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Das Angebot erweitern – aber wie? - Daniel Fleischmann

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S P E C T R U M Entwicklung in der Berufsberatung
Das Angebot erweitern – aber wie?
Kein anderes Stichwort aus dem Bericht «Berufsberatung der Zukunft» hat so viel zu reden gegeben wie der Vorschlag nach dem «erweiterten Angebot» in der Berufsberatung. «Ideen, Modelle Erfahrungen, Konsequenzen» waren
das Thema einer Tagung des SVB, welche letztes Jahr in Bern stattgefunden hat. Panorama sprach mit dem Kursorganisator Karl Abegg über die Erkenntnisse dieser Tagung.
Karl Abegg, diplomierter Berufsberater: «Oft
empfinde ich einen Mangel.»
Interview: Daniel Fleischmann
PANORAMA: Sie haben sich im Zusammenhang mit dieser Tagung Gedanken gemacht
zur Frage des erweiterten Angebotes in der
Berufsberatung. Warum ist Ihnen persönlich
dieses Thema so wichtig?
Karl Abegg: Mich hat immer wieder beschäftigt, wie ich an meiner Stelle meine
Arbeit noch besser ausführen kann. Oft
empfinde ich einen Mangel, der über die einzelne Beratungssituation hinausgeht und
nur durch strukturelle Massnahmen behoben werden kann. Dies führt mich dann zu
Überlegungen, wie ein bestimmtes Angebot
in Zukunft gestaltet werden soll. Da liegt es
nahe, sich auch Gedanken zu machen über
die Zukunft der Dienstleistungen in der Berufsberatung und insbesondere über die
Frage des erweiterten Angebotes.
Stichwort «Zukunft der Berufsberatung». Wie
bedeutsam ist für Sie in diesem Zusammenhang der Bericht von Werner Inderbitzin zur
«Berufsberatung der Zukunft»?
Ich halte diesen Bericht nach wie vor als eine fundierte, umfassende Auslegeordnung
über die Berufsberatung mit zukunftsweisenden Perspektiven. Eine davon ist das
Szenario 2. Laut diesem Szenario «reflektiert die Berufsberatung die Entwicklungstendenzen in Wirtschaft und Gesellschaft
und nimmt die Bedürfnisse in Bezug auf
neue Beratungsdienstleistungen und ein
modifiziertes Beratungsverständnis aktiv
auf. Die angestammten, traditionellen Angebote werden weiter gepflegt und qualitativ verbessert. Gleichzeitig aber werden
innerhalb eines zu definierenden Rahmens
neue Leistungen für neue Zielgruppen systematisch entwickelt und auf wettbewerbsfähigem Niveau angeboten».
Dieses Szenario nahm ich auch als Ausgangspunkt für die Tagung in Bern, während
PANORAMA 1/2001
der sich 60 Berufsberaterinnen und Berufsberater aus der Deutschschweiz intensiv
mit diesen Fragen auseinander gesetzt haben. Dabei war mir wichtig, dass nicht nur
Grundsatzfragen, sondern vor allem konkrete Beispiele vorgestellt und diskutiert
wurden.
Wie war nun der Grundtenor an dieser Veranstaltung?
Spürbar wurde bei dieser Auseinandersetzung, dass wir – trotz aller organisatorischen Verschiedenheiten – auf dem Markt
als ein «einziges Unternehmen» wahrgenommen werden, als die «Berufsberatung
Schweiz» mit Filialen in den einzelnen Kantonen ähnlich den Kantonalbanken. Aus
dem Vergleich mit erfolgreichen Unternehmen in der Wirtschaft leitete Eveline Reich,
Leiterin der Berufsberatung St.Gallen, denn
auch die unternehmerischen Herausforderungen für die «Berufsberatung Schweiz»
ab, die ich hier gerne zitieren möchte:
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1. Konzentration auf die Kernkompetenzen:
Beratung, Information und Expertentätigkeit.
2. Netzwerkbildung durch ein national einheitliches Erscheinungsbild, durch die
Harmonisierung der Angebote und die
Bildung regionaler Zentren.
3. Umbau der Strukturen und Abläufen zur
Steigerung der Effizienz und Wirksamkeit.
4. Kundennutzen und Kundenzufriedenheit
als Massstäbe, partizipativer Führungsstil und Förderung der Offenheit gegenüber Veränderungen durch eine innovationsfördernde Unternehmenskultur.
Zurück zum Szenario 2: Wie weit konnte die
Berufsberatung ihr Angebot tatsächlich erweitern? Gibt es Ansätze, die in diese Richtung
gehen?
Ein Modell, dass zweifellos an erster Stelle
erwähnt werden darf, ist das Centre de bilan in Genf. (vgl. Berichte in PANORAMA
SPECTRUM
5/1998). Grégoire Evequoz stellte Konzept
und bisherigen Erfahrungen in einer anschaulichen und nachvollziehbaren Art dar.
In enger Zusammenarbeit mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und den Bildungsverantwortlichen hat die Berufsberatung
Genf ein Zentrum zur beruflichen Standortbestimmung, Abklärung und Evaluation
der Fähigkeiten geschaffen.
Ein weiteres, sehr wichtiges Angebot konnte die Berufsberatung im Oberwallis verwirklichen. Dank zusätzlichen personellen
Ressourcen (primär für die Arbeitslosenberatung) dient dieses neue und sehr umfassende Angebot der Erhebung und der
Validierung von Kompetenzen. So wird ein
Attest ausgestellt, das die in einem praktischen Einsatz erbrachten Fähigkeiten bestätigt, ein Attest, der das durch den Direktor des Amtes für Studien- und Berufsberatung zusammen mit dem entsprechenden Vertreter des Fachverbandes unterzeichnet wird.
Unter den Begriff «erweitertes Angebot»
können auch die Beratungsleistungen für
Firmen (neue Zielgruppe!) erwähnt werden, die das Laufbahnzentrum Zürich anbietet, oder das Engagement der Berufsberatung bei der Realisierung von Angeboten
für das schweizerische Qualifikationshandbuch CH-Q. Zum Teil führen Beratungsstellen selbst Kurse durch, organisieren solche und begleiten sie auf der fachlichen Ebene. Übrigens war die Berufsberatung auch früher schon initiativ, wie die
Schaffung der beruflichen Abklärungsstellen bei der IV bestätigt.
Haben Sie bei Ihren Überlegungen auch die
Wirtschaft einbezogen? Wie würde diese auf
ein erweitertes Angebot reagieren?
Ja. Mir persönlich erscheint der Einbezug
der Wirtschaft als sehr zentral. Es dürfte
nicht genügen, wenn die Berufsberatung
sich nur Gedanken macht über ein erweitertes Angebot ohne den Blick zur Wirtschaft. Deshalb habe ich Herrn Hanspeter
Brun, Personaldirektor der Firma Siegfried
in Zofingen, zum Seminar eingeladen. Der
Bedarf an Unterstützung durch die Berufsberatung beim höheren Kader ist nach Ansicht von Herrn Brun durch bestehende
Personalberatungsfirmen sicher abgedeckt. Im Bereich der mittleren und unteren Personalstufen aber kann er sich vorstellen, vermehrt die Dienstleistungen der
Berufsberatung zu beanspruchen und diese gegen Entschädigung und bei klar festgelegten Spielregeln durchführen zu lassen. Er vermutet, dass dies auch anderen
PANORAMA 1/2001
Firmen und Personalchefs ähnlich gehen
würde, und ermunterte eigentlich, in diese
Richtung weitere Schritte zu unternehmen.
Gibt es bei der Umsetzung dieser und ähnlicher Ideen gemäss Ihren Erfahrungen auch
Probleme oder Schwierigkeiten? Könnte unter Umständen auch einiges mehr getan werden?
Gewiss. Die Schwierigkeiten liegen zum einen Teil bei der Finanzierung, zum andern
aber auch in der Organisationsstruktur der
Berufsberatungsstellen. Sehr anschaulich
stellte dies Herr Brun selber dar, der
gleichzeitig Mitglied des Vorstandes des
Trägervereins der Berufsberatungsstelle
Zofingen ist. Brun wies auf das Dilemma
hin, dass von Markt her neue und innovative Beratungsleistungen durchaus gewünscht oder gefordert wären, von der Trägerschaft her aber eher ein Abbau und eine Kostenverminderung erwartet werde.
Dies erklärt auch, warum bisher im Bereich erweitertes Angebot meines Erachtens innovative Ideen noch zu wenig realisiert werden konnten.
Welches ist Ihr persönliches Fazit aus dieser
Tagung?
Die dreitägige Auseinandersetzung mit dieser Thematik war für alle Teilnehmenden
sicher sehr intensiv und herausfordernd.
Immer wieder kamen Ideen und Vorstellungen auf, die das gewohnte Bild der Berufsberatung stark verändern würden. Andererseits aber ergaben sich auch interessante Perspektiven für eine zeitgemässe,
marktorientierte Berufs- und Laufbahnberatung. Zudem wurde spürbar, dass innovatives Denken, auch wenn es noch so zu
einem Erfolgsfaktor eines Unternehmens
gehört, in der Praxis vorerst einmal mehr
Unruhe und Unsicherheit auslöst. Berufsberaterinnen stellen sich die Frage, wie
weit die neuen Herausforderungen in den
bestehenden Strukturen tatsächlich zu verwirklichen sind. Spürbar wurde auch, dass
es bei aller Verschiedenheit der entwickelten Angebote eine Koordinationsstelle oder
einen Verbund der Angebote über die Kantonsgrenzen hinweg braucht, und dass ein
starker Verband diese fachliche Funktion
übernehmen müsste.
Elargir l’offre – mais
comment?
Aucun autre mot-clé du rapport «L’orientation professionnelle demain» n’a suscité autant de discussions que la proposition d’une
«offre élargie» pour l’orientation professionnelle. Trois ans après la parution de ce
rapport, quelques projets isolés ont été réalisés. Au niveau de l’ensemble de la Suisse,
celui qui sort du lot est le Centre de bilan de
Genève. En étroite collaboration avec les
employeurs, les syndicats et les responsables de la formation, le Service de l’orientation de Genève a créé un centre pour le bilan professionnel, l’identification et l’évaluation des compétences. Dans le centre de
carrières de la ville de Zurich a été également mis sur pied une nouvelle offre de consultation en orientation à destination des
entreprises. Et à divers endroits, l’orientation professionnelle s’est engagée pour la
réalisation d’offres dans le cadre du dossier
suisse de qualification CH-Q. Pour une part,
les services d’orientation donnent euxmêmes des cours, en organisent ou les accompagnent au niveau professionnel.
Comme une journée de l’ASOSP l’a montré
au mois de mai passé, ce ne sont pourtant
que des services isolés qui sont dans la situation «d’élargir leur offre». Les raisons en
sont multiples. Le développement d’offres
compétitives sur le marché et la formation
des professionnels qui y sont nécessaires représentent des investissements que seuls
quelques cantons ou services sont prêts à
fournir. Il manque de plus une coordination
au niveau suisse pour le développement
d’une offre élargie. Si la consultation en
orientation professionnelle ne veut pas se
laisser réduire à une offre de prestations limitée, il faut aussi que des pas soient franchis au niveau intercantonal, qui permettraient un élargissement de prestations coordonnées et perceptibles pour le public dans
tous les cantons. Il est apparu clairement
lors des trois journées de mai que face à la
diversité de l’offre développée une harmonisation de l’offre par-delà les frontières cantonales était souhaitable. Cette harmonisation postule une association forte, qui pourrait en prendre la direction professionnelle.
DF/RA
Besten Dank für das Gespräch.
Karl Abegg ist dipl. Berufsberater bei der kantonalen Berufsberatung Zug. Er engagiert sich für den
SVB im Bereich der An- und Weiterbildung von
Berufsberaterinnen und Berufsinformatoren.
Adresse: Berufsberatung Kanton Zug, Baarerstrasse 21, 6300 Zug; Tel. 041 728 32 18,
E-mail: karl.abegg@dbk-zg.ch
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