wärme entsteht. Die Reststoffe wandern in einen Speicher.
Nachwachsende Rohstoffe (nawaRo) befüllen
85 Prozent aller Biogasanlagen in Deutschland. Nur 15 Prozent gewinnen ihre Kraft aus
Abfallvergärung. Abfall ist Grünschnitt von
Sportplätzen, Astschnitt von Hecken, der Inhalt
von Biotonnen und Fettabscheider von Metzgereien, Tierabfälle wie Horn und Hufe. „Überwachungsbedürftige Abfälle“ sollen grundsätzlich nicht eingesetzt werden.
Mist wird nur bedingt eingefüllt, denn der ist
nicht als nachwachsender Rohstoff klassifiziert. „Der NawaRo-Bonus ist jedoch in Sicht,
die Verhandlungen laufen“, erklärt die Pressesprecherin des Fachverband Biogas, Andrea
bare Energien-Gesetz (EEG), das Stromgewinnung aus Biomasse fördert. Die Vergütung
unterscheidet sich je nachdem ob feste, flüssige oder gasförmige Biomasse verwandt wird.
Der Erzeuger erhält 6 Cent pro Kilowattstunde.
Zurzeit wird eine Novellierung des EEG diskutiert. Umkämpft ist derzeit besonders eine
vorgeschlagene Kürzung der Grundvergütung
für den Strom aus Biogas um 0,5 Cent je Kilowattstunde. „Dann wäre die bisherige Erfolgsstory Biogas in Deutschland beendet“, hat der
Fachverband Biogas seine Stellungnahme bereits abgegeben.
Das Pferdeland Niedersachsen ist Spitzenreiter
in der Bereitstellung von regenerativer Energie
aus Biogas. Ein Drittel des in Deutschland genutzten Stromes aus Biogas kommt aus Nie-
ihrem „Methan-Hektarertrag“ bestimmt. Der
ist bei der Erzeugung von Biogas immerhin
noch besser ausgenutzt, denn dazu wird die
ganze Pflanze eingefüllt. Für Biodiesel werden
nur die Rapskörner gebraucht, für Bioethanol
nur das Getreidekorn.
Der Methangas-Hektarertrag wird auch für eine neuerliche Veränderung auf den Feldern
sorgen. Maisanbau lässt sich wegen seines
Nährstoffanspruchs an den Boden nicht unbegrenzt weiter steigern, aber dafür sind Pflanzen wie Zuckerhirse und Sudangras in Versuchsreihen genommen. Demnächst also
„Ausreiten wie in Afrika“?
Über den wirtschaftlichen Erfolg von BiogasAnlagen entscheidet vor allem das Erneuer-
mehr zu tun und haben angefangen Blödsinn zu machen, zu weben und gegen die Boxenwände
zu schlagen. Pferde unzufrieden,
Kunden unzufrieden. Zu Stroh
gibt es gar keine Alternative“, findet der Profireiter.
Seiner Ansicht nach sind Häcksel
eine gute Einstreu-Alternative für
Pferde mit täglichem Weidegang,
„aber nichts für Sportpferde, wenn
man nicht als Ausgleich dann sehr
viel mehr Heu füttern will.“
dersachsen. Sieben Prozent der zur Verfügung
stehenden Fläche werden zur Produktion nachwachsender Rohstoffe verwandt, mittelfristig
wird mit zehn Prozent gerechnet. Kleiner geworden sind die Zuwachsraten in den bisherigen Zentren, weil dort der Konkurrenzdruck
stärker geworden ist. Hohe Pachtpreise und
hohe Rohstoffkosten reduzieren die Rentabilität der Anlagen für die Betreiber. Trotzdem
wird klotzig verdient am Biogas-Boom. Das
erst 2002 gegründete Unternehmen EnviTec
mit Sitz in Lohne bei Vechta, spezialisiert auf
den Bau von Biogas-Anlagen, verzeichnete im
Geschäftsjahr 2006 einen Konzernumsatz von
100,7 Millionen Euro, 50 Prozent mehr als im
Jahr zuvor.
„Einstreu ist eine sehr regional zu
entscheidende Frage“, betont Dr.
Christa Finkler-Schade, nicht zuletzt deshalb, weil man bekanntlich immer das Ende bedenken
sollte. Recycling ist bei der Einstreu mittlerweile in großstadtnahen Ställen ein genauso großes
Problem wie die Beschaffung und
muss bei jeder Kaufentscheidung
gleich mit einbezogen werden.
„Die Mist-Entsorgung ist ein langfristiges Problem, das viele in sei-
ner Bedeutung noch gar nicht erkannt haben“, warnt die Betriebsberaterin aus Verden.
So viel schlechte Nachrichten: Darauf einen Hafer-Schnaps. Das
Edel-Versandkaufhaus Manufactum vertreibt ein Destillat aus
Bio-Hafer, hergestellt im Münsterland. Wir wissen nicht, ob die
Preissteigerungen dort auch schon
eingeflossen sind. Trotzdem:
„Prost Mahlzeit!“
Petra Schlemm-Poellein
1/2008 ST.GEORG
67
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Seele and Geist
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