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TA G U N G S B E R I C H T E
Breitbandversorgung: Wie den Anschluß gewinnen?
Die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) lud Anfang Oktober zu einer Fachkonferenz „Breitbandversorgung in Deutschland – wie
schaffen wir den Anschluß?“ nach
Berlin.
Ziel der Konferenz war es, ein Forum
sowohl für politische und regulatorische als auch technische und wirtschaftliche Fragestellungen zur Breitbandversorgung in Deutschland anzubieten – angesprochen wurden Interessierte sowohl aus den Bereichen der
Industrie und der Netzbetreiber als
auch aus der Politik. Als Themenschwerpunkte sah das Programm vor:
• Bestandsaufnahme Breitband;
• politische und regulatorische Rahmenbedingungen;
• Breitbandnetztechniken;
• Sicht der Betreiber;
• Breitbandanwendungen und Betriebserfahrungen.
Breites Themenspektrum
Etwa 130 Fachkräfte waren der Einladung gefolgt, um also über die Fragen
zu diskutieren „Fallen wir in Deutschland gegenüber anderen Ländern im
Bereich Breitbandanschluß zurück
und wie schaffen wir den Anschluß?“
Insgesamt standen dazu 25 Vorträge
auf der Tagesordnung.
Thomas Schnörring, bei der T-Com für
die Strategieentwicklung zuständig,
referierte zum Thema „BreitbandNetzentwicklung der T-Com“. Er wies
darauf hin, daß sein Unternehmen
weltweit ein xDSL-Pionier war.
Gegenüber ISDN (7,1 Mio. Teilnehmer
nach zehn Jahren von 1990 bis 2000)
sei die Entwicklung bei DSL überproportional erfolgt, denn Mitte
August 2005, d.h. sechs Jahre nach
der Markteinführung, konnten bereits
6,7 Mio. T-DSL-Teilnehmer vermeldet
werden.
Weiterhin wurde festgestellt, daß mit
ADSL2+ (Asymmetrical DSL der
zweiten Generation plus) Abwärtsbitraten bis 16 Mbit/s realistisch sind.
Mit VDSL2 (Very High Bitrate DSL der
zweiten Generation), bei der die
46
Glasfaser bis zum Kabelverzweiger
(KVz) verlegt wird (d.h. FTTCab – Fibre
to the Cabinet), sollen bis Mitte 2006
zehn deutsche Großstädte und bis
2007 insgesamt 50 Großstädte mit bis
zu 50 Mbit/s versorgt werden.
Den Einsatz bei Fibre to the Building
(FTTB) sieht man dann eventuell
irgendwann in der Zukunft.
Gegenwärtig liegt der Breitbandversorgungsgrad für Haushalte in
Deutschland bei 91 %. Für die bisher
nicht versorgten Haushalte wurden
folgende Gründe angeführt:
• Für 3 % gibt es technikbedingte
Einschränkungen, das heißt, die
Länge der Teilnehmeranschlußleitung überschreitet die normalerweise maximal zulässigen 4 km. In
Ausnahmefällen sind z.B. Teilnehmer über bis zu 9 bis 10 km Kabelweg angeschlossen.
• 1,5 % der Haushalte liegen in Gebieten, die mit Opal (Optische Anschlußleitung) versorgt werden (etwa 600.000 Anschlüsse in den neuen Bundesländern).
• 2,5 % der Haushalte sind mittels
Hytas
(Hybrides
Teilnehmeranschlußsystem) angeschlossen (etwa
900.000 in den alten Bundesländern).
• 2 % der Haushalte befinden sich in
nicht ausgebauten Anschlußbereichen; in diesen sind die Kundenzahlen zu gering.
Hoffnung für die Noch-nichtVersorgten
Für die fehlenden 9 % besteht durchaus Hoffnung auf einen Breitbandanschluß. Als „Rettung“ gelten dabei
die Outdoor-DSLAMs (Digital Subscriber Line Access Multiplexer), die in
KVz untergebracht werden. Man integriert sie seit 2004 in das T-Com-Netz,
was nicht immer problemlos vonstatten geht, denn bei der Neuverlegung
von Glasfasern zwischen Vermittlungsstelle und KVz und bei der notwendigen Heranführung der Stromversorgung an die KVz gibt es zum
Teil Hemmnisse. In Opal-Netzen läuft
bereits der Austausch der Technik. Der
Umbau soll bis 2008 abgeschlossen
sein.
Für Hytas-Teilnehmer und nicht ausgebaute Anschlußbereiche könnte ein
weiterer Retter in Erscheinung treten:
Wimax (Worldwide Interoperability
for Microwave Access) – auch wenn
dieser neue Stern am Himmel wieder
langsam sinkt. Denn es hat sich gezeigt, daß sich 70 Mbit/s und 50 km
nicht vereinbaren lassen. Seit Mitte
2005 läuft bei der T-Com erfolgreich
ein Wimax-Pilotprojekt in Siegburg.
Eine endgültige Bewertung fehlt
noch; eventuell erfolgt der Einsatz im
Jahr 2006.
Von der T-Com wird nach wie vor ein
Versorgungsgrad von 100 % als langfristiges Breitbandziel angestrebt.
Mit der Kenntnis der T-Com-Ankündigungen zum FTTCab-Ausbau in Verbindung mit VDSL2 waren die Ausführungen interessant, die Erik Weis
von T-Systems International machte.
Er unterzog in seinem Beitrag die verschiedenen FTTX-Ansätze einer techno-ökonomischen Analyse und zeigte
damit, daß der Einsatz von FTTCab eigentlich nur in Großstädten wirtschaftlich vertretbar ist. Ein großes Potential zur Kostenreduzierung liegt im
Tiefbau. Alternativen zum konventionellen Tiefbau könnten Einfrästechniken und grabenlose Bauweisen sein.
Unter dem Titel „Glasfasernetze –
Layer 0: Was gibt es Neues?“ setzte
sich Mario Braune, ebenfalls von T-Systems International, u.a. mit den
Möglichkeiten der Erweiterung vorhandener Trassenkapazität (z.B. mit
Miniröhrensystemen) auseinander.
Näher mit der VDSL2-Technik beschäftigte sich der Vortrag des Alcatel-Vertreters aus Belgien, Damien Davy. Er stellte dazu die Prinzipien und
Kundenprojekte vor. Bis heute kann
Alcatel schon auf über 3 Mio. verkaufte Teilnehmeranschlußleitungen an
Triple-Play-fähigen IP-DSLAMs verweisen. Weitere Beauftragungen liegen
vor. Der konsequente Umstieg von
ATM auf IP hat sich also als richtig
herausgestellt.
NET 11/05
TA G U N G S B E R I C H T E
Bedingt durch den wachsenden Bedarf an hohen Bitraten müssen immer
mehr Glasfaserleitungen im Teilnehmerzugangsnetz eingesetzt werden.
Damit die Telekommunikationsnetzanbieter gegenüber den Kabelnetzbetreibern wettbewerbsfähig sind, müssen mindestens 25 Mbit/s in Abwärtsrichtung angeboten werden. Die Anzahl der Videokanäle, die pro Haushalt
zur Verfügung gestellt werden können, bestimmt die Bitrate, die bereitgestellt werden muß. Die gegenwärtige VDSL2-Normung erlaubt die Bereitstellung von 100 Mbit/s pro Teilnehmer (bei etwa 200 m Länge der Teilnehmeranschlußleitung). Bei der Verwendung von zwei Kupferdoppeladern (mit Bonding) können 25 Mbit/s
bis zu 1,8 km bereitgestellt werden.
Im Bild ist die Entwicklung der Bitratenanforderungen für den nordamerikanischen Markt dargestellt. Diese
Anforderungen können auch für einen Großteil der europäischen Länder
herangezogen werden.
Dem Bild liegen folgende Annahmen
für die Codierungsraten zugrunde:
Codierung
MPEG 2 SD
MPEG 2 HD
MPEG 4 VC1 SD
MPEG 4 VC1 HD
MPEG 4 VC1
Enh. SD
MPEG 4 VC1
Enh. HD
MPEG 4 VC1
Imp. SD
MPEG 4 VC1
Imp. HD
Mbit/s
2,5 bis 3
15 bis 19
1,5 bis 2
10 bis 12
< 1,5
8 bis 10
<1
Dem technischen Leiter des Verbandes privater Kabelnetzbetreiber ANGA
e.V. Carsten Engelke wurde die Möglichkeit eingeräumt, das Projekt „TV
interaktiv 2006“ vorzustellen. Mit Hilfe des Fernsehgerätes soll die sog. digitale Spaltung der Gesellschaft vermieden werden. Für den Start des ProEntwicklung der Bitratenanforderungen für
den nordamerikanischen Markt
(HD – High Definition
TV; SD – Standard Definition TV; HSI – Highspeed Internet)
jektes wurden zunächst die zwei Projektregionen Berlin und Köln ausgewählt. Auf Basis der bisherigen Ergebnisse wurde für die beiden Projektregionen eine einheitliche Spezifikation
für Set-Top-Boxen erarbeitet. Diese
Spezifikation enthält die wesentlichen
Merkmale für einen offenen Zugang.
Dazu zählen Digital Video Broadcasting, das Internetprotokoll, die Multimedia-Home-Plattform und HDTV.
Die Ausschreibung für die Set-Top-Boxen läuft. Eine Markteinführung wird
für das erste Quartal 2006 erwartet.
Norbert Thöry, CTO von Kabel
Deutschland, stellte das Breitbandkabel als ideales Medium für Triple Play
vor.
<7
Marktchancen
Aber nicht nur FTTCab und xDSL waren Thema auf der Konferenz. Auch
FTTH (Fibre to the Home), Breitbandkabelnetze und Funklösungen wurden
behandelt.
Es gibt Alternativen
So stellte Andreas Stadler von Siemens
mit SuperPON ein PON (Passives Optisches Netz) der nächsten Generation
vor. Von einem FTTH-Projekt in den
Niederlanden wiederum berichtete
Gerlas van den Hoven von Genexis.
NET 11/05
nischen Weiterentwicklungen von
UMTS hin zu höheren Bitraten und zu
einer Optimierung für IP-Netze und IPAnwendungen vor. Er ging dabei u.a.
auch näher auf HSDPA (Highspeed
Downlink Packet Access) und HSUPA
(Highspeed Uplink Packet Access) ein.
HSDPA wurde ab 3GPP (dritte Genera-
Im Vortrag von Guido Nienhaus,
MDCC, und Olaf Friedewald, ICF, wurde gezeigt, wie sich die MDCC Magdeburg-City-Com GmbH innerhalb
von wenigen Jahren erfolgreich vom
lokalen City Carrier in Magdeburg
zum überregionalen Telekommunikationsanbieter entwickelte. MDCC hat
damit gezeigt, daß ein Marktanteil
von 20 % auf dem Telekommunikationsmarkt innerhalb von drei Jahren
realisierbar ist.
Alfred Baier (Director Future Technologies bei Vodafone D2) stellte die tech-
tion der Mobilfunksysteme) Release 4
als Erweiterung von UMTS spezifiziert.
Es ermöglicht bis zu 14,4 Mbit/s im
Downlink in mehreren Implementierungsstufen. Gleichzeitig werden kürzere Signalverzögerungen (ca. 100 ms
Round Trip Time) erreicht.
Die Aufrüstung der UMTS-Netze auf
HSDPA wird ab Ende dieses Jahres erfolgen, wobei im ersten Schritt Bitraten von etwa 2 Mbit/s erreicht werden
sollen. In der nächsten Stufe der Evolution von UMTS wird sich 2007 die
Einführung von HSUPA gemäß 3GPP
Release 6 anschließen.
Beyond 3G ist eine Initiative des 3GPP
zur Definition eines Nachfolgestandards zu UMTS mit einem vollständig
IP-basierten Ansatz. Es werden Bitraten bis zu 100 Mbit/s bei Round-TripZeiten von 20 ms angestrebt. Mit einer Einführung in die Netze ist aber
nicht vor 2010 bis 2012 zu rechnen.
Die vierte Generation geht in ihrem
Anspruch noch weiter: bis zu 1 Gbit/s
bei 100 MHz Bandbreite in typischen
städtischen Mobilfunkzellen. In Europa ist eine Einführung nicht vor 2015
zu erwarten.
Die Vorträge sind fast alle als Textbeiträge im ITG-Fachbericht 189 nachzulesen; eine ergänzende CD-ROM
enthält auch die Präsentationsmaterialien.
Dr. Andreas Bluschke,
Teleconnect GmbH
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Seele and Geist
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