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1 Mathilde Hennig Zur historischen (Dis-)Kontinuität

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Mathilde Hennig
Zur historischen (Dis-)Kontinuität gesprochensprachlicher Muster
Exposé
Zusammenfassung
Wie der Arbeitstitel erkennen lässt, knüpft die geplante Arbeit an Sandigs These
der „historischen Kontinuität normativ diskriminierter syntaktischer Muster in
spontaner Sprechsprache“ (1973) an. Dabei geht es aber nicht nur darum, die
seit Sandig nicht systematisch weiter verfolgte These auf das Neuhochdeutsche
auszuweiten und auf eine empirische Basis zu stellen. Der Schwerpunkt soll vielmehr auf der Abgrenzung historisch kontinuierlicher und historisch diskontinuierlicher gesprochensprachlicher Muster liegen. Die historische Diskontinuität einzelner grammatischer nähesprachlicher Merkmale soll in einem Korpus von 42 Nähetexten empirisch nachgewiesen werden.
Die geplante Habilitationsschrift ist eingebunden in das von Prof. Vilmos Ágel geleitete Projekt zur Erstellung einer Sprachstufengrammatik des Neuhochdeutschen, die für die Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte bei
Niemeyer geplant ist.
1
Stand der Forschung
Die historische Priorität gesprochener Sprache kann als unbestritten angesehen
werden: „Es besteht kein Grund, an der historischen Priorität der gesprochenen
Sprache gegenüber der geschriebenen Sprache zu zweifeln.“ (Lyons 1983: 21)
Ein „sprachgeschichtliches Primat der Oralität“ (Lerchner 1986) wäre die logische
Konsequenz. Dass dies aber nicht der Fall ist, sondern im Gegenteil die historische Mündlichkeit als noch weitestgehend unerforscht betrachtet werden muss,
kann u. a. wie folgt begründet werden:
1. Die Sprachgeschichtsforschung ist von jeher schriftgeleitet gewesen, weil ihre
Überlieferung an das Medium Schrift gebunden ist: „Sprachgeschichte haben
wir nur als Geschichte der geschriebenen Sprache.“ (Knobloch 2003: 119)
2. „Die dt. Sprachgeschichtsschreibung ist fixiert auf die Herausbildung der
Schrift- und Standardsprache […].“ (Ágel 2000: 1856)
3. Sprachgeschichtsforschung wurde lange Zeit quasi als Verstehenshilfe für kulturhistorisch wertvolle Quellen betrieben. Eine Interessensverschiebung hin zu
Phänomenen der Mündlichkeit ist deshalb ohnehin erst seit der Etablierung einer soziopragmatischen Sprachgeschichte denkbar.
4. Dem in 1. formulierten Problem kann nur durch eine Unterscheidung medialer
und so genannter „konzeptioneller“ Mündlichkeit begegnet werden, weil nur
letztere sprachhistorischen Untersuchungen zugänglich ist. Diese Unterscheidung ist erst durch die Arbeiten Peter Kochs und Wulf Oesterreichers bekannt
geworden (1985, 1990, 1994), obwohl sie bereits von Ludwig Söll in den
1
1970er Jahren vorgelegt wurde. Dass der Ansatz trotz der äußerst breiten Resonanz, die er in der germanistischen Linguistik erfahren hat, bisher kaum
systematisch auf Belange der Sprachgeschichtsforschung übertragen wurde,
liegt möglicherweise an seiner mangelnden Operationalisierbarkeit (vgl. dazu
Kapitel 2.1).
5. Die Gesprochene-Sprache-Forschung hat bekanntlich eine vergleichsweise
junge Forschungsgeschichte (vgl. Fiehler/Barden/Elstermann/Kraft 2004). So
ist es nicht verwunderlich, dass sie zunächst mit ihrer Gegenstandskonstitution beschäftigt war, die die Auseinandersetzung mit dem skriptizistischen Erbe
beinhaltete. Die Begründung gesprochensprachlicher Kategorien in Bezug auf
das Gegenwartsdeutsche ergab ein beträchtliches und keineswegs ausgeschöpftes Forschungsvolumen, so dass zunächst kein Raum für den Blick auf
weitere Perspektiven blieb (eine Ausnahme bildet Selting 1999).
Wenngleich nicht von einer systematischen Erforschung historischer Mündlichkeit
gesprochen werden kann, gibt es doch eine Reihe von Ansätzen, die sich aus verschiedenen Perspektiven mehr oder weniger explizit mit Phänomenen historischer
Mündlichkeit beschäftigen. Diese Perspektiven lassen sich folgendermaßen gruppieren:
1. Rekonstruktionsperspektive = Suche nach Reflexen gesprochener Sprache in
historischen Quellen (Sonderegger 1980, 1985, 1990; Bremer 1985; Grosse
1985; Betten 1990; Simon i. Dr.)
2. Dialog- bzw. Diskursperspektive = Anwendung von Kategorien der modernen
Dialog- bzw. Diskursforschung auf ältere Sprachstufen (Henne 1978; Brinton
2001; Kilian 2002, 2005)
3. Gegenwartsperspektive = Nachweis der historischen Kontinuität von auch in
der Gegenwartssprache vorhandenen gesprochensprachlichen Mustern (Sandig 1973; Lötscher 1995; Selting 1999)
4. Alltagsperspektive = Erforschung historischer Mündlichkeit nicht als primäres
Ziel, sondern als „Begleiterscheinung“ einer eher soziopragmatisch orientierten Hinwendung zum alltäglichen Sprachgebrauch (Nolting 2002, Topalovič
2003, Elspaß 2005)
5. Reflexionsperspektive = Hinwendung zu stigmatisierten/strittigen Erscheinungen, die vor allem aus sprachreflexiven Werken abgeleitet werden und die per
se eher Erscheinungen der gesprochenen Sprache sind (Konopka 1996; Langer/Davies 2006)
6. Näheperspektive = Untersuchungen zu syntaktischen Phänomenen in nähesprachlichen Quellentexten (Czicza 2004; Kappel 2004; Molnár 2004; Rauzs
2004; Hegedős 2006).
Dieser kurze Überblick sollte vor allem zeigen, dass es sich um stark perspektivgeleitete Teilerkenntnisse handelt, die noch nicht als systematische Erforschung
historischer Mündlichkeit bezeichnet werden können. So sind die Teilerkenntnisse
zu Phänomenen historischer Mündlichkeit vor allem in den Gruppen 2, 4, 5 und 6
eher „Nebeneffekte“, keine der in diesen Gruppen genannten Arbeiten hat das
2
primäre Ziel der Erforschung historischer Mündlichkeit. Die Gruppen 1 und 3 verfolgen eine je spezifische Zielsetzung an je ausgewählten Merkmalen, die als Reflexe gesprochener Sprache oder Gemeinsamkeiten der gegenwartsdeutschen gesprochenen Sprache mit älteren Sprachstufen präsentiert werden. Zwar bieten
diese Arbeiten einige wichtige Anregungen für die Modellierung der historischkulturellen Dimension der Nähe- und Distanzkommunikation, diese sind aber eher
punktuell. Aussagen zu gesprochensprachlichem Sprachwandel sind auf dieser
Basis schlichtweg unmöglich.
Es ergeben sich (mindestens) die folgenden Desiderata für die Erforschung historischer Mündlichkeit:
1. Engführung der verschiedenen Perspektiven: Bspw. könnte die Näheperspektive die Rekonstruktionsperspektive bereichern und eine empirische Basis für
wirkungsbezogene Untersuchungen der Reflexionsperspektive bieten.
2. Systematische empirische Absicherung der These der historischen Kontinuität:
Wünschenswert wäre eine Ausweitung der empirischen Analysen im Sinne der
als Gruppe 3 beschriebenen Arbeiten auf weitere gesprochensprachliche Muster und umfangreichere Korpora.
3. Modellierung des Verhältnisses von historischer und universaler Nähesprachlichkeit: Geklärt werden müsste das Wechselspiel historischer und universaler
Bedingtheit gesprochensprachlicher Muster.
4. Theoretisch und empirisch fundierte Überlegungen zu gesprochensprachlichem
Sprachwandel: Der Nachweis von Sprachwandel im Bereich der Grammatik
der gesprochenen Sprache müsste einerseits empirisch durch Untersuchungen
zum Ab- oder Ausbau gesprochensprachlicher Muster erfolgen. Andererseits
bedarf es theoretischer Überlegungen zur Erklärung solcher Erscheinungen als
Sprachwandelerscheinungen.
Der Schwerpunkt der geplanten Arbeit wird auf Desiderat 3 liegen. Allerdings
greifen die Desiderata auch ineinander, so dass die Bearbeitung von Desiderat 3
auch eine Berücksichtigung von Desiderat 2 voraussetzt und (hoffentlich) auch
Ergebnisse in Bezug auf Desiderat 4 bieten kann.
2
Eigene Vorarbeiten
2.1
Gesprochene Sprache, Nähe und Distanz
Die geplante Arbeit kann auf einer Vielzahl von Vorarbeiten zur gesprochenen
Sprache aufbauen. Zunächst ist hier die kürzlich erschienene Monographie
„Grammatik der gesprochenen Sprache in Theorie und Praxis“ zu nennen (Hennig
2006). In theoretischer Hinsicht wird versucht, Voraussetzungen für eine Theorie
der Grammatik der gesprochenen Sprache zu klären und Vorschläge zu zwei
möglichen Theoriebausteinen zu entwickeln. Wichtig für eine Verbindung des Ansatzes mit der Erforschung historischer Mündlichkeit ist die Modellierung von Anforderungen an eine Grammatik der gesprochenen Sprache im Rahmen einer dynamischen Grammatiktheorie (2006a: 53ff., aufbauend auf Ágel 2003: 11; 2005:
3
96). Im Sinne von Ágel gehe ich davon aus, dass bei der Modellierung der Anforderungen sowohl die panmediale als auch die panchronische Perspektive berücksichtigt werden müssen, d. h. die Perspektive eines nicht synchronizistischen sowie nicht skriptizistischen Grammatikverständnisses. Da ich mich in Hennig
(2006) lediglich mit zwei Theoriebausteinen zu den Anforderungen aus panmedialer Perspektive beschäftigt habe und – wie in Kapitel 1 ausgeführt wurde – kaum
einschlägige Vorarbeiten zur panchronischen Perspektive vorliegen, bleibt die Berücksichtigung der panchronischen Anforderungen ein Desiderat, dem ich mich in
der geplanten Arbeit zuwenden möchte.
Im Rahmen des von OTKA (= Ungarische Forschungsgemeinschaft) in den Jahren
2001-2004 geförderten Projektes zur Sprachstufengrammatik des Neuhochdeutschen hat sich die mehrdimensionale Modellierung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit durch Peter Kochs und Wulf Oesterreichers Ansatz zur ‚Sprache der Nähe‘
und ‚Sprache der Distanz‘ als einschlägiger Anknüpfungspunkt erwiesen: Da gesprochene Sprache in medialer Hinsicht vor dem 20. Jahrhundert nicht überliefert
ist, bedarf es einer Modellierung der so genannten „konzeptionellen Mündlichkeit“
(= Sprache der Nähe): Sprache der Nähe ist auch in medial schriftlich überlieferten Quellen zugänglich. Im Projekt haben wir uns mit der Frage auseinander gesetzt, wie aus der Idee einer Sprache der Nähe eine operationalisierbare Methode
werden kann, d. h., wie die Nähesprachlichkeit eines Quellentextes ermittelt und
der Text somit auf einer Skala zwischen Nähe und Distanz eingeordnet werden
kann. Da der Ansatz von Koch/Oesterreicher eine solche operationalisierbare Methode nicht bot, haben wir uns um eine Modellierung bemüht, in der einzelsprachliche Merkmale aus den universal-pragmatischen Bedingungen des Nähesprechens abgeleitet und somit als nähesprachliche Merkmale ausgewiesen werden.
Das Ergebnis ist die „Theorie des Nähe- und Distanzsprechens“ (Ágel/Hennig
2006b). Die Überlegungen zur praktischen Umsetzung der Theorie, d. h. zur Ermittlung der Nähesprachlichkeit von Quellentexten auf Mikro- und Makroebene,
findet sich in „Praxis des Nähe- und Distanzsprechens“ (Ágel/Hennig 2006c).
Wie bereits gesagt handelt es sich bei der Modellierung des Nähe- und Distanzsprechens um eine Modellierung der universal-pragmatischen Bedingungen des
Nähesprechens. Inwiefern kann eine solche Modellierung der universalen Ebene
auch Ausgangspunkt für die Beschreibung historischer Nähesprachlichkeit sein?
‚Das Universelle materialisiert sich, wenn es zu einer bestimmten Zeit und in einem bestimmten Raum realisiert wird, auf der historischen Ebene von Einzelsprachen (bzw. Varietäten), ohne dass alles Historische die Materialisierung von Universellem darstellen würde. Die Geltung des Universellen reicht also in die historische Ebene hinein.
Aus der universal-pragmatischen Modellierung des Nähe- und Distanzsprechens
können Merkmale abgeleitet werden, deren Identifizierung in Quellentexten zur
Ermittlung des Anteils an Nähesprachlichkeit dieser Texte beiträgt. Das Modell
kann aber keine Aussagen zu einer eventuellen historischen Bedingtheit von
nähesprachlichen Merkmalen treffen: Höchstwahrscheinlich führt das sich historisch stets wandelnde Beziehungsgefüge von Mündlichkeit und Schriftlichkeit
dazu, dass sich das Universale zu unterschiedlichen Zeiten auf Grund der jeweili-
4
gen unterschiedlichen historischen Bedingungen auf unterschiedliche Weise manifestiert. Es ist deshalb mit historischen Nähemerkmalen zu rechnen, die zwar insofern mit dem universal-pragmatischen Modell erklärt werden können, als sie
historische Manifestierungen universaler Nähesprachlichkeit sind, ihre spezifisch
historische Bedingtheit jedoch kann aus dem universal-pragmatischen NäheDistanz-Modell nicht abgeleitet werden. Deshalb betrachte ich es Aufgabe der geplanten Arbeit, zu einer Modellierung der historisch-kulturellen Bezüge der Näheund Distanzkommunikation beizutragen, um auf diese Weise auch Aussagen über
solche nähesprachlichen Merkmale treffen zu können, deren historische Bedingtheit nicht aus dem universal-pragmatischen Modell abgeleitet werden kann.
In „Thesen zur Erforschung historischer Nähesprachlichkeit“ (Hennig i. Dr.) schlage ich vor, universal-pragmatisch bedingte und historisch-kulturell bedingte Nähesprachlichkeit durch die Termini ‚universale Nähesprachlichkeit‘ und ‚historische
Nähesprachlichkeit‘ zu unterscheiden:
Diese Ebene von Nähesprachlichkeit, d. h. einzelsprachliche Manifestierungen der universalen Parameter des Nähesprechens, soll im Folgenden als
universale Nähesprachlichkeit bezeichnet werden. […] Die durch die Ausgestaltung dieses Beziehungsgefüges bedingte jeweilige Ausprägung der
Nähesprachlichkeit zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Raum
soll hier historische Nähesprachlichkeit genannt werden. (Hennig i. Dr.:
o. S.)
In diesem Sinne wurden mit den Vorarbeiten zu Nähe und Distanz die Grundsteine zur Erforschung universaler Nähesprachlichkeit gelegt, die historische Nähesprachlichkeit dagegen soll Gegenstand der geplanten Arbeit sein. Als Aufgaben
der Erforschung historischer Nähesprachlichkeit habe ich in den „Thesen“ benannt:
1. historische Nähemerkmale als solche zu identifizieren (d. h. sie von universalen Nähemerkmalen abzugrenzen, ohne natürlich die Interdependenz
der universalen und historischen Bedingungen aus den Augen zu verlieren)
und
2. die Bedingungen des Auftretens dieser Merkmale systematisch zu beschreiben […] (Hennig i. Dr.: o. S.).
Eine weitere These geht von der prinzipielleren Nähesprachlichkeit älterer Sprachstufen aus (vgl. auch Kapitel 1): „Auf Grund des historischen Primats der gesprochenen Sprache und des langwierigen Prozesses von Verschriftung und Verschriftlichung sind ältere Sprachstufen prinzipiell nähesprachlicher als gegenwärtige
Einzelsprachen.“ (Hennig i. Dr.: o. S.) Dies bildet den Hintergrund für die in der
geplanten Arbeit zu vertretene These, dass in historischen Quellentexten auch
nähesprachliche Merkmale zu finden sind, die inzwischen vollständig oder zumindest teilweise abgebaut wurden. Eine erste Analyse zu einem solchen Phänomen
findet sich in Hennig (i. V.).
2.2
Beleglisten, Kandidaten historischer Nähesprachlichkeit
5
Was für Merkmale kommen als historisch nähesprachliche Merkmale in Frage? Die
Ermittlung von „Kandidaten“ historischer Nähesprachlichkeit stellt eine besonders
wichtige Vorarbeit für die geplante Arbeit dar. Mit dem Terminus ‚Kandidat‘ soll
der hypothetische Charakter der Zuordnung von einzelnen Merkmalen zur universalen vs. historischen Nähesprachlichkeit unterstrichen werden, die Bestätigung
oder Widerlegung der mit jedem einzelnen Kandidaten verbundenen Hypothese
ist Ziel der geplanten Arbeit.
Die Kandidaten wurden durch die Analyse von sechs Korpustexten ermittelt, die
sich wie folgt auf den Untersuchungszeitraum des Neuhochdeutschen verteilen:
1650-1700 = Abschnitt I: Die Autobiographie Augustin Güntzers
1700-1750 = Abschnitt II: Die Autobiographie Hans Ludwig Nehrlichs
1750-1800 = Abschnitt III: Die Autobiographie Ulrich Bräkers
1800-1850 = Abschnitt IV: Die Chronik Georg Angers
1850-1900 = Abschnitt V: Briefe (hauptsächlich Auswandererbriefe) aus der
Textsammlung von Grosse et al. (1989)
1900-1950 = Abschnitt VI: Die Briefe des Braut- und Ehepaares von Neupauer
Mit der Unterteilung in Zeitabschnitte à 50 Jahre folge ich der Praxis des Projekts
„Sprachstufengrammatik des Neuhochdeutschen“. Übernommen wurde ebenfalls
die Festlegung auf einen Umfang von 12000 Wortformen je Korpustext.
In den Korpustexten wurden sowohl die Kandidaten universaler als auch die Kandidaten historischer Nähesprachlichkeit markiert. Im Folgenden sollen nun die
Kandidaten für historische Nähesprachlichkeit vorgestellt werden. Jedem Phänomen wird ein Beispiel zugeordnet. Unter dem Stichwort ‚Hypothese‘ wird erläutert, warum ich das Phänomen für einen Kandidaten historischer Nähesprachlichkeit halte. Die Kandidatenliste versteht sich als offene Liste. Durch die Einbeziehung weiterer Korpustexte können theoretisch auch weitere Kandidaten hinzukommen, während bereits vorhandene Kandidaten sich möglicherweise als
„schlechte“ Kandidaten erweisen werden.
6
Nr.
Phänomen
Beispiel
Phänomenbereich I: Junktion
I.1
Aggregative
Die Augen schmerzten
Koordination
mir sehr und [ich] war
immer sehr müde,
(Grosse V)
müste gleichwol imI.2
Aggregative
mer beÿ dem bösen
Koordination
Man zur beicht und
auf Phrasen[zum] heiligen aebene
bendmal gehen (Nehrlich II)
I.3
Kontextkontrol- Wir mir [= wir] hernach zu Haus gangen
lierte Aggregasind, bey ganz unsern
tions-ellipse
Schüksal noch lachen
[wir] wegen ihren
Fruhstuk (AngerChronik IV)
I.4
Aggregativer
4 gantzer Wochen haSubjunktor
ben wihr Nordt- undt
e
Wo stwindt, daz wihr
solten Ost- oder Sudwindt haben. (Güntzer
I)
I.5
Aggregativer
Relativanschluss
Bei den Leuten gelte
ich immer als Verkäuferin, die es nicht besser wissen. (Grosse V)
I.6
Kein Relativsatz
trotz relativjunk-torfähiger
Einleitung
Man fierdt unß hernacher in einen uberauß
schenen großen Sal,
darinen wirdten die
reißete[n] Leidt, so
e
darin einkohret[e]n, so
wol gespeißet und
getrencket (Güntzer I)
Hypothese
Zunehmende Verschriftlichung
(vgl. Kapitel 3) manifestiert
sich in grammatischer Hinsicht
durch ein zunehmendes Maß an
Integration. Koordinationsellipsen im heutigen Deutsch sind in
die Bezugskonjunkte integriert,
indem „zwei bis auf eine Konstituente gleichen Typs
identische Sätze koordiniert“
werden (Klein 1993: 770). Die
hier angenommenen Ellipsentypen weichen davon ab und sind
deshalb aggregativer. Die Zunahme integrativer Strukturen
impliziert den Abbau aggregativer Strukturen.
Die in der Sprachgeschichtsforschung als Monosemierung von
Subjunktoren beschriebene
Tendenz ist in diesem Sinne
auch ein Indiz für zunehmende
Integration. Die Entwicklung
eines Systems an meist auf eine Inhaltsrelation beschränkten
Subjunktoren führt zum (zumindest partiellen) Abbau der
Multifunktionalität von Subjunktoren und somit zum Abbau ihres aggregativen Verhaltens.
Auch die Grammatikalisierung
des Relativsatzes ist Kennzeichen zunehmender Integration.
Zunehmende Integration bedeutet hier, dass der Bezug eines Relativanschlusses zum Bezugswort klar erkennbar sein
muss.
Die Realisierung einer attributiven oder weiterführenden Erläuterung als Hauptsatz anstelle eines Relativsatzes betrachte
ich ebenfalls als ein Indiz aggregativen Verhaltens, das mit
zunehmender Integration wahrscheinlich abgebaut wird.
7
Phänomenbereich II:
II.1
Aggregative
Nominalgruppenflexion
Flexion
e
Aber dißer boßer Gesell achtet meiner Reden nichts, (Güntzer I)
Phänomenbereich III: Doppelrealisierungen
weil es die Rede ist, es
III.1 Doppelr. des
bekomts eh der FranObjekt(pronomen)s
zoß (AngerChronik IV)
III.2 Doppelr. einer
Als ich i[h]n erkandte,
Ergänzung
das es ein Man wahr,
(Güntzer I)
III.3 Doppelr. des
da lief es alles wol ab,
Subjektprono(Nehrlich II)
mens
III.4 Doppelr. von
das war aber wieder,
Sachverhalten
das sich das vielle
Wasser in einer Stunde mehrentheil sich
verlauffe (AngerChronik IV)
Phänomenbereich IV: Serialisierung
IV.1 Verbalkomplex
da die reißet[e]n Leidt
e
ermo rdtet sindt worden (Güntzer I)
IV.2
Nominalgruppe
Hörete ich so gar eine
trefflige schöne Music
(Nehrlich II)
Das Prinzip der Monoflexion der
Nominalgruppe im heutigen
Deutsch ist ein integratives
Prinzip: Die Markierung der Kategorien an einem Element gilt
für die gesamte Nominalgruppe, was eine Integration aller
Elemente in die Nominalgruppe
bedeutet. Bei einer Mehrfachflexion muss sozusagen jedes
Element für sich funktionieren,
die Elemente sind weniger integriert. Die Durchsetzung des
Prinzips der Monoflexion ist
folglich ein Indiz für zunehmende Integration auf der Ebene der Nominalgruppe.
Doppelrealisierungen von Elementen sind aggregatives Verhalten. Ein Abbau ist deshalb
eine sehr wahrscheinliche Folge
zunehmender Integration.
Die Endstellung des Verbalkomplexes im Nebensatz und
die Serialisierung der Elemente
des Verbalkomplexes im heutigen Deutsch sind ein stark integratives Prinzip, weil beides
einer on-line-Anordnung der
Elemente entgegenläuft: Regierte Elemente stehen vor regierenden Elementen. Die
Durchsetzung des Rechtsdeterminiert-links-Prinzips
(Ágel 2001) ist somit ein Musterbeispiel für zunehmende Integration, weniger integrative
Serialisierungsvarianten werden
abgbaut.
Die Serialisierung der Elemente
von Nominal- und Präpositionalgruppen im heutigen
8
IV.3
Präpositionalgruppe
sah' ich eines Tags ein
Mädchen so mit einem
Amazonengesicht
(Bräker III)
IV.4
Negation
und ich kann nicht
guth mehr sehn
(Grosse V)
IV.5
Satzebene 1:
Eigentliche
Aussage V1
IV:6
Satzebene 2:
Nichtverbzweitstellung
und dieser Wein ist
auch noch wie ein Essig gewesen und hat
d.. Most 15 fl gekostet. (AngerChronik IV)
nun als ich heim kam,
des tages arbeitete ich
(Nehrlich II)
Deutsch ist so geregelt, dass
sich auf die Gruppen beziehende Partikeln (Grad- oder Intensivierungspartikeln im Sinne
der IDS-Grammatik) in die
Gruppe integriert sind, d. h. in
der Nominalgruppe nach dem
Artikel und in der Präpositonalgruppe nach der Präposition
stehen. Die in den Beispielen
vorliegende Stellung vor Artikel
bzw. Präposition ist aggregativer und wird wahrscheinlich
deshalb abgebaut.
(Ágel spricht in Bezug auf die
Grammatikalisierung der Feldstruktur der NP von einem Mittel- und Nachfeld (2000:
1860); offenbar gehört es zur
Grammatikalisierung der Feldstruktur, dass es kein Vorfeld
gibt.)
Nicht mehr bildet im heutigen
Deutsch einen Negationsausdruck, der ungetrennt vor dem
negierten Element steht. Aggregativere Stellungsvarianten
werden wahrscheinlich abgebaut.
Eigentliche Verbspitzenstellung
im Aussagesatz ist im heutigen
Deutsch kaum belegbar (vgl.
Auer 1993). Im untersuchten
Korpus kommt sie sowohl als
„Inversion nach und“ (Ágel
2000: 1876) wie im hier zitierten Beispiel als auch außerhalb
von Koordinationen vor. Die
genaue Festlegung der Stellung
der Konstituenten in einem
Satz kann m. E. als Integrationsmerkmal betrachtet werden.
Davon abweichende Stellungsvarianten werden deshalb abgebaut.
9
Phänomenbereich V: Negation
V.1
Aggregative
allein kein Hauswirth
Negation
sieht er nicht (AngerChronik IV)
Negation ist im heutigen
Deutsch integrativ organisiert:
Ein Negationsmerkmal gilt für
die gesamte zu negierende
Proposition. Eine Mehrfachmarkierung der Negation ist aggregativer und wird im Zuge zunehmender Integration abgebaut (oder eventuell in ihrer
regionalen Verbreitung eingeschränkt).
Phänomenbereich VI: Zwischen Para- und Hypotaxe
VI.1 Uneingeleiteter
sie erwehlen mir selbst Den so genannten ‚uneingeleiNebensatz
einen so bin ich zufriteten Nebensatz‘ gibt es auch
den, (Nehrlich II)
im heutigen Deutsch, seine Integration ist allerdings durch
eine Festlegung der Verbstellung (Verberststellung) gekennzeichnet. Ágel spricht in
Bezug auf uneingeleitete Konzessivsätze von einer „Verstärkung des subordinativen Charakters […] durch die Reduzierung der Anzahl der finiten
Stellungsvarianten […]“ (Ágel
2000: 1886). Weniger subordinative Varianten des uneingeleiteten Nebensatzes werden
abgebaut.
VI.2 Herstellung der als ich aber lag, und
Herstellung der syntaktischen
syntaktischen
sanne, ein wenig nach
Ruhelage (Behaghel 1903) ist
Ruhelage
(Nehrlich II)
im Grunde genommen ein Subtyp der aggregativen Koordination: Obwohl zwei Nebensätze
koordiniert werden (der Subjunktor gilt für beide Konjunkte), wird der zweite „Nebensatz“ in Hauptsatzwortstellung
realisiert. Als Phänomen der
aggregativen Koordination wird
dies wahrscheinlich abgebaut.
Durch die wechselseitige EinVI.3 Kontamination
ich solte den tag erwirkung zweier Einheiten ist
scheinen und meine
pietistische bücher mit keine Eindeutigkeit des Bezugs
gegeben. Dieses Verhalten wird
bringen, was ich hätte
mit zunehmender Integration
(Nehrlich II)
wahrscheinlich abgebaut.
An der Liste der Kandidaten historischer Nähesprachlichkeit mag zweierlei auffallen:
1. Die Kandidaten haben kaum etwas mit den heute in der GesprocheneSprache-Forschung beschriebenen gesprochensprachlichen Mustern zu tun.
10
2. Einige Kandidaten sind unter anderen Gesichtspunkten bereits Gegenstand
der Sprachgeschichtsforschung.
Ad 1: Wie bereits in Kapitel 1 erwähnt wurde, ist die Gesprochene-SpracheForschung rein gegenwartsbezogen. Sie konzentriert sich auf Auffälligkeiten des
Gegenwartsdeutschen, die trotz der jüngeren Tendenz zum Rückgriff auf die
Grammatikalisierungstheorie (vgl. bspw. Auer/Günthner 2003 und Gohl/Günthner
1999) mit Ausnahme von Selting (1999) nicht auch in ihrer historischen Entwicklung untersucht werden. Im gegenwärtigen Deutsch nicht mehr vorhandene gesprochensprachliche Muster sind dadurch nicht ins Blickfeld des Forschungsinteresses geraten.
Ad 2: Der gelegentliche Verweis auf den HSK-Überblick zur Syntax des Neuhochdeutschen von Vilmos Ágel hat erkennen lassen, dass einige der Kandidaten bereits Gegenstände der Sprachgeschichtsforschung sind. So findet bspw. das, was
hier als ‚aggregative Nominalgruppenflexion‘ bezeichnet wird, als ‚Polyflexion‘
Eingang
in
die
Frühneuhochdeutsche
Grammatik
(E-
bert/Reichmann/Solms/Wegera 1993: 195); die ‚aggregative Negation‘ wird sowohl dort als auch in der Mittelhochdeutschen Grammatik als ‚Häufung von Negationen‘
bezeichnet
(Ebert/Reichmann/Solms/Wegera
1993:
427f.;
Paul/Moser/Schröbler 1975: 407). In Bezug auf das aggregative Verhalten von
Subjunktoren ist in der Mittelhochdeutschen Grammatik von „Überschneidungen
oder, an den Maßstäben der Logik gemessen, Unstimmigkeiten“ die Rede
(Paul/Moser/Schröbler 1975: 420). Ich greife diese Phänomene hier dennoch erneut auf, weil ich meine, dass eine Betrachtung der Phänomene als Merkmale historischer Nähesprachlichkeit neues Licht auf diese wirft.
3
Ziel der Arbeit
Wie bereits deutlich geworden sein dürfte, besteht das zentrale Anliegen der geplanten Arbeit darin, einen Beitrag zur Systematisierung der Erforschung historischer Mündlichkeit zu leisten. Der Schwerpunkt soll dabei auf der Begründung
historischer Nähesprachlichkeit und ihrer Abgrenzung zu universaler Nähesprachlichkeit liegen. Der Arbeit liegen folgende Thesen zu Grunde:
11
Teilthese 1:
Teilthese 2:
Innere Konstante:
Äußere Konstante:
Umgekehrt proportional verlaufende
Zunehmende Bedeutung der Schrift-
Entwicklung von zunehmender Integra-
lichkeit im Leben der Sprachteilhaber
tion und abnehmender Aggregation
= Verschriftlichung des Sprechens
= Verschriftlichung des Lebens
(im Sinne von Koch/Oesterreicher
(im Sinne von Erben 1970 und Besch
1994)
1980)
Hauptthese: Die innere Konstante ist bedingt durch die äußere
Konstante
Die These der Abhängigkeit der inneren von der äußeren Konstante setzt als Teilthesen die Annahme der inneren und äußeren Konstante voraus. Aus den Teilthesen ergeben sich folgende Arbeitsaufgaben:
Indizien für Abnahme an Aggregation
und Zunahme an Integration = Überprüfung der Hypothesen zu Kandidaten
historischer Nähesprachlichkeit (vgl.
Kapitel 2.2)
Indizien für Zunahme der Bedeutung
der Schriftlichkeit (Alphabetisierung,
Textsortenspektrum, Anzahl der Printmedien)
Mit der Annahme einer inneren und äußeren Konstante knüpfe ich an die Modellierung von Konstanten und Inkonstanten der deutschen Sprachgeschichte durch
Stefan Sonderegger an (1979: 219ff.). Auf diese Weise lässt sich m. E. gut die
Doppelperspektivik des Ansatzes erfassen (dazu weiter unten). Zwar findet sich
bei Sonderegger kein direkter Hinweis auf die kontinuierliche Zunahme integrativer, distanzsprachlicher syntaktischer Muster, einschlägig ist allerdings Sondereggers fünfte äußere Konstante „umgekehrt proportional verlaufende Entwicklung von Mundarten und Schreibsprachen bzw. Schriftsprache“ (1979: 230f.):
Umgekehrt proportional ist die Entwicklung, weil dem sich ständig vergrößernden Anteil und Einfluß des schreib- oder schriftsprachlichen Bereichs
in der Geschichte der deutschen Sprache ein sich zunehmend vermindernder Anteil und Einfluss des mundartlichen Bereichs bis zur Gegenwart entgegensteht. (Sonderegger: 1979: 230)
Ich gehe nun davon aus, dass dem „sich ständig vergrößernden Anteil und Einfluß
des schreib- oder schriftsprachlichen Bereichs“ nicht nur eine Abnahme der Rolle
der Mundarten gegenüber steht, sondern auch eine überregional wirkende Abnahme nähesprachlicher Strukturen. Die von Koch/Oesterreicher modellierte Varietätenkette (1994: 595) macht einen solchen Zusammenhang durchaus wahrscheinlich. Da im Mittelpunkt der geplanten Arbeit die Nähe-Distanz-Dimension
12
des Varietätenspektrums steht und nicht die diatopische Variation, übernehme ich
zwar nicht Sondereggers Formulierung der äußeren Konstante. Die Annahme einer umgekehrt proportional verlaufenden Entwicklung war jedoch modellgebend
für meine Formulierung der inneren Konstante: Umgekehrt proportional ist die
Entwicklung, weil die Zunahme von integrativen Strukturen die Abnahme aggregativer Strukturen befördert.
Die Zunahme der integrativen Sprachstrukturierung hängt höchstwahrscheinlich
mit der Verschriftlichung im Sinne von Koch/Oesterreicher (1994: 587) zusammen: „Die rein mediale Umsetzung vom phonischen ins graphische Medium bezeichnen wir als Verschriftung. Ihr steht die Verschriftlichung gegenüber, die rein
konzeptionelle Verschiebungen in Richtung Schriftlichkeit meint […]“ (ebd.).
Verschriftlichung wirkt auf die Mündlichkeit zurück, indem sekundäre, verschriftlichte Literalität „literoralisiert“ wird (Ágel 2005: 103f.):
In entwickelten Schriftkulturen, wo die Quelle gesprochener Äußerungen
nicht mehr nur die gesprochene Sprache (der sekundären Oralität), sondern auch die Schriftsprache ist, lassen sich Prozesse der Reorganisierung
von Oralität diagnostizieren, die eine neue Qualität von Oralität darstellen.
Es ist diese ‚Literoralisierung‘, die m. E. die sekundäre in die tertiäre Oralität überführt. Das Ergebnis ist literoralisiertes Nähesprechen. (Ágel 2005:
104)
Ich werde die These vertreten, dass sich Literoralisierung im Ausbau integrativer
und Abbau aggregativer Strukturen manifestiert. Dabei spreche ich von ‚Verschriftlichung des Sprechens‘, um dieser die mit der äußeren Konstante verbundene
‚Verschriftlichung
des
Lebens‘
gegenüberzustellen:
Von
einer
„Ver-
schriftlichung des Lebens“ sprechen Johannes Erben (1970: 396), Werner Besch
(1980: 590) sowie Ernst Bremer (1985: 1384) in Bezug auf das Frühneuhochdeutsche und meinen damit die Erschließung „neue[r] funktionale[r] Bereiche und soziale[r] Gruppen“ durch die Schriftlichkeit (Bremer 1985: 1384), die
Ausbildung einer „Opposition ‚geschrieben – gesprochen‘“ für eine große Zahl von
Deutschsprechenden (Besch 1980: 590) sowie die durch den Buchdruck geförderte Zunahme an Schriftstücken (Erben 1970: 396). Ich verstehe ‚Verschriftlichung des Lebens‘ zunächst als sprachstufenunabhängigen Oberbegriff für
die zunehmende Bedeutung der Schriftlichkeit im Leben der Sprachteilhaber. Der
Nachweis der äußeren Konstante soll allerdings lediglich einen Erklärungshintergrund für die innere Konstante bieten.
4
Arbeits- und Zeitplan
Die weitere Arbeit wird auf 2 ½ Jahre konzipiert, die in Halbjahresschritte unterteilt werden. Im Folgenden werden die Schwerpunktsetzungen der Halbjahresschritte erläutert.
Arbeits-
Halb-
schritt
jahr
1
1
Zeitraum
Schwerpunktsetzung
Sept 06 – Feb 07
Äußere Konstante
13
2
2
März – Aug 07
Korpusbeschaffung
3
3-4
Sept 07-Aug 08
Innere Konstante
4
5
Sept 08 – Feb 09
Engführung von innerer und äußerer
Konstante
Arbeitsschritt 1: Äußere Konstante
Wie in Kapitel 3 bereits ausgeführt wurde, ist das Teilziel des Nachweises der äußeren Konstante dem Teilziel, die innere Konstante nachzuweisen, untergeordnet.
Deshalb wird ein geringerer Zeitrahmen für die äußere Konstante veranschlagt.
Arbeitsschritt 2: Erweiterung der Korpora
Der Zusammenstellung der Korpora muss besondere Aufmerksamkeit gewidmet
werden, da diese eine dreifache Funktion erfüllen sollen:
1.
2.
3.
Nachweisfunktion: Überprüfung der Kandidaten historischer Nähesprachlichkeit durch umfangreichere Korpora;
Kontrollfunktion 1: Abgrenzung historischer und universaler Nähemerkmale;
Kontrollfunktion 2: Abgrenzung historischer und regionaler Nähemerkmale.
Ad 1: Die hier in 2.2 als Vorarbeit beschriebene Analyse von je einem Quellentext
der Zeitabschnitte I-VI hatte lediglich die Funktion der Ermittlung von Kandidaten
historischer Nähesprachlichkeit. Für die Bearbeitung der für die einzelnen Kandidaten aufgestellten Hypothesen muss das Korpus erheblich erweitert werden.
Ad 2: Das Korpus soll den Zeitraum von 1650-2000 umfassen und somit bis an
die Gegenwartssprache heranreichen. Insofern kann das Korpus gleichzeitig die
Kontrollfunktion der Abgrenzung historischer und universaler Nähesprachlichkeit
übernehmen: Auch im Gegenwartsdeutschen nachgewiesene Merkmale wären
keine historischen Nähemerkmale oder höchstens sekundäre Merkmale im in 2.2
beschriebenen Sinne.
Ad 3: Es wurde auch bereits darauf hingewiesen, dass neben dem vollständigen
bzw. partiellen Abbau nähesprachlicher Merkmale auch mit einer regionalen Einschränkung von Merkmalen gerechnet werden muss. Um diese Möglichkeit bei
den Analysen berücksichtigen zu können, sollen bei der Korpuszusammenstellung
auch regionale Kriterien berücksichtigt werden. Deshalb sollen die Korpora
gleichmäßig auf die drei großen Dialekträume verteilt werden.
Angestrebt wird ein Gesamtumfang des Korpus von 42 Texten, das sich aus je
zwei Texten je Dialektgroßraum für jeden Zeitabschnitt zusammensetzt:
14
Oberdeutsch
Mitteldeutsch
Niederdeutsch
Gesamt
I: 1650-1700
2 Texte
2 Texte
2 Texte
6 Texte
II: 1700-1750
2 Texte
2 Texte
2 Texte
6 Texte
III: 1750-1800
2 Texte
2 Texte
2 Texte
6 Texte
IV: 1800-1850
2 Texte
2 Texte
2 Texte
6 Texte
V: 1850-1900
2 Texte
2 Texte
2 Texte
6 Texte
VI: 1900-1950
2 Texte
2 Texte
2 Texte
6 Texte
VII: 1950-2000
2 Texte
2 Texte
2 Texte
6 Texte
Gesamt
14 Texte
14 Texte
14 Texte
42 Texte
Bei einem Durchschnittswert von 12000 Wortformen pro Text ergibt sich ein Gesamtumfang von 504000 Wortformen.
Arbeitsschritt 3: Innere Konstante
Mit Arbeitsschritt 3 sind die folgenden inhaltlichen Arbeitsschritte verbunden:
1.
2.
3.
4.
5.
Nachweis der Kandidaten als Merkmale historischer Nähesprachlichkeit;
Abgrenzung der Kandidaten von Merkmalen universaler Nähesprachlichkeit;
Abgrenzung der Kandidaten von regionalen Merkmalen;
Sortierung der historischen Nähemerkmale in primäre und sekundäre;
Schwerpunktsetzung auf ausgewählte primäre Merkmale historischer Nähesprachlichkeit.
Die Notwendigkeit der Arbeitsschritte 1-4 dürfte durch die bisherigen Ausführungen bereits deutlich geworden sein. Mit Arbeitsschritt 5 ist Folgendes gemeint:
Prinzipiell können die als historische Nähemerkmale bestätigten Phänomene
quantitativ und qualitativ analysiert werden. Unter einer quantitativen Analyse
verstehe ich die statistische Auswertung der Verteilung der Merkmale auf die sieben Zeitabschnitte und die drei Dialektgroßräume. Mit ‚qualitativer Analyse‘ meine
ich eine Analyse ausgewählter Phänomene, bei der eine Subtypisierung des jeweiligen Phänomens angestrebt wird, so dass präzisere Aussagen über das Verhalten
der Subtypen bezüglich historischer vs. universaler Nähesprachlichkeit möglich
werden. Auf dieser Grundlage kann der Frage nachgegangen werden, wie es dazu
kommt, dass einzelne Subtypen abgebaut werden und andere nicht. Während eine quantitative Analyse für alle Merkmale angestrebt wird, muss die qualitative
Analyse auf ausgewählte Phänomene beschränkt werden.
In methodischer Hinsicht ergeben sich für die Arbeiten zur inneren Konstante die
folgenden Arbeitsschritte:
1. Manuelle Analyse der Korpustexte;
2. Zuweisung der Merkmale mit Hilfe einer Annotationsmaske;
3. Zusammenstellung von Beleglisten und Statistiken.
15
Durch die Annotation soll das Korpus zu einem texttechnologischen Korpus gemacht werden (vgl. Sasaki/Witt 2004: 195). Unter ‚Annotation‘, auch ‚Markup‘oder ‚Textauszeichnung‘ genannt, wird die „Einführung von Markierungen in
einen Text verstanden, auf Grund derer die auf diese Weise ausgezeichneten
Textteile in spezieller Weise verarbeitet werden können“ (Lobin 2004: 51). Für
eine solche Annotation benötigt man eine Annotationsmaske, d. h. einen Editor,
in den die Quellentexte eingestellt werden können und der die Voraussetzungen
für die Zuweisung der Merkmale in den Quellentexten bereitstellt. Die Erstellung
einer solchen Annotationsmaske plane ich beim Trierer Kompetenzzentrum für
elektronische Publikations- und Erschließungsverfahren in den Geisteswissenschaften in Auftrag zu geben. Die prinzipielle Möglichkeit eines solchen Auftrags
habe ich bereits mit der Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums, Frau Dr.
Andrea Rapp, abgesprochen.
Eine Annotation der Merkmale halte ich deshalb für sinnvoll, weil bei entsprechender Aufarbeitung der Annotationen für die Anwendung die Beleglisten und
Statistiken automatisch erstellt werden können, was eine erhebliche Erleichterung
der empirischen Arbeiten darstellt. Außerdem können die annotierten Korpora in
Form einer Online-Veröffentlichung der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht und auf diese Weise auch für weiterführende Analysen bereitgestellt
werden.
Arbeitsschritt 4: Engführung von innerer und äußerer Konstante
Mit Hilfe der Ergebnisse der Analysen zur inneren Konstante und der Zusammenstellung der Indizien für die äußere Konstante soll abschließend versucht werden,
die historisch-kulturelle Bedingtheit des Abbaus nähesprachlicher Merkmale zu
systematisieren. Genauere Angaben können dazu zum gegenwärtigen Zeitpunkt
noch nicht gemacht werden, da die Art und Weise der Systematisierung des Zusammenhangs der äußeren und inneren Konstante von den Ergebnissen zu den
Teilthesen abhängen wird.
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20
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