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6.12.2012 Sehr geehrte Frau Elsig, die Naturschutzverbände

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Stadt Düren
Amt für Stadtentwicklung
Abteilung Planung
Frau Elsig
Am Ellernbusch 18-20
52348 Düren
Ansprechpartner: Alfred Schulte Ginnizweiler Str.28 52353 Düren 1.Vorsitzende Gertraud Eberius Hahnsweide 26 52372 Kreuzau Henrike und Holger Körber
Am Hofacker 12
52379 Langerwehe
6.12.2012
Bauleitplanung der Stadt Düren/ Unser Zeichen DN-77 / 08
• Entwurf 6.Änderung des B-Plans Nr. 1/318 „Interkommunales Gewerbegebiet DürenKreuzau-Möbelfachmarkt in Düren
• Entwurf zur 24.Änderung des FNP Stadt Düren „Möbelfachmarkt – Stockheimer
Landstraße
Sehr geehrte Frau Elsig,
die Naturschutzverbände nehmen wie folgt zu den beiden Verfahren Stellung:
Wir befürworten grundsätzlich die Inanspruchnahme des Geländes im vorgesehenen Sinn, wenn dadurch andere Flächen geschont werden.
Im Rahmen der Beteiligung an der FNP-Änderung kann eine abschließende
Äußerung zu Auflagen und Ausgleichsmaßnahmen bei Nutzungsänderung erst
mit den Ergebnissen der Artenschutzprüfung (ASP) II erfolgen. Die ASP I des
Büros Viebahn und Sell, Gutachter im FNP-Verfahren (Erstgutachter), stellt fest, dass
eine ASP II unverzichtbar ist, um dem gesetzlichen Artenschutz gerecht zu werden.
Einer Verschiebung der ASP II auf die B-Planung (siehe FNP-Umweltbericht S.6:
„Auf der Ebene der im Parallelverfahren durchgeführten Änderung des Bebauungsplanes wird eine Artenschutzprüfung II durchgeführt“) könnten wir nur zustimmen,
wenn sie dort auch durchgeführt würde. Dies ist aber nach den uns nun vorliegenden
Unterlagen nicht der Fall (siehe nächster Absatz).
Eine Äußerung zur Bebauungsplanung kann erst nach Abschluss der ASP II
erfolgen. Der „Artenschutzrechtliche Kurzbericht“ des Büros Kreutz
(Zweitgutachter) erfüllt die Anforderungen einer ASP II nicht und kann wegen
fachlicher Mängel diese in keiner Weise ersetzen (siehe ausführliche Begründung
Seite 2). Der Bericht entspricht weder formal noch inhaltlich den Vorgaben der VV
Artenschutz.
Die Aussagen im Umweltbericht zu Bebauungsplanung zum Schutzgut Tiere (S.6)
und zu Ausgleichsmaßnahmen (S.15) müssen sich an einer noch zu erstellenden
ASP II orientieren.
Die Genehmigungsfähigkeit und gegebenenfalls Bauauflagen zum Abriss der
Gebäude können erst nach Vorliegen der Ergebnisse der ASP II entschieden
werden.
Eine ASP II muss noch erstellt werden.
Die Bebauungsplanung bleibt mit dem „Artenschutzrechtlichen Kurzbericht“ weit
hinter der Untersuchungstiefe der Flächennutzungsplanung zurück.
1 Unverständlich bleibt, dass trotz der Vorgabe einer ASP II anders verfahren wurde,
obwohl für beide Planungsebenen das gleiche Projektmanagementbüro verantwortlich zeichnet.
Ausführliche Begründung zu fachlichen Mängeln des „Artenschutzrechtlichen Kurzberichtes“
(Zweitgutachter):
1.
Die Winterkartierung des Zweitgutachters ist aufgrund der Einmaligkeit der
Stichprobe, des Untersuchungszeitpunktes und der Untersuchungstiefe
fachlich unzureichend.
Eine einmalige Stichprobenbegehung am 12.11.2012 ist zur Quartierermittlung im
Winter nicht fachgerecht. Aus der Fledermausliteratur ist bekannt, dass Zwergfledermäuse die Quartierstandorte auch im Winter wechseln, so dass eine einmalige Kartierung als Ausschlusskriterium nicht ausreicht. Zusätzlich sind zum Zeitpunkt Mitte
November, wegen der auch im Jahr 2012 anhaltenden milden Witterung im Herbst,
noch nicht alle Tiere in ihre Winterquartiere eingezogen. Dies hätte der Fachgutachter
berücksichtigen müssen.
Fledermäuse sind im Winterquartier nicht, wie vom Gutachter beschrieben, durch
Kothaufen zu erkennen und leben häufig extrem versteckt. Das macht weitere Untersuchungstechniken (z.B. Endoskopie) unumgänglich. Sie fehlen im Gutachten.
Aus den Beobachtungen des Erstgutachter (S.11) ist anzunehmen, dass Sommer,
Balz- und eventuell Winterquartiere in den Gebäuden existieren. Dabei muss berücksichtigt werden, dass im Winter nur etwa 10% der Tiere gesichtet werden, da sie sich
so tief in Spalten zurückziehen, dass sie optisch nicht erfasst werden können. Ein
Ausschluss einer Winterbelegung durch reine Sichtuntersuchung ist fachliche Grauzone. Es wurden zudem nur Innenräume untersucht. Fledermäuse könnten aber auch
in den Außenmauern oder unter dem Dach überwintern. Diese Gebäudeteile wurden
nicht untersucht.
2.
Die Sommerkartierung (durch den Zweitgutachter) hat nicht stattgefunden und
war wegen der Jahreszeit auch nicht möglich. Sie ist aber unverzichtbar
(begründete ASP II Forderung im FNP-Verfahren).
Eine ausschließliche Prognose von Sommerquartieren anhand von Kotspuren
nur in Innenräumen ist fachlich unzureichend, zumal weiter-führende Beobachtungen aus der Flächennutzungsplanung (Erstgutachter) vorlagen.
Im Erstgutachten (S.11) wurden bereits Fledermausbeobachtungen „vor Sonnenuntergang“, also zur Ausflugszeit, beschrieben und per Foto an Außenmauern dokumentiert. Das spricht dafür, dass Tiere Gebäudequartiere im Nahbereich besitzen.
Der Erstgutachter forderte gemäß VV Artenschutz aufgrund des bestätigten Anfangsverdachts der Betroffenheit mindestens einer planungsrelevanten Art eine ASP II.
Diese richtige Schlussfolgerung übergeht der Zweitgutachter ohne fachlich
fundierte Daten. Eine alleinige Abklärung von Sommerquartieren über Kotspuren in
Innenräumen ist fachlich nicht möglich. Vielfach leben Fledermäuse im Sommer im
oder unter dem Dach und auf Dachböden, die vom Zweitgutachter nicht kontrolliert
wurden.
Zusätzlich dokumentiert der Erstgutachter mit Fotos(S.8-10) geeignete Spalten im
Außenmauerwerk. Eine Außenkontrolle im Herbst/ Winter auf Sommerquartiere ist
wegen witterungsbedingter Abtragung von Spuren nur im seltenen Positivfall brauchbar, ein Ausschluss kann nicht prognostiziert wer-den. Verstecke unter den Dachziegeln, im First oder in der Dachtraufe, meist vom Dachboden nicht einsehbar und nicht
immer durch Kotansammlungen am Boden feststellbar, können ebenso wie Mauerspalten fachlich korrekt nur in der Jagdsaison im Sommer ermittelt werden. Nur so
kann sicher die Art des Quartiers, Sommerquartier oder Wochenstube, geschlossen
werden und die betroffene Fledermausart ermittelt werden. Beide Aussagen spielen
eine ent-scheidende Rolle für die artenschutzrechtliche Relevanz des Quartiers, das
hier durch Abriss zerstört würde (Verbotstatbestand nach BNatSchG). Artspezifisch
2 z.B. bei Langohren, belegt ein mangelnder Kot- oder Detektor-nachweis nicht das
Fehlen der Art. Dies spiegelt lediglich eine andere Verhaltensweise im Quartier wider.
Die Aussage im Zweitgutachten (S.4 „Das Vorkommen regelmäßig genutzter,
größerer Fledermausquartiere kann ausgeschlossen werden“), ist ohne ausreichende Winter- und Sommerkartierung nicht möglich.
3.
Die Kartierung berücksichtigt keine Einzelart spezifische Betrachtung, stattdessen werden die sehr unterschiedlichen Einzelarten (sowohl in ihrer Lebensweise, vor allem aber in ihrem Schutzstatus) als Artengruppe abgearbeitet. Dieses
Vorgehen widerspricht der VV Artenschutz.
Der Zweitgutachter berücksichtigt die mögliche Betroffenheit von anderen Arten als
Zwergfledermaus nicht, obwohl die ASP I des Erstgutachters darauf hinweist und das
Messtischblatt prominente und gefährdete Arten (z.B. Großes Mausohr, FFH-Anhang
II Art und Graues Langohr, Art in unzureichendem Erhaltungszustand) enthält, die als
Hausbewohner mit guter Wahrschein-lichkeit vorkommen könnten.
Ausflug-/ Einflugbeobachtungen mit bis zur Art analysierbaren Detektoraufnahmen an
allen Dachrändern sind für Sommerquartiere (Einzelquartiere und Wochenstuben)
unverzichtbar und können auch detailliert Quartiere preis-geben. Erst dann kann der
Gutachter ermitteln ob, welche und in welchem Umfang Verminderungs- und Vermeidungsmaßnahmen dem Schutz der jeweiligen Art gerecht werden.
4.
Den vorgeschlagenen Ausgleichsmaßnahmen (Verminderungs- und Vermeidungsmaßnahmen) fehlen, wegen mangelnder Kartierung, ein artspezifischer
Bezug. Deshalb sind sowohl der Umfang der Maßnahmen als auch die Art der
Maßnahmen mangelhaft, ein Risikomanagement fehlt. Es handelt sich um ein
pauschales Maßnahmenpaket für eine Artengruppe, das die Vermeidung der
Verbotstatbestände nach BNatSchG nicht abarbeitet.
Art und Umfang der Ausgleichsmaßnahmen (Vermeidungsmaßnahmen) sind nicht
nachvollziehbar und können mit Empfehlungen von Fachgremien nicht in Einklang
gebracht wer-den. Der Zweitgutachter trifft auf S.4 (Text am Seitenende/Tabelle 1)
Aussagen für die Artengruppe „Fledermäuse“ mit einer nicht nachvollziehbaren Pauschalkompensation von „10“ (Begründung für den Umfang fehlt) „Fledermaushöhlen“
bzw. „Fledermaus-Großraum-und- überwinterungshöhle“, die mangels Sommerkartierung und wegen unzureichender Winterkartierung der fachlichen Grundlage (Anzahl der kartierten Einzelquartiere, Art der Quartiere (Sommer-/ Winterquartiere) und
betroffene Arten entbehrt.
Der Erfolg der Verminderungsmaßnahme, „Fledermausüberwinterunghöhle“, als
Ersatz für Gebäude-Winterquartiere bei vermutlich Zwergfledermäusen muss angezweifelt werden, da Zwergfledermäuse nach derzeitigen Kenntnis-stand im Winter in
der Regel Gebäude- oder Felsenquartiere wählen. Für diese Maßnahme, die als vorgezogene Maßnahme im Sommer vor dem Ab-riss stattfinden muss, hätte der Gutachter mangels Positivbeispiel ein Erfolgsmonitoring als begleitendes Risikomanagement vorschlagen müssen.
Der Gutachter hätte auch auf die Vermeidung des Tötungsverbots in Quartieren hinweisen müssen. Bei der Zerstörung von Winterquartieren im Winterschlaf gibt es
keine „sanfte“ Vergrämung. Fledermäuse, die im Winterschlaf geweckt werden und
flüchten müssen, können ein lebensbedrohliches Energiedefizit erleiden, das in der
nahrungsarmen Zeit nicht ausgeglichen werden kann. Der Gutachter hätte hier auf
Bauzeiten hinweisen müssen. Die wenigen Angaben zu Vermeidungsmaßnahmen
sind unpräzise und wichtige Regelungen zur Vermeidung des Tötungsverbotes
fehlen, natürlich auch wegen der mangelnden Kartierung.
3 Das Fazit des Zweitgutachters, das im Wortlaut der Aussage einer ASP II
gleicht, ist, wegen mangelder Kartierung (auch auf Einzelartebene) und
wegen fachlich unzureichenden Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen, unzulässig.
Wir bitten um Stellungnahme zu dem Widerspruch zwischen FNP-Verfahren und B-PlanVerfahren bezüglich der ASP II.
Mit freundlichen Grüßen
Alfred Schulte
i.A. Holger Körber
Henrike Körber
BUND
Kreisgruppe Düren
NABU
Kreisverband Düren
AK Fledermausschutz
Aachen, Düren, Euskirchen
NABU/ BUND/ LNU
4 
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Gesundheitswesen
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