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Leben. Wie gelingt es? - Miteinander

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WELT UND
GEISTLICHE BERUFUNG
3
Priester werden im
Heiligen Land
Gespräch mit Rektor
Louis Hazboun
5
„Das Fenster in die
Weltkirche öffnen“
Porträt von Bernhard Ruf
7
Frischluft für
die Kirche
P. Martin Leitgöb zum
Zweiten Vatikanum
8
Leben.
Wie gelingt es?
Gastkommentar von
Matthias Beck
10
Was ist ein
Katholikenanwalt?
11
Auf Herbergssuche
Pfarre als Gemeinschaft
13
Das Geheimnis
von 1 + 1 + 1 = 1
Trinitätsbilder
14
Weihnachten mit
Alleingelassenen
16
16
Alles nur Theater?
18
„Endlich“
Propädeutiker!
19
Wo sich
Wege treffen …
Neuer Wein
in neue Schläuche
aus der Erzdiözese Wien
Nr. 12 • 2012
Dezember
Jahrgang 84
Leben.
Wie gelingt es?
12/2012
2012 – 2013
CHEFREDAKTION
Unter positivem Vorzeichen
2 In einem Kirchenlied zur Jahreswende preisen wir Gott als Sonne der Gerechtigkeit.
Wenn wir Christen zur Zeit der Wintersonnenwende Weihnachten feiern, tun wir das in der
Überzeugung, dass Gott alle Dunkelheit erhellt. Er hat die Welt nicht nur geschaffen,
sondern den Schrei seiner Geschöpfe nach
Erlösung gehört. Im Kind von Bethlehem ist
er als Retter und Befreier zu uns gekommen.
Seit er als gütiger und menschenfreundlicher
Gott über die Erde gegangen ist, hat unser
Leben ein positives Vorzeichen bekommen.
Seitdem ist und wird jedes Jahr ein gesegnetes Jahr – auch das Jahr 2013, was immer es
uns bringen mag.
Advent- und
Weihnachtsbotschaft
Christus ist unser Weg in Freud und Leid. Er
ist uns in jenen Stunden besonders nahe, in
denen wir es vielleicht am wenigsten vermuten. Ihm können wir trauen, weil er uns zum
Ursprung und Ziel unseres Lebens führt. Er
ist unser Bruder geworden. Er lebt mitten unter uns – wie ein leuchtender Stern und Bote
jenes Schöpfungsmorgens, der keinen Untergang mehr kennt.
Ein neues Jahr
An der Schwelle zu einem neuen Jahr dankt
das Canisiuswerk Ihnen allen: den Leserinnen und Lesern von miteinander, den Spenderinnen und Förderern für ihre Treue, für
das Gebet und die finanziellen Mittel, mit denen sie unsere Aktivitäten im vergangenen
Jahr unterstützt haben und unterstützen.
Zehn Jahre, bis zu seinem Tod Anfang 2012,
hat Prälat Wilhelm Müller die miteinanderRedaktion geleitet und die Zeitschrift durch
seine Leit-Gedanken auch geprägt. In einem
Erinnerungsbuch soll die „Botschaft seines Lebens“ einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Mit Beginn des neuen Jahres wird Dr. Henning Klingen als Chefredakteur die Redaktionsleitung übernehmen. Wir freuen uns auf
eine gute Zusammenarbeit und wünschen ihm
viele interessante Ideen. Unserem miteinander
wünschen wir eine gute Zukunft!
Gesegnete Weihnachten und ein glückliches
neues Jahr
Mag. Franz Schrittwieser
Geschäftsführender Vizepräsident
des Canisiuswerkes
Lobpreiset all zu dieser Zeit, wo Sonn und Jahr sich wendet,
die Sonne der Gerechtigkeit, die alle Nacht geendet.
Dem Herrn, der Tag und Jahr geschenkt, der unser Leben trägt und lenkt,
sei Dank und Lob gesungen.
Gotteslob, Katholisches Gebet- und Gesangbuch, Nr. 158
Mit dem Gesicht
zur Welt
Nur wer vom Menschen
„recht“ spricht, spricht
auch von Gott „recht“.
Wie kein anderer Satz
ist mir diese „Lehre“ des
Studiums zu einem Leitmotiv meines Lebens,
Glaubens und journalistischen Arbeitens geworden. Ein hoher Anspruch, dem man gewiss nur selten gerecht
wird. Zugleich möchte ich ihn dieser ersten
Vorstellung meiner Person voranstellen, da
er mir auch im miteinander zukünftig Fahrplan, Maßstab und Grundwert sein soll. Denn
letztlich war und ist es diese Spannung, die
mich zur Theologie ebenso trieb wie zum Journalismus.
Mein Name ist Henning Klingen, ich habe in
Münster katholische Theologie, Germanistik
und Philosophie studiert und schließlich in
Erfurt in Theologie promoviert. Flankiert von
Praktika in Verlagen, bei Zeitschriften und
Sendern befasste ich mich in meiner Dissertation entsprechend mit dem Verhältnis von
Theologie und Öffentlichkeit – coram deo, coram publico. Seit neun Jahren lebe ich – ursprünglich vom Niederrhein stammend – mittlerweile in Österreich, seit sechs Jahren arbeite ich hier als Redakteur der Katholischen
Presseagentur „Kathpress“ und freiberuflich
für Zeitschriften wie die „Furche“, „Christ in
der Gegenwart“ und andere.
Die Chefredaktion von miteinander zu übernehmen, ist mir Ehre, Bürde und natürlich
große Freude zugleich. Ehre angesichts der
traditionsreichen Geschichte des Blattes, seiner prominenten Autoren und Chefredakteure; Bürde zugleich angesichts des großen
Vertrauensvorschusses, von dem ich durch die
Herausgeber an diese neue Aufgabe und Herausforderung herangeführt wurde: die Weiterentwicklung und sanfte Modernisierung
dieses wichtigsten medialen Organs der Berufungspastoral in Österreich. Und zwar mit
dem Gesicht zur Welt, mit dem Herzen zu
Gott – und mit ganzer Kraft für den Menschen.
Henning Klingen ■
12/2012
IM INTERVIEW
Priester werden im Heiligen Land
Ein Gespräch mit Louis Hazboun, Rektor des
Priesterseminars in Beit Jala
Im Jahre 1847 erlaubte das Osmanische Reich
der katholischen Kirche, ihre Hierarchie in Palästina neu zu errichten. Der erste Patriarch
Joseph Valerga (1847 – 1872) gründete viele
Pfarreien im Heiligen Land, die erste in Beit
Jala. 1857 verlegte er das zuvor in Jerusalem
bestehende Seminar nach Beit Jala. Seither
werden hier die Priester für das Lateinische
Patriarchat, das Palästina, Israel, Jordanien
und Zypern umfasst, ausgebildet.
In dem weithin sichtbaren Gebäude sind das
Kleine und das Große Seminar untergebracht.
Im Kleinen Seminar studieren Schüler ab dem
■ Herr Rektor, Sie haben im Großen Seminar
etwa 30 Seminaristen. Genügt diese Zahl für die
Diözese?
! Sie ist hoch genug, denn die Zahl der Katholiken des Lateinischen (Römischen) Ritus
in der gesamten Diözese liegt bei ungefähr
70.000. Wir haben jedes Jahr zwei oder drei
Priesterweihen. Gott sei Dank sind wir mit
Seminaristen gesegnet.
■ War die Zahl früher höher?
! Im Großen Seminar war die Zahl gleich,
ungefähr 30. Im Kleinen Seminar ist die Zahl
heute geringer, aber nicht wegen einer geringeren Zahl an Berufungen, sondern aufgrund
der gegenwärtigen politischen Lage: Wir haben viele Grenzen. Die Schüler brauchen ein
Visum, das sie nur schwer bekommen. Deshalb lassen nicht alle Eltern ihre Kinder von
Jordanien hierher kommen. Und sie sehen ihre Kinder dann nur zu Weihnachten und zu
Ostern.
■ Und die Seminaristen vom Großen Seminar?
! Wenn sie wollen, bekommen sie leicht ein
Visum und können kommen und gehen. Aber
für die palästinensischen Seminaristen aus Israel ist es schwer, eine Erlaubnis zu bekommen, obwohl Jerusalem nur zehn Minuten entfernt ist.
■ Haben Sie auch Seminaristen aus anderen
Ländern?
! Jetzt haben wir einen Seminaristen aus
Syrien, aber er erhielt nicht die Erlaubnis zu
kommen. Er studiert deshalb für unsere Diözese in Lugano in der Schweiz. Wir haben einen Seminaristen aus San Francisco, dessen
Mutter von hier stammt. Sein Vater ist Amerikaner. Er kam hierher zum Studium, weil
viele unserer Christen ausgewandert sind,
weshalb der Patriarch drei Priester nach Amerika gesandt hat, damit sie sich um diese
Christen kümmern. Er wird nach der Priesterweihe in die USA zurückkehren.
➔➔➔
Der Ausbildungsweg der Priesterseminaristen in Beit Jala gleicht,
mit Ausnahme des Französischstudiums, jenem bei uns.
Louis Hazboun, Rektor des Priesterseminars in
Beit Jala, nahe Jerusalem
14. Lebensjahr bis zur Matura. Jedes Jahr beginnen etwa 50 Schüler, die aus Jordanien,
Palästina und etwa zur Hälfte aus der Umgebung von Beit Jala kommen.
Das Große Seminar hat drei Abteilungen:
das Propädeutikum (1 Jahr) und Französisch
(1 Jahr), die Philosophie (2 Jahre), die Theologie (4 Jahre), wobei zwischen dem 3. und
4. Jahr das Pastoraljahr in einer Pfarrei der
Diözese eingeschaltet wird.
3
12/2012
IM INTERVIEW
4
■ Müssen die Seminaristen nicht auch liturgische Dienste in Jerusalem verrichten?
! Ja, bei den Feiern des Patriarchen: Zu Weihnachten sind sie in Bethlehem, während der
Heiligen Woche und zu Ostern in Jerusalem.
■ Mit Ausnahme des Französischstudiums verläuft der Bildungsweg analog zu unserem. Bieten Sie aufgrund der besonderen Situation auch
eigene Studien an, etwa für den Dialog mit Muslimen und Juden?
! In unserem Seminar haben wir einen Kurs
für Islamistik und einen für Judaistik. Das
Glasfenster in der
Seminarkapelle in Beit Jala
Ziel dieser Kurse ist der Dialog mit den Muslimen und den Juden. Mit Muslimen haben
wir jeden Tag den Dialog, denn wir leben miteinander. Wir sind in unseren Schulen und bei
der Arbeit zusammen, z. B. unser Koch hier
im Seminar ist ein Muslim. – Wir haben aber
keinen Dialog mit den Juden, denn es ist für
sie verboten, hierher zu kommen. Und wir
können nicht leicht zu ihnen nach Jerusalem.
Vor der Intifada luden wir für gewöhnlich eine Gruppe von Religionsstudenten von der jüdischen Gemeinde ein. Sie kamen zu uns ins
Seminar und trafen sich mit unseren Seminaristen. Und wir machten einen Gegenbesuch.
Meist luden sie uns zum Passahfest ein. Aber
seit der Intifada ist das alles vorbei.
■ Hoffen Sie, dass die Probleme zwischen den
beiden Völkern, den Israelis und den Palästinensern, bald gelöst werden?
! Wir hoffen. Ein Beispiel: Ich wurde 1948
geboren – im Jahr des ersten Krieges zwischen den Israelis und den Palästinensern.
Und seither sagen wir jedes Jahr: „Wir hoffen
nächstes Jahr.“ Jetzt bin ich 64, und ich sehe
keinen Frieden. Ich hoffe, ich kann ihn doch
einmal erleben.
■ Möchten Sie den Lesern von miteinander ein
Wort sagen?
! Ich danke Ihnen für alles, was Sie für die
Christen im Orient tun. Ich bitte Sie, zu kommen und uns zu besuchen. Wir sind eine Min-
derheit. Manchmal fühlen wir uns allein gelassen, fühlen uns schwach. Aber wenn wir
unsere Freunde aus der ganzen Welt ins Heilige Land kommen sehen, besonders wenn sie
die lebendige Kirche – ich meine das Volk, die
Pfarreien und Institutionen – besuchen, fühlen wir uns stark und miteinander verbunden.
Und das hilft uns, hier zu bleiben – trotz aller
Schwierigkeiten.
Das Gespräch führte Hans Hollerweger.
■
Priesterseminar
des Lateinischen Patriarchats
in Beit Jala
Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, seit 2008 Erzbischof Fouad Twal,
ist das Oberhaupt der römischen Katholiken in Israel, den Palästinensergebieten, Jordanien und Zypern. 1852
wurde in Jerusalem ein Priesterseminar für das Patriarchat gegründet. Fünf
Jahre später wurde es nach Beit Jala,
etwa 10 Kilometer südlich von Jerusalem, verlegt, wo es seit 1936 dauerhaft
angesiedelt ist. Seit seinem Bestehen
hat das Seminar über 260 Priester ausgebildet, aus denen zwölf Bischöfe und
drei Patriarchen hervorgegangen sind.
HINWEIS
„Licht für Bethlehem“
Die „Initiative Christlicher Orient“ bietet wieder
Olivenholzarbeiten an, um die Christen in Bethlehem zu unterstützen. Bedingt durch die errichtete Mauer ist die Arbeitslosigkeit in Bethlehem
nach wie vor groß. Vom etwas angewachsenen
Tourismus profitiert nur ein Teil der Einwohner.
Besonders kinderreiche Familien leiden unter den
schwierigen Verhältnissen.
Das Canisiuswerk unterstützt daher die „Initiative Christlicher Orient“ durch den Verkauf von
direkt in Bethlehem hergestellten Olivenholzarbeiten. Sie können damit den Christbaum oder die
Krippe schmücken, Pakete verzieren oder sie als
kleine Geschenke verwenden. Mit dem Erlös helfen Sie unmittelbar den Olivenholzarbeitern.
Die „Initiative Christlicher Orient“ bietet eine
Reihe von Motiven an.
Information und Bestellungen bei:
Initiative Christlicher Orient
Friedensplatz 2, 4020 Linz
0732/77 35 78
info.ico@aon.at
www.christlicher-orient.at
Alle Olivenholzmotive können Sie bis
21. Dezember auch im Begegnungszentrum
Quo vadis? einsehen, die kleineren und einige
größere können Sie hier erwerben:
Quo vadis?
Stephansplatz 6, Zwettlerhof, 1010 Wien
Montag bis Freitag, 10.00 bis 16.00 Uhr
12/2012
PORTRÄT
„Das Fenster
in die Weltkirche öffnen“
Als „Padre Bernardo“ wirkte er 24 Jahre in
Ecuador als Priester. In Österreich kommen
Bernhard Ruf die Auslandserfahrungen in seiner pastoralen Arbeit zugute: in der Krankenhausseelsorge wie auch im Referat für Mission und Entwicklung der Erzdiözese Wien.
Viele Hilferufe erreichen den Leiter des Referats für Mission und Entwicklung, Bernhard
Ruf, und seine Mitarbeiter. Aus Afrika oder
von den Philippinen wenden sich Menschen
an das Wiener Büro und suchen um Unterstützung für Bau- oder pastorale Projekte
an. Bernhard Ruf kennt die materielle und
geistige Not, die Menschen in den „Ländern
des Südens“ zu den Ansuchen antreibt, aus
erster Hand. Er selbst war 24 Jahre in Ecuador. So weiß er auch, was die 45 Priester, Ordensschwestern und Laien, die zurzeit aus
der Erzdiözese Wien als „Missionare“ in der
ganzen Welt sind, brauchen: „Mir geht es vor
allem darum, den Kontakt zu unseren Missionaren aufrechtzuerhalten.“ Da hilft auch
schon ein kleiner Gruß zu Weihnachten, „damit sie sich nicht alleine fühlen“.
„Mädchen für alles“
Wenn sich der gebürtige Niederösterreicher
an seine Zeit in der Diözese Guayaquil in Ecuador erinnert, kommt Fernweh (oder eigentlich Heimweh) in ihm auf. Vor 28 Jahren ist
Bernhard Ruf als junger Priester nach San
Francisco in Ecuador gekommen. Nach der
Priesterweihe und den ersten Jahren als Priester in Wien musste Ruf dort nicht nur erst
lernen, worin die Unterschiede in der pastoralen Arbeit liegen. Er musste sich auch die
Sprache aneignen. Neu in Ecuador wurde der
damals 30-Jährige gleich zum Beichte-Hören
eingeteilt: „Die Leute haben natürlich sofort
gemerkt: ,Der kann kein Spanisch.‘“ Und so
war die Schlange vor seinem Beichtstuhl sehr
lang.
Bernhard Ruf zieht die Werkbank dem Schreibtisch vor. Sein aktuelles Projekt: ein Vogelhäuschen
Aber nicht nur die Sprache, die Ruf schnell
erlernen konnte, war anders. „Der Unterschied
ist enorm“, erzählt Ruf. Während es in Österreichs Diözesen Finanzkammern, Schul-,
Bau- sowie Pastoralämter gibt, war Ruf in
Ecuador „Mädchen für alles“. Die Aufgaben
reichten da vom Erstellen von Behelfen für
die Firmvorbereitung bis zur Organisation der
Kirchenbaufinanzierung. Den Hang zum „Perfektionismus“ und Leistungsdruck, wie man
es in Europa kennt, hat Ruf in Ecuador nicht
vermisst: „Hier muss der Kantor perfekt singen, und der Lektor darf nicht stottern. Das
fällt in Ecuador weg: Es ist lebendig, und es
passieren auch einmal Fehler.“ Auch wenn
es in dieser Hinsicht einfacher ist, war es nicht
weniger anspruchsvoll, denn „die Menschen
haben ein Gespür, ob der Priester für sie da
ist oder nicht“.
Verantwortung für die
Gesamtkirche
Priester als „Geschenke des Glaubens“ nach
Afrika, Asien und Südamerika zu entsenden,
um dem Priestermangel dort zu begegnen –
dazu rief Papst Pius XII. in den 1950er-Jahren auf. Heute hat sich das Blatt gewendet,
und ein eben solcher Mangel wird auch in
Österreich beklagt. Sollte man es da nicht unterlassen, Priester aus Österreich beispielsweise nach Ecuador zu entsenden? Bernhard
Ruf glaubt nicht. Zum einen sieht er keinen
Priester- als vielmehr einen Seelsorgermangel: „Wir haben Priester. Aber Seelsorger, die
wirklich bei den Menschen sind, die durch
ihr Beispiel Menschen den Weg zeigen, das
fehlt hier.“ Für Bernhard Ruf ist mit der
„Missionsarbeit“ aber ein viel größerer Auftrag verbunden, habe doch jede Teilkirche
➔➔➔
5
12/2012
PORTRÄT
6
Von 2005 bis 2007 war „Padre Bernardo“
Pfarrer im Elendsviertel in Guayaquil.
Noch heute kann er sich über Briefe und
Anrufe freuen, in denen ihm gedankt wird.
Mut machen
➔➔➔
Verantwortung für die Weltkirche. Deswegen
sei es gut, dass auch trotz des Mangels hier
Priester nach Indien oder Afrika gingen. Denn
Ruf ist überzeugt: „Sie helfen, dass wir nicht
nur in unserem kleinen Horizont mit unseren
Problemen sind, sondern das Fenster aufmachen in die Weltkirche. Das ist unbezahlbar.“
Vier Priester und vier Laien gehören neben
vielen Ehrenamtlichen dem Team der katholischen Krankenhausseelsorge im Allgemeinen Krankenhaus Wien an. Die Arbeit im größten Krankenhaus Europas ist alles andere
als einfach. Als Seelsorger begegnet Ruf dort
oft Menschen in den bittersten Momenten
ihres Lebens – wenn Eltern beispielsweise
eine Fehlgeburt erleben mussten. „Dann ist
es meist schon hilfreich, wenn man für sie da
ist“, erzählt Ruf. Gegen die Belastung, die
bei solchen Einsätzen für die Seelsorger entsteht, hilft es oft schon, wenn Menschen auf
sie zukommen und sich einfach bedanken –
„Das gibt Kraft und Mut.“
Neubeginn
2008 ist Bernhard Ruf wieder nach Österreich zurückgekommen und konnte auf 24
Jahre zurückblicken, die „so intensiv und bereichernd waren wie 50 Jahre hier“, resümiert der heute 58-Jährige. Auch wenn es für
ihn schwer war, loszulassen, konnte er sagen: „Das war schön und gut – und jetzt beginne ich etwas Neues.“ Seine Rückkehr war
allerdings nicht freiwillig. Eine Amputation
beider Beine machte es unmöglich, in Südamerika zu bleiben und weiterzuarbeiten.
Trotz der körperlichen Einschränkung – Ruf
sitzt seither im Rollstuhl – kann „Padre
Bernardo“ auch in Wien als Seelsorger wirken. Neben seiner Tätigkeit im Referat für
Mission und Entwicklung steht Ruf im Stephansdom für Beichte und Aussprache zur
Verfügung. Und zusätzlich arbeitet er in der
Krankenhausseelsorge.
Seit 2008 ergänzt Bernhard Ruf (5. v. vorne)
das Team der katholischen Seelsorge im Wiener AKH.
Mut machen kann aber auch Bernhard Ruf.
Wenn er als Seelsorger im Rollstuhl Patienten besucht, können viele Menschen mit Amputationen sehen, dass man auch ohne Beine
weiterhin aktiv sein kann. In seinem Wirken
als Priester ist Ruf so gut wie gar nicht eingeschränkt. Er kann im Stephansdom wie
auch in der Kapelle im AKH die Messe feiern.
Die Vielfalt unter den Priestern findet Ruf
gut, und er schätzt es, „dass es auch behinderte Priester gibt“. So wie es gesunde, alte, kranke und junge Menschen und Priester gibt, so
gebe es eben auch „behinderte“ Priester wie
ihn.
Daniel Podertschnig
■
12/2012
50 JAHRE ZWEITES VATIKANUM
Frischluft für die Kirche
P. Martin Leitgöb CSsR
Mit brennendem Herzen
„Das war eine aufregende und faszinierende
Zeit“, so hört man bis heute häufig Katholiken und Katholikinnen sagen, die das Zweite
Vatikanische Konzil in bewusster Weise miterlebt haben. Eine besondere Begeisterung
für das Konzil ist vor allem bei Priestern spürbar, die in den 1960er-Jahren Theologie studiert haben oder bereits im pastoralen Dienst
gestanden sind.
Sie erlebten die damaligen Veränderungen
nicht nur mit, sondern versuchten, sie umzusetzen und weiterzuführen. Vieles wurde damals in der konkreten Erfahrung von Kirche
und in der Praxis der Seelsorge neu und anders. Die Kirche erschien nach manchen Erstarrungserscheinungen wieder auf der Höhe
der Gegenwart und in besserem Einklang mit
der Botschaft des Evangeliums.
Mittlerweile ist die Generation jener, welche
die Veränderungen bewusst miterlebt haben,
„Ich will die Fenster aufmachen, damit frische Luft
in die Kirche kommt“, soll Papst Johannes XXIII.
bei der Ankündigung des Zweiten Vatikanischen
Konzils gesagt haben. Ist diese „frische Luft
in der Kirche“ auch für die
Nachkonzilsgeneration spürbar?
P. Martin Leitgöb, Jahrgang 1972, zur Bedeutung
des Konzils aus persönlicher Sicht.
in die Jahre gekommen. Ihre Herzen brennen
immer noch für die Anliegen des Konzils, zugleich sind sie aber bisweilen betrübt oder verärgert, dass der Aufbruch von damals in der
Kirche von heute – ihrer Meinung nach – nicht
mehr genügend Wertschätzung erfährt.
Historisches Ereignis
Für mich ist das Zweite Vatikanische Konzil
zunächst ein historisches Ereignis. Ich wurde 1972 geboren, somit sieben Jahre nachdem die große Kirchenversammlung ihren Abschluss gefunden hatte. In meiner kirchlichen Sozialisation waren die vom Konzil eingeführten Veränderungen bereits eine Selbstverständlichkeit. Während meines Theologiestudiums erfuhr ich manches über den damaligen Wandel und über die bleibende Bedeutung der Konzilsaussagen. Doch sah ich sowohl mich selbst als Christ als auch die Gemeinschaft der Kirche vor neue Herausforderungen gestellt, zu deren Bewältigung das
Konzil nicht zwingend das Instrumentarium
zu bieten schien. Wie mir ging – und geht –
es wohl den meisten Angehörigen meiner Generation. Mein Interesse für das Konzil hat
sich jedoch in den letzten Jahren gesteigert.
Auch wenn ich nicht das Lebens- und Kirchengefühl der Konzilsgeneration teilen kann,
erschließt sich mir zunehmend die Bedeutung
dessen, was da vor fünfzig Jahren passiert
ist.
Nunmehr hat sich dieses Interesse zu einem
kleinen Buch verdichtet, welches vor wenigen Monaten unter dem Titel „Dem Konzil begegnen. Prägende Persönlichkeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils“ erschienen ist.
Manche haben diesbezüglich mit einem gewissen Erstaunen bemerkt, dass sich jemand
wie ich – das heißt aus meiner Generation –
mit dem Konzil beschäftigt. Nun habe ich mich
mit dem Thema erstens deswegen befasst,
weil es mich kirchengeschichtlich interessiert. Doch das allein ist zu wenig. Zweitens
➔➔➔
7
12/2012
50 JAHRE ZWEITES VATIKANUM
ration, sondern auch jeder nachfolgenden Generation gut an, die Aussagen des Konzils zu
studieren und zu berücksichtigen. Die bekannte Aussage von Papst Johannes XXIII., dass
es darum gehe, die Fenster weit zu öffnen,
damit frische Luft in die Kirche eindringe,
hat bis heute Geltungskraft.
8
Das Konzil: Lichtblick für die Kirche?
Lichteinfall durch eine der Kuppeln im Petersdom
➔➔➔
liegt mir am Konzil, und mir liegt daran, dass
das Neue von damals auch heute bewusst
wahrgenommen und aufgegriffen wird.
Frischluft für die heutige Kirche
Von einer Besinnung auf die Aussagen des
Konzils kann die Kirche und können die einzelnen Gemeinden und Gemeinschaften immer noch profitieren. Wir dürfen dieses Erbe
nicht leichtfertig preisgeben oder es in Vergessenheit geraten lassen. In besonderer Weise gilt dies für das Kirchenverständnis (Kirche als Volk Gottes, gemeinsames Priestertum aller Gläubigen), für die Reform der Liturgie, für die Bemühungen um eine tiefgehende Ökumene zwischen den verschiedenen
Konfessionen, für den Weltbezug des Christentums, für die Anerkennung anderer Religionen und nicht zuletzt für das ausdrückliche Bekenntnis zur Religionsfreiheit, worin
sich allgemein eine wertschätzende Haltung
gegenüber anderen Lebensentwürfen ausdrückt. All diese Bereiche sind heute nach
wie vor aktuell, zugleich aber auch gefährdet.
Es steht deshalb nicht nur der Konzilsgene-
Das Konzil ist aber auch als Vorgang von Bedeutung. Es war ein Beispiel für das freie
Wort in der Kirche, welches in unserer Gegenwart genauso notwendig ist wie damals.
Mutig kämpften einzelne Konzilsväter für Veränderungen, welche in dieser Konsequenz zunächst gar nicht geplant waren. Sie ließen
sich dabei in aller Offenheit von den großen
Theologen ihrer Zeit beraten. Zugleich war
man aber auch bemüht, den größtmöglichen
Konsens zu erreichen, der mehr ist als ein
bloßer Kompromiss zwischen einander widerstreitenden Interessen. Es herrschte also
ein intensives Bemühen um Einigkeit, das
wiederum zur Basis hatte, dass die verschiedenen Positionen ausreichend dargelegt werden konnten. Dies war nur möglich, weil man
gemeinsam auf den Heiligen Geist vertraute.
Auch darin ist das Konzil beispielhaft. Es beweist, dass Gott selbst es ist, der sein Volk leitet, und dass wir als Gemeinschaft der Glaubenden Größeres und Besseres erwarten dürfen, als wir selbst es zu planen wagen.
Es würde der heutigen Kirche vor dem Hintergrund all dessen gut tun, könnte sie etwas
von der Kraft von damals neu erfahren. Dazu
aber sollten sich viele in neuer Weise für das
Konzil begeistern.
P. Martin Leitgöb CSsR ■
P. Dr. Martin Leitgöb ist Mitglied der Wiener Provinz
der Redemptoristen und Seelsorger der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Prag.
Buch-Tipp
Anhand von Porträts bedeutender Persönlichkeiten des
Konzils beleuchtet dieser Band das herausragendste
Ereignis in der katholischen Kirche des 20. Jahrhunderts.
Martin Leitgöb, Dem Konzil begegnen.
Prägende Persönlichkeiten des II. Vatikanischen Konzils. Mit einem Vorwort von
Herbert Vorgrimler, Topos, 192 Seiten,
€ 10,20 (ISBN 978-3-8367-0815-9)
Leben.
Moraltheologe
DDr. Matthias Beck
Eine eigenartige Frage. Geht Leben voroder rückwärts? Steht
es still, oder rennt es?
Geht es an mir vorüber
und kann ich es verpassen? Soll Leben gelingen, und wie kann
es gelingen? Viele Fragen.
Leben drängt nach vorne
Geht man an den Anfang zurück, dann
beginnt das neue Menschenleben mit der
Verschmelzung von Samen- und Eizelle. Von
da an geht alles von selbst: Eine Zelle, zwei
Zellen, vier Zellen, acht Zellen. Dann muss
sich der Embryo in die Gebärmutter einnisten, die Nabelschnur ausbilden, um schließlich als Kind geboren zu werden – wird der
Mensch dann vielleicht achtzig Jahre alt.
Leben, das einmal begonnen hat, hört erst
wieder auf, wenn es stirbt (oder man den Embryo tötet). Leben drängt nach vorne und nicht
zurück. Dem „Von-Selbst“ der Embryonalentwicklung gesellt sich schrittweise ein Beziehungsgeschehen zwischen Mutter und Kind
hinzu.
Wachstum
braucht Orient-ierung
Mit der Geburt schaut die Mutter das Kind
an und das Kind die Mutter. Es sieht ein Gegenüber, von dem es angelächelt wird. Die
Blickkontakte sagen etwas darüber aus, ob
die Mutter es annimmt oder ablehnt. Ein Kind,
das geliebt und angenommen ist, wird sich
mit vielem im Leben leichter tun: mit dem
Grundvertrauen, mit der Geborgenheit, mit
der Offenheit anderen Menschen gegenüber.
Zum Wachstumsprozess kommen psychologische Reifungsprozesse im Dialog mit den
Eltern sowie den Mitmenschen hinzu. Dann
geht es um das geistige Wachstum des Lernens, des Verstehens, des Erkennens. Leben
12/2012
GASTKOMMENTAR
Wie geht das? Wie gelingt es?
ist Wachstum: physiologisch, psychologisch,
geistig. Wachstum braucht Licht und Nahrung. Es braucht Orient-ierung (Wendung zum
Licht).
Keine Garantie, aber gute
Voraussetzung
Gelingendes Leben hat auch – nicht nur –
mit diesen ersten Erfahrungen zu tun. Ist
das Kind angenommen und gut eingebunden
in eine Familie, wird es mit vielen Veränderungen besser zurechtkommen, als wenn
es isoliert ist. Das kleine Kind hat viele Fragen. Und diese Fragen sollten ernst genommen werden: Wo ist die Großmutter, wenn
sie gestorben ist? Warum hängt der da am
Kreuz? Was hat er falsch gemacht? Fragen
über Fragen. Später in der Pubertät kommen
ganz andere Fragen hinzu. Die Hormone verändern sich, aus dem Jungen wird ein junger
Mann, aus dem Mädchen eine junge Frau. Die
Absolutheit der Eltern schwindet. Neue Fragen, Umbruch, wohin jetzt? Und woher kommt
Antwort? Die christliche Antwort kommt nicht
aus Büchern, sondern aus dem konkreten Leben eines Menschen. Der Mensch Jesus lebt
das Leben vor mit all seinen Umbrüchen in
Pubertät, Lebensmitte, Sterben: „Ich bin das
Leben.“
So kann auch jeder von uns nur im Hören auf
die Stimme Gottes in seinem Inneren seine
Berufung finden. Dies gilt für den Beruf und
für die zweite große Lebensentscheidung,
nämlich das Finden des richtigen Lebenspartners. Wenn hier gelten soll: Was Gott zusammengeführt hat, soll der Mensch nicht trennen, dann sollte der Mensch etwa ab der Pubertät immer tiefer in sein Gottesverhältnis
hineinwachsen, Gott immer besser „verstehen“ und erkennen, was er von ihm will. So
erkennt der Mensch sich selbst, den anderen
und letztlich auch Gott. Im Kontext der Liebe
(lieben und erkennen sind im Hebräischen ein
Wort) heißt dies: Gottesliebe, Nächstenliebe
und Selbstliebe gehören zusammen. Mit zunehmender Erkenntnis und wachsender Liebe kann der Mensch mehr und mehr „erkennen“, was der Wille Gottes ist. Das ist noch
keine Garantie für eine gelingende Ehe, aber
eine gute Voraussetzung dafür. Es kommen
sowieso viele andere prägende Einflüsse und
Verstellungen hinzu, die den klaren Blick auf
den anderen verhindern. Umso wichtiger ist
die spirituelle Vertiefung mit täglich einer
halben Stunde Stille, mit Gebet, Bibellesen
und geistlicher Literatur.
Und was tut nun dieser Gottmensch in seiner
Pubertät? Er läuft weg, die Eltern suchen ihn
lange und machen ihm Vorwürfe. Ganz normal für Eltern. Er aber reagiert gar nicht darauf, sondern fragt zurück: „Wusstet ihr nicht,
dass ich im Haus meines Vater sein muss?“
Er vollzieht einen ersten „Ausstieg“ aus der
irdischen Familie hinein in seine göttliche
Familie, zu seinem Vater, seinem Ursprung.
Nur von dort her kann er frei werden von
falschen Abhängigkeiten und seine je einmalige Berufung finden. Nur im Hören auf die
Stimme seines göttlichen Vaters findet er seinen Weg.
In der Lebensmitte brechen all diese Fragen,
Verstellungen, Projektionen auf. Hier kommt
alles ans Licht, was der Mensch bisher verdrängt hat: das Dunkle und Schattenhafte.
Damit dieses erlöst werden kann, braucht der
Mensch die Anbindung an Gott. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“. Gott steigt bei
mir in die Unterwelt meiner Schattenseiten
hinab und erlöst sie von dort her. Nur so findet der Mensch seine Ganzheit. So gelingt ein
Leben nicht dadurch, dass es perfekt verläuft (Perfektion kann zu einer großen Kälte führen), sondern dadurch, dass sich der
Antworten aus dem
konkreten Leben
9
Vorbild: göttliches Kind
Ein Kind, das geliebt wird, hat gute Voraussetzungen
für die Bildung jenes Urvertrauens, aus dem es sein
späteres Selbstwertgefühl entwickeln kann.
Mensch seinen positiven und negativen Seiten stellt und sie mit Gottes Hilfe integrieren lernt. Das ist die Armut des Kindes, das
weiß, dass es auf seine Eltern angewiesen
ist. Die Geburt des göttlichen Kindes feiern
wir zu Weihnachten. Unsere Geburt feiern wir
jeden Tag. Das göttliche Kind hat gezeigt,
wie Leben geht.
Matthias Beck
■
DDr. Matthias Beck, Priester der ED Wien, ist Universitätsprofessor für Moraltheologie mit dem Arbeitsschwerpunkt Medizinethik. Er ist Mitglied der österreichischen Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt.
Gastkommentare
geben die Meinung der Autoren wieder.
12/2012
ANGEBOT DER KIRCHE
Was ist ein Katholikenanwa
10
Jeder Kirchenaustritt schmerzt die Gemeinschaft der
Kirche. Mit dem Angebot des Katholikenanwalts ist
die Kirche bestrebt, ihre Türen für alle, die erwägen
zurückzukehren, offenzuhalten.
gischen Fragestellungen und Glaubensfragen
über allgemeine Kritik an der Kirche bis hin
zur Erörterung von Problemen mit der Begleichung des Kirchenbeitrags. Gerade der
letzte Punkt nimmt immer mehr zu. Hier ist
seitens des Katholikenanwalts ein guter Kontakt zum Kirchenbeitragsreferat notwendig.
So gelingt es oft, in Bezug auf die Zahlungsmodalitäten zu vermitteln. Manchmal komme
ich mir als Katholikenanwalt wie ein kirchlicher Steuerberater vor, wenn ich erkläre, welche Einsparungsmöglichkeiten es gibt beziehungsweise welche Unterlagen vorzulegen
sind, damit die Kirchenbeitragseinstufung neu
berechnet werden kann. Und wenn man den
Sinn des Beitrags erklären kann, dann sind
wir wieder beim inhaltlichen Bereich. Die Erfolge sind hier durchaus nachhaltig: Wenn
einmal geholfen werden konnte, dann kommt
es in Zukunft nicht so schnell wieder zu einem Austritt.
Neutraler Gesprächspartner
Ein Austritt aus der Kirche kann heute schnell
bewerkstelligt werden – so schnell, dass man
diesen auch spontan und im Affekt vornehmen kann. Und dann? Manchem wird erst später klar, welcher Schritt gesetzt worden ist
und was er für die Zukunft bedeuten kann.
Widerruf ist möglich
In der Erzdiözese Salzburg ist es üblich, denjenigen, die ausgetreten sind, einen Brief des
Erzbischofs zu schicken. In diesem wird unter anderem darauf hingewiesen, dass der
Schritt, den man gesetzt hat, widerrufen werden kann. Und, was noch wichtiger ist, dass
es jemanden gibt, der zu einem Gespräch über
die Gründe für den Austritt zur Verfügung
steht. Dieses aktive Angebot der Kirche kommt
für viele überraschend – und wird oft angenommen.
Solche Gespräche zu führen, ist – neben den
zuständigen örtlichen Geistlichen – die Aufgabe des „Katholikenanwalts“, der im kirchenamtlichen Sprachgebrauch „Beauftragter
für die Feststellung der Zugehörigkeit zur
römisch-katholischen Kirche“ heißt. Er hat
einen eventuellen Widerruf des Kirchenaustritts zu beurkunden.
Kirchlicher Steuerberater
Kommt es zu einem Gespräch, so reicht die
Bandbreite der Gesprächsinhalte von theolo-
Bei inhaltlichen Gesprächen ist oft eine erschreckende Unkenntnis der Materie festzustellen. Meist wird das „Wissen“ aus den Medien bezogen, wo bekannterweise nicht unbedingt immer eine sorgfältige Recherche
vorliegt. Eine sachliche Darlegung meiner-
Der Salzburger
Katholikenanwalt
Adalbert Stifter:
Schlichter und
Vermittler mit
theologischer
Ausbildung
12/2012
PFARRE ALS GEMEINSCHAFT
lt?
seits verhilft zu einer anderen Sicht und führt
dann mitunter auch zu einem Widerruf des
vorgenommenen Kirchenaustritts. Es wird von
den meisten positiv gesehen, dass sich die
Kirche wirklich mit den Betroffenen und ihren Problemen auseinandersetzt. Schwieriger ist es, klarzumachen, dass manches doch
Zeit braucht – manchmal sehr viel Zeit. Wichtig ist oft, dass der Katholikenanwalt als eine neutrale, nicht ortsgebundene Person gesehen wird, da ein Konflikt mit dem Pfarrer
ja auch zu Austritten führen kann. Bei solchen Gelegenheiten kommt es oft zu intensiven Gesprächen, die wirklich eine pastorale
Dimension haben.
Gesucht: individuelle Lösung
Die Arbeit als Katholikenanwalt führt durch
die gesamte Erzdiözese, das bedeutet durch
das Land Salzburg sowie das Land Tirol bis
zum Zillertal. Und sie führt zu Menschen verschiedenster Art. Die Bandbreite an Emotionen und Motiven, denen ich begegne, geht
von Aggressivität, Interesse, Glaubenssuche
bis zur Verzweiflung, wenn man den vorgeschriebenen Kirchenbeitrag wirklich nicht
mehr leisten kann. Für mich ist die Voraussetzung, dass ich mich für Stundungen oder
gar für eine Reduktion des Beitrags einsetze,
dass ich einen Hausbesuch mache. Abgesehen davon, dass man im Wohnzimmer oder in
der Küche ganz anders sprechen kann als im
Büro, erkennt man hier viel besser die gesamte und insbesondere die finanzielle Situation des Einzelnen oder der Familie. Mir ist
es wichtig, immer eine individuelle Lösung
zu finden. So kann ein Entgegenkommen auch
nicht ausgenützt werden.
Erfreulich ist, und das gibt mir persönlich
sehr viel, dass es Menschen gibt, die noch
nach Jahren immer wieder den Kontakt mit
mir suchen – auch wenn sie wieder in die
Kirche zurückgefunden haben. Hier hat sich
eine Tür aufgetan und das persönliche
Gespräch Früchte getragen.
Adalbert Stifter ■
Auf Herbergssuche
Ein Mann – nennen wir ihn Herrn Kudy – rief
mich in meiner Arbeitsstelle, dem „Referat
für Weltanschauungsfragen“ der Erzdiözese
Wien, an. Er war einige Jahrzehnte Mitglied
einer Glaubensgemeinschaft gewesen. Vor kurzem hatte er sie verlassen. Aufgrund der Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft hatte sich
seine Familie von ihm abgewandt. Und nachdem er ausgetreten war, mieden ihn auch die
langjährigen Glaubensgeschwister. Er fragte,
ob ich ihm helfen könne, wieder Fuß zu fassen.
anzurufen. Die weitere Entwicklung hat
mich beeindruckt. Es ist gelungen, Herrn Kudy die Möglichkeit zu bieten, Teil einer Gemeinschaft zu werden, in die er zum einen
seine Stärken und Fähigkeiten einbringen
kann und in der er zum anderen Halt und
soziale Kontakte findet. In diesem Fall durfte ich ihm eine Tür zeigen, Mitglieder der
Pfarre waren es jedoch, die die Tür zu ihrer
Gemeinschaft öffneten und den Mann einluden, einzutreten.
… öffnet sich
Die Tür …
Derartige Anliegen haben mich schon öfters
in Verlegenheit gebracht. Personen, die aus einer Gruppe mit einem intensiven Glaubensleben austreten, brauchen wieder eine Gemeinschaft, die ihnen durch ihr Entgegenkommen
Sicherheit gibt, ihr Leben von neuem zu ordnen. Dazu ist – aus ganz unterschiedlichen
Gründen – nicht jede Pfarre und Gemeinschaft fähig. Mit bangem Herzen habe ich den
Anrufer gebeten, mir seinen Wohnort zu nennen. Ich versprach, den zuständigen Pfarrer
Die Pfarrgemeinde als Gemeinschaft
der Glaubenden: offen für „Neuzugänge“?
Mein erster Gesprächspartner war der Pfarrer. Dieser hörte mir zu, ließ sich die Telefonnummer geben und rief kurze Zeit später
den Mann an. Die beiden vereinbarten einen
Termin. Der Pfarrer besuchte Herrn Kudy. Sie
sprachen über das Leben von Herrn Kudy
und auch über seine Wünsche. Es folgte eine
Einladung in die Kirche. Herr Kudy war sehr
unsicher, da er manchem Pfarrmitglied von
seiner Tätigkeit bei der früheren Glaubensgemeinschaft bekannt war. Der Pfarrer ließ
nicht locker und wiederholte seine Einladung bei den folgenden Telefonaten.
➔➔➔
11
12/2012
PFARRE ALS GEMEINSCHAFT
Die Pfarrgemeinde:
neben dem Austausch von
Glaubenserfahrungen auch ein Ort,
um Leben zu teilen
12
➔➔➔
Herr Kudy entschied sich für den Besuch einer Wochentagsmesse. Er setzte sich in der
Werktagskapelle in die letzte Reihe. Der Pfarrer lud ihn ein, weiter nach vorne zu kommen. Die dort Sitzenden machten bereitwillig
Platz. So war Herr Kudy nach langer Zeit wieder Teil einer katholischen Gottesdienstgemeinde. Nach der Messe standen die Besucher plaudernd beisammen. Ehe Herr Kudy
sichs versah, wurde er in ein Gespräch verwickelt. Es zeigte sich, dass ihn einige noch
aus der Zeit kannten, als er selbst in dieser
Pfarre aktiv gewesen war.
Gemeinschaft
Herr Kudy hatte sich in seiner alten Glaubensgemeinschaft intensiv mit der Bibel beschäftigt. Daher beschloss er, die Bibelrunde
der Pfarre zu besuchen. Für die „alten“ Besucher der Runde war seine Bibelkenntnis beeindruckend. Er hingegen war erstaunt, dass
die Auslegung so mancher Bibelstelle doch
vielfältiger ist, als er es bis dahin gelernt hatte. Herrn Kudys Besuche des Bibelkreises
waren eine echte Herausforderung, vor allem
für die Pastoralassistentin, die den Kreis leitete. Aber auch für die übrigen Teilnehmer,
weil durch die Fragen und Aussagen von
Herrn Kudy ausgetretene Wege plötzlich verlassen werden mussten und der Abend anders verlief als die Treffen bis dahin. Fragen,
die sich davor niemand mehr gestellt hatte,
brachen neu auf: Wie ist das mit der Dreifal-
tigkeit? Ist Jesus wirklich Gott? Woran zeigt
sich, dass jemand ein echter Christ ist? Die
gegenseitige Offenheit und Bereitschaft, sich
auf den anderen und seinen Zugang zur Bibel
und zum Glauben einzulassen, bewirkte, dass
der Kreis diese Herausforderung gut bewältigte.
Da es einen Seniorenklub in der Pfarre gibt,
ging Herr Kudy auch dort hin. Der Pfarrer
führte ihn ein, und in kurzer Zeit fühlte er
sich sehr wohl. Mit seiner guten Gesangsstimme konnte er nicht nur dort, sondern vor
allem auch in der Kirche, zu so mancher Feier etwas beitragen.
Im Lauf der Zeit entwickelte sich ein sehr
entspanntes Verhältnis zu den Pfarrmitgliedern. Herr Kudy überwand seine Unsicherheit, die anderen nahmen ihn als einen der
ihren auf. Fehlte er, wurde er angerufen. Wenn
jemand etwas benötigt, von dem bekannt ist,
dass er es kann, dann spricht man ihn an.
Herr Kudy freut sich, dass er seine Fähigkeiten und Kenntnisse einsetzen kann, und
er tut es gerne. Sehr berührt war er durch das
gemeinsame Feiern der Hochfeste Weihnachten und Ostern.
Verlust
Nach dem Austritt aus seiner alten Gemeinschaft stand er vor einem Leben, das den
durch diese vorgegebenen Rahmen des Wo-
chen- und Jahresablaufs verloren hatte. Er
hatte jetzt mehr Zeit als vorher. Aber womit
sollte er sie füllen? Mit dem Austritt verlor
er auch seinen Platz und seine Aufgabe in
der Gemeinschaft. Was war jetzt seine Rolle?
Die Lehre und Praxis der Gemeinde hat ihm
vorgegeben, nach welchen Werten er sein Leben gestalten und die Welt messen soll. Wie
sollte er jetzt erkennen, was richtig und falsch
ist?
Gewinn
Mit der Aufnahme in die Pfarrgemeinschaft
wurden viele seiner Fragen beantwortet. Er
traf Menschen, die für ihn offen waren. Jetzt
ist er wieder Teil einer Gemeinschaft mit all
ihren Herausforderungen und Hilfen. Um aufgenommen zu werden, war nicht viel notwendig. Er traf auf einen Pfarrer, der sich etwas
Zeit für ihn nahm. Es hätte nicht der Pfarrer
sein müssen, Herr Kudy hätte sich über jeden und jede andere genauso gefreut. Das
Gespräch zwischen den beiden verlief gut, und
Herr Kudy fasste Zutrauen zu seinem Gesprächspartner. Er überwand seine Angst
und raffte sich auf, die Kirche zu besuchen.
Damit lieferte er sich den Gemeindemitgliedern aus und war davon abhängig, wie sie
auf ihn und seinen Wunsch, Teil der Pfarrgemeinschaft zu werden, reagieren würden.
Er traf Menschen, die ihn nicht unbeachtet
stehen ließen, sondern ihm die Möglichkeit
boten, aktiv am Pfarrleben teilzunehmen. Dieser Prozess erforderte Zeit und von beiden
Seiten den Willen, sich aufeinander einzulassen. Es waren nicht alle Pfarrmitglieder involviert. Das wäre unmöglich, da es ein sehr
persönlicher Prozess ist. Aber Gott sei Dank
kamen zur richtigen Zeit die richtigen Menschen miteinander ins Gespräch.
Johannes Sinabell
■
12/2012
DREIEINIGKEIT
Das Geheimnis von
1+1+1=1
Christen auf der ganzen Welt bekreuzigen sich mit den Worten: „Im
Namen des Vaters, des Sohnes und
des Heiligen Geistes.“ Für viele ein
gewohntes Ritual, mit dem aber zugleich ein für den menschlichen Verstand nicht fassbares Geheimnis bekundet wird: die Drei-Einheit Gottes.
Auch wenn es heißt, Du sollst dir kein Gottesbild machen, noch irgendein Abbild von dem, was
droben im Himmel oder auf der Erde unten oder
im Wasser unter dem Erdboden ist (Ex 20,4),
versuchten durch Jahrhunderte Menschen immer wieder, das Mysterium der göttlichen
Trinität (vergeblich) zu ergründen. Auch der
heilige Augustinus setzte sich in 15 Büchern
(De Trinitate) damit auseinander, um am Ende
festzustellen: Wer jetzt meint, die Drei-Einheit
Gottes verstanden zu haben, soll wissen, dass
das, was er versteht, nicht Gott ist.
Stand im ersten Jahrtausend die gedankliche Auseinandersetzung mit der Drei-Einheit
Gottes im Vordergrund, so begannen sich ab
dem 12. Jahrhundert auch viele Künstler visuell mit dem Thema zu beschäftigen. Die geläufigste Darstellung der Dreifaltigkeit ist jene, die einen alten Mann mit Zepter und Weltkugel sowie einen jungen Mann mit Wundmalen und Kreuz zeigt, zwischen oder über
ihnen eine fliegende Taube. Eine Variante dieser trinitarischen Interpretation vermittelt die
Abbildung einer Marien-Krönung – Vater und
Sohn, über ihnen der Heilige Geist, setzen der
zwischen ihnen knienden Maria die Krone
aufs Haupt.
Andere Gesichter
der Drei-Einheit
Doch es gibt auch andere Darstellungen von
Trinitätsbildern. Die Drei-Einheit wird manchmal in Form von drei Jünglingen, drei Gesichtern beziehungsweise Köpfen wiedergegeben. Der bekannte Liturgiewissenschafter
Philipp Harnoncourt hat sich in seinem hei-
matlichen Umfeld, der Steiermark, auf die
Suche begeben. Neben den traditionellen Darstellungen entdeckte er auch viele ungewöhnliche Dreifaltigkeitsbilder, wie zum Beispiel ein Fresko in der Filialkirche St. Elisabeth in Oberzeiring, die „Drei-Männer-Trinität“ (14. Jahrhundert) zeigend. Oder das Ölbild „Drei-Gesicht“ in der Ulrichskirche in der
Utsch nahe Bruck an der Mur, eine „Volkstümliche Trinität“ (heilige Anna, Maria und Gottvater) in Mitterdorf im Mürztal sowie eine
„Trinitarische Marienkrönung“ in der Grazer
Leechkirche.
Das „Drei-Gesicht“, erweitert zum „Drei-Kopf“,
Ulrichskirche in der Utsch,
Pfarre St. Dionysen-Oberaich, Steiermark
Insgesamt 32 Dreifaltigkeitsbilder hat Harnoncourt auf seinem Weg durch die Steiermark entdeckt. Diese sind in dem Bildband
„ich du wir – Seltene Trinitätsbilder in der
Steiermark“ enthalten. Meditative Texte dazu schrieben u. a. Diözesanbischof Egon Kapellari, Altbischof Johann Weber, Bernhard
Körner, Heinrich Schnuderl ... Anlass für die
Herausgabe dieses Bandes ist aber nicht nur
die Vielfalt der Darstellung von Gottes Dreieinigkeit in Bildern, sondern ein Projekt, das
die sechs Harnoncourt-Geschwister – darun➔➔➔
13
12/2012
DREIEINIGKEIT
ßen sechs wohlhabende Bürger der Stadt
Bruck diesen drei-eckigen Bau als Kapelle errichten, die aus drei gleichrangigen Portalen,
drei gleich großen Fenstern bestand, und in
der sich drei gleichrangige kleine Altäre befanden, die dem Vater, dem Sohn und dem
Heiligen Geist geweiht wurden. Überwölbt
wird der Innenraum von einem Sechs-EckRaum, der von einem heute noch gut erhaltenen Sternrippengewölbe bekrönt wird.
14
Grundriss der Heiligen-Geist-Kapelle,
eines spätgotischen Baujuwels in Bruck an der Mur
➔➔➔
ter auch Dirigent Nikolaus Harnoncourt – damit unterstützen wollen. Es geht um die Rettung der Heiligen-Geist-Kapelle in Bruck an
der Mur.
Symbol für das Gesetz
des Drei-Ecks
Autofahrer auf der unweit vorbeiführenden
Schnellstraße ahnen kaum, an welchem in Europa einzigartigen spätgotischen Baujuwel sie
vorbeibrausen. Zwischen 1494 und 1496 lie-
Die Heiligen-Geist-Kapelle hatte ein wechselvolles Schicksal. Nach der Profanierung 1794
diente das Gebäude als Pferdestall, Futterstadel und auch als Herberge für Obdachlose.
Seit 1999 steht der Bau leer und verfällt zusehends.
Philipp Harnoncourt und seine Geschwister
haben nun einen Förderverein zur Rettung
und Wiederherstellung der Heiligen-Geist-Kapelle in Bruck an der Mur gegründet und eine Bausteinaktion ins Leben gerufen. Das vom
Land, der Gemeinde Bruck und dem Denkmalamt unterstützte Unternehmen begründet der
Theologe Harnoncourt damit, dass dieser Bau
auf einmalige Weise nicht nur die Drei-Einheit Gottes, sondern auch die Berechenbar-
keit des Kosmos bezeugt. Diese beruht auf
dem vom griechischen Mathematiker Euklid
(ca. 360 – 280 v. Chr.) erkannten, unumstößlichen Gesetz des Drei-Ecks (Euklidische Trigonometrie), welches später, u. a. auch von
Nikolaus Kopernikus, zur „sphärischen Trigonometrie“ weiterentwickelt wurde. Deren
praktische Anwendung als „trigonometrische
Navigation“ ermöglichte nicht nur Christoph
Kolumbus und Vasco da Gama die Orientierung bei ihren Seereisen, sondern auch alle heute benutzten Navigations-Instrumente
(GPS) beruhen auf demselben Prinzip.
Ein zusätzliches Symbol, das durch die Heiligen-Geist-Kapelle präsentiert wird, sieht
Harnoncourt aber auch darin, dass die Zahl
Drei das Grundmuster für jedes gelingende
Zusammenleben ist: ich – du – wir.
Ingeborg Schödl ■
Informationen zum Erwerb des Bildbandes und zu Möglichkeiten der Unterstützung des Projektes erhalten Sie beim
Förderverein der Heiligen-Geist-Kapelle,
Koloman-Wallisch-Platz 1,
8600 Bruck an der Mur.
AUF HERBERGSSUCHE
Weihnachten mit den
Alleingelassenen
Mit den Obdachlosen Weihnachten
zu feiern, trifft für Walter Steindl,
langjähriger Mitarbeiter der Emmausgemeinschaft St. Pölten, den Kern der
Botschaft Jesu.
Zum sechsten Mal wird Walter Steindl, Sozialarbeiter und Leiter des Emmaus-Wohnheimes Kalvarienberg in St. Pölten, heuer
mit Obdachlosen und Alleingelassenen den
Heiligen Abend verbringen: „Für mich selbst
ist es eigentlich ein sehr schönes Erlebnis,
weil ich mich dadurch erinnere, dass die Ein-
zigen, die die Botschaft Jesu wirklich verstanden haben – die Hirten, die Armen –, mit
unseren Gästen vergleichbar sind“, sagt er.
Wunsch und Realität
Sie sind nicht zu beneiden, jene Männer, die
gezwungen sind, in der Notschlafstelle der
Emmausgemeinschaft oder im Wohnheim zu
nächtigen und die Leistungen des Tageszentrums in Anspruch zu nehmen. Gerade in den
Tagen um Weihnachten wird den meisten von
ihnen bewusst, wie sehr ihre Wünsche sowie
Vorstellungen vom Leben und die Wirklich-
keit auseinanderklaffen. Umso wichtiger ist
es aber auch, dass es gerade am 24. Dezember einen Ort gibt, wo sie hinkommen können, nicht allein sind, wo man sich um sie
sorgt.
Christbaum, Lieder, Bibeltext
„Wir besprechen den Ablauf des Heiligen
Abends bereits im Oktober in unserem
Team“, erzählt Walter Steindl: „Zu Mittag
wird es wieder ein ganz einfaches Essen geben. Wir stellen dann einen Christbaum auf
und schmücken ihn gemeinsam. Da sind die
12/2012
AUF HERBERGSSUCHE
15
1
3
1 Ein Päckchen für jeden Wohnheim- und
Notschlafstellen-Gast bei Emmaus
2 Walter Steindl, Sozialarbeiter und Leiter
des Emmaus-Wohnheimes Kalvarienberg
Zu Gast bei Emmaus
Rudolf K. ist arbeitslos. Zweimal ist die
Firma, in der er arbeitete, in Konkurs
gegangen. Dann war er für einige Zeit bei
einer Leihfirma und ist nun – aufgrund
seines Alters nicht mehr vermittelbar –
schon acht Jahre zu Hause. So muss er
sich mit der Existenzsicherung zufrieden
geben. „Obwohl ich 27 Jahre lang gearbeitet habe!“, gibt er zu bedenken.
Dreimal hat Rudolf schon am Kalvarienberg Weihnachten mitgefeiert. Er hat
eine eigene Wohnung ganz in der Nähe,
aber allein hält er es zu Weihnachten
dort nicht aus. Früher verbrachte er die
Stunden am Heiligen Abend vor dem
Fernseher und ist dann schlafen gegangen. Doch inzwischen kennt er viele, die
den 24. Dezember gemeinsam im
Tageszentrum von Emmaus verbringen,
und weiß die Gemeinschaft zu schätzen:
„Um Mitternacht machen wir im Garten
oben ein kleines Lagerfeuer. Da kommen
alle Leute rauf und bleiben noch eine
Stunde sitzen. Jedes Jahr zu Weihnachten
ist es schöner geworden!“
Nähere Information, speziell zur
Notschlafstelle:
www.emmaus.at/auffangnetz
3 Auftritt für Alleingelassene am Heiligen
Abend: Karl Prieler (2. R. r.) mit seiner
Band aus Wien
2
Ein kurzer Text aus der Bibel als Impuls
gehört auch dazu. „Für mich ist das immer
eine schöne Gelegenheit, die zentrale Botschaft des Evangeliums direkt anzusprechen,
das, was Jesus eigentlich sagen wollte: Die
da am Rand der Gesellschaft stehen, gehören genauso dazu. Wir sitzen alle im selben
Boot“, sagt Steindl. „Unsere Gäste haben oft
die Botschaft bekommen: ,Du bist nichts wert.‘
Sie übernehmen dieses Werturteil der Gesellschaft und glauben das dann auch. Weihnachten kann das umdrehen, dass sie sich
wieder dazugehörig fühlen. Das ist auch unser Ziel bei Emmaus, den Leuten wieder Selbstwert zu vermitteln.“
Wertschätzung
meisten sehr engagiert dabei. Am Nachmittag, etwa um 16 Uhr, treffen sich dann alle
im ,Saftbeisl‘, wo eine Gruppe musiziert.“ Es
ist fast schon zur Tradition geworden, dass
Karl Prieler aus Wien mit seiner kleinen
Band irische Weihnachtslieder zum Besten
gibt.
Dann werden die Packerl verteilt. „Für jeden
Wohnheim- und Notschlafstellen-Gast wurde
zuvor vom jeweiligen Betreuer ein Päckchen
gefüllt, mit Gebrauchsgegenständen, aber immer auch mit etwas Persönlichem. Natürlich
gibt es auch Päckchen für jene, die unangemeldet kommen“, so Steindl.
Gerade zu Weihnachten sei es wichtig, dass
die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Dienst machen, sagt der Leiter der
Einrichtung. Denn sie wüssten am besten
über die Schicksale der Gäste Bescheid. „Sie
kennen die Namen und die Geschichten dazu
und können Krisen abwehren.“ Außerdem sei
es einfach ein Zeichen der Wertschätzung, mit
den Leuten diese Zeit zu verbringen.
Nach einer kleinen „Bescherung“ steht das
mehrgängige Abendessen am Programm. Zur
Feier des Tages gibt es als Hauptspeise Rindsrouladen.
„Zu Weihnachten sind die Gäste sehr gefasst.
Sie versuchen ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten“, erinnert sich Steindl an die Feiern zurück, die er bei Emmaus schon erlebt
hat. Manche halten es nicht aus und betäuben ihre Gefühle mit Alkohol. Aber auch das
hat er schon erlebt: „Einmal hat einer nach
der Feier gesagt, er möchte nach Hause gehen und mit seinem Vater sprechen und um
Versöhnung bitten.“
Bernhard Herzberger ■
Mag. Bernhard Herzberger betreut den Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Emmausgemeinschaft St. Pölten.
12/2012
MENSCHWERDUNG – VERGÖTTLICHUNG
16
Alles nur Theater?
Theaterspielen gehört seit jeher
wesentlich zu unserer Kultur. Es
handelt sich dabei um ein interessantes Phänomen. Da reden
Schauspieler und treten so in
Beziehung zueinander. Allerdings
sprechen sie einen vorgegebenen
Text, den ein Autor geschrieben
und den sie vorher auswendig gelernt haben. Aus diesen Reden
können Außenstehende (zumeist)
eine Handlung erkennen, von der
sie sich betreffen lassen.
Zuschauer lachen oder weinen.
Sie warten gespannt oder gelangweilt auf das Ende, fühlen sich
erleichtert oder sind enttäuscht.
In jedem Fall hat das Theaterstück die Zuschauer verändert.
Und das ist bemerkenswert. Die
Schauspieler interagieren nämlich zwar miteinander, doch sind
die eigentlichen Adressaten die
Zuschauer. Die Darsteller sprechen zu- beziehungsweise miteinander, doch die Zuschauer sind
die Angesprochenen.
Ausgesprochenes
Wort
Zu Weihnachten feiern die Christen, dass Gott sich in Jesus
Christus ausspricht. Er ist das
Wort Gottes. Er ist der Text, mit
dem Gott die Bühne der Menschheit betritt. Die Menschen sind
die Zuschauer, die das Leben Jesu von der Geburt bis zum Tod
und zur Auferstehung sehen. Sie
entdecken dabei nicht nur eine
Handlung, sondern das Handeln
Gottes.
Für scheinbar
Unbeteiligte
Gott spricht, indem er handelt.
Die Adressaten der Menschwerdung sind nicht bloß die damals
lebenden Menschen. Es sind nicht
nur jene Menschen angesprochen, mit denen Jesus in Beziehung getreten ist: Maria, Josef
und die Jünger. Vielmehr geht es
wie beim Theater auch um die
Zuschauer. Die scheinbar Unbeteiligten, die die biblische Botschaft hören oder lesen, sind betroffen. Durch dieses Drama von
Menschwerdung, Tod und Auferstehung sollen alle Menschen verändert werden. Sie werden vergöttlicht, weil Gott Mensch wird.
Beim Theater sprechen die Schauspieler einen vorgegebenen Text.
Mit ihrem Schauspiel verkörpern
sie ihn. Auch der Text Gottes ist
vorgegeben. Es ist die Liebe, die
mit dem Wort Gottes identisch
ist. In Jesus ist die Liebe Gottes
verkörpert. Sie wird greifbar und
handelt bis zum Ende.
Zuschauer werden
Darsteller
„Im Anfang war das Wort … und
das Wort war Gott.“ Gottes Wort
ist Mensch geworden. Allerdings
ist das kein Theaterstück, Jesus
ist kein Schauspieler, und wir
sitzen nicht bloß auf den Logenplätzen und müssen nach dem
Ende wieder heimgehen. Zu Weihnachten feiern wir, dass die Kirche kein bloßer Theatersaal ist
und die Bibel keine Erfindung.
Vielmehr ist die Menschwerdung
Realität, die nicht bloß Theaterbesucher, sondern alle Menschen
verändern kann.
Die Welt ist seither nicht mehr
dieselbe. In sie hinein ist ein Text
gesprochen, der alle Zuschauer
zu Darstellern macht. Wer dieses
Stück verfolgt, wer Jesus nachfolgt, der verkörpert den Text
Gottes ebenfalls. „Und das Wort
ist Fleisch geworden.“ Das gilt in
diesem Sinn nicht nur für Jesus,
sondern auch für uns.
Peter Schipka
■
Mit der personellen Neubesetzung
begann in der Erzdiözese Wien
im November 2011 ein neuer Abschnitt zur Förderung der Berufungen zum geweihten Leben.
Mag. Franz Bierbaumer als Leiter und sein Mitarbeiter Mag. Darko Trabauer bilden das Kernteam
der Wiener Berufungspastoral,
das mit der Neugestaltung der
Dienststelle begonnen hat.
Kooperation und
Vernetzung
Ein wichtiger Punkt der Neugestaltung der Dienststelle ergab
sich aus der Tatsache, dass eine
geistliche Berufung immer individuell, aber selten anonym geschieht. Durch die Vernetzung und
Kooperation mit Ordensgemeinschaften, Pfarren, Institutionen
für Unterricht sowie Erziehung,
geistlichen Bewegungen, Gebetsgruppen und dem Begegnungszentrum Quo vadis? versuchen wir,
im Zentrum des Geschehens zu
bleiben. Aus diesem Grund formierte sich im Oktober 2012 ein
größeres Team von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen – der „Runde Tisch Berufungspastoral“ –
mit dem Ziel, ein positives Bewusstsein für geistliche Berufungen zu schaffen.
12/2012
AUS DER ERZDIÖZESE WIEN
Neuer Wein in neue Schläuche
Ein großes Projekt des neuen
Berufungspastoralteams ist die
Vorbereitung des ersten „Theo-Tages“
in Wien am 19. Februar 2013.
In diesem Sinne versuchen wir,
unsere Angebote an jene Menschen zu richten, die vor der Entscheidung stehen, einen geistlichen Lebensweg zu beschreiten
und einen geistlichen Beruf anzustreben. Dennoch erkennen wir
die Notwendigkeit, in vielen Bereichen des kirchlichen Lebens
mitzuwirken, um eine möglichst
gute Basis für die Auseinandersetzung mit dem Thema „Berufung“ zu schaffen. Die Arbeit mit
Ministranten, Schulkindern und
Jugendlichen, Lehrlingen und Studenten soll intensiviert werden.
Behelfe für die Jugend- und Gruppenarbeit sowie für den Firmund Religionsunterricht sind in
Planung.
Für Februar 2013 bereiten wir
einen „Theo-Tag“ vor. In Vorträgen, Workshops und Gesprächen
sollen SchülerInnen verschiedener Schulen der Erzdiözese Wien
kirchliche Berufe und das Studium der Theologie vorgestellt werden. Das Projekt, das in anderen
Diözesen Österreichs bereits erfolgreich umgesetzt worden ist,
erfolgt in Kooperation mit diözesanen Stellen wie dem Schulamt,
den Hochschulen und Privatschulen. Veranstaltungsort wird der
Standort Strebersdorf der Kirchlich Pädagogischen Hochschule
Wien/Krems sein. SchülerInnen
werden die Möglichkeit haben,
einen ganzen Vormittag mit Kardinal Schönborn und anderen
hochrangigen Persönlichkeiten
der Erzdiözese Wien zu verbrin-
gen, sich mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen und Fragen zu
stellen, die aus erster Hand beantwortet werden.
Persönliche und
gemeinschaftliche
Erfahrung
Berufung ist an die persönliche
Erfahrung Gottes, der jeden Einzelnen liebt, gebunden. Eine besondere Gelegenheit für die Begegnung mit Gott im Wort der
Heiligen Schrift, in der Feier der
Liturgie und im persönlichen Gebet bietet die „Berufungsmesse“
mit Kardinal Christoph Schönborn. Zu der von den „Kleinen
Schwestern und Brüdern vom
Lamm“ gestalteten monatlichen
Jugendmesse werden Jugendliche
und Pfarrgruppen zur Teilnahme
eingeladen. Nach dem Gottesdienst besteht die Möglichkeit,
dem Kardinal Fragen zu stellen
und mit ihm und miteinander ins
Gespräch zu kommen. Die Termine finden Sie auf unserer Homepage. Als regelmäßige Angebote
für junge Menschen sind Wall-
fahrten, Einkehrwochenenden sowie Exerzitien zum Thema „Berufung“ geplant. Ein weiteres, wichtiges Anliegen ist die verstärkte
Etablierung sowohl des monatlichen Gebetstages als auch des
Weltgebetstages für geistliche Berufe.
Die Berufung zum geweihten Leben hat wesentlich mit den Fragen zu tun: Welchen Sinn, welche Bestimmung gebe ich meinem Leben? Was ist meine Berufung? Wozu bin ich von Gott berufen? Paulus gibt im Epheserbrief eine Antwort: „Wir sind zum
Lob seiner Herrlichkeit bestimmt!“
(Eph 1,12) Der Weg dorthin ist oft
alles andere als einfach. Genau
darum geht es uns in der Berufungspastoral: Menschen auf diesem Weg der Entscheidung und
Unterscheidung zu helfen, eine
Lebensform zu finden, die dieser
Grundberufung am ehesten entspricht.
Darko Trabauer ■
Mag. Darko Trabauer ist Theologe, verheiratet und Vater zweier Kinder.
Information
www.berufungen.at
Berufungspastoral
in der Erzdiözese Wien
Dem Kernteam für Berufungspastoral in der Erzdiözese Wien
gehören Mag. Lic. Franz Bierbaumer und Mag. Darko Trabauer
an. Franz Bierbaumer wurde
1963 geboren und ist in Niederösterreich aufgewachsen. 1990
wurde er für die Erzdiözese
Wien zum Priester geweiht.
Er ist zweiter Rektor des
Propädeutikums in Horn und
seit Herbst 2011 Leiter der
Berufungspastoral in Wien.
Mit ihm arbeitet der 41-jährige
Darko Trabauer seit November
2011 für die Wiener Berufungspastoral. Der gebürtige Kroate,
der seit 1991 in Österreich lebt,
engagierte sich davor in verschiedenen Bereichen der
Jugendpastoral.
17
12/2012
ERSTER WEGABSCHNITT
„Endlich“
Propädeutiker!
18
Jetzt bin ich „endlich“ Propädeutiker! So ähnlich waren meine ersten Gedanken, als ich in
Horn „angekommen“ bin! Meine Freude war
und ist riesengroß. Ja, man kann gut und gerne von so etwas wie einer großen und tiefen
„Verliebtheit“ sprechen.
„Endlich“, „angekommen“, „Verliebtheit“! – Das
sind Wörter und Begriffe, die am Ende der
Einführungswoche in das Propädeutikum für
mich eine noch ganz andere Bedeutung als
die ursprüngliche bekommen haben.
Ich wusste ja nicht, was mich genau erwarten würde. Natürlich hatte ich mich im Vorfeld über das Propädeutikum und die Einführungswoche erkundigt und mir aus den einzelnen Informationen, die man von verschiedensten Seiten erhält, mein Bild gemacht. Vieles von diesem Bild wurde erfüllt und einiges
davon weit übertroffen. So fühlte ich mich von
Beginn an sehr wohl. Es entstanden sehr bald
gute und tiefgehende Gespräche, sowohl mit
den zukünftigen Propädeutikern als auch mit
den Begleitpersonen – Spiritualen, Rektoren
und Regenten.
Persönliche Wege
Es wurde mir sehr rasch klar, dass es in dieser Einführungswoche nicht nur darum geht,
einander kennenzulernen, sondern sich gemeinsam mit den Mitbrüdern auf einen neuen
Weg zu begeben. So hat jeder Einzelne von uns
bereits eine Wegstrecke hinter sich – jeder
für sich seine ganz persönliche und manchmal sicher auch beschwerliche.
Aber alle diese Wege hatten wohl ein Ziel,
nämlich uns hier in Horn zu dieser Gemeinschaft zusammenzufügen, um uns gemeinsam
auf den Weg in Richtung Priesterberuf zu machen. Jeder bringt aber bereits etwas mit: persönlich Erlebtes. Das wiederum ist für die Gemeinschaft sehr wertvoll.
So haben mir viele verschiedene Erlebnisse dieser Einführungswoche auf ganz unterschiedlichste Art und Weise gezeigt, auf wie vielen
Wegen Menschen von Gott angesprochen werden: dass Gott jemand ist, der immer und
immer wieder auf jeden Einzelnen von uns
zukommt und uns entgegengeht, ja, uns niemals aufgibt! Auch wenn für uns die Wege,
die wir gehen müssen, manchmal bitter und
nicht immer gleich zu begreifen oder zu erkennen sind.
Bild für die Lebenswegsuche
Einen Nachmittag der Einführungswoche
nützte ich für eine Wanderung in der Umgebung von Horn. Sie begann ganz unbeschwert auf einem guten Weg. Ich erfreute
mich an der Landschaft, am Duft des Waldes
und der Gräser und an dem einen oder anderen Wildtier, das meinen Weg kreuzte. Doch
dann, ganz unvorhergesehen, endete dieser –
mitten im Nichts!
Der Propädeutikumsjahrgang 2012/2013 auf Fußwallfahrt nach Mariazell.
Oktavian Schrattel (1. R. r.) stammt aus der Diözese Gurk.
Die Situation zwang mich, die Sinne zu schärfen, denn ich musste mir darüber klar werden,
welche neue Richtung ich einschlagen sollte.
Ich ließ mich auf einen Fußsteig ein, den ich
zuvor noch niemals gegangen war. Er führte
mich durch Gestrüpp. Dennoch blieb ich in
dieser Spur. Im Glauben und in der Hoffnung,
dass mich dieser Weg meinem Ziel näherbringen werde, ging ich ihn weiter – wenn
auch etwas zaghaft, aber doch entschlossen.
Es dauerte einige Zeit, dann erreichte ich einen gut gehbaren Weg. Er war einladend. Ich
folgte ihm eine ganze Weile, ehe ich bemerkte, dass er mich zu sehr von meinem Ziel entfernte. Ich musste eine neue Richtung einschlagen, wollte ich mein Ziel, rechtzeitig beim
gemeinschaftlichen Gebet mit meinen Mitbrüdern zu sein, erreichen.
Aufbruch
Abschließend kann ich sagen, dass die Einführungswoche ein Aufbruch, ein „Sich-aufden-Weg-Machen“ gewesen beziehungsweise
geworden ist. „Endlich“ wird „Unendlichkeit“,
„angekommen“ zu einer „täglichen Suche nach
Gott“ und die „Verliebtheit“ mutiert zu einer
„in Gott bleibenden Liebe“!
Ich bedanke mich für die sehr erfüllten ersten Tage in Horn und wünsche uns Propädeutikern, dass wir einander zum Segen werden.
Oktavian Schrattel
Die Propädeutiker haben sich mit Beginn des Studienjahres für einen ersten
gemeinsamen Wegabschnitt in Richtung Priesterberuf entscheiden.
■
12/2012
WEGKREUZUNG
Wo sich Wege
treffen ...
„Grüß Gott, Schwester Martina! Ich maturiere dieses Jahr in Religion. Für eine Arbeit
beschäftige ich mich mit dem Thema Alltag
und Tagesablauf in einem Frauenkloster. Da
habe ich gleich an Sie gedacht. Es wäre sehr
hilfreich, wenn Sie mir ...“
Das Mädchen, das hier schreibt, war vor einigen Jahren meine Schülerin, bis es mit 14
Jahren die Kooperative Mittelschule beendete und in eine weiterführende Schule wechselte. Nein, in der Zwischenzeit habe ich von
ihr nichts gehört, bis diese Anfrage als private Nachricht auf meinem facebook-Account aufschien.
Gibt es einen besser geeigneten Ort als das
Begegnungs- und Informationszentrum Quo
vadis?, um mit einem jungen Menschen dieses Thema zu besprechen? Wo man Folder
und Adressen zur Verfügung hat und Zugriff
auf zahlreiche Informationsquellen … und
dann mitunter vermitteln kann, dass der
Alltag in dem einen oder anderen Kloster
auch konkret miterlebt werden kann.
stattet ist, zu verweilen, um zu danken, zu
fragen, zu hören. – „Wohin führt mein nächster Schritt, mein Weg?“
So erlebe ich, dass hier im Quo vadis? wirklich Berufung im Zentrum steht. Unsere Angebote haben wir für Sie auf der Homepage
www.quovadis.or.at übersichtlich zusammengefasst.
Besuchen Sie uns, um diesen besonderen
Treffpunkt für Engagement in der Kirche zu
erleben, unser Team kennenzulernen, an einer Veranstaltung teilzunehmen oder unsere
vielfältigen Angebote zu nutzen. Wir freuen
uns, Sie bei uns begrüßen zu dürfen!
Sr. Martina Holzer FDC
■
Besonders freut das Quo vadis?-Team, wenn
sein Programm für SchülerInnen sowie FirmkandidatInnen in Anspruch genommen wird
und die Räume, die modern und hell sind, richtig lebendig und bunt werden, sich mit Stimmen und Stimmungen füllen. Auf diese Begegnungen bereitet sich das Team besonders
vor. Deshalb sollten sie auch angemeldet werden.
Gut tut es aber auch, im Raum der Stille, der
mit einer wunderschönen Glasstele ausge-
Ordensleben –
ein Weg für mich?
Austausch-Gruppe für Frauen und Männer
bis 35 Jahre, die sich fürs Ordensleben interessieren:
• mit anderen zusammenkommen, die sich
auch diese Frage stellen
• Ordensleute treffen, Einblicke ins Ordensleben gewinnen
• verschiedene Formen des Ordenslebens
kennenlernen
• Impulse zur eigenen Lebensgestaltung
• Begleitung und Hilfe zur Orientierung und
Entscheidungsfindung
• regelmäßige Treffen
Gelegentlich mache ich Dienst im Quo vadis?.
Die Fenster sind groß und geben von draußen Einblick in das, was sich drinnen tut.
Immer wieder erlebe ich, dass Menschen hereinkommen, um sich umzusehen und in den
Foldern und Prospekten zu blättern und zu
suchen. Manche bleiben, trinken Kaffee und
stellen Fragen oder erzählen.
Schön ist es auch, dass wir Ordensleute einander hier begegnen. Wir besprechen und
planen. Wir tauschen Erfahrungen aus und
lachen miteinander. Wir klagen und wir hoffen … Das erlebe ich als wertvoll, und es
macht mich dankbar!
19
Sr. Martina Holzer, Mitglied der Kongregation der
Töchter der Göttlichen Liebe, bei einem
Entscheidungsworkshop. Sie ergänzt als ehrenamtliche Mitarbeiterin das Quo vadis?-Team.
Angebote im Dezember
13.12., 11.00 bis 16.00 Uhr
Klostermarkt
mit Produkten aus österreichischen
Klöstern
13.12., 18.00 Uhr
Bibliolog mit Sr. Martina Holzer FDC
zur Perikope „Zacharias wird ein Sohn
angekündigt“ (Lk 1)
Begleitung
Steyler Missionsschwestern, Salvatorianer,
Oblaten des heiligen Franz von Sales, Mitglieder der Kongregation der Helferinnen
Information und Anmeldung
Sr. Hemma Jaschke
sr.hemma@ssps.at
P. Josef Wonisch
josef.wonisch@salvatorianer.at
Einstieg jederzeit möglich!
Kontakt
Quo vadis?
Treffpunkt für Engagement in
der Kirche
Stephansplatz 6, Zwettlerhof, 1010 Wien
01/512 03 85
office@quovadis.or.at
12/2012
BLICKWINKEL
WEIHNACHTEN 2012
Die spannungsgeladene Pause
Ein mehrfaches
Wunder
20
Gibt es Wunder?
Zum Wundern gibt es viel. Aber Wunder?
Weihnachten ist ein mehrfaches Wunder. Jener
unfassbare Intellekt, jene uneingeschränkte Kreativität, jenes undurchdringliche Geheimnis, das wir Gott nennen, wird Mensch.
Er wird es mit allen Konsequenzen, die zum
Menschsein gehören.
Man könnte das als Spiel eines Gelangweilten, als Spaß am Verkleiden abtun. Gott selbst
interpretiert sein Menschwerden aber anders.
Er benützt es als Instrument, unseren unausweichlichen Tod in Leben zu verwandeln. Dieses neue Leben hängt nicht von der Zeugungskraft des Mannes ab, nicht von der Leidenschaft des Blutes. Es wird durch die Verbindung gewonnen, die ein Mensch mit Gott
eingeht.
Der Advent ist bekanntlich die Spezialzeit,
einmal mit dem Dauerlärm aufzuhören und
still zu werden. Jedenfalls sagen das die religiösen Fachleute, zu denen ja auch ich zähle. Aber wie wird man still? Wenn eine Weltraumrakete gestartet wird, gibt es das berühmte Schweigen, in dem nichts anderes
geschieht, als dass laut von hinten nach vorne gezählt wird, also von zehn bis null. Kein
Mensch in der Kommandozentrale wird sich
in dieser entscheidenden Countdown-Phase
etwa laut danach erkundigen, ob es denn heute in der Weltraumbahnhofs-Kantine zu Mittag wieder Schnitzel und Kartoffelsalat gibt.
Keiner wird es wagen, laut in diese knisternde Spannung hinein zu berichten, dass die Krawatte des Außenministers beim letzten Fernsehauftritt einfach scheußlich gewesen sei.
Der entscheidende Moment des Raketenstarts
wird in äußerster Stille erwartet.
Countdown
Nun kann man ja wohl sagen, dass die Geburt Jesu Christi in Bethlehem der entscheidende Moment für die Menschheit gewesen
ist. Gegen ihn verpuffen alle noch so großartigen Raketenstarts zu belanglosen Augenblicken. Der Advent ist der Countdown für das
Kommen Jesu. Wir müssten eigentlich eine
große Erfindungsgabe entfalten, um Stille in
diese Zeit hineinzubekommen. Wir müssten
es fertigbringen, eine Art von religiösem Lärmschutz zu gestalten. Wir müssten es schaffen, eine Atmosphäre der Gelassenheit und
der gespannten Ruhe in uns und – wenn möglich auch – um uns zustande zu bringen, um
den Moment des Kommens Jesu nicht zu verpassen.
Die Christen sind überzeugt, dass Gott durch
Christus diese Verbindung hergestellt hat.
Sie wissen, dass es an ihnen
liegt, was aus dieser
Verbindung wird.
Wilhelm Müller ■
(† 17. Januar 2012)
Gegen den Strom
Dass wir damit gegen den Strom schwimmen, ist völlig klar. Denn unsere Welt draußen ist sehr laut. Und in uns ist es nicht viel
leiser. Leider ist es mit der Stille in unseren
Kirchen auch nicht viel besser. Vielleicht wäre es ein Anfang mit der Suche nach Stille,
wenn wir auch in den Pfarren nicht sämtliche Gruppenweihnachtsfeiern mit vollem Gesang aller Weihnachtslieder schon im Advent
über die Runden bringen wollten und würden. Vielleicht wäre es gut, anstatt einer gemischten Advent-Weihnachtsfeier mit Glühwein und Lebkuchen einmal in die Kirche
zu gehen und ganz still Anbetung zu halten –
in Erwartung des kommenden Herrn. Dann
könnten wir alle zusammen berechtigterweise zu Weihnachten auch das Lied von der
Stillen Nacht, der Heiligen Nacht singen.
Der Anfang 2012 verstorbene Chefredakteur von miteinander war als Priester und
Medienschaffender ein Mann des Wortes.
Prof. Ingeborg Schödl hat markante Texte,
wie den oben angeführten, aus seinen verschiedenen Wirkungsbereichen (Pfarre
Mödling, Dompfarre Wiener Neustadt,
ORF, Canisiuswerk) ausgewählt. Einfach
zum Nachdenken. Einfach zum Nachlesen.
Einfach zum Schenken.
■
Bestellungen bitte unter: 01/512 51 07
canisiuswerk@canisius.at
Klaus Weyers
Nachlesen – Nachdenken
Erinnerungen an Wilhelm Müller,
ausgewählt von Ingeborg Schödl,
erscheint im Dezember,
€ 14,90 (zzgl. Versandkosten)
12/2012
FÜR SIE GELESEN
1 Spiritualität
und Seelsorge
Mit dem Buch „Alfons von Liguori“ eröffnete Pater Martin Leitgöb 2010 die
neue Schriftenreihe „Spiritualität und
Seelsorge“ der Redemptoristen.
Spiritualität und Seelsorge stehen in
einem wechselseitigen Miteinander,
das von dieser Ordensgemeinschaft
gelebt wird. Mit der Darstellung des
heiligen Alfons von Liguori als Lehrer des Gebetes und der Barmherzigkeit soll auf die Charismen des Gründers des Redemptoristenordens hingewiesen werden. Alfons, als Sohn
einer adeligen neapolitanischen Familie am 27.9.1696 geboren, schloss
bereits mit 16 Jahren sein Rechtsstudium ab. Neben seiner Tätigkeit als
Rechtsanwalt engagierte er sich im
kirchlich-sozialen Bereich, bis er sich
entschloss, Priester zu werden. Er
verließ sein Elternhaus und arbeitete für die Lazaroni, die Armen von Neapel. Zur Abhaltung von Volksmissionen gründete er eine Priestergemeinschaft.
Gegen seinen Willen bestellte ihn der
Papst schließlich zum Bischof. Alfons blieb aber bis zu seinem Lebensende Generaloberer seiner Kongregation.
Im Kapitel Theologie und Spiritualität werden die theologisch-spirituellen Wurzeln des Lebens und der Lehre des heiligen Alfons aufgezeigt. Dabei geht es um die Größe und Grenzen des Menschen sowie um die Liebe Gottes, der die Menschen retten
und heilen will. Er zeigt diese Liebe
in Jesus. Krippe, Kreuz und Altar
(Eucharistie) sind die Zentren seiner
Erlöserliebe.
„Die Herrlichkeit Mariens“ ist bis
in das 20. Jahrhundert ein spiritueller Bestseller des heiligen Alfons.
Seine innere Haltung ist geprägt vom
Loslassen der eigenen Pläne und vom
Suchen nach dem Willen Gottes. Die
Jesusnachfolge wird zu einem lebenslangen Lernprozess.
Im Kapitel über Apostolat und Seelsorge wird als Grundhaltung des heiligen Alfons das „Evangelizare pauperibus“ („Den Armen die Frohbotschaft
verkünden“) dargestellt. Er will kein
Sozialreformer sein, sondern er wendet sich an die religiös Armen in den
ländlichen Gebieten. Dazu rief er
Volksmissionen ins Leben, die sich besonders der Verkündigung der zentralen Themen des Evangeliums, einer
barmherzigen Beichtseelsorge und der
Einübung verschiedener Gebetsformen widmeten. Alfons schreibt viele
volkstümliche Katechesen. Er verfasst
und sammelt ein umfangreiches religiöses Liedgut.
Verantwortlich für diesen Band 1 über
Alfons von Liguori zeichnet P. Martin Leitgöb, Mitglied der Wiener Provinz der Redemptoristen. Mittlerweile sind in der von der Ordensgemein-
AKTUELL
Adventkalender
1
Glauben leben – Türen öffnen
21
2
Erhältlich
im Buchhandel
schaft der Redemptoristen initiierten Reihe „Spiritualität und Seelsorge“ bereits fünf der insgesamt geplanten zehn Bände zu Grundthemen
der redemptoristischen Spiritualität
und Seelsorge erschienen. Die beiden im Herbst 2012 veröffentlichten
Titel widmen sich den Themen „Mission in Europa?“ (Regina Polak) und
„Leben nach den evangelischen Räten“ (Anneliese Herzig).
Franz Schrittwieser ■
Martin Leitgöb, Alfons von Liguori.
Lehrer des Gebetes und der Barmherzigkeit, Tyrolia, 116 Seiten, € 9,95
(ISBN 978-3-7022-3097-5)
2 Von der Kunst des
Überlebens
Damals, vor 1938, war Marko Feingold sicherlich das, was man auf
Wienerisch als einen Strizzi bezeichnet hätte. Ein junger Mann, der sich
mit Charme, Pfiffigkeit und einem
Schuss Unverschämtheit durch das
Leben schlug. Später, in den Jahren
der Verfolgung und des Neubeginns
nach 1945, wurde er ein Überlebenskünstler, der – gezeichnet von den
Jahren im Konzentrationslager – trotzdem seinen Lebensmut nicht verloren hatte.
Marko Feingold ist in Wien, auf der
zwischen Prater und Donaukanal gelegenen Mazzes-Insel, gemeinsam mit
seinen drei Geschwistern in einer
kleinbürgerlichen jüdischen Familie
aufgewachsen. In der Zeit der großen
Arbeitslosigkeit schlug er sich mit
seinem Bruder Ernst als Vertreter in
Italien geschickt durchs Leben. Eine
gewisse Naivität und Unbekümmertheit ließ die jungen Männer die drohende Gefahr des Nationalsozialismus
nicht erkennen. Endstation für beide
war dann das KZ-Auschwitz. Ernst
überlebte es nicht. Und für Marko waren die weiteren Stationen noch die
KZs Neuengamme und Buchenwald.
Nach der Rückkehr wurde für Feingold dann Salzburg zum Lebensmittelpunkt.
Zu Weihnachten öffnet Gott uns seine Tür, damit wir im Stall an der Krippe seine Menschwerdung voll Ehrfurcht bestaunen.
3
Marko M. Feingold ist derzeit Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg und als „Zeitzeuge“ in den
verschiedensten Bildungseinrichtungen unterwegs. Eine Aufgabe, der er
sich, als Geschäftsmann nun im Ruhestand, mit der ihm eigenen Eloquenz widmen kann.
Unter allen Erinnerungsbüchern zum
Thema Holocaust ist diese Biografie
als „ungewöhnlich“ einzureihen. Es
ist die Lebensgeschichte eines Juden, der Unmenschliches erlebt hat,
aber sich trotzdem keinen kollektiven Hassgefühlen hingibt; der sich
selbst nicht als besonders religiös bezeichnet, aber als rühriger Präsident
der Israelitischen Kultusgemeinde in
Salzburg äußerst aktiv ist; der nicht
nach Palästina ausgewandert ist, weil
er nicht unter lauter Juden leben wollte, und der eine Katholikin als Ehefrau bevorzugte. Das Buch besticht
durch seine Offenheit, seinen Humor
(auch Schlitzohrigkeit) und positiven
Lebenswillen und wird gerade dadurch zu einem beeindruckenden Zeitdokument.
Ingeborg Schödl ■
Marko M. Feingold, Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh.
Eine Überlebensgeschichte, Otto Müller Verlag, 329 Seiten, € 20,–
(ISBN 978-3-7013-1196-5)
3 Spätlese
Ein Vergleich mit gutem Wein, wie
ihn der Titel suggeriert, liegt nahe:
Die Geschichten von Altbischof Reinhold Stecher haben eine Zeit der Reife hinter sich und sind gehaltvoll. In
einer aktuellen Neuerscheinung sind
Aquarelle des Autors mit seinen Gedanken und Erinnerungen verbunden.
Die Komposition bildet eine „rückblickende Spätlese“, die erkennen
lässt – so Altbischof Stecher –, „dass
das Leben ein Geschenk ist“. red ■
Reinhold Stecher, Spätlese,
Tyrolia, 112 Seiten mit 17 Abbildungen, € 19,95
(ISBN 978-3-7022-3235-1)
Die Tage des Advents sind wie Tore
auf dem Weg dorthin. Sie öffnen sich
nur nach und nach. Sie fordern uns
heraus, innezuhalten, nachzudenken,
nachzuspüren, ehe wir bewusst wieder einen Schritt, einen Tag weitergehen. Wir sollen vorbereitet sein,
wenn wir zu Weihnachten die uns
schon von Gott her geöffnete Tür zur
Krippe durchschreiten.
Sonst laufen wir Gefahr, das Entscheidende zu übersehen: das Leben
selbst. Die Äußerlichkeiten können
in uns etwas anstoßen, öffnen. Doch
die Ankunft des Lebendigen kann
nur in uns geschehen.
Der Adventkalender gibt auch einen
Impuls im „Jahr des Glaubens“. Denn
neben der persönlichen Vorbereitung
könnte der Advent auch eine Zeit sein,
um Stärken und Schwachpunkte des
christlichen Lebens und der christlichen Sendung in der heutigen Welt
bewusst anzusehen. Dabei geht es
nicht darum, eine Strategie zu entwickeln, sondern darum, unser Engagement im Glauben genauer zu bestimmen und zu vertiefen.
Der Kalender wird durch einen
Monatskalender für das Jahr 2013
ergänzt.
Einige Restexemplare sind noch
erhältlich:
01/512 51 07
Seminar
„Am liebsten beides!“
Berufungspastoral als
Entscheidungshilfe
Termin
Mi., 23. Januar 2013, 14.30 Uhr bis
Fr., 25. Januar 2013, 12.30 Uhr
Ziele des Seminars
• Entwicklung von Entscheidungsworkshops für Menschen, die
nach der Spur Gottes in ihrem
Leben fragen
• Entwicklung von Entscheidungshilfen für Menschen, die ihr Leben als geistliches Leben gestalten wollen
➔➔➔
12/2012
CANIG
S I-UR SE W
CH
ER
TK
S SA PK T2U /E L2L
22
• Aus der seit Jahrhunderten bewährten Entscheidungsspiritualität der Jesuiten schöpfen und daraus Hilfen für eine klarere Sicht
entwickeln
• Entscheidungsprozesse selbst
reflektieren und begleiten lernen
UNSER ANGEBOT
Qualität lesen – Qualität schenken
Angebote, die im Canisiuswerk erhältlich sind. Bestellungen bitte unter:
01/512 51 07 • canisiuswerk@canisius.at
Referenten
P. Johannes Herz SJ, Verantwortlicher für Berufungspastoral der
Jesuiten, Haus Manresa/Linz;
Sr. Dr. Christa Baich sa, Theologin,
Exerzitienbegleiterin, Personalentwicklerin in der Erzdiözese Salzburg
Weihnachtsbilletts
Zur Auswahl stehen unter anderem zwei
Canisiuswerk-Motive (CW 1, CW 2, Format:
10 x 14,5 cm, je € 0,60 inkl. Kuvert), zusätzlich
vier Sieger-Köder-Faltkarten (SK-Motive, Format: 12 x 17 cm, je € 2,20 inkl. Kuvert) und vier
weitere Motive (FK 36, Format: 14,8 x 10,5 cm;
FK 37, Format: 10,5 x 19 cm, je € 0,90 inkl.
Kuvert; Billetts (mit Text) C25K, C27K, Format:
15,4 x 11 cm, je € 2,30 inkl. Kuvert).
Das Motiv SK 321 ist auch als
CW 2
Gebetsbild zum Preis von € 0,15
(ab 20 Stück: € 0,10) erhältlich.
Ort
Kardinal König Haus
Kardinal-König-Platz 3, 1130 Wien
Veranstalter
Kardinal König Haus/Ordensentwicklung und Canisiuswerk
1
Teilnahmebeitrag
€ 150,– (inkl. Mittagessen
am 24. Januar)
2
Anmeldung
01/804 75 93-649
www.kardinal-koenig-haus.at
CW 1
SK 321
3
4
www.touch-me-gott.com
Die Internetplattform bietet Christen ab 14 Jahren vom 2. bis 16. Dezember 2012 geistliche Impulse, um
in der Adventzeit die Beziehung zu
Gott zu vertiefen und erste Schritte eines geistlichen Lebens einzuüben. Erforderlich sind täglich etwa zehn Minuten Zeit – für Gott
und für sich selbst. Die Impulse liegen in Briefform zum Download vor.
Die „Praystation“ ist das ganze Jahr
über geöffnet und gibt Raum für
persönliche Bitten und Gebete. Der
„Gospelboden“ bietet einen kurzen
Impuls zum jeweils aktuellen Sonntagsevangelium und lädt zum Austausch mit anderen ein.
SK 348
Dank und Bitte
SK 353
Bücher
1 Canisiuswerk (Hg.), Nachdenken – Nachlesen.
Erinnerungen an Wilhelm Müller, 217 Seiten,
€ 14,90 (erscheint im Dezember)
Markante Texte aus allen Schaffensperioden des 2012
verstorbenen Chefredakteurs von miteinander. Ausgewählt von Ingeborg Schödl. Einfach zum Nachdenken.
Einfach zum Nachlesen. Einfach zum Schenken.
2 Bernhard Körner, Gute Gründe für ein Leben in
der Kirche, Tyrolia, 172 Seiten, € 12,95
Ein Buch, das das Wesen von Kirche-Sein und
Kirche-Leben aufzeigt und das alle ermutigen will,
die sich in der Kirche haupt- und ehrenamtlich
engagieren.
Derzeit bearbeiten wir die von
den Priesterseminaren und
Ordenshäusern einlangenden
Unterstützungsansuchen für die
Studenten. Unser Kuratorium
entscheidet darüber Anfang
Dezember. Bitte helfen Sie uns,
damit wir möglichst viele
Ansuchen positiv beantworten
können!
Kurt Schmidl
SK 309
FK 36
FK 37
C25K
3 Georg Fischer, Martin Hasitschka, Auf dein Wort hin –
Berufung und Nachfolge in der Bibel, 150 Seiten, € 7,80
Die geheimnisvollen Momente, in denen Gottes Sendung ein ganzes Leben verwandelt, stehen im Mittelpunkt dieses Buches. Die reichen biblischen Berufungserfahrungen sollen heutigen LeserInnen zugänglich
gemacht werden.
■
4 Lesezeichen, € 0,10
C27K
12/2012
GEBET
Zum monatlichen
Gebetstag um
geistliche Berufe
Donnerstag, 6. Dezember 2012
Die Kirche begeht heute den Gedenktag des heiligen Nikolaus. Er
ist einer der beliebtesten Volksheiligen. Besonders Kinder freuen sich über die Nikolausgaben.
Nikolaus ist aber nicht nur ein
„Kinderheiliger“. Zahlreiche Berufsgruppen – etwa Seefahrer, Fischer, Kaufleute, Juristen, Apotheker, Bäcker und Fuhrleute –
verehren ihn als ihren Schutzheiligen.
Die Legende berichtet vom
Kornwunder des Nikolaus.
Die Nikolauspatronate gehen auf
eine der vielen Legenden zurück,
die von Nikolaus’ Güte und Menschenfreundlichkeit berichten.
Er lebte im 4. Jahrhundert in Myra in der heutigen Türkei und soll
325 n. Chr. am Konzil von Nicäa
teilgenommen haben. Seit Errichtung der Nikolauskirche in Konstantinopel im 6. Jahrhundert wird
er im Osten verehrt. Er ist u. a.
der Patron Russlands. Als seine
Reliquien im 11. Jahrhundert nach
Bari in Italien gebracht wurden,
verbreitete sich seine Verehrung
auch im Westen.
INFORMATION
Nikolaus war keine Not fremd. Er
konnte am Elend seiner Mitmenschen nicht vorbeigehen. So gilt
er als eine der großen Lichtgestalten der Adventzeit, die uns
zum Weihnachtsfest hinführen
soll. Im Kind von Bethlehem hat
die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ein menschliches
Gesicht angenommen. Bitten wir
Gott, dass wir Weihnachten nicht
nur als ein Fest begehen, sondern dass seine Botschaft unser
ganzes Leben präge.
Franz Schrittwieser ■
Gott,
ich möchte Brot werden,
um die Hungernden zu sättigen.
Ich möchte Kleidung werden,
um die Nackten zu bekleiden.
Ich möchte Getränk werden,
um die Durstigen zu tränken.
Ich möchte weiches Lager werden
für die müden Glieder
der Ermatteten.
Ich möchte Heilmittel werden,
um die Gebrechen der Kranken,
der Behinderten, der Versehrten,
der Tauben und Stummen
zu heilen.
Ich möchte Licht werden,
um die geistig und körperlich
Blinden zu erleuchten.
Ich möchte Leben werden,
um alle toten Geschöpfe zum
Leben der Gnade
und zum körperlichen Leben
zu erwecken.
Ach mein Gott!
Es geschehe in mir
und in allen und
immer alles gemäß deiner Liebe.
Vinzenz Pallotti
Wir beten mit Papst Benedikt XVI.
DEZEMBER: Die Menschen auf der Suche nach neuer Heimat mögen – besonders von den christlichen Gemeinden – großzügig und
mit Nächstenliebe empfangen werden.
Christus offenbare sich allen Menschen im Licht von Bethlehem, das
auf dem Antlitz seiner Kirche leuchtet.
■
www.canisius.at
www.miteinander.at • www.priester.info • www.quovadis.or.at
Anfragen, Anregungen richten Sie bitte an:
Canisiuswerk, Stephansplatz 6/1/2/5, 1010 Wien
Tel.: 01/512 51 07 • Fax: 01/512 51 07-12
23
Unsere E-Mail-Adresse: canisiuswerk@canisius.at
Leserbriefe bitte an: www.miteinander.at >> Leserbriefe
Kirchliches Institut Canisiuswerk, Zentrum für geistliche Berufe, Stephansplatz 6, 1010 Wien
Präsident:
Erzbischof Kardinal Dr. Christoph Schönborn OP, Rotenturmstraße 2, 1010 Wien
Stellv.Präsident: BV Prälat Kan. Mag. Franz Schrittwieser, Ranzonigasse 3a, 3100 St. Pölten
Generalsekretär: Mag. Kurt Schmidl, Stephansplatz 6, 1010 Wien
Diözesandirektoren:
Wien:
Mag. Lic. Franz Bierbaumer, Canisiusgasse 1, 3580 Horn
St. Pölten:
BV Dr. Gerhard Reitzinger, Klostergasse 15, 3100 St. Pölten
Linz:
BV Regens Dr. Johann Hintermaier, Harrachstraße 7, 4020 Linz
Eisenstadt:
Regens Mag. Hubert Wieder, Boltzmanngasse 7–9, 1090 Wien
Salzburg:
PAss. Mag. Irene Blaschke, Triebenbachstraße 26, 5020 Salzburg
Graz-Seckau:
Regens Msgr. Dr. Wilhelm Krautwaschl, Lange Gasse 2, 8010 Graz
Gurk:
Diözesanjugendseelsorger Mag. Gerhard Simonitti,
Dr.-Primus-Lessiak-Weg 5, 9020 Klagenfurt
Innsbruck:
Regens Msgr. Dr. Peter Ferner, Riedgasse 9, 6020 Innsbruck
Feldkirch:
Martin Fenkart, Bahnhofstraße 13, 6800 Feldkirch
Militär:
Prälat Dr. Franz Fahrner, Roßauerlände 1, 1090 Wien
„miteinander“ erscheint achtmal im Jahr. Der Jahresbeitrag im Canisiuswerk beträgt mit Bezug
der Illustrierten „miteinander“ im Inland (Österreich) mindestens € 5,50, im Ausland € 10,–.
Mit Druckerlaubnis des Erzbischöflichen Ordinariates Wien.
Medieninhaber (Verleger): Kirchliches Institut Canisiuswerk – Zentrum für geistliche Berufe,
Stephansplatz 6, 1010 Wien. Redaktion und Verwaltung: Stephansplatz 6, 1010 Wien.
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Für den Inhalt verantwortlich: BV Prälat Kan. Mag. Franz Schrittwieser, Redaktionssekretariat:
Mag. Maria Fibich, Grafik: Atelier Bolnberger. Alle: Stephansplatz 6, 1010 Wien
Die Redaktion: Mag. Karl Mühlberger, Dr. Raphaela Pallin, Daniel Podertschnig, Dr. Peter Schipka,
Prof. Ingeborg Schödl, Mag. Johannes Sinabell, Dr. Josepha Stenitzer-Richter, Dr. Richard Tatzreiter,
Dr. Melanie Wolfers.
Postsparkassenkonto: Nr. 1322.550 Kirchliches Institut Canisiuswerk.
Bankverbindung: Schelhammer & Schattera – Kto-Nr. 133850.
Hersteller: Niederösterr. Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH
3100 St. Pölten, Gutenbergstraße 12, DVR 0029874(005)
Auflage: 48.300
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1. Halbjahr 2012
■
Einzelpreis € 0,69
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Unser Auftrag ist Berufung –
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JA
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ich möchte das Canisiuswerk fördern.
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Zeitschrift miteinander.
Als Jahresbeitrag werde ich mindestens € 5,50,
Ausland € 10,– einzahlen.
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Vor- und Zuname
Geburtsdatum
Beruf
Wohnort / Straße / Haus-Nr.
Postleitzahl
Postort
Unterschrift
BILD & WORT
Weihnachten
Ein herunter gekommener Gott ist er,
ganz anders, als wir es ausdenken könnten.
Wir sind seine Leidenschaft,
denn er ist eingefleischter Mensch!
Er hat sich hineinlegen lassen,
nicht nur ins Stroh der Krippe,
und er bleibt dabei – trotz allem.
Er steckt in unserer Haut
und fühlt sich darin sogar wohl.
Sein Liebesbrief wird kopiert
in unzähligen Wünschen.
Er macht eine andere Reklame,
nämlich für Frieden
und gutes Leben für alle.
Elmar Simma
Der göttliche Knabe in den Händen einer
schwarzen Mutter, Krippendarstellung,
Miravalle, Rovereto (Italien)
P.b.b.
Vertragsnummer: 10Z038730 M
Verlagspostamt: 1010 Wien
Miteinander – Welt und geistliche Berufung 12/2012
Bei Nichtannahme zurück an Aufgabepostamt
3100 St. Pölten, NÖ Pressehaus, Postfach 166
Bildnachweis, Seite(n):
1: Glenda Powers – www.istockphoto.com 1; 2: Santor 1,
Rupprecht@kathbild.at 1; 3 – 4: Hollerweger/ICO; 5: Podertschnig;
6: Ruf 1, Andreas Alte/Kath. Krankenhausseelsorge AKH 1;
7: Renata Holzbachova 1, Diane Diederich – www.istockphoto.com 1;
8: www.bolnberger.at 1, ktf.univie.ac.at 1; 9: Damir Cudic –
www.istockphoto.com; 10: Santor 1, Pressestelle der ED Salzburg 1;
11: Rupprecht@kathbild.at; 12: Fibich; 13: Matthias Keil;
15: Emmausgemeinschaft St. Pölten; 16: V. Langer Samstag 1, Santor 1;
17: Diözese Feldkirch 1, Privat 2; 18: Propädeutikum Horn; 19: Fibich 1,
pixelio.de 1; 20: George M. Muresan – www.istockphoto.com;
23: Friedrichsen; 24: Herbert Tichova.
Document
Kategorie
Seele and Geist
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