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CORPORATE SOCIAL RESPONSIBILITY BEI VOLKSWAGEN WIE

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EINS UND
EINS GLEICH
DREI
CORPORATE SOCIAL RESPONSIBILITY BEI VOLKSWAGEN
WIE MAN WERT UND WERTE ZUSAMMENBRINGT
inhalt
commitment
verständnis
Dr. Bernd Pischetsrieder über unternehmerische Vertrauensarbeit
004 - 007
Corporate Social Responsibility – Freiwillige Suchprozesse für zukunftsfähige Lösungen
führung kultivieren:
008-011
beschäftigung gestalten:
012-021
Eine Verfassung für das Unternehmen: Die Konzernwerte und -leitlinien der Volkswagen AG
Ein einzigartiges Konzept der Struktur- und Wirtschaftsförderung: Die nachhaltige AutoVision Immer wieder „Made in
Germany“: Kreative Kraftakte für die Zukunft der Industriearbeit Wertschöpfung durch Wertschätzung: „Work2Work“
für Menschen mit Handicaps
arbeit aufwerten:
Minimalstandards und Gleichbehandlung: Die Erklärung zu den sozialen Rechten und den industriellen Beziehungen
022-033
Fitnessprogramm für Partner: Projekt „Verbesserung des Arbeitsschutzes bei Zulieferern“ mit ILO und GTZ Heute lernen,
morgen lehren: Das Qualifizierungsprogramm der Auto 5000 GmbH Ohne Nachwuchs keine Zukunft: Die Initiative für
mehr Ausbildung bei Audi Kaderschmiede für technische Intelligenz: Das neue Ausbildungszentrum in Mladá Boleslav
menschen helfen:
034-037
gesundheit fördern:
038-041
demographischen wandel bewältigen:
042-045
familie stützen:
046-051
Im Kampf gegen die Seuche: Die PPP-Projekte Aids Care bei Volkswagen in Südafrika und Brasilien
Vertreibung aus dem Raucherparadies: Die Abstinenzkampagne bei SEAT
Lebenslanges Lernen, altersgemischte Teams: Die demographische Arbeitsweltgestaltung bei Volkswagen
Bald Volks-, bald Kinderwagen: Die flexiblen Teilzeit-Modelle für Eltern und Alleinerziehende Workshops für den sanften
Wiedereinstieg: Das Job-and-Child-Programm bei Audi
vielfalt nutzen:
Sponsorpartner des Sommerlochfestivals: Das Diversity Management der Volkswagen Bank Sesam öffne Dich für
052-057
gehobene Männerbastionen: Mentoring als Mutmacher
europa integrieren:
Export von Know-how und Unternehmenskultur: Die Osterweiterung des Volkswagen-Konzerns Metamorphose eines
Montagewerks: „Wir entfalten unsere Flügel“ bei Volkswagen-Poznan.
058-063
globalisierung entwickeln:
Obdach, Nahrung, Bildung: Das Straßenkinder-Projekt „Eine Stunde für die Zukunft“ Genießen und dabei helfen: Fairer
064-079
Kaffee in den Werks-Kantinen Vertrag bei Grün: Das Projekt Nachhaltigkeit in der Lieferantenkette Wolfsburger Weltverbesserer: Die Umweltpaten bei Volkswagen In der Dürre überleben: Die Volkspumpe in Brasilien Erst Seele, dann Schule: Das
Fluthilfe-Projekt mit terre des hommes in Andrah Pradesh Eintrittskarte ins Berufsleben: Das Education and Training
Institute in Südafrika Checks und Kampagnen: Gesundheitsdienst in Puebla
natur bewahren:
080-083
klima schützen:
084-089
mobilität erhalten:
090-095
verkehr sichern:
096-103
kultur fördern:
104-107
forschung stärken:
108-113
Lebende Rasenmäher: Auerochsen in Südostniedersachsen
Umwelt und Geldbeutel schonen: Die Fahrspartrainings von Volkswagen und NABU Sp(i)rit vom Feld: Die SunFuel-Strategie
Lieferweg Schiene: Die CargoTram in Dresden Verkehr intelligent steuern: Die Niedersächsische Landesinitiative Telematik
Recherche auf dem Asphalt: Die Volkswagen Unfallforschung Spaß beim Lernen: Der Kinderverkehrspark in Pamplona
Werbung für den Gurt: Die Buckle-up-Kampagne von Volkswagen of America
Star(t)hilfe mit dem Tourbus: Die Volkswagen Sound Foundation
Ein Stipendium für junge Historiker: Die Ivan Hirst Foundation Vorsprung durch Kooperation: Die Forschungsnetzwerke bei
Audi in Ingolstadt und Neckarsulm
bildung vermitteln:
Bündnis gegen Bildungsnotstand: Der gemeinnützige Volkswagen Community Trust in Südafrika Erziehung durch Sport:
114-119
Audi und die Ayrton-Senna-Stiftung in Brasilien
geschichte erinnern:
Das Presswerk über den Köpfen: Die Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf dem Gelände des Volkswagenwerks
120-125
Wolfsburg Für die gemeinsame europäische Zukunft: Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Auschwitz
dialoge pf legen:
Netzwerk für Nachhaltigkeit: Volkswagen als Schrittmacher bei econsense, Forum für Nachhaltige Entwicklung in
Deutschland Miteinander streiten, gemeinsam handeln: Die Partnerschaft mit dem Naturschutzbund Deutschland. e. V.
126-131
Stets aufs Neue an
Win-win orientiert
ese
Dr. Bernd Pischetsrieder über gesellschaftliche Verantwortung
als Gradmesser unternehmerischer Vertrauenswürdigkeit
Dr. Bernd Pischetsrieder
Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG
D
er Beitrag von Unternehmen zu einer funktionierenden Gesellschaft
ist es, erfolgreich zu wirtschaften,
seinen Kunden Produkte und Dienstleistungen in guter Qualität zu möglichst niedrigen Preisen anzubieten, Menschen zu beschäftigen, Steuern zu
zahlen, kurz: die materielle Wohlfahrt zu steigern. Das
ist der Kern des traditionellen Mehrwerts von Unternehmen, die ihnen zugedachte Rolle in der Gesellschaft. Die
Orientierung an national und international gesetzten
Rechtsrahmen und geschäftlichen Spielregeln ist dabei
selbstverständliche Grundvoraussetzung.
Vor der Kulisse fortschreitender
Globalisierung und der Relativierung sozialstaatlicher Garantien erwarten die Bürger jedoch mehr:
Unternehmen sollen ihr Handeln in den Kontext einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive einordnen.
Erwartet werden zusätzliche Beiträge zum Gemeinwohl und Transparenz über die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit.
Nur wenn Unternehmen auch diese weiterführenden
Forderungen erfüllen, können sie das Vertrauen gewinnen, das sie in ihrem Handeln legitimiert – sprich
ihnen die langfristige „licence to operate“ sichert.
Heute schaut die Welt vermehrt hinter das Produkt. Anspruchsgruppen aus Politik, Verwaltung und Nichtregierungsorganisationen definieren auf
dem Resonanzboden einer üppigen Kommunikationslandschaft, was verantwortungsvolles Wirtschaften
04|05
frage bei der Umsetzung dieser Projekte im Zentrum:
Wo ergeben sich Win-Win-Situationen, von denen die
Gesellschaft und Volkswagen gleichermaßen profitieren? Denn Verantwortung und Ertrag sind für uns
zwei Seiten ein und
derselben Medaille.
Commitment
beinhaltet und was nicht. Rating-Agenturen und Unternehmensindizes messen und vergleichen sozial-ökologische Unternehmensleistungen, Investmentfonds
legen „ethische“ Ausschlusskriterien fest, Verbraucherinstitutionen schaffen nachhaltige Transparenz im Anbietervergleich. So wird unternehmerische Reputation
zu einer immer wichtigeren Größe im Wettbewerb. Das
heißt zugleich: Verantwortung wird zur Strategie.
Gutes Verantwortungsmanagement ist daher
kein Goodwill, sondern Risikovermeidung.
Für Volkswagen heißt
„nachhaltig wirtschaften“ seit jeher: im Dialog mit Gesellschaft und Umwelt wettbewerbsfähig zu wirtschaften. Wir haben ein existentielles Eigeninteresse daran, als wertschöpfender
Akteur in der Gesellschaft anerkannt zu werden.
Wirtschaftliche Macht bringt Verantwortung
mit sich – und Verantwortung Chancen. Die
größte Chance aber liegt darin, dass Politik und
Gesellschaft den Unternehmen die Übernahme
größerer Verantwortung zutrauen und sie einfordern;
denn das bedeutet – entsprechende Handlungsfreiheit
vorausgesetzt – auch neue Gestaltungsmöglichkeiten.
Volkswagen nimmt die Erwartungen an eine verantwortungsorientierte Wirtschaftsweise ernst. Als Teil der Weltökonomie und gleichzeitig auch Teil der Weltgesellschaft beeinflusst der
Konzern wirtschaftliche, ökologische und soziale
Lebensbedingungen auf der ganzen Welt – manchmal sogar stärker, als die Politik es vermag. Die Verantwortung für die nachhaltige Ausgestaltung der
Globalisierung ist dabei immens und sie erfordert
neue Verhaltensweisen und Rollenverteilungen.
Wer die zahlreichen Beispiele
guter Praxis in Augenschein nimmt, wird unschwer feststellen, dass sich Volkswagen längst wie ein Good Corporate Citizen aufführt. Und stets stand dieselbe Such-
Ein Business Case,
kein Social Case
ese
Das Konzept der Corporate Social Responsibility –
Freiwillige Suchprozesse für zukunftsfähige Lösungen
C
orporate
Social
Responsibility
oder kurz CSR: Volkswagen versteht darunter die praktische
Anwendung des Konzeptes einer Nachhaltigen Entwicklung durch Unternehmen.
Ganz neu ist dieser Gedanke nicht. Schon immer haben sich Unternehmen mehr oder weniger intensiv
um ihr natürliches und soziales Umfeld gekümmert.
Neu ist aber, dass solche Aktivitäten unter dem Dach
der CSR konzeptionell zusammengeführt werden.
CSR ist für Volkswagen daher eine
Geschäftsführungsphilosophie und nicht etwa eine
Garnierung des eigentlichen Geschäfts – ein „Business
Case“ also, kein „Social Case“. Als ordnungspolitische
Kategorie hebt CSR das, was einzelne Unternehmen bisher je für sich, ad hoc und meistens unbeobachtet von
einer größeren Öffentlichkeit entwickelt haben, auf
eine strategische und zugleich auch politische Ebene.
Unternehmen erhalten damit die
Möglichkeit, ihr gesellschaftliches „Investment“ sichtbar
zu machen und sich vom Wettbewerb zu differenzieren.
Sie können den wachsenden Kommunikationsbedarf
mit ihren Stakeholdern befriedigen und zugleich ihre
gesellschaftlichen Projekte als Werttreiber in das unternehmerische Kerngeschäft aufnehmen. Die Einsicht,
dass CSR für eine Strategie zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit steht, bildet mithin den Ausgangspunkt
eines an Nachhaltigkeit orientierten Managements.
Inhaltlich stellt sich CSR als ein dynamischer Prozess dar, der angetrieben wird durch den
Markt wie durch gesellschaftliche Interessengruppen,
geformt und geprägt durch kulturelle und historische
CSR atmet den Geist
freien Unternehmertums
Traditionen wie durch die lokalen Besonderheiten der
jeweiligen Standorte in aller Welt. So haben in
Brasilien, Mexiko und Südafrika der Kampf gegen Aids, die Hilfe für Straßenkinder oder die
Alphabetisierungskampagnen für Volkswagen eine ebenso hohe Bedeutung wie hier
zu Lande die Schaffung ausreichender Ausbildungsplätze. Die Fülle der Aufgaben ist
groß, die Zahl der Lösungswege ebenso.
06|07
chenden) Rahmen für verantwortliches Wirtschaften.
Die künftige ökonomische und soziale Entwicklung
findet ihre Effizienzpotentiale indes nicht in einem
überregulierten Deutschland oder einem Europa, das
selbst mit den Vollzugsdefiziten einer überbordenden Bürokratie zu kämpfen hat. Es wird sich für Politik,
Wirtschaft und Gesellschaft daher gleichermaßen auszahlen, wenn jeweils eine Vielfalt an Lösungswegen
zur Erreichung gemeinsamer Ziele zugelassen sind.
Nur so kann sich Corporate Social Responsibility im Sinne einer unternehmerisch geprägten
modernen Wirtschafts- und Sozialpolitik entfalten. Gesellschaftliche Voraussetzung dafür ist jedoch wechselseitige Akzeptanz, Vertrauen und Transparenz.
Verständnis
Corporate
Social
Responsibility, wenn sie ihren Namen verdient, atmet daher
stets den Geist freien Unternehmertums. Flexibilität
und Innovationsbereitschaft sind ihre charakteristischen Merkmale. Nur so können immer mehr freiwillige Netzwerke entstehen, in denen ähnliche,
aber doch vielfältige Initiativen zusammenfinden.
Ein verengendes ordnungspolitisches Korsett durch nivellierende Normung und staatliche Regulierung wäre kontraproduktiv – es untergräbt die unternehmerische Motivation und macht
die kreativen Potentiale der Freiwilligkeit zunichte.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Einhaltung von Standards der Internationalen
Arbeitsorganisation ILO, der UN-Menschenrechtskonvention, der OECD-Leitsätze für multinationale
Unternehmen oder ähnliche Codes of Conduct stehen
keineswegs zur Disposition. Diese Standards bilden
für Volkswagen den notwendigen (aber auch hinrei-
Eine Verfassung für das Unternehmen: Die Konzernwerte und -leitlinien der Volkswagen AG
08|09
Führung kultivieren
Werte kann man nicht
verordnen, sondern
nur vorleben.
Soll der Kurs stimmen,
gilt es Führung
zu kultivieren.
„Definieren, was
das Verbindende ist“
„Verantwortung“, „Respekt“ und „Nachhaltigkeit“ stehen bei
Volkswagen hoch im Kurs, seit sich das Management einer
gründlichen Wertedebatte verschrieben hat. Schwarze Schafe
müssen im Unternehmen mit neuen strengen Kontrollen rechnen.
I
In Wolfsburg fiel der Startschuss für die Reform
der Unternehmenskultur bei Volkswagen.
m Zeitalter globalen Wettbewerbs hat sich die Kultur zu einem zentralen Erfolgsfaktor der
Unternehmen
gemausert.
Wo
einst Stechuhr und Stellenplan regierten, kommt es
heute darauf an, für eine innovations- und motivationsfördernde Arbeitsumgebung zu sorgen. Denn
nur wer es schafft, gelangweilte Mitarbeiter in engagierte Mitunternehmer zu verwandeln, kann Wettbewerbsvorteile erzielen und Marktchancen nutzen.
Dreh- und Angelpunkt der Unternehmenskultur ist das Selbstverständnis und Verhalten der Führungskräfte. Soll sich daran etwas
ändern, bedarf es eines starken Impulses von oben.
So war es kein anderer als der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen selbst, der schon
2003 – in gänzlich skandalfreier Zeit also – eine Wertedebatte anstieß, die in der Unternehmenskultur von
Volkswagen inzwischen tiefe Spuren hinterlassen hat.
„Wenn verschiedene Volksgruppen einen Staat gründen, um gemeinsam stärker und
Die sieben Konzernwerte:
10|11
Band – Respekt: ein weiterer VW-Wert – in aller Regel
größer als am Abend zuvor. „Management in Practise“
nennt sich die neue Werte-Schule. Sogar ein eigenes
„Büro für Unternehmenskultur“ wurde eingerichtet.
Auch die Volkswagen AutoUni unterstützt den WerteKodex – mit Kursen in „Corporate Ethics and Corporate
Governance“. Dabei lernen Führungskräfte und solche,
die es werden wollen, dass nicht nur kaufmännische
oder technische Fähigkeiten gefragt sind, sondern ebenso sehr eine integre Persönlichkeit und die Bereitschaft
zur Übernahme von Verantwortung. „Value Management“ ist das Codewort der neuen Volkswagen-Zeit.
Da versteht es sich fast von selbst,
dass die Unternehmens-„Verfassung“ immer öfter
auch in Bewerber- und Mitarbeitergesprächen eine
Rolle spielt. Noch wichtiger vielleicht: Auch die jährlichen Bonus-Zahlungen erfolgen werteabhängig.
Von Wolfsburg verbreiten sich die
sieben Konzernwerte derweil bis nach Shanghai, wo
Manager als „Change Agents“ den Wertewandel betreiben, oder nach Curitiba, wo Mitarbeiter
die neue Unternehmensethik mit Hilfe
eigens entwickelter „Learning Maps“
studieren – eine sanfte Kulturrevolution,
Kundennähe, die Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen – gegenüber den Mitarbeitern, der Umwelt und den Zielen
die – für Schlagzeilen ganz ungeeignet
des Unternehmens -, Höchstleistung und Nachhaltigkeit, also langfris– auf Tiefenwirkung zielt. Getreu dem
tige, vorausschauende und sozial- und umweltorientierte Unternehsiebten Konzernwert: der Nachhaltigkeit.
menstätigkeit, dazu Respekt vor den Leistungen der anderen sowie
Seit dem letzten Jahr
Lernbereitschaft, die Schaffung von Werten und Mut, Kreativität und
flankiert Volkswagen seine Ethik-OffenPhantasie, die die Erneuerung des Unternehmens vorantreiben sollen.
sive mit neuen strengeren Kontrollmechanismen für schwarze Schafe. Nach
nen der sieben Werte, ganz hautnah erleben, in- einer Korruptions-Affäre wurde sogleich das Vier-Audem sie einen Tag lang etwa Fahrzeuge auslie- gen-Prinzip verschärft – und etwa auch auf das Reisefern oder Anrufe im Callcenter entgegennehmen. kostenmanagement ausgedehnt. Außerdem wurden
Ein anderes Beispiel: Wenn Jung- zwei unabhängige Ombudsmänner berufen, die HinManager ein Neufahrzeug einmal selbst zusammen- weise auf unkorrektes Handeln vergeschraubt haben, ist der Respekt vor den Kollegen am traulich entgegennehmen dürfen.
Führung kultivieren
erfolgreicher zu sein, müssen sie definieren, was das
Verbindende ist. Und dann müssen sich alle an die Verfassung halten.“ So hatte Dr. Pischetsrieder die Wertedebatte begründet, um sie den Führungskräften
schmackhaft zu machen. Ein Appell, der Wirkung zeigte.
200 Topmanager aus der ganzen
Volkswagen-Welt gingen daran, ethische und moralische Standards zu erarbeiten, die das Unternehmen
– bei aller kulturellen Vielfalt – weltweit prägen sollten. In stundenlangen Klausuren, auch am Wochenende, wurden die wahrgenommenen Mängel der
VW-Kultur offengelegt und über den Weg der Erneuerung räsonniert. Am Ende des Diskussionsmarathons
hatten die Manager einen Kanon gebotener Verhaltensweisen und nützlicher Organisationsstrukturen
erarbeitet, die neuen Konzernwerte und -leitlinien.
Doch nicht bedrucktes Papier
war das Ziel dieser beispiellosen Selbstverständigung, sondern Wandel im betrieblichen Alltag.
Deshalb dürfen Führungskräfte Kundennähe, ei-
Ein einzigartiges Konzept der Struktur- und Wirtschaftsförderung: Die nachhaltige AutoVision
Immer wieder „Made in Germany“: Kreative Kraftakte für die Zukunft der Industriearbeit
Wertschöpfung durch Wertschätzung: „Work2Work“ für Menschen mit Handicaps
12|13
Beschäftigung gestalten
Ohne Arbeit ist das
Leben grau. Wer ihm
Farbe geben will,
muss Beschäftigung
gestalten.
Jobmaschine auf
der Kaninchenwiese
ese
Die wirtschaftlich dynamischste Stadt Deutschlands? Richtig:
Wolfsburg. Ein einzigartiges Konzept der Struktur- und Wirtschaftsförderung, die von Volkswagen initiierte AutoVision, pushte die Stadt
vom Sanierungsfall zum Wirtschaftsmotor einer ganzen Region.
E
Herzstück der AutoVision ist das zu Anfang des neuen
Jahrtausends entstandene Forum mit dem Innovationscampus
und dem Simultaneous-Engineering-Zentrum. Für 8 000 neue
Jobs hat die Wolfsburg AG in den letzten fünf Jahren gesorgt.
in positiveres Zeugnis hätte sich
Wolfsburg selbst nicht ausstellen
können: Die Stadt hat den Sprung
unter die Top Ten der wirtschaftlich zukunftsträchtigsten Städte Deutschlands geschafft. Vor Hamburg, Düsseldorf oder Berlin. Und
als einzige Stadt nördlich der Mainlinie überhaupt.
Mehr noch: In punkto Wirtschaftsdynamik lässt
Wolfsburg als unangefochtene Nummer eins sogar sämtliche anderen deutschen Städte hinter sich.
Berechnet hat diese Top-Platzierungen die renommierte Basler Unternehmensberatung Prognos. Für ihren aktuellen „Zukunftsatlas 2004
– Deutschlands Regionen im Zukunftswettbewerb“ hat
sie mit Hilfe von 29 wirtschaftlichen, sozialen und demographischen Kriterien die bisherige Entwicklung und
die Zukunftschancen aller 439 Kreise und kreisfreien
Städte in Deutschland ermittelt und bewertet. Ergebnis: „Wolfsburg hat in den vergangenen Jahren eine
Performance erzielt, die bundesweit einzigartig ist“,
bilanziert Tobias Koch, einer der Zukunftsatlas-Autoren.
Ein Konzept, das die Verbundenheit
mit der Region dokumentiert
Pünktlich zum Stadtjubiläum kommt deshalb keine rechte
Feierstimmung auf. Dafür aber eine Vision: Volkswagen überreicht der Stadt
zum Geburtstag diesmal keinen neuen Konzertsaal, keine neue Kunsthalle –
sondern ein Konzept, das die Verbundenheit des Unternehmens mit der Region und seine Verantwortung ihr gegenüber viel besser dokumentiert: die AutoVision. Unter diesem Namen ließ der Konzern von McKinsey eine Strategie
entwickeln, die Wolfsburgs Wirtschaft wiederbeleben, dynamisieren und dauerhaft verbessern soll. Und zwar nicht irgendwann. Sondern schnell: Der damalige VW-Personalvorstand Peter Hartz versprach den Stadtvätern, dass die
AutoVision die Arbeitslosigkeit innerhalb von nur fünf Jahren halbieren werde.
Was macht man mit so einem Geschenk? Am besten bestmöglich umsetzen: Um die AutoVision Wirklichkeit werden zu lassen, gründen Wolfsburg und Volkswagen nach dem Modell der Public Private Partnership eigens ein gemeinsames Unternehmen, die Wolfsburg AG. Ihr Auftrag:
der Globalisierung keine Grenzen
mehr. Die AutoVision funktioniert
nicht nur am Stammsitz in Wolfs-
14|15
Für gute Ideen gelten in Zeiten
burg. Längst haben auch andere
Volkswagen-Standorte das Modell
auf ihre Region übertragen. Nicht
nur Kassel, Emden oder Braunschweig – sondern etwa auch Sao
Paulo. Die AutoVisao Brazil sollte
allein im Jahr 2005 800 neue
Jobs und 20 Firmengründungen
initiieren.
www.vw.com.br
Einen InnovationsCampus kennt
auch Uitenhage, der Standort von
Volkswagen of South Africa. Hier
firmiert das Konzept AutoVision
als Uitenhage Despatch Development Initiative (UDDI) und
deren Bereich Existenzförderung
unter dem Namen Uitenhage Self
Employment Center (USEC).
www.vw.co.za
Zielgruppe des USEC sind Arbeitslose mit geringer oder gar keiner
Schulbildung, Jugendliche und
erwerbslose Frauen. Sie werden
von USEC trainiert, ausgebildet,
psychologisch unterstützt und
motiviert, ihr Leben selbst in die
Hand zu nehmen. Zum Beispiel
als selbständige Näherinnen oder
auch als Ziegelproduzenten.
www.vw.co.za
Beschäftigung gestalten
Zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt. In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um über 23 000 auf heute fast 97 000 erhöht. Ein Plus von
satten 32 – in Worten: zweiunddreißig! – Prozent. „Wir haben heute
den höchsten Beschäftigungsstand seit Bestehen der Stadt. Und wir haben sicher den höchsten Beschäftigungszuwachs aller deutschen Großstädte“, freut sich Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke. Zufällig sind dieser Job-Zuwachs und die exzellenten Zukunftschancen
nicht. Im Gegenteil. Sie sind das kalkulierte Ergebnis eines – Geschenks.
Aber der Reihe nach: Die Automobilkrise Anfang der 90er
Jahre beutelt Volkswagen und Wolfsburg gleichermaßen. Kein Wunder,
der Konzern stellt fast zwei Drittel aller Arbeitsplätze. Mittelständler und
Dienstleister dagegen sind krass unterrepräsentiert. Selbst die Zahl der Automobilzulieferer liegt um 75 Prozent niedriger als an vergleichbaren Automobilstandorten. Zudem wächst wirtschaftlich viel zu wenig nach. Die Zahl
der Unternehmensgründungen liegt 30 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die Folgen von Autokrise und wirtschaftlicher Monostruktur sind
drastisch: 1997 klettert die Arbeitslosigkeit in Wolfsburg auf über 17 Prozent.
„Grabt die Welt um,“ erinnert sich Klaus Dierkes, Vorstandssprecher der Wolfsburg AG, an die Anfänge in
den Jahren 1998 und 1999. „Wir haben uns damals weltweit umgesehen, wie Erfolgsregionen eigentlich funktionieren, haben die besten Strategien auf unser Konzept
übertragen und sie in Wolfsburg gezielt umgesetzt.“
Der Kern des Konzepts ist dabei die
wirtschaftliche Clusterbildung, zu Deutsch: die räumliche Konzentration und Vernetzung von Aktivitäten
rund um ein oder mehrere Schwerpunktthemen. Dierkes: „Wir fördern ganz gezielt vier Wirtschaftsbereiche:
Natürlich den Bereich Mobilität und daneben die Branchen Freizeit und Tourismus, Informationstechnologie
sowie Gesundheitsbusiness. Mit ihnen wollen wir eine
Wirtschaftsdynamik in Gang setzen, die sich kontinuierlich selbst verstärkt. Bis zum Jahr 2015 bauen wir so
Die Softwareentwickler der Extessy AG mit ihrem Vorstandschef
Hans Martin Schulz (2. Reihe ganz links) genießen in der
Automobilbranche einen exzellenten Ruf. Dabei wurde die
Firma erst vor 5 Jahren gegründet – mit Hilfe der Wolfsburg AG.
eine ganz neue Wirtschaftslandschaft auf. Unsere Vision dabei ist, dass Wolfsburg bis dahin einer der erfolgreichsten und stabilsten Standorte Deutschlands ist.“
Nicht gerade bescheiden, dieses
Ziel. Aber: Teilweise ist es sogar schon verwirklicht. Zum
Beweis genügt ein Blick in den Prognos-Zukunftsatlas.
Oder ein Blick in die lokale Arbeitsmarktstatistik: Die Arbeitslosenquote konnte tatsächlich binnen fünf Jahren
halbiert werden. Sie war sogar schon im Jahr 2002 auf
nur noch acht Prozent gefallen. Einerseits, weil sich die
Autokonjunktur erholte. Andererseits dank der AutoVision: Gut 8000 der 23 000 neu entstandenen Jobs lassen
sich direkt auf die Arbeit der Wolfsburg AG zurückführen.
Als Arbeitsnachweis der Wolfsburg
AG genügt aber auch einfach ein Blick aus Dierkes’ Bürofenster: auf den InnovationsCampus, einen modernen
Gebäudekomplex speziell für StartUps. „Wo früher nur
eine Kaninchenwiese brachlag, arbeiten heute 50 neugegründete Unternehmen“, sagt Dierkes stolz. „Insgesamt haben wir bis heute sogar 260 Gründer begleitet,
deren Unternehmen insgesamt 1 500 Jobs schufen.“
Zum Beispiel die Extessy AG: Ihre
Softwareprogramme erlauben Autoentwicklern, unterschiedliche Simulationen miteinander virtuell zu
vernetzen. Die junge Firma genießt bereits in der gesamten Automobilbranche einen exzellenten Ruf. Dabei wurde der Shootingstar erst im Jahr 2000 gegründet. Mit maßgeblicher Unterstützung der Wolfsburg
AG: „Ohne deren Coaches hätten wir als reine Ingenieure niemals so reibungslos und schnell starten können“, lobt Extessy-Vorstandschef Hans Martin Schulz.
Die Existenzförderung ist nur
ein Arbeitsfeld der Wolfsburg AG. Die Bilanzen ihrer fünf anderen Geschäftsfelder sind jedoch nicht
weniger imposant. Etwa die der Lieferanten-Ansiedlung: Exakt 101 neue Betriebe mit fast 4 000
Mitarbeitern gehen auf ihr Konto. Optimale Rah-
Wolfsburg AG – Daten und Fakten
grösstes Einzelprojekt:
Forum AutoVision, 59,8 Millionen Euro
bisher neu gegründete Unternehmen:
279
bisher geschaffene Arbeitsplätze:
menbedingungen und perfekte Services haben die ehemals vermissten
Mittelständler überzeugt, nach Wolfsburg zu ziehen. „Als wir 2001 hier
unsere erste Halle bauen wollten und unter Zeitdruck gerieten, hatten wir innerhalb von nur 24 Stunden die notwendige Teilbaugenehmigung. Das, so denke ich, dürfte in Deutschland absolut einmalig sein“,
lobt zum Beispiel Volker Behle, Standortleiter der Panopa Logistik GmbH,
die das Volkswagen Presswerk täglich mit 2 500 Tonnen Stahl beliefert.
Die PersonalServiceAgentur der Wolfsburg AG versorgt
Existenzgründer wie Mittelstand mit geeignetem Personal. Etwa 2 000 Personen waren hier im Monatsdurchschnitt des Jahres 2004 beschäftigt. Darüber hinaus unterstreicht sie ihre regionale Verantwortung in der Aus- und
Weiterbildung. Etwa im Regionalen Kompetenznetzwerk Niedersachsen
(RKN). Oder indem sie gezielt Projekte für benachteiligte Jugendliche unter
25 Jahren organisiert, die auf dem regulären Arbeitsmarkt chancenlos sind.
Und nicht zuletzt hat der Geschäftsbereich ErlebnisWelt zusammen mit Volkswagen das Gesicht Wolfsburgs von Grund auf
verändert: AutoStadt, VolkswagenArena und Science Center Phaeno locken bereits Besucher an, eine Multifunktionsarena und eine Indoor-Ski-
16|17
Modell der neuen Erlebniswelt
im Wolfsburger Allerpark
angesiedelte Lieferanten: 101
Mitarbeiter: Stand 2004: 201 Stammmitarbeiter, 730 Zeitarbeitnehmer
(Quartalsdurchschnitt)
Umsatz: 63,02 Millionen Euro (2004)
Grundkapital: 10,1 Millionen Euro
Klaus Dierkes ist Vorstandssprecher der Wolfsburg AG
Ein Schritt auf dem Weg zu neuen,
hoch innovativen Geschäftsfeldern
halle werden weitere Attraktionen sein – auch für Investoren. So wird es
zunehmend interessant, in Wolfsburg zu leben und zu arbeiten. Hinzu
kommen kontinuierlich neue Ideen, Impulse, Initiativen wie das HealthProject, das auf innovative Dienste rund um Wellness und Gesundheit
zielt, oder das Netzwerk Nachhaltigkeit und Wirtschaft, das die Idee der
Ressourcenschonung in neue Marktsegmente umsetzen will. „Die Wolfsburg AG ist der Motor der AutoVision“, fasst Klaus Dierkes zusammen.
Und sie bleibt es. Schließlich verkörpert die AutoVision
ein langfristiges Konzept. Das unterstreicht auch ihr Initiator Volkswagen.
Klaus Dierkes: „Nur weil wir unser Ziel erreicht haben, ist die AutoVision
noch nicht abgeschlossen. Dies ist nur ein Schritt auf dem Weg zum Aufbau sich selbstverstärkender Cluster, der Entwicklung neuer, hochinnovativer Geschäftsfelder.“ Wir sind gespannt. Auf die nächsten Etappen. Und auf den Prognos-Zukunftsatlas 2010.
Beschäftigung gestalten
etwa 8 300
Nachhaltigkeitstarifvertrag nannten die Volkswagen AG und die IG
Metall den jüngsten, im Jahr 2004
geschlossenen Haustarifvertrag.
Betriebsbedingte Kündigungen
sollen danach bis Ende 2011 ausgeschlossen sein.
www.volkswagen.de
Job Families bezeichnen ein
europaweites Kompetenz- und
Personalentwicklungskonzept bei
Volkswagen, das eine Antwort
gibt auf die realen Veränderungen
industrieller Arbeit. In den Job
Families sind – Zünften ähnlich
– verwandte Tätigkeiten über Hierarchiegrenzen hinweg integriert.
So wird die Überkomplexität von
ehedem 4 000 verschiedenen
Tätigkeitsbeschreibungen prozessund leistungsorientiert umgebaut, radikal reduziert und in ein
transparentes Vergütungssystem
überführt.
www.vw-personal.de
Das Gütesiegel „TOP JOB 2004“
erhielt nach einer bundesweiten,
branchenübergreifenden Untersuchung die Volkswagen Bank
GmbH. Die Beurteilung als hervorragender Arbeitgeber stützt sich
auf weit überdurchschnittliche
Leistungen bei Personalentwicklung und Familienorientierung.
www.volkswagenbank.de
M
üssen wir tatenlos hinnehmen, dass die Arbeitsplätze aus Deutschland abwandern? Diese Sorge ist
weit verbreitet. Auch Volkswagen hat in Mittel- und
Osteuropa Arbeitsplätze geschaffen – in Deutschland aber keine abgeschafft. Im Gegenteil. Während in Polen, Ungarn, der
Tschechischen oder der Slowakischen Republik Werke aufgebaut wurden,
stiegen – nahezu im Gleichschritt – auch die Mitarbeiterzahlen im Stammland der Marke. Seiner sozialen Verantwortung in Deutschland gerecht
zu werden heißt für Volkswagen schließlich in erster Linie: den Produktionsstandort Deutschland und seine Jobs erhalten. Was im Falle von VW
heißt: mit mutigen Ideen und der Kraft zur Einsicht in die Notwendigkeiten.
Wie vor gut fünf Jahren. „5000 mal 5000“ hieß damals
plakativ die erste kreative Antwort auf die Herausforderung der Globalisierung und des verschärften Standortwettbewerbs. 5 000 Arbeitslose
sollten für 5 000 D-Mark ein neues VW-Modell bauen. Fast alles war neu
an dem Konzept. Von den Geschäftsprozessen über die Arbeitszeitmodelle bis zur erfolgsabhängigen Entlohnung. Neu war aber vor allem: Statt
Leute zu entlassen wurden sogar Jobs geschaffen. Heute bauen insgesamt
3 500 ehemalige Arbeitslose als Mitarbeiter der Auto 5000 GmbH den Familienvan Touran, eines der erfolgreichsten Automobile des VW-Konzerns.
Im letzten Jahr folgte ein weiterer kreativer Kraftakt,
um zu beweisen, dass Industriearbeit in Deutschland Perspektiven hat: der
„Nachhaltigkeitstarifvertrag“. „Sein Kern“, so der Vorsitzende des Gesamtund Konzernbetriebsrates Bernd Osterloh, „ist der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für 103 000 Beschäftigte einschließlich der Azubis bis
Ende 2011 und die Festlegung von künftigen Produkten und Investitionen für
einzelne Standorte zur Gestaltung einer innovativen Arbeitsorganisation.“
Im Gegenzug verzichteten die Arbeitnehmer auf eine Lohnerhöhung. Und sie akzeptierten, dass neue Mitarbeiter nicht mehr nach altem Haustarif, sondern nach Metall-Flächentarif eingestellt werden. Damit
war der Durchbruch zur notwendigen Senkung der Arbeitskosten um eine
Milliarde Euro geschafft – bei gleichzeitiger Beschäftigungsgarantie. „VW
zeigt, wie es geht“, kommentierte selbst Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Steigender Kostendruck nötigten Unternehmensleitung und Betriebsrat freilich schon 2005 zur Neujustierung ihres Beschäftigungspaktes. Damit in Wolfsburg auch ein neues Modell, der Gelände-Golf
„Marrakesch“, gebaut werden kann, wechselten 1 000 Azubis nach der Leh-
18|19
„Volkswagen zeigt,
wie es geht“
ese
re in die Auto 5000 GmbH – mit einer Rückkehroption für den Fall wieder steigenden Personalbedarfs.
Standortverantwortung hat bei
Volkswagen in Krisensituationen schon immer die
Fähigkeit angefeuert, eingefahrene Geleise zu verlassen. Schon 1993 standen 30 000 von 100 000
Jobs in Deutschland zur Disposition. Doch es kamen
nicht die allseits befürchteten Massenentlassun-
Der Andrang beim Tag der offenen Tür im Werk Wolfsburg
offenbart die enge Verbundenheit von Werk und Stadt.
gen, sondern erst die Vier-Tage-Woche – mit Lohnverzicht – und dann ein erster Schub an Flexibilität.
Die Fabriken lernten damals mit der Auftragslage
gleichsam zu atmen. Das heißt: Je nach Marktentwicklung wurde bei hohem Auftragsbestand viel
gearbeitet, bei geringem entsprechend weniger. So
wurden zusätzliche Kosten vermieden, die Arbeit gerecht verteilt, und das Unternehmen hielt die Mitarbeiter und ihr Know-how auch in schlechten Zeiten.
In Zukunft werden eher noch mehr
Phantasie und Kreativität vonnöten sein als in der Vergangenheit, um wettbewerbsfähige Jobs am Standort
D zu halten. Und längst ist klar: Ohne Zumutungen für
die Beschäftigten wird es nicht machbar sein. Solange
es aber am Willen zum Kompromiss und zur fairen Ausbalancierung unterschiedlicher Stakeholder-Ansprüche
nicht mangelt – und eben darin erweist sich Unternehmenspolitik auch in Schlechtwetterzeiten als nachhaltigkeitsorientiert –, muss es einem um die Zukunft der
Arbeit an den deutschen VW-Standorten eigentlich nicht bange sein.
Beschäftigung gestalten
Made in Germany – ein Auslaufmodell? Der globale Wettbewerb
wird immer härter – auch für VW. Mit kreativen Konzepten
beweist das Unternehmen aber immer wieder, dass sich auch an
Hochkosten-Standorten Autos in Spitzenqualität produzieren lassen.
„Wir geben das Selbstbewusstsein zurück“
ese
Auch Behinderte leisten bei Volkswagen ihren Beitrag zur Wertschöpfung. Wie alle anderen Mitarbeiter auch. Weil nicht ihre Handicaps im Vordergrund stehen, sondern ihre Fähigkeiten. Integrieren
statt abschieben: Das ist das Motto des Personalkonzepts Work2Work.
D
Leistungsgewandelte leisten nichts? Von wegen: Bei
Work2Work werden anspruchsvollste Simulatoren, Prüf- und
Schulungsgeräte gefertigt. Denn jeder Mitarbeiter bringt
Leistung, wenn er nur leidensgerecht eingesetzt wird.
ragan Antonijevic ist ein besonders
engagierter Taxifahrer: „Vier Millionen Kilometer habe ich schon
runter. Sechs Millionen will ich bis
zur Rente noch schaffen“, sagt er. Eine stolze Strecke.
Zumal sie der 55-Jährige nur mit links bewältigen will:
Seine rechte Hand war beim Bau seines Hauses in die
Kreissäge geraten. Autofahren kann er dennoch. Dank
seiner Spezialprothese. „Die meisten meiner Fahrgäste
sind begeistert“, erzählt er. „Mensch, Sie fahren mit einer Hand ja besser als ich mit zweien.“ Antonijevic fährt
allerdings kein gewöhnliches Taxi. Seine Touren führen
ausschließlich durch das VW-Werk Wolfsburg und seine
Kunden sind allesamt VW-Mitarbeiter. Ingenieure zum
Beispiel, die schnell von einem Werksende zum anderen
müssen. Sie rufen den Werks-Shuttle „Pick & go“ – dessen Fahrer allesamt wie Antonijevic ein Handicap haben.
„Pick & go“ war das erste Projekt des
neuen VW-Personalkonzepts Work2Work. Sein Ziel: Behinderten und leistungsgewandelten Mitarbeitern – so
heißen bei VW Beschäftigte mit Einschränkungen nach
geschneiderter Mobilitätshilfen
von Volkswagen für Menschen
mit Handicaps kein Problem.
20|21
Fahren ohne Arme – dank maß-
Als Sonderausstattungen direkt
ab Werk bietet der Marktführer
für behindertengerechte Autos
ein umfangreiches Spektrum an
Fahr- und Bedienungshilfen an.
Zusätzlich gewähren VW und
Audi Behinderten und Angehörigen Rabatte von bis zu 15 % beim
Erwerb eines Neuwagens.
www.vw-mobil.de
Im betriebsinternen Rehabili-
tations-Zentrum in Wolfsburg
werden jährlich 100 bis 120 leistungseingeschränkte Mitarbeiter
auf die Rückkehr ins Berufsleben
vorbereitet. Die Mehrzahl von
ihnen kehrt sogar an den alten
Arbeitsplatz zurück. Das RehaZentrum besteht schon seit 1973.
www.vw-personal.de
Auf eine „Vereinbarung zur
Integration Schwerbehinderter“
verständigten sich Unternehmensleitung, Betriebsrat und
Schwerbehindertenvertretung im
Jahr 2003. Behinderte Beschäftigte erhalten danach Fortbildungsangebote, behinderte Jugendliche
werden bei gleicher Qualifikation
bevorzugt als Azubis eingestellt.
www.vw-personal.de
Beschäftigung gestalten
Unfällen oder Krankheiten – eine Beschäftigungsalternative zum bisherigen
Arbeitsplatz zu bieten. „So genannte Pflegefälle wie anderswo üblich einfach
‚sozialisieren’? Nicht bei uns!“, bringt es Wilhelm Bernstein auf den Punkt. Der
Manager leitet im Werk Wolfsburg den Werkstatt- und Industrieservice, der eigens für Work2Work gegründet wurde. Über 600 Leistungsgewandelte erbringen hier Dienstleistungen, die vormals von Fremdfirmen eingekauft oder die
bedarfsorientiert neu geschaffen wurden: Von „Pick & go“ über das Umweltrecycling und Verpacken von Exportfahrzeugen bis zu Reparaturdiensten aller Art.
Wer jetzt an eine Art beschützende Werkstatt denkt,
liegt falsch. „Bei uns geht’s zu wie im richtigen Leben“, sagt Bernstein. Wettbewerbsdruck inklusive. Von Anfang an musste sich der Werkstatt- und Industrieservice seine Aufträge selbst akquirieren. Auch von Fremdfirmen:
„Unser Hausmeisterdienst etwa hatte ein benachbartes Ingenieurbüro
so beeindruckt, dass es ihn sofort eingekauft hat“, berichtet Bernstein.
Jeder bringt Leistung und ist wertschöpfend, wenn er
leidensgerecht und seinen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wird. Genau dafür sorgen Kerstin Scholz und Leopold Paeth vom Work2Work-Personaleinsatz. „Wir verstehen uns nicht als Vermittler, sondern als Coach“,
erklärt Frau Scholz: „Wir wollen aus jedem Spieler das Beste herausholen,
den besten Mannschaftsplatz für ihn finden, damit das gesamte Team gewinnt.“ Deshalb interessiere auch nicht die Behinderung, sondern die Leistungsfähigkeit des Einzelnen, ergänzt Paeth: „Unsere erste Frage ist nicht:
Was können Sie nicht oder nicht mehr? Sondern: Was können Sie?“ Entscheidend sei deshalb nicht die Personalakte, sondern das Gespräch. „Auch weil
viele Leistungsgewandelte beim ersten Kontakt mit uns zunächst Angst
haben“, weiß Leopold Paeth. Kein Wunder: Bevor es Work2Work gab, wurden sie in der Produktion oft versteckt. Dort waren sie zwar physisch anwesend, aber unproduktiv – und flüchteten deshalb oft in Krankheit. „Wir
wollen ihnen helfen, ihr Selbstbewusstsein wiederzufinden“, sagt Paeth.
Das Konzept geht auf: 97 Prozent der Leistungsgewandelten fanden durch Work2Work einen leidensgerechten und trotzdem
wertschöpfenden Arbeitsplatz, ermittelte der Arbeitswissenschaftler Prof.
Bernd Rudow von der FH Merseburg in einer Studie. Mehr noch: Auch der
Gesundheitsstand dieser Gruppe verbesserte sich innerhalb des ersten
Jahres um 49 Prozent. „VW ist das erste Großunternehmen, das die Problematik der Leistungsgeminderten lösen will“, lobt Rudow. „Mit Work2Work leistet es echte Pionierarbeit.“
Minimalstandards und Gleichbehandlung: Die Erklärung zu den sozialen Rechten und den industriellen Beziehungen
Fitnessprogramm für Partner: Projekt „Verbesserung des Arbeitsschutzes bei Zulieferern“ mit ILO und GTZ
Heute lernen, morgen lehren: Das Qualifizierungsprogramm der Auto 5000 GmbH
Ohne Nachwuchs keine Zukunft: Die Initiative für mehr Ausbildung bei Audi
Kaderschmiede für technische Intelligenz: Das neue Bildungszentrum in Mladá Boleslav
xx|xx
22|23
xx
Arbeit aufwerten
Erst die Arbeit,
dann das Vergnügen?
Wer Räume erfahren
und Grenzen
überschreiten will,
muss Jobs aufwerten.
Global, fair
und sozial
ese
Gleiche Rechte für alle Mitarbeiter bei Volkswagen weltweit –
das garantiert die Sozialcharta, die Volkswagen als erstes
Unternehmen seiner Branche beschlossen und verkündet hat.
V
om mexikanischen Puebla über
das südafrikanische Uitenhage
bis zum chinesischen Changchun
– als global produzierendes Unternehmen ist Volkswagen heute auf allen wichtigen
Märkten der Welt vertreten. Die Internationalisierung ist für die Wettbewerbsfähigkeit und für die Zukunftssicherheit des Konzerns unverzichtbar. Mehr als
340 000 Menschen an 45 VW-Produktionsstandorten
Für rund 340 000
Menschen an 45
Produktionsstandorten trägt Volkswagen
soziale Verantwortung:
„Gerade in Übersee“, sagt Dr. Bernd
Pischetsrieder, „kann
die Sozialcharta Wege
aufzeigen, wie Arbeit
sozialverträglich organisiert werden kann.“
arbeiten weltweit für den VW-Konzern – dem damit
ein hohes Maß an sozialer Verantwortung zuwächst.
Die aber ist bei Volkswagen unteilbar. „Bei uns“, sagt der Vorstandsvorsitzende
Dr. Bernd Pischetsrieder, „werden an alle Arbeitsplätze die
gleichen hohen Anforderungen gestellt, egal wo sie sich
befinden.“ Das heißt: Das Unternehmen behandelt seine
Mitarbeiter in Brasilien, Mexiko oder Südafrika grundsätzlich nicht anders als die in Deutschland und Europa.
Einen Welt-Konzernbetriebsrat
(WKB) hat Volkswagen im Mai
1998 auf seiner Weltarbeitneh-
24|25
Welt-Konzernbetriebsrat
merkonferenz in Mlada Boleslav
(Tschechien) als erstes Unternehmen der Automobilindustrie ins
Leben gerufen. In dem Gremium
arbeiten die Mitglieder des EuroKonzernbetriebsrats mit Kollegen
aus Nord- und Südamerika sowie
aus Afrika zusammen. Mindestens
einmal im Jahr trifft sich der WKB
mit dem Konzernvorstand und
den Personalleitern, um die langfristige Entwicklung des Konzerns
zu diskutieren. Dabei kann es um
die Beschäftigungssituation an
den Standorten, um Produktivität
und Kostenstrukturen oder um
die Entwicklung der Arbeitsbedingungen gehen. Und vor allem:
Die Konzernleitung informiert den
WKB frühzeitig über grenzüberschreitende Produktionsverlagerungen und gibt dem Rat die
Gelegenheit zur Stellungnahme.
So können mögliche Konflikte
frühzeitig aufgedeckt und einvernehmlich gelöst werden. Der Rat
besteht aus frei gewählten Arbeitnehmervertretern der einzelnen
Länder. Geleitet wird das Gremium von einem sechsköpfigen
Präsidium, darunter der Präsident
und der Generalsekretär.
www.vw-personal.de
Arbeit aufwerten
Was längst gelebte Unternehmenskultur war, wurde im
Juni 2002 zur förmlichen Vereinbarung zwischen Konzernvorstand, Welt-Konzernbetriebsrat und Internationalem Metallarbeiterverband: Die „Erklärung
zu den sozialen Rechten und den industriellen Beziehungen“ garantiert soziale Mindeststandards und individuelle Gleichbehandlung in der ganzen Volkswagen-Welt
– ein in der Autobranche bis dato beispielloses
Dokument globaler Sozialverantwortung. So garantiert VW in seinen Werken unter anderem,
die Bildung von Gewerkschaften zuzulassen, keine
Kinder zu beschäftigen, jede Form von Zwangsarbeit abzulehnen, Gleichbehandlung unabhängig
von Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Religion soBernd Osterloh
wie ethnischer oder sozialer Herkunft, einen fairen
Betriebsratsvorsitzender
Lohn zu zahlen sowie die nationalen Standards für
Arbeits- und Gesundheitsschutz zu gewährleisten.
Ständen all diese Rechte nur auf dem Papier – die Erklärung
wäre wenig wert. VW hat seine Charta aber an all seinen Standorten publik gemacht. Die Mitarbeiter kennen ihre Rechte, und der Welt-Konzernbetriebsrat
wacht über deren Einhaltung. Jeder Hinweis, dass irgendwo gegen den Verhaltenskodex verstoßen worden sein könnte, wird ernst genommen und verfolgt.
Dabei soll die Sozialcharta nicht nur in die Volkswagen-Welt hineinwirken, sondern auch andere Unternehmen zur Nachahmung anregen, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Gerade
in Übersee könne die Charta „Wege aufzeigen, wie Arbeit sozialverträglich
organisiert und gesichert werden kann“, hofft Vorstandschef Dr. Bernd Pischetsrieder. Eine Sichtweise, die Bernd Osterloh, der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats, ausdrücklich teilt, wenn er in der Charta
„ein kleines Element eines Entwicklungsmodells“ erkennt, „das die Globalisierung ausdrücklich auf die soziale Verantwortung verpflichten will“.
Dabei ist die Sozialcharta nicht die einzige freiwillige Selbstverpflichtung, die sich Volkswagen auferlegt hat. Denn schon seit langem orientiert sich Europas Automobilbauer Nr. 1 auch an den Leitlinien der OECD und
der internationalen Arbeitsorganisation ILO. Zudem ist VW Mitglied der „Charter for Sustainable Development“ der International Chamber of Commerce
(ICC), bekennt sich schließlich auch zu den 10 Prinzipien des
Global Compact von UN-Generalsekretär Kofi A. Annan.
270 Millionen Arbeitsunfälle ereignen sich nach Schätzung der ILO
jedes Jahr. 355 000 dieser Unfälle enden tödlich. In Entwicklungsländern
liegt die Todesrate fünf bis sieben
Mal höher als in Industrieländern. Die
Zahl der berufsbedingten Krankheitsfälle schätzt die Arbeitsorganisation
auf 160 Mio. weltweit.
www.ilo.org
Eine Konzern-Arbeitsschutzkonfe-
renz hat erstmals 2 000 unter Beteiligung aller europäischen Standorte
stattgefunden. Mehr als fünfzig
Fachleute aus Management und
Betriebsräten kamen in Wolfsburg
zusammen, um den Arbeitsschutz
weltweit zu verbessern. So wurde der
Grundstein für eine engere Zusammenarbeit aller Arbeitsschutzexperten im VW-Konzern gelegt.
www.volkswagen-nachhaltigkeit.de
Die Zahl der Arbeitsunfälle bei VW
konnte in letzten 25 Jahren erheblich
gesenkt werden. Im Jahr 2004 kamen
noch 5,2 Betriebsunfälle auf eine
Mio. Arbeitsstunden – die geringste
Unfallhäufigkeit in der deutschen
Automobilindustrie. Fast 26 000
Mitarbeiter beteiligten sich am
unternehmensinternen Wettbewerb
Arbeitssicherheit. Seit 2002 läuft das
Projekt „Selbst Sicher“, das an die
Eigenverantwortung appelliert.
www.vw-personal.de
E
lke Sebold weiß, was einem Menschen bei der Arbeit alles zustoßen kann. Denn die Ingenieurin ist
eine von denen, die bei Volkswagen dafür zuständig
sind, die gültigen Arbeitsschutz-Normen und -Standards weltweit mit Leben zu füllen. „Uns fallen Dinge auf, an die sich die
Leute vor Ort längst gewöhnt haben“, sagt sie. Über 340000 Mitarbeiter
gehören dem Konzern an. Doch nicht nur für deren Gesundheit ist der Autobauer verantwortlich. Das Schicksal der Beschäftigten bei Tausenden
Lieferanten und Sub-Lieferanten kann ihm auch nicht gleichgültig sein.
Doch gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern
ist die Arbeit oft wenig geschützt. Elke Sebold: „Ressourcenmangel und
manchmal auch Unwissenheit führen bei den kleinen und mittelständischen
Unternehmen immer wieder zu Problemen. Da müssen wir unterstützen.“
Auf sich allein gestellt wäre da freilich sogar ein Global
Player wie Volkswagen überfordert. Deshalb beteiligt sich das Unternehmen
an dem internationalen Projekt „Global Compact and Establishing a Health
and Safety Culture“ (im Rahmen des größeren „SafeWork“-Programms), an
dem auch die ILO, die Internationale Arbeitsorganisation, und die GTZ, die
deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, beteiligt sind. Ziel
des Projekts ist die Verbesserung des Arbeitsschutzes in Brasilien, Mexiko
und Südafrika – Regionen mithin, in denen VW engagiert ist. Die ILO will „nationale Aktionspläne“ erarbeiten und bildet Arbeitsinspektoren aus, die GTZ
übernimmt das Wirkungsmonitoring, Volkswagen liefert die Lieferanten.
Morgen fliegt Elke Sebold nach Südafrika. Acht Betriebe hat VW für das Projekt ausgewählt. Kleine Unternehmen mit durchweg weniger als 50 Mitarbeitern. „Da stellt man niemanden ein, der sich
ausschließlich um den Arbeitsschutz kümmert“, weiß die Expertin. Bei der
ersten Begegnung mit den Lieferanten wird sie vor allem aufklären. Checklisten und Fragebögen wird sie verteilen, damit die Betriebe wissen, was auf
sie zukommt. „Wir sind schließlich keine Polizei, sondern wollen gemeinsam Schwächen entdecken und Lösungen erarbeiten“, betont Frau Sebold.
Eine Woche später wird sie dann erneut vor Ort sein. Mit
einem Team, bestehend aus einem weiteren Arbeitsschutz-Fachmann, einem
Kollegen aus der Qualitätssicherung, einem nationalen Koordinator und zwei
Arbeits-Inspektoren der Regierung, wird sie einen Betrieb nach dem anderen
abklappern. Einen ganzen Monat lang fragen, beurteilen und beraten. Zwei
Tage für jeden. Nicht nur mit der Geschäftsführung wird dann gesprochen,
26|27
„Weil wir offen sind,
lassen sie sich beraten“
ese
sondern auch mit Gewerkschaftern und Arbeitern:
„Die kennen ihren Arbeitsplatz am besten und können
Gefährdungen erkennen, die einer Führungskraft gar
nicht auffallen.“ Ohne den persönlichen Augenschein
bei einer Betriebsbesichtigung geht es einfach nicht.
Am zweiten Tag listen die Berater
Stärken und Schwächen auf, entwerfen oft auch gleich
Lösungsvorschläge. „Die Mitarbeiter können dann so-
Arbeitsschutz-Experten mit Volkswagen-Managerin
Elke Sebold (6. v. l. hinten) in Südafrika.
fort damit arbeiten“, sagt die Sicherheitsingeneurin.
Die allermeisten tun das auch. „Weil wir ganz offen
arbeiten, vertrauen sie uns und lassen sich beraten.“
So verstehen die Lieferanten auch
am besten, dass sich Investitionen in den Arbeitsschutz auch für sie selbst lohnen. Elke Sebold: „Die
Betriebe sollen erkennen, dass sich Arbeits-Sicherheit
und Produktivität ergänzen.“ Denn Arbeitsunfälle können mit empfindlichen Folgekosten verbunden sein.
Die Arbeitsinspektoren der Regierung
teilen ihre neuen Erfahrungen später Kollegen mit, die
dann wiederum weitere Betriebe informieren. Im Schneeballsystem sollen sich die Empfehlungen verbreiten.
Wenn im nächsten Jahr die Ergebnisse aus allen drei Projekt-Ländern vorliegen, werden
abrufbare Tipps für kleine und mittlere Unternehmen
als Tool aufbereitet – zuerst für VW-Lieferanten. Im
zweiten Schritt sollen dann alle Unternehmen weltweit
„Best Practise“-Ratschläge für die Förderung von Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz aus dem Netz abrufen können.
Arbeit aufwerten
Beim Arbeitsschutz liegt in Schwellenländern manches im Argen.
Volkswagen beteiligt sich an „SafeWork“, einem Programm der Internationalen Arbeitsorganisation. Nicht aus Sorge um das Wohl der eigenen Beschäftigten, sondern um das der Mitarbeiter von Zulieferern.
„Und schon bist
Du etwas klüger“
ese
Die 3700 Mitarbeiter der „Auto 5000 GmbH“ bauen nicht nur
den Familienvan Touran, sie bilden sich auch stetig fort, sind
Lernende und Lehrende zugleich. Jeder und jede von ihnen
investiert drei Stunden pro Woche, die Hälfte davon unbezahlt.
G
Katharina Buttler ist eine von 3 700 Beschäftigten der
Auto 5000 GmbH, die sich ständig qualifizieren: „Genau
das habe ich mir gewünscht,“, sagt die 25-Jährige,
„einen sicheren Arbeitsplatz mit neuer Perspektive.“
rauer Overall mit gelben Streifen
und Namenszug nebst Handschuhen – so steht sie an der Finish-Linie
2. Katharina Buttler schraubt Kotflügel, Heckklappe und Scharniere an Touran-Karossen.
Dann richtet sie die Teile präzise zueinander aus. Dauer
pro Fahrzeug: fünf Minuten. Die attraktive 25-Jährige ist
Mitarbeiterin im Karosseriebau der „Auto 5000 GmbH“,
seit zwei Jahren baut sie Autos. Kürzlich hat sie ihre Zusatzqualifikation zur „Automobilbauerin IHK“ erworben. „Genau das habe ich mir doch gewünscht – einen
sicheren Arbeitsplatz mit neuer Perspektive“, sagt sie.
Früher hat die ausgebildete Wirtschaftsassistentin als Sekretärin gearbeitet. Dann war
sie arbeitslos, die wesentliche Voraussetzung, um sich
bei der neuen VW-Tochter zu bewerben. Dort sollten
arbeitslose „Talente“ eine neue Chance bekommen und
zugleich den Beweis dafür liefern, dass es möglich ist, am
Standort Deutschland konkurrenzfähig zu produzieren.
Lernfähigkeit mussten schon die Bewerber mitbringen. Denn gleich ob einer vorher Friseur,
Top-Managern eine Woche
Arbeit in einer sozialen Einrichtung. Im Umgang mit Kindern,
28|29
Das Exposure Coaching bietet
Behinderten oder Obdachlosen
sollen neue Blickwinkel eröffnet
und Sozialkompetenz entwickelt
werden. Vor- und Nachbereitungsworkshops tragen dazu bei,
die Erfahrungen zu reflektieren.
www.vw-coaching.de
Der Level-5-Internet-Pass bescheinigt den VW-Mitarbeitern IT-
Kompetenz. Vom Facharbeiter bis
zum Top-Manager – schon 70 000
Beschäftigte haben ihn erworben.
Die Qualifizierungsoffensive erhielt den IT Training Award 2001.
www.vw-coaching.de
Die Volkswagen Coaching GmbH,
1995 als Tochter der Volkswa-
gen AG gegründet, beschäftigt
mehr als 800 Mitarbeiter an
sechs Standorten. Ihre Aufgaben
sind die Ausbildung sowie die
Personal- und Unternehmensentwicklung.
www.vw-coaching.de
Das Studium im Praxisverbund
bietet jungen Leuten bei Volkswagen eine Berufsausbildung und
gleichzeitig ein Studium an der
Fachhochschule.
www.vw-coaching.de
Arbeit aufwerten
Metzger, Schreiner oder ungelernt war: Jeder sollte sich mit PC und Internet auskennen, das war der einzige Weg zur Kontaktaufnahme. Katharina Buttler ist
eine der 3700, die aus mehr als 43000 (!) Bewerbern ausgewählt wurden. Sie hat
in den vergangenen zwei Jahren nicht nur gelernt, wie man Autos baut, sondern
auch, dass sie für immer eine „Lernende“ bleiben muss, um erfolgreich zu sein.
Stetige Weiterbildung gehört in der Auto 5000 GmbH
dazu. „Im Tarifvertrag steht, dass jeder pro Woche drei Stunden Qualizeit hat,
die Hälfte davon wird vom Arbeitgeber gezahlt, die andere Hälfte tragen wir
selbst“, sagt Buttler. Was wann gelernt werden soll, ist nicht vorgeschrieben.
Nur wie gelernt wird, das steht fest: am Prozess orientiert, zeitnah, ortsnah.
Im unternehmenseigenen Intranet kann Katharina
Buttler lange Listen, sortiert nach „Karosseriebau“, „Lackiererei“, „Montage“ oder „Bereichsübergreifend“, durchforsten – rund 300 Kurzschulungen sind derzeit im Angebot. Anklicken, anmelden, fertig. „Es
ist wie beim Fliegen – man muss zusehen, dass man frühzeitig bucht,
sonst sind die Plätze belegt“, sagt Katharina Buttler. Kurzschulungen finden direkt in den Produktionshallen statt. Dauer: eine Stunde.
Manchmal führt ein externer Referent die Kurzschulung durch; meistens ist es allerdings ein Kollege von Auto 5000,
der sich eingehend mit seinem Thema beschäftigt hat. Jeder Mitarbeiter kann ein Thema anmelden, und schon wird der Lernende zum
Lehrenden. Im Intranet finden sich alle diese Kurzschulungen zur
Vertiefung in Windows, Word oder Excel. „Die Zeit ist vorgegeben,
eine gute Stunde“, sagt Buttler, „und schon ist man etwas klüger“.
Eine halbe Stunde investiert jedes Team pro Woche ins
Teammeeting, auch das ist Teil der Lernzeit. Dabei wird jeder seine Bedenken,
Sorgen oder Wünsche los. „Qualizeit“ lässt sich auch in Verbesserungen der
Arbeitsorganisation oder der Technik investieren – nach dem PDCA-Prinzip
„Plan, Do, Check, Act“: „Man hat ein Problem erkannt, überlegt sich Lösungswege, ohne dabei die angrenzenden Bereiche zu beeinträchtigen und ohne
die Qualität aus den Augen zu verlieren“, erklärt Buttler. Setzt sich die Neuerung durch, kann sie zum Thema einer weiteren Kurzschulung werden. PDCA
– ein unermüdlicher Kreislauf der Optimierung und der Wissensvermittlung.
Katharina Buttler und ihre Kollegen und Kolleginnen
bei der Auto 5000 GmbH wissen den Nutzen von „zielorientierter Diskussion“ längst zu schätzen. Und sie wissen auch, wie sie
sich am besten einbringen – beruflich, aber auch privat.
Melanies
Traum
40 Prozent mehr Azubis bei Audi seit
2000: Die freiwillige „Initiative für
mehr Ausbildung“ nützt den Jungen,
dem Unternehmen und uns allen.
E
Melanie Drechsel lässt sich zur Fertigungsmechanikerin
ausbilden: „Ich wollte unbedingt zu Audi“, sagt die
19-Jährige, „weil ich wusste, dass die Lehre super ist.“
igentlich musste Melanie Drechsel nie eine
Lehrstelle suchen. Sie wusste ja schon genau, was sie wollte. „Ich wollte unbedingt
zu Audi, weil ich weiß, dass die Ausbildung
super ist, dass Weiterbildung, Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten später einfach stimmen“, erzählt sie freimütig. Vor einem Jahr hat die 19-Jährige ihre Ausbildung zur Fertigungsmechanikerin in Ingolstadt begonnen. 40 Bewerbungen hatte sie
in ihrem letzten Schuljahr losgeschickt, konnte – welch seltene
Ausnahme – sogar auswählen. Das fiel ihr dann nicht schwer.
Melanie wusste stets, was sie will. Die Realschule hat sie mit einem guten Notendurchschnitt absolviert, ihr
Lieblingsfach „war immer Mathe“. Ihr Traum: „Ich wollte eigentlich am liebsten Modellbaumechanikerin hier bei Audi werden.
Aber da hatte ich keine Chance, nur fünf Plätze in dem Bereich …“
Jedenfalls musste es für die junge Frau ein technischer Beruf sein.
Melanie war eine von 682 jungen Menschen, die im September 2004 ihre Karriere bei Audi gestartet
haben, darunter 163 Mädchen. Die große Mehrheit von ihnen
wird nach bestandener Prüfung in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Im Jahr 2000 hat Audi seine freiwillige „In-
„Ich möchte Technikerin oder
Meisterin werden – hier bei Audi“
Motor oder Kfz-Pneumatik, das ist sehr abwechslungsreich“, findet Melanie
denn auch. Auch „Umwelt“ stand kürzlich auf dem Lehrplan – eine ganze Woche lang, mit täglich wechselnden Themen und verbunden mit künstlerischer
Gestaltung: „Wir haben Plakate entworfen zu den Umweltthemen, die haben wir dann jeweils der Zwölfer-Gruppe vorgestellt“, schwärmt die Azubine.
Keine Frage, die Ausbildung gefällt ihr „richtig gut“. Mit
den Vorgesetzten und Meistern versteht sie sich „prächtig“, mit ihren Kollegen in der Lerngruppe „ebenfalls“. Sie kann bereits drehen, fräsen, schweißen.
Sie weiß, ob eine Kehlnaht steigend oder fallend ist. Lichtbogenschweißen
– kein Problem für Melanie. Hartlöten oder Gasschweißen ebensowenig. Und
sie wurde gewählt: zur Vertrauensfrau in der Jugendvertretung. Von „meiner
Fertigungsmechanikergruppe“. So erwirbt sich die junge Frau auch noch die
nötige Sozialkompetenz, um mal Konflikte in der Gruppe oder mit dem Meister schlichten zu können. Und die Zukunft? Auf jeden Fall will Melanie Drechsel
nach bestandener Ausbildung weiter lernen: „Ich möchte Technikerin oder Meisterin werden – hier bei Audi.“
dung (RVA) schafft Ausbildungs-
plätze für benachteiligte Jugendliche in der Region Wolfsburg.
30|31
Der Regionalverbund für Ausbil-
Der gemeinnützige Verein, eine
Initiative der VW Coaching und
des Betriebsrats, schließt mit Jugendlichen Ausbildungsverträge,
ese
übernimmt deren Betreuung und
sucht dann gezielt nach Lehrstel-
len in Partnerbetrieben. Seit 1998
sind über 800 Jugendliche zusätzlich ausgebildet worden, 60 %
von ihnen werden übernommen.
www.rva-wolfsburg.de
„Ready4work – Profis für Ausbil-
dung“ ist eine von VW-Managern
und Betriebsräten gegründete
Bürgerinitiative, die von Verwaltung, Verbänden und Unternehmen unterstützt wird. Der Förderverein entwickelt Ideen – von
der Rabattaktion bis zur VisaCard
– , deren Erträge der Jobinitiative
zugute kommen. Das Projekt wird
vom BMWA als Pilotmodell angesehen. 2003 und 2004 konnten
100 zusätzliche Ausbildungsplätze
eingerichtet werden.
www.ready4work.de
52 805 Verbesserungsideen von
17 620 Audianern haben 2004 zu
Einsparungen von insgesamt
43,8 Mio. Euro geführt.
www.audi.com
Arbeit aufwertern
itiative für mehr Ausbildung“ gestartet. Um sichtbar zu machen: Wir wollen unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und noch
mehr tun als bisher schon. Mit 2 200 Ausbildungsverhältnissen, 40 Prozent
mehr als noch vor vier Jahren, war 2004 ein neuer Höchststand erreicht.
Dabei hat Audi nicht nur die Zahl, sondern auch die Qualität der Ausbildung ständig verbessert. Für die Grund- und Fachausbildung stehen hervorragend ausgestattete Bildungszentren und betrieblichen Lernstationen zur Verfügung. Flexible Ausbildungszeiten garantieren die Integration
in die Fertigungsabläufe – ein Maximum an Praxisnähe mithin. In zwanzig
Berufen bildet Audi in diesem Jahr aus. Neu hinzugekommen sind die Berufsbilder des Maschinen- und Anlagenführers und des Zerspanungsmechanikers.
Als künftige Fertigungsmechanikerin muss Melanie Drechsel in drei bis vier Bereichen je sechs Monate lang überzeugen. Dabei lernt sie
den Produktionsprozess genau kennen – vom Karosseriebau über die Montage
bis zur Vorbereitung einer Übergabe an den Kunden. „Theorie und Praxis im
ständigen Wechsel während der Vertiefungs-Lehrgänge – zum Beispiel zu Kfz-
Erst zwei, dann vier Räder
Im Jahre 1895 gründeten die Pioniere der Motorisierung Wenzel
Laurin und Wenzel Klement eine
Werkstatt zur Herstellung und Reparatur von Fahrrädern, drei Jahre
später bauten sie schon Motorräder. Im Jahr 1905 verließ ihr erstes
Automobil das Werksgelände.
Die Fusion mit der Aktiengesellschaft Skoda 1925 wurde dann
zur Grundlage für die weitere
Entwicklung der Automobilindustrie in Mladá Boleslav. Seit 1991
gehört die Traditionsmarke zum
Volkswagen-Konzern. Investitionen in Milliardenhöhe und ein
massiver Import von Know-how
und Technologie waren die Voraussetzungen für eine beispiellose
Erfolgsstory. Heute hat Skoda in
Tschechien einen Marktanteil von
beinahe 50 Prozent und stellt in
seinen Werken – neben Mladá
Boleslav noch Vrchlabi und Kvasiny – über 450 000 Fahrzeuge her.
Verantwortung für die Menschen
im Lande und die Sicherung der
eigenen Zukunft im globalen Wettbewerb – das sind für den Hersteller von Fabia, Octavia und Superb
nur zwei Seiten einer Medaille.
www.skoda-auto.com/cze
B
oleslav, Boleslav – wunderschöne Stadt“. So lautet der Refrain eines alten böhmischen Volksliedes. Wer die 47 000
Einwohner zählende Stadt in Zentralböhmen heute besucht, findet noch viele dieser Schönheiten - wenn auch
vom Zahn der Zeit gezeichnet. Kaum ein Gebäude indes ist so verwahrlost wie das alte Kloster und die Kirche der St. Bonaventura von Karmel.
Dabei waren die Sakralbauten im 15. Jahrhundert in der Aera der Böhmischen Brüder ein Domizil der Weisheit und Bildung, und später, zu Zeiten
des Priaristen-Ordens und der Minoriten, ist es nicht anders gewesen.
Auch wenn noch wenig darauf hindeutet: Wissensdurst und Bildungshunger könnten alsbald in die trostlos anmutenden
steinernen Hüllen zurückkehren. Denn auf dem rund 1,7 Hektar großen
Areal im Stadteil Na Karmeli soll schon bald das modernste Ausbildungszentrum Böhmens entstehen. So will es die Stadt, und so will es Skoda
Auto, die tschechiche Marke im VW-Konzern, die in Mladá Boleslav beheimatet ist. Im Sommer letzten Jahres gaben Oberbürgermeister Svatopluk Kvaizar und der Skoda–Vorstandsvorsitzende Detlef Wittig den
Startschuss für Umbau und Renovierung des alten Bildungstempels.
Wenn die Bauarbeiter abgezogen sind, wird, so sieht es
das öffentlich-private Gemeinschaftsprojekt vor, eine Zweigstelle der mittelböhmischen Hochschule „Jirí von Podebrady“ in das ehemalige Konvikt
einziehen. Aber auch die Technische Hochschule soll dort Seminarräume und
Labors unterhalten. Für eine Bibliothek und eine moderne Mediathek soll
gleichfalls Platz sein. Schließlich wird in dem Ex-Kloster auch noch die „Skoda Auto Hochschule“ untergebracht. So könnten in Na Karmeli einmal rund
1000 junge Menschen, Skoda-Mitarbeiter, Studenten und Hochschullehrer,
gemeinsam forschen und entwickeln. Immerhin 16 Millionen Euro will Skoda
in diese „Brutstätte für neue Ideen“ (Wittig) investieren und sie damit zu einem wichtigen Motor für Innovation und Entwicklung in der Region machen.
Im Jahr 1991 übernahm der Volkswagen-Konzern die tschechische Traditionsmarke und führte sie zu neuer Blüte. Produktion und Belegschaft wachsen ständig – nahezu 25 000 Mitarbeiter erhalten inzwischen bei
Skoda Lohn und Brot. Längst ist das Unternehmen größter Arbeitgeber im Lande, zudem Exportmotor Nr. 1 und – bei einem Beschaffungsvolumen von weit
über drei Milliarden Euro – die Lokomotive der tschechischen Volkswirtschaft.
Mit wachsendem Markterfolg aber wuchs auch der Bedarf an Managern und
Ingenieuren – ein Bedarf, den die tschechischen Universitäten kaum decken
32|33
Bildungshunger im
alten Konvikt
ese
können. Schon 2001 gründete Skoda darum eine eigene
Hochschule. Rund 300 Studenten streben in der bisher
noch im Seitenflügel einer Grundschule untergebrachten Firmenuniversität einem akademischen Abschluss
entgegen. Die Zertifikate sind staatlich anerkannt und
vor allem hoch respektiert. Obwohl für das Studium
jährlich Gebühren zu entrichten sind, übersteigt die
Nachfrage das Angebot an Studienplätzen bei weitem.
Im Dezember 2005 brachten Skoda und Bosch gemeinsam
mit der Regierung ein EU-Projekt auf den Weg.
Kein Wunder, wer das Examen besteht, darf gleich
mit einem Job-Angebot des Autoherstellers rechnen.
Die Ausbildung der technischen
Intelligenz liegt Skoda auch sonst am Herzen. Gerade erst hat der Autobauer gemeinsam mit der Robert
Bosch obytova s.r.o. und dem Bildungsministerium in
Prag ein auf drei Jahre angelegtes „Europäisches Projekt der koordinierten Ausbildung pädagogischer Mitarbeiter“ auf den Weg gebracht. Je zwei Lehrer von 14
technisch orientierten Berufschulen werden dabei in
sechs jeweils einwöchigen Seminaren fortgebildet. Diese Lehrer, so die Schneeball-Philosophie des Projekts,
sollen später ihrerseits weitere Pädagogen im Lande
mit dem neuesten Stand der Automobiltechnik vertraut machen. Die Kosten teilen sich Bosch und Skoda.
Die „exzellente Zusammenarbeit“
mit Skoda lobt auch Svatopluk Kvaizar gern. Auch bei
der Grundsteinlegung in Na Karmeli erklärte das Stadtoberhaupt, dass er den „langfristigen Beitrag des Automobilwerkes zur Entwicklung der
Kommune“ außerordentlich schätze.
Arbeit aufwerten
Ein verfallenes Kloster im Mladá Boleslav wird zu einem
modernen Ausbildungszentrum um- und ausgebaut.
Skoda unterstützt das Projekt tatkräftig – zum eigenen Vorteil,
zum Nutzen aber auch des Landes und seiner Menschen.
34|35
Menschen helfen
Millionen könnten
wie Menschen leben,
wenn wir ihnen
helfen und sie
beschirmen würden.
Im Kampf gegen die Seuche: Die PPP-Projekte Aids Care bei Volkswagen in Südafrika und Brasilien
Unwissenheit und
Scham besiegen
Vierzig Millionen Menschen sind weltweit mit Aids infiziert – eine
humanitäre, aber auch soziale und wirtschaftliche Katastrophe. In
Brasilien und Südafrika zeigt Volkswagen, dass die Seuche bekämpft
werden kann – und leistet damit auch Hilfe zur Selbsthilfe.
A
ids ist ein beispielloser Alptraum,
die größte Gesundheitsbedrohung
seit der Pest.“ Das sagt nicht irgendjemand. Sondern Kofi Annan,
der UN-Generalsekretär. Zu Recht: Weltweit sind
schon Vierzig Millionen Menschen infiziert. In Afrika ist die Immunschwächekrankheit häufigste To-
Kondomautomaten und Plakate bei Volkswagen in Südafrika
sensibilisieren gerade die Jüngeren für die Risiken der Seuche.
desursache. Südafrika ist besonders betroffen. Eine
Studie der Regierung schätzt, dass in der Provinz Eastern Cape, in dem das Volkswagenwerk Uitenhage
liegt, 25 Prozent aller Erwachsenen HIV-infiziert sind.
Tendenz steigend. Die sozialen und
wirtschaftlichen Folgen sind verheerend. Denn die
Krankheit führt zu häufigen, langen Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Die Unternehmen vor Ort verlieren erfahrene Arbeitskräfte. Sie müssen ständig neu ausbilden,
immer mehr Sozialleistungen für Erkrankte aufbringen. So darf es nicht weitergehen. Unterstützt von der
NUMSA, der Nationalen Metallarbeitergewerkschaft,
hat Volkswagen Aids den Kampf angesagt. Zwei Partner konnten dafür gewonnen werden: die Uitenhage
and Despach Independent Practioners Association
(UDIPA), ein lokaler Ärzte-Bund, und die deutsche
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).
Seither erhalten HIV-positive VWMitarbeiter alle notwendige Hilfe – von der Beratung
bis zur Medikation. Jedem Patienten stehen unentgeltlich Leistungen im Gegenwert von 20 000 Rand pro Jahr
hat das Aids Care Projekt bei VW
in Brasilien als „gutes Beispiel“
gelobt. Es habe „vielen Familien
36|37
xx|xx
UN-Generalsekretär Kofi Annan
ihre Ernährer gerettet.“
www.unglobalcompact.org
Für sein Engagement im Kampf
gegen Aids ist VW mit dem Corporate Care Award der Professional Management Review Africa
(2004) und mit dem Preis „Business Exzellence in the Workplace“
der Global Business Coalition on
HIV/Aids (2005) ausgezeichnet
worden. Das Aids Care Projekt bei
VW do Brasil war vom Global Business Council on HIV/Aids schon
1999 auszeichnet worden.
www.pmrinet.com
Das Gesundheitscoaching
bietet allen VW-Beschäftigten
individuelle Beratung. Ziel ist die
Sensibilisierung für Belastungen
und Stressverhalten.
www.vw-personal.de
Fettleibigkeit erhöht das Krankheitsrisiko. Azubis, die einen
Body-Mass-Index von > 30 haben,
müssen bei VW zunächst an einer
Ernährungsberatung teilnehmen.
Geht der Gewichtstrend nach
unten, steht der Einstellung nichts
mehr im Wege.
www.vw-personal.de
Menschen
helfen
xx
zu. Plus Übernahme der Kosten für die – teure – Anti-Retrovirenbehandlung
bis zu 15600 Rand im Jahr. Das Life Centre ist zugleich Anlaufstelle der lokalen Aids-Selbsthilfegruppen. Wenn es erforderlich ist, dürfen UDIPA-Ärzte Aids-Kranke auch im Uitenhage Provincial Hospital stationär behandeln.
Die GTZ unterstützt VW of South Africa seit Juli 2002 bei einem Aids-CareProjekt innerhalb des Werkes. Dabei geht es zuallererst um elementare Aufklärung. Denn das Wissen um den HI-Virus ist besonders bei Jugendlichen
mehr als lückenhaft. Über Aids zu reden ist in Südafrika noch immer ein Tabu.
Nur sehr zögerlich mochten sich die VW-Beschäftigten
deshalb am „Voluntary Counselling and Testing Programme“ (VCT) beteiligen.
„So manchen Kollegen habe ich persönlich ins Medizin-Zentrum begleiten
müssen“, verrät Isgaad Sookelin, einer der Berater. Mit der Zahl derer, die sich
testen ließen, stieg allmählich auch die Nachfrage nach Kondomen. Wurden
anfangs gerade einmal 4 000 Stück eher verschämt verteilt, holten sich die
Werker in der ersten Hälfte des Jahres 2003 schon runde 17 000 pro Monat
– aus vierzig Automaten, die überall im Werk aufgestellt worden waren.
In der Umgebung der Fabrik bemüht sich der Community Trust, eine von Volkswagen ins Leben gerufene gemeinnützige
Stiftung, um Aufklärung und Hilfe. Im März 2003 spendete VW of South
Africa noch einmal zwei Millionen Rand für kommunale Aids-Projekte.
Vorbild für Südafrika ist VW do Brasil. HIV-Positive unter den Mitarbeitern und deren Angehörige können sich dort schon seit
1994 auf medizinische Betreuung und ambulante häusliche Pflege verlassen. Im Werk Sao Bernardo da Campo, einem von insgesamt fünf VWWerken im Lande, gehören neben Infektologen und Psychologen auch
Sozialarbeiter und Ernährungsberater zur „Medical Group“. Das ProfiTeam arbeitet Hand in Hand mit den Familien der Erkrankten – und zieht
sich in dem Maß zurück, wie diese die häusliche Pflege selbst übernehmen können. „Jeder Fall ist anders“, betont Maria Teresa de Santi, die Projektleiterin, und erfordere daher unbedingt „einen individuellen Ansatz“.
In einer Case Study des Global Compact Learning Forums
sind die Ergebnisse dokumentiert: Danach konnten die Krankenhausaufenthalte in Brasilien binnen zehn Jahren um 95 Prozent gesenkt werden, die jährlichen Therapiekosten für an Aids Erkrankte verringerten sich von ursprünglich 1 500 bis 2 000 Dollar im Monat auf nur mehr 300 Dollar. Und vor allem:
Neun von zehn mit HIV-infizierten VW-Mitarbeitern erkrankten gar nicht an den für Aids typischen Symptomen.
Vertreibung aus dem Raucherparadies: Die Anti-Nikotin-Kampagne bei Seat in Martorell
38|39
Gesundheit fördern
Die erste Pflicht im
Leben,das wusste
schon Oscar Wilde, ist
die Gesundheit.
Darum lasst sie uns
fördern.
Vertreibung aus
dem Raucherparadies
ese
Rauchen ist schädlich – und obendrein ein Kostenfaktor. Auch für die
Unternehmen. Seat startete in seiner Belegschaft eine aufwändige
Nichtraucher-Kampagne. Jeder Mitarbeiter der spanischen Konzernmarke wurde zur Teilnahme an einem Entwöhnprogramm ermuntert.
Z
Eine Informationskampagne für Raucher startete Seat im Oktober 2005. Zuerst klärten die internen Medien über die Risiken
des Tabakmissbrauchs auf, dann wurden alle Mitarbeiter zur
Teilnahme an einem Nikotin-Entwöhn-Kursus eingeladen.
igaretten zum Spottpreis, Rauchverbote, um die sich niemand scherte
– Spanien galt lange als das Raucherparadies in Europa. Menschen auf
der Straße, Wolken aus blauem Dunst hinter sich herziehend – ein alltägliches Bild. Zwölf Millionen Spanier
– ein Drittel der Gesamtbevölkerung – greifen regelmäßig zum Glimmstengel. Noch dramatischer: Das
Einstiegsalter bei Jugendlichen liegt bei 13 Jahren. Jeder
zweite junge Spanier – Mädchen wie Jungen – glaubt
ohne regelmäßigen Tabakkonsum nicht klarzukommen.
Für neun von zehn Lungenkrebstoden ist das Rauchen die Ursache. Und jedes Jahr werden
19 000 neue Krebsfälle im Land diagnostiziert. Mehr als
50 000 Spanier sterben laut nationalem Gesundheitsspiegel jedes Jahr an den Folgen des suchtauslösenden Krauts, mehrere Hundert davon als Passivraucher.
Das Rauchen ist auch ein erheblicher
betriebswirtschaftlicher
Kostenfaktor.
Krankheitsbedingte
Entgeltfortzahlungen,
Knowhow-Verluste, Vertretungen und die Einarbeitung
Im Rahmen aktiver Prävention
bietet das Gesundheitswesen
bei Seat allen Mitarbeitern die
40|41
Aktive Gesundheitsvorsorge
Teilnahme an einem regelmäßigen, allgemeinmedizinischen
Check an - eine kontinuierliche
ärztliche Beratung inklusive. Der
gründliche Gesundheitscheck,
der die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen ergänzt, ermöglicht die frühzeitige Diagnose
von Gesundheitsrisiken und soll
die Mitarbeiter für einen gesundheitsfördernden Lebensstil
sensibilisieren. Jahreszeitgerechte
Grippeschutzimpfungen und
regelmäßige Blutspendeaktionen
ergänzen das Repertoire des Gesundheitsmanagements bei Seat.
Weil solche Aktionen von einem
Großteil der Mitarbeiter positiv
aufgenommen werden, tragen sie
zu einer stetig wachsenden Gesundheitskultur im Unternehmen
bei. www.seat.com
Gesundheit fördern
neuer Mitarbeiter – keiner weiß zwar genau, wie sehr das ein Unternehmen belastet. Modellrechnungen sprechen aber dafür, dass die Kosten
beträchtlich sind. Das Gesundheitsmanagement bei Seat wollte sich mit
dem massenhaften Nikotinmissbrauch jedenfalls nicht länger abfinden.
So wurde im Oktober 2005 zunächst eine Informationskampagne gestartet. In den internen Medien der spanischen Konzernmarke
erschienen Artikel, die der Aufklärung und Sensibilisierung dienten. In Werkshallen und Büros wiesen Plakate auf die schädlichen Folgen des Tabaks hin.
Vor allem aber bot das Unternehmen allen seinen Mitarbeitern in persönlichen Anschreiben Unterstützung an für den Entschluss, sich das Rauchen
abzugewöhnen. Ein jeder sollte unter professioneller Anleitung nach Allen
Carr Easyway® „Endlich Nichtraucher“ werden können – kostenfrei, versteht
sich. Über eine neue Hotline im Gesundheitswesen konnten sich interessierte Mitarbeiter anmelden. Und tatsächlich – die Aktion fand unerwartet
gute Resonanz. Die Entwöhn-Kurse waren gefragt und die Teilnehmer, wie
eine Begleituntersuchung ergab, froh, sich über ihre Erfahrungen und ihr
Leid in der Gruppe austauschen zu können. Immerhin zwei Drittel der Teilnehmer hatten sich am Ende vom Nikotin losgesagt – eine hohe Erfolgsquote.
Die Abstinenzkampagne bei Seat unterstützt eine Offensive der Regierung. Seit dem 1. Januar 2006 gilt in Spanien ein Antitabak-Gesetz, das, was Verkauf und Werbung anbelangt, nach Holland und
Irland zu den restriktivsten der EU gehört. Auch die Arbeitsplätze wurden
– Prohibido fumar! – zu rauchfreien Zonen. Verstöße gegen das Gesetz können richtig teuer werden. Arbeitgeber, die Raucher in ihren Räumlichkeiten
tolerieren, müssen mit Geldbußen zwischen 600 und 10 000 Euro rechnen.
So einfach lassen sich Spaniens Raucher die Lust am
riskanten Genuss indes nicht verderben. Seit die Zigarettenschachteln
– wie etwa in Deutschland – mit drastischen Warnungen („Rauchen ist
tödlich“) versehen sind, stecken die Iberer ihre Glimmstengel gern in
Papphüllen mit Liebesherzen oder gelben Entlein darauf. In vielen Tabakläden waren die Vorräte an diesen „Tarnanzügen“ oder „Präservativen“,
wie sie im Volksmund genannt werden, in kürzester Zeit ausverkauft.
Zum Nachgeben scheint die Regierung jedoch nicht
bereit. Im Gegenteil. Gerade erst gab die Gesundheitsministerin Elena
Salgado bekannt, dass das Rauchverbot auch für überdachte Stierkampfarenen gelte. Seat ist da schon einen Schritt weiter
– die überdachten Werkshallen sind längst nikotinfrei.
Lebenslanges Lernen, altersgemischte Teams: Die demographische Arbeitsweltgestaltung bei Volkswagen
42|43
Demographischen Wandel bewältigen
Alle reden über den
Demographischen
Wandel. Kaum
jemand hat ihn
verstanden. Eine
Kunst wird es sein,
ihn zu bewältigen.
„Biographisches Coaching“ ist ein
Angebot für Top-Manager und
Führungskräfte: Wer aus seinem
individuellen beruflichen Werdegang für das weitere Leben lernen
will, kann die Antworten darauf
in etwa 15 Sitzungen mit einem
persönlichen Trainer finden.
www.vw-coaching.de
Die demographische Arbeits-
zeit ermöglicht es Mitarbeitern,
auch nach dem Auslaufen des
Altersteilzeit-Gesetzes vorzeitig
aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Mindestens 66 Überstunden müssen dafür jährlich auf
einem Lebensarbeitszeitkonto
in so genannte Zeit-Wertpapiere
investiert werden. Denn bei VW
verzinst sich Zeit, die die Mitarbeiter dem Unternehmen „leihen“,
genauso wie Geld.
www.vw-personal.de
Lebenslanges Lernen ist wegen
der Dynamik der Marktanforde-
rungen bei VW selbstverständlich.
Die Coaching-Gesellschaft richtet
im Jahr rund 4 000 Veranstaltungen mit rund 46 000 Teilnehmern
aus. In der Auto 5000 GmbH ist
berufsbegleitendes Lernen von
Anfang an obligatorisch. Die AutoUni hebt die Weiterbildung auf
akademisches Niveau.
www.vw-coaching.de
D
er Leiter des Gesundheitswesens der Volkswagen AG bestellt seine Mitarbeiter nicht zur Besprechung ins eigene
Büro. Viel lieber geht er zu ihnen. „Es entspannt die Atmosphäre, und ich habe täglich meine zusätzliche Bewegung“,
so Dr. Rainer Göldner. Verzicht auf Nikotin, Zurückhaltung beim Alkohol, gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, regelmäßig Bewegung – wer bis
zum Renteneintrittsalter leistungsfähig bleiben will, der muss an sich arbeiten. „Das nennt man Eigenverantwortung“, sagt Göldner. Der Rest liegt in der
Verantwortung des Unternehmens, das im eigenen Interesse die Arbeitsplätze an seine Mitarbeiter anpasst. Angesichts der demographischen Entwicklung wird die Befolgung der Rezeptur des Arbeitsmediziners immer wichtiger.
Steigende Lebenserwartung bei sinkenden Geburtenzahlen – wie die Bevölkerung wird auch die Belegschaft in den Volkswagenwerken älter. Von Humankapital als der „Engpassressource der Zukunft“
sprechen Personalstrategen längst – mit Blick auf den Mangel an jungen Arbeitskräften. „Wir werden in Zukunft wieder mehr ältere Menschen im Unternehmen haben. Das ist sinnvoll, denn mit jedem langjährigen Mitarbeiter
ging auch Know-how“, sagt Göldner. Behauptet da noch jemand, dass Altern
mit Krankheit und Gebrechen identisch wäre? Göldner weiß es besser: „Wir
bleiben heute biologisch länger jung. Von einem generellen Leistungsabfall kann keine Rede sein, eher von einem qualitativen Wandel unserer Leistungsfähigkeit.“ Langsam abnehmende Körperkraft, nachlassende Schnelligkeit und Geschicklichkeit werden ersetzt durch Erfahrungswissen, Sorgfalt,
Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenz. Diesen besonderen
Stärken älterer Mitarbeiter kommt der Wandel in der Arbeitswelt entgegen.
Volkswagen hat sich auf die demographische Herausforderung vorbereitet. Arbeitsorganisation, Arbeitszeitmodelle, Arbeitsplatzgestaltung und gesundheitliche Betreuung sind längst auf die Bedürfnisse aller Mitarbeiter eingestellt. Wie sieht der Arbeitsplatz für den
älteren Mitarbeiter bei Volkswagen aus? „So wie alle anderen auch. Unsere
Arbeitsplätze sind menschengerecht gestaltet – für alle Altersgruppen. Wir
haben sie an den Menschen angepasst, nicht umgekehrt“, sagt Göldner.
Fahrende Montageplattformen, drehbare Hängegestelle, Hebevorrichtungen und Manipulatoren haben die Belastung in der Produktion reduziert.
Neben der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze setzt Volkswagen auf Gruppenarbeit – Prävention durch Rotation: Mehr
und weniger belastende Tätigkeiten führen die Mitarbeiter im Wechsel
44|45
Gesucht:
älter, erfahrener, fit
aus. So werden aus Rückenschmerzen, die hin und
wieder auftreten, nicht zwangsläufig chronische Leiden. Der Krankenstand bei Volkswagen konnte in
nur zehn Jahren um 55 Prozent reduziert werden.
Wichtig ist auch der richtige Personaleinsatz: „Wir achten darauf, dass die Menschen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten. Dadurch
erreichen wir viel – für den Mitarbeiter und für das
Unternehmen.“ Wo es primär um Kraft, Beweglichkeit
und Schnelligkeit geht, ist die Jugend gefragt. Beim Serienanlauf dagegen ist die Erfahrung der Älteren kaum
verzichtbar. Oft geht es indes um beides – und dann
sind altersgemischte Teams die richtige Antwort. „Wir
brauchen die Jungen und den alten Fuchs“, sagt Göldner.
Intelligente Arbeitszeitmodelle ermöglichen zudem eine sehr individuelle Gestaltung des
Arbeitslebens. Zukunftsweisend ist das Lebensarbeitszeitkonto, das Volkswagen seit 2005 für jeden Arbeitnehmer führt: Beschäftigte sparen in jungen Jahren
geleistete Mehrarbeit an, die sie dann vor Erreichen der
Altersgrenze wieder abbauen.
Arbeitsmediziner Göldner wünscht
sich im Sinne der Prävention noch einen Gesundheitsbaustein im Tarifvertrag. Alle Beschäftigten hätten dann
zum Beispiel einen Anspruch auf einen umfassenden
Gesundheitscheck: „Wir könnten dem Mitarbeiter ganz
genau sagen, ob seine Werte in Ordnung sind oder wie
er seine Lebensgewohnheiten ändern sollte, damit er fit
bleibt bis zur Rente.“ Goeldner selbst muss sich darüber
noch keine Gedanken machen – er hat
seinen Job gerade erst angetreten.
Altersgemischtes Team in der Motorenfertigung.
Demographischen Wandel bewältigen
25, männlich, belastbar – der perfekte Mitarbeiter. Das war einmal.
Bald beginnt der Run auf Männer und Frauen in den besten Jahren.
So paradox es klingt: Die Älteren werden die Zukunftsfähigkeit der
Unternehmen sichern. Das Umdenken hat begonnen – auch bei VW.
Bald Volks-, bald Kinderwagen: Die flexiblen Teilzeit-Modelle für Eltern und Alleinerziehende
Workshops für den sanften Wiedereinstieg: Das Job-and-Child-Programm bei Audi
46|47
Familien stützen
Ohne Familien ist kein
Staat zu machen. Und
auch kein erfolgreiches Unternehmen.
Es ist Zeit, Mütter und
Väter zu stützen, statt
ihnen immer neue
Lasten aufzubürden.
Volks- und
Kinderwagen
ese
Kinder sind unsere Zukunft. Deshalb müssen sich Mitarbeiter von
Volkswagen auch nicht zwischen Nachwuchs und Arbeitsplatz entscheiden. Beides ist möglich – dank flexibler Arbeitszeitmodelle.
D
rei-Schicht-Betrieb in Halle 54. Heidi Langner (36) montiert Schlösser,
Leisten und Innenverkleidung, komplettiert so die Türen des neuen
Golf. Zwei Tage pro Woche, macht 16 Stunden Arbeit.
Bleiben fünf Tage Zeit für die Töchter Nathalie (6) und
Jennifer (9), sowie für den Haushalt. Erst dann ist wieder Schicht. Ihr halbes Leben hat sie bereits bei Volkswagen verbracht, 1987 fing Heidi Langner an – Kabel-
Heidi Langner mit ihren Töchtern Nathalie und Jennifer:
„Mutter sein – kein Problem bei Volkswagen.“
stränge fertigen in Halle 18. Als sie vor gut zehn Jahren
ihr erstes Kind erwartete, wusste sie, dass sich ihr künftiges Leben als Mutter ändern sollte: „Kein Problem
bei VW“, sagt sie, „das Unternehmen ist sehr familienfreundlich“. Und im Notfall ist da noch die Oma …
Drei Jahre Elternzeit, 13 Tage Arbeit im Unternehmen, dann der Mutterschutz für
das zweite Kind und wieder drei Jahre Elternzeit. Erst
vor drei Jahren fing Frau Langner wieder an zu arbeiten – seither ist sie Teilzeitkraft in der Montage.
Bis zu fünf Jahren kann jeder Mitarbeiter auf eigenen Wunsch aussteigen – dazu muss er
nicht unbedingt ein Kind bekommen. Fünf Jahre wegen
Pflegebedarfs in der Familie, weil er studieren möchte,
weil er das Abenteuer einer Weltumseglung sucht. Er
muss nicht einmal mitteilen, warum er geht, er sollte
aber sagen, wann er wiederkommt. Volkswagen hält
den Rückweg für seine Leute frei – den alten Arbeitsplatz natürlich nicht. Garantiert ist der Anspruch auf
einen Arbeitsplatz innerhalb der ehemaligen Beschäftigungsgruppe – Leistungslohn, Zeitlohn oder Gehalt.
Eine Studie hat es längst belegt: Schon die 28,5-Stun-
„Die wissen leider gar nicht,
was sie zu Hause verpassen“
Siegfried Mathias (46) ist einer der wenigen, die lieber die
Familie in den Lebensmittelpunkt stellen und die Karriere hintan. Er hat nach
jeder Geburt Erziehungsurlaub genommen. Mathias war der einzige Vater in
Spielkreisen und Kinderturngruppen. Jetzt arbeitet er, wenn seine Frau Feierabend hat – jede zweite Woche Spätschicht ab 14 Uhr. Dann packt er nach
Mittagessen und Hausaufgabenkontrolle seine beiden Kinder ins Auto, fährt
zum Werk nach Wolfsburg, übergibt die Jungs an ihre Mutter und geht zum
Dienst. „In der Arbeitswoche führen wir eine Parkplatzehe“, lacht er. Macht
im Schnitt 15 Stunden Job pro Woche. Der Rest seiner Zeit gehört den beiden Söhnen (Joe, 8, und Nick, 6) und dem Haushalt. Dafür wird er am Arbeitsplatz von den Kollegen gerne belächelt: „Die wissen leider gar nicht, was
sie zu Hause verpassen“, so der Kommentar des leidenschaftlichen Vaters.
Ob alleinerziehend, im Management, in der Produktion oder als Sekretär im Büro – Volkswagen zeigt
sich offen für sehr unterschiedliche Lebensentwürfe.
Möglichkeit, für einen längeren
Zeitraum aus dem Unternehmen
auszusteigen, damit Sie sich
48|49
„Volkswagen bietet Ihnen die
Ihren privaten Angelegenheiten,
Aufgaben und Interessen widmen
können, ohne einer ständigen
Doppelbelastung ausgesetzt zu
sein.“ (2004, „Merkblatt zur Betriebsvereinbarung Nr. 1/91)
www.vw-personal.de
Alternierende Telearbeit ist
eine bei VW etablierte Form der
Arbeitsorganisation. Eine in der
Pilotphase angefertigte Begleitstudie offenbarte die Vorzüge
der Telearbeit. Schulungen helfen
Telearbeitern dabei, ein gutes
individuelles Zeitmanagement zu
entwickeln.
www.vw-personal.de
Frauenförderung hat bei Volkswagen seit langem System. Neben
einer zentralen Kommission und
einer Abteilung im Personalwesen
gibt es an jedem Standort eine
Frauenbeauftragte.
www.vw-personal.de
300 Modelle zur Teilzeitarbeit
gibt es bei Audi. „Wir ermöglichen
alles, was gewünscht wird“, sagt
Maximilian Fischbach, Manager
im Personalwesen der Audi AG.
www. audi.com
Familien stützen
den-Woche wird als Gewinn von Lebensqualität für Familien betrachtet. Und
während die VW-Vollzeit in anderen Betrieben bereits als Teilzeitmodell gehandelt würde, können Mütter und Väter mit der Personalabteilung das für
sie und ihre persönlichen Lebensumstände beste Teilzeitmodell aushandeln.
Für Alleinerziehende, die auf ein komplettes Einkommen angewiesen sind, kommt ein Drei-Schicht-Modell nicht mehr in Frage.
Also wurde eigens für sie in der Produktion eine sogenannte „F“-Schicht
eingerichtet. Die Betroffenen können so ein Vollzeit-Gehalt verdienen, und
die Arbeitszeiten sind auf die Betreuungszeiten von Hort und Kindergarten
abgestimmt. Kein Wunder, dass VW die höchste Frauenquote in der traditionellen Männerbranche vorweisen kann – 13 Prozent im Durchschnitt.
Im Werk Wolfsburg sind sogar 18 Prozent der Beschäftigten weiblich.
Mit seinen Teilzeit-Modellen wendet sich das Unternehmen aber bewusst nicht nur an die Mütter. Als das Familienministerium
vor Jahren die Kampagne „Mehr Spielraum für Väter“ propagierte, hat VW
gleich ein Pilotprojekt aufgelegt: „Väter und Familienarbeit“. Allerdings – die
Zahl der Männer, die sich auf Teilzeitmodelle einlassen, blieb überschaubar.
H
ello Again“ – so heißt es ein halbes Jahr vor Ablauf der
Auszeit. Väter und Mütter, die in den letzten Jahren ihren Nachwuchs betreut haben, bekommen Post von
ihrem neuen alten Arbeitgeber. Darin werden sie zu einer Begrüßungsveranstaltung und zur Teilnahme am „Job-and-Child-Programm“ eingeladen. „Viele haben nach den Jahren doch ein flaues Gefühl,
in die Werkshallen oder ins Büro zurückzukehren“, weiß Maximilian Fischbach, für „Beruf und Familie“ zuständiger Manager im Audi-Personalwesen.
Kein Wunder: Wer seinen Beruf sieben Jahre lang
nicht ausgeübt hat – so lange gilt die in der Industrie beispiellose Wiedereinstellungszusage – darf sich ruhig etwas unsicher fühlen. Deshalb
sollen die Rückkehrerinnen und Rückkehrer die Chance haben, vorher
ihr Selbstbewusstsein aufzubauen und Qualifikationen aufzufrischen.
Das Programm bietet nicht nur berufliche Qualifizierung – von der EDV bis zur neuesten Produktionsphilosophie –, sondern
auch seelische Begleitung. Diplom-Psychologin Yvonne Schmidt bereitet
Arbeiterinnen auf ihren Weg zurück ins Unternehmen vor. „Zuerst geht es
darum, die Teilnehmer zu aktivieren“, sagt sie. Sie müssen lernen, ihre Gedanken und Wünsche zu verbalisieren und Erfahrungen auszutauschen. Und
sie müssen selbst aktiv werden, um den richtigen Platz bei Audi zu finden
– mit Unterstützung des Personalwesens. Oft gilt es dann noch, die Kinderbetreuung sicherzustellen, denn in Bayern fehlen Krippen- und Hortplätze.
Die Psychologin malt am ersten Tag immer ein gleichseitiges Dreieck an die Tafel – Symbol für die Dreiecksbeziehung Familie, Unternehmen und „Ich“. „Nur wenn die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt
werden, ist Zufriedenheit möglich“, erklärt Frau Schmidt. Weder der Beruf
noch Kinder und Partner oder die eigene Person dürften vernachlässigt werden. „Wird das Ich vergessen, droht Burnout, kommt die Familie zu kurz, drohen dort Krisen, wird die Arbeit vernachlässigt, führt das zu Stress im Job.“
Dass die Wiederaufnahme der Arbeit auch eine Belastung darstellt, die das Leben der Familie verändert, sollen die Teilnehmer vor ihrem Einstieg bedenken.
Dabei heißt wieder einsteigen nicht, dass es zurück ginge
an den alten Arbeitsplatz. Denn der ist besetzt – oder gar nicht mehr da. Auch
der Wechsel vom Vollzeitjob in den Teilzeitjob gelingt nicht immer ohne eigenes Zutun. Also startet Schmidt den Workshop mit solchen Fragen: „Wie
nutzen Sie Kontakte von damals?“ – „Wo wollen Sie arbeiten und wie viele Stunden?“ – „Wer unterstützt Sie wann bei der Kinderbetreuung?“ Und
In der Initiative „Frauen in der
Wirtschaft“ haben sich Großunter-
nehmen, darunter VW, zusammengeschlossen, um die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf sowie den
Frauenanteil in Fach- und Führungspositionen zu verbessern. Das
Netzwerk vertritt mehr als 400 000
weibliche Beschäftigte. Beim
Bundeswettbewerb „Erfolgsfaktor
Familie 2005“ wurde die Initiative
vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
mit einem Sonderpreis gewürdigt.
www.erfolgsfaktor-familie.de
„Lokale Bündnisse für Familie“ ist
eine Initiative des BMFSFJ und der
Wirtschaft, die bessere Lösungen
für die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie anstrebt. Neben den rund
1000 Firmen und über 40 Industrieund Handelskammern engagiert
sich auch das Emdener VW-Werk in
der Allianz. www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de
Mannigfaltige Hilfe bei der Kin-
derbetreuung bietet VW Müttern
und Vätern an allen Standorten.
Dazu gehören neben Teilzeit- und
Telearbeit die finanzielle Unterstützung von Kindergärten, die
Vermittlung von Betreuungsplätzen, aber auch Vereinbarungen mit
Tagesmütter(vereine)n.
www.vw-personal.de
50|51
Roter Teppich
für Rückkehrerinnen
ese
– last but not least: „Wo können Sie Kraft tanken?“
Während sie sich in EDV üben oder
die Neuerungen der Arbeitssicherheit und der Arbeitsorganisation kennen lernen, die anderen Bausteine des
Programms, sollen sich die Rückkehrwilligen über die
eigenen Bedürfnisse klar werden. In Kleingruppen aufgeteilt lernen sie an sechs Workshoptagen über acht
Rückkehrwillige junge Frauen erhalten die Chance,
ihre Kenntnisse und Fertigkeiten aufzufrischen.
Wochen zielbewusst und in eigener Regie zu handeln.
Weil gerade keine Teilzeitstellen zu
besetzen waren, schlugen unlängst drei Frauen dem
Personalwesen vor, sich erst mal eine Vollzeitstelle zu
teilen. Und eine der Frauen hat erst im Workshop festgestellt, dass sie im Grunde gar nicht mehr ins Unternehmen zurück möchte. Sie betreut jetzt die Kinder
der Kolleginnen, die sie im Programm getroffen hatte.
„Wer kreativ ist, findet für jedes Problem auch die richtige Lösung. Und die neuen Netzwerke helfen – auch
später im Job“, weiß Yvonne Schmidt aus Erfahrung.
Die Resonanz auf das „Job-andChild-Programm“ ist denn auch durchweg positiv. „Wer
sich darauf einlässt, lernt vor allem viel über sich selbst,
seine Bedürfnisse, seine Stärken, seine Schwächen.
Nach acht Wochen weiß jeder, wie und wo er an sich
arbeiten muss.“ Schmidt hat in den vergangenen drei
Jahren neun Workshops mit jeweils zwölf Rückkehrerinnen begleitet. Ergebnis: Alle haben einen Arbeitsplatz
gefunden; achtzig Prozent arbeiten
wunschgemäß in Teilzeit bei Audi.
Familien stützen
Bis zu sieben Jahre können Mitarbeiter von Audi nach der Geburt ihres Kindes „aussteigen“ – abgefedert durch eine Wiedereinstellungszusage. Damit der Einstieg möglichst reibungslos
gelingt, lädt das Unternehmen zum „Job-and-Child-Programm“.
Sponsorpartner des Sommerlochfestivals: Das Diversity Management der Volkswagen Bank
Sesam öffne Dich für gehobene Männerbastionen: Mentoring als Mutmacher
52|53
Vielfalt nutzen
Vielfalt kann
lähmen. Sie kann
auch einen Strauß an
Möglichkeiten bieten.
Aber nur, wenn man
sie richtig zu nutzen
versteht.
Ungleich
(ist) besser
ese
Was ist schon normal: Hautfarbe, Herkunft, sexuelle Orientierung
– Kunden und Mitarbeiter gleichen einander immer weniger. Ein
Problem? Nein, eine Chance: Die Volkswagen Bank nutzt die neue
Vielfalt ganz bewusst. Auch das ist in Deutschland (noch) nicht normal.
D
Flaggschiff der Christopher Street Day Parade in Braunschweig:
Die VW Bank akzeptiert und fördert unterschiedliche Lebensweisen – auch deshalb, weil es sich rechnet. Die Bank war 2004
„Bester Arbeitgeber“im Wettbewerb des Magazins „Capital“.
och, Gunnar Lammers sieht eigentlich ganz normal aus. Wie man sich
einen 37-jährigen Bankangestellten im Call Center der Volkswagen
Bank in Braunschweig eben so vorstellt: gepflegte
Kurzhaarfrisur, korrekt gebundene Krawatte, gewinnendes Lächeln. Und, ach ja, noch etwas: Lammers
liebt Männer, lebt zusammen mit seinem Partner.
Ein ganz normaler Banker also.
Zumindest bei der Volkswagen Bank. „Zugegeben, einige Kollegen waren schon etwas irritiert, als ich hier
anfing und kein Geheimnis aus meinem Schwulsein
machte“, erinnert er sich. „Aber nur für vielleicht fünf
Sekunden. Danach war ich voll akzeptiert,“ sagt Lammers, der auch Sprecher von Queerdirekt ist, der Interessenvertretung der schwulen und lesbischen
MitarbeiterInnen der VW Bank in Braunschweig.
Der offene Umgang ist vielleicht
nicht normal, aber auch keinesfalls zufällig. Denn Homosexualität ist bei der VW Bank alles andere als ein Grund
zur Ausgrenzung. Stattdessen ist sie eine selbstver-
In der Schwulenszene genießt
die Volkswagen Bank den besten Ruf
ihrer Lebensweise anerkannt und wertgeschätzt fühlen, ihre Potenziale
besser entfalten und eine entsprechend bessere Leistung an den Tag legen.
Und zweitens, weil das Unternehmen Kunden aus den jeweiligen Communities dieser Mitarbeiter leichter erreichen und für sich gewinnen kann.“
Soweit die Theorie. Und die Praxis? „Doch, die Idee funktioniert“, ist sich Gunnar Lammers sicher. „In der Schwulen-Szene jedenfalls
genießt die VW Bank mittlerweile den besten Ruf“. Immerhin war sie der
erste Finanzdienstleister, der gezielt in Lesben- und Schwulen-Magazinen
inserierte und der deren Events unterstützt – allen voran als Hauptsponsor
die Braunschweiger Christopher Street Day Parade und das „Sommerlochfestival“ der Gay-Szene. Kein Wunder eigentlich, dass die VW Bank vom Magazin
„Capital“ in seinem Wettbewerb „Bester Arbeitgeber 2004“ zum Sieger unter allen teilnehmenden Geldinstituten gekürt wurde. Er
sei „richtig stolz“ auf seine Firma, sagt Gunnar Lammers.
Services AG,1994 als Tochter des
Konzerns gegründet, ist größter
automobiler Finanzdienstleister
54|55
Die Volkwagen Financial
Europas. Sie ist in 35 Ländern vertreten und hat 5 200 Beschäftigte.
Die Bilanzsumme liegt bei 42 Mio.
Euro. Zur FS AG gehörten bis 2006
neben der VW Bank und der VW
Leasing GmbH auch ein Versicherungsdienst und der Autovermieter europcar.
www.vwfsag.de
Die Betriebsvereinbarung „Partnerschaftliches Verhalten am
Arbeitsplatz“ regelt die Grundsätze eines fairen und menschlichen
Miteinanders im Betrieb. Wer Kollegen oder Kolleginnen belästigt,
diskriminiert oder mobbt, muss
mit Sanktionen rechnen – bis hin
zum Verlust des Arbeitsplatzes.
www.vw-personal.de
Die Initiative „Mittelstand weltoffen – Gegen Diskriminierung“, die
der Bundesverband Mittelständi-
sche Wirtschaft e. V. nach rechtsextremistischen Wahlerfolgen in
Sachsen und Brandenburg gestartet hatte, wird von Volkswagen
unterstützt. Eine Broschüre mit
Beispielen für das Engagement
großer Unternehmen soll zur
Nachahmung anregen.
www.buendnis-toleranz.de
Vielfalt nutzen
ständlich respektierte Lebensweise, eine von vielen möglichen. Genauso wie
katholisch oder muslimisch sein, europäisch oder asiatisch aussehen. Und: Die
Bank akzeptiert nicht nur unterschiedliche Lebensweisen – sie fördert sie auch
ganz bewusst. Frei nach dem Motto, je bunter die Belegschaft, desto besser.
Diversity Management heißt dieses etwas andere und
in Deutschland noch sehr junge Personalkonzept. Dessen Kern lautet in der
Kurzform: Ungleich ist ungleich besser. „Diversity heißt Vielfalt und bedeutet, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zu akzeptieren. Das betrifft neben
Nationalität, Herkunft, Religion, Alter, Geschlecht, Behinderung, sexuelle
Orientierung, Kultur oder Bildung auch den Arbeitsstil und anderes mehr“,
erklärt Barbara Rupprecht, die Leiterin des Diversity Managements der VW
Bank. „Denn die Erfahrung lehrt: Nur dort, wo jeder Einzelne sich so akzeptiert
fühlt, wie er ist, und wo er sich nicht verstellen muss“, so Rupprecht, „nur dort
gibt es Freiraum für Kreativität, Engagement, Begeisterung und Innovation.“
Statt alten Vorurteilen nachzuhängen, sucht die VW
Bank also die Vorteile der Vielfalt. Auch und vor allem zum eigenen Vorteil, wie Barbara Rupprecht ergänzt: „Erstens weil Mitarbeiter, die sich in
13,1 % der VW-Beschäftigten sind
weiblich. Damit weist VW heute den
höchsten Frauenanteil in der Automobilindustrie auf. Schon 1989
verständigten sich Gesamtbetriebsrat und Unternehmensleitung auf
„Grundsätze zur Frauenförderung“.
www.vw-personal.de
Am Girls Day beteiligt sich Volkswagen regelmäßig. Der Mädchen-Zu-
kunftstag ist eine Initiative, die vom
BMBF und vom BMFSFJ gefördert
wird. Ziel ist es, Mädchen Einblicke
in eher „männliche“ Berufsfelder zu
eröffnen und ihnen bei der Berufsorientierung zu helfen.
www.girls-day.de
Das Prädikat „Total E-quality“
erhielten VW und seine Konzerngesellschaften bereits mehrfach. Mit
dem Preis zeichnet der Verein Total
E-quality e. V. Unternehmen aus,
die Frauen und Männern gleiche
berufliche Entwicklungschancen eröffnen. Gefördert wird die Initiative
vom BMBF und vom BMFSFJ.
www.total-e-quality.de
Einen Woman Driving Award hat
Volkswagen im Jahr 2005 erstmals
ausgelobt. Die bundesweite Ausschreibung für den mit insgesamt
10 000 Euro dotierten Preis richtete
sich an junge Ingenieurinnen.
www. vw-personal.de
J
unge Frauen sind besser ausgebildet als ihre männlichen Altersgenossen. Meistens sind sie auch noch fleißiger. Ihre Erwerbsorientierung ist ausgeprägter denn je. Sie wollen Kind und
Karriere zugleich. Nie gab es so viel Hilfestellung durch Gleichstellungsbeauftragte und Frauenförderprogramme. Und dennoch – in den Führungsetagen nicht nur der Unternehmen sind sie nach wie vor stark unterrepräsentiert. Nicht einmal zwei Prozent der deutschen Top-Manager sind weiblich.
Ein echter Standortnachteil. Denn längst ist erwiesen,
dass gut gemischte Belegschaften produktiver und vor allem innovativer sein
können als homogene – Vielfalt ist eben besser als Einfalt. „Kein Unternehmen kann es sich leisten, das Potential von Frauen weiter zu vernachlässigen“,
sagt Elisabeth Vogelheim, die Leiterin der Frauenförderung bei Volkswagen.
Das Sesam-öffne-Dich für die gehobenen Männerbastionen bei Volkswagen heißt auf gut neudeutsch Mentoring. Die Idee: Eine ta-
Vorstände werden Paten
für weibliche High Potentials
lentierte junge Frau, die Mentee, bekommt eine berufs- und konflikterfahrene
Führungskraft an die Seite gestellt – als Ratgeber und Schrittmacher zugleich.
Diese Tandem-Lösung für das Problem der „gläsernen
Decken“, wie die Soziologie die unsichtbaren Hindernisse für karrierewillige
Frauen nennt, war Ende der 90er Jahre noch als Gemeinschaftsprojekt mit der
EU gestartet – unter dem Etikett NOW, New Opportunities for Women. Doch
längst ist das Mentoring fester Bestandteil der Personalentwicklung bei Volkswagen. Alle Werke sind dabei. Und vor allem: Mentoring ist Chefsache. Ein Vorstandsmitglied übernimmt jeweils die persönliche Patenschaft für eine Gruppe
weiblicher High Potentials. Brillanter kann frau ins Networking kaum starten.
Susanne Dirksen gehörte zu den ersten jungen Frauen
bei Volkswagen, die für würdig befunden wurden, an der einjährigen Sonderförderung teilzunehmen. Weil Vorgesetzte nicht zugleich Mentoren
sein sollen, wurde ein anderer Abteilungsleiter aus der Forschung und Entwicklung zu ihrem Schutzbefohlenen erkoren. „Da gab es eine unbeteiligte Persönlichkeit, die mir in schwierigen Situationen zur Seite gestanden
hat“, erinnert sich Susanne Dirksen dankbar an ihre Mentee-Zeit. Sehr regelmäßig haben sich die beiden getroffen. Inzwischen ist Susanne Dirk-
56|57
Per Tandem durch
gläserne Decken
ese
sen Teamleader Audi Product Compliance in Auburn
Hills, USA. Mit NOW hat sie nichts mehr zu tun – mit
ihrem Mentor aber tauscht sie sich noch heute aus.
Mentoring ist nicht das einzige
Instrument des Diversity Managements bei VW. Ein
wichtiges Hilfsmittel ist auch das Gleichstellungs-Audit. Es bedeutet, dass in ausgewählten Bereichen eine
systematische Bestandsaufnahme über Qualifikationen und Potentiale von Frauen durchgeführt wird. Im
zweiten Schritt wird mit den Vorgesetzten konkret vereinbart, wie sich die Frauen entwickeln können. Weil
überdies Jahr für Jahr mindestens 25 Prozent weibliche Auszubildende eingestellt werden, steigt langsam
auch die Zahl der Meisterinnen und der Ausbilderinnen.
Mit 12,5 Prozent Frauen im Management steht Volkswagen zwar etwas besser da als viele
andere Unternehmen – zumal solche der Autobranche.
Vom ehrgeizigen Ziel seiner Personalpolitik – dreißig Prozent – ist Europas Autohersteller Nr. 1 aber noch weit entfernt. Die Zukunft des Mentoring ist
– so scheint es – auf Jahre gesichert.
Vielfalt nutzen
Auch nach Jahrzehnten der „Gleichstellungspolitik“ sind
Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft eine Rarität.
Volkswagen versucht es seit ein paar Jahren mit Mentoring:
Erfahrene Manager unterstützen talentierte junge Frauen.
Susanne Dirksen war Mentee und ist heute Teamleiterin Product Compliance bei Audi in den USA:
„Da gab es eine Persönlichkeit, die mir in schwierigen Situationen zur Seite gestanden hat.“
Export von Know-how und Unternehmenskultur: Die Osterweiterung des Volkswagen-Konzerns
Metamorphose eines Montagewerks: „Wir entfalten unsere Flügel“ bei VW-Poznan
58|59
Europa integrieren
Herzlich willkommen,
Europa! Nie wieder
sollen die Völker
einander befeinden.
Darum müssen wir
sie auf der Basis
gemeinsamer Werte
integrieren.
12 Standorte in 5 Ländern
An 12 Standorten in 5 Ländern
Osteuropas ist der VolkswagenKonzern inzwischen vertreten.
Mit fast 24 000 Beschäftigten
ist Mladá Boleslav bei Prag das
mit Abstand größte Werk und
zugleich Hauptsitz von Škoda.
Kyasiny und Vrchlabi sind weitere
Standbeine in der Tschechischen
Republik. Im Nachbarland, der Slowakischen Republik, sind in den
Die Hauptstadt der Slowakischen Republik Bratislava ist Standort der Marke
Volkswagen. Hier werden unter anderem die Modelle Polo, Golf und Touareg gebaut.
D
irekt nach dem Fall des eisernen Vorhangs hat Volkswagen die Chancen in den ehemaligen Ostblockstaaten erkannt. Und genutzt: Über sieben Milliarden Euro
investierte das Unternehmen in den vergangenen 15
Jahren in Technologie, Infrastruktur und Wissenstransfer. Heute beschäftigt der Konzern an zwölf Standorten in Polen, Ungarn, der Tschechischen
und der Slowakischen Republik gut 50 000 Menschen – und es wird nicht
mehr lange dauern, bis er dort jährlich eine Million Fahrzeuge herstellt.
Der frühe Weitblick hat sich gelohnt. „Unser Marktanteil in
den neuen EU-Staaten liegt bei gut 30 Prozent. Diese exzellente Positionierung
resultiert im Wesentlichen daraus, dass sich VW dort von der ersten Stunde
an engagiert hat. Das honorieren die Kunden: Wir haben das mit Abstand beste Image“, bilanziert Michael Ulbricht, der Konzernbeauftragte für Osteuropa.
Das hohe Ansehen ist berechtigt. Nicht nur, weil VW den
Menschen Ausbildung, Arbeit und Aufstiegschancen ermöglicht. „Die Wirkungen unseres Osteuropa-Engagements reichen viel weiter“, sagt VW-Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder. „Denn wir exportieren auch Knowhow, Umweltschutz und eine partnerschaftliche Unternehmenskultur. Konkret
heißt das: Sozial- und Umweltstandards, die in Wolfsburg Gültigkeit haben,
werden auch in Bratislava angewendet. Denn als sozial verantwortliches Unternehmen geht es VW auch und gerade in den zentraleuropäischen Ländern
Werken Bratislava und Martin insgesamt etwa 8 300 Beschäftigte
tätig. Sie stellen die VW-Modelle
Polo, Golf, Touareg, den SEAT Ibiza
sowie Getriebekomponenten her.
Im polnischen Polkowice werden
seit 1998 Dieselmotoren gefertigt.
Aus Poznan, gleichfalls Polen,
kommen Fahrzeugtypen wie VW
Transporter und VW Caddy sowie
Sondermodelle und Komponenten. An beiden polnischen
Standorten entstanden zirka
7 000 Arbeitsplätze. In BosnienHerzegowina, genauer in Sarajevo,
arbeiten etwa 300 Beschäftigte
an Modellen der Marken Škoda,
Volkswagen und Audi . Darüber
hinaus betreibt Audi seit 1993 ein
Werk im ungarischen Györ, in dem
Motoren für Fahrzeuge der Premiumklasse, aber auch der Audi TT
Coupé und Roadster produziert
werden. Auch in Györ sind über
5 100 Mitarbeiter beschäftigt.
60|61
„Soziale Verantwortung
ist Teil des Investments“
ese
darum, nachhaltige Entwicklungsperspektiven für das
Unternehmen und für die Menschen miteinander zu verbinden. VW leistet dabei einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Integration und Kohäsion in Europa.“
„Unser Verständnis von sozialer Verantwortung war immer Teil unseres Investments“, ergänzt der Osteuropa-Beauftragte Ulbricht. Auch deshalb
war die Arbeitnehmerseite bei jedem Schritt Richtung
Osteuropa beteiligt. Das widerlegt auch die Befürchtung, dass jeder neue Job in den EU-Beitrittsländern zu
Lasten deutscher Arbeitsplätze gehe. „Triebfeder unseres Engagements war und ist die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns. Das
sichert auch deutsche Arbeitsplätze“, betont Ulbricht
– und lässt Fakten folgen: In den letzten zehn Jahren
ist die Mitarbeiterzahl des Konzerns auch in Deutschland gestiegen, von rund 150000 auf über 177000 Beschäftigte. Von wegen Jobverlagerung also: Die VWBelegschaften im In- und Ausland sind im Gleichschritt
gewachsen, nämlich um je zwölf
Prozent in den letzten fünf Jahren.
Europa integrieren
Volkswagen nutzt nicht nur die Kostenvorteile in Mittelosteuropa. Der
Konzern exportiert auch sein Know-how und seine hohen Umweltund Sozialstandards. Dadurch trägt Europas Automobilhersteller Nr. 1
in besonderer Weise zur Integration des neuen Europas bei.
Das Werk Bratislava liefert exzellente Qualität und
hat sich längst zu einem wichtigen Standort im
weltweiten Entwicklungs- und Fertigungsverbund
des Volkswagen-Konzerns entwickelt.
„Wir entfalten
unsere Flügel“
Prozesse, Personen, Projekte: In einer von den Mitarbeitern selbst
vorangetriebenen Entwicklung verwandelt sich das ehemalige
Montagewerk Poznan in eine komplette Automobilfabrik, die als
Motor für Beschäftigung und Regionalentwicklung wirkt.
S
eit ein paar Jahren setzt Volkswagen
Poznan alles daran, das Selbstvertrauen seiner Beschäftigten, ihren
Erfindergeist und ihre Willenskraft
zu stärken – Eigenschaften, die schon den Traum vom
Fliegen zu verwirklichen halfen. Das passende Motto
für das Mammutprojekt lautet denn auch: „Wir entfalten unsere Flügel“. Am Anfang ging es vor allem um
Montagelinie in der Nutzfahrzeug-Fabrik Poznan:
Volkswagen hat kräftig in die Mitarbeiter investiert.
Prozesse und Strukturen, die die Verwandlung eines reinen Montagewerks in eine komplette Automobilfabrik
begünstigten. Seit 2005 verschob sich der Schwerpunkt
der Projekt-Aktivitäten allerdings auf die Mitarbeiter
selbst und die Entwicklung ihrer überfachlichen Kompetenzen. Über hundert Mitarbeiter nahmen freiwillig
an diversen Sub-Projekten („Übernahme und Delegation von Verantwortung“, „Gesundheitsförderung bei
VW Poznan“) teil. Die Ergebnisse wurden in einer Großgruppenveranstaltung von rund 650 Beschäftigten diskutiert und anschließend in sieben themenspezifischen
Aktionswochen vertieft. Während dessen informierte
die Geschäftsleitung die Belegschaft laufend über den
Fortgang der Projektarbeit und bezog weitere Mitarbeiter ein. So konnte im Herbst 2005 die dritte Etappe
der Transformation starten. Unter dem Motto „Flügel
entfalten – Zukunft gestalten“ werden nun bereichsbezogene Strategien entwickelt, die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung langfristig sichern sollen.
Dabei kann sich Volkswagen Poznan auf den Rückhalt in der Region verlassen. Denn das
„Lebendige interne Kommunikation
beflügelt die Mitarbeiter“
Dabei hat VW Poznan von Anfang an kräftig in die Köpfe seiner Mitarbeiter investiert. So werden der jungen Belegschaft eine
Fülle fachlicher und außerfachlicher Schulungen, aber auch Sprachkurse
in Deutsch und Englisch angeboten. Mitarbeiter, die sich im Rahmen eines
Studiums oder Aufbaustudiums qualifizieren, bekommen zudem finanzielle Unterstützung. So steigert VW Poznan nicht nur das eigene Human
Capital, sondern auch die Beschäftigungsfähigkeit seiner Mitarbeiter.
„Beflügelnd“ für die Motivation wirkt auch die lebendige interne Kommunikation. Dabei informieren die Vorgesetzten ihre
Mitarbeiter in wöchentlichen Abteilungsrunden „top down“; sie haben
aber auch dafür zu sorgen, dass die Meinung der Mitarbeiter in die höhere Führungsebene gelangt – „bottom up“ also. Das Fabrikdesign unterstützt die offene Unternehmenskultur – transparente Büros neben den
Montagelinien erlauben den jederzeitigen Zugang zum Vorgesetzten.
Auch nach vollzogener Transformation bleibt indes die
Aufgabe, die Menschen fit zu machen für die neuen Anforderungen des europäischen Marktes und des globalen Wettbewerbs. Derzeit ist VW Poznan erfolgreich dabei, althergebrachte Verhaltensweisen und Mentalitäten in Frage
zu stellen und zu ändern. Ob es damit auch gelingt, den
Wettbewerb zu „überflügeln“, wird die Zukunft zeigen.
Hervorgegangen ist Volkswagen
Poznan 1993 aus einem Joint
Venture der Volkswagen AG
62|63
Volkswagen Poznan
mit dem polnischen Automobilhersteller Tarpan. Im Jahr
1996 wurde es zu einer hundertprozentigen Tochter des
Volkswagen-Konzerns. In ganz
kurzer Zeit verwandelte sich
der Standort im Zentrum der
Woiwodschaft Wielkopolska
(Großpolen) von einer reinen
Montagestätte in eine moderne
Automobilfabrik, die westeuropäische Qualitäts-, Umweltund Sozialstandards erfüllt.
Höhepunkt seiner bisherigen
Entwicklung war der Start der
Serienproduktion des Modells
Caddy und des Transporters T5.
Seither ist das Werk fast bis zum
Anschlag ausgelastet: Jeden Tag
rollen 625 Fahrzeuge vom Band.
Allein im Jahr 2005 produzierten
die 6 900 Arbeiter rund 156 000
Fahrzeuge und lieferten rund 4,5
Millionen Bauteile in den Konzernverbund – Saugrohrmodule,
Zylinderköpfe und Lenkgehäuse
aus Aluminiumlegierungen. Damit ist das Volkswagenwerk im
früheren Posen der zweitgrößte
Exporteur Polens.
www.volkswagen.pl
Europa integrieren
Unternehmen hat in der mit knapp 600 000 Einwohnern fünftgrößten Stadt
Polens eine Entwicklung angestoßen, die der Region – ähnlich wie Wolfsburg
mit dem Projekt AutoVision – große Chancen eröffnet. Allein seit Produktionsbeginn der Modelle Caddy und T5 sind – zählt man die zugezogenen Logistikdienstleister hinzu – über tausend neue Arbeitsplätze entstanden. Lieferantentage dienen dazu, weitere Partner für die Ansiedlung vor Ort zu gewinnen.
Der Dialog mit dem Umfeld ist Volkswagen besonders
wichtig – ob es sich nun um Kommunalbehörden, Umweltverbände, Bürger,
Unternehmen oder Medien handelt. So ist die Fabrik zum festen Bestandteil
der Gesellschaft und der Stadt selbst geworden. Sie ist nicht nur einer der größten Investoren , sondern der größte Arbeitgeber, in der Stadt wie in der Region.
Obdach, Nahrung, Bildung: Das Straßenkinder-Projekt „Eine Stunde für die Zukunft“
Genießen und dabei helfen: Fairer Kaffee in den Werks-Kantinen
Vertrag bei Grün: Das Projekt „Nachhaltigkeit in der Lieferantenkette“
Wolfsburger Weltverbesserer: Die Umweltpaten bei Volkswagen
In der Dürre überleben: Die Volkspumpe in Brasilien
Erst Seele, dann Schule: Das Fluthilfe-Projekt mit terre des hommes in Indien
Ticket to Job: Das Education and Training Institute in Südafrika
Checks und Kampagnen: Gesundheitsdienst in Puebla
64|65
Globalisierung entwickeln
Ihre Kritiker haben
die Globalisierung
nur verschieden
interpretiert, es
kommt aber darauf
an, sie zu entwickeln.
A
ls Andréia dos Santos zum ersten Mal bei den „Gotas de Flor con Amor“ erschien, war sie unterernährt
und schwach. Doch sie erholte sich schnell, ging zur
Schule und erhielt ein Praktikum bei einem Unternehmen. Dort war man so zufrieden mit ihr, dass man ihr eine juristische Ausbildung an der Universität finanzierte: Andréia dos Santos hat
es geschafft. Sie hat eine Ausbildung und einen festen Arbeitsplatz.
Andréia hat wie viele Kinder aus den Favelas Sao Paulos
auf der Straße gelebt, war Tag für Tag mit Gewalt und Elend konfrontiert. Das
Projekt „Gotas de Flor con Amor“ bietet täglich 300 Kindern und Jugendlichen
eine warme Mahlzeit und regelmäßigen Schulbesuch, die Älteren nehmen an
Aufbau- und Alphabetisierungskursen teil. Aufklärung in allen Fragen von Gewalt und Sexualität gehören ebenso zum Angebot wie Hilfen bei der Berufswahl. Andréia ist jetzt ein großes Vorbild für die anderen Jugendlichen im Bezirk Brooklyn Novo in Sao Paulo, die regelmäßig zu „Gotas de Flor“ kommen.
Bitte investieren Sie den Lohn
für eine Stunde Ihrer Arbeit!
Im Jahr 2004 hat Volkswagen das Projekt mit 32 500
Euro aus der Initiative „Eine Stunde für die Zukunft“ unterstützt. Der Gesamt- und Konzernbetriebsrat von VW hatte diese Aktion 1999 ins Leben
gerufen. „Investieren Sie den Lohn für eine Stunde für die Zukunft der Kinder dieser Welt“, so lautete die nachdrückliche Bitte an die Belegschaft.
Viele Beschäftigte an Volkswagen-Standorten weltweit folgten ihr – und
folgen ihr bis heute durch regelmäßige Zuwendungen. So mancher VWBeschäftigte stiftete seine Prämie oder ließ die Sammelbüchse bei der
Silberhochzeit kursieren. Auch Schulklassen und Sportvereine trugen ihr
Scherflein bei – Prinzip Schneeball eben. So waren Ende 2004 schon etwa
fünfeinhalb Millionen Euro für Not leidende Kinder zusammen gekommen.
Mit dem Geld fördert Volkswagen – in Zusammenarbeit mit
dem renommierten Hilfswerk terres des hommes – Projekte in Brasilien, Argentinien, Mexiko, Südafrika. Und neuerdings auch Straßenkinder in Deutschland.
Eines wie Paul zum Beispiel. Der 17-Jährige nähert sich vor
Kälte schlotternd dem Kleinbus mit der Aufschrift „Karuna e. V.“ in Berlin-Kreuzberg. „Mir haben sie in der Nacht die Schuhe geklaut“, sagt er. An den Füßen
Unterhalb der Armutsgrenze
leben 20 Prozent der 97 Mio. Einwohner in Mexiko. 11 Mio. Kinder
müssen für den Lebensunterhalt
ihrer Familien arbeiten. In Mexiko-City leben schätzungsweise
30 000 Kinder auf der Straße. In
Brasiliens Großstädten leben 7
Mio. Straßenkinder. 1,3 Mio. Kinder
gehen nicht zur Schule, etwa
3 Mio. Kinder unter 14 müssen
arbeiten.
www.eine-welt-info.de.
terre des hommes, 1967 in
Stuttgart gegründet, unterstützt
mehr als 400 Hilfsprojekte in
26 Ländern der Erde.
www.tdh.de.
Die Stiftung „Fundacao Volks-
wagen“ fördert seit 1979 sozial
benachteiligte Schüler in Bra-
silien. Über 30 000 Kinder und
Jugendliche haben bisher von den
Bildungsprogrammen profitiert.
Mit Stipendien werden zudem an
acht Universitäten im Lande auch
bedürftige Studenten unterstützt.
www.vw.com.br
start social ist eine Initiative zur
Unterstützung des Ehrenamts in
Deutschland. Audi-Mitarbeiter beteiligen sich seit Jahren am Startsocial-Programm von McKinsey.
www.startsocial.de
66|67
Hilfe nach dem
Schneeballsystem
ese
trägt er bunte Wollsocken, drüber Plastiktüten gegen
die Nässe. Die warme Suppe nimmt er dankbar an. „Vielleicht finden wir noch ein Paar Schuhe“, tröstet der Helfer. Die Hilfsorganisation Karuna ist eine der deutschen
Initiativen, die von der VW-Belegschaft mit ihrer Aktion „Eine Stunde für die Zukunft“ unterstützt wurden.
Straßenkinder in Brasilien freuen sich über Unterkunft und Ernährung durch das VW-Sozialprojekt.
Allein in Berlin sollen nach Schätzungen des Jugendamtes 3000 Kinder und Jugendliche
auf der Straße leben. Viele von ihnen sind drogenabhängig und achten kaum auf ihre Gesundheit. Aufklärung ist wichtig, damit sie erfahren, wie sie sich gegen Hepatitis- und HIV-Infektionen schützen können.
Noch elender ist die Lage vieler Straßenkinder in Südafrika. Die meisten sind Aids-Waisen,
ein Großteil von ihnen ist selbst vom Virus befallen. „Viele dieser Kinder besitzen nicht einmal eine Geburtsurkunde, sind nie einer Behörde gemeldet worden“, weiß
Magdalena Brüning vom Volkswagen-Gesamtbetriebsrat. Um ihnen helfen zu können, mussten erst einmal
Helfer qualifiziert, lokale Initiativen vernetzt, Behörden
integriert werden. Ein Fahrzeug für Krankentransporte
und Besorgungen war auch vonnöten. 85 000 Euro flossen im letzten Jahr an das „Save the Children“-Forum,
das mit dem VW Community Trust, einer gemeinnützigen Stiftung, zusammenarbeitet. Schon kurz nach
dem Start des Pilotprojekts lagen diverse Anfragen aus
anderen Städten und Regionen Südafrikas vor. Prinzip Schneeball eben.
Globalisierung entwickeln
Wenn jeder etwas gibt, kann vielen geholfen werden. Nach diesem
Prinzip funktioniert das Belegschafts-Projekt „Eine Stunde
für die Zukunft“ zugunsten von Straßenkindern in aller Welt.
An der bundesweiten Kampagne „Faire Woche“ beteiligt sich
alljährlich auch die Volkswagen
AG. In den Werken wird dann
verstärkt auf die Transfair-Philosophie und die Produkte des fairen
Handels aufmerksam gemacht.
www.faire-woche.de
Als unabhängige Initiative
handelt TransFair nicht selbst
mit Waren, sondern vergibt
sein Siegel für fair gehandelte
Produkte auf der Grundlage von
Lizenzverträgen. Die Kriterien des
Fairen Handels entsprechen den
Standards der Fairtrade Labelling
Organizations International (FLO).
www.fairtrade.net
350 Bauernkooperativen und
Plantagen in 49 Ländern Afrikas,
Asiens und Lateinamerikas
profitieren vom Fairen Handel mit
dem Transfair-Siegel. Rund einer
Million Bauern und Landarbeitern
wird damit das Existenzminimum
gesichert.
www.transfair.org
U
m fünf Uhr morgens ist für Edgar die Nacht zu Ende. Eine
Stunde später macht sich der 57-Jährige aus Costa Rica
auf den Weg zu seinem Kaffeefeld. Wenn er nicht erntet,
dann düngt er oder jätet Unkraut und befreit seine Pflanzen von Schädlingen. Gegen 16 Uhr kehrt Edgar meistens von der Feldarbeit
zurück zu seiner Frau und seinen sieben Kindern. Feierabend ist dann aber
längst noch nicht. Die Tiere müssen gefüttert, Feuerholz muss gesammelt
werden. Die harten und langen Arbeitsalltag nimmt Edgar in Kauf, um seinen
Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen: „Ich möchte, dass sie gut ausgebildet sind und dass sie sich aussuchen können, was sie einmal werden.“
Unterstützung findet der Kaffeebauer Edgar bei der
Kooperative Coopeldos. Seit er dort Mitglied ist, kann er dreißig bis vierzig Prozent seiner Erträge über den fair gehandelten Markt verkaufen.
Dank der Mehreinnahmen durch den Fairen Handel ist es Edgar möglich,
alle seine Kinder zur Schule zu schicken. Zwei von ihnen erhalten überdies auch von der Kooperative eine direkte finanzielle Unterstützung für
ihre Ausbildung. Einer der Söhne beendet gerade sein Medizinstudium.
Ohne die Hilfe der Genossenschaft wären die Bauern in Edgars Dorf kaum noch in der Lage, ihre Felder zu bewirtschaften. Die Kaffeepreise auf dem Weltmarkt sind drastisch gesunken. Edgar hat Angst, dass die Preise weiter fallen könnten und er
seine Schulden nicht mehr zurückzahlen könnte. Sein Appell an die
Kaffeetrinker in aller Welt ist deshalb: „Trinkt mehr fairen Kaffee!“
Bei Volkswagen geht das freilich kaum noch. Schon
seit 1999 kennen VW-Mitarbeiter die Produkte des Fairen Handels. Es habe
dann „nahe gelegen, auch einen eigenen VW-Kaffee zu kreieren“, sagt Klaus
Schneck vom Betriebsrat der Volkswagen AG. „Eine VW-Currywurst und
einen VW-Ketchup hatten wir ja schon“. Seither sind von Kassel bis Emden rund 180 000 Packungen des fairen Muntermachers verkauft worden.
Das Sortiment an fair gehandelten Waren wurde kontinuierlich erweitert. Heute kann man in den Betriebsrestaurants oder
SB-Shops des Wolfsburger Unternehmens auch fair gehandelten Tee,
Orangensaft, Gebäck, Sesamriegel und sogar Fußbälle kaufen. „Die Erzeugnisse sind in der Regel etwas teurer, dafür erhält der Verbraucher
aber ein Produkt, das den anderen neben allen sozialen Kriterien auch in
puncto Qualität und Geschmack weit überlegen ist“, sagt Wolfgang Neumann, der für „Beschaffung Gastronomie und Verkauf“ zuständig ist.
ese
68|69
Mit Genuss
helfen
Tatsächlich wird bei der Herstellung fairer Produkte auf die Verwendung von synthetischen Spritz- und Düngemitteln weitgehend verzichtet. Wer fair gehandelte Nahrungsmittel kauft,
tut also etwas für die Existenzsicherung der Erzeuger und ihrer Familien in den Kaffeeanbaugebieten
und gleichzeitig etwas für die eigene Gesundheit.
Alle bei VW angebotenen Produkte besitzen das „FairTrade-Transfair“ Siegel, das
seit 1992 Produkte zieren darf, die zu festgelegten
fairen Bedingungen gehandelt werden. Rund 70 Firmen haben mit Transfair e. V. einen Lizenzvertrag
abgeschlossen. Darunter gepa mbH, die größte europäische Fair-Trade-Handelsorganisation. Unter Ausschluss des Zwischenhandels bezieht auch Volkswagen seine fair gehandelten Produkte direkt von gepa.
Für die Zukunft wünscht sich Klaus
Schneck, dass möglichst viele andere Firmen dem Beispiel folgen: „Der Erwerb der Produkte aus dem Fairen Handel ist ein Akt der Solidarität und gleichzeitig
ein Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt.“
Globalisierung entwickeln
Global denken, fair handeln – Transfair-Kaffee hat viele Vorteile.
Vor allem für die kleinen Produzenten in Übersee. Volkswagen
beteiligt sich am Handel. Nicht nur mit schwarzen Bohnen.
Fair gehandelter Kaffee steht bei Volkswagen
seit 1999 auf der Speisekarte. Jahr für Jahr
beteiligt sich das Unternehmen zudem an der
Awareness-Aktion „Faire Woche“.
Entwicklungsauftrag
an Zulieferer
VW-Lieferanten sollen nicht nur hochwertige
Vor-Produkte liefern, sie sollen – dem Prinzip Nachhaltigkeit folgend
– auch Umwelt- und Arbeitsschutz garantieren.
S
eit Mitte der neunziger Jahre spielt
der Umweltschutz im Dialog zwischen Volkswagen und seinen Lieferanten eine wichtige Rolle. In bisher
rund 140 Workshops und Seminaren konnten interessierte Unternehmen aus ganz Europa erfahren, welche
Standards für VW-Produkte und für Volkswagen selbst
weltweit gelten. So wurden Vertreter von insgesamt
1200 Firmen über die EG-Öko-Auditierung, das Recycling, die Sachbilanzierung oder das Internationale Material-Daten-System IMDS aufgeschlaut. Dabei war Nachahmung zwar erwünscht, aber noch nicht Pflicht: „Die
Muss-Vorgaben an unsere Lieferanten beschränkten
sich bisher allein auf das Produkt, das wir kaufen“, sagt
Dr. Michael Mesterharm, Umweltstratege des Konzerns.
Jetzt geht Volkswagen einen großen Schritt weiter und bezieht die Produktions- und
Standortbedingungen ein: In Zukunft muss jeder
Lieferant weltweit in einer „Erklärung“ darlegen,
dass er umweltbewusst handelt, Arbeitsschutzbestimmungen einhält und sich um soziale Fairness
im Betrieb bemüht. „Wir wollen die Globalisierung,
und wir wollen sie in Übereinstimmung mit unseren
ethischen Zielen“, sagt Mesterharm, „deshalb ist es
wichtig, auch all unsere Lieferanten einzubeziehen.“
Zwei Jahre lang war unter der Federführung Mesterharms und unter Beteiligung von
Wissenschaftlern der Universität Oldenburg an der
Ausgestaltung des Nachhaltigkeitsmanagements in
der Lieferantenkette gefeilt worden. Immer wieder
Nachhaltigkeit in der Lieferantenkette ist ein
strategisches Ziel der Volkswagen AG.
Der Forderungskatalog von Volkswagen an Zulieferer
aus aller Welt orientiert sich an:
•
•
•
der Einführung eines Umweltmanagements
Einführung und Einhaltung der Volkswagen-Standards für Arbeitsund Gesundheitsschutz
den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation
(ILO) wie Verzicht auf Kinder- und Zwangsarbeit, Vereinigungs- und
Versammlungsfreiheit und Diskriminierungsverbot
Für die meisten Lieferanten dürfte die Ampel indes schon
bald auf Grün stehen. Denn wer in den Industrieländern produziert, muss
sich ohnehin an vergleichbare gesetzliche Vorschriften halten. Auch langjährige Lieferanten etwa aus Brasilien oder Argentinien haben sich längst
den bei Europas Automobilhersteller Nr. 1 geltenden Normen und Standards genähert. „Bei neuen Partnern, insbesondere kleinen und mittleren
Betrieben in Schwellen- und Entwicklungsländern dagegen werden unsere
Anforderungen ihre Wirkung schon entfalten“, ist sich Mesterharm sicher.
Untersuchungen der Vereinten Nationen haben unterdes nachgewiesen, dass eine Verbesserung der Umwelt- und Arbeitsbedingungen in Unternehmen aus Entwicklungsländern fast immer einhergeht
mit einer Verbesserung von Produktivität und Qualität. Wenn also ein Lieferant die Anforderungen von Volkswagen einhält, dann hat er seinen gesamten Produktionsprozess gründlich überdacht, hat dabei Störfaktoren
ausgeschaltet, ist produktiver und auch zuverlässiger geworden für den
Großkunden. „Genau das“, sagt Michael Mesterharm,
„ist doch die klassische Nachhaltigkeitsperspektive.“
– integrierter Unmweltschutz in
der Lieferantenkette“ – so heißt
eine von der VW Coaching im Auf-
70|71
„Wir fühlen uns verantwortlich
trag der Beschaffung moderierte
Seminarreihe für den Dialog mit
Zuliefer-Betrieben.
www.volkswagen-coaching.de
ese
Einen Umweltpreis für Lieferanten lobt die AUDI HUNGARIA
MOTOR Kft seit 2003 aus. Mit
dem Preis werden Unternehmen
gewürdigt, die besonders umweltschonend produzieren.
www.audi.com
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist eine UN-Sonder-
organisation, die 1919 gegründet
wurde. Die 178 Mitgliedsstaaten
sind durch Vertreter der Regierungen wie auch der Sozialpartner in
den Organen der ILO vertreten.
www.ilo.org
Die 25 besten Zulieferer wer-
den mit dem VW Group Award
ausgezeichnet, der in 5 Kategorien
– Entwicklungskompetenz, Produktqualität, Logistik, unternehmerische Leistung, Umweltschutz
– vergeben wird. Der Preis in der
Kategorie Umwelt wird vom
Nachweis wirksamer Managementsysteme abhängig gemacht.
www.volkswagen-nachhaltigkeit.
Globalisierung entwickeln
versammelten sich alle Stakeholder im Unternehmen am runden Tisch, um
über den Weg zur weltweiten Vereinheitlichung der Standards zu diskutieren.
Der neue Benimm-Katalog enthält nun auch Regeln für den Fall, dass ein Zulieferer die eine oder andere Hürde noch
nicht nehmen kann. Ein Kreis von Volkswagen-Experten solle dann
„Verbesserungsmaßnahmen entwickeln und diese mit dem Lieferanten abstimmen“. Es gilt also das Prinzip Hilfe vor Strafe. Wem wäre auch
damit gedient, wenn Volkswagen einen Vertrag kündigte – und die Verhältnisse vor Ort blieben, wie sie sind. „Verantwortung heißt für Volkswagen, die Lieferanten zu unterstützen und ihnen Wege zu zeigen, wie
sie die Ziele erreichen können“, versichert Umweltstratege Mesterharm.
Spülwasser im Kreislauf
Umweltstandards sind im VW-Konzern überall gleich hoch.
Acht Paten aus Wolfsburg unterstützen die Fachleute in aller Welt.
D
r. Christiane von FinckensteinWang spricht fließend chinesisch.
Sie hat drei Jahre in China studiert
und weitere drei Jahre das Verbindungsbüro von Volkswagen in Peking geleitet. Seit
1996 arbeitet sie in der Umweltplanung des Konzerns
in Wolfsburg. Eigentlich war es selbstverständlich,
dass sie – vor fünf Jahren – zur Umweltpatin für die
VW-Standorte Changchun und Shanghai avancierte.
Umweltpaten – so heißen bei Volkswagen die Betreuer außereuropäischer Werke. Ihre Aufgabe ist es,
die globale Geltung der
hohen
Konzern-Umweltnormen und -standards mit Leben zu
füllen. Ein anspruchsvoller Job für die acht
Wolfsburger
Paten.
Erst recht für Christiane
von Finckenstein. Denn
als Joint-Venture-Partner kann Volkswagen
in China nicht allein die
Dr. Christiane von FinckenRegie führen. Gleichstein-Wang, Umweltpatin
wohl: Ob in Changchun
für die Werke in China
oder Shanghai eine „Regionalkonferenz“ stattfindet,
auf der entschieden wird, in welches Öko-Projekt wie
viel Geld fließen soll. – Ob die Kollegen aus dem Reich
der Mitte, die in ihren Werken für praktischen Umweltschutz zuständig sind, zu Schulungen nach Deutschland kommen. – Ob sie fit gemacht werden für die Zertifizierung ihrer Werke nach ISO 14001: Christiane von
Finckenstein ist dabei, lädt ein, schult und macht fit.
Und dann verbeugt sie sich noch
in asiatischer Höflichkeit. „Ohne das Engagement der
chinesischen Kollegen“, sagt sie, „wäre auch der ehrgeizigste Umweltaktionsplan nur ein Papiertiger.“
Längst hat das Unternehmen DreiJahres-Pläne verabschiedet, die in Changchun und
Shanghai Punkt für Punkt abgearbeitet werden. Ein
Beispiel: Das Spülwasser aus den Lackierereien wird
so aufbereitet, dass es im Kreislauf geführt und mehrfach wieder verwendet werden kann. Oder: Abwasser
wird gereinigt und der Wasserversorgung wieder zugeführt. Oder: Bei Planung, Betrieb und Stilllegung von
Anlagen werden Böden und Grundwasser geschützt.
Volkswagen macht das nicht nur der Umwelt zuliebe.
Oder um Ressourcen zu schonen. Es rechnet sich auch.
Außerdem entsprechen die chinesischen Umwelt-Gesetze inzwischen „internationalen
Höchststandards“, wie auch Dr. Christiane FinckensteinWang weiß. Hintergrund: Luft und Gewässer sind stark
Nähere Infos zum Umweltmanagement befinden sich
im Nachhaltigkeitsbericht des Volkswagen-Konzerns
2005/2006 „Generationen bewegen“. Zu beziehen ist
der Bericht bei der Volkswagen AG, Umwelt und Arbeits-
72|73
verschmutzt und der Müll türmt sich, seit die Wirtschaft
so dynamisch wächst. Hinzu kommt der eklatante Mangel an Wasser und Energie. Grund genug für Sparsamkeit.
Nicht nur aus Kostengründen übrigens. „Wenn wir mit Energie nicht sparsam umgehen“, sagt Dr. Christiane von Finckenstein-Wang, „ist
das nicht nur teuer – wir riskieren auch Produktionsausfälle.“ Und das stände einer Patin wahrlich nicht gut zu Gesicht.
schutz, Brieffach 011 / 1 77 43, 38436 Wolfsburg, oder auf
www.volkswagen-nachhaltigkeit.de.
Weitere Infos im Nachhaltigkeitsbericht von Skoda
www.skoda-auto.com und im Umweltbericht
ese
Leben retten mit der
der AUDI AG. www.audi.com
Die letzten Dürrejahre haben im Nordosten Brasiliens eine
Million Menschenleben ausgelöscht. Und die nächste Trockenzeit steht bevor. Volkswagen unterstützt das Misereor-Projekt
„Trotz Dürre leben“ und macht die Volkspumpe möglich.
I
m Nordosten Brasiliens sei es „so trocken, dass sogar die Ziegen verdursten“, sagt Lauro Alcantara. Und diese
Tiere seien doch „sehr bescheidene
Trinker“. Lauro Alcantara ist in Brasilien aufgewachsen.
Heute leitet er für Volkswagen die Region Südamerika.
Alle 20 bis 30 Jahre wiederholt
sich die Katastrophe, der jedes Mal unzählige Menschen zum Opfer fallen: kein Regen, auch nicht im
Winter. Manchmal hält die Trockenphase sogar fünf
lange Jahre an. Dann fehlt nicht nur Trinkwasser, auch
auf den Feldern ist nur noch staubige Dürre. Wer sein
Leben in Sicherheit bringen will, wer es sich leisten
kann, der geht ganz weit weg – in eine Großstadt.
Dort schwellen in den Trockenzeiten die Elendsviertel an. Die nächste Trockenperiode beginnt gerade,
und sie könnte bis 2010 dauern – oder gar länger.
Doch diesmal soll es nicht so sein
wie in der Vergangenheit. Den Kreislauf, der in der
Trockenheit Schwung nimmt und im Tod oder im
Elend der Großstadt endet, will Misereor mit der Initiative „Trotz Dürre leben“, unterstützt von VolkswaLesen Sie weiter auf Seite 74
Globalisierung entwickeln
Bomba d‘Agua Popular
Fortsetzung von Seite 73
gen, endgültig durchbrechen. „Volanta“, so heißt die
Volkspumpe, soll Brasiliens Trockenregionen dauerhaft Wasser spenden. „Wir haben uns nach einer einfachen mechanischen Pumpe umgeschaut und die
ging im August in Serienproduktion“, sagt Alcantara.
In Zusammenarbeit mit Misereor,
mit der Katholischen Kirche in Wolfsburg, mit der IG Metall und mit lokalen Organisationen in Brasilien sollen zunächst 1 000 Gemeinden je eine solche „Bomba d´Agua
Popular“ (Volkspumpe) erhalten. Für die Beschaffung
der Werkzeuge und für die Produktion der ersten 200
Pumpen reicht das Geld schon. Organisationen vor Ort
entscheiden, wo die ersten Pumpen in Betrieb gehen.
Auf Volanta fiel die Wahl, weil das
Modell zum Betrieb keinerlei Energie benötigt und weil
es ganz einfach und verständlich von jedem Menschen
bedient werden kann. Volkswagen hat – nach dem Entwurf eines niederländischen Entwicklungshelfers – in
Wolfsburg einen Prototypen perfektioniert und weltweit nach dem günstigsten Lieferanten für die Einzelteile gesucht. „Rohstoffe und Pumpenteile kommen
aus Brasilien selbst, und gebaut wird sie auch gleich
vor Ort“, sagt Lauro Alcantara. So fördert das Projekt
außer Wasser auch noch zusätzliche Arbeitsplätze.
Einst haben ehrgeizige Sucher tief
in der Erde in Brasiliens Nordosten nach „Schwarzem
Gold“ gesucht. Öl haben sie damals zwar nicht gefunden. Trotzdem könnte sich die vergebliche Mühe
als Glücksfall erweisen. Denn in den vorhandenen
Die Ölsuche von früher
erweist sich als Glücksfall
Wasser für die arme Landbevölkerung wird in Brasilien mit
der Bomba d‘Agua Popular, der Volkspumpe, gefördert.
Bohrlöchern sollen nun die Pumpen zum Einsatz kommen. In der Region gibt es nicht überall Strom, unvorstellbar der Aufwand, der für neue Bohrungen betrieben werden müsste. Zumal sich das kostbare Wasser
hier erst in Tiefen von 30 bis 60 Metern finden lässt.
Wenn die ersten tausend Pumpen
auf die ländlichen Gemeinden verteilt sind, haben
250 000 Menschen Zugang zu Wasser. Vielleicht gelingt
es zudem, die brasilianische Regierung zu überzeugen,
Volanta in ihr Projekt „Hunger Null“ aufzunehmen –
und die restlichen Volkspumpen zu finanzieren. 30 000
Pumpen zum Stückpreis von rund 2 000 Euro – inklusive Montage und Schulung – können
Millionen Menschenleben retten.
74|75
Komm in die
Schule, Kalari!
ese
K
alaris Kindheit nahm ein jähes
Ende – an Weihnachten 2004,
als die Flutwelle kam. Kalari ist
zwölf Jahre alt, zur Schule geht
sie nicht mehr: Sie muss jetzt ihre Familie unterstützen. Stundenlang sitzt sie in der Sonne, bedeckt den
Kopf mit einem Zipfel ihres Saris und pflückt Erdnüsse. Kalari wird nach Menge bezahlt – pro Tag verdient sie 50 Rupien, das sind umgerechnet 40 Cent.
Ihr Vater ist immer Fischer gewesen. Seit dem Tsunami aber war er nicht mehr draußen
– die riesige Welle hat das Boot zerstört und die Netze
fortgespült. Die Existenz vieler Fischerfamilien in den
Dörfern ist vernichtet. Zum Glück in ihrem Unglück siedeln die Bewohner im Bundesstaat Andrah Pradesh an
der Ostküste Indiens mehrere hundert Meter im Inland,
so blieben wenigstens die meisten Häuser verschont.
Und selbst wenn es die Ausrüstung
nicht erwischt hat, ist die Existenz bedroht. Denn kaum
jemand isst hier noch gerne Meeresfrüchte. Die Fischer
brächten die Toten mit in ihren Netzen, heißt es. Als Fisch.
So mussten viele Kinder plötzlich
erwachsen werden – nicht nur die der Fischer, auch
die der Händler. Ihre Zukunft hängt davon ab, ob es
Die Zukunft der Kinder hängt davon ab, ob es
gelingt, sie wieder in die Schulen zu holen.
gelingt, sie von den Feldern, aus den Fabriken und den
Haushalten wieder in die Klassenräume zu holen. Mit
einem groß angelegten Wiedereinschulungsprogramm
hat sich „terre des hommes“ an die Arbeit gemacht,
will den Kindern in den betroffenen Dörfern zu Ausbildung und damit zu einer neuen Zukunft verhelfen.
Volkswagen hat das Projekt „Neue
Chancen nach der Flut“ initiiert – und zunächst eine
Million Euro investiert. Die Belegschaft spendete weiLesen Sie weiter auf Seite 76
Globalisierung entwickeln
Dem Tsunami folgte eine weltweite Welle der Hilfsbereitschaft.
VW hilft traumatisierten Kindern in Andrah Pradesh – langfristig.
Fortsetzung von Seite 75
tere 600 000 Euro. „Insgesamt acht Schulen werden
neu aufgebaut, die erste ist schon eingeweiht worden“, sagt Peter Mucke, Geschäftsführender Vorstand
von „terre des hommes“. Weitere 24 Schulen werden
renoviert. Auf diese Weise wird der Unterricht in Vorund Grundschulen für rund 4 400 Kinder sichergestellt. Zum Programm gehören auch die Fortbildung
von Lehrern und Hilfen für traumatisierte Kinder.
Schließlich werden auch die Hurrikan-Schutzbauten
an der Küste mit Volkswagen-Hilfe instand gesetzt .
Seit dem Frühjahr läuft die Wiedereinschulungskampagne. Mit viel Schwung. Neue Lehrer
bieten Crashkurse an, in denen Kinder den verpassten
Stoff nachholen. Dafür ist viel Überzeugungsarbeit
notwendig – bei den Eltern, die ihre Kinder wieder in
die Schule schicken sollen. Damit sie ein Stück ihrer
hinweg gespülten Kindheit zurückerhalten. Vielleicht auch Kalari.
Gesundheitsdienst an
365 Tagen je 24 Stunden
Volkswagen de México ist mit seiner vorbildlichen medizinischen
Versorgung auf dem Weg zur „sicheren Fabrik“.
D
ie Gesundheit der VW-Mitarbeiter ist nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen ein wichtiges Gut.
Wie ernst die medizinische Versorgung auch aus sozialen und humanitären Gründen
genommen wird, zeigt das Beispiel VW de México:
Hier können sich die gut 16 000 Beschäftigten am
Standort Puebla voll auf den medizinischen Dienst
verlassen: „Die Gesundheit der Arbeiter hat Priorität.
Wir stehen daher mit unserem medizinischen Service
an 365 Tagen im Jahr bereit – und zwar 24 Stunden“,
sagt der Leitende Arzt Dr. Manuel Max Robles Ortega.
Das 15-köpfige Team des Gesund-
heitszentrums gewährleistet neben der kostenlosen
medizinischen Basisversorgung auch einen hohen
Standard der Arbeitsplatzsicherheit. Bei regelmäßigen
Rundgängen durch das Werk wird auf Ergonomie und
gute Arbeitsbedingungen großen Wert gelegt. Gerade
in metallverarbeitenden Bereichen wie der Gießerei
werden beispielsweise alle Arbeiter mit individuell angepassten Sicherheitsbrillen ausgestattet – und die Sehschärfe wird kontrolliert. „Zur Prävention zählen auch
unsere regelmäßigen Gesundheitschecks und Impfkampagnen“, sagt Dr. Max Robles. Ein Software-System
hilft der medizinischen Abteilung, alle gesundheitsrelevanten Daten der Mitarbeiter sorgfältig zu managen.
76|77
ese
Volkswagen-Beschäftigte in Puebla profitieren
von einem exzellenten medizinischen Dienst.
Wissen ist der Schlüssel
Vor fünf Jahren hat sich die werkseigene Education and Training
Division von VW of South Africa auch für externe Kunden geöffnet.
Aus dem eigenständigen Institut ETI am Eastern Cape ist ein
Anbieter von Rang für Aus- und Fortbildung geworden.
I
n Uitenhage, dem Standort von
Volkswagen in der Provinz Eastern
Cape, sind fast 40 Prozent der Menschen arbeitslos. Viele von ihnen
fallen aus der offiziellen Statistik, weil sie sich und
ihre Familien gerade eben mit einem Kleinstgewerbe über Wasser halten können. Grund für die Misere:
Mangel an Möglichkeiten und fehlende Berufsausbildung. Volkswagen of South Afrika (VWSA) bildet
mit seinen Zulieferbetrieben die Schlüsselindustrie in
Globalisierung entwickeln
Auch eine engagierte Aufklärung
über allgemeine Gesundheitsrisiken haben sich die VWÄrzte zur Pflicht gemacht. Mitarbeiter, die mit Bluthochdruck, Cholesterin oder Zucker Probleme haben,
werden im Umgang mit Übergewicht und Diabetes beraten. Um die Eigenverantwortung zu stärken, werden
insbesondere die Auszubildenden in medizinischen Informationsgesprächen für Gesundheitsrisiken sensibilisiert – angefangen von Fragen der richtigen Ernährung
über Suchtgefahren und Methoden der Familienplanung. „Unser Ansatz der aktiven Kontrolle hilft spürbar,
die Unfallgefahr am Arbeitsplatz zu senken“, sagt Dr.
Robles. Der Mediziner hat den Ehrgeiz, auch Zulieferer
in das qualitativ hochwertige Gesundheitssystem einzubinden. „Es ist ein langer Weg, aber wenn wir Erfolg
haben, werden wir als sichere Fabrik zum Musterbeispiel in Mexiko.“
Fortsetzung von Seite 77
der Region. Was liegt da näher, als den Menschen via
Ausbildung eine Chance auf den Berufsstart zu geben!
Deshalb hat sich die Education and
Training Division von VWSA, die 20 Jahre lang nur eigene Mitarbeiter fit für den Job gemacht hat, inzwischen auch für externe Unternehmen geöffnet – und
für Menschen ohne Zukunft. Grundschüler können
Kurse in Lesen, Schreiben und Rechnen belegen, Jugendliche ein Berufsqualifizierungsprogramm durchlaufen oder am Computerkurs teilnehmen. Hochschulabsolventen können sich hier für ein Graduate
Trainee Programme bewerben. Zwei Drittel der jährlich 30 Plätze sind dabei für schwarze Absolventen reserviert. Die besten Teilnehmer dieses 18-monatigen
Intensiv-Programms übernimmt Volkswagen selbst.
Das Education and Training Institute (ETI) arbeitet vernetzt mit regionalen Initiativen
Eine hervorragende Beufsausbildung ist das Markenzeichen
des von Volkswagen getragenen Instituts ETI in Uitenhage .
wie UDDI, der Uitenhage Despatch Development Initiative. Ganz ähnlich der AutoVision in Wolfsburg will
sie in der Region weitere Firmen ansiedeln und den
Menschen eine Chance auf Ausbildung und Arbeit geben. „In unserer sich rasant verändernden Welt ist es
wichtig, dass Menschen die Möglichkeit bekommen,
auch zu den Gewinnern zu gehören. Grundlage dafür
ist die gute Ausbildung – hier lohnt sich jede Investition“, sagt Leon De Klerk, General Manager des ETI.
Von Technik über Produktion und Montage, Finanzen- und Datenverarbeitung, Personalentwicklung,
Management-Entwicklung bis hin zu einem Assessment Center: das Angebot des Instituts ist umfassend.
Eintrittskarte in die Berufswelt für 800 Arbeitslose
Dank seiner modernen Unterrichtsmethoden und seiner Lerninhalte hat sich das
ETI einen exzellenten Ruf erarbeitet – nicht nur am
Eastern Cape, sondern in ganz Südafrika. 120 externe
Unternehmen und Behörden sind Kunden und schicken ihre Mitarbeiter gern nach Uitenhage. So war
es kein Zufall, dass das Arbeitsministerium in Johannesburg unter anderem Volkswagen und das ETI als
jene Unternehmen ausgewählt hat, die den Standard
der Berufsausbildung in Südafrika definieren sollen.
Im Jahr 2004 haben die 170 Vollzeit-Trainer insgesamt 51 000 Schüler, Techniker, Handwerker, Ingenieure und künftige Führungskräfte in
den verschiedenen Berufszweigen aus- und fortgebildet. Nur etwa 1 000 Teilnehmer pro Monat waren von
Volkswagen selbst. 800 Arbeitslose erhielten durch
die Kooperation von ETI, der Regierung und UDDI allein im vergangenen Jahr eine
Eintrittskarte in die Berufswelt.
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Lebende Rasenmäher: Das Projekt „Auerochsen in den Ilkerbruchwiesen“
80|81
Natur bewahren
Gestern gingen wir
abholzen, was im
Wege stand. Heute
wollen wir bauen
und dabei die Natur
bewahren.
Neue Heimat Cerrado
Das Cerrado-Buschland Zentralbrasiliens gehört zu den
aussterbenden Naturlandschaften des Kontinents. Wo
einst bewaldete Savanne vielen
Tier- und Pflanzenarten Heimat
bot, entstanden Eukalyptusplantagen für die Zellstoff- und
Papierproduktion. In einem
Naturschutzgebiet in der Nähe
des Volkswagenwerks São Carlos
Einer von 16 Auerochsen, die in den Ilkerbruchwiesen zwischen Wolfsburg und Gifhorn
den „artgerechten und ganzjährigen Weidebetrieb“ übernommen haben
W
o laufen Sie denn? Weit schweift der Blick über flaches
Land – da plötzlich geraten zwei gewaltige Hörner ins
Blickfeld. Und schon folgt ein massiger schwarzbrauner
Körper – ein Auerochse. Eigentlich war die Stammform aller
heutigen Rinderrassen im 16. Jahrhundert schon einmal ausgestorben. Durch
Rückzüchtung ist der Ur- oder Auerochse aber gleichsam wiederauferstanden.
16 stattliche Exemplare haben in den Ilkerbruchwiesen zwischen Wolfsburg
und Gifhorn eine neue Heimat gefunden – auf Initiative der Volkswagen AG.
Eine Werkserweiterung hatte den urigen Modellwechsel
vorbereitet. Wer Natur zerstört, muss nämlich nach niedersächsischem Recht
an anderer Stelle „biotopverbessernde Maßnahmen“ ergreifen. So entstand das
Projekt „Auerochsen in den Ilkerbruchwiesen“. Gemeinsam mit der Stadt, dem
NABU und dem Weißstorch-Beauftragten brütete die VW-Umweltabteilung
das „Konzept für eine optimale Grünlandentwicklung“ aus. Wo bisher Landwirtschaft stattfand, sollte eine „halboffene Wiesenlandschaft“ gedeihen,
die auch bedrohten Vogel- und Pflanzenarten Überlebensraum bieten würde.
Die hart gesottenen Auerochsen, das war der Clou, sollten als lebendige Rasenmäher den Einsatz menschlicher Landschaftsgärtner überflüssig machen.
Inzwischen ist die kühne Idee Realität. Rund 40 Hektar
Land hat sich Volkswagen zusammengekauft – der größte Teil davon als geschlossene Fläche. „Wir wollten schließlich nicht kleckern, sondern klotzen“,
soll die ursprüngliche Vegetation
des Cerrado nun wieder aufleben. Dafür werden auf 140 000
Quadratmetern insgesamt 63
Arten von Bäumen und Sträuchern gepflanzt. Das Wachstum
der Sämlinge muss dabei über
einen längeren Zeitraum begleitet
werden; Ameisen müssen ferngehalten, Düngemittel eingebracht
werden. „Es wird einige Jahre
dauern, bis das Reservat regeneriert ist. Dann werden wir dort
auch wieder Tierarten erleben, die
in andere Gegenden ausweichen
mussten“, erklärt Marcio Lima, der
Umweltschutzbeauftragte bei
VW do Brasil. Mähnenwolf und
Brokathirsch zählen dazu, Ameisenbär und Puma. Um die Rettung
bedrohter Arten kümmert sich
auch der Ecological Park in São
Carlos. Volkswagen ist seit langem Partner dieser Einrichtung.
www.volkswagen.com.br
82|83
Lebende
Rasenmäher
sagt Joachim Röttcher, der das Projekt für Volkswagen
vorangetrieben hat. Wintertrockene Plätze und Teiche
mussten angelegt, Zäune gesetzt, Böschungen abgeflacht, Hecken und Feldgehölze angepflanzt, schließlich
Info-Tafeln aufgestellt werden. Immerhin 750 000 Euro
hat das Unternehmen in das Naturschutz-Projekt investiert. Auch eine Heuraufe wurde errichtet, falls die Natur einmal nichts mehr zu beißen herausrücken sollte.
Seit letztem Sommer führt ein gut
beschilderter Lehrpfad um das Areal herum. Außerdem
haben die Auerochsen Gesellschaft bekommen – vier
Klein-Pferde, sogenannte Koniks, dürfen sich mit ihnen
tummeln. Die Nachfahren des Tarpans sind kräftig und
robust und darum gut geeignet für das Leben in freier Wildbahn. Weitgehend friedlich sei die Koexistenz
zwischen Ochs und Pferd, versichert Experte Röttcher.
Drei gepflasterte Aussichtshügel
verschaffen freien Rundblick – bald auf Sandbänke,
die Vögel, Pferde und Rinder zum Baden einladen, bald
auf Birkengruppen, die im Sommer schattige Plätzchen
bieten. Doch auch an Winterskälte wurde gedacht. Eine
kleine Stromschnelle, durch Verengung des Bachlaufs
geschaffen, sorgt dafür, dass es auch bei Frost frisches
Wasser zu trinken gibt. Und wenn das Flüsschen „bei 20
Grad minus doch mal zufriert, kommt Bauer Bendlin und
hackt das Eis auf“, beruhigt Joachim Röttcher den besorgten Tierfreund. Der Landwirt aus Sülfeld kümmert
sich auch, wenn mal ein Tier erkrankt oder ein Zaun
beschädigt worden ist. Dafür darf er die Ochsen auch
schlachten und das hochwertige Biofleisch vermarkten.
So hat der „artgerechte und ganzjährige Weidebetrieb“ seine Probezeit längst hinter sich. Sogar Wiesenpieper und Blaukehlchen sollen schon wieder
gesichtet worden sein. Graugänse halten ohnehin gern
Rast. Und der Weißstorch schaut schon der vielen fetten
Frösche halber gern auf einen Imbiss vorbei. Schon gibt
es Pläne und Gespräche darüber, wie der Natur in der
Allerniederung weiterer Raum belassen werden könnte.
Von einer Ausweitung des Projekts auf 100 Hektar träumen die Umwelt-Aktivisten bei Volkswagen. An eine
Aufwertung des Terrains als „außerschulischer Lernort“
für Schulen und Kindergärten ist gleichfalls gedacht.
Dabei bliebe der Ilkerbruch immer
noch ein Projekt mit offenem Ausgang. Denn wie sich
alles entwickeln wird, darüber entscheidet letztlich die Natur selbst.
Natur bewahren
Im Zeichen der Agenda 21 wurde in Wolfsburg ein besonderer
Modellwechsel vollzogen: Volkswagen lässt Auerochsen und
Konik-Pferde in wilder Beweidungs-Partnerschaft grasen.
Umwelt und Geldbeutel schonen: Die Fahrspartrainings von Volkswagen und NABU
Sp(i)rit vom Feld: Die SunFuel-Strategie
84|85
Klima schützen
Wer die Nase im Wind
hat, ahnt, dass sich
das Klima wandelt.
Die Menschen
können davor die
Augen schließen.
Oder es schützen.
„Bergab Schubabschaltung nutzen!“
ese
Seit vier Jahren ziehen VW und NABU mit – unentgeltlichen –
Spritspartrainings durch die Republik. Mit einer vorausschauenden
Fahrweise kann man nicht nur Umwelt und Klima schonen,
sondern auch das eigene Portemonnaie und die Nerven.
E
igentlich hatte Otto Schumacher
immer geglaubt, dass ihm am Steuer keiner mehr etwas vormachen
kann. Doch allmählich dämmert dem
Mittfünfziger aus Obersontheim, dass er in Gero Heppe
seinen Meister gefunden haben könnte. Eine gemein-
Schüler und Lehrer beim Spritspartraining: 25 Prozent Benzin
kann sparen, wer sich an einige wenige Regeln hält
same Runde im Volkswagen – Modell Golf, 150 PS – haben die beiden schon gedreht – über Jagstrot hinab ins
Bühlertal bis Cröffelbach und zurück ins „Gründle“ bis
zum „Autohaus Schümann“. Dort liegen Start und Ziel
des Spritspartrainings, zu dem Volkswagen und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) alle Interessierten
aus Schwäbisch Hall und Umgebung eingeladen haben.
Bisher durfte Otto Schumacher „ganz
normal“ fahren. Kaum aber hat Runde zwei begonnen,
sieht er sich von Trainer Gero Heppe entmündigt. „Kurz
und knackig“, tönt es vom Beifahrersitz herüber, „nicht
lange beschleunigen, dritten Gang, vierten überspringen, rollen lassen.“ Otto Schumacher ist verunsichert.
Zwar hat er bereits gelernt, dass jeder Schaltvorgang
Benzin kostet. Aber dass so viel Dynamik auch noch
sparsam sein soll? Schon aber ereilt ihn der nächste Befehl. „Bergab Schubabschaltung nutzen!“ Und tatsächlich – der Verbrauch fällt auf null zurück. Otto Schumacher wirft seinem Trainer einen respektvollen Blick zu.
Seit vier Jahren veranstalten Volkswagen und NABU Spritspartrainings – anfangs noch
schaft hat Volkswagen seit 1996
gemeinsam mit „AutoBild“, der
Deutschen Veedol und dem Zen-
86|87
Die Deutsche Spritspar-Meister-
tralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes ausgerichtet.
www.cleverfahren.de
Kostenlose Spartrainings orga-
nisiert Volkswagen auch für die
Fahrer der Kirchentage. Schnupperkurse für die Kirchentags-Besucher führte das Unternehmen
gemeinsam mit seinem Kooperationspartner NABU durch.
www.kirchentag.de
Von der „Führerschein Trophy“
von ARAL bis zum Training des Behindertenverbandes VDK Sachsen
– interessierten Organisationen
bietet Volkswagen eine Spar-Sicherheits-Kooperation.
www.volkswagen.de
Veranstaltungstermine und
Spritspartipps hält der Naturschutzbund Deutschland
(NABU) bereit auf
www.sparsprit.info
Basis-, Aufbau – und Schnup-
perkurse in umweltbewusster
und/oder sicherer Fahrweise
bieten auch die Konzerntöchter
Audi, Seat und Škoda.
www.audi.com
Klima schützen
im Rahmen der vom Umweltbundesamt geförderten Kampagne „Umschalten – ganz einfach Sprit sparen“. Jung oder alt, Mann oder Frau – teilnehmen
könne „jeder, der wissen will, wie man mit Gas und Bremspedal umgehen
muss, um Sprit zu sparen und damit Umwelt und Geldbeutel zu schonen“,
sagt Dietmar Oeliger, der Referent für Verkehr und Mobilität beim NABU.
Bei Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Trainings arbeiten lokale NABU-Gruppen, koordiniert von ihrer Bundesgeschäftsstelle in Berlin, VW-Händlerbetriebe und ein professionelles Trainer-Team Hand
in Hand. Geübt wird im alltäglichen Straßenverkehr, mit präparierten Fahrzeugen. In einer ersten Runde dürfen die Teilnehmer fahren, wie sie wollen. Dabei
ermittelt ein Bordcomputer Spritverbrauch und Durchschnittsgeschwindigkeit. Nach einer kurzen theoretischen Unterweisung folgt Runde zwei – diesmal
unter Anleitung des Trainers. Eine Wanderausstellung über „Mobilität und Klimaschutz“ bietet Gelegenheit zur Vertiefung der gewonnenen Erkenntnisse.
Ob in Korbach, Mainz, Wolfenbüttel oder eben Schwäbisch-Hall – das Ergebnis der kurzen ökologischen Fahrschule löst regelmäßig Verblüffung aus. Denn tatsächlich kann bis zu 25 Prozent Benzin einsparen, wer sich an einige wenige, teils aber verblüffende Regeln hält. Und
das Erstaunlichste vielleicht: Die Durchschnittsgeschwindigkeit war bei
vorausschauender ökologischer Fahrweise keineswegs geringer als im Normal-Modus. Die meisten Teilnehmer waren sogar schneller am Ziel als zuvor.
Eine wissenschaftliche Begleituntersuchung im ersten
Trainings-Jahr ergab faszinierende Spar-Potentiale. So rechnet der damalige
Projektleiter Dr. Frank Musiol in seinem Abschlussbericht hoch, dass sich in
Deutschland mit einer flächendeckenden Fahrerschulung „jährlich CO2-Emissionen in einem Umfang von elf Millionen Tonnen vermeiden“ ließen. Das wären
immerhin 1,3 Prozent der Gesamtemissionen. Das Sparen hat bei Volkswagen
Tradition. Als Partner des Umweltbundesamtes und der TU Berlin unterstützte das Unternehmen im Jahr 1985 schon das wegweisende Forschungsprojekt „Erziehung zu umweltbewusstem Fahrverhalten in der Fahrausbildung“.
Auch Otto Schumacher hat an diesem schönen Septembertag hinzugelernt. 13,8 Prozent weniger Sprit hat er verbraucht dank der
Tipps und Tricks, die ihm sein Trainer Gero Heppe verraten hat. Rechnen
konnte er schon immer gut. Deshalb ist Otto Schumacher rasch klar, was ihm
die Ersparnis aufs Jahr hochgerechnet an neuer Lebensqualität bringt: „Donnerwetter, das ist ja glatt eine Woche Verlängerungsurlaub auf Mallorca.“
D
Aus Mais könnte der Kraftstoff der Zukunft gewonnen werden,
meint Dr. Wolfgang Steiger, Leiter des VW-Forschungsfelds
Antriebe. BTL-Kraftstoffe wie SunFuel weisen den Weg zu CO2neutraler Verbrennung – zum Nutzen von Umwelt und Klima.
ie Zahl raubt den Atem: 25 Millionen Tonnen! Jedes Jahr belastet
die Menschheit die Erdatmosphäre
mit zusätzlichen 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2). Also mit dem Gas, das von
der Mehrheit der Wissenschaftler für den Treibhauseffekt verantwortlich gemacht wird. Und das nun einmal noch immer bei jeder Autofahrt freigesetzt wird.
Noch. Volkswagen wartet nicht ab,
bis die Forschung Einigkeit erzielt hat, ob das CO2 tatsächlich unser Klima belastet. Stattdessen hat der Konzern eine integrierte Antriebs- und Kraftstoffstrategie
entwickelt und vorangetrieben, um die Emissionen von
CO2, Stickoxiden und Rußpartikeln drastisch zu reduzieren. Und um die Zeit bis zur Serienreife schadstofffreier
Brennstoffzellen zu überbrücken. „Denn bis dahin vergehen mindestens noch zwei bis drei Jahrzehnte“, widerspricht Dr. Wolfgang Steiger, Leiter des VW-Forschungsfelds Antriebe, allen allzu optimistischen Prognosen.
Die zentrale Säule dieser Übergangs-Strategie sind synthetische Kraftstoffe als Alternative zum Erdöl: Erstens Kraftstoff aus Erdgas,
im Jargon der Experten „Gas to liquid“ (GTL) genannt.
Und zweitens: Kraftstoff aus – Mais. Richtig gelesen:
Mais. Oder auch Holz oder Roggen. Analog zum GTL ist
auch die Entwicklung des BTL, des „Biomass to liquid“
Kraftstoffs ausgereift. Schon heute wandelt eine Pilotanlage der Firma Choren im sächsischen Freiberg Holz
in Diesel. Beziehungsweise in SunFuel. So lautet der
Markenname des rein pflanzlichen Zukunftssprits, dessen Produktionsverfahren Volkswagen und DaimlerChrysler mitentwickelt und erheblich gefördert haben.
Ergebnis ist ein Kraftstoff mit beeindruckend vielen Vorteilen. Vor allem für die Umwelt:
Verglichen mit konventionellem Diesel setzt SunFuel
60 bis 90 Prozent weniger Treibhausgase frei sowie
nur halb so viele Rußpartikel. „Und diese Messwerte
88|89
Vom Acker
in den Tank
ese
gelten nur für moderne Motoren“, betont Steiger. Denn
in den meisten Gegenden der Welt donnern noch 30
Jahre alte Lkw umher, die enorme Rauchfahnen hinter
sich herziehen. Aber: Selbst sie könnten problemlos
SunFuel tanken. Einfüllen, losfahren, fertig – BTL-Kraftstoffe benötigen keinerlei Eingriffe am Motor. „In Kairo
oder Peking“, so Steiger, „werden wir die Effekte von
SunFuels in Tonnen von Partikeln messen können!“
Noch positiver soll die Ökobilanz von
SunFuel ab dem Jahr 2015 ausfallen. Dann nämlich plant
VW mit dem Combined Combustion System (CCS) eine
ganz neue Aggregate-Generation. Sie wird die Vorteile
von Diesel- und Otto-Motor vereinen, nochmals effizienter und gleichzeitig sauberer arbeiten. Steiger: „Mit
CCS und SunFuel werden unsere Autos weder Rußpartikel noch Stickoxide mehr freisetzen und CO2 nur in den
Mengen, die auch bei der natürlichen Photosynthese
entstehen – die Verbrennung wird absolut CO2-neutral!“
Gut für die Atmosphäre. Und auch
für die Landwirte. Die mutieren zu Energiewirten,
pflanzen künftig quasi Kraftstoff an. BTL-Sprit würde
so ganz nebenbei auch die Erdölabhängigkeit mildern:
„Allein in der EU gibt es genug Flächen, um 20 Prozent des gesamten Kraftstoffbedarfs mit SunFuels zu
decken“, versichert Steiger. Ökologisch negative Maismonokulturen drohen indes nicht. „Sonnenblumen,
Schilf, Gras, Stroh – SunFuel lässt sich eigentlich aus
jeder Pflanze machen“, erklärt Steiger einen weiteren Clou. „Sogar mit Kompost kommt das Verfahren
klar.“ SunFuel schlägt Bio-Diesel aus Raps um Längen. Es ist weit ergiebiger, weil nicht nur das Öl der
Samen, sondern die ganze Pflanze mit Stiel und Stängel verwertet wird. Und Motorschäden wie beim
Tanken von Raps-Diesel muss niemand befürchten.
Viele Vorteile. Fragt sich nur: Wann
bricht das neue Kraftstoffzeitalter an? „Ab 2010“, prognostiziert Steiger, „dann wird BTL Diesel und Benzin beigemischt, in sukzessive steigenden Anteilen.“
Er selbst tankt seinen Dienstwagen schon heute mit
sonnengereiftem Sprit – und kennt deshalb noch einen Vorteil: „SunFuel stinkt nicht,
sondern duftet nach Wachs.“
Klima schützen
Sommersmog, Treibhauseffekt, Klimakollaps – die wohl wichtigste
Aufgabe eines Autoherstellers ist, nachhaltige Mobilität sicherzustellen. VW nimmt die Herausforderung an. Und setzt dabei gleichsam
auf die Kraft des Korns: auf SunFuel, den Zukunftssprit aus Biomasse.
Lieferweg Schiene: Die CargoTram in Dresden
Das Handy als Staumelder: Die Niedersächsische Landesinitiative Telematik
90|91
Mobilität erhalteln
Das Abenteuer
des Lebens beginnt
auf der Wiese
nebenan. Wer die
Freiheit liebt, muss
Mobilität erhalten.
Güter fahren
Straßenbahn
ese
Zulieferverkehr minimieren – das war das Ziel von Volkswagen am
Standort der Gläsernen Manufaktur im Zentrum Dresdens. Deshalb
fahren dort fast alle in der Montage benötigten Komponenten Bahn.
Das pfiffige Logistikkonzept hat auch im Ausland Interesse geweckt.
W
Mit der Cargotram befördert Volkswagen Teile für die Montage seines Luxusmodells „Phaeton“ quer durch die Dresdner
Innenstadt – zum Vorteil der Umwelt und der staugeplagten
Einwohner. Einst verkehrten Wäschewagen auf Schienen.
as ist blau, hat weder Fenster
noch Türen, bewegt sich alle
vierzig Minuten auf Straßenbahnschienen
durch
Dresden
und bietet Fahrgästen keinen Platz? Richtig: die
Güter-Straßenbahn. Also – bitte nicht einsteigen!
Schon als Volkswagen die Gläserne Manufaktur am Rande des Zentrums der Elbmetropole plante, hat der Automobilhersteller den Bewohnern, der Umwelt und der Infrastruktur zuliebe in
dieses zukunftsweisende Logistikkonzept investiert.
Zwei Straßenbahnen wurden eigens für den Transport
von schwerem Material konstruiert. Seit dem ersten
Tag der Produktion des VW-Spitzenmodells Phaeton
beliefern sie das Werk just in time mit Teilen, Komponenten und Werkzeugen. Wo normalerweise Fahrgäste Platz nehmen würden, befinden sich mit Planen
überspannte Ladeflächen. Der 60 Meter lange Zug
kann bis zu 60 Tonnen in einer Fuhre transportieren.
Die gesamte Logistik konnte derweil in das Güter-Verkehrs-Zentrum (GVZ) nach Fried-
Weil die Ampeln immer auf grün
stehen, gibt es keine Staus mehr
Die Cargo, die von besonders geschulten Fahrern
der Dresdener Verkehrsbetriebe gelenkt wird, nutzt die Lücken im täglichen Fahrplan. Der Fluss des Personenverkehrs wird also nicht gestört.
Das kluge Logistikkonzept ist ein Beitrag von Volkswagen zur Erhaltung
von Lebensqualität in der sächsischen Hauptstadt. Und weil für die Cargotram sowieso immer die Ampeln auf grün stehen, trägt sie ganz nebenbei auch zur Stauverminderung und damit zum Umweltschutz bei.
So revolutionär sich das Konzept anhört – es hat Vorläufer. Vor hundert Jahren verkehrte schon einmal eine Güter-Straßenbahn
in Dresden. Sonderbare Wäschewagen wurden damals an die Straßenbahn
angehängt. Später wurden Getreide und Mehl zwischen dem Alberthafen
und den Mühlen im Vorort Plauen auf diese Weise hin und her transportiert. Volkswagen hat in seinem Konzept also auf eine gute alte Idee gesetzt.
Dennoch, die Umsetzung des Gedankens „Güter auf
Straßenbahnschienen“ ist einzigartig – nicht nur in Deutschland. Städte aus aller Welt interessieren sich inzwischen für die blaue Bahn, die
Volkswagen beliefert. Das belegen Anfragen aus Japan, China, Dubai, Frankreich und der Slowakei.
Automobilbranche war das Projekt
„Sustainable Mobility“ im Rahmen
des World Business Council for
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Eine Gemeinschaftsinitiative der
Sustainable Development. In diesem Projekt ist eine Vision globaler
Mobilität für das Jahr 2030 entwickelt worden. Die Initiative hat
Stakeholder wie Umweltverbände,
wissenschaftliche Institute und
Behörden in die Strategiedebatte
eingebunden.
www.wbcsd.org
Global denken, lokal handeln
– daran orientiert sich auch der
Steuerkreis der Wolfsburger Agenda 21. Vertreter aus Unternehmen,
Verwaltung und Verbänden haben
sich zusammengeschlossen, um
den Klimaschutz aktiv zu fördern.
Volkswagen ist in verschiedene
Projekte eingebunden. Eines
davon: die Förderung von Fahrgemeinschaften seiner Mitarbeiter.
www.wolfsburg.de
Durch die Verlagerung von Trans-
porten auf das umweltfreundliche
Container-Schiff vermeidet Volkswagen seit kurzem rund 150 LkwFahrten pro Woche. Gut 20 000
Zwanzig-Fuß-Einheiten (TEU)
wurden im Jahr 2004 zwischen
Braunschweig und Hamburg
verfrachtet.
www.vw-transport.de
Mobilität erhalten
richstadt, einen Vorort Dresdens, ausgelagert werden. Bis dahin fahren die
Lkw, ab hier übernehmen die Dresdener Verkehrsbetriebe (DVB). Kommt
die Straßenbahn an, entladen Gabelstapler das zurück beförderte Verpackungsmaterial von der einen Seite. Von der anderen Seite wird beladen
– mit den vom Werk bestellten und bereit stehenden Teilen. Nach nur 25
Minuten Aufenthalt kann sich die Cargotram bereits wieder auf den Weg
machen – von Friedrichstadt durch die City bis zum Straßburger Platz. Fünf
Kilometer lang ist die Strecke, die Bahn legt sie in flotten 15 Minuten zurück.
Drei Lkw-Ladungen finden Platz auf einer Bahn, pro
Tag bleiben Dresden so sechzig Lkw-Touren ins Zentrum erspart. Das summiert sich auf fast 200 000 Lkw-Kilometer, die in Dresden Jahr für Jahr
nicht gefahren werden. Via Lkw gelangen nur die empfindlichen Karosserieteile, die in anderen Werken hergestellt werden, direkt bis in die Gläserne Manufaktur. Sie dürfen einfach nicht unnötig oft bewegt werden.
In der Forschungsinitiative
INVENT hat sich Volkswagen
vier Jahre lang engagiert. Zweck
des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts
„Intelligenter Verkehr und nutzergerechte Technik“ waren die
Optimierung des Verkehrsflusses
und die Erhöhung der Verkehrssicherheit. Volkswagen hat die
Themen „Fahrerassistenz und aktive Sicherheit“ sowie „Verkehrsmanagement 2010“ bearbeitet.
23 weitere Unternehmen aus den
Branchen Automobil, Elektronik
und Telekommunikation waren
gleichfalls beteiligt.
www.invent-online.de
Der IT-Dienstleister gedas, bis
2005 eine Tochter der Volkswagen
AG, wurde 1983 gegründet, hat
seinen Sitz in Berlin und beschäftigt fast 5 000 Mitarbeiter an 50
Standorten in 13 Ländern.
www.gedas.de
Logiweb, ein von gedas entwickeltes Internetportal, ist
ein Telematik-Produkt, das den
gesamten Logistikprozess von
der Bestellung bis zur Sendungsverfolgung abbildet und eine
europaweite Optimierung des
Flottenmanagements ermöglicht.
www.logiweb.de
U
nvorstellbar, aber wahr: Anderthalb Wochen steht jeder Autofahrer pro Jahr durchschnittlich im Stau. Viele
Millionen Liter Benzin werden in dieser Zeit sinnlos verbraucht, reichlich Abgase in die Atmosphäre entlassen.
Um den verschwenderischen Stillstand aufzulösen, bündelt die VolkswagenKonzernforschung eigene Verkehrsprojekte mit Initiativen der Stadt Hannover, mit denen von Bosch, Siemens, Vodafone und der niedersächsischen
Landesinitiative Telematik. Damit werden zugleich der Forschungsstandort
Niedersachsen gestärkt und Potentiale für Wachstum und Arbeit erschlossen.
„Wenn wir in der Lageerfassung besser werden und den
Fahrer frühzeitig informieren, dann können wir durch Empfehlungen Staus
vermeiden“, hofft Dr. Gerhard Prätorius, der Leiter der niedersächsischen Landesinitiative Telematik. Gerade Baustellen und Unfälle, die wichtigsten Stauverursacher, müssten „besser gemanagt werden“. Basis für intelligentes Verkehrsmanagement ist die Telematik, ein Kunstwort aus Telekommunikation
und Informatik. Sie umfasse „alle Anwendungen, die auf drahtloser Übertragung von Informationen und ihrer Verarbeitung beruhen“, erklärt Prätorius.
In einem Projektkonsortium von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen
wird die Zukunft der Datenerfassung schon erprobt. Seit 2004 läuft in Hannover ein Pilotversuch. Etwa fünfzig präparierte Busse, Polizeiautos und Kurierdienste sind dabei in der Stadt unterwegs. Diese „Floating Cars“ fungieren
als mobile Sensoren, die Messwerte wie die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit oder auch Stillstandszeiten per SMS an die Zentrale senden. Dort
werden diese Daten mit denen aus der Infrastruktur, also von den Kameras
an Brücken oder Induktionsschleifen, zu einem realen Abbild der Verkehrslage gemixt. Dr. Prätorius: „Eine so verbesserte Datenbasis soll es Kommunen ermöglichen, den innerstädtischen Verkehr vorausschauend zu lenken.“
In einem weiteren Projekt ermitteln Vodafone und Volkswagen seit dem Sommer 2005 Geschwindigkeitsprofile auf einzelnen Abschnitten der Autobahnen A2 und A7 – über Mobiltelefone. In „traffic online“
machen sich die Forscher den Umstand zu Nutze, dass die wenigsten Autofahrer ihr Handy auf Reisen ausschalten. Nach ersten Erkenntnissen finden
sogar rund siebzig Prozent aller Telefonate im Auto statt, davon noch einmal
ein großer Teil im Stau. Über die Zeiten, die tausende Handys von Mobilfunkmast zu Mobilfunkmast „reisen“, sind Rückschlüsse auf die Verkehrsentwicklung möglich. So avancieren Mobiltelefone zu anonymen Staumeldern.
94|95
Das Handy als
anonymer Staumelder
ese
Über die Messkette Floating Cars,
Mobiltelefone, Induktionsschleifen und Kameras lässt
sich der Verkehr auf den Autobahnen und Nebenstraßen sowie im Stadtgebiet Hannover mit realen Daten
erfassen. Diese werden pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft auf einer metergroßen, digitalen Karte
in der Verkehrsleitzentrale zu einem Lagebild des gesamten Ballungsraums verarbeitet. Keine Verkehrszentrale in Europa verfügt über eine solche Datenqualität.
In drei bis fünf Jahren könnte überdies das europäische Satelliten-Navigations-System
„Galileo“ aufgebaut sein. Das erste zivile System, das
Objekte im Meterbereich orten und damit gerade auch
solche Anwendungen möglich machen soll, bei denen
die Sicherheit im Vordergrund steht. Am Forschungsflughafen Braunschweig-Wolfsburg soll ein europäisches GAUß-Zentrum entstehen. Ehrgeiziger Plan der
Niedersächsischen Landesinitiative, so Dr. Prätorius:
„Wir wollen unseren Vorsprung hier in der Region
nutzen und ein Demonstrationsund Erprobungsfeld einrichten.“
Mobilität erhalten
Floating Cars, Mobiltelefone, Induktionsschleifen und Kameras –
Intelligentes Verkehrsmanagement könnte den Weg aus dem Stau
der Zukunft weisen. Niedersachsen bündelt schon heute sein
Know-how im Bereich der Telematik. Volkswagen ist dabei.
Intelligente Verkehrsführung ist keine Zukunftsmusik mehr. Volkswagen und Vodafone ermitteln
in einem Projekt Geschwindigkeitsprofile auf den
Autobahnen A2 und A7 – über Mobiltelefone.
Recherche auf dem Asphalt: Die Volkswagen-Unfallforschung
Spaß beim Lernen: Der Kinderverkehrspark in Pamplona
Werbung für den Gurt: Die Buckle-up-Kampagne von Volkswagen of America
96|97
Verkehr sichern
Vielleicht ist nicht
jeder Unfall
vermeidbar.
Dennoch, Verkehr
auf der Straße lässt
sich sichern. Vorfahrt
für das Leben!
„Jede Schramme zählt“
Trotz aller Tests während der Fahrzeugentwicklung – erst der
Ernstfall Praxis zeigt, wieviel Sicherheit ein Auto bietet. Volkswagen
unterhält eine eigene Unfallforschung, denn aus der Analyse der
Gegenwart stammen Verbesserungen für die Zukunft.
ese
S
onntag, 8.38 Uhr, Frühstück. Das
Bereitschaftshandy klingelt. Markus Jungmichel (37) steigt in den
roten Multivan: „Ein Golf der aktuellen Serie ist von der Straße abgekommen, gegen einen Baum geprallt. Fahrer und Beifahrer leicht
verletzt, dem Kleinkind ist nichts passiert“, sagt er
kurz angebunden. Unfallort ist die Bundesstraße
4 in Fahrtrichtung Braunschweig. Ursache: unklar.
Jungmichel leitet die Erhebungsstelle der Unfallforschung des Konzerns in Wolfsburg. Er und seine fünf hoch spezialisierten Kollegen
werden zu jedem Unfall gerufen, in den ein VW oder
ein Volkswagen-Nutzfahrzeug aus einer der aktuellen Serien involviert ist. So fließen Erkenntnisse aus
dem Feld direkt zurück – zu den Konstrukteuren und
in die Produktion. Deshalb ist das Bereitschaftstelefon an 24 Stunden, an den Wochenenden und an
Feiertagen besetzt. „Wir untersuchen jeden Unfall,
bei dem ein Mensch – gleich ob Insasse, Radfahrer
oder Fußgänger – verletzt wurde“, sagt Jungmichel. „Jede Schramme zählt“, so der Unfallforscher.
8.55 Uhr, angekommen. Polizei, Notarzt und Rettungswagen sind vor Ort. Jungmichel schaltet das Gelblicht an, sichert so sein Fahrzeug und los geht
es: Kreide auspacken, Fundstellen markieren. Keine Zeit
verlieren! Wo genau ist der Golf von der Fahrbahn abgekommen? Deuten die Reifenspuren auf ein Lenkmanöver
in letzter Sekunde hin? Hat der Fahrer gebremst? „Bremsspuren sind seit dem Anti-Blockier-System kaum noch
Markus Jungmichel sichert Spuren am Unfallort: „Wir untersuchen jeden Unfall, bei dem ein Mensch verletzt wurde.“
Ein Chinese lebt im Verkehr weit
gefährlicher als ein Europäer.
Auf 1000 Fahrzeuge kommen in
China acht Tote (2003), in den
98|99
Unfallforschung in China
USA 0,33, in Deutschland gar nur
0,13 (2004). Zusammen mit der
Tongji Universität engagiert sich
Volkswagen seit kurzem für mehr
Sicherheit auf Chinas Straßen. In
enger Kooperation mit Polizei,
Krankenhäusern und Verkehrsbehörden sucht ein interdisziplinäres
Team aus den Bereichen Fahrzeugentwicklung, Medizin und
Psychologie am Unfallort Spuren
und wertet sie aus. Verkehrssicherheit und Fahrverhalten stehen im
Mittelpunkt der neuen Unfallforschung. Dafür hat Volkswagen ein
präpariertes Fahrzeug vom Typ
Touran gestiftet. Die Erkenntnisse
der Unfallforschung fließen in die
Fortentwicklung von Systemen
der aktiven Sicherheit wie ABS
oder ESP ein. Im Rahmen seines
Engagements für die Olympischen
Spiele 2008 („Peoples Olympic“)
wird Volkswagen gemeinsam mit
dem Olympischen Komitee weitere Projekte zu nachhaltiger Mobilität in China starten. Mit dem
Trainings-Programm „Volkswagen
Experience“ lernen Chinesen
schon heute, Gefahrensituationen
im Verkehr zu meistern.
www.csvw.com
Verkehr sichern
sichtbar“, sagt der Unfallforscher. Doch geübte Sachverständige wie er finden
sie – abgeknickte Grashalme deuten darauf hin, dass der Fahrer reagiert hat.
Alle Splitter, alle Kratzspuren, alle Fahrzeugteile werden nebst Fundort in kriminalistischer Kleinarbeit dokumentiert. Jungmichel arbeitet schnell und präzise.
In seinem Multivan findet er, was ein Spurensucher
braucht: Kreide, Maßstäbe, Fluchtstangen, Digitalkamera, Speichermedien, Akkus. Neuerdings gehört auch der 3-D-Laserscanner zur Ausrüstung.
Der schafft 125 000 Bildpunkte pro Sekunde. Der Notarzt hat den Ort des
Geschehens verlassen. Die Polizei hat den einzigen Zeugen befragt. Auch
Jungmichel ist so weit fertig und kann wieder ins Wochenende fahren.
In den nächsten Tagen sind die Kollegen an der Reihe: Der Arzt im Team der Unfallforschung wird – mit Einverständnis der
Unfallbeteiligten – deren Verletzungen genauestens aufnehmen, dokumentieren, die Arztberichte aus dem Krankenhaus lesen. Die Psychologin wird mit allen Beteiligten und mit dem Zeugen Gespräche führen: Wie
haben Sie den Unfall erlebt? Wie ist es aus Ihrer Sicht dazu gekommen?
„Eine Stunde am Unfallort, das bedeutet vierzig Stunden
Nacharbeit“, sagt der Sachverständige. Wenn alle Daten gesammelt wurden,
ergibt das Puzzle ein Bild. Ursache: Die Familie befand sich auf dem Rückweg
aus Italien. Der Mann hatte neun Stunden – mit nur einer Pause – am Steuer verbracht. Sein Sohn (2) und seine Frau waren eingeschlafen. Wenige Kilometer vor dem Wohnhaus hatte auch ihn kurz die Müdigkeit übermannt.
Erst als er von der Fahrbahn auf unebenen Untergrund geriet, wurde er wach,
bremste, konnte dem Baum aber nicht mehr ausweichen. „Es ist fast immer
so“, sagt Jungmichel. „97 Prozent der Unfälle basieren auf menschlichem Versagen.“ Der Rest sei Folge von Mängeln – an Rädern, Bremsen, Straße. Der Unfall aufgrund technischen Versagens der Fahrzeuge selbst liegt seiner Erfahrung nach im Promillebereich. „Früher wären Fahrer und Beifahrer bei diesem
Geschehen schwer verletzt, wenn nicht gar tot gewesen“, sagt Jungmichel.
Dass Unfälle heute meist glimpflich ausgingen, ist der Perfektion passiver Sicherheitssysteme wie Gurt und Airbag zu danken. „Die können wir eigentlich nicht mehr verbessern. Deshalb gehen wir jetzt an die Verbesserung der aktiven Sicherheit“, so der Unfallforscher. Das kluge Fahrzeug der
Zukunft soll merken, wenn der Fahrer schläft und ihn wecken. Vielleicht wird
es notfalls sogar selbst bremsen. So wäre der Unfall vom vergangenen Sonntag vermieden worden – und Jungmichel hätte trotz
seiner Bereitschaft ein freies Wochenende genossen.
Nicht nur Volkswagen-Fahrern
steht die Driving Academy offen,
die VW of South Africa 2004 in
Kyalamy eröffnet hat. Für Fahrerschulung und Verkehrssicherheit
engagiert sich das Unternehmen
auch sonst. So wird die populäre
Arrive-Alive-Website finanziell unterstützt, die für junge Autofahrer
allerlei Tipps und Tricks bereithält.
www.arrivealive.co.za
Von der betulichen Verkehrserziehung zum Curriculum Mobilität
– das ist das Ziel einer Kooperation
des niedersächsischen Bildungsministeriums und der Autostadt. Ein
Info-Reader mit Handreichungen
für Lehrer liegt schon vor.
www.autostadt.de
Eine AutoLernWerkStadt für Kin-
der ist im Automobil Forum Unter
den Linden in Berlin eingerichtet
worden. Ein virtuelles Angebot
zum Spielen, Forschen und Lernen
ist gleichfalls verfügbar.
www.autolernwerkstatt.de
Das Internetportal zoon. com
bietet neben Kultur- und LifestyleThemen ein interaktives Führerschein-Training, das Youngsters
ganz unverkrampft auf die theoretische und praktische Prüfung
vorbereitet.
www.zoon.com
H
ey Du, hast Du ein Auto?“ „Ja.“ „Was für eine Marke?“ „Einen Audi.“ „Bekommst Du auch Strafzettel?“ Viele Fragen
hatten die Kinder an Juan Carlos I., und er beantwortete sie gerne, obwohl die Anrede nicht ganz dem Protokoll entsprach. Die Königlichen Hoheiten Don Juan Carlos I. und Dona Sofia
waren zu Gast, als der Kinderverkehrspark in Pamplona eingeweiht wurde.
Auf 20 000 Quadratmetern ist eine fiktive Miniaturstadt entstanden. Hier lernen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren altersgemäß und spielerisch zugleich, sich auf den Straßenverkehr einzustellen, um
so die eigene Sicherheit als Fußgänger, Rad- und Mofafahrer zu verbessern.
Wenn die Kinder den Park betreten, erhalten sie eine Karte als Ausweis. Polizisten unterrichten in der Aula die Theorie. Nach einer
kleinen Vesperpause folgt die Praxis. Die Kinder besuchen zuerst die Werkstatt. Hier lernen sie Funktion und Mechanik eines Fahrrades kennen. Kinder
ab zwölf Jahre können wahlweise auch Kenntnisse in Erster Hilfe erwerben.
Je nach Alter fahren die Kleinen
Fahrrad, Kart oder Mofa
Schon sind sie als Fußgänger im Polo-Park unterwegs.
Während sie den Wegen folgen, auf Zebrastreifen, Schilder, Ampeln und
Vorfahrt achten, gelangen sie zu den verschiedenen Informationshäuschen. An jedem müssen sie ihre Ausweiskarte in den Automaten schieben,
der ihnen eine Frage stellt. Jeder Schüler bekommt am Ende des Tages eine
Note für seine Antworten. Jetzt folgt das Training als Fahrer. Je nach Alter
fahren die Kinder per Fahrrad, Kart oder Mofa durch die kleine Übungsstadt.
Jahr für Jahr besuchen bis zu 8 000 Kinder den Polo-Park.
Die Stiftung Volkswagen Navarra S.A. und die Sparkasse Navarra haben das
Projekt initiiert mit dem Ziel, die Zahl der Unfälle mit Kindern zu minimieren.
Polizei, Bürgermeister und Zulieferer aus der Region beteiligen sich an dem
Park, denn die didaktisch aufbereiteten Kurse bewirken nachhaltige Veränderungen im Verkehrsverhalten. Wie wichtig solche Projekte sind, in denen Kinder ihre eigene Sicherheit trainieren, haben auch die Königlichen Hoheiten mit
ihrer Anwesenheit am Tag der Einweihung 1999 in Pamplona unterstrichen.
Vorsicht, Umsicht und Rücksicht im Straßenverkehr erlernen kleine Besucher auch in der Autostadt, am Sitz der Konzern-Zentra-
100|101
„Bekommst Du
auch Strafzettel?“
ese
le in Wolfsburg. Zuerst geht es ins Kino. Dort werden
die Regeln vermittelt, die für Gehweg, Radweg, Zebrastreifen, Ampel und fließenden Verkehr gelten. Dann
schlüpfen die Kleinen zum ersten Mal selbst in die
Rolle des Autofahrers und lenken elektrisch angetriebene Mini-Beetles durch den Straßenparcours. Halten
bei „Rot“, Rechts vor links, Vorfahrt achten – alles kein
Problem mehr nach den fünfzig Minuten im LernPark.
Dabei müssen sich die Eltern nicht darum sorgen, dass
ihre fünf- bis elfjährigen Sprösslinge etwa mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sein könnten: Bei vier
km/h ist nämlich Schluss. Zum Andenken erhält jedes
Kind seinen ersten Führerschein
– mit Porträtfoto und Namen.
8000 Kinder besuchen den Polo-Park in Pamplona Jahr für
Jahr und lernen die wichtigsten Verkehrsregeln.
KInder ab zwölf Jahren können wahlweise auch
einen Erste-Hilfe-Kurs belegen.
Verkehr sichern
Damit sich Kinder sicherer im Straßenverkehr bewegen,
unterrichtet sie Volkswagen in Theorie und Praxis. Der Polo-Park
in Pamplona und die Wolfsburger Autostadt bieten den Kleinen
Edutainment pur – den Kinder-Führerschein inklusive.
„Buckle up – lass sie
nicht entschwinden!“
ese
Aus Oberschülern wurden Werbefilmer – mit Aufsehen erregenden
Kampagnen und Aktionen kümmert sich Volkswagen of America um
das Überleben von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr.
D
Der Rückspiegel, auf den sich
die Augen des Fahrers richten,
gibt den Blick frei auf bebilderte
Erinnerungsfetzen:
„Deine
Freunde… deine Eltern… deine Träume… deine Hoffnungen“. Ein Leben im Zeitraffer weniger Sekunden.
„Don’t let them fade away… Lass sie nicht entschwinden“, mahnt die Stimme aus dem Off. Nun rast das
Auto auf eine Kuppe zu. Abblende. Und dann nur
noch schrill quietschende Reifen, ehe die ultimative Aufforderung folgt: „Buckle up“. Schnall Dich an!
Der beeindruckende Kurzfilm lief im
letzten Jahr landesweit im amerikanischen Fernsehen.
Er hatte zuvor den ersten Preis in einem Wettbewerb
gewonnen, den VW of America initiiert hatte. Dabei
waren High-School-Schüler aufgefordert, dreißig-sekündige Werbespots zu drehen, die sich an Gleichaltrige
wenden und ihnen klarmachen sollten, wie wichtig es
ist, sich anzuschnallen. Die drei besten Kurzfilme wurden schließlich im nationalen Fernsehen ausgestrahlt.
Als Preise erhielten die Finalisten außerdem Pfandbriefe, Digitalkameras und Computer für ihre Schulen.
Verkehrsunfälle sind die Haupttodesursache amerikanischer Jugendlicher. Alle 13 Minuten stirbt ein junger Mensch im Auto. Weil sie sich
seltener anschnallen, haben US-Teens ein viermal höheres Todesrisiko als ältere Verkehrsteilnehmer. Zwei
Drittel der tödlich verunglückten Jugendlichen hätten überlebt, wenn sie angeschnallt gewesen wären.
Diese bitteren Tatsachen haben
Jung, lebenshungrig und oft allzu sorglos: Volkswagen
of America wirbt für freiwilliges Anschnallen.
Conservation Association SCA
ermöglicht Volkswagen Prak-
tika und Freiwilligen-Einsätze
junger Menschen im Natur-und
102|103
Zusammen mit der Student
Umweltschutz. Dabei erhalten
Oberschüler aus der Region Detroit die Chance, in Nationalparks zu
arbeiten und ihre Persönlichkeit
weiter zu entwickeln.
www.vw.com
Gemeinsam mit der VSA Arts,
einer renommierten NonprofitOrganisation, fördert Volkswagen
junge Künstler mit Behinderungen. So konnte im Jahr 2005 unter
dem Motto „Shifting Gears“ ein
Kunst-Wettbewerb stattfinden,
der mit Preisgeldern im Umfang
von 60 000 Dollar dotiert war.
Die 20 000 Dollar für den Sieger
bedeuteten zugleich den größten
Preis, der jemals überhaupt in den
USA jungen Künstlern gewidmet
war.
www.vw.com
Die Juvenile Diabetes Research,
der United Way, die Aids Partnership Michigan und andere soziale
und karitative Organisationen, die
in Gemeinden arbeiten, in denen
VW-Mitarbeiter leben, werden
mit Geldspenden regelmäßig
unterstützt.
www.vw.com
Verkehr sichern
Volkswagen und die Scholastic Inc, einen traditionsreichen Schulbuchverlag, bewogen, sich zusammenzutun, um den US-Jugendlichen ein aufrüttelndes „Buckle up!“ zuzurufen. Dabei sieht sich VW als eine der bei Teens
und Twens bekanntesten Marken in besonderer Verantwortung. Die „Fasten
your seatbelt …Go far!“– Kampagne läuft seit nunmehr drei Jahren – zuerst
in zehn, inzwischen in zwanzig urbanen Ballungsräumen. Der landesweite
Werbefilmwettbewerb war nur eine Episode der großen Aufklärungs-Aktion.
Haupt-Träger von „Fasten your seatbelt…“ sind die Lehrer. Sie werden mit Unterrichtsmaterial versorgt, das vor allem auf Einsicht
und Überzeugung zielt. So werden die Schüler selbst zu „Buckle-up“-Propagandisten – als Peers in ihren Freundeskreisen: die wirksamste Form der
Volkspädagogik. Der Erfolg ist messbar. Auch im Land der grenzenlosen Freiheitsliebe legen immer mehr junge Leute freiwillig den Sicherheitsgurt an.
Auf noch Jüngere, nämlich Babys und Kinder, zielt das
„Sit Safe Child Passenger Safety Program“, das Volkswagen mit einem anderen Partner, der Program Professionals Inc., einer großen Non-ProfitOrganisation für Gesundheit und Sicherheit, ins Leben gerufen hat. VWHändler, die in der Initiative mitwirken, erhalten eine Schulung über die
gesetzlichen Vorschriften zum Kinderschutz, über Verletzungsvorbeugung,
Crash-Risiken und Insassenschutz. Sie werden aber auch ganz praktisch in
der korrekten Installation und Handhabung von Kindersitzen unterrichtet.
Wie wichtig das ist, hat eine Studie jüngst ergeben. Nicht weniger als 90 Prozent aller Rückhaltesysteme, die doch eigentlich die kleinsten und schwächsten Verkehrsteilnehmer schützen sollen, werden danach unsachgemäß bedient. Verkehrsunfälle sind
denn auch längst die Haupttodesursache von Kindern unter 14 Jahren.
Um die Verkehrssicherheit einer Minderheit geht es auch
bei dem (wohl nicht zufällig akustisch verwechselbar so genannten) Visor
Card Projekt. Die Schwerhörigen-und-Taubstummen-Gemeinde in der Region
Washington hatte das Projekt gestartet, die ansässigen Volkswagen-Händler
sponsern es. Die Karte mit der Aufschrift „Driver is deaf – der Fahrer ist taub“
soll Betroffenen in Notsituationen, aber auch im Stau einen stressfrei(er)en
Umgang mit der Polizei ermöglichen. Sie lässt sich mühelos unter der Sonnenblende, der visor, aufbewahren, aber auch im Seitenfenster-Display
sichtbar machen, wenn sich etwa Polizisten dem Fahrzeug nähern. Eine Kleinigkeit, nicht mehr, die sich aber als große Stütze für
das Sicherheitsgefühl Schwerhöriger erweisen kann.
Star(t)hilfe mit dem Tourbus: Die Volkswagen Sound Foundation.
104|105
Kultur fördern
Auch arme Schlucker
können gute Musik
machen. Ganz ohne
Geld aber kommt die
Kultur zum Stillstand.
Wir müssen sie also
fördern.
„Gute Laune aus
Wolfsburg importiert“
Über tausend Nachwuchsbands hat Volkswagen seit Gründung
der Sound Foundation vor acht Jahren ge- und befördert. Schon
1999 erhielt das Unternehmen dafür den Internationalen
Sponsoring Award. Auch die Donots touren gern im Multivan.
D
VW-beförderte Punkrock-Band Donots mit Sänger
und Texter Ingo Knollmann (M.): „Netter Tippfehler“.
as Pech kam vor fünf Jahren, pünktlich zum Tourstart. Der alte „Bulli“
wollte nicht mehr, blieb einfach
stehen. Die Fans warten, die Stars
haben eine Panne – schlimmer geht’s nimmer. Da erinnerte sich Ingo Knollmann, Frontmann der Punkrockband „Donots“ aus Ibbenbühren im Münsterland,
an die Sound Foundation von Volkswagen: „Ich habe
allerdings niemals gedacht, dass wir dort überhaupt
eine Chance haben würden, weil sich bei denen doch
sicher die Anfragen stapeln.“ Nur Versuch macht
klug: „Schnell und unbürokratisch“ (Knollmann) bekamen die begabten Musiker einen schwarzen T4,
und die Tour konnte doch noch pünktlich starten.
Inzwischen haben die Donots schon
über tausend Auftritte absolviert. Jeder Ton selbst gespielt, jeder Text aus der Feder von Ingo Knollmann. Ihre
CDs im Studio spielen sie live ein, weil das „ganz anders
rüberkommt, sehr echt“. Warum heißen sie eigentlich
ausgerechnet Donots, also „Tunichts“? „Netter Tippfehler“, sagt Sänger Ingo lachend. Den Namen verdanken sie
Guano Apes, Rosenstolz und Fanta 4
– die Sound Foundation half mit
Ein Pool von zehn Transportern steht dafür zur
Verfügung – alle aus jüngster Produktion, alle schwarz, mit abgedunkelten Scheiben und längerem Radstand. Hunderte von RockPop-Nachwuchsmusikern hat die Sound Foundation schon mobil gemacht. Beliebte Hand- und Spanndienste waren neben individueller
Beratung auch die Vermittlung von Konzertauftritten und die Ausrichtung
von Nachwuchswettbewerben wie „TourFactory“ und „sounds for nature“.
Dass die Förderung erfolgreich ist, belegt nicht nur
der Internationale Sponsoring Award, den die Sound Foundation schon
1999 verliehen bekam. Mit ihrer Hilfe wurden Bands wie die „Guano Apes“,
„Lemonbabies“, „Echt“, „Rosenstolz“ oder die „Fantastischen Vier“ bekannt.
Oder eben die „Donots“. Gerade arbeiten die Punkrocker aus Ibbenbühren an ihrem neuen Album, das im kommenden
Jahr erscheinen soll. Dann werden sie wieder touren – quer durch Europa, von Irland bis nach Portugal. Gut drei Monate unterwegs im
neuen T5. Ingo Knollmann findet den Multivan „super bequem“. Ein
„Stück unserer guten Laune“, fügt er augenzwinkernd hinzu, „importieren wir direkt aus Wolfsburg“.
Movimentos ist eine Initiative der
Autostadt GmbH. Das renom-
mierte Projekt findet alljährlich im
alten Kraftwerk auf dem Gelände
106|107
Das Internationale TanzFestival
des Wolfsburger VW-Werks statt.
Ballettensembles der Weltspitze
bieten dabei Choreografien verschiedener Kontinente.
www.autostadt.de
Im Rahmen des „Europäischen
Kollegs der Künste“ fördert Audi
junge Künstler aus ganz Europa.
Mit dem Sponsoring der Salzburger Festspiele und der Bayerischen
Staatsoper, als Veranstalter von
Sommerkonzerten und Förderer
des Audi Werksorchesters und der
Audi Big Band blickt die VW-Tochter zudem auf eine lange Tradition
des Kultursponsoring zurück.
www.audi.de
Als Hauptpartner der Interna-
tionalen Filmfestspiele in Berlin
fördert Volkswagen auch deren
TalentCampus. Höhepunkt des
TalentCampus, einem Netzwerk
von mehreren hundert jungen
Filmemachern aus 90 Nationen,
ist die Score Competition. Ein
junger Sound-Designer erhält hier
alljährlich die Chance, eine Woche
lang in den Dolby-Soundstudios in
Los Angeles zu arbeiten.
www.berlinale.de
Kultur fördern
dem Schlagzeuger Eike Herwig. Der hatte „o“ mit „u“ verwechselt – eigentlich
wollten sie sich nach dem beliebten Gebäckring „Donuts“ nennen. Dem Erfolg
stand der sprachliche Flop nicht im Wege. Ihr letztes Album „Got The Noise“
startete sogar in Japan voll durch, landete gleich auf dem dritten Platz. „80 000
CDs haben wir verkauft, das ist dort fast Goldstatus“, sagt Ingo Knollmann.
Stars bewegen ein Millionenpublikum, Volkswagen
bewegt die Stars. Anfang der neunziger Jahre machte sich das Unternehmen daran, der Jugend auf Konzerten zu begegnen, zunächst nur bei
ganz großen Events. Die Rolling Stones, Genesis, Bon Jovi, Pink Floyd und
Eric Clapton traten damals mit freundlicher Unterstützung aus Wolfsburg auf. 1997 wurden diese Aktivitäten in der Volkswagen Sound
Foundation gebündelt. Und das Sponsoring erhielt ein neues Konzept:
Vornehmlich junge Talente sollten nun ge- und befördert werden.
Ein Stipendium für junge Historiker: Die Ivan Hirst Foundation
Vorsprung durch Kooperation: Die Forschungsnetzwerke bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm
108|109
Forschung stärkem
Stellen wir den Sucher
scharf und erkennen,
dass ohne Wissen alles nichts ist! Also gilt
es die Forschung zu
stärken.
„Wir wollen Forscherträume erfüllen“
Deutschland und Volkswagen leben gleichermaßen vom Ruf seiner
exzellent ausgebildeten Ingenieure. Doch der Konzern engagiert sich
auch abseits der technischen Disziplinen für den Nachwuchs. Die Ivan
Hirst Foundation etwa fördert vorwiegend junge Historiker.
I
van wer? Ivan Hirst. Nie gehört?
Dann sollten Sie dringend seine
Biographie lesen, die eines der
spannendsten Kapitel – und Figuren
– der deutschen Wirtschaftsgeschichte beschreibt: Der
Brite Ivan Hirst war es, der 1945 das Volkswagenwerk
Wolfsburg vor der Demontage rettete. Die Alliierten
hatten mit dem jungen Major zufällig einen Auto- und
Techniknarren zum Werksmanager bestimmt, der gegen alle Widerstände seine Idee durchsetzte: den Käfer
auf die Straße zu bringen. „Junger Mann“, hatte ihm
noch 1945 der englische Autoindustrielle Sir William
Roots bei einem Besuch bescheinigt, „wenn du glaubst,
dass du hier jemals auch nur ein Auto bauen wirst, bist
du ein Vollidiot.“ Ein Jahr später hatte Volkswagen
die ersten 20 000 Käfer an die Royal Army geliefert.
„Eine absolute Meisterleistung“,
staunt Ralf Richter. „Schließlich war Hirst keine dreißig
Jahre alt und hatte keinerlei Managementerfahrung.“
Mit welcher Hartnäckigkeit und Improvisationskunst
der Brite die Produktion wieder ankurbelte, weiß kaum
jemand besser als Richter: Der junge Historiker hat
Hirsts Biographie verfasst. Im Auftrag von Volkswagen. Aber nicht als normale Auftragsarbeit. Sondern
im Rahmen einer besonderen Forschungsförderung:
Zu Ivan Hirsts Biographen wurde Richter als erster Träger des Ivan-Hirst-Preises der Ivan Hirst Foundation.
Juliane Kunze, die zweite Trägerin des Ivan-HirstPreises, neben einem Konterfeit des Ex-Werksleiters
Wer seine Vergangenheit nicht
kennt, heißt es, finde auch keinen
Weg in die Zukunft. Aber erst ein
Archiv schafft die Voraussetzun-
110|111
Das Unternehmensarchiv
gen, um die eigene Geschichte
dauerhaft zu bewahren und sich
ihrer auch in Zukunft erinnern zu
können. Im Dezember 1999
wurde im Werk Wolfsburg
ein Unternehmensarchiv mit
Aber der Reihe nach. Volkswagen misst der Förderung des
Forschungsnachwuchses traditionell einen hohen Stellenwert bei. Bestes Beispiel sind die vielen Universitäts-Kooperationen: von A wie Technische Hochschule Aachen bis Z wie Westsächsische Hochschule Zwickau. Die Ivan Hirst
Foundation, die Volkswagen nach Hirsts Tod im Jahr 2000 zu dessen Gedenken gründete, sollte jedoch nicht Uni-Institute oder Lehrstühle unterstützen.
Sondern begabte Jungakademiker direkt. „Da die Graduierten-Förderung in
Deutschland kontinuierlich zurückgeht, steigt unsere Verantwortung als Unternehmen auf diesem Feld“, begründet Dr. Manfred Grieger, Leiter der Historischen Kommunikation von VW und Mit-Initiator des Ivan-Hirst-Preises.
Mit ihm zeichnet Volkswagen jährlich ein Talent aus und
fördert dessen Forschungsvorhaben. Die geplante Arbeit sollte zwar nach
Möglichkeit im Zusammenhang mit der VW-Geschichte stehen, muss es aber
nicht. „Hauptsache, wir können einen Forschertraum erfüllen“, betont Grieger.
„Und Hauptsache, unsere Unterstützung ergibt ein Ergebnis. Denn das konnte schon Hirst nicht ausstehen: dass am Ende kein Produkt heraus kommt.“
Bei Ralf Richter, dem ersten Preisträger, kam Hirsts Biographie heraus – eine spannende und auch in Großbritannien viel beachtete
Publikation. „Beides, meine Auszeichnung und meine Arbeit“, blickt Richter
zurück, der sein Studium in Cambridge fortsetzte und zur Zeit in den USA für
seine Promotion recherchiert, „waren die Initialzündung
für alle meine weiteren Projekte – und wichtige Türöffner.“
funktionalen und repräsentativen Benutzerräumen und voll
klimatisierten Magazinflächen
eröffnet. In säurefreien Kartons
lagern einige Kilometer von
Aktenbeständen, die bis in die
Entstehungsgeschichte des Unternehmens in den späten 1930-er
Jahren zurückführen. Hunderttausende von Fotonegativen erzählen
die Geschichte der Produkte, der
Standorte, der Automobilfertigung und der Werksangehörigen
an ihren Arbeitsplätzen in den
Werkshallen oder Bürogebäuden.
Das enorme Arsenal der im Archiv
bewahrten Dokumente ist die
Quelle vielfältiger Forschungen,
Fragen, Gespräche und Entscheidungen. Das Archiv der Volkswagen AG, in dem hoch qualifizierte
Historiker beschäftigt sind, ist
eine beispiellose Fundgrube
und muss keinen Vergleich mit
anderen Unternehmensarchiven
in Deutschland scheuen.
Forschung stärkem
Major Hirst im tausendsten Käfer: „Junger Mann, wenn Du glaubst, dass
Du hier jemals auch nur ein Auto bauen wirst, bist Du ein Vollidiot.“
Vorsprung
durch Kooperation
Innovationsfähigkeit ist Trumpf im globalen Wettbewerb.
Audi verteidigt seinen technischen Vorsprung auch durch
PPP-Projekte mit (Fach-) Hochschulen und Standort-Kommunen.
Praxisnahe Forschung schafft Win-win-win-Situationen.
W
issen ist die Produktivkraft der Zukunft. Sagen die Ökonomen. Und
mahnen, dass es heute vor allem
darauf ankomme, die Time-tomarket zu verkürzen, also die Zeit, die notwendig ist,
um Ergebnisse der Forschung in neue Produkte und
Dienstleistungen zu transformieren. In Ingolstadt
hat man das längst begriffen. Aber der Reihe nach.
In Ingolstadt, das weiß ein jeder,
steht das Stammwerk von Audi. Von den 120 000 Ingolstädtern arbeitet jeder vierte bei Audi, viele weitere
sind bei Zulieferern beschäftigt. Audi verhält sich zu Ingolstadt wie Volkswagen zu Wolfsburg – man zieht an
einem Strang. Zwar ist die Stadt seit zehn Jahren Sitz
einer Fachhochschule und beherbergt auch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Katholischen
Universität Eichstätt. Trotzdem wäre es gut, mehr anwendungsorientierte Forschung da zu haben. Fanden
die bei Audi und die bei der Stadt. Und schauten nach
München, zur einzigen Technischen Hochschule Bayerns.
So entstanden INI.TUM, die Ingol-
stadt Institute der TU München, die im Oktober 2003
eingeweiht wurden. Acht Doktoranden zogen zum Wintersemester in die von der Stadt gestellten Räume ein –
anderthalb Jahre später sind es schon 25. Angestellt sind
sie bei der TU, fachlich betreut werden sie bei Audi. Im Simultaneous-Engineering-Zentrum der Audi AG gebe es „in
innovativer Atmosphäre genügend Raum für Austausch
und auch die Ruhe für gründliches wissenschaftliches
Gründungakt des IAF, des Instituts für Angewandte
Forschung, an der Fachhochschule Ingolstadt
chen finden sich unter
www.ini.tum.de
Forschungs- und Ausbildungspartner von Volkswagen sind
neben anderen die TU Chemnitz,
die Westsächsische Hochschule
Zwickau, die Uni Cottbus, die FH
Braunschweig/Wolfenbüttel, die
Uni Clausthal, die TU Wien, die
RWTH Aachen, die Unis St. Gallen
und Bern, die Fraunhofer Gesellschaft, die Stiftung Euroscience
und die European Business School
in Oestrich-Winkel.
www.fh-wolfenbuettel.de
Die Bibliothek der TU Berlin und
der Universität der Künste ist von
VW mit 5 Mio. Euro gefördert
worden und trägt inzwischen den
Namen ihres Sponsors.
www.ub.tu-berlin.de
Die INPRO Innovationsgesellschaft für fortgeschrittene
Produktionssysteme in der
Fahrzeugindustrie mbH ging aus
einer Initiative von Wirtschaft,
Wissenschaft und Politik hervor.
Rund 70 Ingenieure arbeiten nahe
der TU Berlin an Produktionssystemen für die Autoindustrie. VW
war von Anfang an dabei.
www.inpro.de
Arbeiten abseits der betrieblichen Alltagsroutine“, sagt Dr. Peter F. Tropschuh,
Leiter Standortprojekte bei Audi und einer der Initiatoren der Kooperation.
Schwerpunkte der Forschung seien „Fahranalyse und gekoppelte Simulation“
– Systeme, die eines Tages der Fahrzeug- und Verkehrssicherheit dienen sollen.
Und weil sich Audi mit Neckarsulm genauso verbunden
fühlt wie mit Ingolstadt, fanden sich mit der Technischen Universität Stuttgart
und der TH Karlsruhe auch am zweiten deutschen Standort potente Partner für
anwendungsorientierte Forschung: An den Hochschulinstituten Neckarsulm
HIN bildet seither neben den „Antrieben“ der „Leichtbau“ den Forschungsschwerpunkt – kein Wunder, Audi unterhält hier ein Aluminiumzentrum.
Mit dem Institut für Angewandte Forschung IAF an der FH
Ingolstadt war 2004 eine weitere Public-Private Partnership aus der Taufe gehoben worden – diesmal mit anderen Firmen im Bunde. Auch das Konzept unterscheidet sich von INI.TUM. Erstens ist es die Industrie selbst, die die Themen
initiiert und finanziert, zweitens sind es gleich Gruppen von Nachwuchsforschern, die einzelne Themen bearbeiten, drittens sind Dauer und Umfang der
Projekte variabel. Neun Vorhaben laufen bisher, die längsten über drei Jahre.
Auch interessierte Laien profitieren von den Ingolstädter
Hochschul-Kooperationen. So halten TU-Professoren inzwischen regelmäßig
Vorträge im Audi Forum Ingolstadt – eine Art technische Volkshochschule.
Im strategischen Zusammenspiel der Partner hat sich daher
eine Win-win-win Situation ergeben:
•
•
•
Audi erhält nutzbare Forschungsresultate und darüber
hinaus gut ausgebildeten akademischen Nachwuchs
die Hochschulen das Renommee praxisnaher Ausbildung
die Kommunen schließlich Attraktivität als
Forschungsstandort
Die Time-to-market will
Audi demnächst auch jenseits der deutschen Grenzen verkürzen. Denn auch am
Standort Ungarn sollen Wissenschaft und
Industrie enger verzahnt werden: Die Gründung eines Instituts mit den Universitäten in Györ und in der Hauptstadt Budapest sei schon „in Planung“,
verrät Dr. Peter Tropschuh.
112|113
Ingolstadt Institute der TU Mün-
Forschung stärken
Nähere Informationen über die
Bündnis gegen Bildungsnotstand: Der gemeinnützige Volkswagen Community Trust in Südafrika
Erziehung durch Sport: Audi und die Ayrton-Senna-Stiftung in Brasilien
114|115
Bildung vermitteln
Wer nichts gelernt
hat, bleibt auf fremde
Hilfe angewiesen.
Bildung vermitteln
heißt Chancen
eröffnen.
Gib Gas,
Allessandro!
ese
Millionen Kinder leben in Brasilien auf der Straße. Die Ayrton Senna
Stiftung des verunglückten Formel-1-Weltmeisters versucht, ihrem
Leben wieder eine Perspektive zu geben. Vor allem mit Bildungsangeboten. Audi unterstützt sie dabei. Auch mit einer eigenen Kursreihe.
A
Viviane Senna, die Schwester des 1994 verunglückten Formel1-Weltmeisters und Leiterin des „Instituto Ayrton Senna“ , mit
einem von dem Sozialwerk ihres Bruders unterstützten Mädchen. Audi fördert das Programm „Erziehung durch Sport“.
lessandro sitzt im Staub, lässt die
Cessna über ihm nicht aus den Augen. Der Siebenjährige kommt oft
hierher, zum Aeroporto de Jacarepaguà am Rande von Rio de Janeiro. Nur einmal mitfliegen und abheben, den nahen Slum, in dem er lebt,
entkommen. Das ist Allessandros sehnlichster Wunsch.
Vielleicht schafft er es. Senninha
könnte ihm dabei helfen. Der ist zwar nur die Comicfigur
auf Allessandros übergroßen weißem T-Shirt. Aber auch
das Maskottchen des Instituto Ayrton Senna (IAS). Nur
zwei Monate vor seinem Unfalltod am 1. Mai 1994 gründete der dreimalige Formel-1-Weltmeister die nach ihm
benannte Stiftung. Um den Straßenkindern seiner Heimat zu helfen. Senna wollte möglichst vielen den Start
in ein menschenwürdigeres Leben ermöglichen – vor allem durch Bildung. Seine Stiftung sollte möglichst viele
der Kids mit Hilfe von individuellen Schul-, Ausbildungs-,
Sozial- und Sportprojekten aus dem scheinbar vorgezeichneten Kreislauf von Straßenleben, Schulschwänzen und Abrutschen in die Kriminalität herausholen.
sität Salzgitter bietet Seminarunterricht für Kinder und Jugend-
liche von 5 bis 18 in Elektro- und
Biotechnik, Naturschutz,
116|117
Die Internationale Junioruniver-
Papierrecycling und Pneumatik.
Auch „Chemische Experimente“
und „Mobilität“ stehen auf dem
Lehrplan. Eine Bürgerstiftung, der
auch Volkswagen als Corporate
Citizen beitrat, hatte dem Projekt
finanzielle Starthilfe gegeben.
www.junioruniversitaet.de
In der Computer-Initiative „N 21/
Schulen in Niedersachsen online“
kooperiert Volkswagen in einem
Netzwerk mit der niedersächsischen Landesregierung, kommunalen Spitzenverbänden sowie
anderen Unternehmen und NGO.
www.n21.de
Hier die Schule, dort die Fabrik
– mit der Arbeitswelt kommen
Kinder oft erst in Berührung,
wenn sie sich für einen Beruf
schon entschieden haben. Die
Mittelschule Mosel und das Volkswagenwerk zeigen, dass es auch
anders geht. Eine Partnerschaftsvereinbarung sieht Exkursionen
ins Werk ebenso vor wie Vorträge
von Volkswagen-Managern im
Unterricht oder auch an Elternabenden.
www.volkswagen-sachsen.de
Bildung vermitteln
Brasilien braucht Projekte wie das IAS. Schätzungsweise
sieben Millionen Kinder leben hier auf der Straße. Andere Hilfsorganisationen
kommen an diese Kinder nur schwer oder gar nicht heran. Anders das IAS. „Kinder, die schon lange auf der Straße leben und vorher jede Hilfe abgelehnt haben,
reagieren positiv, wenn sie die Chance erhalten, in einem unserer Projekte zu
lernen“, sagt Viviane Senna, die Schwester Ayrtons und heutige Leiterin des IAS.
Das Charisma des IAS-Gründers zieht: Eine Million Straßenkinder hat das IAS
bereits erreichen können. Mit den unterschiedlichsten Projekten: zum Beispiel
dem Programm „Acelera Brasil“ (Gib Gas, Brasilien), durch das chronische Schulschwänzer wieder zurück in die Klassenzimmer finden. Oder durch „Escola Campeã“ („Die beste Schule“), ein Programm zur Förderung der Unterrichtsqualität.
An einem weiteren IAS-Angebot nimmt auch Allessandro
teil. An der Universidade do Estado do Rio de Janeiro besucht er das Programm
„Educando pelo Esporte“ (Erziehung durch Sport), das auf Jungen wie ihn zugeschnitten ist – mit Erfolg. Der Kurs, sind sich die Betreuer einig, habe Allessandros Sozialverhalten stark verbessert. Seine Lernbereitschaft habe deutlich
zu-, seine Aggressivität abgenommen. Das freut auch Bernd Quinzler, den Leiter Sportsponsoring International der Audi AG, die das Projekt zusammen mit
dem IAS 1997 ins Leben gerufen hat. „Wir wollen in Brasilien eben nicht nur
Geld verdienen“, so Quinzler, „sondern auch etwas für Land und Leute tun.“
Audi unterstützt und betreut das Programm „Educando
pelo Esporte“ bis heute aktiv. Nicht nur in Rio de Janeiro. Mittlerweile konnten
16 Universitäten zur Kooperation gewonnen werden und insgesamt 30 000
Kinder die Kurse durchlaufen. Erst das Engagement privater Partner wie Audi
erlaubt es dem IAS, seine Programme bis in den letzten Winkel des Riesenlandes zu bringen. Heute ist die Stiftung mit über 50000 freiwilligen Dozenten an
über 3 300 Universitäten und Schulen aktiv – und wurde für ihre Arbeit vielfach
geehrt. Etwa mit dem Preis „Best Practices in Social Work and Social Services“,
einer der wichtigsten Würdigungen für soziales Engagement. Zudem erhielt das
IAS als erste private Organisation den UNESCO-Titel „Cathedra“, mit dem die UNOrganisation besonders kompetente Bildungseinrichtungen ehrt. UNESCO und
UNICEF prüfen derzeit sogar, das IAS-Modell auf weitere Länder zu übertragen.
Schließlich gilt das Leitmotiv des IAS-Gründers nicht nur
in Brasilien: „Im Leben ist es vor allem wichtig“, sagte Ayrton Senna einmal,
„einen klaren Startpunkt zu haben, wenn man die Ziellinie erreichen will.“
Straßenkindern wie Allessandro hilft das IAS, diesen
Startpunkt für ein menschenwürdiges Leben zu finden.
Unter dem Motto „Gegen Gewalt
an Kindern“ hat Volkswagen
mit der Wolfsburger Familienbildungsstätte im Rahmen eines
Aktionsprogramms der Bundesregierung zusammengearbeitet.
www.fabi-wolfsburg.de
Das Werk als Hörsaal. Das Werk
Salzgitter arbeitet seit Jahren mit
der Universität Bielsko Biała in
Polen zusammen. Immer wieder
kommen Maschinenbau- und
Informatik-Studenten nach
Deutschland, um sich in Seminaren im VW-Werk fortzubilden.
www.vw-coaching.de
Wissen ist bei den Tuareg in der
Sahara so überlebensnotwendig
wie Wasser. Volkswagen revanchiert sich bei den Namensgebern seines Geländewagens mit
finanzieller Unterstützung für den
Aufbau von Schulen.
www.tamat-ev.com
Das PISA-Projekt „Klasse“ zur
Förderung der Lese- und Rechtschreibkompetenz hat Audi
gemeinsam mit dem „Donaukurier“ in der Region Ingolstadt auf
den Weg gebracht. 235 Klassen
der Jahrgangssstufen 8 und 9 mit
über 5 500 Schülern aller Schularten beteiligten sich daran.
www.audi.com.
P
robleme wie die Pisa-Studie hätte Südafrika gern. „Wir
haben einen Bildungsnotstand mit negativsten Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft“, sagt Staatspräsident Thabo Mbeki. Eine schmerzhafte Diagnose.
Zumal Südafrika heute zu den zehn Ländern weltweit zählt, die am meisten
für Bildung ausgeben: gut ein Viertel ihres gesamten Bruttoinlandprodukts.
Es reicht trotzdem nicht. Die Klassen sind überfüllt, das Unterrichtsniveau ist niedrig, die Durchfallquoten sind hoch.
Drei Viertel aller Schulen besitzen nicht einen einzigen Computer. Zudem ist die Motivation oft erschreckend schlecht. Nicht nur die der
Schüler: Auch die Lehrer schwänzen oft. Oder fehlen wegen Krankheit. Weil geschätzte vierzig Prozent von ihnen HIV-infiziert sind.
Im Kampf gegen diese Bildungsmisere ist jede private
Hilfe willkommen. Je schneller und effektiver, desto besser. Wie zum Beispiel
diese: Man nehme fünf ausrangierte See-Container, schweiße sie zusammen,
streiche sie neu an, baue Toiletten und Waschbecken ein, lege Stromanschlüsse und möbliere sie – fertig ist die neue Schule. In diesem Falle die Nonkquebela Pre-School in Uitenhage, dem Standort von Volkswagen of South Africa.
Rund hundert Kinder zwischen zwei und sechs Jahren
werden in dieser unorthodox entstandenen Vorschule ganztags betreut,
verpflegt und unterrichtet. Ein Riesenfortschritt im sozial besonders benachteiligten Uitenhager Township KwaNobuhle. „Zuvor konnten die Kinder hier, wenn überhaupt, nur in den Hinterhöfen unter freiem Himmel auf
ihre Schulzeit vorbereitet werden“, berichtet Mveleli Ncula, Projektleiter des
Volkswagen Community Trust, der die Vorschule gemeinsam mit der Reederei Safmarine initiiert und finanziert hat. 1988 hatte VW of South Africa
den Community Trust gegründet und mit 18 Millionen Rand ausgestattet.
Seitdem hat er über 22 Millionen Rand in lokale Sozialprojekte investiert: in
kreative Konzept für mehr Beschäftigung, zur Sicherstellung von Chancengleichheit und Gleichbehandlung oder zugunsten des Gesundheitsschutzes.
An erster Stelle steht jedoch die Schul- und Bildungsförderung. So sponsert der VW Community Trust die Ganztagsbetreuung und Verpflegung nicht nur in der Nonkquebela Pre-School, sondern auch in 35 weiteren
Schulen. Außerdem unterstützt er den Read Educational Trust (READ): Er sponsert notleidenden Schulen neue Bücher und Lehrmaterialien. Er trainiert Lehrer
und Eltern in Führungs-, Finanzierungs- und Managementfragen. Und er rief
das viel beachtete School-Governance-Program ins Leben. An sechs Schulen in
118|119
Container
zu Schulklassen
KwaNobuhle erarbeiten und beschließen Schüler, Lehrer und Eltern seitdem gemeinsam für alle verbindliche
Ziele und Verhaltensregeln. Der Effekt: „Das Programm
führte überall zu einem neuen Schul-Geist“, berichtet
READ-Koordinator Roy Valentine. „Moral, Lehrniveau
und Alltagsbetrieb haben sich an den geförderten Schulen deutlich verbessert. Lehrer, Schüler und Eltern sehen
sich heute als gemeinsame Eigner ihrer Schule. Sie alle
fühlen sich für deren Entwicklung verantwortlich.“
Bleibt noch der letzte, aber wichtigste Aktions-Schwerpunkt des Volkswagen Community Trust: Allein die Hälfte seines Jahresbudgets
von zwei Millionen Rand fließen in sein StipendienProgramm. Dank dieses Programms konnten bisher
deutlich über tausend Jugendliche an einem College
oder an einer Universität studieren. Sie mussten nur
eine Bedingung eingehen: nämlich während ihrer Förderung jedes Jahr unentgeltlich einen einmonatigen
Sozialdienst in ihrer Gemeinde zu leisten. Zum Beispiel
bei der Betreuung von Vorschulkindern in der Nonkquebela Pre-School.
Bildung vermitteln
Die Erziehungs- und Ausbildungsförderung genießt höchste Priorität
in der Arbeit des Volkswagen Community Trust. Dabei beschränkt
sich die dem Gemeinwohl verpflichtete Stiftung von Volkswagen of
South Africa jedoch nicht allein auf Bücherspenden und Stipendien.
Aus ausrangierten Seecontainern wurde am Volkswagen-Standort im südafrikanisachen Uitenhage
die Nonkquebela Pre-School, in der täglich hundert
Kinder unterrichtet und verpflegt werden .
Das Presswerk über den Köpfen: Die Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf dem Gelände des Werks Wolfsburg
Für die gemeinsame europäische Zukunft: Jugendbegegnung in Auschwitz
120|121
Geschichte erinnern
Wer nie nach hinten
schaut, vergisst,
woher er kommt.
Auch Unternehmen
tun gut daran, sich
ihrer Geschichte
zu erinnern.
„Wir sind
nicht vergessen“
ese
Nicht Enge und niedrige Decken machen die Besucher beklommen.
Sondern die Konfrontation mit tausendfachem Leid: In einem alten
Bunker unter der Halle 1 stellt sich VW dem dunkelsten Kapitel seiner
Geschichte – mit einer Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit.
D
irekt über den Köpfen lärmt
das Presswerk der Halle 1. Jedes
Mal, wenn ein Roboter einen bestimmten Arbeitsschritt ausführt,
scheppert eine Etage tiefer ein Gitterrost. Beängstigend. Erst recht, weil die schweren Roboter auch
den Boden vibrieren lassen. „Natürlich ist das nur
der Rhythmus der Fabrik“, sagt Dr. Manfred Grieger,
Leiter der Historischen Kommunikation von Volkswagen. „Aber viele Besucher assoziieren einen Bombeneinschlag und blicken unwillkürlich zur Decke.“
Wie vor sechzig Jahren. In genau
diesem Bunker, der heute die Volkswagen-Erinnerungsstätte beherbergt, mussten damals Zwangsarbeiter ausharren. „Wir wurden zu vierzig bis fünfzig
Personen dort hineingejagt, nach Nationalitäten getrennt, und hinter Stahltüren mit Gummibeschichtung eingesperrt. ... Eingeschlossen mit einem Vorhängeschloss guckten wir auf die Decke, ob sie noch
ganz war, wenn die Flugzeuge vorbeiflogen“, erinnert
sich der ehemalige Zwangsarbeiter Stefan Zurawicz.
Der zitternde Boden macht die Erinnerungsstätte nur noch eindrücklicher. Doch gewollt
ist dieser Effekt eigentlich nicht. „Es wäre anmaßend
zu glauben, wir könnten das Elend der Zwangsarbeiter
durch Kulissen und Inszenierungen nachempfindbar
machen“, betont Grieger. Die Erinnerungsstätte setzt
stattdessen ganz auf Dokumentation und Authentizität: auf Akten, auf Fotos, auf Alltagsgegenstände. Viele
In einem alten Luftschutzbunker ist die Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit untergebracht.
„Würdigung derer, die nicht das Glück
hatten, die Tragödie zu überleben“
tete Ausstellung im Luftschutzbunker und erweiterte sie dann Schritt für
Schritt. „Wir von der Historischen Kommunikation haben den Jugendlichen
nur geholfen, die Erinnerungsstätte zu professionalisieren“, betont Grieger.
Entstanden ist ein Ort, wie ihn kein zweites deutsches
Unternehmen vorweisen könnte. Und dessen wichtigste Exponate die Erinnerungen der Zwangsarbeiter selbst sind: Die Historische Kommunikation von
VW hat über 200 von ihnen interviewt und veröffentlicht die Berichte in ihrer
Reihe Historische Notate. „Dieses Buch wird meine Erinnerungen an die Zeit
der Unterdrückung und des Ausgeliefertseins weiter tragen“, schreibt etwa
Julie Nicholsen in der Mai-Ausgabe 2005, „und ist damit eine Würdigung der
Menschen, die nicht wie ich das Glück hatten, diese Tragödie zu überleben.“
Die Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit – sie wird auch
von den Ex-Zwangsarbeitern selbst honoriert. „Sie gibt ihnen“, fasst Manfred Grieger aus seinen vielen Gesprächen zusammen,
„ein Gefühl der Genugtuung: Wir sind nicht vergessen.“
Als erstes deutsches Großunternehmen hat Volkswagen im Jahr
1998 einen eigenen Humanitären
122|123
Humanitärer Fonds
der Volkswagen AG
Fonds für ehemalige Zwangsarbeiter der damaligen VolkswagenGesellschaft eingerichtet. Das
Kuratorium – hochkarätig besetzt
mit dem ehemaligen isrealischen
Außenminister Shimon Peres, dem
früheren österreichischen Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzki und
Altbundespräsident Dr. Richard
von Weizsäcker – legte eine einheitliche Auszahlungssumme von
10 000 Mark fest, die unabhängig
von der Gruppenzugehörigkeit,
dem konkreten Verfolgungsschicksal und der Aufenthaltsdauer auf begründeten Antrag
zugesprochen werden. Bis Mitte
2005 hatte die Volkswagen AG
2 150 Leistungsberechtigte, also
unmittelbar von Zwangsarbeit
Betroffene, erreicht. Der Humanitäre Fonds der Volkswagen AG
ging der Stiftung „Erinnerung,
Verantwortung, Zukunft“ voraus,
die im Jahre 2000 durch ein
Bundesgesetz geschaffen und
deren Finanzausstattung von 10
Milliarden Mark je zur Hälfte von
der deutschen Wirtschaft und
dem Staat aufgebracht wurde.
Volkswagen hat sich auch an
diesem Fonds beteiligt.
Geschichte erinnern
davon sind Leihgaben der Betroffenen: selbstgebastelte Löffel, Taschenmesser, Stoffpuppen zum Beispiel. Oder der improvisierte Ehering des Franzosen
Pierre Bernard: aus Aluminium und mit einem eingearbeitetem Foto seiner
Frau. Nur zwei Monate nach der Hochzeit waren die beiden getrennt worden.
Geschätzte 20 000 ausländische Zwangsarbeiter und KZHäftlinge wurden von der damaligen Rüstungsschmiede Volkswagenwerk
GmbH ausgebeutet. Im vorletzten Kriegsjahr 1944 stellten die Zwangsarbeiter rund zwei Drittel der Belegschaft. Eine Tatsache, die lange tabuisiert wurde, zu der VW heute jedoch bewusst Stellung bezieht: Ende der 80er Jahre
begann der Konzern, seine Gründungsgeschichte wissenschaftlich zu erforschen. „Im Unternehmen hat sich seitdem eine sehr spezifische Erinnerungskultur herausgebildet“, betont Grieger, „die mittlerweile tief verwurzelt ist.“
Der sichtbarste Ausdruck dieser Erinnerungskultur ist
die Erinnerungsstätte selbst. Zumal sie nicht der Vorstand beschlossen hatte. „Stattdessen hatten die Auszubildenden die Idee, die Erinnerung an die
Zwangsarbeiter zurück in die Fabrik zu holen“, berichtet Grieger. 1995 eröffnete die Jugend- und Auszubildendenvertretung die erste selbstgestal-
D
ie Sonne brennt. Der Schweiß tropft.
Einige haben bereits Blasen an den
Händen. Die Arbeit mit Schaufel und
Hacke ist ungewohnt. Aber niemand
klagt. Nicht hier, nicht wegen Hitze oder Mühsal: Auf
dem Gelände des Vernichtungslagers Birkenau legen ein
Dutzend Volkswagen-Auszubildende einen Schotterweg
frei. Einen dieser Wege, den zigtausende Häftlinge gehen mussten. Der sie vom Menschen zur Nummer machte. Der fast immer in den Tod führte. Und der heute unter
einer dicken Humusschicht verborgen liegt. Die Auszubildenden aus Deutschland bringen ihn wieder ans Licht.
Es ist eine Arbeit gegen das Vergessen. Seit 1987 ermöglicht VW jedes Jahr 90 Azubis
aus seinen deutschen Werken in vier Gruppen die Teilnahme an der jeweils 14-tägigen Gedenkstättenarbeit.
„Man sieht nur,
was man auch weiß“
Auszubildende von Volkswagen legen im früheren Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau einen alten Schotterweg frei.
Seit 1987 ermöglicht VW jedes Jahr 90 Azubis aus Deutschland
die Teilnahme an der jeweils 14-tägigen Gedenkstättenarbeit.
„Durch ihren Einsatz tragen die Heranwachsenden dazu
bei, dass mit den Gebäuden auch die Erinnerung an
den Holocaust, an den millionenfachen Mord erhalten
bleibt“, hebt Hans-Jürgen Uhl hervor, der nicht nur Mitglied des Betriebsrates ist, sondern auch einer der Initiatoren der VW-Gedenkstättenarbeit in Auschwitz war.
Millionen Menschen verfrachtet, vergast, verbrannt. „Ich stehe hier, arbeite und freue mich
über das, was wir geschafft haben. Und dann schaue
ich hoch, sehe auf das Gelände, und auf einmal ist alles
wieder da“, versucht die angehende Kauffrau Felicitas
Bollerhey aus Kassel zu erklären, wie sie und ihre Kollegen sich fühlen. Vor ihrer Gedenkstättenarbeit im Lager
Birkenau besuchte die Gruppe zweimal das KZ-Stammlager Auschwitz. Der Appellplatz mit dem Galgen, der
Todesblock 11, wo Tausende erschossen wurden, oder die
124|125
„Auschwitz wird gleichsam ein Teil von dir“
ese
grausamen Experimente an jungen Jüdinnen in Block 10:
Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen
Auschwitz-Komitees, führt jede neue VW-Gruppe durch
das Lager. Als pädagogischer Begleiter belässt er es nicht
bei den Fakten und berichtet auch über Einzelschicksale:
Die Opfer sollen nicht namenlos in der Masse verschwinden. Sondern ein Gesicht und eine Identität bekommen.
„Man sieht nur, was man auch
weiß“, sagt Heubner. Das, was die VW-Auszubildenden
während ihres Aufenthalts in Oswiecim, wie Auschwitz
heute heißt, sehen und erleben, gräbt sich tief ein.
„Nach 14 Tagen im Blickkontakt mit der Rampe wird Auschwitz gleichsam ein Teil von dir“, formuliert es Sabine
Unglaub aus Emden. Noch nach Jahren erhält Heubner
Briefe ehemaliger Teilnehmer. Darin äußern sie nicht
nur ihr absolutes Unverständnis gegenüber Rechtsextremisten. „Viele schreiben mir auch“, so Heubner,
„dass sie etwa über dümmliche Polenwitze nicht mehr
lachen könnten, seit sie polnische Alterskollegen mit
Namen und Gesichtern bei uns kennen gelernt haben.“
Denn seit 1992 treffen die jungen
Deutschen jedes Mal auf eine Gruppe gleichaltriger Polen
aus Bielsko-Biała. Gemeinsam wohnen sie in der Internationalen Begegnungsstätte Oswiecim, die Volkswagen
1986 durch seine finanzielle Unterstützung mit ermöglichte und die das Unternehmen bis heute maßgeblich
fördert. „Unsere Auszubildenden und die polnischen Jugendlichen arbeiten zusammen, diskutieren zusammen
und verarbeiten zusammen ihre Eindrücke. Gemeinsam
leisten sie deshalb nicht nur einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen, sondern auch für die Völkerverständigung und für die gemeinsame europäische Zukunft“,
erklärt Peter Haase, Geschäftsführer der für das Austauschprogramm verantwortlichen VW Coaching GmbH.
Die Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Auschwitz ist längst ein tragender
Teil der Erinnerungskultur von Volkswagen. Beinahe
tausend Auszubildende haben bisher teilgenommen
– die meisten hoffentlich mit einem Fazit wie Felicitas Bollerhey: „Wir haben die historische Verantwortung alles zu tun, damit so etwas nie wieder geschehen kann.“
Geschichte erinnern
Nein, im ehemaligen KZ Auschwitz soll kein Gras über die Geschichte
wachsen: Auszubildende von Volkswagen reißen es wieder aus.
Gemeinsam mit polnischen Berufsschülern legen sie Wege frei,
reparieren Zäune, helfen bei der Instandhaltung der KZ-Gedenkstätte.
Netzwerk für Nachhaltigkeit: Volkswagen als Schrittmacher bei econsense, dem deutschen Nachhaltigkeitsforum
Miteinander streiten, gemeinsam handeln: Die Partnerschaft mit dem Naturschutzbund Deutschland e. V.
126|127
Dialoge pflegen
Sag mir, was Du
willst, und ich sage
Dir, was ich kann. Wer
Vertrauen aufbauen
will, kommt kaum
umhin, Dialoge zu
pflegen.
Dialog für
Nachhaltigkeit
ese
Sustainable Development – kein Thema für Unternehmen?
Weit gefehlt. Seit es econsense gibt, kommuniziert und profiliert
die deutsche Wirtschaft ihre Kompetenz in Sachen Nachhaltigkeit.
Volkswagen unterstützt den Think Tank nach Kräften.
P
Workshop zur Nanotechnologie mit econsense-Geschäftsführer Dr. Klaus Mittelbach (2. v. l.): Im Forum Nachhaltige
Entwicklung haben sich 23 namhafte Unternehmen und
Verbände der deutschen Wirtschaft zusammengeschlossen.
aul Borm ist einer, der gern ein Fragezeichen setzt, wo andere ein Ausrufezeichen wählen. Über die Nanotechnologie „wissen wir einfach
noch viel zu wenig“, sagt der renommierte Mediziner
und Toxikologe an diesem Nachmittag im MagnusHaus der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in
Berlin. „Akute Entzündungen“ und daraus resultierende „Sekundäreffekte wie Krebs“ seien „aus heutiger Kenntnislage“ jedenfalls „nicht auszuschließen“.
Kritische
Anmerkungen
zum
technischen Fortschritt sind in Deutschland nicht
ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist aber, dass die potentiellen Anwender der Nanotechnik ihren Kritikern selbst ein Forum schaffen. Denn der Workshop,
den Borm mit seinem Skeptizismus bereichert, ist
von econsense, dem „Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft“ organisiert worden.
In dem in Deutschland einmaligen
Netzwerk haben sich führende global agierende Unternehmen und Organisationen der Wirtschaft – von A wie
gliedsunternehmen die führende
europäische NachhaltigkeitsAllianz. Ihre Hauptaufgabe sieht
sie darin, Unternehmen dabei zu
128|129
CSR Europe ist mit über 60 Mit-
helfen, CSR in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren. Volkswagen
ist Gründungsmitglied.
www.csr-europe.org
Der Global Compact (GC) ist mit
fast 3 000 Unternehmen das
größte CSR-Netzwerk weltweit.
Seine Gründung geht auf die
Initiative von UN-Generalsekretär Kofi Annan zurück, der die
Wirtschaft 1999 zur Übernahme
globaler Verantwortung für
Menschenrechte, Arbeitsnormen
und Umweltschutz aufforderte.
Im Jahr 2004 kam als 10. Prinzip
die Anti-Korruption hinzu. Der
GC versteht sich als Lern- und
Dialogplattform, auch für NGOs.
Volkswagen beteiligt sich seit
2002 am GC.
www.unglobalcompact.org
In Deutschland haben sich die
German Friends des Global Compact gebildet. Volkswagen engagiert sich auch in diesem lokalen
Netzwerk. Die „mediengruppe
macondo“ gibt mit Unterstützung
der German Friends seit 2004 ein
GC-Jahrbuch heraus.
www.macondo.de
Dialoge pflegen
Allianz bis V wie Volkswagen – zusammengeschlossen, die das Leitbild nachhaltiger Entwicklung in ihrer Unternehmensphilosophie verankert haben und die
sich bemühen, Wertschöpfung und Wertorientierung zusammenzubringen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI)
war Geburtshelfer, die Volkswagen AG Gründungsmitglied, als econsense
pünktlich zur Jahrtausendwende ins Leben gerufen wurde. Das boomende
Thema der nachhaltigen Entwicklung sollte nicht länger kampflos der Deutungsmacht der Politik und der Nicht-Regierungsorganisationen überlassen bleiben. Die Wirtschaft wollte ihren eigenen Think Tank. Seither wirbt
das Forum mit seinen zurzeit 23 Mitgliedern für das Management-Konzept
der Corporate Social Responsibility – auch und gerade in der Wirtschaft
selbst. „Voneinander lernen und gemeinsame Standpunkte entwickeln, den
offenen Dialog mit Politik und den gesellschaftlichen Gruppen pflegen“:
das, so ist schwarz auf weiß nachzulesen, ist die Raison d’etre des Forums.
Einmal im Jahr organisiert das kleine Berliner econsenseBüro eine große Konferenz, um Zukunftsthemen – wie etwa die „Integrierte
Produktpolitik“ oder den „Demographischen Wandel“ – mit Experten und Entscheidern aus Politik und Gesellschaft zu erörtern. Zwischendurch schaffen
„Stammtische“ oder „Workshops“ Gelegenheiten, die Kompetenz der Unternehmen zu demonstrieren und Best-Practise-Projekte vorzustellen. Memoranden und Selbstverständnis-Papiere, die Organisation von Journalisten-Reisen,
ein Preis für herausragende Berichte oder Reportagen – alles econsense-Ideen
und -Maßnahmen, um das sperrige Thema der Nachhaltigkeit voranzubringen.
Doch wäre die Allianz wenig ohne das Engagement ihrer Mitglieder. Volkswagen hat das Forum von Anfang an unterstützt und
genutzt, hat Führungsverantwortung übernommen und Flagge gezeigt. Dr.
Bernd Pischetsrieder, der Vorstandsvorsitzende, ist Mitglied des Kuratoriums, der Generalbevollmächtigte Reinhold Kopp Lenkungskreisvorsitzender. Gemeinsam mit econsense und anderen Mitgliedsunternehmen, aber
auch Partnern aus der Politik hat VW über Wege zur Nachhaltigkeit diskutiert und eigene Lösungsmodelle zur Diskussion gestellt – von der besseren
Work-Life-Balance über intelligente Formen der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen bis hin eben zu den Perspektiven der Nanotechnik.
Die Chancen für einen sozialen Konsens über die Risiken
der neuen Technologie auszuloten war das erklärte Ziel dieses Workshops. Wie
aber sollte das gelingen, wenn man Mahner und Warner
wie den Toxikologen Paul Borm gar nicht anhören wollte?
Im Tandem auf
Nachhaltigkeits-Kurs
ese
Die Volkswagen AG und der Naturschutzbund Deutschland pflegen
einen engen Stakeholderdialog und organisieren gemeinsame
Projekte. Die Grundlage bildet ein Kooperationsvertrag.
Der Naturschutzbund Deutsch-
land e. V. (NABU) ist mit 390 000
Mitgliedern einer der wichtigsten
Umwelt- und Naturschutzverbände in Deutschland. Die Mitglieder
sind in rund 1 500 lokalen Kreisverbänden und Ortsgruppen organisiert und vornehmlich ehrenamtlich tätig. Ihrem Engagement ist
es zu verdanken, dass wichtige
Lebensräume bedrohter Tier- und
Pflanzenarten in Deutschland
dauerhaft erhalten werden. Seit
1971 kürt der NABU den „Vogel des
Jahres“.
www.nabu.de
N
ichts deutete auf besondere Vorkommnisse hin, als die
schwarze Limousine vom Typ VW Phaeton vor dem Haus
Nr. 112 in der Invalidenstraße vorfuhr. Ein kleines goldenes
Schild an der Wand offenbart, dass dort der „Naturschutzbund Deutschland e.V.“
seine „Bundesgeschäftsstelle“ hat. Im nächsten Moment
betrat Dr. Bernd Pischetsrieder den alten Gründerzeitbau in Berlins Stadtbezirk
Mitte. Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG war gekommen, um den
neuen NABU-Präsidenten Olaf Tschimpke persönlich kennenzulernen und mit
ihm einen Kooperationsvertrag abzuschließen – ein Vorgang, der dann doch
nicht ganz alltäglich war. Denn zwischen Automobilherstellern und Umweltverbänden regiert traditionell Misstrauen. Selten entwickelt sich der Dialog
über den unverbindlichen Austausch von Statements hinaus, viel lieber werden
überkommene Feindbilder gepflegt – hier die Luftverpester, dort die Autofresser.
Volkswagen und der NABU dagegen wollten sich auf das
Wagnis eines wechselseitigen Lernprozesses einlassen – im Interesse einer
nachhaltigen Entwicklung in Deutschland. In ihrem Kooperationsvertrag
verständigten sich die führende Umweltorganisation und der führende Automobilhersteller im Lande denn auch darauf, dass der NABU Volkswagen
“in Fragen einer nachhaltigen Mobilitätsentwicklung berät“, so Paragraf eins
des Vertragswerks. Seither treffen sich Vertreter beider Dialogpartner immer
wieder zum informellen Gedankenaustausch. Dabei gehe es „thematisch um
ökologische Anforderungen an Antriebs- und Kraftstoffstrategien ebenso wie
Vertrag perfekt: Olaf Tschimpke, Dr. Bernd Pischetsrieder
130|131
Auf anhaltende Publikums- wie Medienresonanz stoßen indes die gemeinsamen Spritspartrainings („Umschalten – ganz einfach Sprit sparen“),
die alle paar Wochen zwischen Flensburg und Garmisch
unentgeltlich angeboten werden. Sie bieten Autofahrern die Gelegenheit, sich persönlich davon zu überzeugen, dass der aufgeklärte Umgang mit Gas und Bremse
locker 25 Prozent Benzin- und Geldersparnis bedeuten
kann. Als Spritspar-Meister dürfen sich die Mitarbeiter
der beiden NABU-Geschäftsstellen in Bonn und Berlin
auch selbst erweisen – Volkswagen stellt neue Fahrzeug-Modelle jeweils als Dauerleihgaben zur Verfügung.
„Es hat geholfen, neue
Blickwinkel zu öffnen“
Das jüngste Gemeinschaftsprojekt
ist die Aufklärungs-Kampagne „Willkommen Wolf!“,
der sich auch gleich noch der VfL Wolfsburg - „die Wölfe“ - und die Stadt Wolfsburg anschlossen, die den Meister Isegrim im Wappen trägt. In der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der rot-grünen Bundesregierung
fand der Stakeholderdialog Marke VWNABU denn auch
ebenso lobende Erwähnung wie in Experten-Ratings.
Zwar war nicht jedem einmal begonnenen Projekt der gewünschte Erfolg beschieden,
aber noch jede gemeinsame Initiative habe, so Oeliger,
„geholfen, beiderseits neue Blickwinkel zu öffnen“.
So war es auch beim ersten Spitzengespräch im Februar 2004 zwischen dem VW-Vorstandsvorsitzenden Dr. Bernd Pischetsrieder und dem
NABU-Präsidenten Olaf Tschimpke. Ob es um die Perspektiven biologischer Kraftstoffe, um innovative Fahrzeugkonzepte oder um besseren Klimaschutz ging – fast
stets gelang es den beiden, einen
gemeinsamen Nenner zu finden.
Dialoge pflegen
um anspruchsvolle Recyclingkonzepte und ein innovatives Verkehrsmanagement“, verrät Reinhold Kopp, Generalbevollmächtigter und Leiter Konzern-Außenbeziehungen. Gemeinsam mit NABU-Bundesgeschäftsführer
Leif Miller leitet Kopp eine achtköpfige „Steuerungsgruppe“, die der Zusammenarbeit Richtung geben soll.
Auch kritische Themen werden im bilateralen Stakeholderdialog nicht ängstlich ausgelassen. Dabei prallen dann auch schon
mal unterschiedliche Meinungen aufeinander. Über
den Dieselpartikelfilter etwa hätten sich die Partner „fröhlich gefetzt“, so Dietmar Oeliger, der beim
NABU für Verkehr und Mobilität zuständig ist.
Ihren ersten öffentlichen Workshop
richteten die ungleichen Partner Ende 2004 im Berliner
Automobil Forum aus. Dass auch bei „Mobil im Dialog“
(so das Motto der Veranstaltungsreihe) nicht Friede,
Freude, Eierkuchen auf der Tagesordnung stand, verriet schon die Leitfrage des Polit-Diskurses: „Integration der Verkehrsträger – mehr als eine Lebenslüge?“
gesellschaft
csr bei volkswagen – auf einen blick
Orientierung an den ILO-Kernarbeitsnormen, den OECD-Guidelines für multinationale Unzernehmen und den 10 Prinzipi-
en des Global Compact; Projekte in aller Welt rund um Bildung, Gesundheit und Frauenförderung, darunter PPP-Projekt AutoVision
der Wolfsburg AG (VW und Stadt) und ähnliche Initaitiven an VW-Standorten in Deutschland und aller Welt, Aids Care in Brasilien
und Südafrika (mit GTZ und lokalen Partnern), Arbeitsschutz bei Lieferanten (mit GTZ und lokalen Partnern), Straßenkinder-Projekt „Eine Stunde für die Zukunft“ (terre des hommes und VW-Belegschaft), Schulen und Wasser für das Nomadenvolk der Touareg
(VW-Konzern/tamat e.V./lokale Partner); Initiative für mehr Ausbildung (Audi AG) etc
mitarbeiter
Innovative Personalkonzepte, flexible Arbeitsorganisation, vielfältige Arbeitszeitmodelle/-konten, Zeit-Wertpapier, Pro-
jekt Work2Work (für leistungseingeschränkte Mitarbeiter), Instrumente der Work-Life-Balance, Diversity Managament, Frauenförderung, Ideenmanagement, Wissensstafetten und Wissensbörsen, AutoUni, lebenslanges Lernen, Sozialcharta sowie Deklaration
zu Arbeitsschutz und Gesundheit mit globalen (Mindest-)Standards, Euro- und Welt-Konzernbetriebsrat etc
umwelt
Weltweites Umweltmanagament, ISO/EMAS-Zertifizierungen von Konzernstandorten in aller Welt, Umwelt- und Nach-
haltigkeitsberichterstattung, Umweltziele, Umweltbilanzen, innovatives Recycling nach dem VW-Sicon-Verfahren, innovative Antriebstechnologien (TDI, TSI) und verbrauchsarme Fahrzeugkonzepte (Polo BlueMotion), Förderung sauberer Synthese-Kraftstoffe
aus Erdgas und Biomasse (SynFuel, SunFuel), Entwicklung Brennstoffzellentechnologie, Lieferantenseminare, Projekt „Nachhaltigkeit in der Lieferantenkette“ etc
preise und auszeichnungen
Das Unternehmen ist in Nachhaltigkeitsindizes gelistet (FTSE4Good, ASPI) und belegt Platz 6 im Scoris DAX 30 Nachhaltig-
keitsrating, hat zudem zahlreiche Reporting-Preise erhalten; der Umweltbericht 2003/4 etwa kam auf Platz 1 des Pacific Sustainability Index (PSI), wurde von IÖW und future e. V. zum „Besten der Autobranche“ erklärt und beim Ranking „Global Reporters 2004
– International Benchmark in Sustainability Reporting“ als bester deutscher Report gewertet
mitgliedschaften
econsense – Forum Nachhaltigkeit der Deutschen Wirtschaft; CSR Europe; Global Compact; International Business Lea-
ders Forum; World Business Council for Sustainable Development; UNEP Mobility Forum; European Disability Forum; acatech etc
kooperationen, initiativen, projekte, stiftungen
Zusammenarbeit mit lokalen/regionalen Gebietskörperschaften, nationalen Regierungen und internationalen Organisa-
tionen; VW Community Trust (Südafrika); Volkswagen Stiftung (Brasilien); Volkswagen Fonds für Waisenkinder (Mexiko); Unfallforschung in China/Gemeinschaftsprojekt mit der Tongji Universität Shanghai; Mitarbeit in der Global Reporting Initiative; Kooperationsvertrag und Projekte mit dem Naturschutzbund Deutschland e. V.; Kooperation mit der Evangelischen Akademie Loccum;
Beteiligung an der Bürgerstiftung JugendUni Salzgitter; Teilnahme am Aktionsprogramm 2015 der deutschen Bundesregierung;
„Curriculum Mobilität“/Kooperation der Autostadt GmbH mit dem Land Niedersachsen; Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit im ehemaligen KZ Auschwitz; diverse Kooperationen mit Schulen, Fachhochschulen und Universitäten
sonstiges
Erinnerungsstätte Zwangsarbeit auf dem Gelände des Werkes Wolfsburg
Seit der UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung 2002 unterstützt Volkswagen den Global Compact des UN-Generalsekretärs Kofi Annan. Die Mitglieder
des Global Compact, inzwischen fast 3 000 Unternehmen, übernehmen freiwillig die Pflicht, sich aktiv für eine sozial und ökologisch verträgliche Globalisierung
einzusetzen. Sie engagieren sich deshalb in ihrem Einflussbereich für die Geltungskraft der Menschenrechte sowie von Arbeits- und Sozialstandards und für den
Schutz der Umwelt. Außerdem sind sie aufgerufen, sich der Korruption zu widersetzen („10 Prinzipien“). Unternehmen, die den Global Compact unterstützen,
sind gehalten, den Fortschritt, den sie bei der Umsetzung der 10 Prinzipien erzielen, zu dokumentieren. Die nachfolgende Übersicht zeigt, mit welchen in dieser
Broschüre beschriebenen Best Practises der Volkswagen-Konzern jeweils Fortschritt bei der Verwirklichung der Grundsätze des Global Compact erzielt hat.
Global-Compact-Prinzip
Artikel
Seite
Prinzip 1
„Jobmaschine auf der Kaninchenwiese“ Beschäftigungspolitik der Wolfsburg AG (Forum AutoVision)
14
Prinzip 1
„Und schon bist Du etwas klüger“ Jobs und Qualifizierung für ehemals Erwerbslose
28
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1
Prinzip 1, 4
Prinzip 1, 8, 9
Prinzip 2
Prinzip 2
arbeits- und sozialstandards
„Volkswagen zeigt, wie es geht“Standortsicherung Deutschland
„Wissensdurst im alten Konvikt“ Das neue Ausbildungszentrum in Mladá Boleslav
„Soziale Verantwortung ist Teil des Investments“ Impulse für Wohlstand und Beschäftigung in Osteuropa
„Weckruf aus einem Albtraum“ AIDS-Prävention für Menschen in Brasilien und Südafrika
„Vertreibung aus dem Raucherparadies“ Abstinenzkampagne bei Seat
„Hilfe nach dem Schneeballsystem“ VW-Mitarbeiter spenden für Straßenkinder in der ganzen Welt
„Volanta rettet Leben“ Wasser für Brasiliens Einwohner während der Trockenzeit
„Komm in die Schule, Kalari!“ Hilfe nach der Umweltkatastrophe in Asien
„Gesundheitsdienst an 365 Tagen je 24 Stunden“ Medizinische Versorgung bei Volkswagen México
„Wissen ist der Schlüssel“ Aus- und Fortbildung am Standort Südafrika
„Mit Genuss helfen“ Unterstützung des Fair Trade bei VW
„Jede Schramme zählt“ Unfallforschung in Deutschland und China
„Kinder lernen Straßenverkehr“ Verkehrstraining für Kids
„Werbung für den Gurt“ Die Buckle up-Kampagne von Volkswagen of America
„Gute Laune aus Wolfsburg importiert“ Förderung von Nachwuchskünstlern
„Container zu Schulklassen“ Der Volkswagen Community Trust am Standort Südafrika
„Gib Gas, Alessandro“ Sozialisierung und Erziehung von Kindern in Brasilien
„Auschwitz wird gleichsam ein Teil von Dir“ Azubis helfen bei der Instandhaltung der KZ-Gedenkstätte
„Dialog für Nachhaltigkeit“ Econsense und Volkswagen
„Weil wir offen sind, lassen sie sich beraten“ Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz bei Zulieferern
„Entwicklungsauftrag an Zulieferer“ Förderung von Nachhaltigkeit in der Lieferantenkette
18
32
60
36
40
66
73
75
76
77
68
98
100
102
106
118
116
124
128
26
70
Prinzipien 3, 4, 5, 6
„Global, fair und sozial“ Weltweite Sozialcharta
24
Prinzip 6
„Volks- oder Kinderwagen?“ Arbeitszeitmodelle und Arbeitsplatzförderung für Eltern
48
Prinzip 4
Prinzip 6
Prinzip 6
Prinzip 6
Prinzip 6
Prinzip 6
umwelt
„Wir sind nicht vergessen“ Mahnende Erinnerung an Zwangsarbeit im NS-Staat
„Wir geben das Selbstbewusstsein zurück“ Personalkonzept Work2Work für Behinderte
„Roter Teppich für Rückkehrerinnen“ Wiedereinstiegsprogramm für Mitarbeiter nach der Babypause
„Gesucht: älter, erfahrener, fit“ Arbeitsplatzgestaltung nach den Bedürfnissen älterer Arbeitnehmer
„Per Tandem durch gläserne Decken“ VW-Gleichstellungspolitik für Frauen
„Ungleich (ist) besser“ Diversity Management bei VW Financial Services
122
20
50
44
54
56
Prinzip 7
Prinzip 7, 8
Prinzip 7, 8
„Im Tandem auf Nachhaltigkeits-Kurs“ Enge Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und NABU
„Güter fahren Straßenbahn“ Umweltbewusstes Logistikkonzept
„Verkehr intelligent managen“ Verkehrsmanagement soll die Umwelt entlasten
130
92
94
Prinzip 8
„Bergab Schubabschaltung nutzen“ Spritspartrainings von Volkswagen
86
Prinzipien 7, 8, 9
Prinzip 8
Prinzipien 8, 9
Prinzip 9
korruption
Prinzip 10
„Spülwasser im Kreislauf“ Umweltpaten verbreiten die Konzern-Umweltstandards
„Lebende Rasenmäher“ Auerochsen in Südostniederdachsen
„Entwicklungsauftrag an Zulieferer“ Förderung von Nachhaltigkeit in der Lieferantenkette
„Vom Acker in den Tank“ Engagement für alternative Kraftstoffe (SunFuel)
„Definieren, was das Verbindende ist“ Kampagne für Konzernwerte bei VW
72
82
70
88
10
xx
menschenrechte
xx|xx
global-compact-referenz
VOLKSWAGEN AG
Reinhold Kopp, Generalbevollmächtigter und Leiter KonzernAußenbeziehungen, Brieffach 1882, 38436 Wolfsburg, Deutschland,
Tel. ++49 5361 / 9-78622, Fax -20654
© durch die Volkswagen AG.
Alle Rechte vorbehalten.
Konzept: Stefan Dahle / imug Beratungsgesellschaft für
sozialökologische Innovationen mbH (Hannover)
Redaktion: Michael Scholing-Darby, Volkswagen AG, KonzernAußenbeziehungen, E-Mail: michael.scholing@volkswagen.de
Texte: Anne Cockwell (1), Stefan Dahle (3), Christian Pietschner (12),
Michael Scholing-Darby (11), Lydia Schumacher (19).
Art-Direction: Tom Tautz
Gestaltung und Illustration: KARMA//kommunikations_design
Wolfsburg, www.karma-web.de
Fotoquellen:
Volkswagen AG (Seiten: 04, 10, 17, 19, 20, 25, 27,
32, 36, 41, 45, 61, 77, 78, 82, 92, 110, 111, 119, 122, 124)
Wolfsburg AG (Seiten: 14, 17),
Ulf Dieter (Seite: 28),
Thomas Knüppel (Seiten: 48, 51, 98),
dpa Picture-Alliance GmbH (Seiten: 60, 62, 69, 75, 95),
Financial Services AG (Seite: 56),
terre des hommes Deutschland e. V. (Seite: 66),
Naturschutzbund Deutschland e. V. (Seiten: 86, 131),
Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e. V (Seite: 74),
econsense (Seite: 128)
Druck: Sigert GmbH Druck- und Medienhaus, Ekbertstraße 14,
38122 Braunschweig, Telefon: 05 31 / 8 09 29 22, Telefax: / 2 80 02 80
2006 © VOLKSWAGEN AG
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