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Il se raconte intimement« Vuillard, wie ihn seine Freunde sahen

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»Il se raconte intimement«
Vuillard, wie ihn seine Freunde sahen
Holger Jacob-Friesen
Er wisse nicht, was das Liebenswerteste an Vuillards Bildern sei,
schreibt André Gide . Vielleicht Vuillard selbst, so fügt er hinzu,
denn seine Darstellungen seien vollkommen persönlich: »Ich kenne
wenige Werke, bei denen das Gespräch mit ihrem Autor unmittelbarer ist.«  Stets sei der Pinsel von den Gefühlen des Malers geleitet,
die äußere Welt immer nur Vorwand der Darstellung. In seinen Bildern erzähle Vuillard von sich selbst, allerdings mit leiser Stimme, so
dass man sich ihm zuneigen müsse, um ihn zu hören. Melancholie
komme dabei zum Ausdruck, jedoch nicht auf eine romantisch
hochtrabende Weise, sondern zurückhaltend, fast schüchtern und
in Alltagskleidung. »Il se raconte intimement«:  Er teilt sich auf eine
innige, verhaltene, sehr private Weise mit. Trotz seines Erfolges sei
Vuillard unruhig und zweifelnd, nie suche er den glanzvollen Auftritt, so Gide. Sein vorrangiges und ständiges Bedürfnis sei Harmonie.
Er vermöge diese herbeizuführen, indem er die Farben seiner Bilder
ebenso intuitiv wie kunstvoll zu erstaunlichem Einklang bringe.
Von Vuillard als Mensch sprechen am intensivsten seine Werke, wie
man aus Gides Worten folgern kann. Die Persönlichkeit des Künstlers tritt aber zweifellos plastischer hervor, wenn man in seine Betrachtung jene Zeugnisse, Charakterstudien und Würdigungen einbezieht, die Freunde, oft noch zu Lebzeiten Vuillards, veröffentlicht
haben. Zu diesen Weggefährten zählen die Maler Maurice Denis und
Jan Verkade, der Schauspieler und Regisseur Aurélien Lugné-Poe,
der Dramatiker Romain Coolus, der Schriftsteller Pierre Véber, der
langjährige Herausgeber der Avantgarde-Zeitschrift »Revue blanche«
Thadée Natanson, die Sängerin Marie-Blanche de Polignac, der
Lyriker Léon-Paul Fargue sowie Vuillards angeheirateter Neffe, der
Künstler Jacques Salomon. Sie alle haben wichtige Bausteine zu einer
Biographie geliefert – Quellen, auf die in diesem Beitrag hingewiesen werden soll. Sehr aufschlussreich sind aber auch die vielen bildlichen Darstellungen, die Vuillard in unterschiedlichen Lebensphasen
und diversen Zusammenhängen zeigen. Sie bilden die zweite Säule
dieses Aufsatzes. Es waren vor allem seine Freunde aus dem Kreis
der »Nabis«, die ihn – teilweise mehrfach und in unterschiedlichen

Abb.  Édouard Vuillard:
Madame Vuillard in ihrem Salon,
, Öl auf Karton, Eremitage,
St. Petersburg
Techniken – festhielten: Pierre Bonnard, Félix Vallotton, Kerr-Xavier
Roussel, József Rippl-Rónai, Maurice Denis und Georges Lacombe,
nicht zu vergessen Odilon Redon und Henri de Toulouse-Lautrec,
die nicht zu den »Nabis« gehörten, ihnen aber eng verbunden waren.
Diese Bilder – evidente und versteckte Porträts, Gruppenbildnisse,
Skizzen und Karikaturen – bringen uns nicht nur die äußere Erscheinung Vuillards näher, sondern geben auch eine Vorstellung von seinem Wesen, seinen Interessen, seinem künstlerischen und intellektuellen Umfeld. Die Kenntnis der Persönlichkeit, wie sie sich aus den
schriftlichen und bildlichen Zeugnissen gewinnen lässt, ist gewiss
nicht hinreichend für ein umfassendes Verständnis des vielseitigen
und komplexen Werks, das Vuillard geschaffen hat. Sie mag den Zugang aber doch erleichtern.
Vuillard sei ein großer Künstler, einer der bedeutendsten der Gegenwart, so schrieb Romain Coolus, bekannt als Autor zahlreicher Theaterstücke, für die Neujahrsausgabe des »Mercure de France« .
Er kenne ihn seit , seit über vierzig Jahren also. Für die weniger
mit ihm Vertrauten sei er nur schwer zu durchschauen, ja im Grunde
ein Rätsel. Das liege daran, dass er nicht viel von seinen Zielen, Vorlieben und Grundsätzen spreche. Er habe eine unüberwindliche Abneigung, etwas von sich selbst preiszugeben. Dabei sei er sehr nachdenklich und könne sich vortrefflich ausdrücken. Doch er äußere
eine Meinung nur dann, wenn er sie lange und intensiv durchdacht
habe. Dieser Wesenszug hänge mit seiner Herkunft aus dem Jura
zusammen, so Coolus. Die Menschen dieser Gegend seien ernsthaft,
bedächtig und wenig mitteilsam. Sie lebten nicht auf den öffentlichen Plätzen, um sich auszutauschen oder Politik zu machen.
Intelligenz und Sensibilität zeichneten Vuillard gleichermaßen
aus und seien auch für sein Werk bestimmend. Dabei gehe Sensibilität in Sensualität über. Diese Sinnlichkeit sei aber – geradezu
paradox – mit einer Art Religiosität gekoppelt. Disziplin und regelmäßige Selbstprüfung könne man als die Folgen seiner strengen religiösen Erziehung ansehen (unter anderem in einer Maristenschule,
wie sich präzisieren lässt). Später habe sich die Frömmigkeit in einen
Hang zu philosophischer Meditation und asketischer Lebensweise
verwandelt. Seine Sinnlichkeit habe daher auch nichts Frivoles, wie
bei vielen seiner Zeitgenossen. Sie sei eher »jesuitisch« – so charakterisiere sich Vuillard lächelnd selbst. Damit dürfte vor allem die
Freude an der konkreten, diesseitigen Realität gemeint sein.
Der Dramatiker und Romancier Pierre Véber war ein alter Schulkamerad Vuillards und gehörte in den neunziger Jahren des . Jahrhunderts – wie Coolus – zum Kreis der »Revue blanche«. Er konnte
auf über fünfzig Jahre Freundschaft zurückblicken, als er  in den
»Nouvelles Littéraires« einen kurzen Artikel über Vuillard veröffentlichte. Anlass war die Wahl Vuillards zum Mitglied der »Académie
des Beaux-Arts«. Der Künstler, der nie nach Ruhm gestrebt habe,
werde die Nachricht von dieser bedeutenden Ehrung gewiss mit
einem kurzen unbekümmerten Lachen aufnehmen, so Véber. Zur
Kandidatur hätten ihn Freunde geradezu zwingen müssen.
Véber beschreibt Vuillard ähnlich wie Coolus: als bescheiden
und zurückhaltend, als geistreich und überaus konsequent in der
Verfolgung seiner künstlerischen Ziele. Doch bei der Deutung seines
Charakters bezieht er sich nicht so sehr auf landschaftliche Herkunft
oder schulische Erziehung. Vielmehr hebt er die Rolle von Vuillards
Mutter hervor: »Er war das dritte Kind einer bewundernswerten
Mutter, die von einem kleinen Betrieb für Damenartikel lebte, der
sich in einem dunklen Zwischengeschoss in der Rue du MarchéSaint-Honoré befand. Dort besuchten wir unseren Freund oft, und
wir brachten Madame Vuillard eine große Zuneigung entgegen, fast
so, als seien wir ihre Kinder. Sie war eine Persönlichkeit von außerordentlicher Lauterkeit und Noblesse. Für unseren Freund hegte sie
eine wundervolle Zärtlichkeit. Sie glaubte an seine Sendung, und
sie widmete sich ihr mit einer Überzeugung und einer Opferbereitschaft, die fast ohne Beispiel sind. Es ist ihr zu verdanken, dass
Vuillard zu dem vollkommenen Künstler wurde, der er ist, und
auch zu dem Mann von rechtschaffener Denkart, von unverfälschtem und freimütigem Charakter, der unsere Sympathie zu erringen
wusste.« 
Abb.  Pierre Bonnard:
Vuillard, von der Seite gesehen,
um , Öl auf Karton,
Privatbesitz
Madame Vuillard war nicht nur fester Rückhalt, sondern auch
»Muse«, wie der Künstler  gegenüber Jacques Salomon äußerte:
»ma maman, c’est ma Muse!«  Ein typisches Interieurbild von 
zeigt die Mutter von hinten, wie sie sich über ein kleines Regal beugt,
in dem Musikalien, wohl vor allem ihre Klaviernoten, aufbewahrt
sind (Abb. ). Das Gemälde ist in einem doppelten Sinne »intim«,
nämlich hinsichtlich des kleinen Formats und des privaten Motivs.
An der Wand links über der Mutter hängt ein Porträt ihres Sohnes
Édouard, das Pierre Bonnard um  gemalt hat (Abb. ): Vuillard ist
streng von der Seite mit gesenktem, nachdenklich wirkendem Blick
dargestellt. Auffällig sind der leuchtend rote Vollbart und das etwas
blondere, sich an der Stirn bereits lichtende Haupthaar. Das rechte
untere Viertel des Gemäldes ist rechteckig ausgespart. Man fühlt
sich dabei an die Programmentwürfe erinnert, die sowohl Bonnard
als auch Vuillard zu jener Zeit im Auftrag des »Théâtre Libre« schufen und die stets mit einem Freiraum für die Besetzung des jeweiligen Theaterstücks versehen sind. Zudem betont dieser Ausschnitt
Waagerechte und Senkrechte – auf diese Weise signalisierten die
»Nabis« gerne die Flächigkeit des Werkes. Auch durchbrachen sie
damit die illusionistische Vorstellung vom Bild als »offenem Fenster«.
Einen ähnlichen Umriss hat ein weiteres kleinformatiges Gemälde Bonnards, das auf »[]« datiert ist und Vuillard mit Zylinderhut zeigt (Abb. ). Das Bild, offenbar eine Straßenszene, ist sehr
malerisch und etwas verschwommen angelegt. Diese Unschärfe verstärkt den Eindruck der Flüchtigkeit. Im nächsten Augenblick werden Vuillard und die Frau im Hintergrund das Bildfeld verlassen
haben. Das kleine Gemälde zeugt von einer Vorliebe Bonnards, die
auch sein Freund Vuillard teilte: die Aufmerksamkeit für die »vie
moderne«. Während die akademischen Künstler der Historienmalerei den Vorzug gaben und die Impressionisten sich überwiegend
der Landschaft widmeten, wandten sich die jungen Künstler nun –
im Anschluss an Edgar Degas – dem zeitgenössischen Leben zu. Mit
großer Freiheit und Delikatesse schilderten sie die Betriebsamkeit
in den Parks und Straßen von Paris sowie die Beschaulichkeit und
zuweilen bedrückende Stille der bürgerlichen Salons.

Biographie
Édouard Vuillard (–)

Édouard Vuillard wird am . November  in
Cuiseaux am Rande des Jura als Kind von JosephHonoré Vuillard, Steuerbeamter und Kapitän der
Marineinfanterie im Ruhestand, und Marie geb.
Michaud, Korsettmacherin, geboren. Er hat zwei
Geschwister: Marie, geb. , und Alexandre,
geb. .

Nach der Pensionierung des Vaters zieht die
Familie nach Paris. Vuillard tritt zunächst in eine
Schule der Ordensgemeinschaft der Maristen ein
und ist ab  Stipendiat des »Lycée Fontanes«
( in »Lycée Condorcet« umbenannt).

Am . April stirbt Joseph-Honoré Vuillard im
Alter von  Jahren.
Vuillard schließt Freundschaft mit den beiden
späteren »Nabis«-Künstlern Kerr-Xavier Roussel
(–) und Maurice Denis (–) sowie
dem Schauspieler und Regisseur Aurélien LugnéPoe (–).

Im Oktober verlässt Vuillard das Gymnasium
und nimmt an Kursen von Diogène Maillart
(–) an der »École libre des Gobelins« teil.
Die Idee einer militärischen Karriere, wie sie
sein Vater und sein Bruder eingeschlagen hatten,
verfolgt er nicht weiter. Seit Mitte der achtziger
Jahre besucht Vuillard regelmäßig den Louvre,
eine Gewohnheit, die er Zeit seines Lebens
beibehalten wird.

Vuillard studiert ab dem . Oktober für sechs
Wochen bei dem Historienmaler Jean-Léon
Gérôme (–). Im November beginnt er
ein Tagebuch, das er bis ins Jahr  führt, wobei
aus der Zeit zwischen  und  keine Hefte
erhalten sind.
Der Maler Paul Sérusier (–) gründet die
»Nabis« (hebräisch: Propheten), zu der zunächst
Pierre Bonnard (–), Henri Gabriel Ibels
(–), Paul Elie Ranson (–) und
Maurice Denis gehören. Zu einem Schlüsselwerk
der Künstlergruppe wird das Bild Der Talisman
von Sérusier (Musée d’Orsay, Paris), das während
eines Aufenthaltes in der Bretagne unter Anleitung
von Gauguin entsteht.

Im Mai des Jahres beteiligt sich Vuillard mit
einem Kreideporträt seiner Großmutter an der
Salonausstellung.
Er leistet vom . November bis zum . Dezember
seinen Militärdienst in Lisieux (Calvados) ab.

Vuillard schließt sich ebenso wie Kerr-Xavier
Roussel dem Kreis der »Nabis« an, zu dem später
weitere Künstler hinzukommen, unter ihnen
Jan Verkade (–), Georges Lacombe
(–), József Rippl-Rónai (–),
Félix Vallotton (–) und Aristide Maillol
(–).

Vuillard besucht Kurse bei Adolphe William
Bouguereau (–) und Tony Robert-Fleury
(–) an der  gegründeten »Académie
Julian«.
Lugné-Poe macht Vuillard im Sommer des Jahres
mit dem Schauspieler Coquelin cadet bekannt,
den dieser in einer Reihe von Aquarellen darstellt
(Kat. , ). Vuillard gestaltet sein erstes Theaterprogramm für das  von André Antoine
(–) gegründete »Théâtre Libre« zu dem
Drama »Monsieur Bute« von Maurice Biollay.

Nach drei vergeblichen Versuchen wird Vuillard
am . Juli an der »École des Beaux-Arts« zugelassen, die er bis zum Sommersemester  besucht.
Maurice Denis publiziert in »Art et critique«
seinen Artikel »Définition du néo-traditionnisme«,
in dem er theoretische Grundlagen der modernen
Malerei formuliert.


Auf Anregung von Coquelin cadet findet zu
Beginn des Jahres eine Ausstellung von Zeichnungen Vuillards statt.
Ab April des Jahres teilt Vuillard ein Atelier mit
Bonnard, Lugné-Poe und Denis in der Rue de
Pigalle . Bereits im Oktober mietet er ein
eigenes Atelier nur wenige Häuser entfernt in
der Rue Pigalle .
Im August/September  beteiligt sich Vuillard
an der »Nabis«-Ausstellung im Schloss von SaintGermain-en-Laye, an der er auch  teilnimmt.
Im Dezember zeigt er Werke in der Pariser Galerie
»Le Barc de Boutteville«, wo er in den folgenden
Jahren häufiger ausstellt. Er lernt die Brüder
Alexandre, Thadée und Alfred Natanson kennen.
Diese übernehmen  die Leitung der 
gegründeten »Revue blanche«, die unter ihrer
Führung zu einer der wichtigsten intellektuellen
Zeitschriften des späten . Jahrhunderts wird
und durch die Vuillard in Kontakt mit bedeutenden
Künstlern und Schriftstellern tritt.
Mit dem Gemälde Au lit (Kat. ) entsteht ein
frühes Hauptwerk Vuillards, dessen betont flächiger
Stil den künstlerischen Vorstellungen der »Nabis«
entspricht.

Im Auftrag des Ehepaars Desmarais entsteht ein
dekorativer Zyklus. Die Desmarais gehören mit
den Natansons, dem Schriftsteller Jean Schopfer
(Pseudonym: Claude Anet) sowie dem Arzt Henri
Vaquez zu den wichtigen Auftraggebern des
Künstlers vor .
Vuillard reist vom . November bis . Dezember
gemeinsam mit Kerr-Xavier Roussel nach Belgien,
Holland und London.

Vuillards Großmutter, Marie Antoinette Désirée
Michaud, stirbt am . Januar (geb. ).
Im Frühjahr und Sommer heiraten verschiedene
Freunde und Bekannte Vuillards: Thadée Natanson
und Misia Godebska, Maurice Denis und Marthe
Meurier, Kerr-Xavier Roussel und Marie, Vuillards
Schwester.

Vuillard beteiligt sich im April an der »Nabis«Ausstellung bei Ambroise Vollard.
Er verbringt den Sommer ebenso wie den des
folgenden Jahres im Landhaus »Le Relais« von
Thadée und Misia Natanson in Villeneuve-surYonne, südöstlich von Paris gelegen. Dort macht
Vuillard erste Aufnahmen mit seiner KodakKamera.
/ entstehen verschiedene Gemälde, die
Misia Natanson in ihrem Salon in der Rue
Saint-Florentin zeigen, darunter das Bild der
Karlsruher Kunsthalle (Kat. ).

Am . November wird die Tochter von Marie
und Kerr-Xavier Roussel, Annette, geboren, die
Vuillard in der Folgezeit häufig darstellt.

Vuillard reist Anfang des Jahres gemeinsam mit
Bonnard nach London. Im April folgt eine weitere
Reise nach Mailand und Venedig mit Bonnard
und Roussel.
Kerr-Xavier Roussel, Édouard Vuillard,
Romain Coolus, Félix Vallotton, /, Fotografie
Im Oktober gründet Vuillard gemeinsam mit
seinem Freund Lugné-Poe und dem Theaterkritiker
Camille Mauclair (–) das avantgardistische
»Théâtre de l’Œuvre«, in dem vor allem Stücke
von Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, Maurice
Beaubourg und Björnstjerne Björnson aufgeführt
werden. Er entwirft in der Folgezeit Bühnenbilder
und lithographierte Programme für verschiedene
Stücke (Kat. –).

Vuillard pflegt einen intensiven Umgang mit Misia
und Thadée Natanson, die er fast täglich besucht.
Er tritt über sie in Kontakt zu Sammlern und
lernt den Schriftsteller Stéphane Mallarmé
(–) kennen.
Vuillard macht die Bekanntschaft des Ehepaars
Hessel. Jos Hessel wird zu einem seiner wichtigsten
Kunsthändler.
Am . Dezember eröffnet Siegfried Bing in
Paris die Galerie »Maison de l’Art nouveau« mit
»Modellräumen«, in denen Vuillard seine fünf
Gemälde umfassende Folge L’album, bemalte
Teller und ein im Auftrag von Tiffany gestaltetes
Fenster zeigt.

Es entstehen erste Lithographien für das Album
Paysages et intérieurs (siehe Kapitel III), das der
Galerist und Kunsthändler Ambroise Vollard
(–) bei Vuillard in Auftrag gibt. Es wird
Anfang  in seiner Galerie gemeinsam mit
Bonnards Mappe Quelques aspects de la vie de Paris
und Maurice Denis’ Amour ausgestellt.
Thadée und Misia Natanson laden Vuillard nach
Valvins bei Paris ein, wo er erstmals im Juli zu
Gast ist.
Vuillard richtet sich ein Atelier in der Rue Drouot 
ein. Gemeinsam mit Bonnard, Sérusier und
Toulouse-Lautrec entwirft er die Dekorationen
für das Stück »Ubu roi« von Alfred Jarry, das im
»Théâtre de l’Œuvre« aufgeführt wird.

Vuillard beteiligt sich an der ersten »Nabis«Ausstellung der Galerie Bernheim-Jeune.
Den Frühling und Sommer verbringt er bei seiner
Schwester Marie und seinem Schwager Kerr-Xavier
Roussel in L’Étang-la-Ville bei Paris.
Ende August bis September ist Vuillard gemeinsam
mit dem Ehepaar Hessel bei den Vallottons auf
Schloss »La Naz« in der Schweiz. Die intensive
Verbindung vor allem zu Lucy Hessel wird bis zu
seinem Tod bestehen bleiben. Das Ehepaar vermittelt Vuillard neue Auftraggeber aus den politischen und geschäftlichen Kreisen von Paris.

Vuillard reist vom . Februar bis . März gemeinsam mit Bonnard und den Brüdern Antoine und
Emmanuel Bibesco nach Spanien. Prinzessin
Hélène Bibesco, die Mutter der beiden, führt in
Paris einen bekannten Salon, in dem Künstler,
Schriftsteller und Musiker verkehren.

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