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Lesen: Ein Buch ist wie ein Garten

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Lesen: Ein Buch ist wie ein Garten
Vorlesenachmittag im CC am 13.06.2013
Das war ein fein gestimmter Termin, abwechslungsreich, unterhaltsam, informativ – der
Vorlesenachmittag am 13. Juni 2013
, wie er dem Niveau des Civilclubs entspricht. Die Wahl
der vorgestellten Bücher war vollkommen frei, und so kam es denn auch zu angenehmen
Überraschungen.
Dr. Renate Loos stellte mit „Madame Bovary“ einen Romanklassiker von Gustave Flaubert vor,
wie er den bürgerlichen Realismus im Frankreich des 19. Jahrhunderts prägte. Ihre Analysen
waren klar durchdacht und präzise formuliert und vermittelten Einblicke in ein „Sittenbild aus der
Provinz“.
Wie anders der Vortrag von Eva Wildeman über die Doppelbiografie von Adele Schopenhauer
(Schwester des Philosophen) und Sybille Mertens – „Geschichte einer Liebe“ von Angela
Steidele, auch die Geschichte zweier früh emanzipierten Frauen, in deren Leben auch Annette
von Droste-Hülshoff hinein spielt.
Von brennender Aktualität war die Autobiografie von Isabelle Neulinger „Meinen Sohn bekommt
ihr nie“, die Doris Stern gelesen hatte. Die Jüdin gerät in Israel der Liebe wegen unter den
Zwang ultraorthodoxer Juden, dem sie sich nur durch „Flucht aus dem gelobten Land“
entziehen kann, im Kofferraum ihren Säugling. Das ist Atem beraubend erzählt und zeigt
dramatisch den Zwiespalt in einem scheinbar modernen Land auf.
Und dann wurde noch ein richtiger Bestseller präsentiert: „Er ist wieder da“ von Timur Vermes
wurde 400 000 Mal verkauft (Stand Februar). „Er“ wird nicht genannt, aber jeder weiß, dass
damit Adolf Hitler gemeint ist, der Krieg, Selbstmord und Verbrennung überlebt hat und in Berlin
auf einem Trümmergrundstück wieder aufwacht. „Er“ wird nun mit dem modernen Leben
konfrontiert und gibt dazu seine Sprüche von gestern ab. Das muss man nicht lesen und schon
gar nicht kaufen, kommentierte Erhard Obermeyer diesen Bestseller, der auf Dauer nichts
weiter als öde sei. Als Kontrapunkt dazu hatte er eine packende Reportage über die „Monument
Men“ mitgebracht, in der Robert M. Edsel die Jagd am Ende des letzten Krieges nach
versteckter und geraubter Kunst schildert, als sei er dabei gewesen. Perfektes Drehbuch zu
einem Film.
Der Lesenachmittag wurde souverän moderiert durch Carmen Schleiermacher, die mit einem
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Lesen: Ein Buch ist wie ein Garten
bedenkenswerten Zitat einführte: Ein Buch ist wie Garten, den man in seiner Tasche trägt. Ein
Lesenachmittag – nicht nur für Damen, die Herren zu zählen, brauchte man nicht mal eine
Hand. Interessieren sich die männlichen Mitglieder des Civilclubs nicht fürs Lesen, nicht für
Bücher? Dabei hat diese ganz ursprüngliche Bildungsquelle 1775 Pate gestanden bei der
Entstehung des Clubs. Am 10. Oktober beim nächsten Vorlesenachmittag können sie die
Damen vom Gegenteil überzeugen. E. O.
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Seele and Geist
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