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Kopf oder Bauch? – wie Gefühle wieder fliessen Psychiatrische

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Informationen der
St.Gallischen Psychiatrie-Dienste Süd
Nr. 2 / Juni 2008
Kopf oder Bauch? – wie Gefühle wieder fliessen
Psychiatrische Arbeit im Altersheim
Compliance in der psychiatrischen Behandlung
www.psych.ch
Editorial
Ausbau ambulanter und
teilstationärer Angebote
Liebe Leserinnen und Leser
«Zeit ist nämlich der grösste Erneuerer» formulierte der englische Philosoph
und Staatsmann Francis Bacon im Jahr 1625. Damit schrieb er dem Gang der
Dinge eine Kraft zu, die unwiderstehlich auf Veränderung drängt. Wenn die
Psychiatrie-Dienste Süd ihren strategischen Weg ändern, das PsychiatrieZentrum Werdenberg-Sarganserland seinen Standort wechselt und sein bestehendes Angebot um Tagesklinik, Begleitetes Einzelwohnen und Case
Management erweitert, trägt dies den veränderten Ansprüchen der psychisch
Kranken Rechnung. Der Anspruch auf Qualität wird nicht zugunsten der
Quantität aufgegeben, sondern gezielt erweitert. Zwischen beflissenem und
stetigem Ausbau und vorsichtigem Bewahren des Alten öffnet sich ein neuer
Gestaltungs- und Behandlungsraum. Bewährtes bleibt und Neues tritt hinzu.
Die Art und Weise wie behandelt wird, ist stetem Fortschritt unterworfen. Er
begleitet die Psychiatrie-Dienste Süd durch ihre 160 Jahre währende
Geschichte. Vermehrte Beachtung der dezentralen und wohnortnahen
Behandlung, verstärkter Miteinbezug des Lebensumfeldes der Patienten,
gezielte ambulante und teilstationäre vor stationärer Therapie, Erhalten und
Gewinnen von Arbeitsplätzen kennzeichnen die jüngere Ausrichtung in der
psychiatrischen Patientenversorgung.
Mit dem Umzug des Psychiatrie-Zentrums Werdenberg-Sarganserland von
Sargans nach Trübbach werden Voraussetzungen geschaffen, um eine moderne
Behandlung anbieten zu können. Die innere und äussere Umgestaltung der
ehemaligen Kauf-Fabrik ist schlicht und einfach, ordnet sich den Inhalten der
Behandlungsarbeit unter. Mit verbesserter Infrastruktur und gut ausgebildeten
und erfahrenen Mitarbeitenden in Ambulanz und Tagesklinik sieht das
Psychiatrie-Zentrum Werdenberg-Sarganserland einer qualitativ hochwertigen
Arbeit entgegen. Vieles wird neu, aber die alte Frische soll bewahrt und die
Patientenarbeit Tag für Tag bedeutungsvoll sein.
Manches wird anders, aber die Grundhaltung bleibt: Die Psychiatrie-Dienste
Süd sind für ihre Patienten da!
Jutta Reiter
Medizinische Leiterin Zentrum Werdenber-Sarganserland
Die 2006 erfolgte strategische Neuausrichtung mit der
Neuformulierung des Ziels, die Patienten – wenn
immer möglich – wohnortnah zu behandeln, hat zu
einem rasanten Ausbau und einer regen Inanspruchnahme der Angebote in den regionalen PsychiatrieZentren geführt. Von den Psychiatrie-Diensten Süd am
besten versorgt ist mittlerweile das Rheintal. In der
Folge scheint sich als Trend abzuzeichnen, dass mit
der Zunahme der Behandlungen in der Region weniger Patienten zu stationären Behandlungen in die
Klinik St.Pirminsberg eingewiesen werden müssen
(Abnahme der Eintritte in die Klinik aus dem Rheintal
um 16 Prozent seit 2004).
Stark zugenommen hat aber die Zahl stationärer
Behandlungen von Patienten aus dem Fürstentum Liechtenstein (von 60 im Jahre 2005 auf 99 im 2007). Einen zunehmenden Anteil der Eintritte in die Klinik St.Pirminsberg
Nachhaltige Führung
im Alltag leben
In der Unternehmenspolitik der Psychiatrie-Dienste
Süd ist formuliert, dass das Arbeiten transparent
gestaltet wird. Dazu gehört auch die Führungsarbeit
auf allen Stufen. Die Führungsstruktur soll zudem
erlauben, dass Kompetenzen und Verantwortung auch
in untere Ebenen delegiert werden können. Ein
bestimmtes Führungskonzept wird nicht vorgeschrieben. Festgehalten wird, dass Mitarbeitende ein Recht
haben, miteinbeziehend geführt zu werden.
Mit Führungsgrundsätzen soll sichergestellt werden, dass
die Führungskultur auf allen Stufen sich auf eine gemeinsame Philosophie abstützt und weiterentwickeln kann. Die
Grundsätze sollen auch von neuen Führungspersonen, gleich
ob sie extern oder intern rekrutiert werden, unterstützt und
mitgetragen werden. Erst dann können sie sich nachhaltig
entwickeln und wirksam sein.
machen die Wiedereintritte aus (2007: gut 58 Prozent). Bei
fortschreitender Verkürzung der Hospitalisationsdauer drückt
die Zahl der Wiedereintritte vor allem aus, dass in der Klinik
im Wesentlichen Kriseninterventionen durchgeführt werden. Die Patienten sollen so rasch wie möglich wieder in
ihrer gewohnten Umgebung Fuss fassen können und ambulant weiter behandelt werden. Die in den 90-er Jahren begonnene Auslagerung stabilisierter psychisch behinderter
Langzeitpatienten in Heime hat dazu geführt, dass Ende
2007 lediglich noch zwei Personen mit einer Aufenthaltsdauer von über einem Jahr in der Klinik weilten (im Vergleich
dazu: im Jahre 2004 waren es noch 12).
Nachwuchsprobleme bei den Ärzten
Seit Jahren fehlt es den Psychiatrie-Diensten Süd an einheimischen Ärzten. Bislang konnten die Lücken mehrheitlich
durch die an der Schweizer Psychiatrie interessierten deutschen Kollegen geschlossen werden. Durch sie haben wir in
mehrfacher Hinsicht profitiert: Sie brachten neue Ideen in
unsere Institution ein, leisteten hervorragende Arbeit und
nicht wenige blieben uns als Kaderärzte oder als privat praktizierende Kollegen in der Region erhalten. Ein ähnlich gravierender Ärztemangel in Deutschland hat die dortigen
Politiker gezwungen, umfangreiche Verbesserungen der
Anstellungsbedingungen vorzunehmen. Die Auswirkungen
haben wir im 2007 schmerzlich erfahren: Trotz intensiver
Werbung und Insertion in Fachmedien konnten nicht alle aus
Weiterbildungsgründen wegziehenden Assistenzärzte sofort
wieder ersetzt werden. Nun arbeiten vor allem Ärzte österreichischer Herkunft bei uns. Zum Zeitpunkt der Drucklegung
des «postscriptums» stammen von den 25 Assistenzärzten
sechs aus der Schweiz, neun aus Österreich, vier aus
Deutschland, zwei aus dem Fürstentum Liechtenstein, je
einer aus Serbien, Bosnien, Russland und Polen/Jordanien.
Thomas Meier, Chefarzt
Führungsgrundsätze könnten beispielsweise folgende
Aussagen beinhalten:
• Die Patienten- und Kundenorientierung ist auch in der
Führungsarbeit wegweisend. Dazu zählt die aktive und
positive Zusammenarbeit von allen Berufsgruppen ohne
jeweiligen Anspruch auf das eigene Expertenwissen.
• Für die stetige Weiterentwicklung der Qualität haben
Führungspersonen eine Verantwortung für die ständige
Weiterentwicklung ihrer anvertrauten Mitarbeitenden.
• Jede Führungsperson trägt auch eine Mitverantwortung
für die Weiterentwicklung des anvertrauten Teams als
Ganzes. Dazu zählt auch die Förderung der Selbstverantwortung und der Kreativität von Mitarbeitenden,
welche sich für die ganze Institution positiv auswirken
soll.
• Grundsätzlich wollen alle Mitarbeitenden eine «lernende
Organisation» gestalten und dafür sollen Führungspersonen eine «Fehlerkultur» zulassen, die es erlaubt, dass
aus Erfahrungen ein positives Lernen ermöglicht wird.
• Es ist selbstverständlich, dass Führungspersonen eine
Vorbildfunktion für die Mitarbeitenden und die ganze
Umgebung übernehmen.
• Die Entscheide von Führungspersönlichkeiten und von Führungsgremien müssen transparent entstehen und kommuniziert, aber vor allem auch verbindlich umgesetzt werden.
In der aktuell bestehenden Führungskultur der PsychiatrieDienste Süd besteht ein Potential für Verbesserungen. Dafür
sollen Grundsätze und begleitende Massnahmen definiert
und umgesetzt werden, um sich weiterzuentwickeln. Dass
dafür – wie übrigens für die Führungsarbeit ganz allgemein –
auch Zeit und Ressourcen zur Verfügung gestellt, bzw. der
Freiraum von einzelnen Führungspersönlichkeiten geschaffen
und genutzt werden muss, ist selbstverständlich.
Das Management-Team hat sich zur Aufgabe gemacht, die
Führungsgrundsätze in intensiven Diskussionen festzulegen.
Im Rahmen des Projektes «Nachhaltige Führung» werden die
Grundlagen, die Instrumente sowie die Unterstützungsaktivitäten für die Führungsarbeit entwickelt und anschliessend im Alltag integriert. Die Wirkung dieses Engagements
wird sich künftig in der Qualität der Dienstleistungen, in der
Mitarbeiterzufriedenheit und in der gelebten Führungskultur
zeigen. Wenn die gelebten Grundsätze einen positiven
Beitrag zur Weiterentwicklung der internen Kultur, die sich
heute bereits auf hohem Niveau befindet, leisten können,
haben sie sich bewährt.
Thomas Feierabend, Organisationsberater, www.thfeierabend.ch
2|3
Psychiatrie-Zentrum Rheintal
Sich professionelle Hilfe holen
Die Anmeldung im Ambulatorium des PsychiatrieZentrums Rheintal erfolgt durch einen Arzt, durch eine
Institution, durch die Patienten selbst oder aber auch
durch nahestehende oder betreuende Angehörige.
Von der Patientenadministration wird zunächst die
grundlegende Problematik erfragt. Am Tag darauf
erfolgt dann die Terminvergabe durch einen psychotherapeutisch ausgebildeten Mitarbeitenden, der aus
einer der nachfolgenden Berufsgruppen stammt: Ärzte,
Psychologen, Sozialarbeiter oder Psychiatriepfleger.
Um aufzuzeigen, wie von Betroffenen die Behandlung und
Beratung in unserem Ambulatorium im Psychiatrie-Zentrum
Rheintal erlebt wird, haben wir einzelne Patienten gebeten,
über ihre persönlichen Eindrücken zu berichten.
Karl Hagen, Oberarzt und Leiter Ambulatorium
47-jähriger Mann der nach Jobverlust, Umzug und
gleichzeitiger Trennung von der Partnerin mit depressiven Symptomen reagiert.
Wie haben Sie es erlebt hierher zu kommen?
Für mich war es ein schwieriger Schritt, mich hier anzumelden und zuzugeben, dass ich Hilfe brauche. Wer gibt dies
schon gerne zu? Ich habe mich gut aufgenommen gefühlt,
sowohl persönlich als auch durch die Institution.
Was haben Sie in der Behandlung als hilfreich erlebt?
Die Gespräche über meine Lebenssituation und meinen
Alltag habe ich als sehr hilfreich erlebt. Es ist eine besondere Unterstützung, mögliche Fallen, in die man im Alltag
reintappen kann, im Vornherein zu besprechen und somit
darauf gefasst zu sein. Ebenfalls hilfreich war die Rückmeldung, dass selbst wenn man im Alltag wieder bestimmte Sachen nicht geschafft hat, also in eine «Falle» getreten
ist, dies trotzdem in Ordnung ist. Zu erkennen, dass die
Therapie ein Prozess ist, in welchem man auch Fehler
machen darf und es nicht schlimm ist, wenn ein solcher passiert, hat mir sehr geholfen. Die Einnahme der Medikamente
habe ich als aktive Handlung erlebt, mit welcher ich jeden
Tag etwas zur Genesung beitragen konnte.
Was würden Sie im Nachhinein anders machen?
Ich würde mir früher Hilfe holen.
Was haben Sie als schwierig, behindernd erlebt?
In der Therapie merkt man eine geraume Zeit nicht, dass
sich die Situation verändert. Auch das Gefühl im Inneren
braucht lange, bis man merkt, dass sich etwas bewegt. Bei
einer Lungenentzündung kann man mit Antibiotika nach wenigen Tagen eine Verbesserung spüren, bei Kopfschmerzen
verspürt man eine Stunde nach Einnahme der Tablette eine
Verbesserung. Für mich war es schwierig, dass die Situation
über längere Zeit, im Vergleich zur Lungenentzündung oder
den Kopfschmerzen, auf unbefriedigendem Niveau stecken
blieb. Meine Erwartungen wären gewesen, dass es schneller besser geht. Anfangs hatte ich zweimal pro Woche eine
Therapiestunde, später wöchentlich und noch später dann
alle zwei Wochen. Als die Intervalle verlängert wurden,
habe ich mich ein bisschen alleingelassen gefühlt.
Was würden Sie jemand anderem raten in einer ähnlichen Situation?
Sich schneller professionelle Hilfe zu holen, weniger den
Freundeskreis und Verwandte mit den eigenen Problemen zu
belasten, da dies schwierig sein kann. Bei der Überlegung,
bei wem ich mir Hilfe hole, sollte es jemand von aussen
sein, der mit mir wenig emotional verbunden ist und dadurch
weniger belastet wird durch meine Probleme.
Was konnte mitgenommen werden ins Leben, in den
Alltag?
Die Entspannungsübungen haben einen festen Platz in meinem Alltag gefunden. Als es mir sehr schlecht ging, konnte
ich mit Hilfe der Therapie meinen Tagesrhythmus beibehalten und dadurch aus meinen vier Wänden herauskommen.
Ich weiss nicht, ob ich ohne diese Hilfe heute so weit wäre,
wie ich es jetzt bin. Es geht mir deutlich besser, als vor
einem halben Jahr, der Unterschied ist wie Tag und Nacht.
Wie geht es weiter?
Im Moment bin ich fast zufrieden. Ich bin zuversichtlich,
einen neuen Job zu finden und damit wäre ich dann ganz
zufrieden. Ich weiss nicht, ob ich heute ohne Hilfe und
Unterstützung so weit wäre.
39-jährige Frau mit einer Ausbildung zur Kauffrau,
danach Heirat. Nach der Geburt des ersten Kindes
Aufgabe der Arbeit und Übernahme der Betreuung von
Familie und Haushalt. Es folgte eine Ehekrise und
dann die Trennung. Die Folge: Depression.
Wie haben Sie es erlebt hierher zu kommen?
Vor der ambulanten Behandlung war ich in der Klinik
St.Pirminsberg in Pfäfers. Der stationäre Aufenthalt bedeutete für mich eine Wende in meinem Leben, ich konnte die
Weichen neu stellen und entsprechend meine nächsten konkreten Schritte planen. Mit in diese Planung gehörte unter
anderem die Weiterbehandlung im Psychiatrie-Zentrum. Mit
der Rückkehr nach Hause musste ich wieder Verantwortung
für mich und meine Kinder übernehmen. Es waren grosse
Schritte in meinem Alltag, in meinem Leben.
Was war hilfreich in der Behandlung?
Während des stationären Aufenthaltes hatte ich einen
«behüteten» Raum. Im ambulanten Rahmen habe ich immer
dann Hilfe bekommen, wenn ich diese gebraucht und
gewollt habe. Dies einzufordern war meist von meiner eigenen Initiative abhängig. Ich hatte Glück: in der Klinik wie
auch im Psychiatrie-Zentrum habe ich immer die richtige
Person für mich als Unterstützung vorgefunden. Zusammenhänge erkennen und «Knöpfe» lösen - in all den Jahren
konnte ich von einer neutralen Gesprächsumgebung mit derselben Therapeutin profitieren. Wertvoll waren für mich
weiter, dass ich via Praktikum meinen Einstieg ins
Berufsleben finden, sowie in der Kunsttherapie die Freude
am Malen und kreativen Ausdruck wieder entdecken konnte.
Was würden Sie jemandem raten, dem es schlecht geht?
Als Kind und als Frau hatte ich eine grosse Sehnsucht nach
Geborgenheit. Diese Geborgenheit hatte ich auf dem Weg
verloren und somit auch die Kraft in mir selbst. Prägende
Ereignisse hinterlassen bei uns Menschen ihre Spuren…
Wenn jemand psychisch angeschlagen ist, rate ich, professionelle Hilfe zu suchen.
Was können Sie aus der Therapie in den Alltag mitnehmen?
Die letzten Monate waren für mich eine Zeit des Auf- und
Umbruchs, Zeit der Unsicherheit. In der Therapie lernte ich,
meinen eigenen Wahrnehmungen und Gefühlen zu trauen.
Ich setzte mich mit mir, meinen Fähigkeiten und Schwächen
auseinander. Dabei gelang es mir neue Strategien auszuprobieren, eigene Muster zu akzeptieren und anzunehmen.
Die Interviews führten: Juliane Emmerich, PG Psychologin und
Monika Filliger, Dipl. Sozialarbeiterin
4|5
Psychiatrie-Zentrum Rheintal
Projekt zur interinstitutionellen
Zusammenarbeit
von links Iris Reifler (IIZ Vertreterin RAV Heerbrugg), Klaus Kemmerling
(Oberarzt und Bereichsleiter Tagesklinik Psychiatrie-Zentrum Rheintal),
Hedy Margelisch (Geschäftsleiterin Businesshouse und Sohomet),
Silvia Hermann (Projektleiterin und Case Managerin PsychiatrieZentrum Rheintal), Nebojsa Spasojevic (Medizinischer Leiter
Psychiatrie-Zentrum Rheintal), Urs Laubscher (Einsatzprogrammleiter
Integra Plus), Walter Abderhalden (Leiter Qualität und Prävention AfA)
Im Rahmen der neuen Dienstleistungen des Case
Managements ist die Re-Integration in den Arbeitsmarkt ein wichtiger Bestandteil. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Amt für Arbeit und
dessen Organisationen kann dieser Eingliederungsprozess für Patientinnen und Patienten optimiert werden. Grobziel des laufenden Projekts ist eine engere
Zusammenarbeit und gegenseitige Nutzung von
Synergien zwischen den am Re-Integrationsprozess
beteiligten Partnern und dem Psychiatrie-Zentrum
Rheintal. Die Abläufe der Wiedereingliederungen sollen vereinfacht und optimiert werden.
Um die kantonseigenen Ressourcen möglichst effizient zu
nutzen, wurden bereits im Jahr 2007 erste Kontakte auf
Geschäftsleitungsebene geknüpft. Die Auswertungen einer
Bedarfserhebung vom März 2008 mit den Beteiligten des
RAV Heerbrugg und Sargans, den beiden Verzahnungsprogrammen Sohomet und Integra Plus sowie dem Amt für
Arbeit zeigten ein grosses Bedürfnis nach gegenseitiger
Unterstützung und unkomplizierter Zusammenarbeit auf.
In einem ersten Schritt wurden mittels Pilotprojekt zwischen
RAV, Sohomet und dem Psychiatrie-Zentrum Rheintal die
Schnittstellen definiert. Dabei sollen auf dem Weg die
Prozesse des Zusammenarbeitens verbessert und gemeinsame Zielvereinbarungen für Patientinnen und Patienten des
Psychiatrie-Zentrums erarbeitet werden. Eine Auswertung
wird Ende 2008 erfolgen.
Des Weiteren soll durch das Zentrum Rheintal stufenweise
ein Stabilisierungs-Konzept zur Re-Integration in den Arbeitsmarkt erstellt werden, welches den individuellen Prozess der
Genesung bei Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung berücksichtigen und fördern kann.
Silvia Hermann, Projektleiterin und Case Managerin
Kopf oder Bauch?
Wie Gefühle wieder fliessen
Schon der Gedanke daran sich tänzerisch zu bewegen, ist meistens mit Mühe und Angst besetzt. Wenn
man sich bewegt, spürt man den Körper, spürt man
sich selbst. Dieses «sich selbst Spüren» hat in unserer gestressten und leistungsorientierten Gesellschaft
kaum mehr Platz. Beim Tanzen stehen auf einmal
Gefühle und Bedürfnisse im Raum, die vielleicht nicht
mit den Erwartungen anderer oder den eigenen überein stimmen.
In der Bewegungstherapie lernen Patienten, ihren Körper
und ihre Bedürfnisse wieder zu spüren. Durch sanfte, langsame Bewegungen lernen sie den eigenen Körper zu beobachten: Spannung und Entspannung, Atmung und Atembewegung, welche Haltung wirkt auf mich offen, welche verschlossen? Je mehr die eigene Körperwahrnehmung geschult ist, desto schneller kann man diese auch in emotional
schwierigen Momenten einsetzen. Dazu ein Beispiel:
Jemand ist wütend auf Sie und sagt Ihnen das ganz direkt.
Was geschieht in Ihrem Körper? Wie verändert sich Ihre
Haltung? Atmen sie noch? Welche Muskeln ziehen sich
zusammen? Was passiert, wenn sie sich kurz Zeit nehmen
und bewusst versuchen, die Spannung durch gelöstes
Atmen wieder loszulassen?
In der Tanztherapie hört man oft den Satz: «Oh, muss ich da
tanzen? Das kann ich nicht!» In der Tanztherapie geht es
nicht darum, Tanzschritte zu lernen; es gibt kein Richtig oder
Falsch, kein Können oder Versagen. Die Bewegung ermöglicht einfach die Erfahrung des eigenen Rhythmus, der Lebensfreude, der Umwelt, der eigenen Kraft und Kreativität.
Verspannte Körper und erstarrte Gefühle beginnen wieder
langsam zu fliessen und sich auszudrücken…
Manon Rordorf, Tanz- und Bewegungstherapeutin
6|7
Psychiatrie-Zentrum
Werdenberg-Sarganserland
«Ich weiss nicht, ob es besser werden wird,
wenn es anders wird, aber soviel ist gewiss,
dass es anders werden muss, wenn es gut
werden soll!» G. CH. Lichtenberg
Die ganze Bandbreite des Arbeitsalltages des Leiters
Infrastruktur und Organisation im Regionalen Zentrum
zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Noch schwieriger ist es, die jeweiligen Schnittstellen zwischen
Verantwortlichkeits-, Förderungs-, Koordinations- und
Führungsaufgaben in Abgrenzung zu den Aufgaben
der Zentrumsleiterin deutlich zu formulieren. Zusätzlich zum üblichen Tagesgeschäft beansprucht der
geplante Standortwechsel des Psychiatrie-Zentrums
von Sargans nach Trübbach. Umbauplanung, Möblierung und die Klärung unzähliger Details bezüglich der
gesamten Infrastruktur stehen an. Parallel dazu erfolgt
der Aufbau der neuen Tagesklinik und die Rekrutierung des entsprechenden neuen Mitarbeiterteams.
Mein Arbeitstag beginne ich in der Regel vor dem offiziellen
Morgenrapport: Sitzungen werden vorbereitet, E-Mails
beantwortet, Patientengespräche geplant. Im Rapport des
Teams Ambulatorium erfolgt ein regelmässiger Informationsaustausch zu neu eingetretenen Patienten und den
Leiter Infrastruktur und
Organisation – ein Arbeitsbericht
entsprechenden medizinischen Details. Natürlich wird
manchmal auch über das Einhalten von Ordnungsregelungen,
Pünktlichkeit und Vereinbarungen geredet. Der weitere Verlauf des Arbeitsalltages kann jetzt je nach anfallenden
Arbeiten und Aufgaben recht unterschiedlich geprägt sein.
Unterstützt von den Zentralen Diensten erfordert das Erstellen des Budgets immer wieder die Anpassung an die
gegebenen Voraussetzungen und dementsprechend viel
Fingerspitzengefühl, Genauigkeit und die Fähigkeit Entwicklungen einschätzen zu können. Als Kontrollinstrument
zur laufenden Überprüfung gelten die Erstellung einer
monatlichen Abrechnung und die regelmässigen Budgetsitzungen. Eingehende Rechnungen werden kontrolliert,
visiert und danach zur Auszahlung weitergeleitet.
Die Zeiterfassung sämtlicher Mitarbeitenden des Zentrums
werden jeweils Ende Monat eingefordert, überprüft und an
die Zentralen Dienste weitergeleitet. Der Bereitschaftsdienst (jeweils eine Therapeutin bzw. ein Therapeut ist täglich für Notfallsituationen verantwortlich) wird organisiert
und geplant, damit ein reibungsloser Ablauf gewährleistet
ist und Patienten noch am gleichen Tag einen ersten
Gesprächstermin mit einer Fachperson bekommen.
In Absprache mit der Zentrumsleitung werden Personalanforderungs-Anträge erstellt und Ausschreibung von
Stelleninseraten formuliert. Die Organisation von Vorstellungsgesprächen, Mitentscheidung in der Vorauswahl und in
der Personalselektion sowie die Erstellung von jeweiligen
Arbeitsverträgen in Absprache mit internen Personalfachleuten gehören ebenso dazu. Der Aufwand an Kosten und
Zeit für die kontinuierliche Weiterbildung unserer Mitarbeitenden sind reglementiert; entsprechende Anträge werden
gemeinsam mit der Zentrumsleiterin besprochen, verfasst
und der Verlauf regelmässig geprüft.
In regelmässigen Informationssitzungen wird dem gesamten
Mitarbeiterteam von Neuerungen auf allen Ebenen berichtet,
dazu wird eine Traktandenliste erstellt und die Sitzung ausgerichtet auf diese geleitet. Teamsupervision ist ein wichtiges Instrument um «Sand im Getriebe» möglichst frühzeitig
zu erkennen und Konflikten vorzubeugen. Damit wird eine
gute Zusammenarbeit gefördert und das Kerngeschäft am
Patienten kann optimal ausgeführt werden. Regelmässige
Retraits (Rückzug des gesamten Teams aus dem Tagesgeschäft
zur Reflektion) sind ein wichtiges Gefäss um strategische
Ziele und Entscheide zu verankern, Teamprozesse intensiv zu
fördern und Anpassungen an veränderte Bedingungen zu
thematisieren. Gemeinsam mit der Zentrumsleiterin werden
diese Retraits vorbereitet und geleitet. Zur Förderung der
Feedback- und Teamkultur legen wir grossen Wert auf die
Nutzung der vorhandenen kommunikativen Instrumente
wie: Rapporte, Teamsupervision, Retraits und «GöttiSystem» (bestehende Mitarbeitende der jeweiligen Berufsgruppe führen neue Mitarbeitende ein und begleiten diese).
Die Wahl geeigneter Götti und die detaillierte Planung und Umsetzung der entsprechenden Aufgaben erfordert viel Zeit.
Eine wichtige Voraussetzung für den täglichen reibungslosen Arbeitsablauf im Psychiatrie-Zentrum ist eine optimale
räumliche und technische Infrastruktur. Dabei geht es um
das Überprüfen und Beantragen von Neuanschaffungen,
Offerten einholen, Wartungs- und Reparaturaufträge erteilen, bis zur Glühbirne, die ersetzt werden muss. Je nach
Wichtigkeit und Umfang des Objektes sind Investanträge
oder das Einholen von Einzel- oder Kollektivunterschriften
notwendig. Zum Wohle unserer Patienten und unserer Mitarbeitenden werden unsere Räume auch mit ansprechenden
Bildern und Kunstgegenständen ausgestattet. Dies erfordert Planung, Verhandlungsgeschick und gelegentlich auch
das Organisieren einer Vernissage.
Die Apotheke des Zentrums wird nach den kantonalen Bestimmungen geführt und setzt regelmässige Absprachen
mit der ärztlichen Leitung voraus. Wöchentlich bestelle ich
die Medikamente und das ergänzende Verbrauchsmaterial
auf elektronischem Weg. Jährlich wird eine aktuelle
Inventarliste und eine Abrechnung erstellt.
Parallel zum umfangreichen Leistungsauftrag als Leiter
Infrastruktur und Organisation arbeite ich aber noch mit
Patienten (ca. 30 Prozent). Ich führe Einzeltherapien, recht
häufig auch Paartherapien mit Schwerpunkt Sexualtherapien durch; ergänzend auch psychiatrische Fallbesprechungen bei Spitex, Pro Infirmis und weiteren Institutionen.
In unserem Zentrum haben wir ein gutes und professionelles
Mitarbeiterteam und eine hervorragende Zusammenarbeit
aller Beteiligten. Unserer Zukunft in Trübbach sehe ich hoffnungsvoll entgegen.
Florian Eggenberger
Bereichsleiter Infrastruktur/Organisation und Sozialtherapeut
8|9
Psychiatrie-Zentrum Linthgebiet
Konsiliarärztliche Arbeit im Altersheim
Viele Bewohner in Alters- und Pflegeheimen behalten
ihren angestammten Hausarzt bei, so dass in den
Heimen nicht ein zentraler Ansprechpartner als
«Heimarzt» fungiert, sondern oft eine Vielzahl niedergelassener Ärzte die Bewohner eines Heims betreuen.
Psychiatrische Betreuung erfolgt normalerweise
nicht «aus eigenem Antrieb» der Patienten oder auf
Wunsch des Pflegepersonals, sondern auf dezidierte
Anforderung des betreuenden Hausarztes. Diese konsiliarärztliche Tätigkeit leisten Fachärzte unserer
regionalen Psychiatrie-Zentren in Alters- und Pflegeheimen vor Ort.
Vor knapp einem dreiviertel Jahr trat ich meine jetzige Stelle
als Oberarzt und Leiter des Ambulatoriums im PsychiatrieZentrum Linthgebiet in Uznach an. Eine meiner Aufgaben ist
die alterspsychiatrische Tätigkeit vor Ort. Wie das konkret
aussehen würde, konnte ich mir gar nicht richtig vorstellen.
Daher war ich sehr neugierig und gespannt, auf was für
Situationen ich denn nun treffen würde.
Die Fragestellungen in diesen Konsilien sind sehr verschiedenartig. Da sind Patienten mit langer psychiatrischer Vorgeschichte, bei denen eine Anpassung einer vorhandenen
Medikation ansteht. Zumeist haben die Patienten voher
wenig oder keinen Kontakt zur Psychiatrie gehabt. Sie wurden bisher vom Hausarzt, auch mit Psychopharmaka, behandelt. Der Altersgruppe entsprechend betreffen viele Fragenstellungen die Behandlung einer Demenz sowie deren
Begleitsymptome (Aggressivität, Ängstlichkeit, Schlafstörungen) aber auch Depressionen, die vor dem Hintergrund
der aktuellen persönlichen Lebenssituation und Lebensphase
der Patienten verständlich sind. Viele Patienten haben schon
eine, teilweise länger bestehende, Vormedikation mit Benzodiazepinen (Beruhigende und angstlösende, aber abhängigkeitserzeugende Medikamente). Als besondere Herausforderung der Alterspsychiatrie ist bei der medikamentösen
Behandlung zu berücksichtigen, dass Aufdosierungen von
Medikamenten häufig sehr viel vorsichtiger zu handhaben
sind und «paradoxe Reaktionen» auf Wirkstoffe eindeutig
häufiger auftreten, als bei jüngeren Patienten.
Der wesentliche erste Schritt bei der Behandlung ist (und da
bildet die Alterspsychiatrie keine Ausnahme) natürlich die
Erfassung des «Problems» des betroffenen Menschen sowie
seiner Lebenssituation. Sehr oft zeigt sich im anschliessenden Gespräch mit den Betreuenden, dass Hilfen zur
Orientierung, bewusst langsame Gestaltung von Abläufen,
Anpassungen des Tageslaufes an die persönlichen Bedürfnisse des Betroffenen und weitere nicht-medikamentöse Massnahmen noch weiter verbessert und genutzt werden
könnten. Ältere Patienten auf Psychopharmaka einzustellen
kann manchmal sehr aufwändig sein und erfordert viele kleine Anpassungen. Oft ist in der akuten Einstellungsphase auf
ein Medikament fast täglicher telefonischer Kontakt mit den
Betreuenden nötig, ohne deren Beobachtung und Rückmeldung eine gute Medikamenteneinstellung nicht möglich
ist. Ich habe sehr positive Erfahrungen mit Mitarbeitenden
in Heimen machen können, konstruktive Kooperation ist an
vielen Orten eine Selbstverständlichkeit.
Hausarzt sinnvoll. Allerdings benötigt es auch die Zusammenarbeit der Ärzte. Bereits bestehende Krankheiten, wie Bluthochdruck oder Stoffwechselstörungen, die vom Hausarzt
behandelt werden, bedürfen einer Anpassung der psychopharmakologischen Behandlung. Die Zahl der Hausärzte, mit
denen eine derartige fruchtbare Zusammenarbeit erfolgt,
nimmt stetig zu. Ich hoffe, dass die Scheu vor der Psychiatrie
in der Zukunft weiter abgebaut werden kann, um noch mehr
Patienten vor Ort fachärztlich-psychiatrisch versorgen zu können. Dadurch kann die medizinische Versorgung der Patienten
generell verbessert (und damit deren Lebensqualität) und in
manchen Fällen eine Zustandsverschlechterung bis zur psychiatrischen Hospitalisierung vermieden werden. Insofern sehe
ich in der ambulanten psychiatrischen Versorgung in den
Heimen für die Zukunft ein wachsendes, anspruchsvolles
Betätigungsfeld, auf das ich mich auch weiterhin sehr freue.
Olaf Holle, Oberarzt und Leiter Ambulatorium
In vielen Situationen in den Alters- und Pflegeheimen ist
die Hinzuziehung des psychiatrischen Facharztes durch den
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Klinik St.Pirminsberg
Suizidalität – darüber sprechen hilft!
Aufgrund von präventiven Massnahmen ist die Zahl
der Suizide pro Bevölkerungsgruppe seit den 80-er
Jahren rückläufig. Trotzdem sterben in der Schweiz
jedes Jahr 1400 Personen durch Suizid; Männer häufiger (2,5 mal) als Frauen. Rund 12'000 Menschen beanspruchen in der Schweiz jedes Jahr wegen Suizidversuchen ärztliche Behandlungen, drei- bis viermal
mehr bleiben ohne Hilfe. Wer einmal in einer Lebenskrise einen Suizidversuch unternommen hat, stirbt mit
grosser Wahrscheinlichkeit nie durch Suizid (nach
einem Suizidversuch bleiben rund 25 Prozent der
Betroffenen noch über einige Zeit suizidgefährdet,
«nur» 10 Prozent der Überlebenden sterben irgendwann tatsächlich durch Suizid). Rückblickend können bei bis zu 70 Prozent aller durch Suizid Verstorbenen depressive Erkrankungen festgestellt werden.
Suizidimpulse sind Zeichen eines depressiven
Geschehens.
Beziehung schützt vor Suizid
Zentrales Element von Suizidprävention ist die Beziehung:
Menschen, die sich in einer existentiellen Krise befinden,
müssen erfahren, dass sie anderen wichtig sind. Sagen
Sie dies Betroffenen in Ihrem Umfeld! Teilen Sie Ihre
Gefühle (insbesondere die Angst, es könnte zu einer Kurzschlusshandlung kommen) mit und suchen Sie gemeinsam
mit den Betroffenen nach Lösungen. Professionelle Unterstützung auf anonymer Basis bietet rund um die Uhr die
«Dargebotene Hand», Tel.143 an.
An Suizidimpulsen leidende Menschen schämen sich oft
ihrer Gedanken und wagen nicht, darüber zu sprechen.
Werden sie nach Selbsttötungsgedanken befragt, erzählen
sie von ihrer Angst, die Kontrolle über sich zu verlieren,
plötzlich «etwas Dummes» zu tun. Manche erleben
Suizidimpulse wie eine fremde Macht, die sie zu überwältigen droht. Die Möglichkeit sich mitzuteilen, ohne wegen der
belastenden Gedanken verurteilt zu werden, wird als Hilfe
empfunden. Wer einen Suizidversuch begangen hat, fühlt
sich anschliessend oft erleichtert über die Tatsache, die
Handlung überlebt zu haben. Rückblickend schildern die
Betroffenen ihren Zustand während der suizidalen Handlung
als ein «Überwältigt werden von Hilflosigkeit», eine Art
Traumzustand, in dem nur noch die Selbsttötung als Lösung
gesehen werden kann, oft mit der Vorstellung, danach in
einer besseren Welt ohne Sorgen wieder aufzuwachen.
Das Phänomen der gedanklichen Einengung auf die Möglichkeit, sich das Leben zu nehmen, basiert einerseits auf
persönlichen lebensgeschichtlichen Besonderheiten, andererseits auf psychischen Krankheitszuständen. So wissen wir,
dass über aktuelle psychische Erkrankungen hinaus die
Belastung durch Suizide in der eigenen Familie, ein früher
einmal begangener Suizidversuch, eine aktuelle Krisensituation, der Verlust wichtiger Beziehungen oder der Arbeitsstelle sowie soziales Isoliertsein in besonderem Masse zu
Selbstgefährdung führen können. Bei den aktuellen psychischen Krankheitszuständen sind es vor allem Depressionen,
Abhängigkeitserkrankungen, Schizophrenien, Panikerkrankungen und Persönlichkeitsstörungen die mit suizidalen Handlungen einhergehen. Die Suizidgefährdung ist direkt abhängig
von der Zahl vorhandener Risikofaktoren. Besonders gefährdet sind also alleinstehende, sozial desintegrierte psychisch
destabilisierte Menschen, die unter den sich ihnen aufdrängenden Suizidgedanken leiden. Zur Einschätzung des Risikos
ist wichtig, die mögliche Gefährdung direkt anzusprechen
und auch nach Vorbereitungshandlungen sowie dem
Vorhandensein von Hilfsmitteln zum Suizid zu fragen.
Das Erfassen der Suizidgefährdung und das Behandeln der
dazu Anlass gebenden psychischen Störungen tragen in
hohem Masse zur Verhütung von Selbsttötungen bei. In den
Psychiatrie-Diensten Süd wird neben dem offenen Gespräch
mit den Patienten auch eine die verschiedenen Risikofaktoren
erfassende und gewichtende Skala genutzt (Objektive
Einschätzung der Basissuizidalität nach Cutcliffe/ Barker,
2004). In der Suizidprävention ist das Anbieten einer verlässlichen therapeutischen Beziehung besonders wirksam.
Dazu gehört, in Abständen von längstens wenigen Tagen,
regelmässige Kontakte zu vereinbaren und von Termin zu
Termin Abmachungen im Sinne von Lebensverträgen («NonSuizid-Verträge») zu treffen. Damit sprechen wir die Selbstkontrolle der Patienten an und unterstützen sie auf ihrem
Weg zur Gesundung. Die Tatsache, dass die Verfügbarkeit
gefährlicher Mittel die Gefahr der Selbsttötung massiv
erhöht, ist wissenschaftlich eindeutig erwiesen. Es gehört
mit zur erfolgreichen Suizidprävention, beispielsweise
gefährliche Medikamente oder Schusswaffen aus dem
Haushalt zu entfernen.
Beispiel einer betroffenen Frau: Nach dem Abklingen einer
schizophrenen Ersterkrankung wird der jungen, bisher
erfolgreich berufstätig gewesenen jungen Frau bewusst,
dass ihr Leben nicht mehr im bisherigen Stil weitergehen
wird. Sie wird immer mehr von gedrückter Stimmung und
Zukunftsängsten geplagt und sucht eine Woche nach der
Entlassung wieder die Klinik auf, um sich bei der Reintegration ins Leben unterstützen zu lassen. Wegen eines
plötzlich auftretenden Unwohlseins verlässt sie eines
Morgens die Arbeitstherapie, kehrt auf die Rehabilitationsstation zurück. Dort befällt sie der Impuls, aus dem Fenster
zu springen, um sich der übermächtigen Sorgen ein für allemal zu entledigen. Sie steigt über die Fensterbrüstung und
hängt sich ans Geraniengitter. In dem Moment wird der
Patientin bewusst, was sie tut. Sie will zurückklettern, findet aber nicht mehr die Kraft, sich hoch zu ziehen und kann
sich nur noch fallen lassen. Sieben Meter tiefer bleibt sie
mit schweren Verletzung liegen.
Die Suizidthematik stellt für Angehörige eine ausserordentliche Belastung dar. Psychisch kranke Menschen, die über
ihre Suizidgedanken zu sprechen wagen, erleben oft, dass
Angehörige aus Überforderung mit gereizten Bemerkungen
und dem Appell «sich zusammen zu reissen» reagieren. Dies
wiederum führt in der Regel dazu, dass Kranke nicht mehr
über ihre Not sprechen. Umso wichtiger ist, dass die
Fachleute auch an die Angehörigen denken und sie mit in
die Behandlung einbeziehen, ihnen im Wissen der Patienten
Informationen über deren Krankheit und den richtigen
Umgang damit zukommen lassen.
Und ist es tatsächlich zu einem Suizid gekommen, dürfen die
Angehörigen auf keinen Fall im Stich gelassen werden. Der
Verlust eines geliebten Menschen durch Suizid führt bei den
Angehörigen regelmässig zu Selbstanklagen und leider auch
oft zu Schuldzuweisungen durch Drittpersonen. Viele Angehörige leiden auch Jahre danach noch unter dem erlebten
Trauma und der erfahrenen gesellschaftlichen Ächtung.
Thomas Meier, Chefarzt
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Klinik St.Pirminsberg
Compliance in der
psychiatrischen Behandlung
Ein Drittel der von Ärzten verordneten Medikamente
werden nicht eingenommen. Es gibt verschiedene
wissenschaftliche Untersuchungen, die das Patientenverhalten überprüften. Bei Menschen mit Bluthochdruck beispielsweise fand man heraus, dass nur die
Hälfte der Arzneimittel korrekt und regelmässig angewendet werden. Selbst bei lebensnotwendigen Medikamenten liegt die Compliance-Rate unter 50 Prozent.
Diese Unzuverlässigkeit hat oft negative Auswirkungen auf die Krankheitsverläufe der Patienten und
damit auch auf die Kosten des Gesundheitssystems.
«Compliance» ist das Fachwort für Therapietreue und beschreibt das Ausmass der Bereitschaft und des Befolgens
von Behandlungsempfehlungen durch die Patienten. Die
Problematik macht sich insbesondere auch in der Behandlung
von psychiatrischen Erkrankungen bemerkbar. Schlechte
Compliance führt oft zu schwereren Beeinträchtigungen
oder Behinderungen mit Einfluss auf Arbeitsfähigkeit, Beziehungen im sozialen Umfeld und Häufigkeit von Hospitalisationen. Obwohl es viele Strategien und standardisierte
Programme zur Verbesserung der Compliance gibt, greifen
diese nur zu einem gewissen Teil, denn die Ursachen sind
komplex.
Im Beipackzettel eines Medikaments zur Reduktion des
Cholesterinwertes werden mehr als zwölf Nebenwirkungen
genannt. Ein Patient, der dieses Medikament wegen eines
erhöhten Risikos für Gefässerkrankungen einnimmt und an
den Folgen dieser Erkrankung gerade nicht sehr leidet, wird
sich genau überlegen, ob er diese Nebenwirkungen für einen
nur potenziellen und nicht direkt erlebbaren Nutzen einnehmen will. Ganz ähnlich ist es bei vielen psychiatrischen
Erkrankungen und deren Medikation. Durch psychische
Krankheiten sind oft wesentliche Funktionen des Gehirns
verändert. Betroffen sind vor allem Wahrnehmung, Beurteilung von Sachverhalten und zeitlichen Abläufen oder auch
die Planung des eigenen Handelns. Oftmals können
Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen aufgrund dieser Einschränkungen gar nicht verstehen, wie ihre Störung
zu erklären ist oder wie und weshalb Medikamente helfen
sollen. Aufgrund dieser eingeschränkten Urteilsfähigkeit ist
auch die Vermittlung von Informationen über diese Erkrankungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten sehr schwierig.
Weitere Einflussfaktoren auf die Behandlungstreue sind
das Bedürfnis nach Kontrolle und Selbstbestimmung sowie
die irrtümliche Vorstellung über Ursachen und Behandlung
der eigenen Erkrankung. Auch der Einfluss von Angehörigen,
Freunden und Arbeitskollegen behindert die Compliance.
Daneben haben religiöse Überzeugungen, Sozialstatus und
Bildungsniveau einen Einfluss. Jeder Patient bewertet die
eigene Therapie unter Einfluss dieser verschiedenen
Faktoren.
Eine verbesserte Compliance kann auf verschiedene
Weisen erreicht werden: Wichtig ist eine gute Arzt-PatientBeziehung, die regelmässig, vertrauensvoll und verlässlich
ist. Behandlungsanweisungen sollen verständlich, überschaubar und einfach sein. Auch in der Behandlung von
psychiatrischen Störungen gibt es Möglichkeiten, die
Compliance zu verbessern: Schon längere Zeit existiert die
Psychoedukation (standardisierte Unterrichts- bzw. Schulungsprogramme) die den Patienten adäquate Informationen
über ihre Erkrankung, Therapiemöglichkeiten und Risiken
geben um die Krankheit besser zu verstehen und besser mit
ihr umgehen zu können.
In der Klinik St.Pirminsberg werden seit Jahren Strategien
angewendet, um die Compliance zu verbessern. Dazu gehören
neben der Schulung des medizinischen und pflegerischen
Fachpersonals auch eine transparente Abstimmung und
eine klare Haltung in den Behandlungsteams. Über Einzelgespräche, Gespräche mit Angehörigen und auch Gruppengespräche, werden Informationen zu Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten möglichst adäquat und direkt an
die Betroffenen weitergegeben. Ergänzend dazu wurde die
Informationsbroschüre «Medikamentöse Behandlung von
psychischen Störungen» verfasst, die sämtlichen ambulanten und stationären Patienten abgegeben wird.
Michael Kammer-Spohn, Leitender Arzt Allgemeine Psychiatrie
Mitarbeiter-Chor
Ethisches Konsil
Chorgesang gehört einfach zum Hause St.Pirminsberg!
Stellen Sie sich vor: die ersten Benediktinermönche
vor 1000 Jahren mit ihren liturgischen Gesängen.
Frühgregorianische Hymnen gewachsen aus vielen
Formen alter Musikkulturen (Palästina, Griechenland,
Rom, Byzanz, Syrien, Gallien). Melodien so fremd und
doch vertraut. St.Pirminsberg klang schon immer und
es klingt immer noch: Wir Mitarbeitenden der Klinik
singen seit nunmehr 15 Jahren in den alten Gemäuern. Wöchentlich zumeist, wenn auch mit Unterbrüchen. Manchmal stehen wir zu dritt, manchmal zu
fünfzehnt rund um den antiken – mittlerweile wunderbar renovierten – Flügel. Und unsere Erkenntnis lautet: Singen tut gut, singen lüftet durch, singen schafft
Nähe, singen macht Freude! Stress und Benommenheit verfliegen!
Wenn sich in einer aktuellen Behandlungssituation
eine Pflegefachperson oder ein Stationsteam mehreren gleichermassen verpflichtenden ethischen Forderungen gegenüber sieht, die sich aber gleichzeitig
ausschliessen, spricht man von einem ethischen
Dilemma. Die Einberufung eines Ethisches Konsils
ermöglicht eine gemeinsame Suche nach den besseren Argumenten um dadurch zu einem gemeinsamen
Behandlungsentscheid zu finden. Nicht der Streit um
das bessere Argument zählt dann, sondern jeder hilft
dem anderen sein unter Umständen besseres Argument zu formulieren.
Wie gut sind wir? – Weder «speziell interessiert» noch
«hochkarätig». Einfach gerne dabei! Was singen wir? – Hier
einige Beispiele: Rock My Soul (Gospel), Nobody Knows
(Negro), Bona Nox (Schelmenlied von Mozart), Guantanamera, Michelle Ma Belle (Beatles), El Condor Pasa,
Hemmige (Mani Matter), Chorlied aus dem tiefen orthodoxen Russland, die Lorelei, Weihnachtslieder – darunter auch
eins von Peter Reber, Urchiges aus dem Glarnerland und
dem Bernbiet, Mendelssohn, Bach. Wo singen wir? – Am
Flügel im Musiksaal. Wann singen wir? – Immer dienstags
von 12.00 bis 13.00 Uhr.
Und seit Kurzem unterstützt uns ein begeisternder und erfrischender Chorleiter: Rolf Spalinger aus Walenstadt. Wen
wollen wir einladen und ansprechen? Ganz einfach jedermann: Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, Gäste, Interessierte –
auch Menschen, die als Patienten in der Klinik weilen, sind
herzlich willkommen! Seid alle willkommen!
Daniel Strub, Leitender Arzt Spezialisierte Psychiatrie
Beispiel aus dem Klilnikalltag: Ein 70-jähriger Patient wird
von Polizeibeamten zur Aufnahme in die Klinik St.Pirminsberg
gebracht. Soziale Isolation, Verwahrlosung mit deutlichen
Anzeichen von Unterernährung und ausgeführte Handlungen, die für die Menschen in seiner Umgebung nicht
nachvollziehbar waren, lösten einen fürsorgerischen Freiheitsentzug aus und zwangen ihn in eine stationäre Behandlung. Auf der Behandlungsstation verhält sich der Patient
ruhig, berichtet davon verfolgt und vergiftet zu werden und
lehnt jede Form von körperlicher Untersuchung oder notwendiger Pflegemassnahmen ab, wie zum Beispiel Blutabnahme, Medikamenteneinnahme, Nahrungsaufnahme. Er
brauche keine Hilfe, sei nicht krank und zu Unrecht in die
Klinik gebracht worden. Das Dilemma des Behandlungsteams besteht in diesem Fall zwischen dem Beachten des
Selbstbestimmungsrechts des Patienten und der Pflicht,
nicht zu schaden. Soll nun eine Infusionsbehandlung oder
alternativ eine Zwangsernährung per Sonde durchgeführt
werden? Welches ist nun für den Patienten und das
Pflegeteam der richtige Weg? Wie würden Sie entscheiden?
Seit Januar 2008 kann in der Klinik St.Pirminsberg jedes
Mitglied eines Behandlungsteams bei Bedarf ein Ethisches
Konsil beantragen. Innerhalb von zwei Tagen wird dieses
dann einberufen. Teilnehmende sind die behandelnden
Ärzte, die Pflegebezugspersonen und – soweit möglich –
Sozialarbeiter, Psychologen, Therapeuten und Seelsorger.
Unter professioneller Moderation analysieren und beraten
die Teilnehmenden des Konsils die aktuelle Situation nach
einem bewährten 7-Schritte-Modell. Ziel ist ein gemeinsamer Entscheid, der im Anschluss an das Konsil dem
Patienten, den Angehörigen und dem übrigen Behandlungsteam mitgeteilt und anschliessend umgesetzt wird.
Christine Weis, Oberärztin und André Kurmann, Pflegefachmann
Moderatoren bei Ethischen Konsilien
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Klinik St.Pirminsberg
Jeder Mensch hat seine Geschichte…
…und jeder möchte sie erzählen. Eine Lebensgeschichte, die nicht wahrgenommen wird, ist eine
traurige Geschichte. Die Würde und Einzigartigkeit
jedes Menschen erfordert ein aufmerksames
Zuhören. Als katholische Seelsorgerin in der Klinik
St.Pirminsberg, habe ich die Aufgabe und auch die
Ehre, Anteil an diesen Lebensgeschichten zu erhalten! Ich habe Zeit, mich dazu zu setzen und Raum für
die Anliegen der Patienten zu geben. Dabei zeigt sich
immer wieder, dass das christliche Menschenbild
einen wohlwollenden Zugang zum Anderen ermöglicht, egal welcher Religion oder welchem Gedankengut ein Mensch sich verpflichtet fühlt.
Viele Menschen haben heutzutage ein eher negatives
Vorverständnis von Kirche oder Christentum. Was sie hingegen durchaus suchen, ist ein offenes Ohr und Verständnis
für ihre Fragen. Schnell zeigt sich in einem Gespräch, ob ein
Glaube an Gott oder eine höhere Macht vorhanden ist und
eventuell verstärkt oder aktiviert werden könnte. Aber schon
das aufmerksame Zuhören, vermag zu einer wesentlichen
Entspannung in einer Krise beizutragen.
Meine Aufgaben sind vielfältig: Älteren Menschen bringe
ich die Kommunion ans Bett oder wir feiern kleine Wortgottesdienste auf den jeweiligen Stationen. Interessant ist,
dass selbst bei schwerer Demenz, bekannte, eingeübte
Gebete und Gesänge bei den Patienten ein Gefühl von
Heimat aufkommen lassen. Auch das Entzünden einer Kerze,
das einander die Hände reichen, vermag Geborgenheit und
Trost zu schenken. Manchmal stossen auch jüngere Menschen
oder Angehörige zu den Andachten dazu und sie sind nicht
selten überrascht, wie wohltuend ein Segen, ein Bibelwort
oder die konkrete Zusage Gottes im Zeichen des Brotes zu
sein vermag. Das Zusammenkommen und gemeinsame Feiern
hat zudem stärkenden und auch relativierenden Charakter,
da jeder aus seiner Vereinzelung herausgerissen wird.
Gefragt, welches spezifische Angebot die Seelsorge in das
therapeutische Angebot der Klinik mit einbringt, kann geantwortet werden, dass wir Seelsorger «die Türe der Hoffnung»
und die Chance zur «Verwandlung des Leidens» offen zu halten suchen. Und zwar nicht aus unserer eigenen Kraft, sondern weil Gott die Menschen immer schon zuerst geliebt
hat. Nebst Medikamenten, Gesprächs- und anderen
Therapien, versuchen wir Seelsorgenden Zeugen dieser
Hoffnung zu sein. Die seelisch-geistige Dimension bietet
Palliativ Care,
begleiten bis zum
Lebensende
selbst dann noch Wachstums- und Erneuerungsmöglichkeiten, wenn alles Andere festgefahren scheint. An meinen
zwei Arbeitstagen in der Woche erlebe ich höchst abwechslungsreiche Begegnungen. Da gibt es zum Beispiel die muslimische Frau, welche jeweils in die Klosterkirche gehen und
dort laut mit mir beten möchte. Vorher und nachher erzählt
sie von ihrem Schicksal als Asylantin, ihren chronischen
Leiden und die schwierige Situation daheim. Da gibt es den
psychotischen Mann, welcher mich ganz überraschend um
ein Rollenspiel bittet, in welchem er selbst den Part des
Teufels und ich jenen von Jesus übernehmen soll. Im Verlauf
dieses «Spiels» zeigt sich dann, dass der Patient wissen
will, wie er seine eigenen dunklen Seiten und Sehnsüchte
annehmen und in sein zutiefst christlich geprägtes Leben
integrieren kann. Es gibt auch die junge Frau, welche
Kontakt mit den Geistern Verstorbener hat und mich fragt,
ob das normal sei. Viele Menschen plagen auch Schuldgefühle, die sie einfach nicht los werden; wie jene alte
Dame, welche glaubt, sie müsse in der Hölle schmoren, weil
sie ihr Leben sinnlos mit Alkohol verwirkt hat. Überhaupt
haben sehr viele Menschen Fragen zu übersinnlichen
Bereichen und sie sind froh, wenn sie ganz natürlich und vertraulich über diese Dinge sprechen können.
Wie ist mit all diesen Fragen umzugehen? Wir Seelsorger in
den Kliniken verfügen in der Regel über eine fundierte
Ausbildung in den Bereichen Theologie und Psychologie. Es
ist manchmal ein schmaler Grat zwischen Religion und
Aberglauben, zwischen den von Patienten als echt empfundenen Stimmen, Ängsten und Vorstellungen und einer menschenfreundlichen Bibelauslegung, welche wirklich der liebenden Offenbarung Gottes zu dienen vermag. Nicht selten
muss ich auch auf falsche Vorstellungen hinweisen und versuchen sie zu korrigieren.
Als Seelsorgerin in der Klinik St.Pirminsberg darf ich eine
wertvolle und ergänzende Funktion ausüben. Denn es ist ein
Privileg, Zeit zu haben und flexibel und durchaus auch mal
unkonventionell auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können. Hier erfüllt sich auch das Grundanliegen
Jesu, nämlich stets nahe bei den Menschen und gleichzeitig
bei seinem Vater im Himmel zu sein. Und deshalb bin auch
ich gerne mit dabei.
Sabine Zgraggen, Seelsorgerin
Ist Palliativ Care in den St.Gallischen PsychiatrieDiensten Süd überhaupt ein Thema? Ja, seit Bestehen
der Klinik St.Pirminsberg gab und gibt es Patienten,
die aufgrund einer schweren körperlichen Erkrankung
während ihres Aufenthaltes in der Klinik sterben. Die
Begleitung von sterbenden Menschen fordert die
Pflegenden sowie die Mitarbeitenden aus dem
Bereich Medizin auf ganz spezielle und anspruchsvolle Weise. In kaum einer anderen Lebensphase ist
die individuelle Betreuung und Pflege eine so grosse
Herausforderung. Damit diese professionell und in
einem kontinuierlichen Qualitätsprozess erbracht
werden kann, haben die Psychiatrie-Dienste Süd ein
Konzept zur Palliativ Care erstellt.
Dieses Konzept ist Grundlage und gleichzeitig Instrument zur
Umsetzung der palliativen Betreuung in der Klinik
St.Pirminsberg, ermöglicht eine bessere Reflektion und
erleichtert neuen Mitarbeitenden den Zugang. Viele der formulierten Elemente sind heute bereits fester Bestandteil in
der Begleitung von Sterbenden. Definitionen von optimalen
Prozessabläufen ermöglichen eine langfristige Qualitätssicherung. Ziel ist es, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich
mit dem Thema Palliativ Care in einem anhaltenden Prozess
auseinandersetzt und den Behandlungsstationen beratend
zur Seite steht. Dies kann nur in enger Zusammenarbeit mit
den interdisziplinären Teams (Arzt, Pflege, Sozialdienst,
Seelsorge, Psychologe) und den Angehörigen gelingen.
Gerade die aufmerksame und sorgfältige Betreuung und
Begleitung von Angehörigen erweist sich als besonders
wichtig: Trauer, Abschiednehmen und Loslassen werden mit
ihnen bewusst thematisiert und bearbeitet.
Die Palliativ Care der Psychiatrie-Dienste Süd orientiert sich
an den vorhanden Strukturen der «Spitalregion 2», mit der
eine enge Zusammenarbeit in diesem Bereich angestrebt
wird. Auch zur «Arbeitsgruppe Palliativ Care» der «Pizol
Care» bestehen enge Verbindungen. Mit dem «Palliativnetz
Ostschweiz» ist ebenfalls eine Vernetzung geplant.
Herbert Fasolt, Abteilungsleiter Memory-Klinik
Wenn eine schwere Krankheit fortschreitet, so bringt dies
sowohl körperliches als auch seelisches Leiden mit sich.
Doch selbst wenn Heilung nicht mehr möglich ist, kann
noch manches getan werden. Das Leiden kranker
Menschen lindern – in jedem Alter und bei welcher
Diagnose auch immer – damit sie bis zu ihrem Lebensende
im Kreise ihrer Angehörigen wirklich leben können: das ist
der Sinn von Palliative Care. www.paliativ.ch
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Aktuell
Klinik St.Pirminsberg ist
anerkannter Culinarium-Betrieb
Der in St.Gallen domizilierte Trägerverein «Culinarium»
koordiniert die Interessen seiner Mitglieder im Bereich Regionalmarketing. Er unterstützt die Träger von
Regionalmarketing- oder Absatzförderungsprojekten,
insbesondere die Zusammenarbeit zwischen der
Landwirtschaft und den Wirtschaftssektoren in den
Regionen. Um ein Culinarium-Betrieb zu werden, müssen strenge Auflagen bis in die ganze Logistikkette
der Lieferanten erfüllt sein. Dem Bereich Gastronomie
der Klinik St.Pirminsberg wurde im April 2008 das entsprechende Zertifikat überreicht.
Die Wertschöpfung in den Regionen fördern, erhalten und erhöhen; den Absatz von regionalen Erzeugnissen sichern und steigern und breite Bevölkerungsschichten für Produkte und
Dienstleistungen aus den Regionen sensibilisieren. Das sind die
Ziele des Vereins Culinarium, welche mit den Zielen der modernen Gastronomie in der Klinik St.Pirminsberg übereinstimmen.
Das Gütesiegel Culinarium garantiert:
• Hochwertige landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der
Region
• Gesicherte Wertschöpfung in der Region – für die Region
• Kurze Transportwege
• Unabhängige Kontrolle und Produktezertifizierung
• Garantierter Mindestanteil von 50 Prozent der Zutaten
mit regionaler Herkunft
• Rückverfolgbarkeit der Zutaten bis zum
Ursprungsproduzenten
Die Klinik St.Pirminsberg bekennt sich zu regionalen Produkten und Lieferanten. Als Konsequenz dieser gelebten
Philosophie entstand im Verlaufe des vergangenen Jahres
eine Zusammenarbeit mit dem Trägerverein Culinarium. Das
Resultat dieser erfolgreichen Zusammenarbeit liegt nun in
Form eines Zertifikates vor, welches bestätigt, dass der
Gastronomiebetrieb der Klinik St.Pirminsberg nach den
Richtlinien des Trägervereins Culinarium arbeitet. Dafür
mussten intensive Gespräche mit geeigneten Lieferanten
geführt und danach verbindliche Vereinbarungen getroffen
werden. Die Zertifizierung hat schlussendlich auch Einfluss
auf die ganze Menü-Planung. Saisonalität bleibt bei uns
kein Werbeslogan, sie ist in unserer Speiseplanzusammensetzung wiederzufinden.
Am 9. April 2008 zeichnete uns die neutrale Zertifizierungsstelle ProCert Safety AG, Bern, als erste Psychiatrie der
Schweiz mit dem Label «Culinarium – Genuss aus der Region»
aus. Eine Spitzenleistung unserer Gastronomie!
Sandro Ursch, Leiter Zentrale Dienste
«Europameisterschaft»
der Zentralen Dienste
Beim Tischfussball, Torschiessen und bei kniffligen Wissensfragen wetteiferten die Mitarbeitenden im Marstall um den
«Europameistertitel der Zentralen Dienste». Der genussvolle
Abend – mit Partnerinnen und Partnern – stand unter dem
Motto «Bei uns startet die EM schon heute». In LänderGruppen eingeteilt, musste die EM-Tauglichkeit unter
Beweis gestellt werden. Am Ende konnte sich das spanische
Team mit Debi, Monika, Harry und Theo gegen die österreichische Mannschaft durchsetzen und verdientermassen den
Pokal entgegennehmen – begleitet von tosendem Applaus.
Herzlichen Glückwunsch!
Für besondere Unterhaltung sorgte der Komiker Pierre, der
die Gäste am Anfang als Securitas aufschreckte und dann als
Schiedsrichter für einen reibungslosen Ablauf der Meisterschaft sorgte. Für die Verpflegung standen zahlreiche Stände
mit Spezialitäten aus den teilnehmenden Ländern bereit.
Ladina Luppi, Assistentin Kommunikation und Kultur
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Aktuell
Gastronomie in den
ambulanten Zentren
Unsere Gastronomie ist nicht nur im stationären Klinikbetrieb in Pfäfers präsent. Mit dem kontinuierlichen
Ausbau an teilstationären Angeboten in den Psychiatrie-Zentren verschiebt sich auch das Aufgabengebiet der Mitarbeitenden der Gastronomie stetig in
die Regionen. Denn, Gastronomie hat ihre «Kunden»
überall dort, wo Patientinnen und Patienten betreut
werden.
Nach dem erfolgreichen Aufbau und Start einer professionellen Gastronomie in der Tagesklinik des Zentrums in
Heerbrugg ist nun das Know-how beim Aufbau der Tagesklinik in Trübbach gefragt. Was sind die Bedürfnisse am
Standort Trübbach? Wie sehen die Örtlichkeiten aus und
was muss baulich bereits heute eingeplant werden, damit
die Kundenbedürfnisse von morgen zufrieden gestellt
werden können?
Eine Situationsanalyse schafft Klarheit, das heisst das
Prüfen der Einkaufsmöglichkeiten, Bedürfnisse von nahe
gelegenen Werkstätten und Heimen und vieles mehr liefern
wertvolle Informationen. Ein wichtiger Teil der GastronomieVorbereitungen sind die Besprechungen mit dem Küchenplaner. In der Küche wird der reibungslose Ablauf der Ver-
pflegungsproduktion und der nachgelagerten Arbeitsabläufe
bestimmt. Infrastrukturen müssen so angelegt werden, dass
sie zukünftige Entwicklungen offen lassen. Dabei kommen
auch alle Aspekte der Lebensmittellagerung, der Hygiene
und der Restenverwertung zum Tragen.
In der Einkaufspolitik wird darauf geachtet, das Transportwege nicht zu lange sind und die regionalen Produzenten
berücksichtigt werden. Ziel ist es, sehr gute lokale Lieferanten zu finden. Welches Know-how wird nun von der
Küchenmannschaft verlangt? In diesem Bereich rekrutiert
die Gastronomie ausgewiesenes Personal für die kleinen
Betriebe der Psychiatrie-Zentren. Die Angebots- und Preisgestaltung erfolgt in Absprache mit den Zentrumsleitungen.
Ein wichtiger Grundsatz bei der Preisbildung ist es, das lokale Gewerbe nicht zu konkurrenzieren. Aus diesem Grunde
wird jeweils auch nur ein Tagesmenü angeboten.
Erklärtes und übergeordnetes Ziel unseres GastronomieBereiches ist es, Kompetenzzentrum für neuzeitliche und gesunde Ernährung für die Psychiatrie-Dienste Süd an allen
Standorten zu sein.
Alfred Kral, Leiter Gastronomie
Beginn Neubau
«Zentrum für Alterspsychiatrie»
Der 29. Februar 2008 ist kein gewöhnlicher Arbeitstag
in der Klinik St.Pirminsberg in Pfäfers: Mit einem feierlichen Spatenstich als Auftakt wird mit dem geplanten Neubau offiziell gestartet. Dem Bauprojekt müssen
nicht nur einige Bäume weichen, sondern auch das
Therapiegebäude B6 und das Stationshaus A6.
Wie heute üblich, wird der Bauschutt fein säuberlich sortiert: Holz, Metall und Sonderabfall werden getrennt und
fachgerecht der Entsorgung zugeführt. Das übrige Abbruchmaterial wie Ziegel, Steine und Betonteile werden später
mit einem grossen Steinbrecher vor Ort zu Recyclingmaterial
verarbeitet.
Danach wird das ganze Bauareal völlig umgestaltet; die
Baugrube verändert sich täglich aufs Neue. Sobald der
Humus abgetragen und am Rande deponiert ist, wird der
verarbeitete Bauschutt zu einem haushohen Hügel aufgeschüttet. Während die Grossbaustelle langsam Form annimmt, wird parallel dazu der Verbindungsgang vom Hauptgebäude A1 zum geplanten Neubau in Angriff genommen.
Mit einem 40-Tonnen-Bagger wird der Fels hinter dem
Torkelgebäude sukzessive abgetragen. Der dadurch entstehende Baulärm ist für die Mitarbeitenden und Patienten vor
allem im Hauptgebäude A1 unangenehm und oft belastend.
Immer wieder entstehen neue Deponien, neue Geräte werden aufgefahren, der riesige Baukran wird aufgestellt und
am Rande der Baustelle wird eine kleine Stadt aus
Baubaracken erstellt. Man nennt sie «Implenia-City» und sie
ist für viele Bauarbeiter während mindestens zwei Jahren
ihr «Tagesquartier». Das Gastro-Team der Klinik bietet in der
Pausenbaracke täglich Getränke und Verpflegung an. Bis
nun mit dem Betonieren der Bodenplatte für den Neubau
begonnen werden kann, sind noch viele Vorarbeiten nötig:
Zum einen werden rund 240 Mikropfähle platziert, die die
Stabilität des grossen Gebäudekomplexes garantieren und
bis zu acht Meter tief ins Erdreich reichen. Zum andern werden achtzehn Erdsonden gebohrt, die dann später dem
Gebäude die nötige Energie aus Erdwärme liefern werden.
Diese Bohrungen sind bis zu 130 Meter tief.
Der Rohbau des Gebäudes sollte, wenn es die Witterung
zulässt, bis Ende dieses Jahres erstellt sein. Damit das
straffe Bauprogramm eingehalten werden kann, laufen im
Hintergrund bereits die Feinplanungen der Gebäudetechnik
auf Hochtouren. Pläne für Aussparungen, Steigzonen, Leitungsrohre und dergleichen werden genau definiert. Es muss zudem
darauf geachtet werden, dass die verwendeten Materialien
und Techniken dem neusten Stand entsprechen. Viele Geräte
und Systeme der Handwerksofferten sind heute bereits
überholt. In unzähligen Bau- und Fachplanersitzungen koordinieren die Verantwortlichen sämtliche aktuellen Arbeiten,
überwachen das Bauprogramm und lösen auftretende
Probleme.
Die interessierte Bevölkerung, Mitarbeitende der Klinik,
Patienten und Gäste können sich an mehreren Stellen über
den Verlauf der Bauarbeiten informieren: Zum einen in der
seit Baubeginn erstellten Baubox, in welcher aktuelle Pläne
und ein Modell des geplanten Baus gezeigt werden. Zum
anderen finden in gewissen Abständen Informationsabende
statt. Sobald der Rohbau soweit erstellt und begehbar ist,
sind geführte Baubesichtigungen geplant. Für besondere
Fragen, Anliegen und Auskünfte zum Neubau «Zentrum für
Alterspsychiatrie» sind die Mitarbeitenden des ZID (Zentrum
für Infrastruktur Dienste) kompetente Ansprechpartner.
Renaldo Kleboth, Leiter Bauten und Logistik
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Aktuell
Wenn Buchstaben
fremd sind
Trotz Schulpflicht gibt es in der deutschsprachigen
Schweiz quer durch alle Bevölkerungsschichten erwachsene Menschen, die Lesen und Schreiben nicht
beherrschen. Lesen und Schreiben zu können sind aber
unabdingbare Voraussetzung, um sich in Alltag und
Beruf zu behaupten, beruflich aus- und weiterzubilden
und um am sozialen und kulturellen Leben der Gesellschaft teilzunehmen.
Stellen Sie sich vor, Sie halten unser postscriptum in den
Händen, schauen in die bunten Seiten und das Lesen der
Artikel widerstrebt Ihnen; nicht weil sie nicht interessant
wären. Das Lesen an und für sich fällt Ihnen schwer – eine
richtige Anstrengung. Zahlreiche Untersuchungen und
Studien belegen, dass ungefähr jede sechste erwachsene
Person in der Schweiz von einer Lese- und/ oder Schreibschwäche betroffen ist. Sie sind mit massiven Schwierigkeiten konfrontiert. Eine Vielzahl von alltäglichen Situationen,
obwohl banal, lösen Verunsicherung aus: Das Lesen von
Fahrplänen, Mitteilungen der Schule, das Ausfüllen eines
Formulars beim Arzt und der Inhalt der täglichen Briefpost
werden zu belastenden Angelegenheiten. Das Unvermögen
löst oftmals Schamgefühle und Leiden aus. Im Berufsleben
begünstigt es Arbeitslosigkeit und unvorteilhafte Anstellungsverhältnisse. Bei integrierten Mitarbeitenden, kann eine versteckte Schreib- und Leseschwäche zu Kommunikationsproblemen innerhalb des Betriebes und zu einem erhöhten
Unfallrisiko führen. Im privaten Bereich erschwert mangelnde Lese- und Schreibfähigkeit die Rolle des Elternseins und
verhindert den Zugang zum Kultur-, Sport- und Vereins-Leben.
Auch die Wahrnehmung von staatsbürgerlichen Rechten,
wie zum Beispiel die Beteiligung an Wahlen, wird reduziert
oder gar verunmöglicht.
Das mangelnde Bewusstsein in der Öffentlichkeit ist bei der
Bekämpfung von Schreib- und Leseschwächen ein grosses
Hindernis, aber auch fehlendes Wissen und Vorurteile der
Betroffenen:
• Unkenntnis der Existenz von Kursen und falsche
Vorstellungen über deren Umfang, Länge und Kosten
• Überschätzung der eigenen Fähigkeiten (laut den durchgeführten Erhebungen ein verbreiteter Grund)
• Unterschätzung der negativen Folgen der Schreib- und
Leseschwäche
• Scham- oder Schuldgefühle, sowie das Gefühl, die einzige
Person mit diesem Problem zu sein
• Schlechte Erinnerungen an die Schule, fehlende
Lernerfahrung, Angst vor Versagen, fehlendes
Selbstvertrauen
• Schwierigkeiten, die notwendige Zeit und Energie aufzubringen
Der «Verein für interkulturelle Bildung» in Schaan (FL) hat
sich der Problematik der Lese- und Schreibschwäche von
deutschsprachigen Erwachsenen angenommen und im
Januar 2008 einen ersten Kurs erfolgreich gestartet. Nun ist
geplant, zusammen mit den Psychiatrie-Diensten Süd, parallel dazu einen zweiten Kurs zu organisieren. Er soll im Herbst
2008 starten, dauert zwei Semester und findet wöchentlich
während zwei Lektionen statt. Der Kursort ist noch nicht
festgelegt. Auf individuelle Betreuung und damit auf einen
möglichst grossen Lernerfolg legt die Kursleitung grossen
Wert.
Anmeldungen von interessierten Mitarbeitenden nimmt der
Personaldienst (Debora Bossi, Ursula Joos) gerne entgegen.
Die Kurskosten für Mitarbeitende mit einer Schreib- und
Leseschwäche werden durch die Psychiatrie-Dienste Süd
vollumfänglich übernommen.
Zum Schluss laden wir Sie alle ein, das Problem der Schreibund Leseschwäche zu thematisieren – bei der Arbeit oder
auch in Ihrem privaten und sozialen Umfeld. Sprechen Sie
darüber! Sprechen Sie tabulos darüber! Und sprechen Sie
über unser aktuelles Kursangebot. Sie helfen damit vielleicht einem Mitmenschen.
Sandro Ursch, Leiter Zentrale Dienste
Veränderungen bei den
Ausbildungen des Bereichs Pflege
Höhere
Fachschulen
Fachhochschulen
Universität
und ETH
Höhere
Fachprüfungen
Eidgenössisches
Attest (2 Jahre)
Berufsmaturität
FMS
Eidgenössisches
Fähigkeitszeugnis (3 oder 4 Jahre)
Allgemein bildende
Schulen
Gymnasiale Maturität
Berufliche Grundbildung
Brückenangebote
Obligatorische Schulzeit
Die Ausbildungen im Gesundheitswesen haben sich
generell verändert. Im Bereich der Pflegeberufe befindet sich die Bildungssystematik seit einigen Jahren
in einem grösseren Wandel. Werfen wir kurz einen
Blick zurück: Vor dem Übergang in die Kompetenz des
Bundes waren die Gesundheitsdirektorenkonferenz
(GDK) und das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) für
die Gesundheitsberufe zuständig. Die beiden Organisationen formulierten ein komplexes und zusammenhängendes Ausbildungssystem und setzten es in einer
hohen Qualität um. Nachteilig war, dass die damaligen
Gesundheitsausbildungen nicht mit der Systematik der
meisten anderen Berufsfelder kompatibel und berufliche
Optionen dadurch wesentlich eingeschränkt waren.
Durch die Übernahme des Bundes konnten die separierten
Bereiche der Pflegeberufe in die gesamtschweizerische
Bildungssystematik integriert werden. Dies als notwendige
Voraussetzung, um Durchlässigkeit zu erzielen und die
Karrieremöglichkeiten grundsätzlich zu verbessern. In jeder
Bildungsstufe ergibt sich nun die Möglichkeit, sich von der
beruflichen Grundausbildung bis zur Hochschulstufe weiterzuentwickeln. Auch der horizontale Wechsel von einem Bildungsbereich oder Tätigkeitsgebiet zum anderen ist möglich
und wird praktiziert. Das nebeneinander verschiedener
Berufe (Fachangestellte Gesundheit, Höhere Fachschule
Pflege und Fachhochschule), stellt grosse Herausforderungen
auf verschiedenen Ebenen dar.
Seit Beginn im Jahr 2003 bieten wir im Betrieb die Berufslehre «Fachangestellte Gesundheit» an. Die Umstellung war
gross, eine neue Ausbildung, andere und neue Einsatzfelder,
Tertiärstufe
Eidgenössische
Berufsprüfungen
Hochschulstufe
Sekundarstufe II
Berufsorientierte Weiterbildung
Höhere Berufsbildung
wie beispielsweise Lebensumfeld und Alltagsgestaltung
sowie Logistik und Administration. Die Lernenden sind jünger, wenn sie ihre Lehre beginnen, was die Ausbildnerinnen
in der Praxis mit neuen Situationen in der Begleitung konfrontiert. Dies wiederum stellt vertiefte pädagogische
Kenntnisse für die Begleitung in der Sekundarstufe II voraus.
Zusammen mit den Ausbildnerinnen definierten wir die Einsatzfelder der Fachangestellten Gesundheit. Die Integration
der neuen Berufslehre in die Teams, ist ein längerer Prozess
und wird noch heute kontinuierlich umgesetzt.
Die Höhere Fachschule Pflege löst die «alten DN I und DN II»
Diplomausbildungen ab. Der Rahmenlehrplan für den
Bildungsgang zur diplomierten Pflegefachfrau HF / zum
diplomierten Pflegefachmann HF tritt ab Januar 2008 in
Kraft. Das heisst ab Oktober 2008 bilden wir definitiv nach
dem neuen Rahmenlehrplan aus. Die Organisation der
Arbeitswelt Gesundheit OdA Sante und die Schweizerische
Konferenz Pflegebildungen im Tertiärbereich (SKP) übernehmen gemeinsam die Trägerschaft des Rahmenlehrplans. Im
letzen Jahr konnten in unserem Betrieb die ersten zwei
diplomierten Pflegefachfrauen HF vom Pilotkurs 1 ihr Diplom
in Empfang nehmen. Im Jahr 2007 belegten die ersten
Studierenden der Höheren Fachschule Pflege am Berufsund Weiterbildungszentrum Sarganserland die Fachmodule
Psychiatrie. Welches unserem Auftrag der Klinik zu gute
kommt. Ganz konkret bringt dieses Angebot eine Vertiefung
in unser Fachgebiet und Kerngeschäft. Diese Entwicklung ist
für den Ausbildungsbereich und für die tägliche Arbeit am
Patienten in der Psychiatrie sehr erfreulich.
Anni Eggenberger, Ausbildung Pflege
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Persönlich
Porträt – Positiv denken und
öfters einmal lachen
Manuela Meinhardt, die gebürtige Liechtensteinerin,
arbeitet seit sechs Jahren in der Klinik St.Pirminsberg
in Pfäfers. Nach vier Jahren als Pflegefachfrau hat sie
im Jahr 2005 die Stelle als Aromatherapeutin übernommen. Ihre Arbeit macht ihr viel Spass, auch wenn
sie nicht immer einfach ist. Die Wertschätzung und
Anerkennung ihrer Patienten sind für sie der grösste
Lohn ihrer Arbeit.
Was hat Sie kürzlich besonders gefreut?
Ein nettes Kompliment eines Fremden an einem schönen
Wochenende in Wien.
Was hat Sie kürzlich besonders geärgert?
Ich ärgere mich eher selten, am meisten über mich selber
und dies vor allem, wenn ich wieder einmal nicht konsequent war.
Was ist Ihrer Meinung nach die überflüssigste Erfindung der letzten Jahre?
Der Computer und das Handy. Meiner Meinung nach wird
heute zu viel über E-Mail kommuniziert und der direkte
Kontakt geht dabei verloren.
Wenn Sie auswandern müssten, wohin würden Sie
gehen? Warum?
Irgendwo in den Süden wo es warm ist. Meine «Betriebstemperatur» liegt nämlich über 25 Grad.
Welches ist Ihr liebstes Buch?
Ich lese sehr gerne, aber ein Lieblingsbuch habe ich nicht.
Wenn Sie drei Wünsche offen hätten, wie würden
diese lauten?
1. Gesundheit, 2. Frieden, 3. Noch mehr Wünsche
Von was träumen Sie mitten am Tag?
Dürfen wir während der Arbeit träumen? Wenn ich träume,
dann am ehesten über was war oder was noch kommt.
Diplomfeier
Was wollten Sie als Kind werden?
Kindergärtnerin
Mit welcher bekannten Persönlichkeit würden Sie gerne
ein Abendessen verbringen?
Mit Keiner, lieber mit einer unbekannten Persönlichkeit.
Wo essen Sie am liebsten?
Am liebsten zu Hause am Küchentisch.
Wenn Sie sich entscheiden müssten, welches Tier wären
Sie am liebsten? Warum?
Im Sommer wäre ich gern ein Vogel, so könnte ich immer da
landen, wo es mir am besten gefällt. Im Winter jedoch wäre ich
lieber eine Katze, dann könnte ich mich neben dem warmen Ofen
zusammenrollen und mich den ganzen Tag kraulen lassen.
Was würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?
Auf eine einsame Insel möchte ich eigentlich gar nicht – aber
wenn ich müsste, würde ich natürlich meinen Partner und meinen
Sohn mitnehmen.
Abschlussfeier DN II in der Klinik St.Pirminsberg
Sieben Absolventinnen der Schule für Gesundheits- und
Krankenpflege am Berufsbildungszentrum Sarganserland
(BZSL) haben ihre praktische Ausbildung auf Diplomniveau ll
in der Klinik St.Pirminsberg mit Erfolg abgeschlossen und
durften die entsprechenden Diplome in Empfang nehmen.
In Ihrer Festrede im Rahmen der Abschlussfeier gratulierte
Jolanda Nadig, Pflegedienstleiterin Allgemeine Psychiatrie
der Klinik St.Pirminsberg, den sieben Diplomandinnen, dankte ihnen für ihren grossen Einsatz und die geleistete Arbeit
zum Wohle der Patientinnen und Patienten.
Die Klinik St.Pirminsberg, stationäres Gesundheitszentrum
der St.Gallischen Psychiatrie-Dienste Süd, ist anerkannter
Ausbildungsbetrieb für verschiedene Berufe im Gesundheitswesen. Qualifizierte und erfahrene Berufsleute bilden
Lernende zu Fachangestellte Gesundheit (FAGE) oder diplomierte Pflegefachfrau/-mann (HF) aus.
Anni Eggenberger, Ausbildung Pflege
Was weckt Ihre Leidenschaft?
Das sage ich doch nicht!
Auf was können Sie unmöglich verzichten?
Vielleicht auf Schokolade.
Bei welchem geschichtlichen Ereignis wären Sie gerne
dabei gewesen?
Mir fallen da nur negative Ereignisse ein und darum eigentlich bei
Keinem.
Was macht Sie wütend?
Ungerechtigkeiten. Mittlerweile habe ich jedoch gelernt mich
nicht mehr darüber aufzuregen, da ich sowieso nichts daran
ändern kann.
Mit welchem/r berühmten Filmhelden/in würden Sie gerne
einmal die Rolle tauschen?
Mit Keinem, mir gefällt meine Rolle.
In welcher Umgebung führen Sie sich am wohlsten?
Wenn ich von meinen Liebsten umgeben bin.
Was ist Ihr Lebensmotto?
Positiv denken und öfters einmal lachen.
Hintere Reihe von links: Sabrine Eberle, Bad Ragaz; Sabine Dietsche,
Mit Manuela Meinhardt gesprochen hat
Ladina Luppi, Assistentin Kommunikation und Kultur
Oberriet; Franziska Keller, Berneck; Anni Eggenberger, Ausbildung
Pflege; Vordere Reihe von links: Ivana Fäh, Maseltrangen; Iris Kressig,
Werdenberg; Sarah Schmidt, Bad Ragaz; Rzica Grgic, Widnau
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Persönlich
Personelles
Dienst-Jubiläen
31. Mai bis 31. Oktober 2008
10 Jahre
René Dudle
Michael Gnehm-Eggenberger
Martha Grünenfelder-Hutter
Katharina Meyer
Jutta Reiter
Sandro Ursch
Wilma Grünenfelder-Borghi
1.2.2008
Irma Haller-Bechtiger
1.3.2008
Luzia Hassler
1.6.2008
Regula Hobi-Glaus
15 Jahre
Christoph Herzog
Monika Schwitter-Mullis
20 Jahre
Maria Elvira Lopes Pequito
25 Jahre
Verena Casals-Gräppi
Elisabeth Frank-Scheidegger
André Kurmann
Neueintritte
16. Januar bis 01. Juni 2008 (exkl. Praktikanten)
18.3.2008
Mirjam Jakob
1.4.2008
Ursula Joos
1.4.2008
Franziska Keller
1.5.2008
Klaus Kemmerling
1.2.2008
Bernhard Kohler
1.6.2008
Andrea Koller Baumgartner
1.6.2008
Erik La Serra
1.4.2008
Brigitte Ludwig
1.6.2008
Thomas Pfiffner
1.4.2008
Laila Provinzano
1.6.2008
Kerstin Abt
1.3.2008
Johannes Rafael
1.3.2008
Susanna Blumenthal Schneider
1.6.2008
Michaela Risch
1.4.2008
Bärbel De Stefani
1.6.2008
Monika Saurer
1.2.2008
Sabina Dietsche
1.5.2008
Patricia Senn
1.5.2008
Sabrina Eberle
1.5.2008
Carmen Schmitz
1.6.2008
Christian Eder
1.4.2008
Simone Taner-Meister
1.5.2008
Wendelin Grömer
1.4.2008
Rolf Thoma
1.6.2008
Kunst
Tapetenbilder voller
Fantasie und Melodie
Ursula Kirchgraber, in St.Gallen geboren und im
Toggenburg lebend, nennt sich als Künstlerin Uka
Rosa. Sie stellt zur Zeit eine Auswahl ihrer Werke in
der Klinik St.Pirminsberg in Pfäfers aus. Ihre «Tapetenbilder» sind zierlich und verspielt und je nach Art des
Raumes in dem sie präsent sind, wirken sie harmonisierend und beruhigend zugleich.
Die Künstlerin ist fasziniert von der Beschaffenheit und
Aussagekraft alter Tapeten in historischen Häusern. Sie sind
oft in unzähligen Schichten übereinander gelegt und erzählen ein Stück Geschichte und Lebenskultur der ehemaligen
Bewohner. «Früher malte man Bilder direkt auf Mauern,
legte Mosaike und verwendete bedruckte Papiere – die
Tapeten. Diese wunderbaren Papiere sind Kostbarkeiten für
mich. Sie sind verletzlich und vergänglich.»
Auf einem ähnlichen Schichtprinzip beruht auch die Maltechnik von Uka Rosa. In den aus mehreren Farbschichten
gefertigten Leinwänden in Eitempra ist meist ein Farbton
dominierend – transparentes Blau, wässriges Grün, lichtes
Rot. Mit Kämmen und anderen Werkzeugen ritzt sie regelmässige und wiederkehrende Muster und Motive in die
Oberfläche. Darunter liegende Farbebenen werden sichtbar
und lassen den vielschichtigen Entstehungsprozess erahnen.
Viola Krucker, Leiterin Kommunikation und Kultur
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Schlusspunkt
Agenda
Tagesklinik im
Psychiatrie-Zentrum
Linthgebiet
Die Regierung des Kantons St.Gallen hat am 8. April 2008
der Realisierung einer Tagesklinik im PsychiatrieZentrum Linthgebiet zugestimmt. Das neue teilstationäre Angebot richtet sich an erwachsene Menschen als
Alternative zur ambulanten und stationären Behandlung.
Die Tagesklinik wird im Januar 2009 ihren Betrieb aufnehmen.
Das Konzept der allgemeinpsychiatrischen Tagesklinik im Linthgebiet legt den Schwerpunkt auf die Frührehabilitation und
die effiziente Wiedereingliederung von psychisch kranken
Menschen in die Gesellschaft. Ein wichtiges Angebot ist die
frühzeitige Arbeits- und Berufsintegration durch ein professionelles Case Management. Der Ausschluss der Patientinnen und Patienten aus dem Arbeitsprozess und der Gesellschaft soll verhindert werden. Vom Angebot der Tagesklinik
profitieren erwachsene Menschen mit psychischen Leiden
im Alter zwischen 18 und 60 Jahren aus der Region Gaster
und See sowie bei Bedarf aus den angrenzenden Kantonen.
Das Angebot soll 11 Tagesplätze umfassen.
Die Vorbereitungsarbeiten für die geplante Tagesklinik werden
nun intensiviert. In den Räumen des heutigen Ambulatoriums
soll die Tagesklinik während der Aufbauphase eingerichtet
werden. Das Ambulatorium wird vorübergehend an die
Zürcherstrasse 86 verlegt. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen
sämtliche Angebote des Psychiatrie-Zentrums Linthgebiet
wieder unter einem Dach zusammengeführt werden. Dazu
sind verschiedene Standorte in Prüfung.
Christoph Eicher, CEO
26.10.2008
Psychiatrie-Zentrum Rheintal
Tag der offenen Tür in Heerbrugg
31.10.2008
Psychiatrie-Zentrum Werdenberg-Sarganserland
Eröffnung Tagesklinik in Trübbach
18.06.2008
Psychiatrie-Zentrum Linthgebiet
Patientenfest in Uznach
22.10.2008
Tag des psychisch Kranken
Informationsveranstaltung, Kino Uznach
14.11.2008
Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen
03.06.2008
02.09.2008
07.10.2008
04.11.2008
Klinik St.Pirminsberg, Pfäfers
Jeweils Dienstagsreferat
Angehörigenberatung in der arwole Sargans
01.08.2008
1. August-Feier mit Patienten
15.08.2008
Klang und Kloster
Projekt des Kulturzentrums St.Pirminsberg
31.08.2008
Tag der offenen Tür in Pfäfers
08./15.09.2008
Im Gespräch
Informationsveranstaltung für Mitarbeitende im Marstall
12.09.2008
Pirminsberger Gespräch
Angehörigenberatung in der Klinik St.Pirminsberg
10.10.2008
Tag des psychisch Kranken
Informationsveranstaltung
13.11.2008
Nationaler Tochtertag
30.11.2008
Pfäferser Weihnachtsmarkt im Marstall
Impressum
Herausgeberin: St.Gallische Psychiatrie-Dienste Süd, Klosterweg, 7312 Pfäfers; Redaktion:
Viola Krucker Sabta; Texte: Mitarbeitende der Psychiatrie-Dienste Süd; Titelbild: René
Dudle, Psychiatriepfleger Zentrum Rheintal; Fotograph Peter Fuchs, Buchs; Gestaltung:
freicom ag, Balgach; Druck: Gonzen Druck, Bad Ragaz; Auflage 1800 Exemplare;
Erscheint: 3 mal jährlich, Nächste Ausgabe: November 2008
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Seele and Geist
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