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Kurztitel: Eisenmangelanämie Fragestellung: Wie sollte eine junge

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Kurztitel:
Eisenmangelanämie
Fragestellung:
Wie sollte eine junge Frau, die „ständig“ unter Eisenmangel leidet, mit Eisenpräparaten behandelt
werden? Oral oder parenteral? Für einen begrenzten Behandlungszyklus oder „prophylaktisch“
unbegrenzt?
Antwort:
Die Ursache für den Eisenmangel, bei jungen Frauen meist Menorrhagien, sollte geklärt sein. Wenn
die Ursache behoben werden kann, sollte dies erfolgen. Ein zeitbegrenzter Behandlungszyklus mit
einem oralem Eisenpräparat ist dann ausreichend und sollte nach 2-4 Monaten die Anämie beseitigt
haben und nach weiteren 4-6 Monaten die Eisenspeicher wieder gefüllt haben. Wenn die Ursache
für den Eisenmangel nicht behoben werden kann, kann eine kontinuierliche „prophylaktische“
Eiseneinnahme in Erwägung gezogen werden. Eine parenterale Eisentherapie ist mit Risiken und
möglichen Nebenwirkungen verbunden und sollte nur in begründeten Ausnahmefällen angewandt
werden.
Hintergrund:
Die Eisenmangelanämie ist keine Krankheit, sondern ein Symptom ganz verschiedener
Krankheiten. Der Eisenmangel wird behoben, indem man dessen Ursache beseitigt und das fehlende
Eisen ersetzt.
Die häufigste Ursache für Eisenmangel und Eisenmangelanämie ist die starke Menstruation bei
Frauen [1, 2]. Mindestens 25% der Frauen im Menstruationsalter leiden unter manifestem
Eisenmangel [3]. Andere Situationen, die häufig zu Eisenmangel führen, sind: Schwangerschaft,
Kleinkinder, hohes Alter, Vegetarianer, Blutspender und Ausdauersportler [1, 2, 3]. Oft treten auch
mehrere dieser Bedingungen gleichzeitig ein und verursachen gemeinsam den Eisenmangel [3].
Wenn aber keine dieser anamnestischen Ursachen in Frage kommt, sollte sorgfältig nach der
Ursache für den Eisenmangel gesucht werden [2, 3].
Suchstrategie:
Es wurden deutsche (AWMF), kanadische (Canadian Medical Association CMA Infobase), britische (NICE - National
Institute for Clinical Excellence) , amerikanische (National Guideline Clearinghouse; eMedicine), neuseeländische
(NZGG - The New Zealand Guidelines Group), schottische (Scottish Intercollegiate Guidelines Network) und finnische
(Evidence based Medicine-Guidelines für Allgemeinmedizin) Leitlinien durchgesehen.
Ergebnisse:
► Bei einer mikrozytären Anämie handelt es sich fast immer um eine Eisenmangelanämie.
Ausgeschlossen werden sollte eine Minor-Thalassämie, die auch in unseren Breitengraden
vorkommt, und bei welcher der Eisenwert erhöht ist und eine Eiseneinnahme kontraindiziert ist
[2, 3].
► Wenn keine offensichtliche Ursache für den Eisenmangel bekannt ist, sollte sorgfältig nach der
Ursache für den Eisenmangel gesucht werden. Vor allem im Gastrointestinaltrakt sollte nach
Blutungsquellen gesucht werden, denn diese bedingen 2/3 der Eisenmangelanämien, die nicht
durch Hypermenorrhoe bedingt sind [4]. Ein Test auf okkultes Blut, auch wenn mehrmals
durchgeführt, kann nicht einen Tumor oder eine andere Blutungsquelle im Gastrointestinaltrakt
ausschliessen, denn die Blutung kann langsam und intermittierend sein [2, 4, 5]. Nach normaler
Gastro- und Koloskopie sollte, bei Fehlen sonstiger möglicher Ursachen, auch eine
Videokapsel-Endoskopie des Dünndarmes in Erwägung gezogen werden, um die seltenen
Angiodysplasien oder Tumoren im Dünndarm auszuschließen [5]. Eine Eisenresorptionsstörung
durch eine chronische entzündliche Darmkrankheit ohne manifestes Malassimilationssyndrom
ist extrem selten [1] und der Eisenresorptionstest wird kontrovers beurteilt.
► Sekundäre Anämien sind unwahrscheinlich, wenn keine einschlägige chronische Erkrankung
bereits bekannt ist und Anamnese, klinischer Status, BSG, CRP oder Leukozytose nicht auf eine
Grundkrankheit schlieβen lassen [2, 6].
► Manchmal erweist es sich in der Praxis als unmöglich, die Ursache des Eisenmangels zu
finden. In solchen Fällen wird eine entsprechende Eisentherapie begonnen und sichergestellt,
dass das Ansprechen des Patienten auf die Behandlung ausreichend und dauerhaft ist [2]. Ist
dieses Ansprechen nicht gegeben, beruht dies meist auf die Belassung einer Blutungsquelle [1,
4]. Andere seltene Ursachen können Malabsorption oder mangelnde Compliance sein [1].
► Das Eisen sollte oral eingenommen werden, eine parenterale Eisentherapie sollte nur in
begründeten Ausnahmefällen angewandt werden [1, 3]. Parenterales Eisen gelangt zum Großteil
nicht-transferrin-gebunden in den Kreislauf und kann akute Beschwerden wie Hitzewallungen,
Kopfschmerzen, Phlebitiden oder anaphylaktische Shocks auslösen. Hauptargumente gegen
parenterale Verabreichung des Eisen sind aber, dass nicht-transferrin-gebundenes Eisen stark
oxydierend auf die Gefäßendothelien wirkt und dadurch Arterio- und Koronarsklerose fördert,
durch zu rasche Aufnahme toxisch auf die Zellen wirkt und das Immunsystem bei der Abwehr
bakterieller Infektionen schwächt [7, 8]. Indikationen für eine parenterale Eisentherapie können
Malabsorption, ungenügende Wirksamkeit oder schwere Nebenwirkungen bei oraler
Eiseneinnahme sein [1, 3].
► Da vom oral eingenommenen Eisen nur ca. 20% resorbiert wird, sollte die Dosierung einer
oralen Eisentherapie täglich 100-200 mg elementares Eisen ausmachen [1, 3, 9]. Eine Tablette
mit 525 mg Eisensulfat enthält zum Beispiel 105 mg elementares Eisen, eine mit 325 mg
Eisensulfat 60 mg elementares Eisen.
► Unter oraler Eiseneinnahme soll der Hämoglobinwert um 1 g/dl pro Woche ansteigen [9]. Eine
erste Hämoglobinkontrolle empfiehlt sich nach etwa 3 Wochen: wenn dann das Hämoglobin
nicht mindestens um 2 g/dl angestiegen ist, muss eine persistierende Blutung, eine
Malabsorption oder mangelnde Compliance angenommen werden [1, 3]. Nach 2-4 Monaten
Eiseneinnahme ist die Anämie in der Regel behoben, aber für die Auffüllung der Eisenspeicher
braucht es weitere 4-6 Monate Eiseneinnahme [3].
► Nach Behebung der Anämie und Auffüllung der Eisenspeicher (Ferritinbestimmung) kann eine
kontinuierliche „prophylaktische“ Eiseneinnahme in Erwägung gezogen werden, wenn die
Ursache für den Eisenmangel nicht behoben werden kann: Menorrhagie, strenge Vegetarier,
Blutspender, Schwangerschaft, Wachstumsschübe bei Kindern oder Jugendlichen [9].
Quellenverzeichnis:
[1] Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin, Leitlinien - Loseblattwerk zur Fortsetzung; Meyer,
Jürgen (Hrsg.); Dierkesmann, Rainer (Hrsg.); Fleig, Wolfgang E. (Hrsg.); Heidrich, Heinz (Hrsg.); Heimpel,
Hermann (Hrsg.); Kern, Winfried V. (Hrsg.); Müller, Otto Albrecht (Hrsg.); Specker, Christof (Hrsg.); Wanner,
Christoph (Hrsg.) ISBN: 978-3-437-22136-1; 2007 Elsevier-Verlag
[2] Juhani Vilpo, Eisenmangelanämie Evidence based Medicine-Guidelines für Allgemeinmedizin 17.04.2005 Artikel
ID: ebd00301 (015.021)
[3] Guidelines and Protocols Advisory Committee; British Columbia, Canada; Investigation and Management of Iron
Deficiency Revised 2004; http://www.bcguidelines.ca/gpac/pdf/irondef.pdf
[4] Rockey DC, Cello JP. Evaluation of the gastrointestinal tract in patients with iron deficiency anemia. N
Engl J Med 2001; 329:1691-1695
[5] National Institute for Clinical Excellence; Wireless capsule endoscopy for investigation of the small bowel - Clinical
Guidance; December 2004; http://www.nice.org.uk/nicemedia/pdf/ip/IPG101guidance.pdf
[6] Goddard AF, McIntyre AS, Scott BB. Guidelines for the management of iron deficiency anaemia. British Society of
Gastroenterology. Gut. 2000;46 Suppl 3-4:IV1-IV5.
[7] Hershko C. Mechanism of iron toxicity. Food Nutr Bull. 2007 Dec;28(4 Suppl):S500-9. Review
[8] Kessler M. Safety of parenteral iron therapy. Nephrol Ther. 2006 Nov;2 Suppl 5:S350-5
[9] Conrad ME. Iron deficiency anemia. EMedicine; 2006; http://www.emedicine.com/med/topic1188.htm
Erstellt am: November 2008
von:
Dr. Simon Kostner für das EBM-Team
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Gesundheitswesen
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